Fliegenfischen Große Mühl: Wie ein Kreidefluss ohne Kreide

Die Große Mühl oberhalb von Aigen-Schlägl ist schon was Besonderes. In weiten Abschnitten erinnert der Fluss an einen Kreidefluss wie aus dem Bilderbuch – ein echtes Highlight für das Fliegenfischen in Österreich. Breit, mäandernd und ohne großes Gefälle fließt sie durch Wiesen und Wälder. Nur fehlt die Kreide, der Kalk: Die Mühl hat dunkles Wasser und fließt durch Urgestein, wie Sepp Prantler beschreibt.

Fliegenfischen in Österreich

Bild: S. Prantler

Der Kreidefluss, der keiner ist: Granit-blöcke ragen an vielen Stellen aus dem Wasser und geben den Fischen reichlich Unterstände.

Fliegenfischen Österreich: Insektenschlüpfe wie am Kreidefluss

Die Große Mühl oberhalb von Aigen-Schlägl ist schon was Besonderes. In weiten Abschnitten erinnert der Fluss an einen Kreidefluss wie aus dem Bilderbuch. Breit, mäandernd und weitgehend ohne großes Gefälle fließt er durch Wiesen und Wälder. Nur fehlt die Kreide, der Kalk. Aber, auch wenn die Kreide fehlt, kann man unglaubliche Insektenschlüpfe erleben – genau wie an einem Kreidefluss. „Der Fluss der tausend Ringe“ wird er deshalb auch gerne genannt.

Dr. Christoph Hauer bewirtschaftet das Revier für den örtlichen Tourismusverband. Ich treffe mich mit ihm beim Stift Schlägl. Gemeinsam gehen wir ans Wasser. Für die Jahreszeit ist es überraschend kalt. Die Insekten und damit auch die Fische sind gerade nicht wirklich sehr aktiv.

„Der Fischbestand an unserer Strecke ist sehr gut und die Altersstruktur stimmt“, sagt Christoph.

Bachforelle Fliegenfischen Österreich

Bild: S. Prantler

Regenbogenforellen bis 35 cm sind die Regel, doch auch größere Exemplare sind immer mal drin, neben schönen Äschen.

An einem breiten Zug mit mittlerer Fließgeschwindigkeit versuchen wir zu Beginn unser Glück. Große, runde Granitsteine ragen immer wieder weit aus dem Wasser und geben den wilden Fischen Unterstände. Er versucht es mit der Nymphe, ich mit der Trockenfliege.

Vereinzelt sind Bachforellen an der Oberfläche aktiv. Aber sie sind unglaublich vorsichtig und scheu. Meine Würfe vergraulen einige aktive Fische. Auch die Nymphe von Christoph Hauer verschmähen sie. Also Stellungswechsel.

Platzwechsel mit Erfolg beim Fliegenfischen

An einem etwas tieferen und strömungsreicheren Abschnitt gelingt es Christoph, einige kleinere Bachforellen an den Haken zu bekommen, die sich aber nach kurzem Drill verabschieden.

Dann endlich hakt er eine Forelle mit gut 25 cm, die auch bis zur Landung am Haken bleibt. Wir bewundern den schönen Fisch mit seinen leuchtenden Farben und den perfekten Flossen nur kurz im Kescher und lassen ihn wieder schwimmen.

Etwas oberhalb, an einem tieferen, ruhigen Zug steigt bei Christoph schließlich eine größere Bachforelle ein. Kräftig wehrt sie sich, bis er sie schließlich doch landen kann. Mit 36 Zentimetern bewegt sie sich im oberen Bereich der Größenskala, die in der Großen Mühl realistisch gefangen werden kann.

Sie vermittelt einen guten Eindruck, wie kampfstark die wilden Bachforellen in diesem Fluss sein können. Größere Forellen sind immer mal möglich, aber diese Fische sind sogar noch scheuer und schwerer zu fangen als die kleineren und mittleren Exemplare.

Christoph kommentiert:„Der negative Einfluss des Menschen ist auch an der Großen Mühl deutlich zu spüren. Landwirtschaft, Flussverbauungen und Kraftwerke beeinträchtigen auch unser Revier. Aber viele der natürlichen Prozesse funktionieren bei uns noch. Unsere Strategie, auf Besatz vollständig zu verzichten, bewährt sich seit mittlerweile gut 15 Jahren. Die Fische haben sich an die Gegebenheiten angepasst und können damit umgehen.“

Wildfische Österreich

Bild: S. Prantler

Die Wildfische in der Großen Mühl sind scheu, wer erfolgreich sein will, muss teils kreativ sein und sich möglichst lautlos heranschleichen.

Auf eigene Faust

Ich ziehe allein los und befische einen Abschnitt, den mir Christoph Hauer genau beschrieben hat. Tatsächlich ist dort auch eine Reihe von Fischen an der Oberfläche aktiv.

Es ist nicht leicht, eine perfekte Wurfposition einzunehmen, ohne gleich alle Fische zu verscheuchen. Aber mit ganz langsamen Bewegungen gelingt es mir schließlich.

Kleine Buck Caddis-Trockenfliegen verführen mehrere Bachforellen bis 35 Zentimeter. Die im Fluss auf die Welt gekommenen und aufgewachsenen Bachforellen kämpfen erstaunlich gut an der Fliegenrute und sind waschechte Schönheiten.

Etwas oberhalb sehe ich eine große Äsche, wie sie unter einer Brücke hindurch schwimmt und sich dann neben die Hauptströmung stellt.

Beim zweiten Wurf mit der Trockenfliege nimmt ein starker Fisch die Fliege. Es ist eine Äsche. Mit 44 Zentimetern jedenfalls eine entsprechende Größe. Kurz darauf gelingt mir noch der Fang einer Bachforelle mit 36 Zentimetern und einiger kleinerer Artgenossen.

Die Fischerei ist abwechslungsreich und kurzweilig. Wilde Fische sind halt schlau und scheu. Das ist auch gut so – das macht die Fischerei umso spannender!

Ein gelungener Tag an der Großen Mühl

Zum Abend hin kann ich mit Christoph Hauer noch einige Bachforellen mit der Trockenfliege überlisten.

Die Große Mühl und ihre wilden, starken Fische, eingebettet in eine liebliche Landschaft, die netten Menschen sowie die kulinarischen Erlebnisse werden mich auf jeden Fall bald wieder sehen.

Den „Fluss der tausend Ringe“ will ich unbedingt auch mal so erleben, wie ich ihn bis jetzt nur aus Erzählungen kenne.

Es gibt nicht viele Gewässer in unseren Breiten, wo das Fliegenfischen in dieser Form möglich ist.

Forellen im Fokus – Nachhaltiges Fliegenfischen in Österreich

Der Fluss liegt im Dreiländer-Eck Deutschland, Österreich und Tschechien. Eigentümer dieses Ausnahme-Gewässers ist das Stift Schlägl.

Das Fischereirevier spielt eine zentrale Rolle beim Schutz der autochthonen Bachforelle. Ohne sie könnte sich die gefährdete Flussperlmuschel nicht vermehren.

„Besatzfische sind eigentlich hinausgeschmissenes Geld“, so Christoph Hauer.

Der Verzicht auf Besatzmaßnahmen fördert Wildfischbestände, die perfekt an das Gewässer angepasst sind und damit wesentlich widerstandsfähiger sind.

Regelmäßiges wissenschaftliches Monitoring bestätigt den außergewöhnlich guten Bestand an Bachforellen.

Informationen zum Fliegenfischen an der Großen Mühl

  • Revierlänge: 4,4 km von Ulrichsberg bis Schlägl
  •  Saison: 1. Mai bis 30. September
  • Breite: 10-25 m
  • Fischbestand: Überwiegend Bachforellen und Äschen, aber auch Regenbogenforellen, Bachsaiblinge, Aitel und gelegentlich Hechte.
  • Karten: Informationsbüro der Ferienregion Böhmerwald, 4160 Aigen-Schlägl, Telefon +43 5 07263 – 200
  • Preise: 40,- € für die Tageskarte bis 150,- € für die 7-Tageskarte.
  • Entnahme: Pro Angeltag dürfen zwei Fische der Arten Regenbogenforelle, Aitel oder Bachsaibling entnommen werden. Ausnahme: Die Mitnahme einer Bachforelle mit 55 cm Länge oder mehr als Trophäe ist ebenfalls erlaubt.

Die Große Mühl ist ein echtes Ausnahmegewässer für Fliegenfischer in Österreich. Wilde Bachforellen, starke Äschen, beeindruckende Insektenschlüpfe und eine nachhaltige Bewirtschaftung machen diesen Fluss zu einem der spannendsten Ziele für Fliegenfischen im Alpenraum.

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