Während in den 1980er-Jahren nur rund 2.000 Kormorane im Vereinigten Königreich überwinterten, liegt die Zahl heute bei über 65.000 Vögeln. Jeder einzelne Vogel benötigt täglich etwa ein Pfund Fisch – eine enorme Belastung für Flüsse, Seen und Teichanlagen. Natürliche Feinde fehlen weitgehend. Zudem führte die Herausnahme des Kormorans aus der allgemeinen Abschusslizenz im Jahr 1981 zu einem massiven Populationswachstum – mit spürbaren Folgen für empfindliche Fischarten und ganze Ökosysteme. Seit seiner Gründung 2009 setzt sich der Angling Trust dafür ein, Kormorane wieder in die sogenannte „General Licence“ aufzunehmen, um Fischereibewirtschaftern effektivere Schutzmaßnahmen zu ermöglichen – selbstverständlich ohne den günstigen Erhaltungszustand der Art zu gefährden.
Politische Initiativen und europäische Zusammenarbeit
Gemeinsam mit dem Avon Roach Project veröffentlichte der Verband 2019 eine umfassende Analyse über die Auswirkungen von Kormoranen auf wirtschaftlich und ökologisch bedeutende Fischarten. Unterstützt wurde die Kampagne unter anderem von dem Naturfilmer Hugh Miles, dem Moderator Chris Tarrant und dem Musiker Feargal Sharkey. Trotz erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit lehnten Minister die Aufnahme in die General Licence zunächst ab. 2024 griff man das Thema erneut auf, Fortschritte verzögerten sich jedoch durch politische Entwicklungen.
Parallel arbeitet der Angling Trust mit der European Anglers Alliance an einem europaweiten Managementplan. Ziel ist eine koordinierte, europaweite Reduzierung der Kormoran-Bestände von der Türkei bis nach Norwegen. Der gemeinsam mit Professor Ian Cowx entwickelte Entwurf sieht unter anderem adaptive Managementstrategien, klar definierte „Kormoran-freie Zonen“ in Konfliktgebieten, sowie rechtssichere Ausnahmeregelungen für kontrollierte Entnahmen vor. Auf einer Konferenz in Brüssel mit Delegierten aus 35 Ländern wurde der Plan bereits befürwortet.
Kormoran Management: Konkrete Fortschritte und Unterstützung für Vereine
Auch wenn die Fortschritte langsam erscheinen, wurden wichtige Schritte erreicht: Die Zahl der jährlich genehmigten Abschüsse wurde von 2.000 auf 3.000 erhöht – ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren, rein abschreckenden Maßnahmen. Zudem gibt es mittlerweile zwei Fischereimanagement-Berater, die Vereine kostenlos bei Anträgen, Schutzmaßnahmen und Datenerfassung unterstützen.
Die Datengrundlage für Entscheidungen bezüglich Kormoran-Management liefert weiterhin ausschließlich der jährliche Vogelzensus des British Trust for Ornithology. Digitale Melde-Apps könnten jedoch künftig helfen, zusätzliche Bestandsdaten für ein effektives, europaweit abgestimmtes Kormoran Management zu sammeln.
Der Schutz unserer Fischbestände erfordert einen langen Atem, wissenschaftliche Fundierung und politische Entschlossenheit. Der Angling Trust und seine Partner engagieren sich seit über 25 Jahren für tragfähige Lösungen. Klar ist: Ein nachhaltiges Kormoran Management ist eine zentrale Zukunftsfrage für Fischerei, Artenvielfalt und Gewässerschutz in ganz Europa.
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