Die Murg wird Flusslandschaft der Jahre 2026/27

Die Murg in Baden-Württemberg ist zur Flusslandschaft der Jahre 2026/27 gekürt worden. Mit der gemeinsamen Auszeichnung würdigen die NaturFreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) Renaturierungserfolge, Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die Entwicklung des sanften Tourismus im Murgtal.

Die Murg Flusslandschaft des Jahres 2026/27

Bild: Guido de Kleijn

Die Murg in Baden-Württemberg wurde zur Flusslandschaft der Jahre 2026/27 gekürt.

Für einen Zeitraum von zwei Jahren wählen die NaturFreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) eine gemeinsame Flusslandschaft der Jahre aus, um die Bevölkerung für die ökologische, wirtschaftliche und soziokulturelle Bedeutung der Flüsse und der von ihnen durchflossenen Landschaften zu sensibilisieren. Im Kampagnenzeitraum werden vor Ort Maßnahmen für Schutz, Renaturierung und Durchgängigkeit unterstützt sowie naturnahe Wander- und Erholungsgebiete gefördert. Die offizielle Proklamation findet am kommenden Weltwassertag (22. März 2026) im Naturfreundehaus An der Murg in Rastatt statt.

Einer der spannendsten Flusslebensräume in Deutschland

Die Murg ist ein rechter Nebenfluss des Rheins. Sie fließt vom Nordschwarzwald in die Oberrheinische Tiefebene und mündet nach 80,2 Kilometern nordwestlich von Rastatt in den Rhein. Dabei überwindet sie mehr als 800 Höhenmeter; ihr Einzugsgebiet umfasst 617 Quadratkilometer. Der Charakter der Murg ändert sich im Flussverlauf mehrmals deutlich: Die beiden größten Quellbäche entspringen in den Wäldern des Nordschwarzwaldes und vereinigen sich danach in einem breiten Wiesental. Anschließend folgt der Fluss einer engen Waldschlucht, in der er an einen alpinen Wildfluss erinnert.

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Bild: Kunstprojekt becoming river

Hier fließt die Murg schneller über ein steiniges Bett und erinnert an einen alpinen Wildfluss.

Im mittleren und unteren Murgtal strömt die Murg wieder deutlich sanfter, wird vielerorts von Gewerbekanälen begleitet und führt zuletzt als begradigter Flusskanal bis zur künstlich verlegten Mündung in den Rhein.

Ein begradigter Abschnitt der Murg

Bild: Heinz Zoller/ NaturFreunde Deutschlands

Ein begradigter Abschnitt der Murg.

Die Geschichte der Murg wurde stark von der Industrialisierung geprägt. Noch vor rund 150 Jahren war der Fluss das bedeutendste Lachsgewässer Baden. Durch Stauungen, die Einleitung von Industrieabwässern und die Begradigung des Unterlaufs verlor der Fluss jedoch einen Großteil seines Fischreichtums – der Atlantische Lachs verschwand vollständig.

Nach Renaturierungen kehrte der Lachs zurück

Seit den 1990er-Jahren – und verstärkt seit Beginn der 2000er-Jahre im Kontext der EU-Wasserrahmenrichtlinie – wurden an der Murg zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt: Zahlreiche Wehre und Kleinwasserkraftanlagen wurden für Wanderfische passierbarer gemacht, Gewässerstrukturen verbessert, Auenbereiche reaktiviert und Mindestwasserregelungen wasserrechtlich festgelegt. Parallel dazu wurde die Gewässerbelastung durch verbesserte Abwasserbehandlung und die Verminderung des Wärmeeintrags deutlich reduziert.

Besonders im Unterlauf wurde das Flussbett strukturreicher gestaltet und unter anderem Flussinseln angelegt, Deiche zurückgebaut und Überflutungsbereiche geschaffen. Und nicht zuletzt wurden im Rahmen von Wiederansiedelungsprogrammen mehrere hunderttausend Lachsbrütlinge ausgesetzt. Das Wanderfischprogramm wird im Land Baden-Württemberg vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg umgesetzt.

Verbesserte Wasserqualität und steigender Fischreichtum

Aufgrund dieser Maßnahmen haben sich sowohl die Gewässerstruktur und die Wasserqualität als auch der Fischreichtum der Murg in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verbessert. Zwar werden die Bestände von vor der Industrialisierung noch nicht wieder erreicht. Doch im Jahr 2024 konnten bereits wieder insgesamt 30 Fischarten in der Murg nachgewiesen werden. Und auch der Lachs – ein wichtiger Indikator für die Durchgängigkeit von Flüssen – kehrt wieder regelmäßig zurück in die Flusslandschaft der Jahre 2026/27.

Mit der Murg haben wir eine Flusslandschaft ausgezeichnet, die beispielhaft zeigt, wie ökologischer, sozialer und kultureller Wert eines Gewässers Hand in Hand gehen. Die Murg steht nicht nur für beeindruckende Natur und artenreiche Lebensräume, sondern auch für das Engagement der Menschen vor Ort, die sich für ihren Schutz und ihre nachhaltige Nutzung einsetzen. Als Deutscher Angelfischerverband sehen wir es als unsere Verantwortung, diese Erfolgsgeschichten sichtbar zu machen und gemeinsam mit Partnern weiterhin für gesunde, durchgängige und lebendige Flüsse in Deutschland zu arbeiten“, sagt der Präsident des DAFV, Klaus-Dieter Mau.

Im Zuge der Klimaanpassung gewinnen Renaturierungsmaßnahmen in Flusslandschaften zunehmend an Bedeutung, weil durch sie Extremwetterereignisse wie Starkregen und Dürren besser abgefedert werden können. Die Murg bietet hier hervorragende Beispiele“, so Joachim Nibbe, Mitglied des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands. „Die neue Flusslandschaft der Jahre 2026/27 zeigt, wie notwendig die Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und der EU-Wasserrahmenrichtlinie für den Erhalt von Ökosystemen sind.

Wander-, Rad- und Wildwassertouren kombinierbar mit der Regionalbahn

Das Murgtal mit seiner reizvollen und abwechslungsreichen Landschaft ist auch ein attraktives Naherholungsgebiet, in dem viel für den sanften Tourismus getan wird. So führen drei sogenannte Natura Trails Wandernde durch das Schutzgebiet „Unteres Murgtal und Seitentäler“. Natura Trails sind Wandervorschläge der NaturFreunde, die auf attraktiven Faltblättern ökologische Zusammenhänge erklären und mit touristischen Informationen kombinieren. Sie sensibilisieren die Bevölkerung für die Naturschönheiten „vor der Haustür“. Und es gibt viele weitere attraktive Wanderwege: Der Premiumwanderweg Murgleiter etwa erkundet auf 110 Kilometern Länge die Höhen beiderseits des Flusses. Dem Verlauf der Murg von der Quelle bis zur Mündung folgt der rund 100 Kilometer lange Murgtalwanderweg. Die Geschichte des Murgtals, der Murg und der Lachse in der Flusslandschaft der Jahre 2026/27 erzählt der Lachserlebnispfad zwischen Baiersbronn und Rastatt. Und auch die renaturierten Murgauen bei Rastatt laden zu erholsamen Spaziergängen ein.

Die Region rund um die Murg bietet neben naturnahen Flusslandschaften auch vielfältige Möglichkeiten für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde.

Bild: Guido de Kleijn

Die Region rund um die Murg bietet neben naturnahen Flusslandschaften vielfältige Möglichkeiten für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde.

Für Radtouren bietet sich der 67 Kilometer lange familienfreundliche Radwanderweg Tour de Murg an. Er beginnt in Freudenstadt und begleitet den Fluss dann ab Baiersbronn flussabwärts bis Rastatt. Viele Rad- und Wandertouren lassen sich hervorragend mit der Murgtalbahn kombinieren, die die Murg zwischen Rastatt und Baiersbronn begleitet. Bei hohem Wasserstand, wie er nach ergiebigen Regenfällen oder der Schneeschmelze vorkommt, ist die Murg zudem mit dem Kajak befahrbar. Das Flussbett ist breit und wird von großen Felsen geprägt. Unter Kanusportlern gilt die Murg als einer der schönsten Wildwasserflüsse Deutschlands.

Zwölf Naturfreundehäuser laden zu Übernachtungen in der Flusslandschaft ein

Im zweijährigen Kampagnenzeitraum haben NaturFreunde und Angler an der Murg viel vor. Unter anderem wollen die Kampagnenpartner naturnahe Umweltbildungsangebote und gewässerökologische Seminare veranstalten. Außerdem planen sie öffentlichkeitswirksame Naturschutz-Aktionen. Viele öffentliche Wanderungen sowie Kanu- und Radtouren sollen ebenfalls angeboten werden. Zudem werben die Partner verbandsintern dafür, die neue Flusslandschaft der Jahre 2026/27 wandernd oder angelnd zu entdecken. Auch Gremiensitzungen, Vereinstreffen und Freizeiten an der Murg sollen hier stattfinden. Zwölf Naturfreundehäuser mit insgesamt 365 Übernachtungsplätzen laden zu Aufenthalten direkt in der Flusslandschaft ein. Sie dienen als Basis für Exkursionen, Seminare und naturnahe Kurzurlaube.

Wer steckt hinter der Auszeichnung?

Die NaturFreunde Deutschlands (NFD) sind ein sozial-ökologischer Verband, der sich für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur engagiert. Mit mehr als 65.000 Mitgliedern in über 500 Ortsgruppen setzen sie sich ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft ein. Alle drei Jahre zeichnet die internationale NaturFreunde-Bewegung (NFI) im Rahmen ihrer Kampagnen die „Landschaft des Jahres“ aus.

Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland und vereint über 500.000 Mitglieder in rund 9.000 Vereinen. Er setzt sich für den Schutz von Gewässern, die Förderung von Wanderfischen und attraktive Angelmöglichkeiten ein und ist Mitglied der European Anglers Alliance (EAA).

Flusslandschaft 2026/27

Bisherige Flusslandschaften waren:

Stepenitz [Elbe] (24/25), Weiße Elster (20/23 – verlängert wegen Corona-Pandemie), Lippe (18/19), Trave (16/17), Argen (14/15), Helme (12/13), Emscher (10/11), Nette (08/09), Schwarza (06/07), Havel (04/05), Ilz (02/03), Gottleuba (00/01).

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