Dauerfrost auch für Fische problematisch
Der anhaltende Winter macht nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern ist auch für Fische extrem belastend. Vor allem flache, nährstoffreiche Stillgewässer geraten bei langem Frost in Sauerstoffnot.
Was machen Fische im Winter?
Viele heimische Fischarten sind zwar gut an kalte Temperaturen angepasst, doch eine dauerhaft geschlossene Eis- und Schneedecke bringt selbst sie an ihre Grenzen. Karpfen und Schleien senken im Winter ihren Stoffwechsel stark ab und verharren nahezu regungslos in tieferen Gewässerbereichen. Quappen hingegen sind kälteliebend und kommen erst bei einer Wassertemperatur ab vier Grad Celsius so richtig in Paarungslaune. Absolut beeindruckend sind Karauschen, deren Blut eine Art Frostschutzmittel beinhaltet, sodass sie sogar ein kurzfristiges Einfrieren in Tümpeln, Teichen oder Seen überleben können. Eine dauerhafte Eisdecke lässt aber auch die bemerkenswertesten Überlebenskünstler an ihre Grenzen stoßen.

Bild: Matthias Emmrich (AVN)
Fischansammlung an einem Atemloch.
Wenn unter Wasser „das Licht ausgeht“
Problematisch wird die Situation, weil Eis und Schnee den Lichteinfall blockieren. Wasserpflanzen können keinen Sauerstoff mehr produzieren, während Tiere, Pflanzen und Zersetzungsprozesse weiterhin Sauerstoff verbrauchen. Sinkt der Gehalt unter ein Milligramm pro Liter, droht ein Winterfischsterben. Derzeit melden sich Niedersachsenweit besorgte Angelvereine beim Verband, die tote Fische unter dem Eis beobachten oder einen Sauerstoffmangel vermuten.

Bild: Matthias Emmrich (AVN)
Tödliche Werte: In vielen zugefrorenen Gewässern liegt der Sauerstoffgehalt derzeit unter einem Milligramm pro Liter.
Welche Maßnahmen helfen bei Sauerstoffmangel?
Grundsätzlich empfiehlt es sich, regelmäßige Sauerstoffmessungen als ersten Schritt vorzunehmen. Bei kritischen Werten können kleine Öffnungen in der Eisdecke den Gasaustausch ermöglichen, mehrere kleine Öffnungen sind dabei günstiger als eine große. Auch eine zusätzliche Belüftung mit Pumpen kann helfen. Wichtig ist ein möglichst störungsarmes Vorgehen, denn Lärm und Erschütterungen bedeuten Stress für die Fische und erhöhen ihren Sauerstoffbedarf. Aus diesem Grund kann auch Schlittschuhlaufen auf betroffenen Gewässern zusätzlichen Stress verursachen.
Konnte ein Winterfischsterben nicht verhindert werden, ist es gut, die Kadaver nach der Eisschmelze zügig aus dem Gewässer zu entfernen. „So kann man einen Teufelskreis abwenden“, erklärt der Anglerverband Niedersachsen-Mitarbeiter Maday. Denn die toten Fische werden von Bakterien zersetzt, und dabei wird weiterer Sauerstoff verbraucht.
Sicherheit geht vor: Vorsicht auf dem Eis
Bei allen Hilfsmaßnahmen hat der Eigenschutz oberste Priorität. Eisflächen sind nie vollständig sicher, die Eisdicke kann stark variieren. Maßnahmen sollten nur nach sorgfältiger Abwägung, niemals allein und nur mit geeigneter Schutzausrüstung durchgeführt werden. Eisöffnungen müssen zudem deutlich gekennzeichnet sein.

Bild: Fischereiverein Eversen
Angler schaffen eine eisfreie Fläche in einem Teich im Landkreis Celle.
Kostenloser Faktencheck zum Download
Alle Hintergründe, Warnzeichen und Handlungsempfehlungen hat der Anglerverband Niedersachsen im kostenlosen Faktencheck „Eiszeit – zugefrorene Gewässer, Sauerstoffmangel und Fischsterben“ zusammengefasst. Der Leitfaden richtet sich an Angelvereine, Gewässerbewirtschafter und alle, die sich für den Schutz von Fischen und Gewässern in Niedersachsen interessieren.
Quelle: AVN, Maday, A., Emmrich, M., Möllers, F. (2026).






