Allein in der deutschen Ostsee liegen Schätzungen zufolge rund 300.000 Tonnen Altmunition. Der größte Anteil stammt aus Versenkungen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die betroffenen Gebiete sind weitgehend bekannt. Mit zunehmender Korrosion der Metallhüllen steigt jedoch das Risiko, dass giftige Chemikalien freigesetzt werden.
Eine Studie des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel weist darauf hin, dass die Umweltbelastung durch Altmunition bereits seit Jahren anhält. Schon 2017 und 2018 wurden in fast allen Wasserproben aus der südwestlichen Ostsee Munitionschemikalien nachgewiesen.

Bild: GEOMAR/K&K
Verklappte Munitionskisten in der Lübecker Bucht – tickende Zeitbomben.
„Die Altmunition enthält giftige Substanzen wie TNT, RDX und DNB, die ins Meerwasser freigesetzt werden, wenn die Metallhülle durchrostet“, erklärt Geochemiker Dr. Aaron Beck. „Die Stoffe können die marine Umwelt und die Gesundheit von Lebewesen gefährden, da sie toxisch und krebserregend sind.“
Langfristige Belastung für die Meere
Die Problematik geht weit über einzelne Fundstellen hinaus. Durch die kontinuierliche Freisetzung der Schadstoffe entsteht eine dauerhafte Belastung für das marine Ökosystem. Besonders kritisch: Die Stoffe können sich in Organismen anreichern und so in die Nahrungskette gelangen.
Pilotprojekte zur Bergung gestartet
Die Bundesregierung hat 2024 ein Pilotprogramm zur Bergung und umweltgerechten Entsorgung gestartet. Im Herbst 2024 wurden dabei erstmals gezielt Munitionsreste aus der Lübecker Bucht geborgen.
Das auf drei Jahre angelegte Projekt des GEOMAR wird mit 5,6 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Ziel ist es, Verfahren zu entwickeln, um Altmunition künftig auch im größeren Maßstab sicher bergen zu können.

Bild: GEOMAR/K&K
Tausende von Wasserproben wurden von GEOMAR in der südwestlichen Ostsee ausgewertet.
Schätzungen gehen davon aus, dass sich insgesamt rund 1,6 Millionen Tonnen Altmunition in Nord- und Ostsee befinden.
„Niemand weiß wirklich, wie viel Munition am Meeresboden liegt. Aber wir stehen in der Verantwortung, sie zu beseitigen – und zwar sicher, effizient und umweltfreundlich. Nach viel Vorbereitung geht es im Projekt CAMMera um die konkrete Umsetzung. Ziel ist es, Methoden und Technologie weiterzuentwickeln, um die Altmunition im industriellen Maßstab zu bergen und damit ein internationales Vorbild zu sein“, sagt Dr. Jens Greinert, Leiter des Projektes.
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