Wer in den letzten Jahren die norwegischen Lachsflüsse beobachtet hat, reibt sich heute verwundert die Augen:Norwegen steckt in einer schweren Lachs-Krise!
Noch 2022 sah die Welt an den Top-Strömen in Mittelnorwegens Flusslandschaft passabel aus. Damals gingen alle davon aus, dass sich die Bestände nach kleinen Dämpfern schnell erholen. Vier Jahre später stehen wir vor Trümmern.
Das Norwegische Institut für Naturforschung (NINA) hat frische Daten aus den aktuellen Zählungen vorgelegt. Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Forscher und Beobachter sprechen offen von einer Katastrophe. Von normalen Kurven und Schwankungen redet längst niemand mehr.
Historische Tiefstände: Zahlen zur Lachs-Krise in Norwegen
Schauen wir auf die 21 Kilometer lange Referenzstrecke an der Orkla zwischen der Bjørsetdammen und Svorkmo.Taucher registrierten dort gerade einmal 97 lebende Lachse. Zum Vergleich: Zwischen 2015 und 2025 zählten Biologen im Schnitt rund 1.170 Fische auf diesem Abschnitt. 97 Tiere statt über 1.000 – das ist ein historischer Absturz! Oberhalb der Dämme fanden die Kontrolleure auf dreieinhalb Kilometern Länge keinen einzigen lebenden Lachs mehr.Dafür entdeckten sie haufenweise tote Fische.
An der benachbarten Gaula sieht es genauso düster aus. Dort brachen die Zählungen auf ein Sechstel des Vorjahresniveaus ein.
Die Seuche als Totalschaden: Aggressive Pilze töten viele Lachse
Hinter dem Schwund der Stückzahlen steckt eine grassierende Seuche. Die wenigen verbliebenen Rückkehrer kämpfen gegen aggressive Pilzinfektionen. Vermutlich schlägt hier der Wasserschimmel Saprolegnia zu. Saprolegnia befällt die Schleimhaut und die Haut der Fische. Typisch sind weißlich-graue, watteartige Beläge auf dem Körper. Wenn der Pilz das Gewebe und die Kiemen zerstört, stirbt der Lachs. Und an der Orkla zeigten 83 von den 97 gezählten überlebenden Lachsen schwere Verpilzungen. Der Pilz ist aber nicht der alleinige Faktor für die Lachs-Krise in Norwegen.

Bild: NINA
Øyvind Solem ist bei der NINA für die Lachszählungen zuständiger Projektleiter.
Zusätzlich bargen die Helfer allein an der Orkla 186 tote Großlachse. NINA-Projektleiter Øyvind Solem bezieht Stellung und warnt eindringlich: „Dette er svært alvorlig. Nesten hele gytebestanden er utradert. Dette er kjempedramatisk.“ Übersetzt: „Das ist äußerst schwerwiegend. Fast der gesamte Laichbestand ist ausgelöscht. Das ist extrem dramatisch.“
Konsequenzen für Angler: Droht ein mehrjähriges Angelverbot?
Die norwegische Umweltbehörde (Miljødirektoratet) zog im Sommer bereits die Notbremse. Sie stoppte die Angelsaison an Orkla und Gaula am ersten August komplett. Damals kritisierten viele Tourismusanbieter diesen Schritt scharf, weil ihnen Einnahmen wegbrachen.
Die herbstlichen Bestandsdaten zeigen nun: Dieser Schritt kam sogar zu spät. Die Bestände im norwegischen Mittelreich produzierten in den letzten zwei Jahren keinen nachhaltigen Nachwuchs mehr.
Experten und Flussbesitzer diskutieren hinter den Kulissen bereits offen über die Zukunft. Fachgremien beraten über mehrjährige Totalsperren für die Angelei, um den verbliebenen Genpool der Wildlachse zu schützen.
Wir halten euch bei diesem Thema weiter auf dem Laufenden.






