In den Küstengewässern Tasmaniens herrscht unter Wasser ein verdeckter Krieg: Lachszuchtfarmen setzen im großen Stil Unterwasser-Sprengkörper ein, um die heimischen, geschützten Pelzrobben von den Netzgehegen fernzuhalten. Wie aktuelle Daten des tasmanischen Umweltministeriums (NRE Tas) belegen, über die zuerst der Tasmanian Inquirer berichtete, wurden in den Aquakultur-Gebieten seit Anfang 2016 insgesamt 150.488 sogenannte „Seal Crackers“ gezündet. Allein im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Behörden fast 1.800 dieser Sprengsätze.
Wer steckt hinter den Einsätzen?
Die Detonationen gehen auf das Konto der drei dominierenden Fischzuchtunternehmen der Region:
Huon Aquaculture: Nutzt die Sprengkörper vor allem an Standorten in der Storm Bay.
Tassal: Verzeichnete nach Jahren des Rückgangs im ersten Halbjahr 2026 wieder einen deutlichen Anstieg auf 551 Einsätze – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Zudem setzt Tassal als einziger Anbieter zusätzlich Bean-Bag-Munition ein, also mit Bleischrot gefüllte Schrotgeschosse.
Petuna: Registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 120 Unterwasserexplosivkörper an seinen Aquakultur-Konzessionen.
Ziel und Gefahren der Knallkörper
Die Unterwasser-Sprengkörper erzeugen beim Zünden eine Kombination aus extrem lauter Druckwelle und hellen Lichtblitzen. Dadurch sollen die Robben auf Abstand gehalten werden, bevor sie die Gehegenetze beschädigen oder die Zuchtfische reißen. Doch der Einsatz ist hochgradig umstritten. Da sich Schall unter Wasser rund vier- bis fünfmal schneller und verlustfreier ausbreitet als an der Luft, wirken die Druckwellen verheerend auf das empfindliche Gehör von Meeressäugern. Umweltschützer und Politiker – darunter die tasmanischen Grünen – schlagen Alarm: Die Explosionen können bei den geschützten Tieren zu Trommelfellrissen, Erblindung, schweren Gewebeschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen.
Druck auf die Aquakultur wächst
Der erneute Anstieg der Einsätze entfacht die Debatte um Aquakultur aufs Neue. Kritiker fordern schon lange den Ausstieg aus der veralteten Knallkörper-Technik. Stattdessen fordern sie den verpflichtenden Einsatz von doppelwandigen, robbensicheren Netzen oder festen geschlossenen Gehegesystemen. Systeme, die Angriffe von außen mechanisch verhindern, ohne die Tierwelt zu schädigen.






