Niedrigwasser am Rhein: Ach ja – die Fische!

Niedrigwasser am Rhein – und alle reden über Wirtschaft, Schifffahrt und steigende Spritpreise. Doch während Schatzsucher am Ufer auf ihre Kosten kommen, kämpfen die eigentlichen Bewohner des Flusses mit ganz anderen Problemen.

Wasser im Rhein

Bild: KI_Symbolbild

Während bei Niedrigwasser am Rhein über Schifffahrt, Spritpreise und sogar Schatzfunde gesprochen wird, haben die Fische ein ganz anderes Problem: Ihr Lebensraum wird immer kleiner.

Alle reden über Spritpreise

Wenn der Rhein immer weniger Wasser führt, beginnt zuverlässig die große Niedrigwasser-Berichterstattung. Politiker sorgen sich um die Wirtschaft, die Binnenschiffer um ihre Ladung und Unternehmen um ihre Lieferketten. Inzwischen sorgt das Niedrigwasser sogar für Schlagzeilen an der Zapfsäule: Weil Tankschiffe weniger laden können und die Transporte teurer werden, steigen auch die Benzin- und Dieselpreise.

Und wenn der Pegel nur weit genug fällt, kommen auch noch Schatzsucher auf ihre Kosten. Schließlich gibt der Rhein bei Niedrigwasser so manches frei, was sonst unter Wasser verborgen bleibt.

Alles durchaus interessant. Aber Moment mal: Da war doch noch jemand?

Ach ja – die Fische.

Die haben zwar weder eine Lobby aus Containerschiffen noch geben sie Interviews über gestiegene Transportkosten. Und über den Benzinpreis beschweren sie sich erstaunlicherweise auch nicht. Dafür wohnen sie ganzjährig im Rhein – und für sie ist Niedrigwasser weit mehr als ein logistisches Ärgernis.

Sinkende Wasserstände und hohe Temperaturen können für Fische zu einer gefährlichen Kombination werden. Das Wasser erwärmt sich, gleichzeitig verschlechtern sich die Sauerstoffbedingungen. Flache Uferzonen, Seitenarme und Kiesflächen fallen trocken. Damit verschwinden Rückzugsräume, Kinderstuben und Nahrungsflächen. Wanderwege werden unterbrochen, während sich die Fische in den verbleibenden Bereichen zusammendrängen.

Man sollte Flüsse bei Niedrigwasser nicht nur als Verkehrswege betrachten. Statt den Rhein immer weiter passend für die Schifffahrt zu machen, könnte man – gewagte Idee – auch die Schifffahrt an das Wasser anpassen, das tatsächlich vorhanden ist. Nicht nur der BUND beispielsweise fordert mehr Renaturierung und Wasserrückhalt in der Landschaft und lehnt weitere Fahrrinnenvertiefungen ab.

Für Angler ist das keine neue Erkenntnis, denn sie wissen, dass jede Fischart andere Ansprüche an Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt stellt – und dass besonders empfindliche Arten wie Forelle und Äsche bei steigenden Wassertemperaturen schnell unter Stress geraten können.

Meinung: Vielleicht sollten wir deshalb beim nächsten Niedrigwasser neben der Frage, wie viele Tonnen ein Frachtschiff noch laden darf, was der Liter Benzin kostet und welche Schätze plötzlich am Rheinufer auftauchen, auch einmal fragen:

Wie geht es eigentlich denen, die noch im Rhein schwimmen?

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