Biobeton aus Seeigeln soll Kelpwälder retten

Biobeton aus Seeigeln könnte vor Tasmanien dabei helfen, zerstörte Kelpwälder wiederherzustellen. Ausgerechnet die Langstachel-Seeigel, die dort ganze Kelpflächen kahl fressen, liefern das Ausgangsmaterial für die ungewöhnliche Idee.

Seeigel Tasmansee

Bild: Sonia Kowsar by unsplash

In der Tasmansee beeinflussen Seeigel das Ökosystem.

Seeigel fressen Kelpwälder kahl

In den Gewässern vor Tasmanien breitet sich der Langstachel-Seeigel immer weiter aus. Die Stachelhäuter finden dort durch die Meereserwärmung zunehmend geeigneten Lebensraum und fressen die meterlangen Kelpalgen ab. Zurück bleiben teilweise kahle Riffbereiche, sogenannte Urchin Barrens.

Die dichten Unterwasserwälder sind für das Ökosystem von großer Bedeutung. Sie bieten vielen heimischen Meeresbewohnern wichtigen Lebensraum, Nahrung und Schutz. Verschwinden die Kelpalgen, geht damit auch wertvoller Lebensraum für zahlreiche Fischarten und andere Meerestiere verloren.

Aus Seeigelschalen wird Biobeton

An der University of Tasmania entstand nun eine ungewöhnliche Idee: Ausgerechnet die Seeigel selbst sollen zum Teil der Lösung werden. Aus ihren Schalen wurde ein Biobeton entwickelt, der als Siedlungsgrund für neue Kelpalgen dienen soll.

Tasmanien nutzt Langstachel-Seeigel bereits seit Jahren kommerziell. Vor allem der Rogen der Tiere ist gefragt und wird auch international vermarktet. Die Fischerei entnimmt inzwischen im Schnitt rund 470 bis 500 Tonnen Seeigel pro Jahr. Bei der Verarbeitung fallen entsprechend große Mengen Schalen und anderer Reste an, die bislang zu einem großen Teil entsorgt werden.

Für das Projekt werden die Seeigelschalen zu einem Material verarbeitet, aus dem mithilfe von 3D-Druck kleine Biobeton-Strukturen entstehen. Diese sollen mit Kelpsporen besiedelt und anschließend in tasmanischen Gewässern ausgebracht werden. Dort könnten sie jungen Kelpalgen einen geeigneten Untergrund bieten und ihnen helfen, die besonders empfindliche erste Wachstumsphase zu überstehen. Das Material trägt den Namen „UrchCrete“.

Damit könnte aus einem Abfallprodukt der Seeigelfischerei ein Hilfsmittel entstehen, um von Seeigeln abgefressene Kelpflächen wieder zu begrünen. Noch handelt es sich allerdings um ein Konzept: Ob die Biobeton-Strukturen auch unter realen Bedingungen im Meer funktionieren und sich in größerem Maßstab einsetzen lassen, muss erst erprobt werden.

Biobeton Seeigel

Bild: Erick Morales by unsplash

Die eingewanderten Langstachel-Seeigel fressen Kelpwälder kahl und bedrohen den Lebensraum heimischer Meeresbewohner.

Was ist ein Langstachel-Seeigel und wo überhaupt liegt Tasmansee?

Langstachel-Seeigel: Der Langstachel-Seeigel (Centrostephanus rodgersii) ist ursprünglich in den gemäßigten Gewässern vor New South Wales heimisch. Durch die Erwärmung des Meeres konnte er sein Verbreitungsgebiet weit nach Süden bis Tasmanien ausdehnen.

Tasmansee: Die Tasmansee gehört zum Südpazifik und liegt zwischen Australien und Neuseeland. Die hier betroffenen Kelpwälder befinden sich vor allem an der Ostküste Tasmaniens.

Kelpwälder: Kelp ist eine Großalge, die unter Wasser ausgedehnte, teilweise meterhohe Wälder bilden kann. Diese bieten zahlreichen Fischen und anderen Meeresbewohnern Nahrung, Deckung und Lebensraum.


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