Roi du Doubs: Letzte Hoffnung für den Rhône-Streber

Ein Fisch verschwindet – und kaum jemand bemerkt es. Mit Océane lebt nur noch ein Weibchen des Roi du Doubs in der Schweiz. Die jüngste Nachzucht könnte die letzte Chance für den Erhalt der seltenen Fischart sein.

Roi du Doubs Océane

Bild: Jonas Steiner

Zum dritten Mal in Folge hat sich Océane, das letzte bekannte Weibchen des Roi du Doubs in der Schweiz, erfolgreich fortgepflanzt.

Seit 2025 lebt der Fisch im Aquarium der Zitadelle von Besançon in Frankreich. Aufgrund ihres hohen Alters befürchten Wissenschaftler jedoch, dass dies ihre letzte Fortpflanzung gewesen sein könnte. Damit wird die Zeit knapp. Naturschutzverbände und Fischereiorganisationen warnen eindringlich davor, dass der Rhône-Streber (Zingel asper), besser bekannt als Roi du Doubs, kurz vor dem endgültigen Verschwinden aus der Schweiz steht.  Der kleine Fisch aus der Familie der Barsche kommt nur noch im Doubs vor. Als anspruchsvolle Art reagiert er besonders sensibel auf Veränderungen seines Lebensraums. Sein Rückgang gilt deshalb als deutliches Warnsignal für den ökologischen Zustand des gesamten Flusssystems.

Die letzte Hoffnung heißt Océane

Im Jahr 2023 wurde Océane als letztes bekanntes Exemplar ihrer Art im Doubs entdeckt. Seitdem wird das Weibchen jedes Frühjahr mit Männchen aus anderen Flüssen des Rhône-Einzugsgebiets verpaart, um das genetische Erbe der Art zu erhalten. Die Jungfische aus den ersten beiden Nachzuchten werden heute bei Aquatis in Lausanne sowie im Zoo Basel gehalten. Die in diesem Frühjahr geschlüpften Larven wachsen derzeit im Aquarium von Besançon auf. Nach Einschätzung der beteiligten Organisationen stellen diese Nachzuchten die letzte realistische Chance dar, die genetische Besonderheit des Roi du Doubs zu retten. Dafür brauche es allerdings deutlich mehr als reine Nachzuchtprogramme.

Nationaler Aktionsplan bislang ohne Erfolg

Bereits seit 2015 existiert ein nationaler Aktionsplan zum Schutz des Rhône-Strebers. Dieser wird vom Bundesamt für Umwelt gemeinsam mit den Kantonen Jura und Neuenburg koordiniert. Trotz zahlreicher vorgeschlagener Maßnahmen blieb der Erfolg bislang aus. Die Verbände kritisieren, dass entscheidende Schritte bis heute nicht konsequent umgesetzt wurden. Dazu gehören vor allem die Wiederherstellung der freien Fischwanderung, ein funktionierender Sedimenttransport sowie eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität.

Der Doubs sendet ein Warnsignal

Der Rhône-Streber gilt als hochsensibler Indikator für intakte Fließgewässer. Verschwindet die Art aus dem Doubs, hätte das weitreichende Bedeutung für das gesamte Ökosystem des Jura-Flusses. Naturschutzorganisationen wie WWF, Pro Natura und der Schweizerische Fischerei-Verband fordern deshalb ein echtes Rettungsprogramm – und zwar schnell. Denn mit jedem weiteren Jahr schrumpft die Chance, den Roi du Doubs dauerhaft zu erhalten.


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