Protest an der Seeklause in Oberösterreich
Es ist 7 Uhr morgens, saukalt und ein Arbeitstag. Keine guten Bedingungen, um für den Schutz der Äsche zu demonstrieren. Dennoch haben sich ca. 40 besorgte Bürgerinnen und Bürger auf der Brücke über den Ausfluss des Hallstätter Sees bei der Seeklause eingefunden. Der Protest richtet sich gegen den Beginn der Bauarbeiten in der Seeklause (Nadelwehr) während der Äschenlaichzeit.
Sanierung zur falschen Zeit?
Die sogenannte Seeklause, ein rund 500 Jahre altes Bauwerk zur Regulierung des Wasserstandes in der Traun, war ursprünglich für die Salzschifffahrt errichtet worden. Bereits im Jahre 2020 war klar, dass eine rasche Sanierung erforderlich wird. Umso mehr ist man in Fischerkreisen verwundert, dass diese Maßnahmen jetzt während der anstehenden Äschenlaichzeit beginnen. Argumentiert wird mit „Gefahr im Verzug“. Dabei darf man sich die Frage stellen, ob diese Gefahr so plötzlich eingetreten ist, dass man genau jetzt mit den Bauarbeiten im Wasser beginnen muss.
Gefahr für Nachwuchs und Lebensraum
Peter Oberwimmer, der die für ihren guten Äschenbestand bekannte Goiserer Traun seit Jahren bewirtschaftet, ist empört. Die Bauarbeiten hätten schon viel früher beginnen können und hätten dann die Äschen bei der Fortpflanzung nicht so hart getroffen. Nun sei zu befürchten, dass durch die entstehende Gewässertrübung die Äscheneier und das Kieslückensystem mit Feinsedimenten zugedeckt werden und die Fischlarven qualvoll ersticken.
Darüber hinaus hat die zu erwartende Eintrübung der Traun auch einen negativen Einfluss auf den gesamten Makrozoobenthos und somit auf die Nahrungsgrundlage aller hier lebenden Fische. Besonders betroffen sind auch hier wieder die Äschenlarven, die, nachdem sie geschlüpft sind und den Dottersack aufgebraucht haben, frei schwimmen und auf Zooplankton als Nahrung angewiesen sind.
Auch plötzliche Wasserstandsschwankungen sind zu befürchten, bei denen wiederum der Laich trockenfallen und absterben könnte. Jahrzehntelange Bemühungen, die Äschenbestände zu schützen, wie etwa ein alljährliches Fischereiverbot in den Laichzonen, könnten durch die Folgen der Bauarbeiten zunichtegemacht werden.
Auch starke Erschütterungen durch das Schlagen von Spundwänden im Gewässer lassen negative Auswirkungen auf die Fischfauna erwarten. Neben der Äsche, die auf der Roten Liste der Fische Österreichs als gefährdet und in der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EWG) in Anhang V gelistet ist, ist auch die hier vorkommende Koppe betroffen, die ebenfalls jetzt Laichzeit hat. Deren Bestände sind in Österreich ebenfalls gefährdet, und sie ist in der FFH-Richtlinie sogar in Anhang II gelistet, ähnlich wie der Fischotter.
Ebenso betroffen ist die Aalrutte, die auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft ist. Es geht also nicht nur um die Äsche allein, sondern um eine Beeinträchtigung der gesamten Biozönose in der Goiserer Traun und den flussab gelegenen Bereichen.
Rücksicht gefordert
Man darf hoffen, dass die für die Bauarbeiten Verantwortlichen mit der entsprechenden Vorsicht ans Werk gehen und durch die voraussichtlich fünf Jahre dauernden Arbeiten die Fischfauna der Oberen Traun nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird.
Quelle: Wolfgang Hauer







