Nisthilfen bauen: Angler und Jäger gemeinsam im Naturschutz

Wie praktischer Naturschutz vor Ort funktionieren kann, zeigt ein aktuelles Projekt des Angel- und Gewässerschutzvereins Pfungstadt e.V. In enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Jägerschaft sowie unter aktiver Beteiligung der Jugendgruppe wurden Nisthilfen für heimische Entenarten gebaut und an den Vereinsgewässern installiert

Angler und Jäger vom Gewässerschutzvereins Pfungstadt e.V.vor den fertigen Nisthilfen

Bild: ASV Pfungstadt

Angler und Jäger präsentieren gemeinsam die neu gebauten Nisthilfen.

Praktischer Naturschutz zeigt sich oft dort, wo Menschen aktiv Lebensräume für Tiere erhalten und gestalten. Ein Beispiel dafür ist der Bau von Nisthilfen für heimische Entenarten, der den Bruterfolg gefährdeter Arten unterstützt und gleichzeitig vor Prädatoren schützt.

Dazu Michael Werner, Chefredakteur des BLINKER: „Wenn Jäger und Angler sich nicht nur am Stammtisch über Kormorane einig sind, sondern gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, entsteht echter Naturschutz. Das Projekt in Pfungstadt zeigt: Während andere noch über Biodiversität debattieren, bauen wir Schilfröhren, die am Ende tatsächlich Leben retten. Es ist eigentlich ganz simpel: Wir sitzen alle im selben Boot – oder stehen am selben Ufer. Wer zusammen für Enten-Nachwuchs sorgt, schützt nicht nur die Brut vor dem Waschbären, sondern auch unsere gemeinsame Zukunft in der Natur. Ein starker Schulterschluss, bei dem am Ende alle gewinnen.“

Ziel der Maßnahme

Ziel der Maßnahme ist es, sichere Brutplätze für heimische Entenarten wie Stockente, Krickente, Schnatterente oder Reiherente zu schaffen und den Bruterfolg nachhaltig zu verbessern. Die erhöhte Bauweise und die Platzierung über Wasser oder in Ufernähe schützen effektiv vor Bodenräubern wie Fuchs, Waschbär oder Marder. Gleichzeitig sorgt die naturnahe Gestaltung für eine hohe Akzeptanz bei den Enten. Das Projekt steht beispielhaft für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Anglern und Jägern im praktischen Natur- und Artenschutz.

Nisthilfe für Enten

Bild: ASV Pfungstadt

So sieht eine der fertigen Nisthilfen für Enten aus.

Benötigtes Material zum Nisthilfen bauen

Material
VolierendrahtEngmaschig (ca. 10–20 mm)
SchilfmattenCa. 3 Meter pro Nisthilfe
BindedrahtZum Fixieren der Konstruktion
UV-beständige KabelbinderFür zusätzliche Stabilität im Außenbereich
HolzbohleStabil, ca. 100–120 cm Länge
Rostfreie SchraubenWitterungsbeständig
Lochband / DrahtZur Befestigung
Pfostenschuh (verzinkt)Ca. 80 x 80 mm
Holzpfosten / HolzspießCa. 2,0 – 3,0 m Länge
Stroh / NaturmaterialFür den Innenraum
WerkzeugAkkuschrauber, Zange, Seitenschneider

Maße der Schilfröhre

ParameterMaß
Durchmesser28–30 cm
LängeCa. 100 cm
SchilfummantelungCa. 3 m

Diese Maße haben sich in der Praxis bewährt und sind optimal auf heimische Entenarten abgestimmt. Gleichzeitig erschweren sie größeren Störern oder Prädatoren den Zugang.

Bau der Nisthilfen – so geht’s

Zunächst wird der Volierendraht auf die erforderliche Größe zugeschnitten und zu einem Zylinder mit einem Durchmesser von etwa 28 bis 30 cm geformt. Die Stoßkanten werden sorgfältig miteinander verdrillt oder mit Draht fixiert. Überstehende Drahtenden sind unbedingt umzubiegen, um Verletzungen zu vermeiden.

Anschließend wird die Schilfmatte gleichmäßig um den Drahtzylinder gewickelt. Sie dient als natürliche Tarnung und sorgt dafür, dass die Nisthilfe von den Enten gut angenommen wird. Die Befestigung erfolgt mittels Bindedraht und Kabelbindern. Dabei ist darauf zu achten, dass die Ummantelung dicht genug ist, aber dennoch eine natürliche Struktur aufweist.

Der fertige Drahtkorb wird mittig auf einer stabilen Holzbohle positioniert und mit Lochband, Draht oder Schrauben sicher befestigt. Die Konstruktion muss stabil und witterungsbeständig ausgeführt sein.

Im Anschluss wird an der Unterseite der Holzbohle ein verzinkter Pfostenschuh montiert. In diesen wird ein Holzpfosten eingesetzt, der zur späteren Befestigung im Gewässer dient.

Vor der Installation wird der Innenraum der Nisthilfe locker mit Stroh oder trockenem Naturmaterial ausgelegt. Dies erleichtert den Enten den Nestbau und erhöht die Annahme deutlich.

Jugendliche mit Nisthilfe

Bild: ASV Pfungstadt

Auch die Jugendgruppe war aktiv am Bauen der Nisthilfen beteiligt.

Aufstellung und Platzierung

Das Anbringen der Nisthilfen am Gewässer ist in unterschiedlichen Varianten möglich.

Montage auf Pfosten (empfohlen):

Nisthilfe im Wasser

Bild: Angel- und Gewässerschutzverein Pfungstadt e.V.

Der Holzpfosten der Nisthilfe werden im flachen Wasserbereich oder direkt am Ufer in den Boden eingeschlagen.

Die Nisthilfe sollte bei der Montage auf einem Pfosten etwa 30 bis 80 cm über der Wasseroberfläche angebracht werden, um optimalen Schutz vor Bodenprädatoren zu gewährleisten.

Montage auf vorhandenen Strukturen:

Montage der Nistkästen auf einem Baumstamm

Bild: Angel- und Gewässerschutzverein Pfungstadt e.V.

Nisthilfen können alternativ auch auf stabilen, über dem Wasser liegenden Baumstämmen oder Ästen befestigt werden.

Das Befestigen auf stabilen, über dem Wasser liegenden Baumstämmen oder Ästen ist besonders naturnah und eignet sich gut bei vorhandenen Strukturen.

Für beide Varianten gilt: Die Öffnung der Nisthilfe sollte stets in Richtung Wasser ausgerichtet werden. Wählen Sie den Standort möglichst ruhig und störungsarm und bevorzugen Sie Bereiche mit natürlicher Deckung, zum Beispiel Schilf. Die Nisthilfen sollten leicht nach vorne geneigt montiert werden, etwa 5–10°, um Regenwasser abzuleiten. Achten Sie darauf, dass kein Zugang für Raubtiere von außen möglich ist, um den Schutz der Tiere zu gewährleisten.

Pflege und Kontrolle

Die Nisthilfen sollten regelmäßig kontrolliert und mindestens einmal jährlich, idealerweise im Herbst, gereinigt werden. Dabei wird altes Nistmaterial entfernt und die Konstruktion auf Beschädigungen überprüft. Reparaturen sollten zeitnah erfolgen.

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