Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) hat im Rahmen eines mehrjährigen Projektes über 1.100 Wolgazander-Fänge aus 11 Gewässern in sechs Bundesländern zusammengetragen und wissenschaftlich ausgewertet. Damit liegt erstmals eine breit angelegte Datensammlung zur Verbreitung des Wolgazanders vor. Man kann davon ausgehen, dass das Verbreitungsgebiet noch größer ist.
Biologische Untersuchungen von eingesandten Fischen
Mehr als 200 eingesandte Wolgazander wurden zusätzlich einer detaillierten biologischen Untersuchung unterzogen. Die Fische stammten von engagierten Anglerinnen und Anglern, die ihre Fänge dem Verband für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellten. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden zentrale Aspekte der Art erfasst, darunter Altersstruktur, Wachstum, Reproduktionsmerkmale, Ernährungsgewohnheiten sowie die Bestandsentwicklung. Die gewonnenen Daten liefern wichtige Einblicke in die Population des Wolgazanders und ermöglichen eine fundierte Bewertung seines Vorkommens.
Wolgazander vs. Zander – Merkmale im Überblick

Bild: Wolgazander: Eric Otten, Zander: AVN
Die Unterscheidung ist durch mehrere auffällige Merkmale möglich.
| Merkmal | Wolgazander | Zander |
|---|---|---|
| Maximalgröße (1) | selten > 60 cm | > 100 cm |
| Körperform (2) | etwas gedrungen | schlank |
| Hundszähne (3) | nein | ja |
| Pigmentierung (4) | deutliche Querstreifen unterhalb der Seitenlinie | weniger ausgeprägte Querstreifen |
| Rückenflossen (5) | 1. Flosse höher als 2. | beide Flossen etwa gleich hoch |
| Zwischenkiefer (6) | bis zum Auge | deutlich dahinter |
| Schnauze (7) | rund | spitz zulaufend |
| Kiemendeckel/Wangen (8) | Kiemendeckel beschuppt, Wangen kaum | Kiemendeckel & Wangen dicht beschuppt |
| Augendurchmesser/Kopflänge (9) | größer (Faktor 4,2–4,8) | kleiner (Faktor 5,3–5,6) |
| Schuppen (10) | größer | kleiner |
| Seitenlinie (11) | 66–83 Schuppen | 80–97 Schuppen |
Wolgazander: Altersstruktur und Wachstum
Die Analysen zeigten, dass die Altersstruktur der untersuchten Wolgazanderpopulationen unterschiedlich ausfällt. Das Wachstum der Wolgazander liegt im Vergleich zum heimischen Zander meist darunter, wobei Fische über 55 Zentimeter selten sind. Diese Informationen liefern Anhaltspunkte zur Dynamik der Bestände und ihrer Entwicklung über die Jahre.
Reproduktion und Laichverhalten
Untersucht wurden auch die Reproduktionsmerkmale der Wolgazander. Sie legen ihre Eier in Wasserpflanzen, auf Steinen oder Totholz ab und zeigen kaum Brutpflege. Die Laichzeit variiert je nach Region und Temperatur, typischerweise von April bis Juni bei Wassertemperaturen zwischen zehn und 22 Grad Celsius. Weibchen setzen ihre Eier in mehreren Portionen ab, wobei die Anzahl stark vom Alter und Ernährungszustand abhängt und zwischen etwa 44.000 und über 350.000 Eiern pro Weibchen liegt.
Ernährungsgewohnheiten des Wolgazanders
Die Untersuchung der Nahrung zeigte, dass der Wolgazander überwiegend kleinere Fische und Wirbellose frisst. Diese Erkenntnisse helfen, seine ökologische Rolle in den Gewässern besser zu verstehen und mögliche Auswirkungen auf lokale Fischbestände abzuschätzen.
Wolgazander-Bestandsentwicklung
Die Analyse der Bestandsentwicklung auf Basis der eingesandten Fänge liefert wertvolle Hinweise auf die Populationsdynamik der Art. Darüber hinaus erlauben die Daten Rückschlüsse darauf, wie sich die Wolgazander in den untersuchten Gewässern etablieren und verbreiten. Insbesondere wird deutlich, ob sich die Art langfristig behaupten kann und in welchem Ausmaß eine weitere Ausbreitung stattfindet. Somit tragen die Ergebnisse wesentlich zum Verständnis der aktuellen Entwicklung bei.
Quellen & Hintergrund
- Wissenschaftliche Originalpublikation: Emmrich, M., Maday, A., Lang-ner, J., Klefoth, T. (2026): DerWolgazander (Sander volgensis,Gmelin 1789) – eine Literaturübersicht und aktuelle Erkenntnisse zur Verbreitung in Deutschland. Zeitschrift für Fischerei 6: Artikel 1:1-21. DOI: 10.35006/fischzeit.2026.41
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