Fluocarbon

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Beitragvon til » 02.12.2009 - 12:00

Also ich hab keine Probleme mit mehrdrähtigem Titan und Jerkbaits. Auf den "Spinnstangeneffekt" kann ich dabei verzichten.
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Heiner Hanenkamp
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Beitragvon Heiner Hanenkamp » 03.12.2009 - 1:40

Ich nicht so, mir gefällt der Spinnstangen-Effekt besser. Vor allem deshalb, weil ich einige Kunstköder mit Kick Back-Aktion verwende, die sich bei allzu flexiblem Vorfach gern in demselben verhaken.

Ist natürlich eine etwas teure Angelegenheit, die Titanvorfächer häufig zu wechseln - ich verwende das Zeug in verschiedenen Stärken an all meinen Combos, von 1oz bis 8oz WG. Der Vorteil kurzer Vorfach-Gebrauchszeiten immerhin: Man muss die Vorfächer nicht überdimensionieren, was einer geringeren Sichtigkeit zugute kommt. Zudem ist eindrähtiges Titanmaterial (noch) dünner als mehrdrähtiges von vergleichbarer Tragkraft.

Die Tragkräfte von Schnur und Vorfächern unterscheiden sich bei mir nicht allzu sehr, deshalb kann das Titanmaterial relativ unauffällig ausfallen. Dito Wirbel und Snaps, die auch nicht lange dranbleiben. Das würde ich sicher nicht machen, wenn ich die Vorfächer länger verwenden wollte.

Dass es kostet, nehme ich dann eben in Kauf. Nur eines nehme ich nicht mehr in Kauf: Abrisse zu riskieren.

Woher ich weiß, dass meine knapp dimensionierten Vorfächer nicht etwa unterhalb der Schnurtragkraft liegen, will ich auch noch dazu sagen: Ich habe das Glück, die Tragkraft meiner Vorfächer genau messen zu können auf meiner Arbeitsstelle. Natürlich nur anhand von Stichproben, doch ich denke, so ist es bestimmt sicher genug, zumal ich eine 7-Punkt-Quetschzange für die Hülsen verwende.

Bei eindrähtigem Titan, das in geringerer Tragfähigkeit buchstäblich haarfein ausfällt, ist es besonders wichtig, die passenden Quetschhülsen zu verwenden - vom Durchmesser nicht größer als unbedingt erforderlich. Sonst gibt's Probleme, vor allem bei dünnem Titandraht ab und unterhalb von etwa 6,8kg Tragkraft. Ganz entscheidend ist auch die Qualität der Quetschzange. Handelsübliche, billige 4-Punkt- oder 5-Punkt-Zangen genügen spätestens hier nicht mehr. (Ausnahme: Solche, die mehrere Einlagen für verschiedene Quetschhülsendurchmesser bieten, auch für sehr geringe Durchmesser.)

Denn wenn da geschlampt wird, rutscht der Draht schon bei moderatem Zug unterhalb der Material-Reißfestigkeit einfach aus der Hülse heraus. Es gibt fertig vorfabrizierte Titanvorfächer dünneren Durchmessers, bei denen genau das passiert, weil sie schlicht unqualifiziert montiert worden sind. Davon sollte man besser die Finger lassen. Firmennamen möchte ich hier lieber nicht nennen, aber es sind recht bekannte darunter. (Anmerkung: Sehr dünner Titandraht von wenigen Kilogramm Tragkraft lässt sich übrigens auch knoten, aber das ist mir persönlich nicht allzu sympathisch.)

Sowas führt natürlich dazu, dass ein an sich hervorragendes Material sehr schnell einen schlechten Ruf bekommt. Dies auch dann, wenn die Dauerhaftigkeit von Titan maßlos übertrieben wird in der einschlägigen Werbung. Dumm im Grunde, aber bedauerlicherweise gängige Praxis.

Titan, wenn vernünftig und sachgemäß verwendet, ist nicht billiger als Stahl, sondern teurer. Der Vorteil liegt, neben der geringen Sichtigkeit und dem geringeren Gewicht, vor allem darin, dass es weniger leicht knickt als Stahl, so dass man unterm Strich eben doch mit erheblich weniger Vorfächern pro Saison hinkommt. Auch wenn's nicht unbedingt Geld sparen mag - Zeit spart es allemal.

Falls man jedoch Gewässer befischt, in denen die Sichtigkeit des Materials keine große Rolle spielt, ist es aber wohl am besten, Titanvorfächer überdimensioniert auszulegen, Wirbel und Snaps inklusive. Das ergibt dann deutlich längere Standzeiten - auch dann keine unendlich langen allerdings.

Manche machen es so, dass sie bei der Montage eines Titanvorfachs die Länge größer wählen, als an sich nötig, um nach etwas Gebrauch das Vorfach ein wenig zu kürzen und neu zu quetschen. Auch so lässt sich verhindern, dass es an den Ösen unversehens zum Ermüdungsbruch kommt. Und ökonomischer ist es so natürlich auch.

Mache ich allerdings nicht so, weil ich ausschließlich mit Baitcaster-Gerät und relativ kurzen Ruten fische. Da ist ein allzu langes Vorfach nicht das Gelbe vom Ei, unter anderem aufgrund reduzierter Wurfgenauigkeit. (Weitere Gründe: Die Perückengefahr bei unkonzentriertem Wurf steigt mit der Vorfachlänge, und leichtere Köder können an Laufeigenschaft einbüßen.) Ob das die deutlich höheren Kosten wert ist, darüber kann man sicherlich streiten. Ich für mich finde: Ja; andere finden das wahrscheinlich nicht.

Man sieht aber: Die Verwendung von Titan ist nicht ganz ohne, ein bisschen Sorgfalt und Erfahrung mit dem Material ist schon erforderlich, sonst wird's schwerlich eine dauerhafte "Liebesbeziehung", sondern eine kurze, unschöne Affäre werden. Was vor allem bei sehr dünnem Titan nicht funktioniert: Mal eben zum nächstbesten Händler um die Ecke marschieren, irgendwelche gerade vorrätigen Quetschhülsen kaufen und das Ganze mit irgendeiner Zange montieren.

Wem das alles aber zuviel Aufwand scheint im Vergleich zu den eher geringfügigen Vorteilen von Titan, der ist mit altbewährtem 1x7- oder 7x7- Stahlmaterial ganz sicher besser bedient.

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Beitragvon mbfishing » 17.05.2010 - 17:32

Da ich selber ein gutes FC verkaufe, hier mal eine kleine Info: Es gab auf ca. 1000 gefangene Hechte einen Abriss! Von den ca. 1000 Hechten wurden ca. 600 Hechte auf einem 0,55iger FC gefangen!

Habe das mit drei Hechtprofis gesprochen. Meinung der drei: Mit Titan oder Floxinit haste den gleichen Verlust!

Und bitte auch beachten, das es beim FC auch erhebliche Unterschiede in der Reinheit oder auch der Verarbeitung gibt.

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Beitragvon JuliFisch » 17.05.2010 - 19:32

Wobei ich da sagen muss, dass meiner Meinung nach ein 55er FC wahrscheinlich nicht weniger auffällig ist als Flexonit.
Ich werde zumindest weiterhin mit Stahl fischen.

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Beitragvon Derrik Figge » 17.05.2010 - 20:30

mbfishing hat geschrieben:Es gab auf ca. 1000 gefangene Hechte einen Abriss!

Habe das mit drei Hechtprofis gesprochen. Meinung der drei: Mit Titan oder Flexonit haste den gleichen Verlust!


Also in meinem ganzen Anglerleben und das sind schlappe 29 Jahre, hatte ich auf Stahl nicht einen einzigen Abriss.

Allerdings habe ich in den letzten Jahren mehrere Abrisse bei anderen gesehen, die FC oder HM fischten.

Ich lasse daher die Finger davon, denn mehr gefangen haben die anderen nicht, also wieso sollte ich ein unnötiges Risiko eingehen und wechseln?

Einen Hecht mit Köder im Maul wegschwimmen zu sehen, tut mir in der Seele weh, denn er wird in den meisten Fällen elendig verrecken. Wenn das jemand just for fun riskiert, indem er bewusst unnötige Risiken eingeht, würde ich ihn am liebsten direkt hinterherschicken... :motz:
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.
Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

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Beitragvon mbfishing » 21.05.2010 - 6:00

Die Frage kann sich aber auch schon mit dem Köder entscheiden. Ich habe viele Kleinstwobbler und auch einen 16 cm Wobbler, bei denen ist ein 0.55iger FC nicht angebracht, da dieses das Laufverhalten zu stark beeinflusst.

PS: Einer der drei ist Zanderfanatiker. Der teilte mir mit, das er im letzten Jahr erheblich mehr Zander und Hechte auch tagsüber gefangen hat.

Aber eines musst du mir zumindest lassen: Ich verheimliche das nicht.