Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

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Gruni
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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Gruni » 21.08.2019 - 14:15

Wie immer ein Wahnsinnsbericht und klasse Fische, Danke für`s schreiben! :clap: :clap:
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cohosalmon
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10.8.2019; Port Hardy, Tag 2

Beitragvon cohosalmon » 21.08.2019 - 21:42

Das Wetter sollte absolut spitze sein heute – ueberhaupt kein Wind und Sonne pur. Eigentlich gar nicht typisch fuer die Nordinsel. Es war kurz vor Vollmond und wir hatten es mit grossen Gezeitenhueben zu tun diese Tage. Das resultierte in starke Stroemungen zwischen den Inseln und machte Grundfischangeln ueber Riffen oder auch Heilbuttangeln vom verankerten Boot sehr schwierig. Wir wollten heute die noch nicht ganz so starken Stroemungen vom spaeten Morgen bis Nachmittag zum Grundfischangeln ausnutzen. Am 3 und 4. Tag wuerde es immer schwieriger werden. Alle waren heiss auf grosse Lings und Butte!

Den fruehen Morgen versuchten wir natuerlich am Duval Point unser Lachsglueck von gestern zu wiederholen. Unsere kleine Flotte von 3 Booten kam ungefaehr gleichzeitig an der Stelle an und wir liessen unsere Schleppruten an den Downriggern in die Tiefen. Es wurde ein kurzweiliger Morgen denn die Pinks waren hungrig und auch der einen oder andere kleinere Coho und Chinook war unterwegs. Pinks waren nicht so gefragt fuer die Fischkiste (eigentlich Bloedsinn, ein toller Fisch fuer die Kueche wenn man ihn sofort nach dem Fang kuehlt) und die anderen waren zu klein oder nicht markiert im Falle der paar Cohos. Es schienen keine Grossen vor Ort zu sein heute. Wir verstreuten uns schliesslich in alle Himmelsrichtungen. Carl und Ross in der Therapy zog es zum Castle Point, Jerrod und sein Sohn Demario auf der MyTyee zogen weitere Schleifen bei Duval und wir drei fuhren in den Gordon Channel. Jerrod kam bald zu uns und wir zogen unsere Koeder tief und flach durch eine sehr fischige Strecke; viel Futterfisch auf dem Echo, sogar ein Buckelwal labte sich an der Vielfalt und tauchte einmal 10 m vor unserem Boot auf – etwas zu dicht fuer unsern Geschmack! Leider war auch hier kein vorzeigbarer Lachs zu holen.

Schliesslich gesellten wir uns alle zu Carl und Ross am Castle Point. Auch hier ging es nur schleppend. Dave wollte eine Runde im Flachen kurz vor den Klippen und dem Kelpguertel machen. Wir holten unsere Koeder in 10 und 14 m Tiefe hoch und Dave fuhr uns nur Meter am Krautrand entlang. Da! Dave’s Rute schnappte zurueck – Fish on! Der schien besser wenn auch kein Riese. Jetzt ruckte auch meine Rute los – Doppelbiss! Auch mein Fisch machte Betrieb wenn er auch keine richtige Flucht hinlegte. Alexander, der als richtiger Teenager bis jetzt in der Koje geschnarcht hatte, kam nun bei all der Aufregung heraus. Er half die Downrigger einzuholen und machte den Kescher bereit. Dave’s Fisch entpuppte sich als ein schicker Coho um die 7 Pfund herum – allerdings unmarkiert. Wurde also gleich wieder am Boot enthakt. Als ich endlich meinen widerspenstigen Gegner am Boot hatte, konnten wir einen halbstarken Chinook erkennen – etwa 8 Pfund. Dave ueberlegte eine Sekunde ob er ihn haben wollte – ich hatte schon verneint – aber dann beschlossen wir den auch wieder freizulassen.

Na gut, da schienen Fische im Kraut zu stehen. Wir drehten noch zweimal die gleiche Runde und jedes Mal konnten wir noch einen Lachs zum Biss ueberreden. Dave fing noch einen unmarkierten Coho, etwas kleiner als der vorherige, und Alexander hatte noch einen kleinen Chinook. Carl und Ross, die weiter draussen schleppten, konnten auch Bisse vermelden. Es ging auf den Gezeitenumschwung hin und die Fische fingen an zu beissen. Einmal fuhren wir dicht an Jerrod vorbei und sahen ihn aufspringen, einen wilden Anschlag setzen und hoerten kurz darauf laut fluchen. Ueber Funk erzaehlte er uns dann frustriert, dass er zwei heftige Bisse hatte und jedesmal war der Fisch weg wenn er anzog. Er hatte dann aber doch noch Glueck als er einen schoenen 8-9 pfuendigen markierten Coho erwischte.

Wir mussten uns nun entscheiden; entweder die Beisszeit hier ausnutzen und vielleicht doch noch eine Schule grosser Lachse finden oder jetzt zu unseren Grundfischstellen fahren und die guten Stroemungsverhaeltnisse an den Riffen und Rinnen ausnutzen. Wir waehlten zweiteres. Wir fuhren erst zu unserem Heilbuttloch wo wir vor 3 Jahren einige grosse Butte herausgezogen hatten. Unter anderem meinen Rekordbutt von geschaetzten 150 Pfund; war zu gross, musste wieder freigelassen werden. Ich weiss noch ganz genau das Gefuehl damals als sich bei einer vermeintlichen Haenge ploetzlich Vancouver Island zu bewegen anfing und ein wilder Tanz losging! Darauf hofften wir alle.

Es herrschte kaum eine Drift, kein Wind und wenig Stroemung. Das war gut um die kleine Stelle von vielleicht einem halben Hektar mit 3 Booten zu beackern. Aber das schien den Butten wohl nicht zu gefallen. Wir drifteten faul hierhin und dahin, jedes Boot 2 Ruten mit leckeren Heringen, Lachsfetzen oder Oktopusstuecken bestueckt – es musste da unten duften wie am All-You-Can-Eat Buffet. Kein Anfasser, bei keinem. Alexander ging sogar auf den Bug und pilkte von da. Da rief er ploetzlich vor Erschrecken auf! Ich sah ihn mit seiner kraeftigen Spinnrute fast ins Wasser gehen – die Rute im Halbkreis gespannt. Noch bevor wir irgend etwas machen konnten war ploetzlich der Widerstand weg. “War das ein Fisch oder ein Haenger?”, fragten wir aufgeregt. Alex meinte es haette sich kurz bewegt und er waere beim Ablassen noch gar nicht am Grunde gewesen. Aber Alex hatte vorher schon Probleme gehabt Grundkontakt richtig zu erkennen, also so richtig traute ich seiner Geschichte nicht. Aber wenn das ein Fisch gewesen war, dann ein ordentlicher der Zielfischgattung. In jedem Fall spornte uns dieser Zwischenfall wieder an und wir machten hoffnungsvoll noch eine Stunde weiter.

Ohne jeglichen Fischkontakt, beschlossen wir endlich dieses Unterfangen abzubrechen. Vielleicht waren die Lings am Alex Rock in besserer Beisslaune. Wir hatten ja Alex dabei – da musste doch was am Alex Rock gehen! Das war die Stelle wo wir in den vergangenen Jahren wahre Monsterlings herausgeholt hatten – Jerrod vor Jahren sein ueber 50 Pfund Ling der 3 ausgewachsene Buckellachse im Magen hatte und sich noch den 3 pfuendigen Felsenbarsch an Jerrod’s Rute einverleiben wollte. Was fuer ein Monster das gewesen war (siehe Fotos in damaligen Bericht). Wir waren das erste Boot an der Stelle und setzten zur ersten Drift an. Bei starker Stroemung war dieses Riff ein Koedergrab da die Felsen hoch und runtergingen und bei jedem Bodenkontakt laenger als 1 Sekunde der Pilker festhing und kaum wieder herauskaum. Heute hielt sich die Stroemung in Grenzen aber ich warnte Alex, der hier das erste Mal fischte, trotzdem. Dave und Alex liessen ihre Pilker runter. Ich wartete noch etwas – wollte erst sehen wie die Koeder trieben. Gleichzeitig riefen Dave und Alex “Fish on” – schien aber nichts groesseres zu sein. Dave hatte einen mittleren Felsenbarsch zuerst oben – ich sah ihn in ca. 3 m Tiefe – und dann sah ich einen grossen dunklen Schatten folgen! “Dave, lass den Barsch haengen – ein Ling kommt hinterher!”, rief ich aufgeregt Dave zu. Der stoppte mit dem Einholen und wir sahen vielleicht 2 m tief wie ein ordentlicher Ling um den Barsch herumschwamm. Aber er biss nicht zu sondern versuchte an den glitzernden Pilker ranzukommen dessen Haken aber leider komplett vom Barsch inhaliert waren. So liess ich augenblicklich meinen Pilker da runter und der Ling sprang sofort an und ich spuerte einen heftigen Ruck in meiner Rute.

Im selben Moment rief Alex am Bug auf und gestikulierte wild mit seiner krummen Rute. Ich schaute nach vorne und da hatte er seinen Felsenbarsch hochgeholt und ein schoener Ling hatte sich den nun geschnappt und wollte nicht mehr loslassen. Das Gespann lag direkt an der Oberflaeche. Lange wuerde es nicht dauern bis der Ling losliess und sich davonmachte. Mein Fisch nahm noch Schnur und ich hoffte er hing gut so klemmte ich mir meine Rute fest zwischen die Beine, reichte nach dem Gaff und schlug die Stahlspitze Alex’ Ling in den Schaedel und zerrte das erschrockene Biest ins Boot und warf ihn zwischen meine und Dave’s Fuesse. Jetzt erst merkte der Fisch den Schwindel und drehte durch und schlug wie ein Berserker um sich und schnappte nach allem mit seinem Gebiss. Dave sprang vor Angst fast ueber Bord und auch ich tanzte herum mit meiner krummen Rute wieder in der Hand. Leider verlor ich in diesem Moment den Kontakt zu meinem Fisch, der wahrscheinlich in der selben Groessenordnung wie Alex’ gewesen war. Ich erledigte nun den wilden Ling im Boot und verstaute ihn unter Deck. Wir grinsten uns nun alle belustigt an – der Alex kann eben am Alex Rock!

Carl kam gerade an und sah das Ende der Geschichte und rief nur rueber “Diese Stelle ist ja wie ein Fischladen, ankommen, einsacken.” Unsere Drift war nun schon vorrueber und wir fuhren wieder zum Anfang. Ein Ling war ja mindestens noch da, aber der war eben auch schon verangelt. Was war noch da unten? Dave und Alex fingen Fisch auf Fisch – alles Felsenbarsche. Am unteren Ende des Riffs wurden die Barsche immer groesser. Viele waren weit ueber 5 Pfund und um die 60 cm und mehr lang. Aber bis auf ein nur gerade massiges Exemplar sollte es mit Ling nicht mehr weiter klappen. Ross, auf Carl’s Boot erwischte noch einen um die 12 Pfund aber das war’s. Von den etlichen Felsenbarschen behielt Dave nur 3 grosse von der Black Rockfish Sorte. Sehr leckere Art. Aber auch sonst fingen wir China Rockfish (wir nennen den BVB Barsch weil Schwarz-gelb), Quillback mit den furchterregenden Stachelflossen und auch Kupferbarsche.

Da die Felsenbarsche oft am Barotrauma, wie Dorschartige, leiden wenn man sie schnell aus der Tiefe hochholt, war ich meist dafuer zustaendig, die betroffenen Barsche wieder auf die Tiefe herunterzulassen. Das ist hier in BC nun Pflicht nachdem wohl Studien ergeben hatten, dass die Barsche so trotz aufgeblaehtem Magen eine gute Ueberlebenschance haetten. Jedenfalls besser als an der Oberflaeche festzustecken und dort leichte Beute der Adler oder Robben zu werden. Ich hatte mir ein Drahtgeschirr gebastelt mit einem Kiloblei dran, das ich mit einer Buttrute benutzte die Fische wieder auf Tiefe zu bringen – waehrend Alex und Dave die Fische hochholten, war ich der Umkehrangler!

Als die Stroemung zulegte und wir genug Koeder den Felsen geopfert hatten, machten wir Schluss hier. Es war aber ein so lauer Tag, so ruhig, sonnig und wir waren noch fischhungrig, dass wir alle beschlossen im Convoi zwischen die letzten Schaereninseln zu fahren, vor die offene Kueste. Heute konnte man das unbedenklich wagen. Die Fahrt war schoen, durch die endlose Inselwelt bei Ententeich-Bedingungen. Nicht einmal Duenung herrschte vor der Kueste. Hier hatten wir eine gute Stelle an der wir alles von Butt, Ling und Red Snapper schon zuvor gefangen hatten. Ein etwa 100 m tiefes Plateau was hauptsaechlich sandig, kiesig mit ein paar verstreuten Felsbrocken bestueckt war. Man haette ankern koennen aber es liess sich hier auch prima driften. Wir angelten wieder mit zwei Grundruten und Alex pilkte hin und wieder. Er fing ein paar kleine Felsenbarsche am Pilker um sich die Zeit zuvertreiben.

Wir drifteten alle recht dicht nebeneinander und konnten uns gegenseitig zurufen. Ploetzlich war auf der MyTyee Aufregung. Jerrod brachte irgendwas Schweres hoch. Es schien nicht gross zu kaempfen und wir dachten alle gleich Red Snapper. Diese knall-orangen Rotbarsch-Verwandten wurden bis zu einem Meter gross und 150 Jahre alt. Beliebt fuer ihr weissen, festes Fleisch, waren die Bestaende in den letzten Jahren stark zurueckgegangen so dass nun die Entnahme verboten ist in BC. Weil man sie oft in groesseren Tiefen antrifft, leiden gefangene Exemplare meist an Barotrauma Symptomen. Demzufolge waren wir gar nicht scharf auf diese Burschen, auch wenn sie toll aussahen. Tatsaechlich sahen wir bald einen orangen Brocken neben Jerrods Boot. Sein Sohn war aus dem Haeuschen bei dem Anblick. Der war mindestens 15 Pfund schwer. Jerrod liess ihn vorsichtig am Downrigger wieder runter. Hoffentlich schaffte er dieser Kerl!

Wir diskutierten noch ueber Snappers als ich ploetzlich meine Rute beachtlich wippen sah. Ich sprang hin und hieb an. Etwas hing fest am anderen Ende. Es war ordentlich schwer aber machte nicht viel Alarm. Etwa auch ein Snapper? Bitte nicht! Butt war gefragt! Ich pumpte das Was-auch-immer Stueck fuer Stueck hoch. Ich hatte einige gespannte Zuschauer auf den anderen Booten. Die riefen natuerlich dreckige Kommentare rueber was ich doch fuer eine Sissy waere fuer so einen kleinen Fisch so lange zu brauchen und dergleichen. Wie das eben so zugeht auf einer Herrentour. Alexander hatte seinen Spass daran. Nun endlich sollte der Fisch in SIcht kommen – ein Butt, tatsaechlich! Kaum hatte ich das gesagt und mich schon gefreut als der Butt nun doch noch Gas gab und sofort wieder etliche Meter abtauchte. “Jetzt nur nicht noch verlieren!”, dachte ich noch. Ich pumpte ihn wieder hoch und Alex wollte ihn unbedingt gaffen – nun gut, mein Sohn, nur keinen Fehler machen. Aber routiniert schlug er dem Butt das Eisen in den Kopf und zerrte den vielleicht 15-17 pfuendigen Kleinbutt an Bord. Na gut, kein Riese aber der Anfang ist gemacht.

Voller Hoffnung drifteten wir noch gute 2 Stunden ueber das Plateau aber wir konnten weder einen weiteren Butt noch einen Ling ueberreden. Alle wollten nochmal die Pilker schwingen um den Tag noch mit etwas Action ausklingen zu lassen. Wir suchten uns ein paar Kanten vor den Inselchen und Riffen und hier war wieder Barsch-Mania angesagt. Als wir so ziemlich alle Farben des Regenbogens an irgendwelchen Barschen gesehen hatten und die Arme schmerzten, machten wir Schluss und fuhren die 45 Minuten heim. Oh, nicht ganz, Dave bestand noch an einem Riff unterwegs anzuhalten und ratet mal was es da bis zum Abwinken gab: Felsenbarsche. Unfassbar, die waren dieses Jahr ueberall und in erstaunlichen Groessen. Schade, dass man nur 1 pro Tag mitnehmen darf.

Ich konnte mich nicht beschweren, das Vater-Sohn Duo hatte einen schoenen Ling und einen kleinen Butt fuer die Familienversorgung mitgebracht. Das war in Ordnung. Dave hatte 3 Barsche fuer sich und einen kleinen Ling und war nicht ganz zufrieden. Die anderen Boote waren noch aermer ausgegangen. Also die Grundfischerei konnte sich noch stark verbessern, war das doch immer das Hardy Highlight gewesen.

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon #Allround#Nachhaltig » 21.08.2019 - 22:44

Das sind ja kreaturen wie aus einem horrorfilm :shock:
Petri heil!
Angeln :D

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon cohosalmon » 21.08.2019 - 23:23

Ja, und Norwegenangler kennen das, je haesslicher desto leckerer!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Argail » 22.08.2019 - 6:30

Nice! grundfischangeln wäre genau meins.Man weiß nie,was und in welcher Farbe man hochbekommt :D :lol: :clap:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D

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Re: 10.8.2019; Port Hardy, Tag 2

Beitragvon Gerd » 22.08.2019 - 14:19

cohosalmon hat geschrieben:– waehrend Alex und Dave die Fische hochholten, war ich der Umkehrangler!


Der geilste Ausdruck seit langem :lol: :lol:
Tolle Fische sind diese Barsche, gefallen mir.
Wie funktioniert denn das 'Release-Geschirr'. Klar, geht mit dem Blei auf Tiefe, aber wie wird der Fisch davon getrennt ? Hier in D wärste mit sowas mit einem Bein vorm Kadi :evil:
Hätte ich einen Weinberg, ich würde ihn 'Hang zum Alkohol' nennen

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon cohosalmon » 23.08.2019 - 6:45

Gerd: da gibt es ein paar raffinierte Geraete die bei einem voreingestellten Druck den Fisch, der an einer Lippzange haengt, wieder freilaesst. Jerrod hat zB so ein Geraet und hatte seinen grossen Snapper wieder auf Tiefe gebracht. Google mal Seaqualizer

Ich benutzte eine selbstgebastelte Montour wie diese hier: https://www.rockfishidentification.com/ ... tsalrb9wyy
wobei ich sagen muss, ich habe dieses Drahtgeschirr schon seit vielen Jahren schon so verwende und ich mir das haette patentieren lassen sollen. Die verlangen bis zu $20 dafuer und haben sich die Idee dazu sicher von mir geklaut! Geht nicht ganz so elegant wie der Seaqualizer und auch nicht ganz so schonend; Du durchstichst die Haut im Unterkiefer von oben nach unten und das Gewicht zieht den Fisch nun mit nach unten. Wenn Du meinst Du hast die Zieltiefe, ruckst Du an, was den Draht aus dem Unterkiefer herauszieht und voila. Das kleine Lock im Unterkiefer heilt ganz schnell und beeintraechtigt die Fische nicht. Klappt prima, habe ueber Jahre vielleicht nur 2 oder 3 Exemplare, die wieder hochkamen weil ich nicht tief genug ging. Dann sammle ich dan Fisch wieder ein und mache das Ganze nochmal.

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 23.08.2019 - 9:20

Sachen gibts :lol: Danke Dir für die Info , wieder was gelernt
Hätte ich einen Weinberg, ich würde ihn 'Hang zum Alkohol' nennen

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Schimpi » 23.08.2019 - 10:02

Ich sehe den Gerd jetzt schon im Winter auf dem Lake Eder rumdümpeln und die in der Tiefe gefangen Zander wieder zurücksetzen... :lol:
Wir müssen eindeutig aufhören so wenig zu angeln !!!

P.S.: Diese Info wurde auf 100% recycelten Datensätzen geschrieben und ist nach der Löschung sämtlicher Buchstaben und Zahlen erneut verwendbar.

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11.8.2019; Port Hardy - Tag 3

Beitragvon cohosalmon » 24.08.2019 - 22:39

Vor unserem 3. Tag sassen wir abends noch eine Weile und diskuierten den Plan fuer den naechsten Tag. Wir beschlossen, den Morgen auf Lachs und den Nachmittag auf Butt zu probieren. Wir kamen diesmal recht frueh aus den Betten; es war noch stock-dunkel beim Fruehstueck. Wir wollten bei Sonnenaufgang schon am Angelplatz sein. Wir und MyTyee entschieden zu einem neuen Platz, bei den Daphne Point bei den Masterman Islands zu fahren waehrend die Therapy in den Gordon Channel etwas weiter weg fuhr. Ueber Funk konnte man dann berichten und umdisponieren wenn es anderswo rappelte.

Am Daphne Point und vor den Masterman Island herrschte schon etwas Betrieb. Die meisten der Boote konzentrierten sich auf einen felsigen Vorsprung der von einem Kelpguertel umrandet war. Sah auch fischig aus die Stelle! Wir reihten uns ein um so allen mal ein Pass an der vermeintlich heissen Stelle zu erlauben. Wir fischten nur zwei Ruten da mein Sohn wieder fuer den ganzen Morgen in der Koje verschwand. Beide Rute waren mit Koederfisch am System bestueckt. Ich fischte irgendwo zwischen 15 und 25 m tief, Dave probierte es hoch und runter. Er war hochmotiviert und wollte nun endlich auch einen grossen Chinook auf seine Lizenz schreiben. Normalerweise hatten wir immer eine kleine Gruppenwette um ein paar Dollar, wer den groessten Lachs, Ling und Butt fing. Dieser finanzielle Anreiz liess Dave, als Freizeitspieler, ueblicherweise in den hoechsten Gang schalten und normalerweise die meisten Wetten gewinnen. Dieses Jahr hatte wohl keiner von uns Lust schon wieder eine Gebuehr in Dave’s Rentenfont abzugeben. Obwohl wir diese Mal kein Geld im Spiel hatten, war Dave heute heiss!

Vielleicht eine halbe Stunde spaeter, ich hatte gerade den Ruecken zu den Ruten gedreht, sprang Dave ploetzlich an mir vorbei und zu seiner Rute. Er riss die Rute aus dem Halter und hieb an. Seine Rute blieb im Halbkreis gebogen trotzdem die Schnur schon aus dem Clip war. Das war erstmal noch kein Grund zur Aufregung fuer mich da Dave eine Rute so schlaff wie ein gekochtes Spaghetti benutzte und diese Nudel sich auch bei kleinen Fischen beachtlich durchbog. Aber dann zog etwas gewaltig an seiner Schnur und die Rolle kraehte los. Das war ein richtiger Fisch. Und er lief und lief! Wir hatten vor und hinter uns Boote und ich brach’ aus unserer Reihe aus um Platz zum Drillen weiter draussen zu finden. Nur der Fisch spielte nicht mit und rannte Richtung Ufer und zwischen die dort schleppenden Boote. Ok, Strategiewechsel um den Fisch nur nicht noch an anderen Schnueren und Downriggerkabeln zu verlieren denn es schien, dass keiner der anderen Boote bemerkt hatte, was bei uns los war. Besonders das Boot hinter uns kam Dave’s Schnur schon gefaehrlich nahe.

Ich drehte das Boot kurzentschlossen um und fuhr dem Fisch hart hinterher und draengelte mich so vor das naechste Boot. Dave musste kurbeln wie verrrueckt um den Kontakt zum Fisch zu halten waehrend ich den Abstand zum Fisch deutlich verkuerzte. Das andere Boot schien immer noch nicht zu begreifen dass wir einen Fisch dicht vor seinem Bug hatten aber ich hielt weiterhin voll auf ihn zu bis wir endlich fast ueber dem Fisch standen. Jetzt sah ich panisches Hantieren auf dem anderen Boot und es drehte hart ab. Ahhh, endlich! Manche koennen mitten in einer Flotte voll am Schlafen sein. Dave’s Fisch machte noch ordentlich Kapriolen und riss noch ein- zweimal kurz aus aber die erste lange Flucht hatte ihm den Zahn gezogen. Ich war mir meiner Verantwortung bewusst – ich durfte das Keschern von Dave’s ersten ordentlichen Fisch nicht versauen. Er brachte ihn das erste Mal ans Boot, konnte ihn aber nicht richtig zur Oberflaeche ziehen obwohl seine Rute schon fast barst. Einer der Gruende warum ich solche Nudelruten nicht leiden kann; es fehlt eben einfach das Rueckgrat um den Fisch auch mal mit Kraft zu dirigieren. “Zu tief”, rief ich Dave zu. Bei der naechsten Bootsannaeherung hievte und zerrte Dave was er konnte und der Lachs kam hoch. Ich schob den Kescher vor den Kopf des Lachses und er schwamm einfach hinein. Geschafft! Dave freute sich und wir klatschten uns ab. Der Lachs war bestimmt 17 Pfund, kein Riese aber ein schoener Fisch!

85 Fuss tief, war Dave’s Erfolgstiefe. Er liess sofort seinen Koederfisch wieder dahin hinab. Ich blieb nur ein paar Meter flacher. Wir meldeten den Erfolg ueber Funk an unsere anderen Boote und setzten unsere Schleife fort. Wir sahen ein anderes Boot abdrehen und einen der Insassen einen feisten Fisch drillen. Es war Beisszeit! Es ging auf den Gezeitenwechsel zu, immer eine vielversprechende Angelzeit. Vielleicht eine weitere halbe Stunde verging ohne weitere Ereignisse, dann sah ich ploetzlich wieder Dave’s Rute eine tiefe Verneigung machen und zurueckspringen als der Clip ausloeste. Wieder stuerzte Dave wie von einer Tarantel gestochen los und griff sich die Rute. Schon sang die Rolle los und gab mir das Signal zum Vorbereiten fuer eine Grossfischlandung. Diesmal waren wir am oberen Ende unserer Schleife und nicht so dicht bedraengt von Booten. Hier konnten wir gleich freies Feld gewinnen und Dave konnte seinen Drill ohne Panik geniessen. Dieser Lachs machte lieber kurze aber kraeftige Sprints statt einer superlangen Flucht. Wir sahen ihn schon ein paar Mal in Bootsnaehe und immer wieder schoss er stur davon; etliche Male. Er wollte einfach nicht aufgeben. Selbst Dave musste doch schon langsam muede werden aber er hatte einen Heidenspass an dem Drill; der erste Druck war ja schon weg mit dem Fang seines vorherigen Fisches. Dieser FIsch war Bonus fuer ihn. Irgendwann kam der Lachs dann mal in Kescherreichweite und ich sackte ihn ein. Wieder ein feiner Fisch, vielleicht einen Tick kleiner als der davor. So schnell dreht sich das Fangglueck – heute war Dave’s Tag!

Alexander wachte auf und wir schleppten noch ein paar Runden um die gleiche Stelle. Bis auf ein paar Shakers war aber auf keinem Boot irgendwelche Action zu sehen. Jerrod und Demario hatten noch keinen Biss gehabt! Die Therapy Crew hatte ein paar mittelpraechtige Cohos aufgestoebert aber keinen markierten gefunden. Zum Mittag verabredeten wir uns alle zu einem Trip zu den Kiesbaenken vor dem Port Hardy Flughafen. Dieses Kiesplateau war immer gut fuer einen Butt und man konnte dort unbedenklich ankern. Gesagt, getan. Die Fahrt war nur so 15 Minuten lang und wir verstreuten uns in Sichtweite entlang der 100 m Kontourlinie. Ich machte auch einen Duftsack fertig und hoffte, dass das eine hungrige Buttgruppe anlockte. Es dauerte auch nicht lange bis unsere Duftspur Aufmerksamkeit fand; allerdings nicht von der Zielfischart. Die Dornhaie hatten uns gefunden und waren unablaesslich an unseren Koedern so dass ich bald eine Rute auf einen grossen Dufttwister umstellte. Aber auch da knabberten die Haie daran herum wenn sie auch den Koeder nicht inhalierten. Nach 2 Stunden und unzaehligen Haien hatten wir genug. Auf den anderen Boote sah es aehnlich aus. Jerrod wollte wieder zum Lachsfischen zurueck. Die Therapy kam mit uns mit Richtung Malcolm Island. Ich hatte auf meinem GPS ein paar alte Markierungen gefunden; nur ein paar km von unser jetztigen Position entfernt. Dort hatte ich mit den Sunds Lodge Guides 2011 ein paar Butte gefangen. Vielleicht klappte das ja wieder? Das Wasser war ruhig und wir waren noch unternehmungslustig. 20 Minuten brauchten wir bis dahin. Dort ankerten wir aber nicht sondern drifteten nur. Ich setzte mich auf den Bug und pilkte etwas mit der leichteren Rute. Es war schoen hier, bei null Wind, kaum Stroemung mitten in der Queen Charlotte Strait zu sitzen, die hohen Gipfel des Kuestengebirges hinter uns und das Strathcona Gebirge auf der Insel vor uns und tausende Inselchen rechts und links neben uns. Wir mitten drin, umgeben von Walen und Delfinen. Man konnte sie ueber Kilometer weg atmen und prusten hoeren. Hier und da sah man eine Fontaene oder eine Schwanz- oder Rueckenflosse. Aber das einzig fischige was ich die Oberflaeche brachte war wieder nur ein Dornhai. Alexander hatte ein bisschen mehr Glueck am Pilker und fing noch einen Greenling und ein paar kleinere Felsenbarsche. Ross erwischte eine kleinen Sable Fish, was nicht sehr haeufig vorkam, aber von Butten oder anderen Game-Fischen war keine Spur. Das Kleingemuese durfte alles wieder schwimmen.

Ohne vorzeigbaren Fischerfolg aber gut erholt fuhren wir wieder zurueck. Ich war mit Abendbrotmachen dran und dafuer wollte ich etwas frueher zur Unterkunft. Die Therapy gesellte sich nochmal am Daphne Point zu Jerrod zum Lachsschleppen. Als alle hungrig zur Unterkunft kamen, sprachen alle aufgeregt von Jerrods verlorenen Riesenfisch. Nach stundenlangem erfolglosem Schleppen bekam Jerrod einen harten Biss und war dann in einen Thriller – Drill verwickelt. Carl und Ross waren in der Naehe und konnten das Drama verfolgen. Nach einiger Zeit hatte Jerrod seinen Gegner ans Boot gedrillt aber Demario – 12 Jahre alt – konnte den Fisch nicht in den Kescher kriegen. Der Fisch war wohl riesig – alle meinten mindestens mitte 30 Pfund! Schliesslich gab Jerrod Demario die Rute und versuchte sich selbst am Kescher. Er hatte ihn halb im Kescher als sich der lose Angsthaken im Netz verfing und der Fisch so nicht tiefer ins Netz gleiten konnte. Der Fisch wand sich und riss sich den Drilling dabei heraus und kam rueckwaerts wieder in die Freiheit. Jerrod stiess wohl ein paar laute, wilde, kinderuntaugliche Flueche aus. Aber wie das Sprinchwort eben so geht: “Always the big one gets away!” Jerrod brauchte ein paar Bierchen und Jaegermeister zum Abendbrot!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Derrik Figge » 26.08.2019 - 16:36

Dickes Petri!
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.
Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

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Gruni
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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Gruni » 26.08.2019 - 18:40

Immer wieder hervorragend und plastisch geschildert! Vielen Dank! :clap:
Und die Sissy-Sprüche sind echt normal, durfte mir in Kenia vonnem Texaner mal anhören was für ne Sissy ich doch sei weil ich für nen völlig durchgeknallten Sail von 87 lbs doch fast ne Stunde gebraucht hab, annem 30lbs Geschirr....
Aber daran erinnert Mann sich dann halt auch 25 Jahre später noch! 8)
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cohosalmon
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12.8.2019; Port Hardy - Tag 4

Beitragvon cohosalmon » 28.08.2019 - 1:56

Fuer den vierten Tag konnten wir uns auf kein einheitliches Programm einigen. Jerrod wollte unbedingt nochmal zum Daphne Point um seinem entkommenden Tyee hinterherzujagen. Carl fand das unsinnig und wollte wieder im Gordon Channel paar neue Stellen auskundschaften. Ich haette lieber nochmal auf Heilbutt probiert aber die Stroemung sollte nun schon recht unerbittlich sein. Am Morgen hatte jedenfalls erst einmal Alexander viel Spass. Die Marina lag in einer recht tiefen Bucht und unser Echolot hatte die Wassertiefe an meinem Slip auf 23 m geclockt. Da ich zwei Krabbenfallen mitgebracht hatte, einen stationaeren Kaefig und eine aktive Klappfalle, hatten Alex und ich beschlossen es mal direkt unter dem Boot ueber Nacht zu versuchen. 20-30 m war eine perfekte Tiefe im Sommer. Und der Schlachttisch direkt nebenan sollte doch allerlei Viehzeug anlocken. Alexander und Demario hatten an den vergangenen Tagen schon einiges Krabbengetier mit der Klappfalle hochgezogen. Heute morgen holte Alexander die Kaefigfalle hoch und die war vollgestopft mit vielen Krabben aller Arten. Allerdings waren alle entweder zu klein oder Weibchen oder eine zugewanderte Art die nicht zu geniessen war und vernichtet werden sollte. Mit der Klappfalle fing Alex dann doch tatsaechlich sogar noch einen Fisch; einen Ratfish (Meerkatze). Super niedlich; in Alex’ Hand sah der aus wie ein begossener Hundewelpe.

Heute sollte es bedeckt und sogar nass werden. Aber wieder keine Welle auf dem Ozean. Wir fuhren mit Jerrod zum Daphne Point waehrend die Therapy in den Gordon Channel dueste. Wir drehten wieder unsere bekannte Schleife um den bekrauteten Felsvorsprung. Heute war hier aber tote Hose; wir sahen auch kein anderes Boot nach dem Kescher greifen oder in Aktion treten. Nicht mal Pinks oder Shaker. Nach einer Stunde schlug ich vor mal die offene Seite der Masterman Islands zu erkunden. Dave war einverstanden. Jerrod blieb am Platz. Als wir die Inselgruppe fast umrundet hatten, fingen beide Ruten an zu ruckeln. Leider nur zwei kleine Felsenbarsche. Aber wenigstens half das uns die vielen Signale auf dem Echolot zu deuten. Als wir auf der Insel-Aussenseite ankamen, fuhren da schon 3-4 Boote auf und ab. Die fuhren recht dicht an der Felskante entlang. Es schien da schnell tief zu werden. Wir schlugen den gleichen Takt an und tatsaechlich war hier eine steile Kante bis auf 50m Tiefe. Die Stroemung war jetzt noch nicht allzu schnell und wurde weniger aber wenn hier die volle Flut kam, wuerde man hier an der Kante nur so vorbeisaussen.

Mal sehen ob jetzt hier was ging; irgendetwas mussten ja die anderen Kapitaene wissen. Am unteren Ende der Strecke wurden wir von einem flacheren Riff ueberrascht welches nicht auf der Karte vermerkt war. Gott sei Dank kamen die Downriggerbleie nach anfaenglichem Zoegern doch wieder los und wir kamen mit dem Schrecken davon. Zeigte mal wieder, blindes Vertrauen in die Technik ist nicht ratsam. Ich machte gleich ein paar Marker am GPS. Es fing jetzt an zu regnen. Um mal etwas Anderes zu probieren, ging ich mit meinem Koeder auf 33 m runter. Und sofort hatte ich Kontakt – ein kleiner Chinook packte zu. Hm, Zufall oder waren die Fische hier etwa tiefer? Ich blieb bei der Tiefe und meine Rute blieb aktiv. Alles nur Kleingemuese, auch ein paar kleine Barsche dabei. Dave war von meiner Strategie noch nicht ueberzeugt und blieb noch bei 17 m. Es ging nun schon auf den Stroemungsstillstand zu und ich drehte das Boot gerade wieder fuer einen neuen Anlauf auf die Strecke, als ich wieder mal einen kurzen Ruck an meiner Rutenspitze sah. Dann nichts mehr. Ha, entweder hing nun ein Winzling dran oder der Koederfisch war schon ruiniert. Ich wollte gerade die Rute aufnehmen um einzuholen, da ruckte es wieder zweimal – wieder zaghaft. Ich nahm die Rute und ruckte halbherzig zurueck. Ich fuehlte kurz Widerstand und dann nichts mehr. Sehr komisches Getue. Ich drehte den Downrigger auf Einholen und hielt die Rute einfach in der Hand waehrend der Stroemungsdruck das Geschirr langsam an die Oberflaeche drueckte. Nach vielleicht 30 Sekunden riss es ploetzlich an der Rute und ich musste nachfassen um die Rute nicht saussen zu lassen. Nanu? Das war kein kleiner Fisch der jetzt hier wegwollte! War der nun schon seit den ersten Rucken drangewesen oder hatte er erst beim Hochholen gebissen? Wer weiss schon!? Ich verlor jedenfalls erstmal eine Menge Schnur und fuehlte auch ein paar ordentliche Kopfstoesse.

Dave war schon flink dabei das Deck am raeumen. Er wusste, dass ich jeden weiteren Fisch wieder freilassen wuerde oder ihm anbieten wuerde und als die ehrlose Seele die er ist, hatte er kein Problem mit geschenkten Fischen. Der Fisch wuerde also in seine Truhe wandern und er war daran interessiert, dass der Fisch auch ins Boot kam. Nach der ersten langen Fluch spuerte ich ploetzlich einen harten Ruck und dann kam ein kurzer Moment, der sich anfuehlte als ob der Fisch weg waere. Ich kurbelte rasend und wollte gerade losfluchen als die Schnur ploetzlich wieder stramm wurde und ich maechtige Wuchten spuerte. “Das ist aber ein seltsames Gebahren, von Anfang an schon!”, meinte ich kopfschuettelnd. Mein Gegner schien an Kraft zu gewinnen statt zu verlieren. Ich konnte nur mit maximaler Kraft ein paar Meter gewinnen und verlor viel mehr wenn der Fisch wieder abzog. Dave musste dem Fisch hinterherfahren. War das endlich mein Tyee? Jetzt wurde ich auch langsam nervoes – so einen schweren Fisch hatte ich seit Jahren nicht mehr gedrillt. Hoffentlich hielt das Geraet.

Nach 15 Minuten hatten wir immer noch nichts vom Fisch gesehen. Er konnte aber nicht mehr weit weg sein, Dave hatte uns fast ueber den Fisch gefahren, aber er sass tief. Wieder pumpte ich den Fisch Stueck fuer Stueck und vielleicht nach 20 Minuten Drillzeit kam er nun endlich das erste Mal hoch. “Ach!” und “Was?” entfuhr es uns beiden. Der war wahrlich kein Riese! Wie konnte der nur so ziehen? Das Raetsel loeste sich bald. Wir konnten erkennen, dass die Schnur nicht aus dem Maul kam sondern von der Brustseite des Fisches. Der Haken hing genau zwischen den Brustflossen. Der Moment, der sich wie der Verlust des FIsches angefuehlt hatte, war wohl der Moment gewesen an dem der Haken vom Maul loskam aber dann an der Brustgegend gefasst hatte. Scharfe Haken! Na das konnte ja noch lustig werden mit der Landung. Ich konnte den Fisch naemlich nicht ganz an das Boot heranzerren. Durch den Schnurwinkel von unten kam der Fisch nicht Kopf-zuerst zum Netz und drehte immer wieder ab bevor Dave zulangen konnte. Das ging bestimmt ein Dutzend Mal so und wir wussten nicht was wir noch machen konnten. Irgendwann bald wuerde der Haken aus der Haut ausreissen. Dave zog den Teleskopstiel des Keschers voll aus, ich gab alles was die Rute und Schnurstaerke hergab und endlich – halb ins Wasser fallend – konnte Dave den Burschen einsacken. Das war mindestens eine halbe Stunde Drill gewesen, und auf Biegen und Brechen. Ich war echt kaputt und vor mir lag vielleicht ein 14 Pfuender! Wir grinsten uns an und schuettelten nur die Koepfe.

Ich meldete den Fang bei unseren Freunden um ihnen vielleicht einen Stellungswechsel vorzuschlagen, bekam allerdings von der Therapy eine freudige Rueckmeldung, dass Ross gerade einen mitte 20 Pfund Chinook am Castle Point gelandet hatte. Ha, na wer sagt’s denn! Das waere ja unser groesster Lachs bisher auf diesem Trip. Und Ross goennten wir alle einen guten Fisch, war er doch bisher trotz aller Geduld noch weitgehend leer ausgegangen.

Wir drehten nun eifrig weitere Runden und auch Dave rutschte mit seinem Koeder eine Etage tiefer. Aber es waren viele laestige Kleinlachse vor Ort und wir gingen durch eine Menge Koederfische. Ich stellte letztlich auf ein glow-weisses Squidimitat um und liess das wieder auf 30 m runter. Ich wollte mich gerade hinsetzen als meine Rute hart ruckte, ausloeste und sich tief verbog. Ich sprang hin und schnappte mir die Rute und ruckte an. “Das ist ein Guter!”, ich spuerte unwilliges Kopfschuetteln und nun setzte der Fisch zur Flucht an und …. Schnur wurde schlapp. Waaassss? Gibt’s doch gar nicht! Warum? Als ich das Geraet eingeholt hatte, fehlte der Koeder. Vorfach einfach durch. Ich benutze 40 Pfund Mono und das reisst nicht so einfach durch. Entweder das Vorfach hatte von vorherigen Nutzungen schon ein paar unbemerkte Schadstellen gehabt oder es hatte ganz dumm zwischen den Lachszaehnen gelegen und war so durchgerieben worden. Wie auch immer, es war aergerlich einen guten Fisch so zu verlieren. Das Glueck, was mir noch beim letzten Fisch so hold gewesen war, hatte sich hier komplett versteckt.

Es fing dann eine Weile moerderisch an zu schuetten und wir wollten bei den regelmaessigen Kleinfischbissen gar nicht unter dem Dach vorkommen. Wir beschlossen die Kleinlachse zu verlassen und zum Castle Point, zur Therapy, zu verlegen. Jerrod auf der MyTyee war mangels Erfolg am Daphne Point auch einverstanden. Wir dampften durch die jetzt nebelige, verwolkte Inselwelt zum Castle Point und gesellten uns dort zu ein paar anderen Booten und der Therapy. Ross zeigte uns stolz seinen Brocken. Und da war noch ein anderes Objekt fuer unsere Neugier; ich dachte ja ich haette schon alles gesehen beim Angeln aber was hier aus dem Nebel vor uns auftauchte, sprengte alle Vorstellungen vom Lachsangeln. Da kreuzte neben uns ploetzlich eine vielleicht 25 m Jacht; zwei abgedeckte Beiboote oben drauf, die wahrscheinlich so gross waren wie mein Boot. Hinten 3 Downrigger dran, die Angler taten so als waere das das Normalste der Welt. In der Lounge hinten sah man einen riessigen Flachbrett-TV laufen – tja, falls das Angeln langweilig wurde, schaut man sich eben einen Film ab dabei…. Was es alles gibt!

Was es nicht gab waren Fische. Es war absolut tot hier. Nach einer Stunde brachen wir ab und fuhren alle zum Pilken zum Alex Rock. Es war aber keine gute Pilkzeit denn die Stroemung war hart und wir bezahlten unseren Mut mit einigen Koedern. Die Ruten waren aber trotzdem regelmaessig krumm; leider waren keine Gross-Lings dabei. Dafuer aber Felsenbarsche der Megaklasse. Ich glaube, bis auf Snapper, die eine eigene Klasse unter den Felsenbarschen bildeten, hatte ich noch nie so grosse Barsche gesehen. Dave und Alex fingen etliche um die 60 cm lang, vornehmlich Schwarze Felsenbarsche. Alex mit seiner leichteren Pilkrute hatten einen Riesenspass an dieser Angelei. Ich war wiederum mit der Umkehrmethode voll beschaeftigt. Als der Regen wieder hart einsetzte, brachen wir auch dieses Unterfangen ab. MyTyee und Therapy wollten am Duval Point nochmal auf Lachs versuchen. Ich war noch auf Heilbutt scharf und so suchten wir uns eine vielversprechende sandige Bucht, die etwas abseits der Hauptstroemung war. Auf dem Weg dahin fuhren wir durch einige winzige Kanaele und Meeresengen zwischen den unzaehligen Inseln – hier war man in einer anderen Welt; nur von Adlern und Meerestieren umgeben und scheinbar unberuehrter Wildnis. Wir tuckerten langsam durch diese fantastische Natur und stoppten noch mal hier und da und liessen die Pilker hinab. Wir fingen wieder etliche Barsche, ein paar Greenlings und auch paar kleinere Lings. Aber nichts mehr fuer die Fischkiste. War trotzdem zauberhaft in so einer Umgebung zu angeln.

Dann liessen wir uns an der neuen Heilbuttstelle treiben. Tatsaechlich war die Stroemung hier sehr ertraeglich, fast schon zu lahm. Ein paar Haie knabberten an unseren Koedern und hielten uns wach. Im Hintergrund konnten wir wieder Wale und Delfine atmen and prusten hoeren. Dann kam ploetzlich aus dem Nichts ein grosses Schlauchboot auf uns zu. Whale Watcher? Nee, dafuer waren zu wenig Menschen an Bord. Doch nicht etwa….doch, Fischereibehoerde! Hier in der Wildnis? Wow! Ich angle schon seit 17 Jahren hier in BC und bin auf dem Wasser noch nie kontrolliert worden, obwohl ich von solchen Kontrollen schon gehoert hatte. Passieren viel zu selten! Die legten bei uns an, waren freundlich aber bestimmt, wollten unsere Fischkiste sehen – hatten ja meinen Chinook drin. Unsere Angellizenzen und schauten auch nach, ob ich meinen Chinook eingetragen hatte. Da wir jetzt auf Grundfisch angelten, konnten wir Koeder mit Widerhaken verwenden aber da wir ja offensichtlich schon auf Lachs geangelt hatten heute, wollten sie den verwendeten Koeder sehen – und sie checkten jede Hakenflunke! Alles klar, alles in Ordnung, und sie duesten wieder ab. Na das war ja mal eine ganz neue Erfahrung!

Wir drifteten noch eine Weile ohne Erfolg und stoppten dann auf dem Heimweg noch fuer eine kurze Schleife am Duval Point. Dave fing noch 2 fette Pinks, die er einsackte. Dann war dinner time! Am Abend kam noch einer der bekannten Guides auf ein Bier bei uns vorbei. Er berichtete, dass er momentan bis kurz vor Rivers Inlet an die Festlandskueste fuhr um regelmaessig Chinook zu fangen und alle seine Grundfische kamen von mehreren Meilen offshore. Ich fragte ihn direkt wo er lokal hier im Moment Heilbutt angeln wuerde. Er sagte er wuerde es gar nicht erst versuchen; falsche Gezeiten. Da hatten wir es! Es lag gar nicht an uns. Dumm gelaufen. Er war aber ueberrascht, dass wir relativ gute Chinookfaenge vor der Haustuer produzierten. Da hatte er sogar noch was von uns gelernt! Wir hatten nur noch einen Morgen vor der endgueltigen Abfahrt. Wind sollte wieder nicht existieren – unfassbar!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Argail » 28.08.2019 - 6:51

Die Natur bei euch ist echt der Hammer. Vielen Dank für die Mühe, die du dir immer mit dem Verfassen der Berichte machst. Das ist echt eigene Liga. Thumbs up! :clap: :clap:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D

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13.8.2019; Port Hardy - Tag 5

Beitragvon cohosalmon » 29.08.2019 - 19:41

Wir konnten es gar nicht glauben, dass der so lange ersehnte Sommertrip schon wieder fast vorbei war! Wenn man Spass hat, fliegt die Zeit eben nur so dahin. Ross fuhr schon am letzten Abend zurueck; als Firmeninhaber hatte er unverschiebbare Termine. Wir beschlossen den letzten Morgen schon frueh aus der Unterkunft auszuziehen um dann noch ein paar Stunden zum Angeln zu haben. Die Grundfischangelei hatten wir jetzt abgeschlossen, leider mit minimalem Erfolg, und so wollten wir nur noch etwa 3 Stunden vor dem Duval Point auf Lachs Schleppen. Carl wollte lieber alleine auf seinem Boot fischen als auf eines von unseren dazuzukommen.

Etwa um 8:00 Uhr hatten wir alles in unsere Fahrzeuge gepackt und verliessen die Marina ein letztes Mal im Konvoi. Kurz zuvor hatten wir noch einem bekannten Angel-TV Showmaster am Dock die Hand geschuettelt; er war gerade mit seinem schicken Boot und seiner TV Crew in die Marina gekommen. Er wollte die naechsten Tage eine Show in Port Hardy drehen und benutzte dafuer die Hilfe und Unterstuetzung des Marinabesitzers, der auch Guiding Service anbot. Mal sehen was da in paar Monaten im Fischkanal gezeigt wurde!

Es war heute morgen – natuerlich windstill – aber auch etwas nebelig. Nicht gefaehrlich dicht aber so, dass man schon etwas Umsicht walten lassen musste, besonders am gut besuchten Duval Point. Da waren schon um die 20 Boote unterwegs. Alex war natuerlich am schlafen und so setzten Dave und ich wie immer morgens nur 2 Ruten ein. Ich hielt uns absichtlich etwas von der Flotte dicht unter Land entfernt; erst einmal mochte ich im Nebel kein dicht-an-dicht Angeln und ausserdem hatte ich hier etwas ab vom Punkt am ersten Abend meinen Grossen gefangen. Dave angelte flach, ich etwas tiefer. Nicht lange und meine Rute ruckte an – und ich sofort zurueck. Fish On! Kein Riese aber ein sportlicher Fisch zum Warmwerden. Dave kescherte bald einen 9 pfuendigen Chinook. Ich wollte keinen mehr behalten, Dave wartete auf einen Groesseren, aber Carl rief uns zu ein Geschenk annehmen zu wollen. So behielten wir ihn fuer den Solokapitaen heute.

Daraufhin fing ich Pink auf Pink – und einige wirklich stattliche Exemplare von vielleicht 7+ Pfund. Der Weltrekord fuer Pinks liegt so bei 15 Pfund aber jeder Pink ab 10 Pfund ist ein Riese. Normalerweise sind sie in der 4-7 Pfundklasse. Die hier heute waren schon ueberdurchschnittlich. Das komische an den Pinks ist, dass sie gleich nach dem Biss ersteinmal ruhig sind. Man denkt ein Shaker und kurbelt den Fisch problemlos zum Boot. Aber dann drehen die Kerle komplett durch, springen, waelzen sich, oft wickeln sie sich regelrecht im Vorfach ein. Man kann oft minutenlang neben dem Boot gar nicht identifizieren ob es wirklich ein Pink ist weil sie so flink herumsaussen und reines Chaos neben dem Boot verursachen. Ausserdem haben die wohl einen hohen Blutdruck – hast Du den Pink nicht sicher in der Fischkiste wenn Du ihn bonkst und abstichst, dann sieht Dein ganzes Boot aus wie ein Schlachtfest. Die Pinks explodieren regelrecht vor Blut!

Dann ruckte ploetzlich Daves Rute hart an und loeste aus. Das sah nach was Ordentlichem aus! Oha, schon sang die Rolle und der Fisch riss eine Menge Schnur ab. Ich war schon dabei meine Rute herauszuholen als Dave ploetzlich stoehnend verlautete – weg! Einfach losgelassen! Schade, das sah vielversprechend aus.

Dann ging es weiter. Dave zog es in die Masse der Boote dicht unter Land – ich weiss auch nicht warum. Wir argumentierten noch als ich aus dem Nebel ploetzlich ein Boot im Vollgas auf uns zuhalten sah. Was soll das denn!? Sekunden spaeter wurde uns klar – wieder die Fischereibehoerde. Das gibt’s doch nicht! Zwei Tage hintereinander? Diesmal ein anders gefaerbtes Boot mit 4 Mann Crew, die eine Frau kannte uns noch von gestern. Ploetzlich wurde mir etwas mulmig – ich hatte unseren Chinook, den wir fuer Carl behielten, noch nicht auf meine Lizenz eingetragen. Waehrend Dave die Fender und die Seile zum Anlegen bediente und die freundlichen Fragen beantwortete, ging ich schnell unter Deck um die Lizenzen herauszuholen und zwischen Alex’s Fuessen schrieb ich ruck-zuck den Chinook in meine Tabelle. Huh, das war knapp – die Officers schienen nichts gemerkt zu haben. Alles in Ordnung, Petri Heil an uns und schwupps waren sie wieder weg. Nochmal gut gegangen. Ich glaube zwar nicht, dass die uns das Fell ueber die Ohren gezogen haetten fuer einen fehlenden Eintrag eines Fisches der deutlich erst kuerzlich gelandet wurde, aber besser das nicht auszuprobieren.

Erleichtert angelten wir weiter. Ploetzlich, und ohne jegliche Warnung, riss es meine Rute runter und sofort aus dem Clip! Ich musste Dave, der gerade in seiner Koederbox herumkramte, fast aus dem Weg schubsen um an meine Rute heranzukommen. Die Schnur flog schon von der noch festgestellten Rolle als ich die Rute mit Muehe aus dem Halter herausholte. Das musste was Grossen sein! Nach paar Sekunden hielt der Fisch an und drehte wohl um. Ich fing an zu kurbeln um die Spannung zu halten, kurbelte und kurbelte aber je laenger ich kurbelte desto weiter sank die Hoffnung doch noch auf Widerstand zu stossen. Weg! Das Geraet kam leer zurueck, Der Koederfisch war bis zum Kopf abgebissen, der Koederdraht total verknotet. Schade!

Dave hatte nun auch nichts mehr dagegen, dass ich dichte Kreise um diese Stelle weiter ab vom Ufer kreiste. Hier waren Fische vor Ort, keine Frage. Und auch keine Schlechten! Jerrod funkte, dass er einen Chinook in den Teens gelandet hatte. Er war auch nicht weit weg von uns. Von Carl hoerte man nichts, aber der war auch allein und hatte wahrscheinlich die Haende voll zu tun. Als sich der Nebel mal etwas hob und die Sonne durchbrach, sahen wir wieder Jerrod live in Action und beobachteten wie er sich muehte einen guten Fisch zu keschern und gleichzeitig die Rute zu halten. “Warum laesst er denn nicht seinen Sohn helfen? Der ist 12 Jahre alt und durchaus kraeftig!?” Wir riefen ihm das zu und tatsaechlich gab er die Rute an Demario und bediente den Kescher selber. Nach ein paar Minuten konnten wir freudige Rufe vernehmen und Demario winkte uns lachend zu. Na also! Darum geht es doch wenn man seine Kinder dabei hat! Jerrod war wohl zu sehr im Kampfmodus versunken und hatte allen Anstand vergessen! Wir freuten uns fuer ihn, dass er einen produktiven Morgen hatte. Er war ja der Einzige der Truppe geblieben, der noch keine Chinooks gelandet hatte bisher. Man muss schon sagen, die Lachsgoetter hatten die Fische sehr fair auf uns alle verteilt ueber die paar Tage. Jeder von uns hatte seine Momente gehabt!

Die Zeit wurde nun knapp und Dave wollte gerne noch eine Chance. Ich drehte uns schon Richtung Marina als Dave’s Rute wirklich nochmal loswippte. Er schlug an und meinte “Big one!”. Noch stand er nur mit der vollgekruemmten Rute da und der Fisch musste wohl erst ueberlegen was zu machen ist. Aber dann heulte die Rolle los. Ok, das war fuer mich das Zeichen das Deck klar zur Landung zu machen. Dave yahoote ein paar Mal laut auf als der Fisch nach einer kurzen Pause wieder losraste. Sogar Alexander wurde nun wach und kam an Deck. Wenn wir den landeten, wuerden wir den Trip ja so beenden wie wir ihn angefangen hatten. Dave genoss den Drill sichtlich. Wir waren auf dem offenen, tiefen Wasser, keine Boote um uns, keine Robben in Sicht – es sah gut aus fuer ein erfolgreiches Ende! Alex wollte keschern. Nach 10 Minuten brachte Dave den Fisch das erste Mal zur Oberflaeche. Vielleicht 30 m hinter dem Boot sahen wir erst den Flasher auftauchen und dann einen grossen Schwall dahinter. Jetzt zog der Fisch wieder ab – ein Ruck – und der Flasher sprang zurueck zur Oberflaeche – Fisch weg. Waassss?! Wie denn das? Dave war erschuettert und konnte es nicht glauben.

Er brachte sein Geschirr ein und schaute sich die Montage an und meinte ploetzlich “der Angsthaken ist weg!”. Wieder ein Schnurbruch der zum Fischverlust gefuehrt hatte. So ein Mist. Ich zeigte Dave den Trick den ich benutzte um diese Schnurstelle zwischen Drilling und Angsthaken vor scharfen Zaehnen zu schuetzen. Ich benutze einen ganz duennen knallroten Schlauch den ich ueber dieses 4-5 cm Schnurstueck zog. Das hatte ich mir vor Jahren mal von einem Guide abgeguckt und hatte seit dem kaum noch Probleme mit dieser Schwachstelle am Geraet gehabt. Nun ja, das half Dave heute nicht mehr aber vielleicht fuer den naechsten Grossen! Wir packten ein und dampften demuetig zurueck.

Am Dock beglueckwuenschten wir Jerrod und Demario zu ihren Faengen; sie hatten sogar noch einen Chinook danach freilassen muessen weil sie ihr Limit schon hatten. Carl erzaehlte uns seine Geschichte – er hatte keinen schoenen Morgen gehabt: Er hatte schon frueh einen grossen Lachs am Band gehabt und kaempfte nun solo mitten in den vielen Booten mit Steuerrad und Rute und einer zweiten Rute, die noch draussen war. Da er nicht wie ich ein zweites Steuerrad am Heck hatte, musste er fuer Kurskorrekturen immer wieder unter das Dach kriechen. Dabei verfing sich seine Rutenspitze und Schnur zwischen den Rutenhaltern auf dem Dach. Natuerlich, in diesem Moment musste der Lachs wieder losrasen und weil die Schnur nicht ablaufen konnte, zerbrach seine Lieblingsrute. Der Fisch war aber noch dran und so drillte er mit einer halben Rute. Dummerweise trieb er nun in flachere Tiefen und seine noch eingesetzte zweite Rute und das Downriggerblei schlugen auf Grund auf und hingen fest. Nun war die Kacke am dampfen! Der Fisch schwamm nun um die festhaengenden Schnuere und Kabel herum, der Fisch riss ab und Carl verlor zu guterletzt auch noch sein Downriggerblei und Koeder der zweiten Rute. Er war bedient. Nicht sehr schoenes Ende fuer ihn, aber sowas passiert schon mal.

Zurueck in der Marina bekam er den kleineren Chinook von uns und nach ein paar Witzen und Albereien war auch seine Laune wieder hergestellt. Wir zogen unsere Boote raus, nutzten die Suesswasserabspritzstelle um das Salz von Boot und Anhaenger abzuspuelen – eine feine Einrichtung. Wir fuhren nach Port Hardy und gingen zusammen Mittagessen. Und machten uns dann auf den 6-7 stuendigen Heimweg. In Nanaimo hielten wir alle bei Cabelas Outdoor Store an um die Koederverluste zu ersetzen und verteilten dann aus Carls Tiefkuehltruhe unsere Fischpakete um dann jeder in seine Heimatgefilde zu fahren. War wieder ein gelungener Trip mit vielen Erinnerungen und neuen und anderen Highlights als angenommen. Man weiss halt nie wie es kommt und das macht das Ganze ja auch so spannend!

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