Beiträge von cohosalmon

    17.7.2021; East Sooke


    Da habe ich es nun endlich mal an einem Wochenende in meinem Heimrevier auf’s Meer geschafft. Samstag war der Wind ruhig und die Buckellachse sollten ziehen. Ausserdem war mit ein paar Coho zu rechnen. Chinooks auch, aber die sind im Moment hier geschont und muessen wieder zurueckgesetzt werden. Keiner meiner beiden Soehne hatte Zeit und keiner meiner Angelkumpels wollte schon so frueh aus dem Bett. So machte ich eine Solotour nach East Sooke. Ich wollte das Boot nochmal ordentlich durchtesten bevor wir am Mittwoch unseren Maennertrip an den Barkley Sound an der Westkueste antraten.


    4:00 Uhr aus den Federn und 5:30 war ich an der Marina. Noch kaum Betrieb und so war ich kurz vor 6:00 Uhr schon mit 2 Ruten im Wasser an der Trap Shack vor dem East Sooke Park. Mit 2 anderen Booten zog ich dort meine Schleifen dicht an den Kelpguerteln entlang, in der Hoffnung auf einen grossen Chinook; aber auch jegliches anderes Schuppenvieh war willkommen. Ein Blinker und ein Squidimitat sollten es richten. Da ruckte die eine Rute los; Anschlag und ordentlicher Widerstand. Jetzt war wieder Multi-Tasking angesagt. Ein Hand in der Naehe des Lenkrades da ich dicht an den Klippen war, ein Auge immer ringsherum, ein Finger an der Motorsteuerung und der Rest an der Rute. Der Fisch setzte zu einer Flucht an – dann ein Ruck – weg. Mist! Schnell setzte ich das Geschirr wieder ein.


    Jetzt wusste ich wenigsten, dass zumindest ein beisswilliger Fisch da war. Hoffentlich noch mehr. 2-3 Runden passierte nichts, dann ein Schlag in der anderen Rute. Ich sprang hin, ruckte an, Widerstand – wollte mich gerade zum Drill bequehm machen – weg. “Gibt’s doch nicht!” Dann eine halbe Stunde nichts mehr. Auch auf den anderen beiden Booten in der Naehe sah es ruhig aus. Nun liess ich die Ebbstroemung mich mal ueber das Trap Shack Riff druecken. Hier stand oftmals der Fisch. Aber es war auch unangenehm schuckelig hier. Da riss die Squidrute aus dem Clip und die Rutespitze wippte bis unter die Wasseroberflaeche. Etwas bange zog ich dagegen – fuehlt sich gut an. Ein paar Mal wollte der Fisch ein kleines Stueck Schnur nehmen – aber es konnte kein Riese sein. Nach paar Minuten hatte ich den Fisch ans Boot herangeholt und sah ein Silberpaket aus der Tiefe auftauchen. Ein feiner Coho von vielleicht 7-8 Pfund!


    Als er neben dem Boot war, began der Coho nochmal zu toben. Ich hatte schon das Vorfach in der Hand um an der kurzen Leine zu bestimmen, ob er markiert oder nicht war. Endlich hielt der Fisch mal eine Sekunde inne und ich sah die intakte Fettflosse. Schade. Schnell hakte ich ihn ab und er sausste davon. Ich textete meinem Boss, der heute auch hier angeln wollte. Er war mit seinem Kumpel unterwegs und kam gerade aus der Marina. Sie wollten gleich etwas weiter raus um Buckellachse (Pinks) zu jagen. Als dann nach etwa 20 Minuten die erste Fangbestaetigung meines Bosses kam, stellte ich meine Koeder auf pinke Gummikoeder um und fuhr weiter raus und Richtung Secretary Island gen West. Dort sah ich schon Dutzende Boote herumduempeln.


    Dann ging es ploetzlich ganz schnell. Eine Rute ruckelte los und waehrend ich einen Fisch drillte, zog die 2. Rute auch noch ab. Was soll ich sagen, ich verlor beide Fische – den zweiten direkt neben dem Boot als ich hinter mich nach dem Kescher griff. Ich wollte heute schon gerne mein Limit von 4 Pinks mitnehmen – die Raeuchertonne winkte! Also schnell die Ruten wieder rein. Und ich war jetzt im Schwarm. Es ging Schlag auf Schlag. Pinks, ein paar kleinere Cohos und auch kleine Shaker dazwischen. Ich kam nicht mehr dazu mich mal hinzusetzen. Ich rehabilitierte auch meinen Anglerruf und landete mehrere Doppelbisse. Ich liess alle kleinen Cohos und Shakers frei und auch einige Pinks die mir etwas klein vorkamen. Wenigstens 4-5 Pfund sollten sie auf den Rippen haben. 3 Keeper hob ich einfach am Vorfach ins Boot um mir das Gefummel mit dem Kescher zu ersparen.

    Ich wartete jetzt nur noch auf den 4. groesseren Pink. Bei einem wurde ich fast schwach aber zoegerte zu lange als er neben dem Boot lag und schwupps hatte er sich selbst befreit. Und wie es nun kommen musste, war jetzt auf einmal Beissstille.


    Ich hatte den Schwarm verloren und konnte ihn auch nicht mehr wiederfinden. Ich war nun fast vor Secretary Island angekommen. Mein Boss und Kumpel hatten ihr Limit und fuhren schon wieder heim. Ich beschloss einfach die 5 km mit der Flut zurueck zu schleppen. Das wuerde reichlich eine Stunde dauern und das sollte doch genug Zeit sein um den letzten Keeper zu fangen. Ich verbuchte 2 oder 3 Bisse die aber nicht haengenblieben und befuerchtete schon ich muesste mit nur 3 Fischen nach Hause gehen. Kurz vor Schluss rissen dann ploetzlich beide Ruten gleichzeitig runter. Wow! Ich griff mir die, die am meisten wippte und drillten einen feisten Fisch heran. Der sprang und waelzte sich wie ein Wilder. Ich sah, dass der so um 5 Pfund herum war. Ca. 10m hinter dem Boot liess ich ihn erstmal mit weicher Bremse im Rutenhalter stecken und schnappte mir die andere tanzende Rute. Auch dieser machte einen wilden Tanz. Als ich den am Boot hatte, sah ich, dass es ein etwa 5 pfuendiges Maennchen war. Der andere war ein Weibchen. Also schwuppte ich den Mann ins Boot und packte ihn auf Eis und liess lieber das Weib frei um fuer Nachwuchs zu sorgen. Dann packte ich zufrieden ein. Die Blamage noch mal vermieden.


    Am Schlachttisch war viel los. Ein Guide neben mir filletierte einen schoenen vielleicht 60 pfuendigen Butt und einen feisten 18 Pfund Chinook. Sein Gast hatte ihn in der winzigen, einzigen Stelle vor der Marina gefangen, an der die Entnahme von Chinooks erlaubt war. Fragt bitte nicht wie das Sinn macht aber so verrueckt sind die Regeln hier mittlerweile. Vielleicht versuche ich es an dieser kleinen Stelle das naechste Mal auch mal. Scheint ja doch zu gehen – hin und wieder zumindest. Jetzt geht’s an’s Raeuchern!




    Vielen Dank für die paar Minuten Urlaub, immer wieder schön zu lesen und vor allem zu sehen. Schade finde ich, dass die Bilder nur noch angehängt sind und nicht mehr in den Beitrag eingebunden. Aber ich denke, das liegt an der neuen Software, oder ?

    Das ist aber komisch. Fuer mich erscheinen die Bilder als Vollbild eingefuegt. Und ich habe beim Einstellen darauf geachtet alle Bilder in Originalgroesse einzufuegen. Bist Du angemeldet wenn Du das anschaust? Vielleicht sieht man die Vollbilder nur wenn man angemeldet ist?


    Uebrigens habe ich festgetellt, dass die neue Software mich nun die alten Berichte bearbeiten laesst. So wollte ich die verschwundenen Fotos nachreichen. Aber da die neue Software nur 10000 Zeichen pro Beitrag zulaesst und viele meiner Berichte darueberhinausgehen, kann ich die alten Berichte nun doch nicht mehr bearbeiten weil sich der bearbeitete Bericht dann nicht mehr speichern laesst, es sei denn ich loesche Teile vom Text.

    1.7.2021; Nootka Sound – Tag 4


    Cont.


    Und bald kamen auch die Bisse. Und wie! Erst war Alexander’s Rute vollkrumm. Leider stieg der Fisch wieder aus. Aber da meldete schon Ricardo Fischkontakt. Ein Rochen kam hoch. Nun Alex wieder. Auch Rochen. Dann stoehnte Alec auf – nach beherztem Drill kam ein schoener 15 pfuendiger Ling Cod hoch. Wir machten nur kurz ein Foto und liessen den Fisch wieder frei. Ich wollte nur noch den letzten Heilbutt mitnehmen – ich hatte ja schon wieder 1,5h Filetieren und Verpacken vor mir! Ich zog das Boot wieder auf die Untiefe zurueck, die Leinen gingen runter – Ricardo’s Rute krumm. Der Fisch klopfte – konnte ein Heilbutt sein. Alec meldete auch schweren Fischkontakt – der nahm Schnur! Und wie es kommen musste nun hakte Alexander auch was Grosses. Alle 3 Ruten krumm! Wahnsinn! Ricardo brachte einen kleinen vielleicht 10 pfuendigen Butt hoch. Alec’s Fisch sah auch nach Butt aus und wahrscheinlich groesser. Wir brauchten einen bis 90 cm. Hm, was nun. Ich kescherte Ricardo’s Butt und hiess ihm festzuhalten. Inzwischen hatte Alexander seinen Widersacher nach oben gehievt – grosser Rochen. Ich hakte ihn schnell ab und dann kam schon Alec’s Fisch hoch. Butt! Groesser als Ricardos. Aber unter 90? Wird knapp. Einen lebenden Butt im Wasser zu messen – geht kaum. Ich schaute mir den Umriss genau an und sagte dann bestimmt: “Das passt!”. Ricardo schaute mich unglaeubig an – wirklich? Ohne zu messen?


    Ich war mir ziemlich sicher und so versank Alex die Harpunenspitze im Butt. Ich schlug ihn ab, blutete ihn aus und vertaeute ihn und brachte ihn dann an Bord. Spannende Stille als ich das Massband anlegte und Ricardo ablas: 87 cm. Na also! Geht doch! Optimal! Wir klatschten uns freudig ab. Das war eine Angelei hier! Die Jungs wollten noch die Lachsstuecke an ihren Haken verangeln und dann wollten wir Schluss machen. Denen wurden die Arme schon lang! Und was soll ich sagen, sie fingen noch ein paar Rochen und einen kleinen Butt. Durften alle wieder schwimmen. Dann packten wir hochzufrieden ein.


    Ein wunderschoener 4-taegiger Trip an den Nootka Sounds ging leider wieder zu Ende. Erfolgreich geangelt und gefangen; besonders das Pilken im Flachen war wie von einem anderen Stern dieses Mal. Lachsfischen war auch ok, aber nicht berauschend. Der Wind hatte besser mitgespielt als in den vergangenen Jahren. Und ich hatte viel Spass mit meinen 3 Jungs gehabt – etwas was mir immer wertvoller zu werden scheint und etwas was ich in vollen Zuegen geniesse. Wieder ein Abenteuer der Sonderklasse – Nootka enttaeuscht nicht und ist immer eine Reise wert. Jedes Mal etwas anders und nie langweilig, aber immer besonders und lohnend.



    1.7.2021; Nootka Sound – Tag 4


    Unser 4. und letzter Tag sollte mehr den Lachsen gewidmet werden. Die Windvorhersage war ok fuer den Morgen und dann etwas sportlicher fuer den Nachmittag. Ueber die letzten Tage hatten wir mehrere Charterboote innerhalb des Fjordes fischen sehen. Am Schlachttisch waren deren Faenge mit unseren verglichen eher mager. Ich sah ein paar der Gaeste neidisch auf unsere Butthaufen schielen. Die Guides wollten wohl die Gaeste, die meist wie Familien mit kleinen Kindern aussahen, nicht den schaukeligen Bedingungen vor der offenen Kueste aussetzen und begnuegten sich dann lieber mit zwei oder drei 8 pfuendigen Fresslachsen die im Fjord ihr Unwesen trieben. Heilbutt ging schwer im Fjord. Die grossen Laichlachse kamen erst Ende Juli tief in den Fjord. Der Conuma River, der ja direkt vor dem Moutcha Bay Resort in the Fjord muendete, war ein Lebensraum von Chinooks, Cohos und Chums. Im spaeten August und September bis Oktober tummelten sich dann einige tausend Lachse direkt vor dem Resort um dann beim ersten schweren Regenfall in den anschwellenden Conuma aufzusteigen. Das Resort haelt am letzten Augustwochenende immer ein Kajak-Lachsderby bei dem man mit allen Schwimmhilfen inklusive einer Luftmatraze einen Lachs fangen kann. Irgendwann muss ich da mal mitmachen! Wer aber denkt das Lachse, die ueberall um’s Boot herumspringen, leicht zu fangen waeren, der taeuscht sich sehr. Die Lachse haben in dieser Phase keine Fresslust mehr und beissen nur noch aus Reflex oder Wut. Da einen zu haken braucht Geduld und Ausdauer, gute Nerven und eine Menge greller Koeder.


    Jedenfalls war jetzt noch Lachsfischen an der Aussenseite angesagt. Im Fjord ging noch nichts. Daher waren wir immer auf brauchbare Windverhaeltnisse angewiesen. Am Donnerstag sah es fuer den Morgen gut aus und wir wollten ein bisschen an unserer Lachsquote arbeiten. Wir waren alle heiss und hofften auf eine neue, hungrige Chinookschule, die hoffentlich ueber Nacht angekommen war. Wir fingen wieder am Leuchtturm an und hatten gleich Kleinlachsalarm. Die flache Bucht war diesmal nur halb verkrautet und so drehten wir ein paar Runden dicht unter Land und zwischen einzelnen Felsinseln. Ploetzlich riss es hart an der Squidrute und diesmal war ich schneller als die Jungs. Ich hatte auf einen grossen Chinook gehofft, merkte aber bald dass das nichts werden wuerde. Der Fisch machte ordentlich Alarm aber nahm keine Schnur und als er einmal vielleicht einen Meter aus dem Wasser geschossen kam, war klar: das war ein Coho. Aber fuer einen Coho um diese Jahreszeit war er nicht schlecht und ich genoss den kurzen aber wilden Drill. Ricardo sackte ihn dann ein und das erste 5-6 Pfund Silber war an Bord heute.


    Wir verbuchten noch zwei Fehlbisse an dieser Stelle aber dann zogen wir weiter. In der naechsten Bucht zwischen den Wash Rocks (mehrere kleine Felsinseln) schleppten schon eine Menge andere Boote. Einer winkte uns zu und begruesste mich beim Namen. Den Norm hatte ich gestern beim Filetieren kennengelernt. Ein netter Kerl der sogar ein bisschen Deutsch sprach – seine Mutter war Deutsche. Sie hatten noch nichts in der Kiste. So zogen wir weiter raus. Ricardo und Alec fingen beiden ein paar Shakers bis dann ploetzlich die Blinkerrute hart ausloeste. Alec war an der Reihe und schon nach wenigen Sekunden deutete er Grosslachsalarm an! Ricardo und ich holten das ganze Zeug ein und machten das Deck landungsklar. Der Fisch dueste richtig los. Ich glaube erst nach 30 oder 40 Sekunden konnte Alec ueberhaupt erstmal den Finger an die Rolle legen. Aber auch dann hoechstens fuer ein oder zwei Kurbelumdrehungen und dann raste der Fisch wieder davon. Da hier noch 2 oder 3 andere Boote in der Gegend waren, drehte ich lieber um und fuhr etwas im Winkel auf den Fisch zu um jeglichen Booten den Weg ueber unseren Fisch abzuschneiden. Alec musste jetzt kurbeln wie ein Weltmeister um die Schnur straff zu halten. Klappte prima. Dann ging es noch paar Mal hin und her. Ich staune immer wieder wie kraeftig diese Fische hier vor Nootka sind. Die stehen voll im Saft und kaempfen wirklich ueber ihrer Gewichtsklasse. Als wir den Fisch das erste Mal zu Gesicht bekamen, waren wir fast enttaeuscht. Der hatte gekaempft wie weit ueber 20 Pfund, war aber deutlich kleiner.


    Ricardo kescherte ihn bald gekonnt ins Boot. Ein feister 16 Pfuender! Nicht schlecht, wenn auch kein Rekordfisch. Alec freute sich, dass er als Spaetkommer nun schon die Heilbutt- und die Lachskategorie anfuehrte. Er hat’s eben drauf! Aber noch waren wir ja nicht fertig heute. Es war erst Mitte des Morgens. Nach 2 bisslosen Schleifen ueber die Fangstelle fuhr ich uns um den am weitesten draussen liegenden Wash Rock herum. Hier fange ich eigentlich immer was aber hier ist es meistens auch am welligsten. Und es war ungemuetlich und schaukelig hier. Als nach einer Weile ausser noch ein oder zwei Shakern nichts ging, schaute ich weit nach Nordwest. Dort war der Beano Creek, der eine groessere Bucht formte, die ein bisschen Windschutz zu versprechen schien. Eine kurze Absprache mit den wachen Jungs und wir raeumten schnell das Geraet rein um zum Beano Creek zu fahren. Nach 15 Minuten waren wir da und trafen auf vielleicht 10 andere Boote. Ob hier was ging?


    Das war eine Stelle zum Flachfischen. Die Bucht war hoechstens 20m tief und hatte einige Untiefen die bis auf 10m hochkamen. Ich montierte einen knall-pinken Coho Killer Blinker an die eine Rute und das Squidimitat blieb an der anderen. Der pinke Blinker lief flach auf 10m, der andere Koeder am Grund bei 20m. Da rappelte die Blinkerrute schon los und Ricardo hatte im Nu einen wilden Coho am Band. Der sprang paar Mal wie verrueckt und sausste hin und her neben dem Boot; einmal fast in die Schraube des Schleppmotors. Total durchgeknallt der Fisch. Aber als er dann so fein im Kescher lag, lief mir schon der Saft im Maul zusammen; das wird ein feines Mal. Wieder so um die 6 Pfund. Ich wiederholte die Strecke und prompt zog diesmal die Squidrute ab. Alec vermutete wieder einen Coho aber als sein Widersacher ihm ploetzlich die Kurbel aus den Haenden riss und eine Flucht von vielleicht 20-30m hinlegte, wussten wir, dass das was Groesseres war. Wenn das ein Coho ist, waere es ein neuer 1. Juli-Rekord!


    Nach feinem Drill zeigte sich ein feiner vielleicht 12-13 pfuendiger Chinook. Feine Sache! Eingesackt und auf Eis gepackt. Jetzt hatten wir natuerlich Blut geleckt und drehten enge Schleifen ueber der Stelle in der Bucht. Andere Boote waren auf uns aufmerksam geworden und gesellten sich dazu. Das liess nicht viel Platz an der Stelle. Ein Biss kam noch, der auch sofort ausloeste aber der Fisch blieb nicht haengen. Dann wurde es still. Alexander wachte auf und kam mal aus der Koje. Er staunte, dass wir schon 4 Lachse in der Box hatten. Das war jetzt meine Chance mal eine Muetze Schlaf nachzuholen. Die 3 Jungs konnten das schon alleine regeln! Ich legte mich ab und machte ein schoenes Nickerchen. Ich erwartete eigentlich, dass ich von Tumulten aufwachen wuerde wenn die Jungs zu den Bissen springen und Freudengeschrei beim Fang ausstossen wuerden. Aber es blieb ruhig.


    Nach einer Stunde schaute ich dann mal nach dem Rechten. Ricardo winkte ab: nichts gefangen. Was? Und wo waren wir denn? Es war wohl in der Bucht etwas windig geworden und alle anderen Boote waeren wieder Richtung Leuchtturm gefahren und so hatten die Jungs beschlossen auch wieder Richtung Heimat zu schleppen. Wir waren irgendwo im Niemandsland an einem einsamem Kuestenabschnitt. Hm, dachte ich. Wenn wir etwas tiefer gehen, koennten wir vielleicht wenigstens unseren letzten Heilbutt abschleppen. Aber hier war es ja nur so 22m tief. Ich uebernahm das Steuer und fuhr uns zur 33m Kontourlinie. Kaum angekommen, loeste die Rute mit dem pinken Blinker aus und verneigte sich tief. Ricardo rief Alexander zu, dass er dran waere. Aber der winkte ab, wollte erst in Ruhe sein Mittagsbrot essen. Na der hatte ja die Ruhe weg! Da nahm sich Ricardo die Rute und vermeldete einen guten Fisch. Alec und ich raeumten wieder das Deck. Alles lief nun wie am Schnuerchen. Ricardo drillte den Fisch trotz des Wellenganges gekonnt und Alec kescherte den Lachs nach ein paar Minuten routiniert. Knapp 14 Pfund. Auch ein schoener Fisch! So kommt es eben wenn der Meister am Steuer sitzt und ahnt wo die Lachse stehen! Ricardo schuettelte nur unglaeubig den Kopf.


    Wir schleppten noch eine halbe Stunde weiter ohne groessere Ereignisse. Ein Seeotter kam mal wieder in Sicht und Alex war verzueckt ob des aehnlichen Gebahrens wie seines Frettchens zuhause. Dann juckte es die Jungs nochmal zu pilken. So packten wir die Schleppsachen ein und ich fuhr uns zu dem sandigen Unterwasserberg. Der Wind stand dieses Mal hier voll drauf und ich befuerchtete, dass die Drift zu schnell war. Tatsaechlich beschwerten sich die Jungs, dass sie kaum Boden halten konnten und staendig nur Schnur nachgeben mussten. Ich sagte, wir versuchen es mal mit Backtrolling; das heisst ich hielt uns mit Motorkraft auf der Stelle. Da ich nicht rueckwaerts in die Wellen fahren wollte (was eigentlich das Backtrolling ausmacht), hielt ich den Motor nur sachte im Vorwaertsgang und schaltete hin und wieder mal eine zeitlang in Leerlauf. Ich musste nur die 3 Angelschnuere gut im Blick behalten. Funktionierte einwandfrei.

    30.6.2021; Nootka Sound – Tag 3


    Alec war um Mitternacht zu uns gestossen. Ich war schon tief am schlafen und hatte von seiner Ankunft nichts mehr mitgekriegt. Nach Deutschlands mickrigem Abgang bei der EM hatte ich mich schnell verkruemelt. Die Wecker holten uns 5:30 Uhr aus den Federn. Die Windvorhersage war nicht schlecht – auch wenn es nicht windstill warden sollte. Frueh war es moistens am besten; ab Mittag musste man immer mit einer Brise aus Westen von Japan her rechnen. Bald waren wir wieder unterwegs und fuhren durch die weitverzweigte Fjordwelt. Eine herrliche Welt – nur von einigen Lachsfarmen gestoert. Aber die sollen wohl auch bald einpacken muessen.


    Vor dem Leuchturm war es schon etwas schaukelig aber machbar. Wieder hatten wir unsere beiden gaengigen Koeder montiert und eingesetzt. Ich drehte eine Rund ganz agressiv im Flachen am Strand entlang. Hier war viel Futter zu finden; das Wasser “kochte” stellenweise vor kleinen Fischchen. Aber grosse Jaeger schienen hier nicht unterwegs zu sein. Und dann kam eine Schwimmkrautzone von der Flut hereingetrieben und wir mussten im Minutentakt die Schnuere reinigen. Ging nicht mehr zu angeln hier, und so fuhr ich uns weiter hinaus. Schade eigentlich, bei so viel Futter war es doch nur eine Frage der Zeit bis die Raeuber auftauchten.


    Alexander war schon wieder am Schlafen unter Deck. Alec und Ricardo wechselten sich an den Rute ab die hin und wieder mal durch Kleinlachse in Bewegung kamen. Ploetzlich schnappte die Squidrute zurueck … eine Sekunde waren wir nicht sicher ob es nur die Schnur aus dem Clip herausgezogen hatte, durch Kraut oder Quallen vielleicht, aber dann spannte sich die Schnur schnell und riss die Rutenspitze ins Wasser. Oha, das war ein richtiger Fisch! Endlich!


    Ricardo war an der Reihe und begann einen aufregenden Drill. Waehrend der Lachs eine Menge Schnur von der Rolle riss, raeumten Alec und ich die 2. Rute und die Downrigger aus dem Weg. Ricardo gewann mal etwas Schnur aber sofort verlor er auch wieder eine Menge. Der Fisch war richtig widerspenstig und der Wellengang machte den Drill noch komplizierter. Ich half mit dem Schleppmotor immer mal nach um die Schnur straff zu halten wenn der Lachs auf’s Boot zugeschossen kam. Nach einer Weile sahen wir die Schwanzflosse hinter dem Flasher auftauchen. Nicht schlecht! Kein Riese aber wahrscheinlich der groesste Lachs bisher. Wir hatten ja wieder die Mones Cup Trophaee zu vergeben fuer den schwersten Fisch am Ende des Trips. Das koennte die Fuehrung sein fuer Ricardo (die Fische von den Tagen zuvor zaehlten nicht weil ja Alec noch nicht dabei gewesen war). Immer wieder buechste der Lachs kurz hinter oder neben dem Boot aus und Ricardo musste schnell reagieren. Aber dann fuehrte er den Lachs souveraen in den Kescher. Na also, geht doch! Der war schon knapp 15 Pfund.


    Von dem Erfolg angespornt zogen wir weite Kreise um die Fangstelle. Aber jetzt kam wieder nur Kleinlachs. Nach einiger Zeit schlug ich ploetzlich vor einzupacken und die 10km bis zum Bajo Reef zu fahren. Da wollten wir schon immermal hin aber die letzten Jahre war es immer zu rauh dafuer gewesen. Heute traute ich es mir zu. Keine Einwaende. Alex schlief noch. Und so donnerte ich gegen die Wellen hinaus. Im Nachhinein eine dumme Entscheidung. Ich haette mir denken koennen, dass sich am Reef die Wellen noch hoeher tuermen wuerden wenn der Suedwestwind das Wasser vom Tiefen auf das teilweise nur paar Meter tiefe Riff schob. Nach 30 Minuten kamen wir an und es war eine Waschmachine im Schleudergang; 3-5 m Duenung und noch 1m Windwellen von kreuz und quer. Alex und mir wurde es auch balb uebel und wir konnten gar nicht angeln. Ricardo und Alec versuchten es zumindest aber es schien selbst den Fischen zu rauh zu sein. So packten wir bald, den Schwanz zwischen die Beine geklemmt, ein und surften mit den Wellen zurueck zur Kueste. Ein Seeotter sah uns verbluefft an als ob er sagen wollte: “Was macht ihr Verrueckten denn hier draussen!?”.


    Zurueck am Fjordeingang stiegen wir zum Pilken um. Natuerlich steuerte ich unseren neuen Hot Spot an. In der Gegend war auch schon ein anderes Boot am Pilken, aber nichht genau an unserem Berg. Gut so! Alex war jetzt auch mit dabei. Die Pilker wurden wieder mit einem Fischfetzen garniert. Ricardo benutzte einen neuen Koeder der wie ein kleiner Oktopus aussah. Dann ging es los. Und es dauerte nicht lange bis Alec einen harten Biss vermeldete. Er meinte es waere Zeit mal wieder einen Butt zu fangen da es etwa 5 Jahre her war seit seinem Letzten. Zu seinem Leidwesen stieg dieser Fisch bald wieder aus. Alex brachte wieder eine schoene Scholle, die ich gerne mitnahm. Dann jauchzte Alec wieder auf als seine Rute brutal nach unten gerissen wurde. Das musste ein Butt sein. Wir feuerten ihn an und tatsaechlich brachte er bald einen vielleicht 12 pfuendigen Butt herauf. Ich liess Alex dieses Mal an der Harpune ueben um den Fisch aussen am Boot schlachten zu koennen. Ging alles glatt und Alec hatte mal wieder einen Butt gefangen!


    Wir waren inzwischen ins Tiefe abgetrieben und so setzte ich das Boot wieder um. Kurz nach Bodenkontakt meldete Alex einen Biss und schweren Fisch. Noch ein Butt? Aber der Fisch zeigte nicht die wilden Hammerschlaege eines Buttes; ich vermutete einen Rochen… und sollte Recht behalten. Da war ja eine regelrechte Plattfischparade da unten! Ein paar verpasste Bisse liessen und noch hoffen, dass mindestend noch ein hungriger Grossfisch da unten lauerte. Bei einer erneuten Drift ging dann Ricardo’s Rute in die Knie und er war am Fisch. Ich sah die Rutenspitze paar Mal kraeftig wippen und der Fisch nahm auch Schnur. Das musste wieder ein Butt sein. Alex stand schon mit der Harpune bereit da vermeldete Alec einen Biss und “Fish on”. Gibt’s ja gar nicht! Aber eins nach dem anderen!


    Ricardo pumpte seinen Fisch hoch – jawoll, ein guter vielleicht 20 Pfuender – Alex hatte das Harpunieren nun auch drauf. Waehrend ich den Butt versorgte und vertaeute, gab uns Alec einen Update: er hatte wieder einen Rochen. Verrueckt. Als alles versorgt und der Rochen wieder abgehakt war setzte ich erneut um. Diese Drift blieb ohne Biss. Jetzt war der Berg wohl leergefischt? Ich schlug vor noch zwei Lingstellen zu probieren. Alle nickten zufrieden. An einer der aeusseren Inseln gab es einen fast senkrechte Felskante mit einer felsigen Sohle in ca. 40m Tiefe. Textbook Ling Cod Stelle. Hier hatten wir vor einem Jahr schon einige zaehnestarrende Monster hochgeholt und einige auch wieder freigelassen. Es muesste also was gehen. Es war aber auch eine pilkerfressende Stelle wenn man nicht voll konzentriert dabei war. Alex liess seinen Pilker eine Sekunde zu lange am Boden liegen und hing fest. Waehrend ich mich damit beschaeftigte rief Alec ploetzlich “auch Haenger, oder? Nee, Fisch!” Etwas sehr kraeftiges zog ihm fast die Rute aus der Hand und er fummelte schnell die Bremse etwas lockerer.


    Ricardo holte seine Schnur vorsichtshalber schnell rein damit der nicht den beiden in die Quere kam. Alex versuchte immer noch seinen Pilker loszureissen und ich konnte nicht viel helfen weil ich nicht ueber Alec’s Fisch fahren wollte. Der zog naemlich immer noch mit seinem Nootka-Monster hin und her. Dann ploetzlich ein: “Ahhhhhhhh” von Alec – sein Fisch war ploetzlich weg. Mist. Den haette ich gerne mal gesehen. Alex Pilker kam aber leider auch nicht mehr an’s Sonnenlicht. Ich beschloss noch mal eine andere, weniger gefaehrliche Stelle anzufahren. Hier war es 70 m tief und wir erwarteten Lings und Red Snapper, welche jetzt geschuetzt und wieder freigelassen werden mussten. Und tatsaechlich brachten Alec und Ricardo beide je einen halbwuechsigen Snapper hoch. Diese grell-orangenen Barsche, einem Rotbarsch sehr aehnlich, sehen immer wieder cool aus. Leider bekommt ihnen der Druckunterschied nicht sehr gut. Ich kurbelte beide mit dem Release-Geschirr wieder runter um deren Barotrauma rueckgaengig zu machen. Das sie nicht wieder an der Oberflaeche auftauchten, nahm ich mal als gutes Zeichen, dass dieses Freilasskonzept funktioniert hat.


    Dann stoehnte ploetzlich Alec auf: “Haenger!”. Keine 3 Sekunden konnten wir einen harten Schlag in der vollgespannten Pilkrute bemerken und der “Boden” fing ploetzlich an sich zu bewegen. Aha! Jetzt ging ein Tanz los! Der Fisch ging auf einen unaufhaltbare Fluch und Alec hielt mit aller Kraft an der Rute fest. Dann stoppte der Fisch und Alec schien ein paar Meter zu gewinnen. Dann riss es die Rutenspitze tief ins Wasser und der Fisch dueste wieder ab. Er riss immer wieder eine Menge Schnur ab gerade wenn Alec dachte er haette sich beruhigt und gibt auf. Es war ein Drill an der Belastungsgrenze des Geraetes. Ich hatte im Winter eine neue Penn-Battle Stationaerrolle gekauft und die funktionierte wirklich fein unter diesen extremen Umstaenden. Nach vielleicht 10 Minuten hatte Alec seinen Gegner oben – es konnte dem Drillverhalten nach eigentlich nur ein Butt sein. Eine herrliche 40 Pfund Platte tauchte auf und Gott sei Dank hatten wir nun schon eine Menge Buttlandungserfahrung. Bald hatte ich den Fisch getoetet, ausgeblutet und brachte ihn dann vertaeut ins Boot. Was fuer ein Grundfischtag! Ich musste nun schon rechnen, wieviel Butte wir pro Lizenz eigentlich noch mitnehmen durften. Es stellte sich heraus, wir hatten noch Platz fuer einen Butt bis 90 cm. Wow.


    Hochzufrieden fuhren wir zum Schlachtfest zurueck. Waehrend ich mich um die Fischversorgung kuemmerte, duesten die Jungs wieder zum abendlichen Conuma-Angeln. Und wieder fingen sie ein paar wunderschoene Flussforellen. Ausserdem kam in der Daemmerung eine Herde Hirsche an den Fluss. Das muss die Jungs auch beeindruckt haben.


    29.6.2021; Nootka Sound – Tag 2


    5:30 Uhr raus aus den Federn, fruehstuecken, Mittagssnacks und viel Fluessigkeit einpacken, nochmal den Pott besuchen, die Kuehlakkus mitnehmen und dann nichts wie zum Boot. Kurz vor 7 kamen wir vor dem Leuchtturm an. Es war etwas schuckelig aber machbar. Alexander hatte vorsichtshalber eine Reisetablette eingenommen und schlief nun die ersten Stunden wie im Koma. So hatten Ricardo und ich die Deckwache. Wir angelten wieder mit dem Squidkoeder und einem schlanken Sandaal-Blinker.


    Wir schleppten den ganzen Kuestenabschnitt zwischen Leuchtturm und Maquinna Point ab. Da! Es riss ploetzlich hart an der Blinkerrute und ich war diesmal schneller dran als Ricardo. Ich ruckte an und fuehlte schweren Widerstand – der Fisch stand einen Augenblick total still, dann kam ein Ruck und…. die Schnur wurde schlaff. Mist! Das war nichts Kleines gewesen. Etwas spaeter ruckte es hart an der Squidrute und sie loeste aus aber nichts hing mehr dran als Ricardo Fuehlung aufnahm. Das gibt es doch nicht! Die spielten nur mit unseren Koedern. Dann wurde es ganz ruhig und wir zogen Schleife um Schleife um die Felsinseln, an denen sich die Brandung brach. Ausser Kleinlachs konnten wir aber nichts mehr ueberlisten. Wir gingen tief in unsere Koederboxen aber es schien nicht an der Praesentation zu liegen. Entweder waren keine groesseren Lachse mehr da oder sie frassen einfach nicht. Es blieb bei dem kurzen Beissfenster ganz am Anfang. Manchmal hat man nur eine oder zwei Chancen. Als Alexander dann endlich munter wurde, war er wohl froh, dass er nichts weiter verpasst hatte. Es ging schon gegen Mittag zu und der Wind frischte auch auf. Ich schlug vor an den Inseln und Kanten vor der Fjordmuendung pilken zu gehen. Einstimmig angenommen. Vielleicht hatten die Lings, Felsenbarsche und vielleicht auch Butte Hunger.


    Wir hatten ueber die Jahre schon so ein paar Hot Spots fuer Grundfisch im GPS eingespeichert. Die klapperten wir zuerst ab. Ricardo hatte den ersten schweren Biss und seine Pilkrute war fast rund. Der Fisch nahm in den ersten Sekunden kraeftig Schnur und Ricardo musste schwer dagegen halten um ihn nicht in eine Hoehle oder Klippe entkommen zu lassen. Das sah sehr nach Ling Cod aus. Dann pumpte er den Fisch Stueck fuer Stueck hoch. Ein feiner, vielleicht 10-12 Pfund Ling kam an’s Boot heran. Alex wartete schon mit dem Gaff – eine seiner Lieblingsbeschaeftigungen – Lings durch den Schaedel gaffen. Er schwang das Gaff schon zum Schlag da waelzte sich der Ling nochmal und kam vom Haken los und tauchte auch sofort ganz knapp ausserhalb Alex’s Reichweite ab. So dicht dran gewesen! Nun ja.


    Der Wind wurde dann auch hier staerker und die Drift zu schnell fuer vernueftiges Pilken. Das kostete uns schon einige Pilker und ich beschloss das hier abzubrechen. Ich studierte den Kartenplotter genau – alle unseren ueblichen Stellen waeren aehnlich dem Wind ausgesetzt. Ich begann nach neuen vielversprechenden Stellen zu suchen. Erst nur mit der einfachen Kontourkarte. Darauf sah die Fjordmuendung ueberall recht langweilig sandig/kiesig aus mit keinen herausstehenden Untiefen oder Strukturen und so. Dann aktivierte ich mal die detaillierte Tiefenkarte und zoomte in einige Gegenden hinein. Und tatsaechlich fand ich da auf der anderen Fjordseite vor einer kleinen Bucht einen Unterwasserberg der von 30 m auf 25 m hochkam. Keine grosse Sache aber einen Versuch wert. Und vorallem war diese Stelle etwas vor dem Wind geschuetzt.


    Da der Untergrund eher sandig/kiesig war, konnte ich mir auch Butte hier vorstellen obwohl die Stelle fuer meinen Buttgeschmack etwas flach war. Einfach mal probieren, dachten wir. Ricardo blieb bei seinem Pilker und hing nur ein kleines Lachsstueckchen an den Drilling dazu. Fuer Alexander montierte ich eine richtige Heilbuttmontage mit einer ganze Makrele als Koeder. Dann fuhr ich uns direkt auf den Gipfel des Berges und die Jungs liessen dort ein. Von dort trieben wir zuegig aber fischbar ins Tiefere. Ricardo’s Rute hatte den ersten Biss – ein Ruck – etwas blieb haengen. Konnte aber nicht sehr gross sein. Nach einer Minute kam eine schoene Scholle hoch. Na so ein Kaliber lohnt sich schon zum Mitnehmen! Wenn vielleicht noch ein oder 2 von der Sorte dazukaemen? Ricardo liess wieder ein und war kaum am Boden da war seine Rute wieder krumm. Und diesmal richtig! Der nahm sogar ein Stueck Schnur obwohl Ricardo die Bremse ziemlich hart eingestellt hatte. Vielleicht ein Butt? Wir warteten gespannt; Alex schon wieder mit dem Gaff in der Hand.


    Tatsaechlich! Ein kleinerer Butt tauchte auf. Der durfte natuerlich mit – auf Butt war unsere Kueche ganz scharf und nach einer duerftigen Fruehlingssaison bei uns in Victoria war jeder Butt ein guter Butt! Wir freuten uns und ich setzte das Boot gleich wieder zum Driftanfang um. Und nun ging es munter weiter. Alexander hatte kurz was Schweres am Haken, verlor aber Kontakt nach einigen Sekunden. Ricardo’s Rute war bald wieder bis zum Griff gebogen – dieses Mal kam ein Rochen hoch. Die Jungs befuehlten und bestaunten diesen Fang eine Weile. Dann durfte ich mal ran und hatte wieder eine schoene Scholle am Band. Die durfte auch mit. Dann stoehnte Ricardo ploetzlich auf – wow, der Fisch riss eine Menge Schnur von der Stationaerrolle. Es wurde ein Drill auf Biegen und Brechen aber nach etlichen Minuten bekamen wir einen grossen Umriss im Wasser zu sehen. Alex war schon wieder heiss auf’s Gaffen. Ein schoener Butt kam heran und Alex nagelte ihm das Gaff in den Schaedel und hievte ihn mit Muehe ins Boot. Hier tobte er nun wild umher und wir mussten uns vorsehen da er noch den Drilling halb aus dem Maul heraushaengen hatte. Blut und Schleim spritzte ueberall ins Boot und ich aergerte mich, dass ich nicht die Harpune benutzt hatte und den Butt ausserhalb des Bootes versorgt hatte, bis er bootsfaehig war. Zu spaet jetzt – das wuerde mich einige Stunden reinigen kosten. Aber trotzdem ueberwog die Freude ueber einen schoenen 25 pfuendigen Butt.


    Wer haette das gedacht von dieser unauffaelligen Stelle!? Wir bekamen noch einen Rochen an die Rute und dann wurde die Drift auch hier zu schnell um die Koeder noch vernuenftig am Boden zu halten. Da wir heute Abend noch eine Sonnenuntergangtour zum Conuma River machen wollten, packten wir heute etwas frueher ein. Auf dem Heimweg hielt ich noch an einer Pilkstelle an und die Jungs liessen nochmal ein. Hier fanden wir Felsenbarsche in allen Groessen. Einen grossen Kupferbarsch nahmen wir noch mit. Ricardo fing mal wieder den Exoten – einen vielleicht 10 cm winzigen Seeskorpion an einem 20cm Pilker. So was von gefraessig!


    Nach dem Filetieren und Verpacken des Fisches, und nach dem Abendbrot fuhren wir die 10 Minuten zu unseren bekannten Angelstellen am Conuma. Hier hatten wir schon Traumforellen gefangen. Ich hatte den ersten Nachlaeufer aber Ricardo fing ihn paar Minuten spaeter. Der Junge war in Hochform dieses Jahr! Eine herrliche 40 cm lange Regenbogner. Ging vorsichtig wieder zurueck. Er fing noch eine etwas kleinere an dem Abend. Ich blieb leider Schneider, genoss aber die herrliche und auch kuehle Abendstimmung am Fluss. Morgen wuerde unser Freund Alec dabei sein und der wusste genau wo die grossen Forellen stehen.


    28.6.2021; Nootka Sound - Tag 1


    So, endlich kann ich mal wieder von einem Angelabenteuer berichten. Ende Juni ist immer die Zeit wenn ich mit meinen Jungs einen Angeltrip mache. EIn paar Jahre lang waren wir immer zum Nootka Sound an der Westkueste der Insel gefahren. Die Berichte sind hier alle eingestellt. Apropo, mir wird gerade bewusst, dass es mein 10 jaehriges Jubilaeum ist, seitdem ich Berichte hier veroeffentliche. EIne ganz schoen lange Zeit aber es macht mir immer noch Spass und ich lese selber manchmal meine alten Berichte. Es ist wie ein schoenes Familien-Fotoalbum.


    Jedenfalls waren eigentlich fuer letztes und auch dieses Jahr andere Angelziele geplant gewesen, wie zum Beispiel an einen der vielen Hechtseen in Saskatchewan oestlich der Rockies zu fahren. Oder an den gewaltigen Columbia River am Westhang der Rockies. Oder einen der vielen Seen im Inneren BCs um Forellen und Suesswasserlachse zu angeln. Corona hat durch alle diese Ideen einen Strich gemacht und wir hatten beschlossen, lieber nochmal auf der Insel zu bleiben. Bis vor kurzem durften wir naemlich nichtmal die Insel verlassen. So hatte ich uns wieder eine Ferienwohnung im Moutcha Bay Resort am Nootka Sound gebucht. Die ersten 2 Tage nur meine 2 Jungs und ich und dann noch zwei Tage an denen unser gemeinsamer Angelfreund Alec zu uns stiess. Fuer die letzte Nacht hatte ich uns eine der Jurten gebucht; in denen hatten wir noch nie gewohnt – sind auch sauteuer aber fuer eine Nacht zum ausprobieren wollte ich es uns mal goennen. War klasse; ein Schlafraum under dem Dach im 2. Geschoss – direkt unter einem Dachfenster mit herrlichem Sternenausblick schlafen, dann war unten noch ein geraeumiges Schlafzimmer mit 2 Betten und im Kreis anschliessend ein grosszuegiges Bad und eine grosses Wohnzimmer-Kueche-Kombination. Im Wohnzimmer war noch eine Couch die man haette ausziehen koennen. Also maximal 6 Leute koennten hier schlafen. Aussen zum Meer eine grosse Terasse mit tollem Blick auf die Marina und umliegenden Berge. Klasse!


    Auf der Fahrt zum Zielort schauten wir oefter auf die aktuellen Wind- und Wetterberichte. Wir hatten eine enorme Hitzewelle hier in BC und auch auf der sonst gemaessigten Insel hatten wir einige Tage mit 36 oder gar 37 Grad. Beim Fahren stoerte uns das nicht, der Klimanlage im Auto dank, aber im Resort wuerde es kein AC geben. Noch wichtiger fuer uns war aber was dieses Hitze-Hoch mit dem Wind machen wuerde. Die letzten 2 Trips nach Nootka waren sehr windig gewesen und hatten das Angeln sehr erschwert. Die Lachse waren so frueh im Jahr noch nicht im Fjord sondern frassen sich noch vor der offenen Kueste die Baeuche voll. Oder es waren Lachsstaemme die eh nicht lokal waren sondern nur auf ihrem langen Weg zu den suedlichen Lachsfluessen an der Fjordmuendung vorbei kamen. Aber alle brauchbaren Wind Apps widersprachen sich und so mussten wir einfach anwarten was auf uns zukam.


    Wir slippten MaxWaldi am Ende der Asphaltstrasse in Gold River und ich fuhr das Boot die 45 Minuten nach Moutcha Bay waehrend die Jungs (beide haben ja nun einen Fuehrerschein) das Auto ueber die Schotterpiste mitnahmen. Den leeren Anhaenger liess ich in Gold River auf einem gesicherten Parkplatz der zur Slipanlage gehoert. Die Bootsfahrt durch die verzweigte Fjordwelt zwischen den Bergen war ein Genuss bei der Hitze. Es war auch kaum Wind so dass das Wasser wie ein Ententeich war. Das mussten wir heute Abend gleich noch fuer einen Abendangeltrip ausnutzen. Am Resort bezogen wir schnell unsere Unterkunft und regelten den Bootsstellplatz in der halbleeren Marina. Immer noch ohne internationale Gaeste ging das Geschaeft wohl nur schleppend. Dann duesten wir das erste Mal vor die Kueste. War auch so 45 Minuten bei schneller Fahrt. Spritsparen tut man nicht wenn man in Moutcha Bay sein Lager hat. Es ist das einzige landbasierte Resort oder Unterkunft im suedlichen Teil vom Nootka Sound. Alle anderen Resorts sind nur per Boot oder Wasserflugzeug zu erreichen – aber dafuer teilweise viel dichter an der Aussenkueste als Moutcha Bay, was ganz tief hinten im Fjord liegt. Vor dem Leuchtturm Friendly Cove angekommen, oeffnete sich uns der Blick auf den offenen Pazifik. Und die Bedingungen waren gut heute Abend; die See ruhiger als wir sie hier schon seit Jahren gesehen hatten. Na dann mal los.


    Die Jungs kannten mittlerweile jeden noetigen Handgriff um das Schleppgeschirr fertig zu machen und so waren 2 Ruten innerhalb von 5 Minuten im Wasser. Mehr als 2 Ruten wuerden wir normalerweise nicht fischen. Den 3. Downrigger hatte ich mehr als Ersatz am Boot oder fuer eine 3. Rute wenn das Meer ganz ruhig war und die Fische zickig. Wir hofften auf schnelle Action. Und es zuppelte auch bald los an beiden Ruten. Egal ob Blinker oder Squidimitat, kleine Chinooks waren hungrig unterwegs und hielten uns auf Trab. Wir versuchten bald im flacheren Wasser den Kleinlachsen zu entkommen; ohne Erfolg und dann hinter ein paar Felsbrocken im Tieferen. Hier zog ploetzlich die Blinkerrute ab und loeste auch gleich aus. Ricardo sprang schnell hin und schlug an. Die Rute zog sich krumm und ich hoerte die Rolle losrattern. Aha, ein richtiger Fisch! Ricardo hatte sichtlich Spass daran mal wieder einen ordentlichen Lachs zu drillen. Lang war’s her. Er hatte es aber nicht verlernt und nach 2 -3 Fluchten brachte er den Fisch dann langsam zum Boot.


    Wir wollten diesmal ordentlich Fisch mitnehmen, da die Fangbeschraenkungen im Sueden der Insel bisher dieses Jahr kaum Lachsentnahme erlaubten und es war ungewiss ob wir ueberhaupt diesen Sommer Lachse entnehmen duerfen im Sueden. Hier an der Westkueste waren die Entnahmebestimmungen noch grosszuegig. So war uns noch ein bisschen bange als Ricardo’s Lachs noch wild neben dem Boot herumtobte und partout unter das Boot und durch die Motoren wollte. Ricardo dirigierte den Fisch aber fein weg und ich drehte das Boot entsprechend so dass Alexander dann bald einen 12-13 Pfuender einsacken konnte. Feine Sache! Wir klatschten uns ab und freuten uns ueber den ersten guten Nootkafisch. Ich drehte eine weitere Schleife ueber die Fangstelle und diesmal kam Leben in die Squidrute. Jetzt sprang ich auf und hatte einen sportlichen Fisch am Band. Herrlich, dieses wilde Ziehen am anderen Ende. Wie ich das vermisst hatte. Der Lachs war aber nicht so sehr gross und bald hatte ich ihn am Boot und wieder liess sich Alexander nicht zweimal bitten und hievte den zweiten Chinook ins Boot. Der war nur so 8-9 Pfund aber ich war gluecklich mit dem Fang. So kann’s weitergehen und dann kommt auch irgendwann ein richtig Grosser!


    Es ging aber nicht so weiter. Die Bisse kamen jetzt nur noch hin und wieder von den kleinen Shakern. So schleppte ich uns weiter ins tiefere Wasser. Hier war eine Kante wo der Boden von 30 auf ueber 70 m abstuerzte. Hier konnte man immer einen Lachsschwarm erwarten. Ich fuhr uns parallel zur Kante in 30-40m Tiefe entlang. Den Squidkoeder zogen wir direkt am Boden entlang um vielleicht auch einen Butt abzufassen. Letztes Jahr hatten wir so 3 kleinere Heilbutte erwischt. Die Blinkerrute lief auf 20m im Mittelwasser und sollte Coho oder Chinook abfassen. Alexander bemerkte ploetzlich wie die Bodenrute komische Rucke anzeigte, die wohl nicht nur vom Bodenkontakt stammten. Er schlug an und loeste die Schnur zo aus dem Clip. Aber nichts. Er kurbelte schon ein um den Koeder zu kontrollieren und ploetzlich rief er “Fish on!”. Ha, da war was beim Herankurbeln eingestiegen. Und es musste etwas Grosses sein denn die Rute war maechtig krumm und Alex hatte Muehe ueberhaupt Schnur zu gewinnen. Aber Schnur nehmen wollte der Fisch auch nicht. Hm. Kein Chinook, soviel war uns klar. Vielleicht ein Butt der dem Koeder vom Boden gefolgt war und dann erst im Mittelwasser zugegriffen hatte? Wahrscheinlich.


    Aber als das Etwas die Wasseroberflaeche durchbrach, wurde uns klar was passiert war: ein guter Coho war eingestiegen, hatte den Haken aber nicht im Maul sondern im Nacken. So wurde der Drill zu einem Kraftakt fuer Alex. Ich war mir nicht ganz sicher ob man hier auch unmarkierte Cohos behalten darf. Als ich die Fettflosse sah, holte ich mir die Schnur und zog den Fisch zum Boot und hakte ihn einfach ab. War ein schoener vielleicht 6-7 Pfund Coho – gross fuer diese Jahreszeit – aber ich wollte erst noch im Resort nachfragen was es mit der Cohoentnahme auf sich hatte. Natuerlich stellte sich spaeter heraus, dass man einen unmarkierten pro Tag mitnehmen darf von maximal 2 Cohos total pro Tag. Naja, ein Opfer fuer die Lachsgoetter. Da kommen hoffentlich in den naechten Tagen noch mehr Cohos, dachten wir.


    Mehr konnten wir an diesem ersten Abend nicht fangen und bald machten wir uns in der Abendstimmung nach Hause. Die Fahrt brachte eine wohlige Kuehle inmitten dieses heissen Abends. In unserer Unterkunft stand die Luft und es war schwer bei der Hitze und der Vorfreude auf den morgigen Tag einzuschlafen!



    Ich weiss schon gar nicht mehr wann ich das letzte Mal Buttangeln war. Eine Schande, wirklich! Aber es kam aber auch immer was dazwischen; entweder Arbeit, bescheidene Gezeiten oder Wind an den Wochenenden, Hauspflichten und neuerdings Fussball…. Man hat’s schon nicht leicht als Buttangler!


    Somit will ich mal kurz die Theorie durchleuchten, besonders das Tiefwasserankern. Das ist nicht ganz ungefaehrlich wenn man es falsch macht, ist aber letztendlich ziemlich einfach wenn man ein paar Grundregeln beachtet und das richtige Geraet hat. Es war dazu hier letztlich ein Artikel in der hiesigen Angelzeitschrift. Ist in Englisch aber die meisten von Euch werden das wohl hinkriegen? Auch eine kurze Bio zum Pazifischen Heilbutt der im Prinzip der gleiche Fisch wie der Atlantische Heilbutt ist. Da kann man vielleicht noch ein oder zwei Dinge dazulernen. Viel Spass!


    Ich dachte ich berichte mal von einem kurzen Wildniscampingtrip mit meiner besseren Haelfte, auch wenn der Fokus sicherlich nicht auf dem Angel lag. Aber ein Wildnistrip ohne Angeln geht auch nicht; das weiss sogar meine nichtangelnde Frau. Ich schnallte mein Froschboot auf’s Autodach und eine kleine Allzweckangeltasche mit einer Fliegen- und einer Spinnrute. Damit war man fuer alle Faelle geruestet. Es ging die Insel hoch bis hinter Campbell River wo sich westlich vom Highway ein vielfaeltiges Seegebiet erstreckt. Darin liegt auch die bekannte Sayward-Kanuroute – eine mehrtaegige Paddelstrecke die mehrere miteinander verbundene Seen umfasst. Einer der darinliegenden Seen ist der Twin Lake, eigentlich 2 kleine Seen die mit einem flachen Sumpfgebiet verbunden sind. Der Twin Lake ist etwa 15 Minuten vom Highway auf einer befahrbaren Schotterpiste erreichbar. Weit genug um von allem Menschenlaerm weg zu sein aber nah genug um sich nicht mit stundenlangem Gepolter auf den Schotterpisten die Bandscheiben abzuarbeiten. Es gibt nur 5 Campingstellen an einer Seite des Twin Lakes aber um diese Jahreszeit und ohne nicht-Insel-Touristen war das kein Problem. Nur ein Rentnerpaerchen belegte schon einen Platz; ansonsten hatten wir den ganzen See fuer uns alleine. Himmlische Ruhe – nur die Loons und Froesche machten Geraeusche. Am ersten Abend kamen spaet noch ein paar Paddler an und verkrochen sich schnell unter ihre Planen.


    Leider war das Wetter sehr launisch so dass wir nicht zu allzugrossen Unternehmungen kamen. Wir fuhren mit dem Froschboot den See ab und durch die flache und verkrautete Verbindung in den zweiten See. Der hatte ueberhaupt keinen Uferzugang und so war man dort total alleine mit der Wildnis. Es liess sich herrlich schwimmen im See – das Wasser war klar und weil nicht zu tief auch schon etwas angewaermt. In einigen Regenpausen nahm ich auch mal die Angelruten mit auf’s Boot – hatte ich doch schon am ersten Abend eine Menge Ringe auf dem Wasser beobachtet. Fische musste es also geben. Und sie bissen auch gut auf Fliege; aber es waren leider nur kleinwuechsige Kehlschnittforellen. Herrlich gepunktet und farblich praechtig aber kaum mal eine bis 25 cm lang. Der auslaufende Bach sah auch nach Forellengewaesser aus, aber es war schwer an vernueftig zubeangelnde Stellen heranzukommen und so liess ich das sein. Der naechste See auf der Kanuroute musste das Boot tragend erreicht werden (ca. 1km durch den Wald am Bach entlang) und der war einiges groesser als der Twin Lake und roch nach groesseren Fischen. Ich fand aber keine Gelegenheit mal mein Boot dahinzubringen.


    So blieb mir zum Angeln auf der Rueckreise nur noch eine Gelegenheit: die letzte Nacht verbrachten wir in einem Bed & Breakfast in Port Alberni und etwa 15 Minuten davor befand sich der bekannte Loon Lake – so ziemlich auf dem Gipfel der Passstrasse. Auch ein kleiner See, aber tief und produktiv und auch besetzt mit Forellen da der See gut beangelt ist. Hier bekam ich ein 2-3 stuendiges Angelfenster und ich machte mich mit dem Froschboot auf die Jagd. Und hier rappelte es auch regelmaessig an allerlei Fliegen. Ich bekam nicht heraus was und ob die Forellen ein Lieblingsmuster hatten – ich bekam Bisse auf alles was ich versuchte. Kraeftige und sprunggewaltige Regenbogner! Die eine sprang zweimal hintereinander etwa 2 m aus dem Wasser. Das war eine klasse Angelei. Ich fing vielleicht 7 Forellen in den 2-3h und verlor bestimmt nochmal so viel. Alle waren um die knapp 40 cm lang. Als es schon zu dunkeln anfing, biss auch die Groesste an. Bei der merkte man gleich das extra Gewicht. Der Fisch blieb tief und wuppte die Fliegenrute hart. Nach ein paar langen Fluchten wusste ich, dass ich einen besonderen Fisch an der Angel hatte und ich liess mir Zeit ihn auszudrillen. Nach einigen Minuten hatte ich einen breiten Ruecken neben dem Boot und bekam den Brocken kaum in den Kescher. 49cm lang und kraeftig gebaut. 2kg werden wohl kaum gereicht haben fuer diesen Prachtfisch. Voll zufrieden packte ich danach ein. Ein schoener Trip auch trotz des maessigen Wetters.


    Hier mal eine Gelegenheit von meinen letzten Angelversuchen zu berichten. Waren keine ueberwaeltigenden Erlebnisse; nichtsdestotrotz ist es immer schoen mal an oder auf das Wasser zu kommen. Die Forellensaison ist im vollen Schwung und es rappelt an den lokalen Seen. Ich war paar Mal mit dem Belly Boot auf einem der Seen und habe mit der Fliegenrute auch ordentlich gefangen. In 2-3 Stunden sind jetzt immer 5-20 Forellen drin. Macht viel Spass an der Fliegenrute, besonders wenn man flach oder direkt an der Oberflaeche fischt. Einmal durchbrach eine stattliche Forelle vielleicht 20m hinter meinem Boot die Oberflaeche und schnellte sich bestimmt 1,5m aus dem Wasser. Wow, dachte ich und erst dann riss es ploetzlich an meiner Rute. Das war ja mein Fisch! Er machte eine lange Flucht und und ich fuehlte wildes Kopfschuetteln und dann war der Widerstand weg. Bruch des 2kg Vorfaches, leider. Das waere meine groesste Forelle dieses Jahr bisher geworden. Sonst fing ich alles nur so Portionsforellen zwischen 30 und 40 cm. The big one gets away – wie immer! Jetzt wo das Seewasser immer waermer wird, sind meine Jungs und deren Freunde auch oefter auf Schwarzbarsch unterwegs gewesen, auch mit gutem Erfolg wie ich hoere. Aber wohl noch keine richtigen Klopper von 4 Pfund und mehr. Kommt noch.


    Ich hatte es Anfang Maerz auch einmal auf Heilbutt vor Victoria probiert. Ein schoener ruhiger Fruehlingstag mit brauchbaren Gezeiten. Und ich war weiss Gott nicht der Einzige an dem Tag. Aber die Butte hatten wohl keine Lust. Nach 4 Stunden hatte ich nur einen Hering an eine Seekatze (Rat Fish) verfuettert. Die Seekatze hatte zwei Eierkapseln an einem durchsichtigen aber sehr dauerhaften Faden haengen. Das sah sehr komisch aber auch interessant aus. Haette ich ein Salzwasseraquarium zuhause gehabt, haette ich die beiden Eier gerne mitgenommen und mal versucht sie auszubrueten. Die Eier hielten an dem Faden richtig fest, sogar als ich den Fisch aus dem Wasser hob um den Haken zu entfernen, und als die Seekatze wieder wegschwamm, zog sie fein ihre Kinderstube hinter sich her. Was es alles gibt! Zurueck an der Marina erfuhr ich, dass an diesem Tag auf 20 Booten nur ein Butt gefangen worden war. Autsch!


    Letzten Samstag hatten beide meiner Jungs arbeits-und schulfrei und beiden hatten Lust auf Meeresangeln. Es wurde ein herrlicher Fruehsommertag in East Sooke auf der Juan de Fuca Strasse. Wir kamen nicht sehr frueh an der Cheanuh Marina an und der Morgelnebel wurde gerade von der Sonne verdraengt. Wir schleppten erst auf Lachs in der Rinne direkt vor der Marina wo wir im Winter schon mal gute Erfolge hatten. Wir hatten einige der Top Guides neben uns – nicht weil diese Rinne eine so heisse Angelstelle ist, sondern weil es im Moment hier in der Gegend die einzige Stelle ist, an der man einen gefangenen Chinook behalten kann. Ueberall sonst nur Catch & Release. Muss was damit zu tun haben, dass der lokale Indianerstamm die Cheanuh Marina fuehrt und ohne jegliche Lachsentnahme um den finanziellen Umsatz fuerchtet. Es ist schon traurig wie sehr die einst ganzjaehrige und fantastische Lachsangelei in BC mittlerweile eingeschraenkt ist. Teils wegen einbrechender Lachsbestaende aber auch wegen teuflischen politischen Spielchen. Wer weiss ob wir in einigen Jahren ueberhaupt noch Lachse beangeln koennen. Wer das nochmal erleben moechte, sollte nach Ablauf der Coronabeschraenkungen ganz schnell noch mal planen – ich kann da gerne helfen um sicherzustellen, dass man nicht in einer geschlossenen Zone/Zeit landet.


    Wir drehten ein paar Runden in dem kleinen Fanggebiet und Alex hatte tatsaechlich bald einen Biss und brachte einen kleinen aber Keeper Chinook ans Boot. Vielleicht 5 Pfund. Alex fand es waere eine Schande um diese Jahreszeit so einen kleinen Chinook zu behalten und liess ihn wieder frei. Na, ob das nicht vielleicht unsere einzige Chance heute war, einen Lachs mit nach Hause zu nehmen? Es tat sich danach nichts mehr an den Lachsruten. Ich sah auch keine Action auf den Guidebooten und so duesten wir nach einer Stunde weiter nach Westen zur Trap Shack Bucht. War natuerlich nur C&R Fischen hier aber wir wollten mal sehen, ob schon paar grosse Brocken da waren und wir vielleicht ein oder zwei aufregende Drills erleben konnten. Wir schleppten kreuz und quer umher und hatten auch ein paar ordentliche Bisse aber irgendwie blieb nie was haengen. Ich laesterte, dass die Jungs wohl gar kein Gespuer mehr fuer’s Angeln haetten! Sie fingen dann noch 2 kleine untermassige Lachse und jedes Mal wenn die Koeder in Bodennaehe kamen, eine der vielen Grundfischarten. Aber insgesamt war die Lachsangelei an diesem Tag muehsam und zaehe. Am 13:00 Uhr liess die harte Ebbstroemung nach und ich setzte das Boot vor ein paar Klippen und Untiefen damit die Jungs mal beim Pilken ihr Glueck versuchen konnten. Bald waren die Rute auch krumm. Alex fing einen gerade untermassigen Ling nach dem anderen als gaebe es nichts anderes da unten. Ricardo brachte auch mal Felsenbarsche, Schollen oder Seeskorpione hoch. Und dann ploetzlich war bei ihm die Rute richtig krumm. Eine Sekunde dachte er an einen Haenger aber dann wippte die Rute schwer und es nahm Schnur.


    Wir warteten gespannt was Ricardo da Zentimeter um Zentimeter hochbrachte. Zweimal zog der Fisch nochmal zum Grund und ich hoffte laut auf einen Heilbutt. Aber der Fang entpuppte sich als ein ordentlicher Ling, der nicht ganz sauber gehakt war und daher schwerer gewirkt hatte. Trotzdem ein feiner Fang! Um 14:00 Uhr machten wir Schluss, die Flutstroemung war nun schon so hart, dass man ueber die Untiefen nur so darueberhinweg flog und die Haengerquote sich drastisch erhoehte.


    War ein herrlicher Tag auf dem Wasser mit meinen Jungs. Wenn die Lachse kooperiert haetten, waere es perfekt gewesen. Aber wir hatten viel Spass miteinander gehabt und freuten uns schon auf diverse Angeltouren diesen Sommer; zu Kuestenabschnitten, die auch noch Lachsentnahme erlaubten. Noch.

    So, nach einigen Wochen Heilung und Schonung werde ich nun langsam wieder mobil. Darf noch nicht allzu grosse Spruenge machen aber die ersten vorsichtigen Wasserannaeherungen habe ich schon mal riskiert. An den lokalen Seen und Fluessen kann man auch hier und da vom Ufer aus angeln. Ausserdem hatte ich mich letztes Wochenende schon mal wieder in das Belly Boot gewagt waehrend meine beiden Jungs den See im Froschboot unsicher gemacht hatten. Die Forellen werden langsam munter und stopfen sich mit Chronomidenlarven voll. Gar nicht so einfach die neben so einem vollen Buffet zu einem Snack zu ueberreden. Ein paar konnten wir aber doch ueberlisten. Am Cowichan River war nicht viel los – der Fluss ist aber auch schwer vom Ufer aus zu befischen. Ricardo hatte trotzdem einen praechtige Regenbogenforelle am Streamer erwischt. War Spass mal wieder was an der Angel zappeln zu haben!

    Letztes Wochenende hatten wir die Qual der Wahl: wenig Wind, gute Lachsfangberichte im Meer, gute Heilbuttgezeiten und der Cowichan River hatte perfekten Wasserstand. Ich korrespondierte die Woche ueber mit Nelson, unserem gelegentlichen FLussguide auf dem Cowichan River. Ich fragte wie die Steelheadsaison ging. Er meinte schlecht; es wurden nur wenige gefangen, aber wenn dann grosse Brocken. Aber er haette sogar Schneidertage gehabt. Aber auf Forellen an den oberen Flusstrecken waere es gut. Hm, was sollte man da waehlen!? Ich fragte meine Jungs und Ricardo und sein Freund Alec waren eher zum Flussangeln geneigt. Sie wussten auch, dass das wohl bis zum Herbst die letzte Cowichanmoeglichkeit war mit mir, da ich mich demnaechst wieder unter’s Messer legen muss und danach einige Wochen ausser Gefecht sein werde und bis dahin der Flusspegel zu niedrig zum Driften sein wuerde. Lachs und Buttangeln koennen wir noch im Sommer. Also auf zum Fluss!


    Entgegen dem Wetterbericht wurde es ein herrlich sonniger Fruehlingstag. Wir waren halbwegs frueh unterwegs und daher um 9:00 Uhr auf dem Fluss. Ich legte mich in die Riemen und zog zur Flussmitte und ankerte gleich dort. Hier, ca, 1 km unterhalb des riessigen Cowichan Lakes, hielten sich normalerweise viele Forellen auf, die zeitweise vom See in den Fluss zogen. Wie zum Beispiel jetzt, kurz vor der Laichzeit. Wir sahen auch gleich Dutzende Forellen in Wurfweite um unser verankertes Boot. Das Wasser war sehr klar hier oben. Was wuerden die Forellen wohl fressen? Normalerweise liegt man mit Lachseiimitaten immer gut auch wenn es schon eine Weile keine natuerlichen Lachseier mehr gab im Fluss – die sind jetzt alle ausgeschluepft, als Lachslarven im Kies versteckt. Aber die Forellen erinnern sich noch gut an die Eiermast im Herbst und Winter. Aber auch grosse Insektenimitate wie Steinfliegenlarven koennen jetzt funktionieren.


    Wir fingen mit Eierfliegen an. Alec schlug auch bald zu und fing ein halbes Dutzend herrlich gezeichnete Regenbogner. Einige hatten schon ihr volles Laichkleid an. Ricardo und ich wechselten unsere Eier zu einer aehnlichen Farbe als Alec sie verwendete und danach hakten wir auch einige Forellen. Es waren einige richtige Brummer von 50-60 cm neben dem Boot im Wasser zu sehen aber irgendwie schnappte sich immer wieder eine kleinere den Koeder vor den Grossen. Die, die wir fingen waren alle so in der 30-40 cm Kategorie. Trotzdem ein toller Spass an den leichten Fliegenruten.


    Wir verbrachten vielleicht 1,5h auf dem ersten Flusskilometer, wo die Fischdichte am hoechsten war. Dann drifteten wir fast ohne Unterbrechung die restlichen 10km flussab. Nur hin und wieder hatte mal einer der Jungs dann noch einen Biss und ich glaube sie landeten auch nur noch eine Forelle. Ich war eh damit beschaeftigt das Boot durch die Stromschnellen und um die Hindernisse im Fluss zu manoevrieren. Ich machte nur noch ein paar Wuerfe wenn wir mal eine Pinkel- oder Essenpause einlegten. Aber trotz der nachlassenden Fischaktvitaet, genossen wir den wilden Fluss an diesem schoenen Fruehlingstag. In den unteren Flussabschnitten stiegen die Chance auf eine Steelheadforelle. Andere Angler wechselten nach der Fliegenstrecke auf Spinn- oder Posenmontage, um an die Steelheads besser heranzukommen. Wir hatten aber nur Fliegenzeug dabei. Ob das der Grund war, warum wir keine Steelheadbiss bekamen, bezweifelte ich, denn als wir einige andere Angelboote passierten, hoerten wir auch keine grossen Erfolgsnachrichten. Es waren einfach nur sehr wenig Steelheads unterwegs dieses Jahr. Schade. So einen fantastischen Fisch mal an die Fliegenrute zu bekommen, ist der Traum vieler Angler.


    Nun ja, wir hatten trotzdem Spass gehabt und waren zufrieden mit unserer Wahl. Ich werde jetzt das Flussboot soweit einmotten, es sei den man kann spaeter im Jahr wieder etwas herumreisen und wir entscheiden uns fuer einen Angeltrip an einen Fluss in den Rockies. Mal sehen wie sich die Situation so entwickelt.

    Gestern hatte ich mal wieder so eine Eingebung und ich bin froh, dass ich darauf gehoert habe. Ich war erst gar nicht so motiviert am Samstag Morgen das Boot und Geraet zu einer Winterlachstour fertig zu machen; die Coronamassnahmen, eine harte Arbeitswoche, gesundheitliche Problemchen und vielerlei haeusliche Verpflichtungen hatten mein Motivationsreservoir erschoepft. Aber es sollte der einzige windstille Wochenendtag werden, dazu noch sonnig und warm bevor die naechste Kaltfront hereinkam. Und mein Sohn Alexander hatte auch Lust und so liess ich mich ueberreden. Gott sei Dank!


    Da ich im Winter nicht so haeufig auf’s Meer rauskomme, sind einige Bootsteile und Angelgeraetschaften winterfest im Haus oder Schuppen verstaut. Und so dauerte es bis fast 11:00 Uhr bis wir das Boot im Schlepptau auf dem Highway nach Sooke unterwegs waren. Ich hatte mir East Sooke als Ziel herausgesucht – meiner Eingebung nach, dass vielleicht ein paar Lachsschulen direkt vor der Cheanuh Marina entlang zogen. Als wir das Boot wasserten, fragte ich noch den Hafenmeister nach den letzten Fangberichten und ob was direkt vor der Tuer ginge. Er hatte mehr Berichte von den weiteren Stellen wie Whirl Bay und Beechey Head gehoert. Ich wollte es dennoch erst direkt vor der Marina versuchen. Wenn da nichts ging, konnten wir immer noch weiter fahren. Es waren einige leere Bootsanhaenger auf dem Partkplatz; es mussten also mindestens ein Dutzend Boote auf dem Wasser sein. Bei dem Wetter verstaendlich. Bei strahlendem Sonnenschein und zweistelligen Temperaturen warfen wir nur kurz den grossen Motor an und waren in nichtmal 5 Minuten an der etwa 40m tiefen Rinne vor der Marina.


    Hier hatte ich schon in der Vergangenheit ein paar erfolgreiche Winterlachstouren gemacht – meist als Notloesung wenn er draussen auf der offenen JdF Strait zu windig war. Es musste sich also hier und dann einmal gutes Futter in dieser RInne sammeln um die Winterlachse anzuziehen. Komischerweise habe ich in all den Jahren noch kaum von Fangerfolgen im Sommer gehoert. Es versuchte aber auch kaum einer. Vielleicht war Futterfisch im Sommer hier in dieser Bucht, so dicht unter Land, noch seltener als im Winter. Aber komisch ist das schon.


    Als wir am Anfang der tiefen Rinne ankamen, waren da schon zwei Angelkayaks am Pilken. Bei den sommerlichen und windstillen Voraussetzungen heute kein Wunder. Wir schnappten uns zwei Flasher und zwei kleine, schlanke Blinker und liessen beide Koeder bis zum Grund. 7,5cm Blinker in Glow-Gruen Farben gehen immer im Winter. Beide Blinker ruckelten ueber Grund. Nach vielleicht 3 MInuten ruckte Alex’ Rute los. Das ging ja schnell! Als ich Alex beim Drill zusah, kam nun auch Leben in meine Rute. Rute raus, anrucken zum Ausloesen, straff kurbeln und nochmal anrucken zum Hakensetzen – auch bei mir blieb was haengen. Meiner war nur ein Shaker von vielleicht 40cm. Alex’ Fisch brauchte etwas laenger bis zum Boot. Ich dachte erst weil Alex eben viel schwaecher ist als ich aber es stellte sich heraus, dass sein Fisch eine Idee groesser war als meiner. Als er ihn neben dem Boot hatte, begutachteten wir ihn beide. Hm, der ist wohl ueber 50cm, mein selbstgesetztes Mindestmass. Ich dachte an eine volle Raeuchertonne und entschied schnell, dass der mitging. Damit war ein Anfang gemacht.


    WIr hatten unsere Ruten gerade wieder eingebracht und uns hingesetzt und angefangen die letzten Bundesligaergebnisse zu beurteilen, da ruckelte Alex’ Rute wieder los. Diesmal nur ein Kleiner. Das Echolot zeigte vielversprechende Futterwolken und auch Fischsicheln am Boden. Hier war heute Leben. Aber waren auch ein paar ordentliche Kaliber da? Es ging jetzt Biss auf Biss. Wir hatten auch einige Doppeldrills. Die meisten Lachse waren zwischen 30 und knapp 50 cm. Alex hakte dann einen der die Rute recht kraeftig krumm zog und tief blieb; haeufig ein Zeichen eines besseren Fisches. Leider vorlor er den Fisch. Wie auch einige kleinere danach. Tadelnd sprang ich zu meiner ruckenden Rute und zeigte ihm wie es geht. Der fuehlte sich ein bisschen besser an und tatsaechlich kam bald ein 56 cm Lachs an die Oberflaeche. Alex kescherte ihn expertenmaessig. Na also, geht doch! Der hatte schon knapp 5 Pfund. Am anderen Ende der Rinne lag eine Felsinsel und daneben fiel die Wassertiefe dann schnell auf 70-80m Tiefe zur offenen Becher Bay hin ab. Dort drehte ich eine weite 180 Grad Kurve um die Rinne wieder andersherum abzuschleppen. Auch hier verzeichneten wir wieder ein paar Bisse. Wir kamen gar nicht dazu unsere Mittagsbrote hinterzuschlingen da alle paar Minuten ein Biss kam.


    Wir waren auch ueberrascht wie kraeftig manchmal die Kleinen bissen; einige schafften es sogar die Schnur aus dem Clip zu zerren. Wir landeten wieder ein paar bis 50 cm und verloren ein paar. Aber klar war, unsere Taktik stimmte. Wir kamen hin und wieder dicht an den beiden Kayaks vorbei und tauschten Berichte aus. Sie hatten auch den einen oder anderen Biss oder Kleinlachs aber unsere Methode schien viel faengiger zu sein. Dann loeste meine Rute wieder direkt aus und die Rute begann wild zu wippen. Das muss doch groesser sein. Und tatsaechlich hatte ich 2 oder 3 Mal das Gefuehl, dass dieser Lachs hier Schnur nehmen wollte. Als der FIsch an die Oberflaeche kam, schlug er wild um sich und wir konnten erkennen, dass das wohl unserer bester Fisch bisher heute war. Ich zerrte ihn zum Boot und Alex hatte ihn beim 2. Kescherversuch im Netz. “Nicht schlecht, die Fische werden groesser!”, sagte ich. Der hatte 62 cm und hatte reichlich 5 Pfund. Damit hatten wir nur noch einen Platz auf unseren beiden Lizenzen. Der letzte sollte groesser sein – mindestens 7 Pfund, beschlossen wir. Wir fuhren die vielleicht 500m lange RInne noch einmal hoch und runter und fingen wieder bestimmte 5 oder 6 Lachse. Wir hatten beide noch den einen oder anderen schon ueber 50 cm aber eben noch nicht an der 7 Pfundmarke.


    Wir genossen diese action-reiche Fischerei auch wenn es nur Kleinlachse waren. Sie bissen teilweise hart wie ein Grosser und kaempften wild um ihre Freiheit. Wir hakten alle Lachse noch im Wasser mit der Zange ab um keinen Schaden bei den vielen Releasen zu machen. Alle saussten unbeschadet wieder in die Tiefe. Das Wasser war eiskalt und mit Sauerstoff gesaettigt. Wir warfen unsere Jacken in der Kajuete und liessen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Olympic Mountains auf der anderen Seite brachen auch gerade durch die Wolken und Nebel auf der US Seite der JdF Strait. Herrlich! . Am tiefen Ende der Rinne machte ich gerade wieder die Kehrwende als meine Rute losruckte. Ich war sofort da und ruckte dagegen. Wieder ein beherzter Widerstand. Da sah ich auch Alex’s Rute in Bewegung treten und rief Alex hinzu. Seine Rute war gut krumm aber er konnte nicht viel Gegenwehr verspueren und kurbelte langsam dagegen. Ich brachte nun einen weitere Chinook so um die 60cm zum Boot und dachte das wird nun doch unser Letzter und danach machen wir eben Schluss. Es schien ja kaum groessere Lachse zu geben, aber der hier macht die Raeuchertonne dann auch voll.


    Aber ich wartete noch bis Alex’s Fisch sich zeigte. Der kam naemlich gerade an die Oberflaeche. Bis jetzt hatte er der Fisch nur still dagegengehalten aber jetzt tobte er an der Oberflaeche. Ha, der koennte tatsaechlich groesser sein als meiner! Und so hielt ich meinen Lachs noch an der Leine im Wasser neben dem Boot bis wir Gewissheit hatten. Als Alex seinen Fisch endlich das erste Mal neben dem Boot hatte, schauten wir beide aufmerksam hin. Der war definitiv der Groesste heute und damit auch groesser as meiner am Blinker. So liess ich meinen wieder frei und im selben Moment sah ich , wie Alex seinen FIsch selber in den Kescher schaufelte. Er warf ihn vor unsere Fuesse und sagte: “Da hast Du Deinen 7 Pfuender!”. 66 cm und knapp 7 Pfund stellten sich nachher heraus. Na das war ja nochmal ein Glueck zu allerletzt. Da haette ich mich schon ein bisschen geaergert wenn ich meinen schon behalten haette und wir Alex’s Fisch wieder haetten schwimmen lassen muessen.


    Wir schleppten dann noch das kurze Stueck zurueck bis vor die Marina und hatten nochmal 2 Bisse, wovon ein Shaker noch bis an das Boot kam. Dann machten wir Schluss. Wir hatten in 2,5h vielleicht 20 Lachse gefangen und 4 zwischen 4 und 7 Pfund behalten. Fast einen Sonnenbrand riskiert, nichts verloren und viel Spass zu zweit gehabt. Und bis auf die 2 Kayaker hatten wir die Stelle fuer uns alleine gehabt. Ein toller Winter-Samstag.

    Ich musste mich bis zum 28.12. gedulden, bis ich mal wieder auf’s Wasser kam. Dabei hatte ich schon ein paar Tage vor Weihnachten frei gehabt und gehofft da ein paar Touren, egal ob Suess- oder Salzwasser, hinzukriegen. Aber erst kam eine Schippe Schnee vor Weihnachten und dann kam Wind und Regen. Am 28.12. war dann endlich wenig Wind und die Himmelsschleusen blieben zu.


    Mein Freund Dave hatte von seiner Mutter eine nagelneue Downriggerrute und eine schicke Islander Rolle zu Weihnachten bekommen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass Dave derartig brav gewesen war um das zu verdienen, aber manchmal muss man eben auch Schwein haben. Er war also total heiss das neue Geraet gleich mal auszuprobieren und hoffentlich auch gleich zu entschneidern.


    Ich holte ihn um 9:00 Uhr morgens ab und wir fuhren zur Cheanuh Marina in East Sooke. Wir hatten gute Berichte von der Whirl Bay gehoert – viele kleinere Winterlachse. Vielleicht fanden sich ja auch einige groessere. Wir staunten beide wie sich die kleine Indianersiedlung um die Marina seit dem Sommer entwickelt hatte. Etliche neue Haeuser waren wie Pilze aus dem Boden geschossen und leuchteten in vielen knalligen Farben an diesem grauen Tag. Erinnerte mich etwas an die farbigen Fischerhaeuser in Norwegen. Gefaellt mir gut!


    Es waren schon eine Vielzahl an leeren Anhaengern auf dem Parkplatz; schien was los zu sein heute. Wahrscheinlich waren ueber die Feiertage viele Angler wie ich rammdoesig geworden; viele Freizeitmoeglichkeiten hat man ja nicht unter den Coronabeschraenkungen. So wartete jeder ungeduldig auf eine Moeglichkeit die oede Hausroutine mit einem Bootstrip aufzulockern. Als wir nach 10 Minuten in der Whirl Bay ankamen, staunten wir nicht schlecht: statt der normalen 3-4 Boote waren dort schon locker 20 Boote unterwegs. Die meisten schleppten auf Lachs, aber wir sahen auch 2 oder 3 die auf Butt vor Anker lagen und mindestens ein Boot das zum Pilken dicht an den Klippen driftete. Ob wohl genug Fische fuer alle heute da waren?


    Wir setzten 2 Blinker in den Downriggern ein und liessen bis zum Grund ab. Ich versuchte es zunaechst an der 45m Kontour waehrend die meisten Bootee in klein wenig tiefer schleppten. Schon beim Ruten fertigmachen beobachteten wir 2 Boote mit krummen Ruten. Schienen aber klein zu sein. Ich hatte schon nach 30 Sekunden den ersten Biss und brachte einen kleinen Chinook von vielleicht 40 cm hoch. Schnell im Wasser abgehakt. Als ich meinen Blinker wieder am Grund hatte, ich fuehlte das Downriggerblei auf dem Boden aufschlagen, ruckelte meine Rute wieder los. Schon wieder? Rute raus, Anschlag, leichter Widerstand. Wieder so ein Bursche, vielleicht 5 cm laenger. Freigelassen. 45 cm ist zwar Mindestmass fuer Chinook aber mein persoenliches ist min. 50 cm. Nach weiteren 5 Minuten brachte ich den dritte Kleinlachs hoch und Dave hatte noch keinen Anfasser gehabt. Ich wusste was jetzt kommen wuerde. Dave schuettelte nur seinen Kopf, inspizierte mein Geraet kurz aber genau als ich wieder einliess und hatte paar Minuten spaeter eine exakte Kopie meines Geraetes an seiner Rute.


    Und jetzt ging’s abwechselnd an beiden Ruten im 10 Minutentakt. Wenn einmal eine Rute fuer laenger als 10 Minuten ruhig blieb, holten wir misstrauisch ein und fast jedes Mal hing tatsaechlich ein Mini-Ling oder ein Mini-Sablefish dran. Letztere faengt man eigentlich selten hier in der Juan de Fuca Strasse und wenn dann nur die Jungfische. Die grossen Exemplare ziehen normalerweise in 1000 m Tiefe weit draussen im Pazific und sind Ziel einer kommerziellen Fangflotte. Die ausgewachsenen Sablefish Exemplare werden so um die 1.5m gross. Die hier waren 30 cm und man merkte die Bisse nichtmal an den Ruten. Nach 2-3 Stunden waren wir erschoepft vom staendigen hoch und runter. Die Lachse waren alle zwischen 40 und reichlich 50 cm. Ueber Funk hoerten wir von einem 8 Pfuender den ein Angler gefunden hatte. Wir alle hofften, wenigstens einen oder zwei dieser Klasse zu finden. Aber wir verloren so langsam die Hoffnung und freundeten uns mit der Idee an paar der 50cm Klasse mitzunehmen. Dave hatte den ersten ueber 50 dran aber der schwamm in mein Downriggerkabel rein und schaffte es so den Haken noch vor dem Kescher loszuwerden.


    Dann hatte ich mal einen dran, der sich ein bisschen sportlicher benahm. Zum Schnur abziehen reichte es noch nicht aber immerhin zog er stur hin und her und schuettelte ordentlich seinen Kopf. Der Haken hing nahe am Auge – sowieso ein guter Kandidat zum Mitnehmen. Vielleicht 52 cm und reichlich 4 Pfund. Naja, heute muessen wir eben kleine Broetchen backen! Der ging mit.


    Dicht am Church Rock Riff brachte dann Dave einen um die 50 zu Tage. Ging auch mit. Dann schleppten wir am Church Rock vorbei zu den Bedford Islands. Vielleicht gab es hier zwar weniger aber dafuer groessere Lachse. Die Bissquote liess nun nach. Nach einer halben Stunde, schon hinter den Bedfords, hatte Dave dann einen Biss im Mittelwasser ueber 70m Wassertiefe. Der schien etwas mehr Rabbatz zu machen aber stieg unterwegs leider aus. Als ich mal wieder vorsichthalber meinen Koeder kontrollieren wollte, stieg bei mir ein Fisch beim Hochholen ein. Der war auch so um die 50 und ich packte ihn zu meinem anderen Lachs in der Kiste. Somit hatte ich eine schoene Rutsche fuer die Raeuchertonne zusammen. Wir schleppten nun den restlichen Weg nach Hause. Unterwegs fingen wir noch weitere Arten wie Mini Cohos, einen Greenling und Dave noch einen Felsenbarsch. Als er diesen an der Oberflaeche ans Boot zog, kam ein Adler von einer naheliegenden Klippe und stuerzte sich auf den Fisch. Nur mit wilden Gebruell und Gestik konnte Dave den Adler noch gerade rechtzeitig vor dem Zugreifen abhalten sonst haette er wie vor Jahren schon einmal einen Adler im Flug gedrillt.


    In der 40-45m tiefen Rinne direkt vor der Marina schleppten noch 2 weitere Boote und so liessen wir die Ruten wirklich bis fast for the Dock drin. Wir bekamen wieder eine Anzahl Bisse aber auch hier war die Durchschnittsgroesse der Winterlachse nicht groesser als zuvor. Die kleinen Kerle schienen ueberall zu sein. Moege das im Sommer mit den grossen Burschen auch so sein! Dave fand tatsaechlich in letzter Minute auch noch seinen zweiten Lachs von 50cm und so machten wir mit unserem Tageslimit von 4 Chinooks Schluss. Durch den hoeheren Fettgehalt des Lachsfleisches im Winter sind die Winterlachse eine besondere Delikatesse und wir freuten uns trotz der Kleine ueber etwas Ertrag.


    Es war fantastisch mal wieder draussen auf dem Meer gewesen zu sein. Hatte richtig Spass gemacht; wir hatten locker 20 Lachse gelandet und einige noch verloren. Und wegen mangelnder Artenvielfalt kann man auch nicht mecker – lass mal zaehlen: Chinook, Coho, Ling, Sablefish, Greenling, Felsenbarsch – 6 verschiedene Arten! Leider alles nur die Kinderstube. Aber das gibt Hoffnung fuer die Zukunft! Frohes und gesundes Neues, Euch allen!

    Ja, Schillerlocken sind Bauchlappen vom Dornhai. Die Briten nehmen teilweise Dornhai fuer Fish&Chips und in Europa ist der kommerzielle Dornhaifang ein eintraegliches Geschaeft. Hier im oestlichen Pazifik ist der Dornhai noch relativ unbelaestigt und mit steigenden Bestaenden. Wohl auch nur solange bis Asien richtig auf den Geschmack kommt und bereit ist Geld dafuer zu bezahlen. Hier in BC isst keiner Dornhai. Sowie auch keiner an Karpfen oder Aal rangehen wuerde. Ich hab's mal versucht und fand es nicht so schlecht; allerdings weit hinter Heilbutt, Ling oder Lachs. Auch ist der Dornhai besonders zu behandeln; sofort nach Fang zu filletieren da er beim Sterben durch Fleisch und Haut uriniert. Nur sofortiges Filetieren oder nachtraegliches aufwaendiges Einlegen in Milch oder Saeure macht das Fleisch geniessbar. Sonst weisses, graetenfreies aber recht weiches und oeliges Fleisch. Wenn ich nichts Anderes haette, bitte, sonst, nein danke.