Beiträge von cohosalmon

    28.7. 2022; Malcolm Island, Tag 2


    Der erste richtige Angeltag wurde mit Ungeduld erwartet. Man wird eben doch immer wieder zum Kind wenn es um’s Angeln geht. Wir rauschten 5:00 Uhr aus den Betten und fruehstueckten noch im Halbdunkeln. Sobald es sicher war loszufahren, legten wir vom Dock ab. Das Meer war spiegelglatt und kein Nebel behinderte die schnelle Fahrt. Nur auf riesige Teppiche von Treibgut mussten wir aufpassen – an den Gezeitenlinien wo sich die Stroemungen brachen, dort sammelte sich allerlei inklusive Baumstaemme und Holzstuecke die vor allem einem Glasfiberboot gefaehrlich werden konnten.


    Wir wollten zum sagenumwobenen Black Bluff, einer meiner Happy Places, wo wir schon Sternstunden erlebt hatten. Eine Bucht mit vorgelagertem Kelpguertel die oft gute Lachsrudel beherbergte. Und keine Falte auf dem Wasser. Auch kein anderes Boot in Sicht. Traumhaft. Wir bereiteten unsere Koederfischsystem vor und setzten sie auf unsere bevorzugten Tiefen ein und dann steuerte uns Dave das erste Mal dicht an der Krautkante vorbei. Nichts. Schade, das roch doch foermlich nach Fisch! Wir zogen noch ein paar Runden mal flacher und mal tiefer durch die Bucht. Bald experimentierte ich mit dem Koeder direkt auf dem Grund. Irgendwo mussten die Kerle doch stecken! Das Echolot zeigte uns hin und wieder mal verheissungsvolle Signale aber die wollten einfach nicht zupacken.


    Nachdem uns Dave einmal fast auf das Riff neben dem Krautguertel gefahren hatte, fuhren wir etwas weiter draussen bei 40m Wassertiefe entlang. Ich hatte meinen Koeder in 27m angeboten und ploetzlich ruckte es hart und loeste die Rute auch gleich aus. Wie von der Tarantel gestochen stuerzte ich zur Rute, riss sie aus dem Halter und ruckte an. Etwas Schweres war zu spueren. Aber noch passierte nichts. Ich hing mich rein und kurbelte den Gegner ein paar Meter heran. Dann musste der Fisch wohl aufgewacht sein denn ploetzlich zog sich die Rute lang und langsam zog es Schnur von der Rolle – immer schneller bis die Rolle nur so saussten. Na also, ein richtiger Fisch! Dave raeumte schnell das Deck und seine Rute weg. Nach der ersten Flucht bekam ich eine Menge Schnur zurueck aber wir bekamen den Fisch noch nicht zu sehen bevor er zum zweiten Mal ansetzte. Diese Flucht war aber schon etwas kuerzer und als er stehenblieb, konnte ich Druck machen und den Fisch drehen und Richtung Boot zerren. Dann sahen wir einen breiten Ruecken noch tief hinter dem Boot auftauchen – immer wieder einer meiner Lieblingsmomente beim Lachsangeln.


    Aber der Kampf war noch nicht vorbei! Ein paar Mal sausste der Fisch noch in die Tiefe und einmal musste ich die Schnur hinter und unter den Motoren durchfischen um dem Fisch auf die andere Bootsseite zu bringen. Dave stand ungeduldig mit dem Kescher bereit. Fast waere der Lachs beim ersten Kescherversuch nochmal aus dem Netz herausgekommen aber Dave fasste nach und hievte den Fisch endlich ins Boot. Klasse! Ein schoener Anfang. Der war bestimmt 20 Pfund schwer. Das Black Bluff hatte mal wieder zugeschlagen! Schnell wurde der Fisch versorgt und verpackt und bald schleppten wir weiter. Dave hatte nun natuerlich auch auf das Purple Haze Kombo gewechselt! Wir wunderten uns das hier am Black Bluff scheinbar keine der Pinks oder Cohos da waren. Hier konnte man heute morgen “unbelaestigt” auf grosse Chinooks angeln. Wir hatten das noch nicht fertig diskutiert da rappelte meine Rute wild los. Noch bevor ich die Rute richtig in der Hand hatte sprang ein mittlerer Lachs 30m hinter dem Boot.


    Ja, das war mein Fisch! Der wollte sich wohl seinen Widersacher erstmal genauer ansehen! Es war zwar kein langwieriger Drill wie mit einem grossen Chinook aber dieser Coho verkaufte sein Leben teuer. Er sprang paar Male und sausste im Affenzahn hin und her. Aber bald hatte ich ihn am Boot. Der hatte gut 6-7 Pfund. War aber ein Unmarkierter von welchen jeder von uns nur einen pro Tag und insgesamt 2 pro Trip mitnehmen durften. Der hier hatte den Drilling recht tief im Maul und so beschloss ich ihn mitzunehmen. Viel groessere Cohos erwarteten wir Ende Juli nicht zu fangen.


    Zehn Minuten spaeter das gleiche Spiel nochmal – wieder an meiner Rute. Und der Coho war sogar schon knapp 8 Pfund und ging auch mit – diesmal auf Daves Lizenz denn er schien ja heute keine Fische fangen zu koennen; so zog ich ihn halt auf. Der Trost wenigstens einen Fisch fuer sich in der Box zu haben schien etwas zu wirken aber er war schon etwas angefressen, dass er noch keinen Biss gehabt hatte waehrend ich die Fischkiste fuellte. Er fischte jetzt exakt meine Tiefe waehrend er ueber der Fangstelle kreiste.


    Um nicht 2 Ruten auf der gleichen Tiefe zu fischen, ging ich weiter runter bis auf 35m – kurz ueber Grund. Ich goennte mir erstmal ein Brot und kaute gerade gemuetlich und genoss die Gegend als ich ein bekanntes Geraeusch hoerte – meine Rollenknarre! Ein Blick zurueck zur Rute und die war horizontal zurueckgerissen und gab schwer Schnur frei. “Mein Gott, man kann ja nichtmal Luftholen!”, meinte ich lachend in Richtung des deprimierten Daves. Diesmal war wieder was Groesseres dran und der Fisch zog ordentlich ab. Dann wurde die Schnur flacher und der Fisch sprang – er sprang tatsaechlich trotz Flasher 3 oder 4 Mal komplett und mindestens einen Meter aus dem Wasser heraus so dass es da draussen auf dem stillen Wasser nur so toste. Das war kein typisches Chinookverhalten und ich johlte vor Freude dazu. Das hat mal wirklich selten, dass so ein groesserer Chinook akrobatisch wird. Nach einigem beherzten Hin und Her brachte ich den Brocken zum Boot und Dave sackte ihn ein. Der hatte vielleicht 15-16 Pfund auf den Rippen. Auch nicht schlecht!


    Dave schuettelte nur den Kopf und machte still und besiegt sein Geraet wieder fertig. Ich erinnerte ihn, dass das oft so war auf unseren Trips, dass einer an einem Tag heiss lief und dann am naechsten Tag der Andere. Mit 2 Chinook und 2 Cohos waren wir beide ausgereizt mit diesen beiden Arten. Ich hatte mein und Daves Limit alleine gefangen! Das Black Bluff war wiedermal gut zu mir gewesen! Aber jetzt blieben die Bisse aus obwohl wir es noch ca. 2h versuchten. Dann packten wir ein und fuhren zum Lizard Point und der Slide Stelle. Wir schleppten da eine Weile weiter umgeben von einer Menge anderer Boote. Waehrend Dave nun den einen oder anderen Pink und Coho hakte, versuchte ich es direkt auf dem Grund auf Heilbutt. Aber auch da fanden die Pinks und Coho noch meinen Koederfisch. Hier auf dieser Inselseite standen diese Schwarmlachse dick und dicht. Dave nahm noch 2 oder 3 fette Pinks mit. Da in einem geraden Jahr kein Buckellachsaufstieg im grossen Fraser River stattfand, mussten diese Pinks ins Knight Inlet ziehen. Das musste ein sehr gutes Pinkjahr fuer dieses Inlet sein und die Pinks waren dick und fett und zeugten von guten Aufwuchsbedingungen. Spaeter erzaehlte mir Frank, dass die Anti-Fischfarmaktivisten schon jubelten und behaupteten, dass der letztjaehrige Bann von Netzgehegen-Lachsfarmen in dieser Gegend der Grund des fantastischen Pinkaufkommens waere. Waehrend ich persoenlich den Fischfarmbann auch begruesse, kann ich mir aber kaum vorstellen, dass diese letztjaehrige Massnahme schon so schnell so gravierenden Erfolg gehabt haben soll. Aber wer weiss – ich freue mich jedenfalls ueber jeden gute Nachricht dieser Tage!


    Um etwa 15:00 Uhr packten wir ein – ich hochzufrieden, Dave etwas nachdenklich ob seiner suboptimalen Vorstellung.


    27.7. 2022; Malcolm Island, Tag 1


    Die 3. Angeltour dieses Jahr stand letzte Woche an – unser jaehrlicher Trip nach Malcolm Island, ca. 6h noerdlich von Victoria, an der nordoestlichen Seite von Vancouver Island gelegen. Seit vielen Jahren machen Dave und ich diesen Trip und normalerweise haben wir einen meiner Jungs dabei. Dieses Jahr war ein bisschen anders da beide meiner Soehne so langsam ihrer eigenen Wege gehen und zufaelligerweise beide diesen Sommer in Deutschland verweilten. So war es nur Dave und ich – wie ein altes Angelehepaar. Wir hatten noch ueberlegt einen anderen Angelfreund dazu einzuladen aber hatten davon letztendlich abgesehen. Malcolm Island ist schon etwas Besonderes und nichts fuer jedermann. Diese Insel wurde vor ueber hundert Jahren von einer finnischen Siedergruppe besiedelt, die die einheimischen Indianer verdraengt hatten. Wahrscheinlich eine der vielen seltsamen religoesen Sekten die ihre Eigenheiten und Kulte fuer sich und weg von jeglicher institutionellen Bevormundung ausleben wollten. Jahrzehntelang blieben diese Siedler fuer sich abgeschieden und lebten von Fischfang, Bootsbau und Forstwirtschaft. Bis heute wollen die Malcolmer nicht wirklich viel mit der Aussenwelt zu tun haben; es gibt kaum touristische Infrastructur; kein Hotel oder Motel, nur einen kleineren Wildnis-Campingplatz. Kein Restaurant oder Pub und die einzige Marina in Sointula (800 Pop.) bietet Fremden nicht so ohne Weiteres Liegeplaetze an. Es gibt keine grossen Stores oder Shoppingplaetze und keinerlei Touristenattraktionen. Die Leute sind sehr alternativ-hippy-maessig angehaucht. Wirklich ein seltsamer Platz!


    Aber die Natur ringsherum ist ueberwaeltigend schoen! Das 360 Grad Bergpanorama; auf der oestlichen Seite zum gewaltigen Kuestengebirge auf dem Festland hin und nach Westen das alpine Gebiet auf Vancouver Island. Dann umgeben von der Queen Charlotte Strait – wohl eines der produktivsten Binnenmeere an der Pazifikkueste. Es liegt geschuetzt hinter Vancouver Island und somit ohne Duenung, aber durch die Meeresengen trotzdem dicht verbunden mit dem offenen Pazifik, so dass die volle Artenfuelle des Pazifiks hier hereinkommt. Die wilden Gezeitenstroemungen durch die angrenzenden Meeresengen verlangsamen sich in dem grossen Becken der Queen Charlotte Strait und dadurch sammelt und setzt sich da allerlei Futter ab in diesem riesigen Sammelbecken. Schaltet man den Bootsmotor aus, vergeht keine Minute in der man nicht in irgendeiner, und oft aus mehreren Richtungen, das Schnaufen und Prusten von einer Vielfalt an Meeressaeugern hoert. Wenn das Meer ruhig ist, sieht man ueberall Walfontaenen aufsteigen und frueher oder spaeter kommt man an Orcas, Buckelwalen, Definen, Seelowen, Robben und Seeottern vorbei – ohne wirklich danach zu suchen.


    Und natuerlich lieben auch die Fische diese angeschwemmte Futtervielfalt! Alle 5 pazifischen Lachsarten schwimmen durch die Strait an beiden Seiten von Malcolm Island vorbei, auf dem Weg zu ihren Heimatfluessen nah und fern im Sueden. Heilbutte sind zahlreich vorhanden und an den Felsriffen allerlei Lingcods und Felsenbarscharten. Hier hat man die volle Palette des offenen Pazifik ohne die rauen Offshore-Bedingungen. Viele Paddler, Segler und Booter kosten das aus. Angler zieht es auch hierher aber die ungastlichen Bedingungen auf Malcolm Island halten die Zahl der Angler um Malcolm Island begrenzt. Einige kommen von Port McNeill oder Telegraph Cove von Vancouver Island aber bis zur noerdlichen Seite von Malcolm ist das schon eine gute Stunde Fahrt und bei heutigen Spritpreisen fuer viele Abschrenkung genug. Dave und ich sind darueber nicht boese denn der begrenzte Anglerverkehr ist sicherlich schoen fuer die paar die die Moeglichkeit haben auf Malcolm Island zu gastieren. Daves Frau wuchs auf Malcolm Island auf und dadurch hatte Dave Beziehungen zur lokalen Szene. Wir wohnten wie schon seit Jahren in einer kleinen Suite bei einem aelteren Paar – Frank und Donna – die diese Suite ein paar Mal im Jahr vermieteten. Am liebsten nur an Leute die sie kennen. Die beiden kuemmerten sich wie immer ruehrend um uns. Frank hatte fuer Angler wie uns eine funktionale Schlachtbank in seinem Garten gebaut. Ausserdem hatten sie grosse Gefrierkapazitaeten und Vaccumverpackgeraete. Fuer einen Liegeplatz an der Government Wharf sorgte Frank auch – die 6 oder 7 vorhandenen Kleinbootsliegeplaetze waren restlos mit einheimischen Booten belegt – das ganze Jahr. Fremde haben hier keine Chance in Mitchell Bay ueber Nacht am Dock zu bleiben. Aber Frank zieht jedes Mal wenn wir kommen sein Boot heraus oder vertaeut es an seinem Nachbars Boot und macht so fuer unser Boot Platz. Nur mit dieser Art Arrangements mit Einheimischen kann man hier auf Malcolm Island Urlaub machen. Eine einzige Ausnahme gibt es fuer Angler – Malcolm Island hat eine Fishing Lodge – die fruehere Sunds Lodge – jetzt Sointula Lodge genannt. Ueber diese bin ich ueberhaupt erst vor 12 Jahren das erste Mal hierhergekommen. Ein feines Konzept mit vollem Verwoehnprogramm hatte die alte Sunds Lodge mir damals geboten. Ich weiss nicht genau ob das neue Management unter neuem Namen etwas gross veraendert hat, aber wer das Geld fuer so einen Trip hatte, bekam viel Fisch und Komfort fuer sein Geld geboten und eine fast schon einmalige Gelegenheit diese Gegend hier zu befischen.


    Unser erster Tag war praktisch nur die Anreise. Wir liessen das Boot in Alder Bay auf Vancouver Island ins Meer und waehrend Dave mit dem Truck auf die Faehre ging, schipperte ich das Boot nach Mitchell Bay. Das Wasser war spiegelglatt und da Dave etwa 2h bis zur Unterkunft brauchen wuerde, konnte ich mir mit der Ueberfahrt Zeit lassen. Am besten geht das mit Ruten im Wasser. Als ich die Haelfte der Strecke hinter mir hatte, setzte ich eine Blinker und eine Shrimprute an den beiden Downriggern ein und schleppte praktisch bis vor den Dock in Mitchell Bay. Es dauerte nicht lange und die erste Rute wippte wild los! Klasse! Ein feister unmarkierter Coho kam ans Boot. Hier durfte man 1 unmarkierten und 1 markierten Coho pro Tag behalten. Aber ich beschloss heute noch kein Schlachtfest anzufangen. Und als ob die Fische das gehoert haetten, stuerzten sie sich nun regelmaessig auf die Koeder. Ich fing noch einen Coho und einen Pink und verlor noch ein paar in den Drills. Was fuer ein Spass. Die Bisse kamen noch haeufiger je dichter ich zum Dock in Mitchell Bay kam. Es sprangen auch etliche Lachse voll aus dem Wasser in der Bucht. Hier musste ja was los sein im Wasser – die Bucht wimmelte nur so von Pinks (Buckellachsen) und Cohos.


    Dave erwartete mich schon und dann bezogen wir erstmal unser Quartier. Bis wir uns eingerichtet hatten und mit unseren Vermietern noch ausfuerhrlich gequatscht hatten, war es schon zu dunkel geworden fuer eine Nachtausfahrt. Dafuer wuchs die Vorfreude auf morgen! Es sollte windstill werden und Frank erzaehlte von grossen Mengen an Pinks und Cohos. Wir hofften aber auch auf ein paar grosse Chinooks!


    1.7. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 5


    Happy Canada Day! Unser letzter Morgen am kanadischen Nationalfeiertag. Und der Wind sollte morgens noch mitspielen – der aufkommende Wind am Nachmittag konnte uns schon egal sein. So gegen 13:00 Uhr wollten wir wieder bei der Huette sein um zu packen.


    Paul fuhr uns ein letztes Mal zur gegenueberliegenden Seeseite und wollte noch ein paar jungfraeuliche Stellen abtasten – irgendwo musste doch noch ein grosses Krokodil auf Lauer liegen! Die ersten zwei Stellen schleppten wir wieder unsere Koeder an einer Kante mit Kraut entlang. Und wie immer stiegen auch bald die ersten mittleren und kleinen Hechte ein. Ein oder zwei Zander waren auch wieder dabei. Paul trug uns auf noch vielleicht 2 Hechte mitzunehmen – falls sich welche dafuer eignen sollten – er wollte sie nicht zu gross und nicht zu klein und normalerweise nahmen wir nur Tiefschlucker mit. Dann draengelten wir Paul uns noch zu einer guten Spinnangelstelle zu fahren. Die Schlepperei war Pauls Lieblingsmethode aber auf unserem Trip hatten die groesseren Fische meist beim Werfen ins Kraut gebissen. Schliesslich fand uns Paul eine tolle total windstille Bucht hinter einer Insel – malerisch. Das Wasser war hier in Wurfdistanz zum Ufer 3-4 m tief und es war sehr klar, im Gegensatz zu anderen Stellen im See die wir beangelt hatten.


    Und hier ging es ploetzlich nochmal richtig rund. Ricardo hatte seinen zerfledderten Lieblingswobbler austauschen muessen da nun sogar die Tauchschaufel abgefallen war. Der hatte bestimmt 50-60 Fische alleine gefangen und hatte seine Rente verdient. Er benutzte dafuer jetzt einen grossen silber-chromigen Einteiler – den ich schon ueber die Tage paar Mal ohne Erfolg versucht hatte. Aber nun schienen die Hechte ihn zu moegen oder Ricardo wusste ihn besser zu fuehren. Ricardo hatte nun fast auf jeden Wurf entweder einen Nachlaeufer oder einen Biss. In dem klaren Wasser konnte man die Hechte schoen anrauschen sehen und sogar einige Bisse verfolgen. Super Spass! Ian wurde auch mutig und haengte mal den weissen Gummifisch, den uns ein anderer Angler vor Tagen geschenkt hatte, dran. Und ploetzlich war auch er am Fisch! Heute hatten die Hechte wohl ihre Launen abgelegt und waren auf alles hungrig! Ich versuchte einen deutschen Gummifisch XXL – entweder einen Riesen oder gar nichts. Doch das war wohl dann doch des Exotischem zuviel. Alec versuchte mal einen grossen Spinner und schau mal einer an, auch er fing ein paar Hechte und sogar noch einen fetten Zander. Hier in der Bucht mussten die Raubfische ja wieder gestapelt stehen denn wir hatten Null Drift und fingen 360 Grad um das Boot herum Fisch auf Fisch.


    Ian brachte nun schon seinen zweiten Hecht am weissen Gummi zum Boot. Als ich den Hecht fuer ihn abgehakte hatte und er seinen Gummifisch nur dicht am Boot im Wasser spielen liess, sah man warum der faengig war – ein sehr verfuehrerisches Spiel. Da kam ploetzlich aus der dunklen Tiefe ein grosser Schatten auf den Koeder zugeschossen und attackierte ihn! Mann, das war ein U-Boot! Wir waren richtig erschrocken und Ian bekam einen moerderischen Ruck in der Rute und er hielt einfach nur dagegen. Leider dauerte dieses Spektakel nur ein paar Sekunden denn dann hatte der Hecht den Koeder irgendwie schon wieder abgeschuettelt. Schade, schade… das waere nochmal ein Konkurrent fuer den ersten Preis gewesen.


    Ich montierte an meiner Rute einen 30cm langen schwarz-silbernen Megawobbler. Dessen Tauchschaufel konnte man auf 3 Positionen verstellen. Cooles Ding. Aber schwer zu werfen – dafuer braeuchte man einen richtig steifen Knueppel. Waehrend um mich herum immer wieder mal was gefangen wurde, konzentrierte ich mich auf meine Wuerfe und die Koederfuehrung. Ich sah in Ufernaehe einen grossen Felsbrocken unterwasser liegen. Ich schmiss meinen Wobbler bis knapp dahinter und zog schnell an um ihn beim Stein schon auf Tiefe zu haben. Da gab es einen heftigen Ruck und gleich weitere Rucke – aha Biss! Ich riss dagegen was das Zeug hergab um einen der drei grossen Drillinge einzutreiben. Der hing! Eine kurze heftige Flucht aber dann konnte ich schon Druck machen. Hechte sind keine ausdauernden Kaempfer wir Lachse aber sie haben ein paar kurze Sprints in sich und dann am Boot allerlei Tricks um die Haken doch noch abzuschuetteln. Ich konnte den Hecht bald schoen im klaren Wasser tief unter dem Boot sehen. Ein langer Kerl. Es koennte noch mal knapp werden – fuer meine eigene Fuehrung – der koennte einen Meter haben. Bald hatte ich ihn gebaendigt und neben dem Boot – ein beherzter Griff an den Nacken und ich konnte ihn aufs Casting Deck legen. Klasse Fisch. Aber er hatte den Wobbler voll inhaliert – Zwei der Drillinge sassen tief im Schlund und in oder nahe der Kiemen. Der wurde wohl Paulfutter! Wir vermassen ihn und kamen auf 94cm. Knapp zu kurz. Es sollte eben nicht mehr werden mit dem Dore Lake Meterhecht. Oder doch?


    Die Jungs waren nochmal ermutigt durch meinen Fang – vielleicht war ja noch sein groesserer Kumpel in der Bucht. Es kamen noch ein paar Fische zum Boot aber keiner kam mehr an mein Fuehrungshecht von vor paar Tagen heran. Aber es war noch mal ein toller Abschluss eines fantastischen Angeltrips. Der Dore Lake hatte geliefert, und wie. Aber hatte auch nicht alles hergegeben; die Meterhechte waren uns verwehrt geblieben – einer nur wegen unserer eigene Schusslichkeit. So hatten wir noch einen Grund um von einer Wiederkehr zu traeumen. Auch der kleine Shirley Lake hatte begeistert. Manchmal muss man eben eine lange Anfahrt in Kauf nehmen und ein bisschen verrueckt sein um was Tolles zu erleben. Wir bedankten uns herzlich bei Paul und Laura, dass sie ihr kleines Paradies so freigiebig mit uns geteilt hatten. Dafuer brachten wir ihnen eine grosse Rutsche Fischfilets zurueck zu ihrem Haus in Alberta.


    Auf dem langen Heimweg liessen wir viele der Erlebnisse nochmal vor uns ablaufen. Wir teilten schon die ersten Fotokollagen. In Alberta hielten wir mal zu Beinevertreten und Pinkeln an einem herrlichen Wiesenbach an. Natuerlich kramten wir nochmal zwei Spinnruten heraus. Und tatsaechlich fing Ricardo einige kleinere Forellen und zwei kleine Saiblinge (Bull Trout). Da er leider in allen bisherigen 3 Fischkategorien fuer den Mones Cup leer ausgegangen war; bei den Forellen nur wegen einer Formalitaet – er hatte die Schwerste gefangen aber Alec die Laengste und ich als Schiri hatte vorher Laenge als Mass festgelegt – fuehrte ich kurzentschlossen noch eine Saiblingskategorie ein und die gewann er konkurrenzlos mit satten 20 cm!


    30.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 4


    Der vierte Tag war leider sehr windig – zumindest vor unserer Huette am Strand. Und zu windig um wieder auf die andere Seeseite zu duesen. Aber Paul hatte einen Ausweichplan. Es gab in einer der oestlichen Buchten noch eine Bootsrampe die zu windgeschuetzten Seeteilen fuehren sollte. Nur viel Erfahrung hatte Paul nicht mit dieser Seeseite. Nach unserem kleinen Propellermissgeschick am ersten Tag wollten wir an neuen Stellen sehr vorsichtig sein. Ausser dem Wind war es ein herrlich sonniger und warmer Tag.


    Schnell waren wir nach dem Fruehstueck auf dem Wasser und die Uferseite der Bucht wo die Bootsrampe war, war auch gut windgeschuetzt. Je weiter man vom Ufer weg kam desto hoeher bauten sich die Wellen jedoch auf. Selbst diese Bucht hier war mehrere Kilometer breit. Paul suchte sich eine Strecke parallel zum Ufer wo es in etwa 3-4 m tief war, und dort schleppten wir entlang. Alec und Ian setzten wie immer auf die altbewaehrten blau-chromigen Crankbaits, Ricardo auf seinen zerschredderten aber immer noch faengigen gold-chrom Zweiteiler und ich probierte wiedermal alles in der Koederbox – nur zum Spass und zum Probieren.


    Es war zwar nicht die verrueckte Beiserei wie in der kleinen Altarmbucht, aber es war stetige Action. Alle 10 – 15 Minuten hatte jemand einen Biss und brachte entweder einen schoenen, mittleren Hecht oder einen sehr ordentlichen Zander ans Boot. Immer wenn wir ein Krautfeld ueberquerten bekamen wir entweder eine Krautfahne an die Haken oder einen Biss. Die Fische standen hier im Kraut. Ich hatte am wenigsten Action – weil ich mich eben nicht mit dem Einheitskoeder abfinden wollte. Ich musste ja auch nichts mehr beweisen – ich lag ja in Fuehrung in der Hechtkategorie!


    Wieder kamen wir an einer grossen Pelikankolonie vorbei. Die waren fleissig auf einer Untiefe im flachen Wasser auf Nahrungssuche. Paul hielt zu diesen Untiefen gehoerig Distanz. Nach 3h Schlepperei wollten wir noch etwas werfen. Paul liess das Boot dazu am Krautrand driften und wir feuerten unsere Koeder Richtung Ufer und Krautguertel. Aber wir fingen nur noch ein oder zwei kleinere Hechte auf diese Weise. Also ueberall standen die Hechte auch nicht gestapelt. So machten wir heute etwas frueher Schluss; wir wollten heute Abend nochmal einen Ausflug zum kleinen Shirley Lake machen. Auch Paul und Ian wollten diesmal das Forellenspektakel erleben.


    Wir nahmen diesmal unser Abendbrot etwas frueher zu uns und packten das Faltboot auf’s Dach und haengten Paul kleines Aluboot am Haenger hinten an mein Auto. Gegen 18:00 Uhr machten wir uns auf den Weg. Damit waren wir eine Stunde frueher als gestern am See. Wir schoben zuerst das Aluboot ins Wasser und Paul, Ian und Alec fuhren los. Ricardo und ich bauten noch 10 Minuten das Faltboot zusammen und folgten dann den Anderen. Ich hatte vorher noch alle Angelkisten von Paul in der Huette durchgekramt und ein paar brauchbare Wobbler gefunden. Ich hatte sogar den exakt gleichen Wobbler, den Alec gestern so erfolgreich eingesetzt hatte, gefunden. Alec hatte naemlich keine Anstalten gemacht, ihn mir wiederzugeben. Er benutzte alle Tricks um seine Fuehrung in der Forellenkategorie zu behalten!


    Es war heute Abend noch total windstill geworden. Ich versuchte mit dem Echolot den Futterschwarm wiederzufinden aber dieses Band in 4-5m Tiefe war heute nur noch andeutungsweise hier und da vorhanden. So schleppten wir unsere Wobbler erstmal kreuz und quer ueber den See. Nach einer Stunde hatte ich den ersten Biss – bis ich die Rute aus dem Halter gefummelt hatte war der Fisch schon weg. Mist. Ich machte eine Schleife und paar Minuten spaeter riss es wieder an meiner Rute und diesmal blieb was haengen. Nach ein paar Kopfstoessen kam der Fisch auf einmal auf’s Boot zugeschossen und ich dachte erst er waere weg. Aber dann bekam ich wieder Kontakt und jetzt spielte der Fisch neben und unter dem Boot verrueckt. Nicht ungefaehrlich aber irgendwann hatte ich ihn dann an der Oberflaeche neben dem Boot und Ricardo sackte ihn ein. Feine Sache! Der Fisch war nicht ganz so gross wie die Klopper gestern aber mit knapp 50cm und einem proppen Umfang war er bestimmt immer noch 5 Pfund. Die Anderen im Aluboot kamen vorbei und beglueckwuenschten uns und hofften ihrerseits auf weiteren Erfolg. Aber beide Boot konnten in der naechsten Stunde keinen weiteren Fisch verbuchen. Ricardo experimentierte mit einem vorgeschalteten Blei um groessere Tiefen zu erreichen. Das war aber auch nicht der Trick.


    Es musste erst die magische Daemmerstunde kommen. Die Sonne verschwand hinter den Baumwipfeln, der See war glatt wie ein Spiegel und nun wurden wohl die Monster wach. Ricardo zeigte auf Alec der ploetzlich im Aluboot mit einer krummen Rute stand. Man konnte seine Aufregung und Begeisterung halb ueber den See hoeren. Wir sahen ein paar grosse Platsche auf dem Wasser – der Fisch musste kraeftig springen. Dann hoerten wir den Siegerjubel. Und so ging es die naechste Stunde weiter. Ricardo und ich verbuchten 3 oder 4 kurze Bisse und Rucke an unseren Ruten aber nichts blieb mehr haengen fuer uns. Dafuer legte sich das Aluboot maechtig ins Zeug. Alec fing noch einen riesigen Brocken – wir beobachteten aus sicherer Entfernung 4 oder 5 Meterspruenge aus dem Wasser – jeder wurde von Alec mit einem lauten Ausruf bezeugt - und dann ein wildes Spiel um und unter dem Boot bis Ian endlich den Fisch keschern konnte. Alec hob den Fisch fuer ein Foto hoch – wieder eine lachsaehnliche Forelle! Und sie verbuchten weiterhin Bisse. Paul hatte erst eine dran aber verlor sie in einem Sprung weil er sich mit seiner gerade operierten Huefte nicht umdrehen konnte. Beim naechsten Biss schlug er nur an und uebergab dann die Rute an Alec der so die naechste Steroidforelle ins Boot brachte.


    Und schliesslich machte Alec seinen Hattrick komplett und packte noch eine dazu. Ian war leider leer ausgegangen, war aber Zeuge dieses Spektakels geworden. Ricardo und ich machten zuerst Schluss um das Faltboot nicht wieder zur schlimmsten Mueckenzeit zusammenpacken zu muessen. Es war schon schlimm genug! Und dann kamen die anderen 3. Was fuer eine Rutsche an Prachtforellen! Eine verrueckte Fischerei! Zurueck an der Huette schnitt ich noch von allen Forellen die Filets ab und Nach dem Vakuumverpacken sah der Gefrierschrank gut gefuellt mit lachsroten Fischfilets aus. Wir wollten die auf dem Rueckweg fuer Paul und Laura mit zu deren Haus nehmen. Da brauchte Paul gar nicht mehr zum Lachsangeln zur Westkueste kommen.


    Wieder hatten 2 der Forellen so knapp 60 cm und 7,5 Pfund auf den Rippen. Alec war eindeutig der King der Forellen – mit meinem Koeder, den er nur sehr ungern wieder abgab! Paul aber war fasziniert von einer neuendeckten Fischerei so dicht an seinem Sommersitz. Wenn sein Sohn kommt, wuerden sie es wieder versuchen! Wir haetten auch gerne noch mehr Moeglichkeiten am Shirley Lake gehabt aber morgen war unser letzter Morgen bevor wir nachmittags die lange Heimreise antraten.


    29.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 3 cont.


    Am See angekommen, bauten wir schnell das Boot wieder zusammen. Zu dritt ging das ganz flott. Ich hatte mein gutes Lowrance HDS7 mit dem Kartenchip mitgebracht und so hatten wir die Tiefenkarte und ein gutes Echolot dabei. Der laengliche See war recht einfach geschaffen; in der Mitte 20m tief mit steilen Scharkanten an 3 Seiten. Die hintere Schmalseite war wohl ein Zulauf denn dort war eine ausgedehnte Flachzone. Am Rander derer wollten wir unsere ersten Versuche machen. Wir schleppten erstmal langsam herum – Alec eine Fliege und Ricardo einen Spinner. Nichts biss. Wir sahen auch keine Oberflaechenschnapper. Bald schleppten wir auf der gegenueberliegenden Langseite wieder zurueck. Hier kamen wir an ein Loonpaerchen vorbei das mindestens ein Kuecken hatte. Der Papa wollte uns mit einem fuerchterlichen Geschrei von Mama mit Kuecken im Flachen ablenken und uns auf’s tiefe Wasser locken. Die Mama scheuchte inzwischen das Kuecken ins Ufergestruepp wo es sich schnell versteckte. Dann kam auch noch Mama mit Drohgebaerden hinter uns her – nichts wie weg hier!


    Ich fuhr uns so ueber 6-7m tiefen Wasser entlang, was so in etwa die steile Kante war. Da muss doch mal was gehen – wenigstens eine kleine Forelle! Wenn es hier Forellen gab dann waren die eingesetzt. Natuerlich gibt es in Saskatchewan keine Forellen. Die ganzen Praeriefluesse und Seen waren zu warm im Sommer. Das waren alles Hecht und Zander – und weiter suedlich auch Barschreviere. Also eigentlich muesste es hier in diesem See natuerlich Hechte geben. Wenn es tatsaechlich Forellen gab, mussten die Hechte vorher ausgerotten worden sein – Hecht und Satzforellen vertragen sich nicht gut. Die Tatsache, dass wir in einer Stunde beim Schleppen noch keinen Hechtbiss hatten, schien eine Bestaetigung meiner Vermutung zu sein. Aber wo waren dann die Forellen? Alec legte jetzt seine Fliegenrute zur Seite und versuchte es mit einem kleinen Blinker und Tauwurm am Drilling. Kein Biss, keine Spur eines Fisches. Auch das Echolot blieb sehr ruhig.


    Langsam kamen wir an die tiefere Schmalseite. Alec liess nun einen kleineren zweiteiligen Wobbler raus. Fuer Forellen eigentlich eine Nummer zu gross aber wir hatten keine grosse Auswahl an Forellenwobblern und dieser war einer der wenigen Tieflaeufer. Wir sahen vielleicht 50m entfernt ein anderes Loonpaerchen und dieses war wohl mit Futterbeschaffung beschaeftig, Die tauchten naemlich abwechselnd mal ab und blieben eine Weile unten. Vielleicht wussten die ja wo Futterfisch war? Ich fuhr uns mal langsam naeher. Auf dem Echolot tauchte in 5m Tiefe ein Band von Krissel auf und hin und wieder eine grosse Fischsichel. Jetzt wurden wir ganz aufgeregt. Auf einmal schrie Alec auf und riss die Rute zurueck – ahhh, nichts dran aber er schwor das es ein harter Anfasser gewesen war. Keine Minute spaeter wieder ein Ruck an Alecs Rute und diesmal blieb die Rute krumm. Und wie krumm! Alec war sowieso schon immer ein sehr emotionaler und auch vokaler Angler aber was er hier nun fuer eine Kommentarepisode ablieferte, muesste eigentlich ins Fernsehen oder zumindest ins Anglerradio!


    Sekunden nach dem Biss katapultierte sich ein …ja was… es sah aus wie ein Lachs!... aus dem Wasser. Gleich darauf noch zweimal. Wir johlten alle auf und Alec schrie regelrecht” “unfassbar, unglaublich, das gibt’s doch nicht!” Der Fisch zog Schnur von der kleinen Spinnrolle wie ein Lachs. Alec zitterten die Knie und wir alle beteten “bitte lass uns diesen Fisch fangen!” Den wollten wir besehen und befuehlen! Was fuer ein spektakulaere Drill an feinem Geraet. Aber Alec war ein Experte und hatte es drauf. Wenn der Haken nur hielt, war der Fisch so gut wie unser! Als er das erste Mal neben das Boot kam, hielten wir den Atem an – so eine Regenbogenforelle hatte von uns noch keiner gesehen! Das war ja eher wie ein Karpfen. Ich hatte Steelheads so gross und noch groesser gefangen aber dieser Fisch hier war fett und tief wie ein Football! Es ging noch paar Male von einer auf die andere Bootseite hin und her und dann hatte Alec seinen Fisch in Keschernaehe und ich sackt ihn ein. Was fuer eine Forelle! Wir huepften und tanzten zu dritt im Boot und johlten das man uns wohl bis zum Dore Lake hoeren musste. Alec’s Haende zitterten vor Adrenalin als er den Fisch in die Kamera hob. Wenn er mal auf seiner Hochzeit halb so gluecklich laechelt dann hat er die Richtige gefunden!


    Aber jetzt wollten wir mehr! Der Echoschirm zeigte einen riesigen Futterschwarm in 5 m – ich schleppte uns da entlang – diese Wolke schien locker eine Flaeche von 100 x 200m einzunehmen. Was das wohl war? Kleine Fische? So viele? Suesswassershrimps? Ricardo machte einen kleinen rot-weissen Blinker dran mit einem vorgeschalteten Blei um auf die 5 m Tiefe zu kommen. Rumms, seine Rute wurde ihm fast aus der Hand gerissen. Gibt’s doch nicht! Alec johlte schon wieder und tanzte herum – Ricardo war sehr konzentriert. Der Fisch sprang auch zweimal. Der schien sogar noch groesser! Die Rolle heulte einige Male auf aber auch diesmal ging alles klar und bald kescherte Alec die naechste Monsterforelle ins Boot. Wir hatten einen kleinen Eimer fuer etwaigen Fang mitgenommen. Wir hatten vorher noch gewitzelt, dass wenn wir den Eimer vollbekaemen, dann…. Der Eimer war uebervoll mit den 2 Fischen! Wir kriegten das Grinsen gar nicht mehr von unseren Gesichtern. Ich machte jetzt eine dritte Rute fuer mich klar – das konnte ich ja nicht den Jungs alleine ueberlassen. Ich fand noch einen tieflaufenden silbernen Wobbler in der Kiste. Ich fuhr uns wieder in den Futterschwarm und ploetzlich schlug es in meiner Rute ein – ein harter Ruck und sofort riss es Schnur von der Rolle. Die Jungs zeigten aufgeregt nach hinten – dort sprang mein Fisch. Wieder so ein Brocken! Aber dann wurde meine Schnur schlaff – ausgestiegen. Schade!


    Wir haetten jetzt eigentlich Schluss machen sollen. Die Sonne ging unter und ich wusste, dass die Mueckenarmeen um diese Zeit aus dem Gebuesch kamen und nach Opfern suchten. Und wir mussten ja noch das Boot am Ufer zusammenpacken. Aber die Jungs konnten noch nicht an Aufhoeren denken. Einen noch! Und tatsaechlich hakte Alec noch einen und der gleiche Tanz noch mal von vorn. Ricardo kescherte diesen diesmal. Unglaublich! Als wir den ueberquellenden Fischeimer vor uns sahen groehlten wir wieder alle auf und klatschten uns ab. Schluss jetzt – es wurde dunkel. Und wir buessten fuer unsere Gier. Auch wenn wir das Boot in Rekordzeit zerlegten und verpackten und trotz einer dichten Schicht mit Mueckenspray – diese Vampire waren nicht aufzuhalten und wir wurden regelrecht zerfressen. Mit Fenstern voll auf raste ich die Schotterpiste runter und die Jungs schaufelten mit den Baseballkappen hunderte Moskitos aus den Fenstern. Brrrrr


    Aber ich hatte die Augen auf der Strasse und das war auch gut so denn ploetzlich stand ein Braunbaer auf der Strasse. Sieht man auch selten. Das ist nicht etwa ein naher Verwandter des europaeischen Braunbaers sondern eine seltene Farbvariante des Schwarzbaeren. Die Kanadier nennen die Zimtbaeren. Und auf dem Schild zu unserer Huettensiedlung sass eine herrliche Eule. Also heute wurde uns aber wirklich ALLES geboten! Zurueck an der Huette staunten Ian und Paul ueber unseren Fang und ich filetierte noch bis Mitternacht. Ricardo’s Forelle war die Schwerste mit knapp 8 Pfund. Alec hatte aber die Laengste mit 60cm. Wahnsinn! Ich habe schon kleinere Filets von manchen Lachsen aus dem Pazifik geschnitten.


    29.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 3


    Am dritten Tag schlief ich etwas laenger, war aber mit Laura immer noch der Erste auf den Beinen. Fuer eine weitere Solo-Bootstour war wohl nicht genug Zeit mehr aber man koennte ja mal ein paar Wuerfe vom Strand aus machen. Immerhin hatte ich meinen gestrigen groessten Hecht im Flachen und in Wurfweite vom Ufer gehakt. Zumindest morgens kreuzten also die Freiwasserhechte auch bis dicht unter den Sandstrand. Warum also nicht!?


    Es war ein herrlicher Morgen, kaum Wind und auch die Muecken waren schon wieder verschwunden (zum groessten Teil jedenfalls). So nahm ich nur eine kleine Koederbox und meine Spinnrute mit und machte alle paar Schritte 2-3 Wuerfe mit dem heissen blau-chromigen Crankbait. Nach etwa 100m und gefuehlten 100 Wuerfen kam dann tatsaechlich nur 10m vom Ufer in vielleicht 60-80cm tiefem Wasser ein Einschlag. “Haha, es klappt”, jubelte ich innerlich und genoss den Drill eines kleineren Hechtes. Ich zog den vielleicht reichlich 60cm Hecht bis zur Wasserkante und hakte ihn schnell ab. Klasse! Noch ein paar Wuerfe und dann zum Fruehstueck! Schonmal kein Schneider heute. Die erwachenden Jungs in der Huette glaubten mir erst nicht aber ich hatte vorsorglich ein paar Fotos vom Strandhecht im flachen Wasser gemacht. Jetzt wollten alle nur noch schnell raus auf’s Wasser.


    Paul fuhr sein Tracker Boot wieder zur bekannten Rampe und dann duesten wir wieder zur anderen Seeseite. Das Grass ist immer gruener woanders. Wir schleppten und warfen an ein paar schoenen neuen Stellen; teils steile Kanten oder krautige Unterwasserwiesen. Ueberall fingen wir ein paar schoene Hechte und Zander. Die Stueckzahlen waren aber bei weitem nicht so wie in der gestrigen Bucht. Ich bewunderte wieder einen Schwarm von Pelikanen und schoss einige schoene Fotos von denen. Aber trotz aller Versuche, wir erwischten keinen der kapitalen Hechte. Und so wollten die Jungs dann irgendwann wieder in die gestrige Bucht. Paul war einverstanden und fuhr uns hin. Heute waren wir spaet dran und in der Bucht fischten schon 3 oder 4 andere Boote. Und wir sahen sie schon von weitem drillen. Unglaublich diese Fischdichte hier in diesem Bereich.


    Zum Anfang benutzten Ian, Alec und ich den blau-chromigen Killerkoeder und Ricardo wieder seinen goldenen Zweiteiler. Und es ging gleich wieder toll los. Ricardo brachte bald einen breiten Ruecken zum Boot – oha, jetzt koennte es knapp werden mit meiner Fuehrung – der war stattlich. Ich hob ihn auf das Hinterdeck und Alec legte das Massband an: 92 cm. Knapp aber nicht genug. Obwohl der hier viel fetter war und bestimmt seine 6kg auf den Rippen hatte. Mein Fuehrungshecht gestern war eine schlanke Schlange gewesen. Wir quatschten etwas mit einer anderen Bootscrew und ich sah dass der eine Mann mit einem weissen Gummifisch fischte. Ich fragte ob er damit was fangen wuerde. Er bejahte und ich erzaehlte, dass ich bisher mit allerlei Gummi total leer ausgegangen war. Da kam der Kerl in sein Fahrwasser und erzaehlte das er diese Gummis selber herstellte und auch online vertrieb. Und weil er scheinbar auch ein guter Geschaeftsmann war, reichte er mir gleich zwei dieser weissen Gummifische herueber – einer mit Drillings-und Stahlvorfachmontage. “Vielen Dank!”, das haette ich jetzt nicht so erwartet. Ich probierte ihn gleich aus und er spielte wirklich verfuehrerisch im Wasser. Nur den Hechten schien das nichts zu gefallen – 15 Minuten keinen Biss! Danach gab ich das auch auf.


    Die Jungs hatten wieder ihren Spass an den Massenfaengen und einige hatten wirklich gute Qualitaet und die meisten kaempften auch sehr beherzt. Und ich goennte den Jungs auch diese Non-stop Action – ich hatte das als junger Kerl auch genossen – ich wusste noch wie sich das anfuehlt. Aber ich wollte jetzt nur noch einen Riesen. Auch Ian machte eine lange Brotzeit und schaute den Jungs einfach lange zu. Irgendwas passiert im Alter das man so eine non-stop Action nicht mehr tagelang braucht. Im Alter zaehlt mehr Qualitaet als Quantitaet. Als alter Sack hat man ja auch nicht mehr so viele Jahre um seinen Fisch des Lebens zu fangen und man kann nicht mehr so viel Zeit mit kleinen Fischen verschwenden!


    Ich montierte wieder grosse Gummis oder Wobbler und machte nur hin und wieder mal einen Wurf wenn wir an eine besonders verdaechtige Stelle drifteten. Neben einem im Wasser liegenden Baum riskierte ich mal wieder einen Wurf. Mein Wobbler schlug auf und ich zog an um ihn zum Tauchen zu bringen und rumms – etwas schnappte sich den Koeder. Man sah noch einen grossen Schwall an der Stelle und ich spuerte schweren Widerstand. Der war besser! Ich sagte aber erstmal nichts – einen Fisch dranhaben erzeugte keine erhobene Augenbraue mehr im Boot. Der Fisch bockte und blieb tief. Dann kam er das erste Mal dichter am Boot vorbei und ich sah einen breiten Ruecken. “Lunkeralarm!” rief ich und jetzt wurden die anderen interessiert. Der Fisch zog paar Mal gut ab aber nicht sehr weit und eher ins tiefere Wasser als in die hindernisreiche Uferzone. Ich machte schwer Druck und wollte den Drill nicht endlos hinziehen – den wollte ich wieder freilassen. Alec war mit dem Kescher bereit und als ich den Fisch heranzog, schlidderte er ihn schoen kopfvoran ins Netz. Gefangen! Jawoll!


    Mit Alecs Hilfe vermass ich ihn und tatsaechlich verbesserte ich meine eigene Fuehrung auf 97cm. Aber wieder keinen Meter! Dann liess ich den Burschen wieder ziehen. Die Jungs gingen jetzt wieder eifrig aber etwas stiller an ihr Werk. Der Papa hat’s eben drauf in Bezug auf Qualitaet! Die beiden fingen beide noch ein paar feine Hechte bis reichlich 90cm aber am Ende des Tages blieb meine Fuehrung unangetastet. Auch Alecs Zanderfuehrung blieb heute bestehen. Wir nahmen wieder ein paar Fische mit fuer Paul und Laura, aber die allermeisten wurden freigelassen.


    Nach dem Abendessen fragten mich Alec und Ricardo ob wir mal mit dem Faltboot zu dem kleineren See mit den Forellen fahren koennten. Ich hatte nichts dagegen. Ian und Paul wollten nicht mit heute – vielleicht morgen wenn es sich lohnte, meinten sie. Wir sollten den See also mal auskundschaften. Machten wir gerne. Die Aussicht auf mal andere Fische nach den zwei verrueckten Hecht- und Zandertagen machte uns Spass. Wir packten das Faltboot in 10 Minuten zusammen und auf’s Dach und los ging es. Paul hatte uns den See zwar gezeigt und empfohlen aber hatte auch zugegeben, dass er dort noch nie selber geangelt hatte. Er kannte Leute die dort grosse Forellen gefangen haetten. Das war alles was wir an Informationen hatten. Alec hatte seine Forellenfliegenrute dabei. Ich hatte ein paar wenige Forellenwobbler, Blinker und Spinner eingepackt. Mal sehen. Unterwegs daempfte ich die Erwartung der Jungs; erinnerte sie das man selten an einem neuen unbekannten Gewaesser gleichmal gut faengt. “Ja ja….”, die Antwort. Es war schon abendlich als wir die halbstuendige Strecke ueber die Schotterpiste fuhren. Da, ein Fuchs! Der huschte ueber die Strasse und schaute uns vom Strassengraben aus zu. Um eine weitere Kurve stand ploetzlich ein Schwarbaer auf der Strasse. Und kein ganz kleiner! Fehlt nur noch ein Elch, dachten wir.

    28.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 2 cont.


    Ian, der vor einiger Zeit auf den identischen Koeder wie Alec’s umgesattelt hatte, fing nun auch wie ein Profi. Einmal stoehnte er auf und wir sahen seine Rute voll-rund. Der Fisch kam vom Ufer auf das Boot zu, blieb aber tief. Ian machte ein paar komplette Runden um das Boot herum aber nach 5 Minuten hatten wir immer noch keinen Blick auf den Fisch bekommen. Das musste was Besseres sein. Aber so richtig nahm das noch keiner ernst an Bord – weil wir ja so viel Fisch schon gefangen hatten. Dummerweise verfing sich nun mein Koeder an Ian’s Schnur und ich fummelte hektisch den Drilling wieder frei. In dem Moment konnte Ian seinen Fisch mal kurz sehen – ein riesiger Ruecken und ein Krokodilkopf wurden kurz neben dem Boot sichtbar, bevor der Fisch wieder in die Tiefe zog. Krokodilalarm! Jetzt war die ganze Bootscrew gespannt und jeder holte ein ein feuerte Ian an. Ian war ein Angelanfaenger aber machte das klasse und liess sich nicht den Schneid abkaufen – auch nicht von diesem Brocken. Das war der Hecht von dem wir alle getraeumt haben – jetzt galt es cool zu bleiben. Er kam wieder an die Oberflaeche und ein gemeinsamer Ausruf des Erstaunens von uns allen wegen der gewaltigen Ausmasse. Der war weit ueber einen Meter lang und locker 20 Pfund schwer. Dann hatte Ian ihn am Boot. Paul schnappte sich meinen grossen Lachskescher – und ich hatte noch eine Sekunde Bedenken und dachte ich sollte das fuer Ian besser selber machen – aber ich wollte auch Paul nicht beleidigen, von wegen ich wuerde ihm das nicht zutrauen. Immerhin hatte er Fotos von tollen Hechten die er selbst gefangen hatte an den Waenden seiner Huette. Aber bei so einem Riesenhecht ist der Kescherjob eben fast die halbe Miete.


    Der Hecht hatte den winzig aussehenden Crankbait von Ian seitlich in der Maulspalte. Der hintere Drilling sass fest im Maul – der vordere Drilling hing aus dem Maul heraus. Das war eine grosse Gefahr. Obwohl der Kescher sehr geraeumig war und das Netz tief, war der Fisch weit laenger als der Buegeldurchmesser. Der Fisch musste also der Laenge nach in den Kescher gefuehrt werden ohne das der freie Drilling das Netz beruehren konnte. Aber diese Gedanken machte sich Paul nicht – er langte beherzt zu – und kam mit dem Kescher von unten auf den ausgestreckt liegenden Hecht zu. Der Kopf und der Schwanz standen ueber den Buegel ueber. Als Paul anhob sah es aus als ob das Manoever gelingen koennte und der Hecht wuerde mittig einfach in das tiefe Keschernetz einsacken. Aber da blieb der freie Drilling am Netz am Buegelrand haengen und gab dem Fisch nun einen Hebel. Er bog seinen Koerper, stuetzte sich mit dem Schwanz auf den anderen Buegelrand auf und wuppte sich wieder ueber den Buegelrand hinueber. Dort riss er wild mit dem Kopf der noch durch den Drilling am Netz hing und Paul musste aufpassen, dass er nicht den Kescher aus der Hand gerissen bekam. Ein, zwei Sekunden noch dauerte das Toben und dann wurde es ruhig. Die Zeit stand still.


    Unglaeubig schauten wir auf das Resultat des Geschehens; der Kescher zum Knoten gebunden – leer in Pauls Haenden. Totenstille. Kopfschuetteln. Und dann die ersten Trostsprueche fuer Ian. Paul versuchte einen Scherz. “Zu frueh, Paul, zu frueh fuer das!”, meinte Ian. Ich fummelte Ians Drillinge aus dem Kescher und bis dahin hatten wir uns alle von dem Schock erholt. Nun flogen die Spekulationen, die Witze und der Spott, und der arme Paul musste sich einiges anhoeren. Ich erinnerte die Jungs, wir hatten noch 3 weitere Tage. Wir wuerden sicher noch mehr solcher Chancen bekommen. Mal wieder wurde die alte Weisheit bestaetigt: “Always the big one gets away!”.


    Ich versuchte weiter mit dem Popper und endlich wurde meine Hartnaeckigkeit belohnt: ganz dicht vor dem Ufer floppte ich zwei – dreimal und ploetzlich expodierte das Wasser neben meinem Popper, ein Koerper katapultierte sich voll aus dem Wasser und stuerzte sich von oben auf den Popper und Fish On! Wow! Alec und Ian hatten es gesehen und jubelten mit. Der Hecht war nicht sehr gross – 60-70 cm aber die Show wert. Es blieb aber der Einzige der sich am Popper vergriff. Naja, wenigstens einmal hatte es spektakulaer geklappt. Ich versuchte nun allerlei Gummifische; klein, gross, verschiedene Farben. Nichts. Sehr seltsam. Dann montierte ich auch mal den blau-chromigen Crankbait und rums war ich am Fisch. Unfassbar!


    Irgendwann waren unsere Arme muede und wir hatten auch genug zum Mitnehmen. Es waren nun auch eine Menge andere Boote hier angekommen und es war nun Zeit zurueckzufahren. Was fuer eine verrueckte Angelei. Ricardo zeigte mir seinen supererfolgreichen Wobbler – der war zerbissen und zerkaut – aber noch einsatzfaehig! Wir fuhren zurueck und wollten abends zum Sonnenuntergang nochmal mit den Kleinbooten vor den Strand.


    Es wurde ein toller Abend mit einem einmaligen Sonnenuntergang hinter dem spiegelglatten See. Ian und ich fingen zwar nichts mehr aber die Jungs hatten den Draht raus und Alec erhoehte sogar seine Zanderbestmarke auf 70 cm. Das war schon eine Hausnummer. Was fuer ein tolles Gewaesser!


    28.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 2


    Wegen der durchreisten Nacht fuehlte ich mich ein bisschen wie im Jetlag und wachte am 2. Tag schon super frueh auf. Als ich durch das Fenster auf den See schaute, jubelte es in mir auf; spiegelglatter See, keine Welle. Klasse, die Wettergoetter meinten es nun gut mit uns. Noch machte niemand anders Anstaende aufzustehen. Ich fragte Ricardo fluesternd ob er eine kleine Morgentour mit mir im Faltboot machen wuerde. Er drehte sich nur knurrend um. Ok, dann nicht!


    Das Boot lag fertig am Strand. Mit den abnehmbaren Transportraedern konnte ich es auch durch den losen Sand alleine ins Wasser schieben – und loss gings. Der neue Mercury Motor sprang beim ersten Zug an und dann dueste ich los. Herrlich, bei der Morgenbeleuchtung ueber den spiegelglatten See zu fahren. Etwa 100m vor dem Strand hielt ich schon an. Hier fiel die Tiefe auf etwa 3-4 m ab. Ich warf allerlei Kunstkoeder an der Kante entlang, versetzte dann und probierte wieder fast alles in meiner Koedertasche. Ich hoerte hier und da ein Platschen an der Oberflaeche – irgendwelche Raeuber waren unterwegs. Bald schleppte ich eine Weile, erst mit flachlaufenden Wobblern, dann mit tieflaufenden. Nichts. Komisch. Ich konnte dann sogar erkennen was das fuer Oberflaechenraeuber waren – Zander! Ich sah einmal einen goldenen Koeper kurz ueber die Oberflaeche kommen. Aber sie hatten kein Interesse an meinen Koedern. Das fand ich sehr seltsam. Von meinen reichlichen frueheren Erlebnissen etwas weiter suedlich und oestlich von Saskatchewan war ich gewohnt das zum Beispiel Spinner ein unschlagbarer Allround-Koeder fuer amerikanische Zander und Hechte war. Wollten die hier gar nichts von wissen, wie es schien!


    Ich versuchte noch ueber tieferen Wasser und dann rief mich schon die Landcrew zum Fruehstueck ueber das Funkgeraet das ich mitgenommen hatte. Ich fuhr in etwas flacheres Wasser Richtung Strand zurueck und machte alle paar Dutzend Meter einen Wurfstopp. Ich hatte jetzt einen grossen Crankbait im Barschdekor montiert – aehnlich dem was Paul gestern vorgeschlagen hatte, nur viel groesser. Einen Stopp noch – ich war schon in nur noch 1.5m tiefen Wasser und konnte deutlich den sandigen Grund sehen. Hier war die Chance auf einen Biss wohl gleich Null, dachte ich und war schon fast beim Fruehstueck. Da rummste es ploetzlich in meiner Rute und riss sofort Schnur von der Rolle. Fish On! Der Fisch hatte keine 5m neben dem Boot gebissen. Der fuehlte sich gut an. Ein paar heftige Kopfschlaege und dann tobte der Fisch dicht neben dem Boot an der Oberflaechen. Oh ja, das war der Beste bisher! Ich rief durch das Funkgeraet nur “Lunker on” und sah bald Alec und Ricardo zum Strand kommen. Der Fisch sausste noch ein paar Mal gefaehrlich um die Motorschraube herum und unter dem Boot durch aber dann hatte ich ihn neben dem Boot.


    Der Koeder war gar nicht mehr zu sehen. Der musste erstmal ins Boot. Ich griff ihm hart mit dem Nackengriff hinter die Kiemendeckel und hob ihn ins Boot. Er blutete schon und ich sah bald das beide Drillinge hinten in den Kiemen hingen. Der musste mit. Ich schlug ihn ab und schleppte ihn die kurze Strecke zum Strand. Dort halfen mir die Jungs das Boot den Strand hochzuziehen und dann vermassen wir den Hecht: reichlich 95 cm. Noch keinen Meter aber die neue Fuehrung in der Hechtkategorie. Und wer haette gedacht das groessere Hechte so dicht unter einen sandigen Strand kaemen? Was die da wohl wollten?


    Ich haette ja jetzt schlafen gehen koennen – mein Tageswerk war ja schon vollbracht. Die Anderen meckerten etwas, dass der Fisch eigentlich gar nicht zaehlen sollte weil ich ja gar keine Konkurrenz gehabt haette und alleine losgezogen waere. Aber ich erinnerte die Langschlaefer nur daran das ICH ja auch der Schiedsrichter waere und ihre Schlaf-und Faulsucht ihre eigene Schuld waere.


    Nach dem Fruehstueck gings dann mit dem grossen Boot los. Wir liessen es unweit unseres Camps an einer prima Rampe ins Wasser und dann drehte Paul das 225 PS Biest auf. Mit fast 70km/h bretterten wir zur entfernten Seeseite. Unterwegs kamen wir an Pelikanschwaermen vorbei, die hier weit im Norden den Sommer verbrachten. Schon etwas seltsam so weit im Norden tropische Voegel zu sehen. Paul wollte in eine kleine versteckte Bucht – wie einen Altarm. Der wuerde in paar Wochen im Hochsommer total verkrauten und unbefahr-und unbefischbar sein. Aber die Hechte haetten da abgelaicht und hielten sich zum grossen Teil noch dort auf, meinte er. Wir waren gespannt. Eine enge und flache Passage verband die Bucht mit dem Hauptsee. Nach unserem Missgeschick gestern war Paul heute sehr vorsichtig und aufmerksam von wegen Untiefen. Dann oeffnete sich der enge Kanal zu der Hinterbucht. Es war wie ein eigenes Gewaesser – vielleicht 1km lang und 50-100m breit, ueberall nur 1-3m tief, und schon jetzt ziemlich verkrautet – zumindest in Ufernaehe. Paul positioniere uns in Wurfdistanz zum Ufer und dann flogen unsere Koeder raus.


    Wie soll ich das beschreiben? Fuer die naechsten 3-4h fingen wir locker 50-60 Fische. Besonders Ricardo mit seinem golden-chrom zweiteiligen Wobbler und Alec mit einen ziemlich kleinen blau-chromigen Crankbait hielten sich guetig an den schier unerschoepflichen Hecht- und auch guten Zanderbestaenden hier in der Bucht. An einer Stelle, wo ein umgestuerzter Baum im Wasser lag, fingen wir wahrend 2 oder 3 Driften bestimmt 20 Fische alleine. Die Durchschnittsgroesse der Hechte war 65-75cm, aber es waren auch einige in den 80gern und ein oder zwei bis zu 92 oder 93cm dabei. Die Metergrenze durchbrach aber erstmal keiner so dass mein Morgenhecht noch die Fuehrung behielt. Die Zander waren auch wieder tolle Brocken mit einer Durchschnittsgroesse von weit ueber 50 cm. Wir behielten nur den einen oder anderen Fisch der schwer verletzt war.


    Mir wurde der Massenfang bald zuviel – auch zuviel Arbeit immer wieder die Haken zu entfernen. Ich versuchte mich auf Grossfisch zu spezialisieren oder exotische Fangmethoden anzuwenden. Ich hatte meine Lachsfliegenrute mit. Eigentlich hatte ich herrliche Hechtfliegen, auch einige Popperfliegen zu Hause selber gebunden – extra fuer diesen Trip – hatte sie aber zu Hause vergessen! Arrg. Paul hatte ein paar in seiner Koederbox und so versuchte ich einen Hecht an der Fliege zu fangen. Dafuer war das Boot mit 5 Leuten und 4 Anglern aber eindeutig zu voll. Ich fand einfach keinen Raum um meine Wuerfe gut hinzukriegen, zumal alle paar Minuten ein Fisch am Boot gedrillt wurde. So gab ich diesen Versuch auf. Auch versuchte ich Oberflaechenpopper. Ich warf einen blau-chromigen praktisch bis an die Ufergrenze und poppte den Koeder dann langsam zurueck bis zum Boot. Aber irgendwie schienen die eindeutig vorhandenen Hechte darauf nicht so zu stehen. Die anderen 3 fingen direkt neben meinem Popper einen Hecht und Zander nach dem anderen waehrend ich keinen Biss oder Nachlaeufer bekam. Sehr seltsam.

    27.6. 2022; Dore Lake, Sask, Tag 1


    Der erste Blick auf den See am Morgen verhiess nichts Gutes – vor unserer Huette krachten noch ziemlich hohe Wellen ans Ufer. Mit kleinen Booten war hier nichts zu machen. Paul schlug vor sein Boot zu einer etwas geschuetzteren Bucht zu schleppen und dort zu slippen. Gesagt, getan. Auch in der Bucht war es pfiffig aber die Wellen nicht so hoch und Pauls 6.1 m Bass Boot mit 225PS konnte einiges ab. Wir machten ein paar Driften mit Spinnangeln im Flachen wobei wir unsere Koeder bis vor die Krautzone schleuderten. Nicht ein Biss. Ich versuchte alle moeglichen Koeder die ich in der Vergangenheit oft erfolgreich in Praerieseen auf Hecht benutzt hatte. Nichts. Paul schlug vor bei ein paar Inselchen Wobbler ueber Grund zu schleppen. Das waere besonders fuer Zander eine erfolgreiche Methode. Er zeigte uns auch gleich noch seinen Lieblings-Crankbait und alle ausser mir montierten ihn auch gleich. Ich hing einen tieflaufenden grell-gelben Wobbler an das Stahlvorfach. Und dann schleppten wir 4 Ruten. Ich war angenehm ueberrascht wie problemlos das funktionierte. Pauls Boot war sehr breit und erlaubte so ein tueddelfreies Schleppen wenn man etwas ruecksichtsvoll die Ruten bediente.


    Alec hatte den ersten Biss und brachte einen tollen Zander ans Boot. Laura hatte uns aufgetragen Fisch fuer’s Abendbrot mitzubringen. Ich hatte angeboten den Fisch zu backen. Feiner als Zanderfilet kann man es ja kaum bekommen. Der ging mit. Mit 60cm Laenge war das schon ein Prachtzander im nordamerikanischen Masstab. Der Walleye – ein enger Verwandter des europaeischen Zanders – wird nicht ganz so gross wie dieser. An anderen Seen, die ich im mittleren Westen der USA und Kanada beangelt habe, ist ein Zander ueber 50 cm ein schoener Fang. Hier am Dore Lake war das Mindestmass 55 cm! Und es schien kein Problem zu sein, eine Rutsche von massigen Zandern zu bekommen. Denn jetzt lief mein Wobbler heiss und ich hatte in kurzem Abstand 3 Zander, wovon einer locker das Mass hatte.


    Dann legte der Wind weiter zu und machte unsere Zanderstrecke zu ungemuetlich. Paul verlegte uns hinter eine Insel in den Windschatten wo wir an Krautfeldern vorbeidrifteten und Hechtkoeder in alle Richtungen warfen. Ein paar kleinere Hechte packten hier und da mal zu aber es blieb ziemlich mau fuer so eine hechtverdaechtige Stelle. Dann rief ploetzlich Ricardo auf und hieb an und seine Rute bog sich ordentlich. Das musste was Besseres sein! Kurz darauf tobte etwas neben dem Boot – ein besserer Hecht. Der hatte schon etwas ueber 70cm und durfte mit zur Abendbrotsgestaltung. Ob ich noch wusste wie man einen Hecht graetenfrei filetierte? Interessanterweise war das taegliche Limit fuer Hechte sehr grosszuegig: 5 pro Angler. Dagegen war das Limit fuer Zander nur 1 pro Tag. Es schien als ob die Fischereibehoerde die Hechtbestaende etwas zu Gunsten der Zander reduzieren wollte. Inwieweit die paar Angler auf dem riesigen See hier da wirklich einen messbaren Einfluss haben, wage ich mal dahinzustellen. Aber so hatten wir auf dem ganzen Trip auch keine Skrupel ein paar Hechte zum Verzehr mitzunehmen.


    Bei einer Bootsverlegung zu einer neuen Drift hatten wir einen ungluecklichen Unfall. Obwohl Paul schon einige Jahre diesen See befischte, waren ihm aber wegen der Groesse viele Ecken noch recht unbekannt. Ausserdem war er mit 69 Jahren nicht der elektronisch Versierteste und obendrauf war die verfuegbare Navionics GPS-Karte nicht allzu detailliert in dieser abgelegenen Gegend. Wir fuhren, Gott sei Dank langsam, um eine Landzunge und ploetzlich gab es einen lauten Schlag und das Boot bockte auf. Wir kamen sofort wieder los und ich sah im Heckwasser helle Schatten von Steinen dicht unter der Wasseroberflaeche auftauchen. Wir waren auf ein Riff aufgefahren! Erschrocken checkten wir die untere Motoreinheit aber der Antriebsschaft schien ok, nur der Edelstahlpropeller angefressen. Durch die Unwucht lief der Motor etwas unrund. Wir brachen die Tour ab und holten das Boot auf den Haenger. Das Boot hatte gluecklicherweise gar nichts abbekommen – ein Aluboot ist bei solchen Missgeschicken aber auch nicht ganz so anfaellig – es wuerde schon einiges brauchen um wirklich ein Loch in ein Aluboot zu stossen. Und gluecklicherweise konnten wir den Propeller an der Huette mit einer Flex und ein paar Rohrzangen wieder soweit herstellen, dass er fuer die naechsten Tage benutzbar war. Er funktionierte sogar einwandfrei, muss man sagen. Glueck gehabt, aber eine kleine Erinnerung dass man immer aufmerksam sein muss wenn man in unbekannten Gefilden mit dem Boot unterwegs ist. Und ein Ersatzpropeller ist immer eine gute Idee.


    Abends gab es lecker Backfisch von den Zander- und Hechtfilets. Feine Sache. Nach dem Abendbrot liess der Wind merklich nach und wir wagten einen Ausflug mit den kleinen Booten vor der Huette. Ian kam mit auf mein Boot und Alec und Ricardo benutzten Paul’s kleines Aluboot. Es war ein langer Sandstrand der eine interessante Scharkante bei etwa 2 m Tiefe hatte wo der Grund schnell auf 3-4m abfiel. Paul empfahl uns an dieser Kante entlang mit Wobblern zu schleppen. Ian und ich machten das auch; die Jungs zickzackten ueber die Kante hin und her. Das war wohl die bessere Strategie denn die Jungs fingen ein paar feine Hechte und vorallem klotzige Zander. Alec fuehrte nun schon in der Zanderkategorie mit 62 cm. Ricardo beim Hecht mit 79 cm. Ian hatte bisher noch nichtmal einen Biss gehabt. Er erwischte nun auf unserer Schlepptour auch seinen ersten Fisch – einen kleineren Hecht. Und ich erwischte auf den letzten Metern vor dem Ufer in vielleicht 1.5m Wassertiefe auch noch einen proppen Hecht von vielleicht 75 cm. Alle Fische an diesem Abend durften wieder schwimmen. Bei herrlichem Sonnenuntergang um ca. 22:30 Uhr machten wir Schluss. Morgen sollte es windstill werden!


    26.6. 2022; Saskatchewan - Anreise


    Die zweite Angelreise dieses Jahr und diesmal eine Monstertour! Etwas was wir schon 2020 mit 2 Familien vorhatten aber Corona machte damals und auch letztes Jahr einen Strich durch die Rechnung. Wir wollten an einen der Praerieseen zum Hecht-und Zanderangeln fahren. Ich bin mit dieser Angelei ja in Deutschland gross geworden und hatte dann das endlose Potenzial der nordamerikanischen Praerieseen in den 90gern mehrfach erleben duerfen. Aber meine beiden Jungs und die Jones-Jungs hatten das nur je einmal zuvor erlebt. Daher wollten wir uns dieses Jahr auf den fast 4000 km langen Rundtrip machen – die Jungs werden fluegge und es koennte fuer eine Weile unser letzter gemeinsamer Angeltrip werden. Die Jones hatten Verwandtschaft auf einer Farm im Nordosten von Alberta. Dort wollten wir zuerst aufschlagen und dann mit dem Farmerpaar zu deren Sommerhuette am Dore Lake im westlichen Saskatchewan fahren. Paul und Laura hatten dort eine geraeumige Huette mit einem grossen und einem kleineren Boot. Das Angeln sollte dort spektakulaer sein – die Jones hatten es 2018 schon mal erlebt. Da unsere juengeren Soehne aber durch den anstehenden Abiabschluss schon andere Plaene hatten, blieben nur noch die aelteren Soehne Alec und Ricardo und die beiden Vaeter, Ian und ich, auf dem Reiseplan. Damit hatten wir genug Platz im Auto um auch noch mein nagelneues Faltboot mitzunehmen. 4,3m lang, mit 6PS Motor und in 10-15 Minuten zu einer Surfbordgroesse zusammengefaltet – tolle Erfindung – musste ich haben! Porta-Bote, hergestellt in den USA.


    Wir nahmen die Abendfaehre um erstmal auf’s BC Festland zu kommen und fuhren dann die Nacht durch. Am fruehen Nachmittag kamen wir an der Farm in Alberta an. Wie damals die Monster-Norwegentouren von Deutschland aus! Arsch-und Rueckenschmerzen inklusive. Paul und Laura empfingen uns herzlich und nahmen uns zum Wachbleiben gleich auf ein lokales Rodeo mit. Paul erzaehlte gerne und viel und ich war auch sehr interessiert an seiner Familien und Farmgeschichte. Sein Urgrossvater hatte das Land als eine originale Homestead im Jahr 1908 fuer $20 bekommen und seit dem war das Land in den Haenden der Familie. Wenn man am Haus steht und 360 Grad rundherum schaut, sieht man nichts als SEIN Land. Das hat schon was. Endlose Kuhweiden und Ackerfelder, ein paar Tuempel und kleine Seen und Baeche und Waeldchen dazwischen. Aber eben auch harte Arbeit – so eine Landwirtschaft, und ein hartes Klima so weit im Norden.


    Am naechsten Tag fuhren wir im Tandem die 5h zum Dore Lake. Am Ende der Welt. Kein Handyempfang, kein Wifi – die junge Generation war schockiert! Die letzte Stunde war nur noch auf Schotterpisten, wobei man sagen muss, dass diese Schotterpisten wirklich gut gepflegt waren und um einiges besser unterhalten ware, als so einige die ich hier in BC kenne. Wir waren alle heiss auf den grossen See – wir wollten alle ein grosses Hecht-Krokodil fangen und auch die schoenen Zander wollten wir bewundern und mal kosten. Unterwegs kauften wir noch an einer Tankstelle die Angellizenz - $80 pro Person fuer’s ganze Jahr. Es gab noch 3 oder 1 Tageslizenzen aber fuer eine Woche ist schon die Jahreslizenz die billigste Variante. Kann man machen.


    Eine halbe Stunde vor dem Dore Lake bog Paul seinen Truck noch kurz zu einem kleinen See ab – den wollte er uns vorher noch gezeigt haben. Falls es mal zu windig am Dore Lake war, koennten wir hier zum Shirley Lake hin ausweichen – der sollte mit grossen Forellen bestueckt sein. Wir besahen uns die potentiale Bootseinlassstelle und befanden, dass das mit dem Faltboot und Paul’s kleinem Boot machbar waere. Dann sahen wir von einem Huegel das erste Mal ein Stueck vom Dore Lake – Paul meinte das waere nur eine kleine Bucht. Auweija – das war ja ein riesiger See! Ich hatte ihn mir nicht so gross vorgestellt – auf der Karte sah er hoechstens mittelmaessig gross aus – es waren viel Groessere in der Umgebung.


    Als wir dann an der kleinen Huettensiedlung angekommen waren, verschug es mir die Sprache: das war kein See, das war ein Ozean! In eine Richtung konnte man das Ufer gar nicht sehen. Und es bliess an diesem Nachmittag auch ordentlich und die Brandung war beachtlich. War da mein kleines Faltboot ueberhaupt angebracht?


    Der See war nur einer eines riesigen Seengebietes das die gleiche glaziale Geschichte wie die schwedischen oder die mecklenburgischen Seen durchlebt hatten. Die Einwohnerzahl in diesen Breiten war sehr gering und die gesamte Wasserflaeche enorm – in der kurzen Sommersaison dadurch ein Angelparadies! Am 55. Breitengrad, so etwa wie Daenemark gelegen, wurde es erst spaet dunkel und schon sehr frueh wieder hell. Aber Paul beruhigte uns; man muesste hier nicht schon 4:00 Uhr morgens am Wasser sein um was zu fangen. Die Hechte haetten gerade abgelaicht und waren noch im Flachen und waeren den ganzen Tag ueber hungrig. Nur heute Abend bei dem Wind ging nichts mehr. So mussten wir unsere Ungeduld noch etwas zuegeln. Aber muede genug von der langen Fahrt waren wir allemal.


    12.6. 2022; Bamfield – Tag 3


    Unser 3. Tag ist schnell erzaehlt weil es nur noch ein kurzer Morgen war. Um 11:00 Uhr wollten wir aus unserem Haus raus sein und dann die Rueckfahrt durch den Port Alberni Canal (Fjord) antreten in welchem es um Mittag herum oft zu starken Foenwinden und dadurch zu ungemuetlichem Wellengang kam. Ricardo und ich gingen nochmal mit auf die Jalopy denn Carl hatte Max nochmal ein bisschen Pilken versprochen. Auch mir machte diese Angelei viel Spass. Jerrod war nochmal auf Lachs aus.


    Carl fuhr uns an ein paar nahe felsige Untiefen und dort fingen wir eine Menge Grundfische. Ricardo und ich hatten 2 -3 bessere Schollen die man haette mitnehmen koennen aber sonst gab es nur kleinere Lingcods und Felsenbarsche. Einer meiner Lings hatte fast das Mass von 60 cm – aber eben nur fast. Es war kurzweilig und brachte einige gute Lacher. Wie immer war mein Grosser mal wieder fuer absurde Faenge gut. Er brachte einmal ein “Ding” vom Meeresgrund das ich sofort als “Otterhoden” erkannte. Max lachte sich kaputt und Ricardo und ich hatten unseren Spass damit. Die letzten 500m zum Haus zurueck packten wir nochmal die Schleppruten aus und Carl hatte doch tatsaechlich noch einen guten Biss. Und der Fisch musste ordentlich Gewicht haben!


    Ich drosselte etwas den Motor und fuhr sogar langsam auf den Fisch zu da Carl kaum Schnur gewinnen konnte. Richtig Schnur nahm der Fisch aber nicht – nur sauschwer. Was war denn das? Waehrend wir schon still auf eine Buttueberraschung hofften, durchbrach der Fisch dann bald die Oberflaeche und wir konnten erkennen was Sache war: er hatte einen mittleren Lachs irgendwie an der Seite gehakt. Kein Wunder das das schwer ging! Wie schon erwaehnt, stellten wir mal wieder fest, dass die Lachse nur mit den Koeder spielten und dann oft komisch gehakt wurden. Der Haken hielt aber und Carl fing so noch einen Letztesekundenfisch den Max dann wieder schoen filetierte. Dann ging es heimwaerts durch den schon wieder augewuehlten Fjord zurueck nach Port Alberni. Barkley Sound, Vancouver Island, ist immer fuer ein Abenteuer gut!


    Cont. 11.6. 2022; Bamfield – Tag 2


    Aber vielleicht ging noch mehr? Ich ging jetzt ans Steuer – ich war fertig fuer heute Abend. Jerrod und Demario machten ihre Ruten klar. 10 Minuten spaeter zog Demario’s Rute ab und auch er war an einem guten Fisch. Der zog auch gleich Leine und Demario hatte Probleme zwischen dem Rolleloslassen und dann wieder Kurbeln. Da wurde seine Behinderung deutlich und Jerrod musste ihm helfen die Rute zu halten. Es war ein wildes Durcheinander da hinten im Boot – aber es blieb friedlich und Jerrod blieb unendlich geduldig mit seinem Sohn. Demario schwankte zwischen freudig aufjauchzen und schmerzhaft aufjaulen wenn ihm mal wieder die Rollenkurbel auf die Finger pruegelte. Irgendwann ging der Fisch verloren, leider. Ich haette es Demario so gegoennt. Aber er hatte mal gefuehlt wie sich ein richtiger Fisch anfuehlt und er war nun heiss auf den naechsten Drill! Nach diesem Biss war der Spuk aber auf einmal vorbei. Kein Biss mehr. Auch bei Graham tat sich nichts mehr. War der Lachsschwarm einfach weitergezogen und weg oder hielten die Lachse nun ploetzlich ihr Maul geschlossen? Keine Ahnung. Lachse sind eben unergruendliche Geschoepfe.


    Als wir nun so die letzten Minuten des Tageslichtes vor den Klippen der Hafeneinfahrt entlangtuckerten, machte uns Demario auf etwas aufmerksam. Ein weiteres Boot schaukelte dicht vor dem Ufer an den Klippen und es schienen ein Mann und eine Frau darauf zu pilken. Der Mann stand mit einer total gebogenen Rute auf der einen Seite. Demario meinte er haette gerade einen kraeftigen Anschlag gesetzt und seit dem war die Rute krumm – und ich meine richtig krumm! Jerrod meinte vielleicht ein Haenger? Offensichtlich pilkten die beiden dort auf Lingcod oder Felsenbarsch. Aber so viel Widerstand? Jerrod fuhr etwas dichter ran. Wir sahen die Rute kraeftig wippen. Das war Fisch und kein Haenger! Ein grosser Chinook? Wir schleppten 10 oder 15 Minuten weiter in der Gegend und behielten das Boot im Auge. Es schien jetzt als ob die beiden einen Landungsversuch auf der anderen Bootsseite unternahmen aber wir sahen die Frau den Kescher wieder wegstecken und den Mann wild herumfuchteln.” Da muss wohl was schief gegangen sein”, dachten wir laut. Was das wohl war? Aber der Fisch war wohl noch dran denn der Mann ging wieder in Drillstellung. Etwas spaeter sahen wir wieder Aktivitaeten auf der anderen Bootsseite und diesmal hoerte man laute Freudenschreie.


    Wir packten gerade unser Geraet ein und so fuhr Jerrod am anderen Boot dicht vorbei. Ich rief fragend herueber und der Mann hievte strahlend einen grossen Butt hoch. Fantastisch! Und nur an einem kleinen Pilker im flachen Klippenwasser. Wer haette das gedacht? Spaeter bekam Jerrod ein Foto zugesendet – er kennt den Lodgemanager wo das erfolgreiche Angelpaerchen uebernachtete. Ungefaehr 60 Pfund. Petri Heil!


    11.6. 2022; Bamfield – Tag 2


    Auch wenn der erste Abend nicht gar zu lang wurde denn wir waren alle ziemlich erschoepft, kamen einige von uns nichts so zeitig wie geplant aus der Koje. Jerrod, der von seiner Arbeit fruehes Aufstehen gewohnt war, gab irgendwann um 6:00 Uhr auf und fuhr mit Demario alleine raus. Die Japopy war nicht vor 7:30 Uhr einsatzfaehig. So waren wir heute morgen zu viert auf der Jalopy waehrend das andere Boot nur 2 Angler hatte. Max schien aber nicht allzu grosse Ambitionen zum Morgenangeln zu haben und verschwand sofort in der Bootskoje. So bedienten Ricardo und ich die beiden Schleppruten auf der Jalopy.


    Jerrod fischte wie schon am Tag zuvor nur um die Ecke herum. Carl hatte einen Tipp zu den aeusseren Schaeren erhalten. Und dort dampften wir nun hin. Je weiter wir dem offenen Meer entgegen kamen, desto rauer wurde es. Die Passage die Carl im Auge hatte stellte sich als unbefischbar bei diesem Wind raus – dort herrschten Bedingungen wie in einer Waschmaschine. So drehte Carl ab und fuhr uns in den Windschatten der ersten Inselgruppe. Es war zwar auch hier nicht ruhig aber fischbar; besonders als wir mit den Wellen schleppten. Ricardo hatte einen Squidkoeder und ich einen kleinen Blinker. Es war hier nur so 20-30m tief. Da ruckte das erste Mal Ricardo’s Rute los. Er brachte einen Shaker zum Boot und hakte ihn ab. Wir schauten uns nach Max um – normalerweise wechselt man sich beim Schleppangeln ab – aber dem ging es nicht so toll und er winkte ab. So setzte Ricardo seine Rute wieder ein. Keine 5 Minuten spaeter riss es einmal hart an seiner Rute und sie schnappte sofort zurueck – der Downriggerclip hatte direkt ausgeloest. Das musste was Besseres sein!


    Er hatte sofort ein ordentliches Gegengewicht und verlor gleich ein paar Meter Schnur. Dann kam der Fisch auf das Boot zu geschossen und Ricardo legte sich in die Kurbel. Gut abgefangen. Dann zog er wieder erbarmungslos ab – ich holte jetzt meine Rute ein um keinen Schnursalat bei der Landung zu riskieren. Aber soweit waren wir noch nicht. Man sah die Rutenspitze wild rucken – das war ein Zeichen fuer heftiges Kopfschuetteln unter Wasser und fuehrt oft zum Fischverlust – ich dachte es gerade und mit einem Fluch begleitet kurbelte Ricardo ploetzlich wie ein Verrueckter - aber der Widerstand war weg. Mist! Wie schon meiner gestern!


    Max hing mit dem Gesicht ueber der Reling und war zum Auswurf bereit. Der Arme! Carl schleppte uns weiter hinter die Inseln in ruhigere Gefilde. Eine Runde zur Bisstelle zurueck traute er sich nicht im Anbetracht Max’s Zustandes. Ricardo und ich fingen noch eine Handvoll kleiner Chinooks die wieder schwimmen durften. Dann loeste meine Rute ploetzlich aus und ich war sofort dabei. “Jawoll! Das ist was Groesseres!”, meinte ich. Carl drehte den Motor etwas zurueck als er wahrnahm wie der Fisch abzog. Da steckte Anschub dahinter, alle Achtung. Als der Moment kam, wo der Fisch stoppte, gab ich Gas um die Spannung zu halten, aber es gab einen Ruck und ich fuehlte nichts mehr. Die Wut kroch in mir hoch. Schon der 3. Grosslachs, den wir verloren – 2 bei mir alleine! Was sind den das fuer Sch…fische!


    Carl lachte vor sich hin, Ricardo verstand mich und schuettelte auch nur den Kopf. Ich ueberliess meinen Platz Carl und steuerte das Boot eine Weile um abzukuehlen – eigentlich um mich im Boot etwas aufzuwaermen. Ich drehte diesmal eine grosse Schleife um die Bisstelle aber es passierte nichts mehr. Max hatte sich zwar nicht uebergeben, bettelte aber am Hause abgesetzt zu werden. So packten wir erstmal ein und fuhren zurueck nach Bamfield. Jerrod hatte 2 kleinere Chinooks so zwischen 6 und 8 Pfund behalten und wir sahen ihm gerade noch zu wie er den 2. einsackte. Er kam dann auch mit zum Haus – kurze Mittagspause.



    Kurze Zeit spaeter liefen Jerrod, Ricardo und ich wieder aus zum weiteren Lachsangeln. Carl hatte den Juengeren ein bisschen Pilken versprochen – immer die interessantere Angelmethode fuer Jungangler. Wir schleppten die Kueste um die Ecke den ganzen Nachmittag hoch und runter und hatten nur ein paar Shaker fuer die ganze Muehe. Auch die Guides, den wir begegneten, hatten nichts oder fast nichts an Bord. Graham, der andere Victorianer hatte wohl mehr Glueck heute beim Lingcod pilken. Vielleicht waere das die bessere Variante gewesen!? Jedenfalls schien auf der Jalopy mehr los zu sein. Die fingen jede Menge Grundfisch und Max sogar einen 8 pfuendigen Chinook auf Pilker. Als wir zurueck waren, stand er stolz am Schlachtisch und filetierte den Lachs sehr fein unter der Anleitung seines Vaters. Schau mal einer an, dass interessiert ihn mehr als das Angeln selber!


    Nach dem Abendbrot putzte Jerrod sein Boot und Demario half ihm dabei. Ich schaute mal mit einem Bier vorbei und Jerrod zeigte ploetzlich zur Kanadaflagge vor dem Nachbarhaus – fast windstill. Er meinte es waere eine Schande so einen Abend an Land zu verbringen – es blieb ja noch bis 21:30 Uhr hell. Ich sagte ich waere bereit und schwupps sprang ich an Bord und wir legten ab ohne den Anderen Bescheid zu sagen. Ups…


    Wieder nur um die Ecke herum; dort schleppten vielleicht noch 4 andere Boote inclusive Graham. Er hatte auch noch keinen ordentlichen Lachs heute gefangen. Demario war nun schon ein Experte am Geraet und so musste Jerrod nur steuern. Er fuhr die 40m Kontour entlang und wir fischten beide weisse Squids am Grund. Dann versuchte Demario mal um die 35 m und bekam sofort einen Biss. Kein Winzling aber auch kein Riese. Unter 10 Pfund aber Demario war richtig stolz darauf. Kaum hatte er seinen Koeder wieder bei 35m Tiefe platziert, wieder ein Biss. Der schien vielleicht noch eine Ecke groesser aber Demario verlor ihn. Waehrend er sein Geraet neu einsetzte, holte ich meinen Koeder auf 33m hoch. Ich setzte mich gerade hin als Demario und Jerrod gleichzeitig aufriefen und herumfuchtelten. Ich drehte mich um und sah meine Rute ausloesen und dann auf Tauchstation zu gehen. Oha, ein Guter!


    Als ich die Rute in der Hand hielt, hieb ich nochmal kraeftig an und das wurde gleich mit einem rasenden Zug quittiert. Die Rolle sang nur so. “Bitte, bitte… bleib’ dran dieses Mal!” dachte ich nur. Ich war richtig nervoes, als gelte es ein Preisderby zu gewinnen. Der Lachs nahm eine Menge Schnur – aber das war gut so, so tobte er sich in der Ferne und Tiefe aus; es waren keine stoerende Boote in der Naehe, wir waren nicht direkt am Ufer und hatten alle Zeit der Welt. Wenn nur der Haken festhing! Nach 2 langen Fluchten gewann ich nun langsam Schnur zurueck. 20m hinter dem Boot begann der Fisch zu bocken und den Kopf zu schuetteln. “Nein, nicht das!” Graham sah unseren Kampf und kam vorbei um uns anzufeuern und ein paar Fotos zu schiessen. Ich setzte jetzt alles auf eine Karte und zog den Fisch hart ans Boot. Jerrod war mit dem Kescher bereit aber nochmal buechste der Fisch aus und schwamm halb unter das Boot und auf der anderen Seite wieder heraus. Ich fuehrte die Schnur hinten um die Motoren herum und zog den Fisch auf anderen Bootsseite wieder zur Oberflaeche. Jerrod langte zu und sackte ihn ein. Ein dreistimmiger Siegesruf erhallte und Graham und seine Crew jaulten zurueck. Feiner Fisch. Knapp 20 Pfund schaetzten wir. Endlich! Es ging also doch! Der Haken sass ganz knapp im Maulrand. Die Kerle frassen einfach nicht richtig!