Beiträge von cohosalmon

    4.5. 2024; Victoria


    Die Windvorhersage sah am Abend vorher nicht gut aus; 10-15 Knoten, also bis zu 30 km/h und das entgegen dem Gezeitenstrom. Aber die Gezeitenkonstellation war gut fuer Butt im Mudhole und so gab ich nicht auf zu hoffen. Ich stellte mir den Wecker etwas frueher und schaute dann noch mal auf die erneuerte Vorhersage und siehe da, es sah jetzt besser aus. Also raus aus den Federn und die Flotte startklar machen. Leider konnte keiner meiner Jungs heute und fuer einen meiner Angelfreunde war das einfach zu wenig Vorlauf. So musste ich eben solo los.


    An der Bootsrampe in Victoria war nicht viel los, was immer gut ist wenn man ein Boot alleine slippt; da ist kein Stress und Druck. Es mussten aber schon einige Boote draussen sein denn der Anhaengerparkplatz was schon fast voll. Dann dueste ich los. Es war aber doch windiger als der letzte Bericht vorgab und es herrschte ein kleiner aber haesslich kurzfrequentiger Wellengang gegen den ich 20 Minuten lang anfahren musste. Kein wirklicher Spass. Aber ich kaempfte mich bis zum Mudhole vor und fand einen Ankerplatz zwischen 2 anderen schon festsitzenden Booten. Eines davon war Roy Carver von Blue Wolf Charters, einer der besten Heilbuttguides in der Gegend. Wenn der hier war dann musste doch was gehen! Ich liess den Anker raus und 10 Minuten spaeter hing ich fest und konnte die Ruten klarmachen. Die Stroemung sollte heute von 10:00 bis 13:00 Uhr befischbar sein. Die Wellen waren hier draussen noch hoeher und hin und wieder sah ich Schaumkronen. Ich hoffe das wuerde nicht schlimmer werden. Der Wind schob das Boot in die eine Richtung aber die Stroemung zog noch leicht entgegen so das die Angelschnuere unter das Boot gedrueckt wurden.


    So stellte ich eine Rute hinten am Heck auf und eine von der Seite heraus. Aber bei solchen Bedingungen traute ich mich nicht noch den Duftsack am Downriggerkabel herunterzulassen. Das schien nur so nach Tueddel und vielleicht sogar Fischverlust zu schreien. Also musste ich mich heute nur auf die Duftfahne der Koeder verlassen. Als Koeder wollte ich heute ein Stueck des Oktopuses, den mein Freund Claude kuerzlich gefangen und mit mir geteilt hatte, versuchen. Oktopusfleisch und Haut ist sehr zaehe und haelt lange am Haken. Ausserdem fressen Heilbutte gerne Oktopus. Nur viel Duft hinterliess so ein Fetzenkoeder nicht. So musste ich ordentlich mit Duftstoffen aushelfen. Die andere Rute wurde mit Hering bekoedert. Das ging immer. Und dann begann die schaukelige Warterei.


    Ich verschickte gerade noch ein paar SMS als ich ein komisches Rucken an der Oktopusrute sah. War schwer auszumachen weil das Geschaukele auch an der Rute zog. Aber irgendwie hatte das komisch ausgesehen. Da wird doch nicht schon etwa ein Butt am Werke sein? War ja kaum 15 Minuten vor Ort. Es war jetzt aber auch nichts mehr zu sehen. Aber ich behielt ein Auge darauf denn wenn ein Butt auch mal danebenbeisst aber keinen grossen Hakenkontakt spuert, dann kommt er meistens nochmal wieder. Und den Oktopus konnte kein Fisch mit einem Ruck von Haken ziehen. Und ich schnallte mir mal schon den Gimbal um. 5 Minuten spaeter sah ich wieder ein Wippen derselben Rute, entgegen dem Schaukelrythmus. Da war was dran! Ich liess alles fallen und griff in die Rolle und kurbelte hart an. Jawoll, die Rutenspitze ging nach unten und blieb dort auch. Der hing!


    Ich holte die Rute aus dem Halter und find an zu pumpen. Ich spuerte gelegentlich die harten Kopfstoesse – typisch Butt. Das waere ja was, so schnell dieses Mal! Aber noch hatte ich ihn nicht. Es war schon Gewicht auf der Rute aber da ich den Butt sanft anhob, machte er auch nicht viel Radau. Nur hin und wieder wippte die Rute mal schwer los, aber Schnur musste ich nie geben. Unablaesslich pumpte ich den Fisch hoch. Dann kam der spannende Moment wo der Fisch das erste Mal auftauchte. Durch den Wellengang war das erst kurz unter der Oberflaeche. Ja, der war nicht schlecht! Wegen meiner positive Gafferfahrung vom letzten Trip entschloss ich gar nicht erst nach der Harpune zu greifen sondern gleich das Gaff zu benutzen. Dazu klemmte ich mir die Rute unter den Arm, griff nach dem Vorfach mit links und schlug dem Butt das Eisen in den Kopf und hievte den Kerl direkt ueber die Bordwand. Leider hielt dieser Butt nicht so schoen still wie der vorherige und so rutschte er von Gaffhaken als er anfing zu toben und fiel auf den Bootsboden. Dort schlug er paar Mal wild um sich bis ich ihm mit dem Gaffruecken ein paar Mal auf dem Schaedel gedroschen bekam. Dann war Ruhe. Aber das Boot sah schon aus wie ein ungesaeubertes Schlachthaus; ueberall Blut- und Schleimspritzer.


    Aber das war ein kleines und gern geduldetes Uebel gegenueber der Freude ueber den Fang eines weiteren Buttes! Genau einen Meter lang war er, wahrscheinlich um die 20 Pfund schwer. Feine Sache. Und damit war ich fertig heute! Ich hatte keine 30 Minuten geangelt. So packte ich schon wieder ein, holte Anker und fuhr dann aus dem Geschaukel heraus in den Schutz der Pedder Bay. Dort war schoen glattes Wasser und hoffentlich ein oder zwei Lachse. Ich schleppte dort vielleicht 2 Stunden herum aber ausser ein paar kleineren Felsenbarschen und Sablefish konnte ich nichts ueberlisten. Inzwischen hatte die Stroemung gedreht und auch der Wind liess nach und so konnte ich nun auch aus dem Schutze der Bucht hervorkommen ohne arg herumgeschuettelt zu werden. Ich fuhr schon zurueck zur Rampe, wollte aber vor Victoria eine letzte Lachsschleife drehen. Leider waren hier heute zwei Berufskrabbenfischer am Werke und hatten ihre Fallenstrecken ausgelegt. Ueberall, kreuz und quer sah ich die Bojen und man musste eine Unterwasserleine die Bojen verbinden vermuten. Das machte die halbe Victoria Waterfront unbefischbar und wo man sorglos fischen konnte, waren offensichtlich keine Lachse. So packte ich nach einer kleinen Weile auch dieses Geraet wieder zusammen und fuhr frueher als erwartet zurueck.


    Am Dock filetierte ich erstmal meinen Butt. Einige Touristen sahen mich um umringten mich um mir dabei zuzugucken und mich mit Fragen zu durchloechern. Derweil warteten zwei Robben auf die reichlichen Skelettreste. Als ich die dann endlich ins Wasser warf, stuerzten sich die Robben zum Vergnuegen der Touris darauf. Aber nicht nur die 2 Robben sondern ploetzlich tauchte auch noch ein Flussotter auf. Bedeutend kleiner als die Robben hatte ich nicht viel Hoffnung fuer den kleinen Kerl aber staunend beobachteten wir alle wie der Otter den dummen Robben die Buttreste immer wieder streitig machte und letztendlich damit davonschwamm. Unglaublich! Leider hatte ich die Kamera im Boot und wegen der Moewen konnte ich die halbfertigen Filets nicht alleine lassen. Waere ein tolles Szenenvideo geworden! Und so ging ein weiterer erfolgreicher Butttag zu Ende. Auf einmal laeuft es!


    19.4. 2024; Victoria Cont.


    Eine Dreiviertelstunde passierte wieder absolut nichts. Ich hatte gerade mein Auge auf die rythmisch im Wellengang schwingende Rutenspitze der Heringsrute, als ich die ploetzlich stehenbleiben sah. Aha, da passiert was. Dann folgte ein harter Ruck worauf die Rute stetig und schwer nach unten gezogen wurde und Schnur schon widerwillig von der Rolle zog. Das war kein Kleinfisch. Ich war im Nu dabei und zog die Rute raus und steckte sie in den Gimbal den mir Alex diesmal umband. Die ersten 20 Sekunden konnte ich gar nichts weiter machen als den Fisch ziehen zu lassen. Hier im Mudhole gab es keine Hindernisse am Grund und man konnte grosse Grundfische problemlos ziehen lassen. Ich stellte die Bremse ein und als der Fisch stehen blieb, begann ich mit dem gemaechlichen Pumpen. Ich habe ueber die Jahre gelernt, dass man einen Butt regelrecht einlullen kann im Drill, wenn man ihn nur stetig und ruhig hochholt. Wer einen mehr spektakulaeren Buttdrill riskieren moechte, sollte hart und ruckig drillen und hin und wieder ein paar Sekunden Pause einlegen. Das macht den Butt munter und aergerlich. Ich wollte diesen Kerl hier lieber landen als spektakulaer drillen. Ein paar Mal fuehlte ich seine wuchtigen Kopfstoesse und nach etwa 20m hatte der Bursche genug und raste wieder bis zum Grund. Das war definitiv kein 2018 Jahrgang!


    Das naechste Mal hatte ich ihn schon 70m hoch als er nochmals zu einer Fluch ansetzte nachdem ich kurz unterbrechen musste um den Gimbal etwas fester zu zurren. Wir hofften er hing fest und machte sich nicht noch los. Wir hatten vorsichtshalber auch den Duftsack am Downrigger hochgeholt damit sich der Butt nicht um das Kabel verwickeln konnte. Alles war klar zu Landung. Ich hiess Alex die Harpune fertigzumachen. Aber er konnte die Spitze nicht finden. Da tauchte der Butt schon auf, ein schoenes Exemplar – um die 40 Pfund schaetzte ich mal obwohl ich kaum noch Masstabserfahrung vorweisen konnte. Ich sah, dass nur der untere Einzelhaken seitlich im Maul hing – also keinen Fehler machen. Das Schlimmste was man bei einer Buttlandung machen kann ist den Kopf ueber Wasser zu zerren. Das animiert einen Butt zu einer regelrechten Tollwut neben dem Boot und oft geht er dann wieder Richtung Grund. Nicht was ich im Anbetracht des Hakens riskieren wollte. Er lag jetzt still neben dem Boot aber die Harpune war nicht fertig, Alex suchte frenetisch im ganzen Boot. Ich langte kurzentschlossen zum Gaff. Normalerweise harpunierte ich alles ueber 30 Pfund – war sicherer und man machte den Fisch ausserhalb des Bootes fertig und musste nicht das Herumtollen einen wuetenden Buttes im Boot durchstehen.


    Aber hier musste ich es riskieren und den Butt am Gaffhaken ueber die Bordwand ins Boot zerren. Der musste unbedingt mit! Ich schlug ihm das Eisen in den Schaedel, was ihn gleichzeitig etwas betaeubte, und zerrte ihn mit aller Kraft ins Boot. Und hielt ihn hoch und von mir weg….. ha, er hielt erstmal still, gut so! Ich loeste erstmal schnell den Haken was erschreckenderweise super einfach ging! Ich war so erleichtert, dass ich keine weitere Flucht riskiert hatte. Alex nahm schnell Rute und Gewicht und Haken weg so dass nichts Gefaehrliches herumfliegen konnte falls der Butt wuetend wurde. Aber er hielt schoen still am Gaff. Alex holte dann schnell den kleinen Butt rein und fummelte die Schnur ab und gab mir das stahldrahtverstaerkte Ende was ich nun versuchte dem grossen Butt von den Kiemen her durch das Maul zu fuehren. Aber er presste hart die Kiemendeckel zu. So versuchte ich es vom Maul her und nach ein paar Versuchen hatte ich die Schnur durch, ohne das der Butt auch nur gezuckt haette. So ein braves Tier. Als ich ihn nun sicher an der Leine hatte, wuchtete ich ihn wieder ueber Bord und stemmte mich ein. Gluecklicherweise, denn sobald der auf dem Wasser aufprallte, tobte er los. Wie wild wuchtete er sich hin und her und das Wasser schaeumte nur so und ich war glitschnass im Gesicht. Eine Dusche die ich gerne ueber mich ergehen liess fuer diese praechtige Beute. Als er endlich Ruhe gab, gab ich ihm den Rest und durchschnitt die Kiemen und liess ihn am Boot haengend ausbluten. Den kleineren haengten wir gleich wieder dazu.


    Fantastisch! Wir strahlten uns an und fuehlten uns zu Recht als Sieger. Wir hatten nun unser Lachs- und Heilbutttageslimit und waren damit fertig. Wer weiss, haetten wir weitergeangelt, vielleicht haette noch ein Butt gebissen. Aber so packten wir gemuetlich zusammen, schleppten den Anker hoch und fuhren dann hochzufrieden zurueck. Es hatte heute so ziemlich alles geklappt und alle Fischgoetter waren gnaedig zu uns gewesen. Haette nicht besser sein koennen! Seltsam war, das wir keinerlei Beifang hatten; weder untermassige Lachse noch Haie bei Buttangeln. Nichts, 4 Bisse, 4 Zielfische. Das war sehr ungewoehnlich. Und die Familie musste nun nicht mehr hungern!


    19.4. 2024; Victoria


    Nachdem nun meine Meeresangelsaison offiziell begonnen hat, habe ich natuerlich auch die Gezeitenstromtabellen besorgt und darin die besten Heilbuttgezeiten markiert. Diese zeigten an, dass ich mal lieber Freitag den 19.4. freimachen sollte um den Flachmaennern auf die Schuppen zu ruecken. Die Gefriertruhe war auch noch gaehnend leer und so ueberzeugte ich meinen Boss von der ausdruecklichen Notwendigkeit (er angelt auch!).


    Alexander war zwischen seinen Collegepruefungen und konnte auch mit. Es sollte zwar nicht windstill werden, aber machbar. Diesmal wollte ich keine neue Stellen erkunden und herumprobieren, sondern ich wollte zu meiner langjaehrig bewaehrten Stelle im Mudhole fahren. Als Koeder besorgte ich noch gefrorene Heringe, und hatte ausserdem noch Makrelen und Lachsfetzen. Um 11:00 Uhr fing die gute Gezeit an und so hatten wir noch Zeit ein wenig zuvor auf Lachs zu schleppen. Wir hatten die gesamte Victoria Waterfront fuer uns alleine heute. Ich fuhr uns kurz zur 40m Tiefenlinie und dort legten wir unsere beiden Koeder, zwei schlanke Blinker, aus. Da einer meiner elekrischen Downrigger zur Reparatur war und ich nur einen manuellen als Ersatz hatte, kam der eine Blinker nur auf 30m Tiefe um Grundkontakt auf jeden Fall zu vermeiden. Viel Hoffnung auf Fisch im Mittelwasser hatte ich nicht weil die immer noch dominierenden Winterchinooks fast immer bodennah jagten. Aber vielleicht kam ja schon ein grosser heimkehrender Laichlachs durch. Nur den wuerden wir wahrscheinlich wieder freilassen muessen, denn diese galt es zu schonen und daher darf man momentan nur einen markierten Chinook pro Tag behalten. Die markierten Winterchinooks bestehen im Fruehjahr vor Victoria zu 90% aus markierten Brutstationlachsen und diese bedurften keiner Schonung. Spass waere es aber doch mal wieder einen grossen, feisten Chinook zu drillen auch wenn er wieder zurueck musste.


    Nach einer Viertelstunde zuckelte die Rute mit dem bodennahen Koeder los. Alex schnappte sich die Rute und drillte den Fisch an das Boot. Der wuerde zu klein sein, meinte er schon von Anfang an und so blieb ich auch gleich sitzen und machte keinen Kescher fertig. Als er sich dann ueber die Bordwand beugte und das Vorfach in der Hand hielt, hoerte ich wildes Platschen neben dem Boot. Alex hielt inne und nach paar Sekunden fragte ich ob alles in Ordnung waere. Er druckste etwas herum und meinte der muesste vielleicht doch mit weil er blutete. Ich kam heran und schaute ins Wasser. Der war gar nicht so schlecht, auf jeden Fall 50 cm und der Haken hing tief hinten in den Kiemen drin. “Nimm’ mit!”, rief ich ihm zu und er hob den Fisch gleich am Vorfach ins Boot und in die Fischkiste. Na klasse, das war doch kein schlechter Anfang! Wir klatschten uns ab. Ich schleppte uns weiter nach Westen, schonmal in die Richtung unserer spaeteren Heilbuttstelle. Dann sahen wir eine kreischende Moewenherde etwas weiter im tieferen Wasser. Dort musste ein Heringsschwarm von unten an die Meeresoberflaeche gedrueckt worden sein, und normalerweise waren das hungrige Lachse schuld.


    Ich fuhr uns etwas zuegiger zu der Stelle. Als wir ankamen, war zwar das groesste Spektakel schon vorueber aber die Moewen sassen noch auf dem Wasser herum und warteten auf eine erneute Gelegenheit an die Heringe heranzukommen. Die waren sicher etwas tiefer abgetaucht. Wir zogen einen grossen Bogen um diese Stelle. Ich bemerkte eine Menge Treibgut im Wasser; Grass, Kelpstuecke usw. Das war eine ausgepraegte Gezeitenlinie und die zog oft Kleinfisch und dann auch Raeuber an. Nur musste ich aufpassen, dass wir nicht zuviel Zeug an den Downriggerkabeln und Angelschnueren einsammelten sonst muessten wir einholen und saeubern. Ich stand auf und steuerte das Boot von der hinteren Steuerstation durch das Schwimmgut und passte auf, dass kaum was an die Schnuere und Kabel kam. Da sah ich wie ploetzlich die Mittelwasserrute hart heruntergezogen wurde, der Clip sofort ausloeste und dann die Rute wild nach hinten gezerrt wurde. Die Rolle liess schon aechszend Schnur los. Wow, das war mal ein Biss! Ich schnappte mir die Rute augenblicklich und stellte die Rollenbremse etwas lockerer. Jetzt zog der Fisch eine gute Menge Schnur ab. Na also! Man vergisst nach einer Weile wie stark bessere Lachse kaempfen koennen. Der machte richtig Alarm an der Rute und es war ein Riesenspass so zu drillen. Alex war auch begeistert und holte schnell die andere Rute und Rigger ein und machte den Kescher klar. Mal sehen wie gross er war und ob er markiert war. Es ging paar Mal noch hin und her und ich drillte eher vorsichtig. Dann tauchte er hinter dem Boot auf. Ein guter Chinook, wenn auch kein Riese. Bei der Landung mussten wir noch auf das Kabel des manuellen Downriggers aufpassen, dass noch draussen war weil Alex keine Zeit mehr gefunden hatte, es per Hand hochzukurbeln. Eben der Nachteil der manuellen Version. Bevor der Lachs noch gross neben dem Boot herumtoben konnte, zog ich hart an und schlidderte den Fisch Richtung Boot und Alex sackte ihn fachgerecht ein. Jawoll! Dann schauten wir gespannt in den Kescher, noch draussen im Wasser.


    Haken war schon rausgefallen, Glueck gehabt. Fettflosse oder nicht? Ich sah nichts. Ich hob das Netz etwas aus dem Wasser um noch einen besseren Blickwinkel zu bekommen; jupp, der war eindeutig markiert! Feine Sache! Und so durfte der etwa 8 Pfuender auch noch mit in die Kiste. Das hat ja fein funktioniert heute! Wir klatschten uns wieder ab und freuten uns ueber den Erfolg. Beim Versorgen des Lachses bemerkten wir die ungewoehnliche Form; der Fisch war nur reichlich 60cm aber fett und rund wie ein Football. Und ein ganz spitzes Maul. Sieht man auch nicht haeuffig. Mal sehen ob ich einen Brief vom Fischereiministerium mit Info zurueckbekomme, von dem eingelieferten Kopf. Koepfe von markierten Lachsen soll man einreichen (die meisten Marinas und Angellaeden haben Tiefkuehltruhen mit Notizzetteln) damit die Fischexperten Herkunft, Alter etc bestimmen koennen. Wenn das der Fall ist, dann bekommt man eine Nachricht gemailt. Immer wieder interessant.


    Nun hatten wir unser Lachs-Tageslimit und wollten nur noch zum Spass eine halbe Stunde probieren ob wir noch einen feisten Gezeitenlinienraeuber ueberlisten konnten. Es war noch etwas frueh fuer Butt im Mudhole. So kreisten wir noch eine Weile herum aber hatten keinen weiteren Fischkontakt mehr. Komisch dass heute keine untermassigen Shaker unterwegs waren. Um 11:00 Uhr packten wir das Lachszeug zusammen und fuhren 10 Minuten weiter westlich zum Mudhole. Es war schon etwas schuckelig, aber machbar. Zwei andere Boote lagen schon an meiner Lieblingsstelle wo die meisten meiner Fangmarkierungen auf dem Plotter lagen, aber das Mudhole war ein weitlaeufiges Plateau und es war nicht unedingt wichtig an einem bestimmten Platz zu sein. Und so ankerten wir in sicherer und hoeflicher Entfernung der beiden Boote. Schnell machten wir zwei Buttruten klar, eine mit Heringskoeder und eine erstmal mit Lachsfetzen. Natuerlich alle schoen mit dem Lockstoff Buttjuice eingeschmiert, was sonst?


    Dann gingen die Koeder in die 100m Tiefe. Es bedurfte noch des vollen Kilobleis um die Koeder am Boden zu halten; die Stroemung fing erst jetzt langsam an nachzulassen. Wir machten es uns gemuetlich denn keiner von uns erwartete sofortige Action. Wenn jetzt nur nicht die Dornhaie kamen und uns staendig auf Trab hielten – bei ueber 100m Tiefe mit Kilobleigewicht ist das kein Spass. Nunja, das war meine Meinung; Alex haette sicher den einen oder anderen Haibiss begruesst. Anderthalb Stunden vergingen ohne das geringste Anzeichen von Leben am Meeresgrund. Die Stroemung war mittlerweile ziemlich mau und die Schnuere hingen fast senkrecht unter das Boot. Da sahen wir ploetzlich die Heringrute zweimal hart rucken. Elektrifiziert sprangen wir auf; Alex war schneller an der Rute als ich und hatte schon die Hand an der Rolle. Aber die Rute war nun wieder ruhig. Ich murmelte vor mich hin: “Bitte komm’ wieder zurueck, Buttchen, lecker Hering hier…”. Und tatsaechlich ploetzlich zog die Rute nach unten und Alex kurbelte hart hinein. Ich sah die Rute krumm bleiben und er bestaetige gleich: “Der haengt!”. Klasse!


    Waehrend Alex langsam aber stetiig einkurbelte, holte ich schnell den Gimbal heraus und schnallte ihn Alex um. So konnte er jetzt die Rute aus dem Halter holen und den Fisch in der Hand hochdrillen. So konnte man besser auf Fluchten oder ploetzliche Ereignisse reagieren. Der Fisch schien kein Riese zu sein und nahm keine Schnur. Nur hin und wieder wippte mal die Rute kraeftig was ein typisches Merkmal eines Heilbuttdrills ist. Bald hatte Alex ihn oben und wir sahen einen kleinerer Butt auftauchen. 12-15 Pfund vielleicht; eben die vorherrschende Altersklasse im Moment. Ein Biologe erklaerte mir vor kurzem das die vorhergehend dominierende Kohorte des 2012 Jahrgangs so langsam aus der Butt-Biomasse herauswaechst und nun die 2018 Jahresklasse uebernahm. Und die waeren in der U20 Pfund Klasse. Wusste auch nicht, dass nicht jeder Jahrgang gut ueberlebte. Aber wir waren trotz der Kleine des Butts erfreut und gluecklich. Ich gaffte den Fisch und seilte ihn an um ihn dann ausserhalb des Bootes ausbluten zu lassen. Inzwischen waren wieder zwei Ruten am Fischen. Wer weiss, vielleicht ging ja noch mehr!?


    30.3.2024; Victoria cont.


    Eine halbe Stunde spaeter sammelten wir dann auch die Boje wieder ein – gluecklicherweise war sie gross und orange genug um sie auch ueber fast einen Kilometer Entfernung noch zu sehen. Das Meer war auch schoen ruhig, das half. Dann hingen wir bald wieder vor Anker; diesmal ordentlich. Dann machten wir 2 Buttruten klar und das Warten begann. Die erste Stunde passierte gar nichts. Dann knabberten mal ein oder zwei Dornhaie an den Koedern – wenigstens ein Lebenszeichen vom Boden. Erstaunlicherweise war die Stroemung auch nach 14:00 Uhr noch total ruhig hier und wir konnten weiter angeln. Weiter draussen in der JDF Strait wuerde man schon keinen Koeder mehr am Boden halten koennen.


    Da blieb die rechte Rutenspitze ploetzlich stehen und unterliess das rythmische Ziehen in den seichten Wellen. Nanu? Dann ruckte es ploetzlich hart an der selben Rute. Ricardo sprang auf und zur Rute aber zoegerte mit einem Anschlag denn jetzt passierte nichts mehr. Mist, hat er wieder losgelassen? Das musste Butt gewesen sein, so beisst kein Hai. Wir warteten. Und tatsaechlich ploetzlich haemmerte es wieder zweimal hart in der Rute und Ricardo sah mich fragend an und ich nickte. Daraufhin kurbelte er hart an und die Rute zog sich krumm und blieb krumm. Jawoll, der hing! Ich kramte den Gimbal heraus und Ricardo konnte so die Rute aus dem Halter holen und den Fisch in der Hand drillen. Der machte wohl anstaendig Alarm und wir hofften auf ein gutes Kaliber. Ich riet Ricardo den Fisch vorsichtig zu drillen da der Haken, gemessen am Biss und verdachtartigen Anschlag, wohl nur knapp hing. Machte er klasse und bald tauchte ein Butt neben dem Boot auf. Naja, gross war er nicht aber mit ging der trotzdem. Er war wohl nur so 85 cm lang und vielleicht 10-12 Pfund. Aber besser als nichts und vielleicht ging ja noch mehr.


    Die Stroemung war auch um 15:00 Uhr noch befischbar und so blieben wir noch bis halb vier. Aber ausser dem einen oder anderen Dornhai wollte nichts brauchbares mehr beissen. So packten wir dann mit einem kleineren Lachs und kleineren Butt zusammen; nicht unzufrieden aber auch nicht gerade ueberwaeltigt vom grossen Fang. Da war noch Luft nach oben diese Saison aber der Anfang war gemacht und mein Filetiermesser durfte das erste Mal dieses Jahr angreifen.



    30.3. 2024; Victoria


    Wirklich, man kommt ja zu nichts im Moment. Erst ist es schwer Zeit zum Angeln zu finden und dann noch schwerer Zeit fuer einen Bericht herauszuschaelen. Aber jetzt….!


    Am Osterwochenende war es dann endlich mal wieder soweit, Ricardo und ich schipperten zu den oertlichen Fischgruenden – Wind war weg und der Osterhase liess uns einen freien Tag. Da unsere Fischvorraete zu Hause nahezu aufgebraucht waren, war so ziemlich alles mit Flossen und wenig Graeten willkommen. Zuerst wollten wir auf Lachs probieren und dann zum Stroemungsumschwung das kuerzere Fenster auf Heilbutt probieren. Waren keine guten Heilbuttgezeiten an dem Wochenende aber der Stroemungsatlas liess uns hoffen, dass dicht unter Land von 12:00 – 14:00 Uhr ein machbares Stroemungsfenster war, an dem man die Kilobleie noch am Boden halten konnte.


    Wir waren erstaunt, dass die Bootsrampe um 9:00 Uhr morgens an einem langen Wochenende mit feinem Angelwetter und noch dazu einem Fishing Derby in East Sooke nicht rappel voll war. Wir waren wohl viel spaeter dran wie eine Menge geparkter Anhaenger andeutete. So konnten wir das Boot in Ruhe slippen und dann gemuetlich lostuckern. Ein herrlich sonniger Vormittag und glattes Wasser lagen vor uns. Wir fuhren gar nicht weit und gesellten uns zu 3 oder 4 anderen Schleppanglern direkt vor der Victoria Hafeneinfahrt. Dort konnte man immer ein paar Winter- aber spaeter auch Sommerlachse erwarten, die meist in 30-50m Tiefe, dicht am Boden, den Sandaalen hinterherjagten. Hin und wieder waren auch Heringsschwaerme vor Ort.


    Wir setzten 2 Ruten mit schlanken Blinkern an den beiden Downriggern ein und liessen beide Koeder bis dicht zum Grund. Hier konnte man auch das Downriggerblei hin und wieder mal auf den Boden auftitschen lassen – der Boden war kiesig, sandig bis schlammig. Nur altes Fischerei- oder Schifffartzeug wie verlorene Krabbenfallen, alte Anker, Kabel etc. konnten schon mal einen Haenger und Abriss kosten – aber meistens ging es gut. Wir sahen ein Nachbarboot in Action; die brachten einen kleinen Lachs an das Boot. Zu klein, aber ein Lebenszeichen. Wir schleppten die 45m Tiefenlinie entlang und konnten einige Futterfischwolken am Echo markieren. Dort schleppten wir dann grosse Kreise. Und es dauerte nicht lange bis die Ruten loswackelten. Es waren meist halbwuechsige Chinooks so um die 40-45 cm lang. 45 cm ist das Mindestmass vor Victoria aber ich nahm normalerweise nichts unter 50 cm mit. So liessen wir vielleicht ein Dutzend kleiner Lachse wieder frei. Hin und wieder hatte man mal das Gefuehl es waere ein Groesserer dran aber der liess dann natuerlich wieder los und man wuerde es nie wissen.


    Einmal loeste der Downriggerclip wieder von selber aus und die Rute blieb krumm stehen. So ein Selbstausloeser war oft das Zeichen eines groesseren Fisches da es doch schon etwas Koerperkraft bedarf um das Vorfach aus dem Clip zu reissen. Ich hieb an und etwas blieb haengen. Ich fuehlte ein paar Kopfstoesse und Gewicht. Langsam brachte ich das Etwas hoch, hin und wieder spuerte ich unwilliges Ziehen aber es fuehlte sich nicht wie ein sportlicher Lachs an. Vielleicht ein Felsenbarsch? Seltener hier, wegen der wenigen Bodenstruktur. Ein kleiner Butt? Dann sahen wir einen silbernen Schatten auftauchen – nein, es war ein Lachs! Der hatte nur ueberhaupt keine Lust zum Spielen. Der war auch eine gute Keepergroesse. Hoffentlich flippte er nicht noch vor der Landung vollkommen aus und schuettelte dann doch noch den Schonhaken ab! Als ich ihn neben das Boot gezogen hatte, wachte er auf und wollte nun toben. Ricardo reichte erst jetzt nach dem Kescher – das ging mir zu langsam und ich griff beherzt in das Vorfach und wuppte den sich wild windenden Fisch einfach ins Boot. Am Bootsboden flog der Haken sofort heraus. Glueck gehabt, mein erster Keeper dieses Jahr! Vielleicht so 60cm und 5-6 Pfund.


    Danach kamen wieder ein paar kleinere Lachse. Alle Lachse die wir an diesem Tag hakten, waren markierte Chinooks. Das ist nicht ungewoehnlich im Winter und Fruehjahr vor Victoria wo sich Fresslachse, aus den suedlicheren US Brutstationen stammend, gerne aufhielten und vollfrassen. Ohne diese US Brut-und Aufzuchtstationen haetten wir hier nicht mehr viele Lachse zum Angeln und die Meeresbewohner einer Nahrungsstufe ueber dem Lachs haetten kaum noch was zu fressen. Um die wenigen Wildlachse, die frueh im Jahr durch das suedliche BC-Meer ziehen, zu schuetzen, darf man im Fruehjahr und Fruehsommer ueberhaupt nur noch markierte Lachse behalten.


    Neben den Kleinlachsen brachten wir auch einige kleinere Flundern nach oben. Da unser gemeinsamer Angelfreund Alec, der Meeresbiologie studiert, gerade eine Studienarbeit ueber Plattfischarten machen musste, schickten wir ihm allerlei Fotos zu um die genaue Artenbestimmung zu testen. Er war gut geschult, muss man zugeben. Es gibt hier wenigstens ein halbes Dutzend verschiedener und aehnlich aussehende Plattfische. Leider faengt man die Groesseren eher selten. Es angelt aber auch kaum jemand gezielt auf Plattfisch, ausser natuerlich Heilbutt.


    Die Bissfrequenz liess dann ploetzlich nach und wir schleppten weiter Richtung Westen, da wo wir spaeter auch noch vor Anker gehen wollten. Dort wurde es ein bisschen steiniger und ich vermutete dort auch noch mehr altes verlorenes Schiffszeug weil dort oefters Containerschiffe vor Anker lagen. Hier war ich vorsichtiger mit Grundkontakt. Daher war ich auch gleich an der Rute als es schien als ob der eine Koeder kurz festhing. Es blieb etwas kleineres am Haken haengen – der Downrigger kam ohne Probleme hoch. Vielleicht wieder ein Plattfisch oder kleiner Ling? Ich kurbelte langsam ein. Ploetzlich gab es einen harten Ruck und die Rute wurde hart nach hinten gezogen und ich musste sogar Schnur lassen. Wow, was war denn jetzt los! Leider dauerte die Ueberraschung nur ein paar Sekunden und dann war der grosse Widerstand weg. Schade! Das wird wohl ein grosser Lingcod gewesen sein, der sich kurz an einem kleineren Fisch am Haken verbissen hatte, aber dann doch noch rechtzeitig Lunte gerochen hatte! Die Vermutung verfestigte sich als ich kurze Zeit spaeter einen arg ramponierten Kleinlachs herausholte. Der hatte tiefe Bisswunden und war wohl nicht mehr zu retten. Schade! Gesehen haetten wir den Ling schon gerne, mitnehmen waere eh nicht moeglich gewesen – noch Schonzeit bis Mai.


    Die letzte Stunde bis Mittag passierte nichts mehr an den Ruten und wir schleppten nun ueber die Kante ins tiefe Wasser. Bald holten wir ein und fuhren den kurzen Weg zu der auserkorenen Heilbuttstelle. Ich hatte hier letztes Jahr einen schoenen 46 pfuendigen Butt gefangen, auch an einem Tag mit sonst unguenstigen Stroemungen. Vielleicht ging das wieder! Zuerst hatten wir allerdings mit einer kleinen Panne zu kaempfen: wir liessen den Anker aus und warteten schon bis wir endlich straff und festhingen. Da kam ploetzlich die grosse Ankerboje an dem Boot vorbeigeschwommen. Hae? Bis ich geschnallt hatte was los war und den Kescher gegriffen hatte, war die Boje schon zu weit hinter dem Boot abgetrieben. Die wollte ich wiederhaben – die kostet etwa $80. Aber wie ist die nur losgekommen? Wir sahen ein Stueck durchgewetzte 8 mm Polyschnur an der davonschwimmenden Boje. Aber hinterher ging nicht so schnell, wir hingen noch fest am Anker und konnten den auch nicht so schnell heben da ja die Boje eine kritische Komponente beim Anker-Hochschleppen ist. So mussten wir den Anker plus 10m Stahlkette aus 90m per Hand heben. Ging gar nicht, so sehr sich Ricardo auch bemuehte. Einzige Moeglichkeit war den Anker mit Motorkraft zu loesen und dann in schneller Fahrt etwas hochzudruecken und dann schnell, bevor er wieder zum Boden sank, in der Absinkphase so viel wie moeglich Schnur einzuholen. Dafuer brauchten wir 2 oder 3 Ansaetze und mussten uns beim Hochhieven paar Mal abwechseln. Wie so eine einzelne Boje so viel Arbeitserleichterung erzeugen konnte; ein Hoch auf den Erfinder dieses Anker-Bojen-Systems fuer Tiefseeankerei!


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    Tag 4


    Puenklich um kurz nach 6 bimmelte wieder eine Rolle los. Lance brachte wieder einen schoenen reichlich 40ger Zander ans Tageslicht. Ich hatte noch einen Fehlbiss an meiner Koederfischrute aber kurz danach fing ich dann doch noch einen kleineren Zander am Koederfisch. Dann war wieder Ruhe. Und nichts am Jig. Andy und Lance packten nach dem Fruehstueck zusammen, wir verabschiedeten uns und Ryan brachte sie ans Ufer. Sie mussten ja Montag wieder arbeiten und zur Schule. Ryan und ich blieben noch bis Montag morgen und Dienstag Abend ging mein Flug zurueck zur Westkueste.


    Wir genossen noch den Rest des Sonntages alleine. Wir assen wie die Koenige um nicht so viel wieder mitzurueckbringen zu muessen. Ich kenne jetzt wieder alle Clint Eastwood Movies. Abends gab es wieder einen spektakulaeren Sonnenuntergang. Die Anzahl der Eisangler hatte heute deutlich abgenommen; das Wochenende war zu Ende. Ausserdem war Superbowl Sonntag – aber viele Minnesotaner war trotzdem das Eisangeln wichtiger als Football. Es waren eigentlich sehr angenehme Temperaturen, so um die -3 Grad und kaum Wind. Wie immer abends, hatten wir noch eine Beiszeit und fingen noch 2 kleinere Zander. Einen behielten wir noch, dann war aber gut. Nachts ging nichts mehr aber frueh puenklich wie die Kirchglocke rappelten die Leinen. Aber irgendwie vermasselten wir an dem Morgen 3 oder 4 gute Bisse und konnten nichts mehr landen. Nach dem Fruehstueck packten wir unsere Sachen und fuhren zurueck. Ich filetierte unsere 5 Zander waehrend Ryan auscheckte. Wir liessen noch ein Trinkgeld fuer die Guides zurueck – die hatten sich toll um uns gekuemmert. Super zufrieden und ausgeangelt fuhren wir zurueck in die Zivilisation. Auf eine warme Dusche freuten wir uns wirklich. Aber wir beide stimmten ueberein, dass das ein voller Erfolg, ein tolles Erlebnis und hoffentlich nicht das letzte Mal Eisangeln gewesen ist. Ich meine, ausser im Paradies, wo kann man schon sagen man angelt und faengt (!) in einem Loch vor seinem Bett waehrend man im warmen Bett liegt und Fernsehen guckt?!


    Tag 3


    Die Nacht ueber biss wieder nichts aber halb 7 frueh klingelte eine der Wandrollen vor Lance’s Bett los. Er war ruck zuck dabei und wir sahen auch schon einen ordentlichen Zander aber er stieg wirklich beim Locheintritt wieder aus. Aergerlich! Wir brauchten immer noch mindestens einen Fisch fuer unser Samstag Fischdinner! Zu viert konnte wir jetzt mit 8 Schnueren angeln. Lance hatte auch noch geliehenes Angelgeraet mitgebracht und so hatten wir nun 4 Ruten und 4 Wandrollen in Betrieb. Bis jetzt hatten wir noch keinen Anfasser an dem fetten Tauwurm. Komisch.


    Tagsueber war wieder keine Action und waehrend Lance eine Nickerchen machte und Ryan und Andy in einen Film vertieft waren, nutzte ich den heutigen sonnigen und fast windstillen Tag um mal meine Beine zu vertreten. Ich zog mich warm an und war jetzt auch froh ueber meine Superdaemmjacke. Und so machte ich mich auf einen Erkundungsgang um unsere Huette herum. Alle 100-200m um uns herum standen in allen Himmelsrichtungen Eisangeleinrichtigen. Viele Huetten; wahrscheinlich von unserem Resort und noch anderen (es gab noch mind. 2 weitere Resorts alleine auf dieser Seeseite) aber dann auch viele Eisangelanhaenger und auch die Pop-up Zelte in allen Groessen. Ich musste beim Laufen hoellisch auf meine Schritte aufpassen; es war sauglatt und sich suchte mir Strecken mit etwas Schnee drauf oder raues, verkantetes Eis. Spikes haette man haben muessen. Aber ein paar Mal war es wirklich knapp und ich haette mich fast abgepackt.


    Ich besuchte einige der Zelte und unterhielt mich mit den Anglern durch die Zeltwand und Vinylfenster. Von kleinen Einzelzelten bis zu 6 oder sogar 8 Mann Zelten gab’s da alles. Einer Gruppe schaute ich mal beim Aufbau zu – die kamen mit 3 ATVs an, eine Gruppe von 2 Familien. Die ATVs zogen wie solche Thule-Dachgepaeckboxen als Schlitten hinterher. Dann oeffnete man die Box und zog an einer Stange und schwupps war ein 4 Mann Zelt aufgestellt. Drinnen eine Sitzbank. Vorher hatte ein anderer 3 oder 4 Loecher gebohrt – die Batteriebetriebenen Bohrer machten kurzen Prozess mit dem Eis – 70 cm Eis in 2 Minuten fertig. Erstaunlich. Ein Loch war immer fuer’s Echolot und kurze Zeit spaeter bullerte der kleine Propanheizer los und die Gruppe verschwand in den Zelten und angelte froehlich los. Klasse!


    Ich bewunderte auch ein paar der luxurioesen Anhaenger. Praktisch wie ein normaler Campinganhaenger, teilweise mit 3 oder 4 Slideouts, wahrscheinlich fett gedaemmt, der einzige grosse Unterschied war, dass man die Wohnkiste auf der Achse runterlassen konnte so dass der Haengerboden aufgestellt nur noch vielleicht 20 cm ueber dem Eis war. Irgendwie hydraulisch. Genial, wirklich. Einige der Zelte an denen ich vorbeilief hatten schon einen kleinen Stapel Fische vor der Tuer. Das erfolgreichste Zelt hatte bestimmt schon 7 Fische. Einer der Zander war sehr ordentlich, muss ich sagen. Der war schon ueber 50 cm. Es gab also auch groessere Fische heute und hier. Neuer Ansporn! Alle gaben gerne Auskunft und Tipps. Der Untergrund musste wirklich sehr langweilig sein. Ich lief vielleicht eine Kreisstrecke von 3 oder 4 km und alle die ich fragte hatten eine Tiefe von 3,5 bis 4 m gemeldet und sandigen Grund. Hmm. Man angelte hier also nicht auf Standortfische an einer Struktur sondern ueber offenen Grund umherziehende Fische. Crappies hatte leider keiner gefangen. Die haette ich auch gerne mal wieder gefangen. Super cooler Fisch. Und lecker. Interessant war fuer mich auch die Eisformation. Also wenn man so hoert von Eishockey auf zugefrorenen Seen; hier haette man kaum mal eine Flaeche von 20x20m mit glatten Eis gefunden. Ueberall ragten mal Schollen oder Eiskanten heraus. Oder solche erwaehnten Bruchstellen die sich endlos hinzogen. Und weiterhin wurde ich beim Laufen von einem staendigen Grollen verfolgt. Als ob in der Ferne Feuerwerk oder Artilleriefeuer stattfand: das Eis arbeitete und manchmal schossen neue Risse dicht unter meinen Fuessen entlang. Sehr entnervend.


    Mittags kam unser Resort Guide wieder. Wir fachsimpelten ein bisschen. Er erzaehlte uns wie die Fischbestaende sich wieder erholt hatten nachdem sich endlich die indigenen und nicht-indigenen Fischnutzer mal zusammen an den Tisch gesetzt hatten und ein Co-Management System ins Leben gerufen hatten. Mit Hilfe des Fischereiministeriums war es dann in den 2000ern gelungen wieder einen tollen Zanderbestand aufzubauen. Eben ueberall das Gleiche; Gier und Individualismus muss erst alles zerstoeren bis die verschiedenen Gruppen begreifen, dass man zusammenarbeiten muss um was zu erreichen. Er fragte uns noch ob er unsere Huette weiterschleppen sollte, falls wir nicht zufrieden mit den Faengen waeren. Ich dankte fuer das Angebot, sagte aber das das in meinen Augen keinen Sinn machen duerfte denn die Chancen auf so einem riesigen und langweiligen Plateau stuenden ueberall gleich – egal wo man auf dem Plateau sass, man musste eben warten bis die Fische hier durchzoegen. Wenn es Strukture gaebe, waere das eine andere Sache aber ich hatte ja gesehen und gehoert das hier niemand wirklich jemand an die Wand angelt wegen einer speziellen Stelle. Er nickte dankbar; es war wohl nicht selbstverstaendlich das alle Gaeste das so verstanden hatten.


    Bis zum Abend fingen wir nichts mehr in der Huette. Wir erlebten einen fantastischen Sonnenuntergang. Im Dunkeln konnte man die vielen Lichter der ganzen Eisanglerschar sehen. Ich haette vielleicht auf 200 geschaetzt aber der Guide hatte gemeint es waeren dieses Wochenende weit uber 1000 Huetten und Anhaenger auf dem See. Dann noch etliche Zelte tagsueber. Bei 3 pro Huette/Anhaenger plus Zelte koennten da locker 5000 Leute auf dem See angeln. Wahnsinn! Und wir sind hier 4h weg in der Mitte von Nirgends. Wie viele zehn-wenn nicht hunderttausende eisangeln dann in den vielen stadtnahen Seen in ganz Minnesota!?


    Puenklich zum Dunkelwerden kam dann auch die Beiszeit wieder in Schwung. Ryan fischte einen brauchbaren Zander durchs Loch, Andy und Lance fingen noch 2 wirklich kleine Zander die wieder schwimmen durften. Wir hatten erstmal genug fuer eine Mahlzeit. Ryan fuhr mit mir zum Schlachthaus (und er freute sich auf eine richtige Toilette!). War koestlich, in Bierteig frittierter Zander und Barsch. Am spaeten Abend bekamen wir dann noch einen brachialen Biss am Tauwurm aber leider blieb der nicht haengen. Am Jig schien gar nichts mehr zu gehen. Ich hatte mir fast einen Tennisarm gejiggt. Die Fische wollten anscheinend jetzt lieber richtiges Fischfleisch. Wir waren schon in den Kojen als es irgendwo losbimmelte. Ich machte Licht – aber wo war das Geraeusch hergekommen? Ich checkte die Posen und Ruten – nee, alles schlapp. Ryan hatte die rechte Wandspulen gecheckt und Andy die linken. Ploetzlich jubelte Andy auf: “I got one!”. Er strippte die Leine einer Wandrolle ein und hob einen guten Zander durch das Loch. Klasse! Der war schon an die 45 cm. Wir gratulierten dem Jungen und er war sehr stolz auf seinen Fang. Ich meinte sein Opa in den ewigen Fischgruenden wuerde gerade stolz schmunzelnd auf ihn herabsehen. Sollte etwa Andy wieder den groessten Zander des Trips fangen, wie schon 2018 am Leech Lake?


    Gegen Mitternacht rappelte wieder etwas los. Schlaftrunken torkelten wir alle aus den Kojen – jeder sah nach seinen 2 naheliegenden Schnueren – bei mir war nichts. Aber Ryan vermeldete Widerstand. Und der machte wohl maechtig Alarm. Ryan gab sogar ein bisschen Schnur von der Rollen. Ich hockte jetzt vollkonzentriert am Loch – Andy schien Licht ins Loch. Da tauchte ein grosser Zander im Gruen auf und wir raunten vor Aufregung. Der durfte uns nicht entwischen. Ryan manoevrierte den Fisch Schnautze zuerst ins Loch und zog an und sobald der Kopf aus dem Eis herausschaute, schnappte ich hart zu und presste an den Kiemendeckel zusammen und hob den Fisch schnell in die Huette. Geschafft, der ist uns sicher! Wir jubelten los und beklatschten uns. Das war ein Lunker. 55 cm wie sich herausstellte, das war ein wirklich feiner Zander! Ich versorgte den Fisch und das Fischhaeufchen neben der Huettentuer draussen wurde groesser. Ich wollte gerne Ryan’s Mutter, meiner alten Urlaubsmutter, ein paar leckere Filets mitbringen wenn es sich ergab. Und hier war ja schon was dran.


    Ich brauchte eine Weile bis das Adrenalin wieder nachliess und ich endlich einschlafen konnte.


    Tag 2


    Die Nacht ueber passierte nichts an den Ruten/Leinen. Ich war paar Mal aufgestanden und hatte die neue Eiskruste von den Loechern entfernt so das die Schnuere nicht einfroren. Die dem steifen Wind zugewandte Seite fror dabei viel schneller zu als die andere Hausseite. Wir lernten spaeter, dass man bei Schnee auf dem Eis den Schnee an die Eishuettenwaende aussen anschuettet um zu verhindern das der kalte Wind unter die Huette bliess und die Loecher schnell frieren liess. Aber hier hatten wir ja keinen Schnee; das Eis war blank.


    Gegen 6:00 Uhr im Daemmerlicht hoerte ich ein Bimmeln. Ryan und ich sprangen gleichzeitig auf – wo war das hergekommen? Leider klangen alle Gloeckchen gleich und so musste man raten und fuehlen gehen wo die Action herkam. Aber hier sah ich gleich wie die eine Koederfischrute vor meinem Bett nach unten zog, Die Pose war noch unter dem Eis in Sichtweite. Ich riss die Rute hoch und schlug an. Widerstand! Ich kurbelte vorsichtig – jupp, irgendwas zappelte da rum. Ein schoener Barsch tauchte im Gruen auf und ich bugsierte ihn ins Loch und schwuppte ihn schnell raus. Klasse! 30 cm Barsch, der geht mit! An schlafen war jetzt nicht mehr zu denken. Ein Barsch kam selten allein. Waehrend ich die Jigrute bediente, checkte Ryan alle anderen Schnuere. Bei einer war der Koederfisch verschwunden. Und alle Loecher mussten neu enteist werden. Waehrend Ryan dann Fruehstueck bereitete, rappelte eine der Koederfischschnuere los aber bis Ryan dran war, war nichts mehr zu spueren. Ich zitterte meinen Jig weiter. Da, ein Ruck am Jig, ich riss hoch…nichts. Liess wieder runter, jiggte weiter, fuehlte dann irgendwie ein Festhalten, hieb an, und Fish On! Super Spass!


    Wieder kam ein Barsch hoch; diesmal etwas kleiner, vielleicht 27-28 cm. Ging auch mit. Super bequehm war, dass man die gefangenen Fische nur abschlagen/abstechen musste und dann einfach vor die Tuer auf’s Eis werfen konnte. Heute bei Frost waren die innerhalb einer halben Stunde gefroren und haltbar gemacht. Beim Rausgehen merkte man heute den Wetterwechsel. Der Weg zum Klo war eisig durch den kalten, steifen Wind und super glatt weil all das gestrige Regenwasser auf dem Eis schon uebernacht voll durchgefroren war. Damit war die Eisdecke jetzt schon weit ueber 60 cm dick. Aber auch sauglatt zum Belaufen. Ich waere gerne mal bisschen weiter spazieren gegangen und haette mal bei den anderen Huetten, Anhaengern und Zeltsanglern nachgefragt wie es dort so laeuft und was geht und was nicht. Aber bei dem eisigen Sturmwetter wagten wir uns nicht weiter weg vom Haus.


    Vormittags kam einer der Resortarbeiter vorbei und sah nach uns; fragte ob wir irgendetwas braeuchten. Er wechselte die Klotuete aus und gab uns noch paar Angeltipps. Er meinte, momentan wuerden die meisten Fische beim aktiven Jiggen gefangen. Konnnten wir bestaetigen. So 3-4 Fische waren pro Huette gestern gelandet worden. Same here. Er meinte, so ein grauer, bedeckter Tag wie heute wuerde vielleicht auch ein paar Bisse tagsueber bringen. Ansonsten sollten wir uns am Nachmittag/Abend wieder auf vermehrte Action einstellen. Ob wir mehr Koeder braeuchten? Nee, alles gut. Gut zu wissen, dass die sich hier gut um die Gaeste kuemmern.


    Wir schauten uns ein paar alte Filmklamauken an und lachten und alberten tagsueber herum. Es schien wirklich nichts zu beissen. Ich machte aber sicher, dass immer frische und gutaussehende Koeder am Band waren und die Loecher eisfrei. Wir sassen gerade am Tisch und spielten Karten als ich ein lautes und wildes Klingeln hinter mir hoerte. Das war dasselbe Loch wie vom ersten Barsch heute morgen. Ich schaute mich um und sah die Rute schon gar nicht mehr – nur der Staender des Plastik-Rutenhalters war noch am Lochrand zu sehen. Ich flog regelrecht hin und wir hatten wirklich Glueck gehabt, dass sich der Rutenhalter am Lochrand verkeilt hatte und die Rute ziemlich fest im Rutenhalter sass sonst waere die Rute weggewesen! Die Rutenspitze war schon tief im Loch verschwunden und ich konnte die Minirolle aechzen hoeren. Wow, der nahm Schnur! Jetzt wurde es hektisch!


    Ich fummelte die Rute plus Halter aus dem Loch und oeffnete etwas die Bremse. Ich fuehlte heftige Kopfstoesse. Das war kein Barsch oder kleiner Zander; entweder ein richtiger Zanderbrocken – oder und ich tippte darauf, ein Hecht. Wieder riss der Fisch ein paar Meter Schnur von der Rolle und zog mehr seitlich weg. Ich fuehlte wie die Schnur am unteren Lochrand rieb. “Mann, der wird uns die Schnur durchscheuern!” rief ich. Ryan versuchte mich zu beruhigen: “Nur mit der Ruhe…”. Ich gewann ein paar Kurbelumdrehungen bis es dann ploetzlich wieder in die andere Richtung abging. Ich steckte die Rute tief in das Loch und erreichte gerade so mit der Rutenspitze die untere Lochoeffnung. Damit konnte ich die Schnur von der Eiskante weghalten. Jetzt konnte ich den Fisch sich austoben lassen. Um einen grossen Fisch durch so ein Loch zubekommen, muss man den Fisch sicher eh gut ausdrillen. Ich dachte kurz den Rest der Montage durch. Die Rute hatten wir als Ruten-Rollen Kombo gekauft und die Schnur war etwas staerker als die auf meinen mitgebrachten Rollen. Ich schaetzte mal so auf 5kg Schnur, das sollte eigentlich halten fuer einen Hecht oder guten Zander. Es schien hier im Wasser weit und breit keine Hindernisse zu geben; so konnte ich ohne Probleme Schnur geben. Ich hatte vorsichtshalber an dieser Rute zwei Einzelhaken im Tandem angeknotet. Sozusagen mit Angsthaken. Daher nahm ich mal an der Fisch hing gut. Nur, wenn es Hecht war bestand jeden Augenblick die Gefahr das er die Monoschnur zerbiss. Wir angelten ohne Stahlvorfach; Hechte waren hier draussen selten, sagte man uns. Wenn das mal gut geht!


    Die Rolle war furchtbar; billiges Zeug, hakelige Bremse; was kann man schon fuer $30-40 erwarten!? Aber wer konnte denn auch ahnen, dass wir einen wirklich ordentlichen Fisch hier drankriegen wuerden? Wir die Anfaenger! Aber ich bekam das hin und bald kriegte ich den Fisch heran. Dann kam der fantastische Moment als der Fisch das erste Mal unten am Loch dicht vorbeizog. Boaaaah! Ein schoener Hecht, vielleicht 70-75cm und fett kam er stattlich wie an einem U-Bootfenster vorbeigeschwommen. Ryan yahoote auf bei dieser Ansicht. Das Wasser schien den Eindruck noch zu vergroessern. Ich hatte gesehen, dass ein Haken im Maul sass aber der zweite sich aussen in der Haut ausserhalb des Maules noch verhakt hatte. Er hing dadurch wohl ziemlich fest fuer’s erste aber der Zug am Kopf kam etwas seitlich was das Einziehen des Fisches in den Eistunnel mit dem Kopf zuerst etwas erschwerte. Und natuerlich konnte die Monoschnur zwischen den zwei Einzelhaken jederzeit reissen da sie durch die Zaehne ging.


    Bei der naechsten Lochbesichtigung des Hechtes machte ich Ernst und zog den Kopf hart in Richtung Loch. Und er kam mehr oder weniger willig hinein. Jetzt packte ich schnell die Schnur und zog schnell an um den Fisch mit Momentum und Schwung direkt aus dem Loch herauszuwuppen. Er kam und war schon fast ganz aus dem Loch als dann die volle Schwerkraft einsetzte und das Vorfach riss. Der Kopf war schon im Haus und ich griff blitzschnell hinter dem Kopf zu und hatten den Fisch – momentan denn jetzt begann er sich zu kruemmen und zu biegen und klemmte seinen Schwanz zwischen Eis und Unterkante Hausfussboden ein. Der schleimige Koerper entglitt meiner Hand aber ich liess mich schnell fallen und blockierte mit beiden Haenden das Loch. So konnte er nicht mehr ins Wasser fallen sondern landete auf dem Eis neben dem Loch, unter dem Haus. “Lieg Du ruhig da, dort kannst Du mir nicht mehr entkommen.”. Ryan schaute sich das ganze Schauspiel begeistert an. Ich griff nach dem Schwanz und wollte den Fisch zu mir herziehen aber halb dabei wiggelte er wieder herum und entglitt mir und wieselte sich noch weiter unter das Haus. “Ich krieg Dich ja doch!” dachte ich eben noch als wir einen Platsch hoerten. Waaaasssss? Ich steckte meinen Kopf durch das Bodenloch…. “Nein, das gibt’s doch nicht!?”. Ryan fragte was los waere aber ohne Antwort sprang ich auf, drehte mich um und riss einen zweiten Bodendeckel vor meinem Bett auf – darunter war eines der anderen 8 Loecher – nur ca. 1m von dem Hechtloch entfernt und der Hecht hatte sich genau dorthingewunden und war in das Loch gefallen und war wieder frei. Ich sah noch seine Silhouette beim Wegschwimmen. Ich raufte mir die Haare, verkrampfte die Haende, schaute zur Decke – das kann doch nicht wahr sein! Ich hatte ihn doch schon in der Hand! Ryan lachte laut los – eine tolle Story! “The big one always gets away!”. An das dichte Nachbarloch hatte ich einfach nicht gedacht. Ich dachte ich haette ihn sicher auf dem Eis solange ich das Fangloch zuhielt. Wow. Hier zeigte sich der Anfaengerstatus sehr deutlich. Nach ein paar Minuten konnte auch ich ueber mein Missgeschick lachen.


    Ich haette ihn gerne mal fuer ein Foto hochgehalten, meinen bisher groessten Eisfisch. Und noch dazu einen Hecht den man hier angeblich nicht so haeufig faengt. Aber fuer unser Fish&Chips Essen waere das mit unseren schon 3 angesammelten Fischen eh zu viel gewesen und wahrscheinlich haetten wir ihn wieder freigelassen; aber eben nach dem Fotoshooting! Naja, coole Geschichte!


    Das war aber tagsueber das einzige Leben an unseren Schnueren. Am spaeten Nachmittag jiggte ich wieder eifrig aber es blieb erstmal tot. Ryan fuhr los und holte am Ufer Andy und Lance ab. Lance hatte ich auch schon lange nicht mehr gesehen und mit ihm vor vielleicht 27 Jahren das letzte Mal geangelt. Jetzt kamen auch ein paar Wiedersehensbierchen auf den Tisch. Andy war erst 16 und damit noch 5 Jahre vom legalen Trinkalter in den USA entfernt. Aber ich hatte Ryan schon gewarnt, hier in der Huette herrschten deutsche Alkoholregeln und da durfte auch ein 16 Jaehriger mal ein Bier trinken. Ich jiggte aber trotzdem noch fleissig weiter und hatte noch 3 Bisse; einer hing sogar fuer eine Weile und ich dachte ich sah schon einen Schatten im Loch aber dann ging auch der wieder ab.


    Tag 1 Cont.


    Eine nette Dame wiess uns ein; ein ordentliches und beheiztes Schlachthaus (Fische ausnehmen/filetieren auf dem Eis war nicht erwuenscht), Toiletten und Dusche wenn man genug vom Plumpsklo hatte, und einen feinen Angelshop. Was brauchte man mehr? Dann bekamen wir die Anweisung 6 Kilometer auf’s Eis bis zur Pressure Ridge zu fahren und dort wuerde uns ein Pickup erwarten um uns im Dunkeln ueber die Bruecke und dann bis zum Eishaus bringen. Waasss? Ich musste erstmal googlen was die mit Pressure Ridge meinten. Eben eine total neue Welt. Ryan hatte das auch noch nicht gehoert. Stellt sich raus, dass auf richtig grossen Seen das Eis keine einheitliche Scholle bildet sondern wie die Erdkontinentalplatten Bruchstellen haben die vom Wind und Temperaturausdehnungen hochgedrueck manchmal bis zu 10 m hohe Eiswaende formen koennen. Sowas kennen wir hier an der Westkueste ja – die Faultlines an den Erdbeben-Hot Spots. Sowas gibt es also auch auf dem Eis in klein. Verrueckt. Gluecklicherweise war die diesjaehrige Bruchzone durch das laue Wetter nur so einen knappen Meter hochgebuckelt und man hatte einfach eine Metallrampe darueberhinweg gebaut damit alle Fahrzeuge rueber konnten. Man musste aber eben wissen wo diese Bruecke war sonst kam man nicht von einer Seeseite zur anderen.


    Als wir das erste Mal auf das Eis fuhren, war mir schon ein bisschen mulmig. Ryan war es auch nicht ganz egal. Er fuhr sehr langsam – wir wurden von anderen Autos ueberholt die bestimmt mit 60 oder 70 km/h ueber das Eis donnerten. Hin und wieder sahen wir im Scheinwerferlicht rote Stangen gekreuzt – Stellen wo man wohl besser nicht drueber faehrt. Die Hauptstrasse war aber gut mit schwarzen Stangen markiert. Wenn Schnee dagewesen waere, haetten die Raeumungswaelle die Strasse wohl noch besser gekennzeichnet. Aber es regnete heute und auf dem Eis standen bis zu 15 cm Wasser. Total verrueckt! Bald trafen wir unseren Guide und er fuhr vorneweg. Ryan musste jetzt etwas flotter fahren um ihn nicht zu verlieren. In der Dunkelheit sahen wir hunderte Lichtpunkte ueber den See verteilt. Sollten das alles Eisangler sein? Ueber die Bruecke und dann noch 3 oder 4 Kilometer zu unserer Huette. Vorsichtig verliessen wir das Auto und schlidderten zum Hauseingang. Eine warme und gemuetliche Holzhuette empfing uns. Propanlichter und Propanheizung, Propanherd, Waschbecken allerdings ohne Wasser – muss man in Kuebeln selber mitbringen. Ausserdem eine Solartafel fuer LED Licht und Ladestation. Aussen dran das Plumpsklo mit Schneewehen am Toilettenpapier – das war schon arktisch dort. 2 stabile Doppelstockbetten und dann die 8 Loecher im Boden. Bei unserer Ankunft, mit dem ganzen Regenwasser auf dem Eis, sah es so aus als ob ein Fluss ueber dem Eis und unter dier Huette durch floss. Der Guide zeigte uns 4 Schnurspulen an der Wand ueber 4 Loechern. Da war schon ein kleiner Jighaken dran. Einen lebenden Koederfisch durch die Lippe da dranhaken und kurz ueber Grund anbieten, riet er uns. Und dann mindestens eine andere Rute aktiv jiggen. Es waere nicht gerade super toll gerade aber auch nicht tot. Es wuerden so 4-6 Fische pro Tag pro Haus gefangen. 2 Schnuere pro Angler sind erlaubt, 4 Zander pro Angler im Besitz erlaubt, nur einer ueber 45 cm, kein Mindestmass. Hauptfische waeren jetzt Zander, Perch und Crappie – obwohl Crappie momentan schwieriger waere und die gerade eher in Ufernaehe waeren und wir waren mitten auf dem See. Hecht nur hin und wieder; hier waere ein flaches sandig/kiesiges Plateau mit 4m Wassertiefe, keine Struktur fuer Hechte.


    Wir raeumten unseren Kram ein, Ryan als Elektrotechniker, hatte einen kleinen Generator und einen Fernseher mit Laptop mit und einer digitalen Videothek als ob wir hier jahrelang festfriern wuerden. Ich machte mich natuerlich gleich an den Loechern zu schaffen. Die waren 25cm im Durchmesser; also hier kriegte man auch einen Monsterhecht durch wenn es sein muss. Fraglich an 3 kg Schnur und ohne Stahlvorfach aber ausschliessen soll man ja erstmal nichts. Ich machte 2 der Wandrollen mit Koederfisch klar und liess die Leinen runter. In den Wandrollen waren Gloeckchen so dass man auf einen abziehenden Fisch akustisch aufmerksam gemacht wurde. An dem dritten Loch machte ich eine kleine Rute im Rutenstaender mit Laufposen und einem fetten Tauwurm klar. Und an die vierte Rute machte ich einen kleinen Jighaken mit einem winzigen knall-roten Plastikwuermchen das in einer stinkenden Sosse eingelegt war. Mal sehen. Hatte ja keine Ahnung! Dann machten wir es uns gemuetlich. WLAN gab es hier nicht aber ich hatte Handyempfang.


    Waehrend Ryan Abendbrot vorbereitete, jiggte ich schon munter los. Ganz kleine Huepfer des kleinen Koeders. Nur paar Zentimeter ueber dem sandigen Grund. Und ploetzlich Widerstand und ich riss die empfindliche kleine Rute hoch. Jawoll, Fish On! Ryan staunte und freute sich als ich einen kleinen Zander hochkurbelte und durch das Loch maneuvrierte. Man musste aufpassen, dass die Schnur nicht zu doll an den scharfen Eiskanten rieb. Bei einen so kleinen Fisch wie diesem kein Problem aber wenn mal was Groesseres kommen sollte?! Mein erster Eisfisch war ein vielleicht knapp 30cm Zander. Nach hiessigen Regeln ein Keeper aber ich beschloss keine Zander unter 30 cm zu behalten – da war ja kaum was dran. Nur mal zur Erinnerung, der amerikanische Zander ist etwas kleiner als der europaeische. Ein 50 cm Zander ist dort schon anstaendig. Ueber 60 cm kapital und ganz selten ueber 75 cm. Er ist auch etwas mehr goldgefaerbt und hat nur eine Andeutung der zandertypischen Vertikalstreifen. Aber gleiche Verhaltensweisen und gleich lecker. Einer der beliebtesten Angelfische in Minnesota und bedeutend auch fuer die Berufsfischerei. Daher sind die Bestaende in vielen Seen ueberwacht und gemanaged. Also unser erster Fisch bekam seine Freiheit wieder.


    Der Resort Guide hatte uns schon geschildert, dass die beste Beisszeiten frueh und abends waeren. Die Fische wuerden dann auf dem Plateau jagend herumziehen und irgendwann kaemen sie dann unter dem Haus durch. Dann musste man seine Koeder im Wasser haben und die Situation ausnutzen denn bald zoegen die Fische weiter und dann kann es eine Weile dauern bis der naechste Trupp durchkam. Viele Angler haetten hochaufloesende Echolote die Fischschwaerme auch horizontal bis zu 100m neben dem Geber in 360 Grad ausfindig machen konnten. Damit sah man die Fische schon von weitem kommen und konnte sich darauf vorbereiten. Ich hatte diese Geraete ja in den Angelshops gesehen aber sowas hatten wir nicht dabei. Wir fischten old-school: blind. Aber vielleicht 20 Minuten nach dem ersten Zander hatte ich wieder am Jig einen Biss und auch der hing. Der war schon ein bisschen besser und wir behielten den. Ich wollte irgendwann am Wochenende wenigstens einmal Fish&Chips fuer uns alle vier machen. Da mussten mindestens 4 Fische zusammenkommen. Das war unser Mindestziel fuer den Trip. Waehrend wir assen, verpassten wir dann einen guten Biss am Koederfisch an einer Wandrolle. Ploetzlich rasselte die Glocke los und Schnur lief ab und Ryan schnappte sich die Schnur und ruckte an. Langsam strippte er die Leine ein und ich schaute neugierig ins Loch. Super cool wenn der Fisch dann das erste Mal in dem gruenen Wasser am unteren Eisloch auftauchte. Der war deutlich besser! Ryan versucht nun den Fischkopf in den Locheingang zu bugsieren aber das war gar nicht so einfach. Der Fisch verkeilte sich quer an der Lochkante und ploetzlich war der Haken los. Mist, der waere bestimmt schon 45 cm gewesen! Aber wir freuten uns ueber etwas Action – mit sowenig Ahnung wie wir haetten wir ja auch das ganze Wochenende ohne einen Biss enden koennen. Das war schon mal verhindert. Also so ganz schlecht konnten wir ja nicht liegen mit was wir hier machten.


    Draussen war haessliches Wetter. Ueber Nacht sollte eine Kaltfront reinkommen und es sollte frostig und windig werden. Der Wind heulte schon um unsere Huette und wir waren froh, das die Propanheizung ordentlich Dampf machte. Die Propanleuchter heizten auch dazu. Also ich konnte mir schon vorstellen, dass das hier auch in einem ordentlichen Minnesota Winter bei -30 Grad noch gemuetlich warm war. Was ich ein bisschen mulmig fand und ich konnte mich bis zum Schluss nicht ganz damit anfreunden, waren die krachenden Geraeusche die das Eis von Zeit zu Zeit machte. Spannungsdehnungen erzeugten staendig neue Risse im Eis. Wenn ein Auto in der Naehe vorbeifuhr, aber nicht nur dann, knallte, krachte, knirschte das Eis unter uns. Manchmal spuerte man ein Zittern des ganzen Hauses. Wie Mini-Erdbeben. Das war schon unheimlich. Der Ingenieur in mir konnte zwar beruhigen, dass 55 cm Eis eine Menge Last aushielt und Risse dem nichts schadeten, aber das Unterbewusstsein kam der Logik manchmal nicht ganz nach. Da ich sowieso in fremden Betten erstmal nicht so gut schlief, dann bei solcher sporadischen Geraeuschskulisse und dann noch immer mit einem Ohr auf die Angelglocken – man kann sich vorstellen, dass ich etwas Schlafentzug hatte nach der Tour!


    8.2. – 12.2. 2024; Upper Red Lake, Minnesota


    Tag 1


    Liebe Forumfreunde! Ich schulde Euch noch einen Bericht eines herrlichen Angeltrips in das gelobte Angelland Minnesota. Der US Bundesstaat Minnesota hat seit Jahrzehnten einen besonderen Platz in meinem Herzen; einmal weil ich da seit meiner Schulzeit fast eine zweite Familie habe, und weil es mit den tausenden Praerieseen und langsam maeandernden Fluessen und Fluesschen ein Suesswasserangelparadies ist. Dazu kommt, dass das Angeln den allermeisten Bewohnern in Minnesota einfach im Blut liegt und es einfach zum normalen gesellschaftlichen Leben dort dazugehoert. In einem Angelladen, und davon gibt es unendlich viele in allen Groessen, stoebern zu gehen, ist dort so normal wie in den Baumarkt oder in einen Klamottenladen zu gehen. Die meisten Bau-oder Werkzeugmaerkte oder viele Tankstellen haben gleich einen gut sortierten Angel-und Koederladen integriert. Dort ist man als Angler kein Exot oder vermuteter Tierquaeler sondern ein gern gesehenes Mitglied der Gemeinde und der minnesotanischen Kultur.


    Die Angelei dort ist groesstenteils auf die Suesswasserraubfische zugeschneidert. Spinnangeln oder Koederfischangeln auf Hecht, Muskie-Hecht, Zander, Large- und Smallmouth Bass, Perch (unser Flussbarsch) und eine ganze Reihe anderer barschverwandten Arten (Rock Bass, Crappie, Sonnenbarsch, White Bass….) sind die sicher beliebtesten Angeldisziplinen. Am Oberen See gibt es auch die Lachs-und Forellen Trollfischerei die mit unserer Pazifikfischerei oder der Ostseelachsfischerei zu vergleichen ist. Im Mississippi und deren Nebenfluessen gibt es auch Stoere und Welse die von einigen Experten befischt werden. Und ganz im Suedosten an der Grenze zum Staat Wisconsin gibt es auch eine klasse Fliegen-und Spinnfischerei auf Forellen in kleinen Baechen.


    Als junger Kerl hatte ich mich auch schon am fantastischen Karpfenpotential der vielen Seen und Teiche guetlich getan. Kaum ein Einheimischer befischt hier Friedfische. Als richtiger Karpfenangler haette man hier unendliche unangetastete Reviere. Es gibt auch gute Quappenbestaende, die auch nur von sehr wenigen Experten beangelt werden. Und so hatte ich mich in meinen jungen Jahren bei vielen sommerlichen Besuchen meiner Freunde in allen Ecken des Staates und darueberhinaus anglerisch ausgetobt und Sternstunden am Wasser erlebt. Grosse Hechte gefangen oder verloren, Zander und Barsche, und wie gesagt auch Karpfen. Mein Vater fing 1996 mit mir im Leech Lake seinen Fisch des Lebens, ein fast 1,20 m Hecht. Im Sommer 2018 war ich mit meiner ganzen Familie dort und hatte mit meinen Freunden eine Woche am Leech Lake verbracht. Ich wollte meinen Jungs mal einen meiner wenigen Happy Places zeigen. Leider war die Angelei damals wetterbedingt etwas zaehe aber Ryan’s Sohn Andy fing einen 74 cm Ausnahmezander, der noch heute eine Raunen in Anglerkreisen erzeugt. Der Bericht von dem Trip ist hier auch irgendwo im Forum.


    Aber so gut ich mich mit der Sommerangelei in dieser nordamerikanischen Region auskannte, eines hatte ich noch nie gemacht: Eisangeln. Minnesota ist bekannt fuer seine harten Winter, wochenlange minus 30 oder sogar -40 Grad sind keine Seltenheit im Winter. Ordentlich Schnee gibt es auch jedes Jahr. Da hat sich eine ganze Winterbeschaeftigungskultur herausgebildet. Meine Freunde schickten mir regelmaessig Fotos von Snowmobiltouren durch die verschneiten Waelder und ueber zugefrorene Seen. Im Sommer sah ich oft Eisangelhuetten in den Gaerten der Grundstuecke geparkt und einige Fishing Resorts liessen mich damals als armer Schueler oder Student schon mal umsonst in solchen saisonal geparkten Eishuetten uebernachten. Das waren geraeumige Holzhuetten auf Kufen mit 2 oder 3 Doppelstockbetten, einer Kuechenzeile, Tisch und Stuehle, Klo und natuerlich Loechern im Boden. Sah fuer mich immer geheimnisvoll aus. Wie so ein Eisangeln wohl ginge? Leider fand sich nie die Gelegenheit fuer mich mal im Winter dahinzufliegen und die Winterangelei mal auszukundschaften.


    Da gibt es ja auch die alte Filmserie “Grumpy Old Men” mit Jack Lemmon und Walter Matthau. Das spielte ja auch in Minnesota und zeigte ein bisschen die Eisangelkultur in diesen Gegenden. So wie viele Minnesotaner (wie auch in vielen anderen US Mid-Weststaaten und Praerieprovinzen Kanadas) eine Wochenendhuette an einem See ausserhalb der Stadt haben und dort fast jedes Wochenende in der Sommersaison verbringen, so stellen sie im Winter ihre Eisangelhuetten fuer 2-3 Monate auf ihren Lieblingsseen ausserhalb der Stadt auf und verbringen dort viele der Winterwochenenden. Das kann dann an einigen Stellen so wie in den Grumpy Old Men Filmen zu kleinen Siedlungen auf dem Eis fuehren wo Strassenschilder aufgestellt werden um den Verkehr etwas zu regeln und wo es Coffeeshops und Bratwurstbuden zwischen den Angelhuetten gibt. Manchmal hoert man in Fruehjahr, dass einige es zu lange ausgereizt haben und dann mal eine Huette im schmelzenden Eis absaeuft oder auf Eisschollen abdriftet.


    Soweit kannte ich diese Eisangelwelt nur vom Hoerensagen und von Bildern her. Dieses Jahr wollte ich das auch mal richtig erleben. Mein Freund Ryan lud mich ein und wollte alles organisieren. Ryan ging zwar gerne mit zum Angeln, war aber keinesfalls ein Vollblutangler. Sein schon lange verstorbener Vater war mein Minnesota-Angellehrer in den fruehen 90ger Jahren gewesen. Aber mithilfe eines der vielen Resorts wuerden wir das schon hinkriegen. Damit sich die lange Anreise fuer mich lohnte, wollte ich auf jeden Fall volle 3 Tage auf dem Wasser bleiben. Ryan fragte mal bei seinen angelverrueckten Kollegen herum und viele rieten zum Upper Red Lake; schon nicht mehr so weit von der kanadischen Grenze, ca. 4 Stunden nordwestlich von Minneapolis. Das West Wind Resort dort hatte etwa ein Dutzend Eisangelhuetten von verschiedenen Groessen und Luxus die sie auf den Red Lake schleppten und dort den Winter ueber betreuten. Ryan buchte uns eine 4 Personen Huette von Donnerstag bis Montag. Freitag bis Sonntag wollten sein Sohn Andy und sein Cousin Lance nachkommen. Andy war der Riesenzanderfaenger vom Leech Lake 2018 (als er 10 Jahre alt war), und Lance war begeisterter Hecht-und Muskieangler und hatte schon mal einen 110 cm Muskie im Lake Minnetonka gefangen. Aber mit Eisangeln hatte keiner von uns viel Erfahrung. So wurde das eben eine Rookietour!


    Die Wochen und Tage vor Abflug bangte ich etwas um unseren Trip; ganz Nordamerika war in einem ungewoehnlich warmen Winter gefangen und die Seen in Minnesota hatten bis Anfang January noch kein tragfaehiges Eis. Normalerweise ging die Eisangelei schon im November los, liess ich mir sagen. Na das waere ja was, nach fast 35 Jahren fahre ich das erste Mal im Winter nach Minnesota und genau dann gibt es keinen Winter! Gluecklicherweise hatten die dann im Januar 3 Wochen richtig tief Frost und es bildete sich genug Eis auf den Seen um die Saison zu eroeffnen. Die Resorts hatten fast taegliche Updates on Wetter/Eis/Angelbedingungen. Auch wenn es Anfang Februar, als ich abflog, schon wieder knapp ueber Null war, der Upper Red Lake hatte 55 cm Eisdicke und war damit befahrbar und die Huetten waren bereit.


    Den ersten Abend und Tag besuchte ich meine alte Gastfamilie und dann am zweiten Tag begannen wir unsere Trip-Vorbereitungen. Natuerlich gleich mal zu den grossen Tackle Shops inklusive Cabelas; Ryan hatte zwar etwas Geraet von Kollegen bekommen aber wir hatten nichtmal die kleinen Eisangelruten. Ausserdem macht es ja auch Spass sich eigenes neues Zeug zu holen. Man hat ja noch nicht genug. Was war ich aber erstaunt als ich in diese Laeden kam. Wir haben ja nun an der Westkueste hier auch Cabelas und BassPro und sind da oefters mal zu stoebern. Ich gebe zu, dass ich das Sortiment fast auswendig kenne. Als ich dort zu Cabelas reinkam, dachte ich waere in einer anderen Welt aufgeschlagen! Ich konnte fast nichts Bekanntes erkennen. Die Boote Sektion war ausgetauscht fuer ATVs, Side-by-Sides, andere Schlittenfahrzeuge, unterschiedlichste Formen und Groessen an Pop-up Zelten die waemegedaemmt in einer Schlittenbox verschwinden konnten. Dutzende verschiedenste Eisbohrer, Eisschoepfer… Die Elektronikecke war ganz anders mit wunderlich anmutenden tragbaren Echoloten, Brettchen mit Schnurspulen und Bissfaehnchen die es dem Wander-Eisangler erlaubten mehrere Eisloecher gleichzeitig zu befischen, Regale von den Mini-Ruten und Rollen, die Kunstkoedersektion war ganz anders mit vielen Kleinstpilkern, Mini-Jigs und Blinkern und Zeugs das ich noch nie gesehen hatte. Ich kriegte die Kinnlade gar nicht mehr hoch. Nach all den Angelmagazinen, TV-Fishing Shows und Youtube Videos die ich in meinem Leben schon verschlungen hatte, wie hatte mich eine ganze Angelwelt so verpassen koennen? Wahnsinn! Und total aufregend.


    Ich holte mir 2 Ruten (Rollen mit 3kg Monoschnur hatte ich mitgebracht) und ne Menge neuer Koeder, auch winzige Gummis (Gulp Fischchen, und Zuckmueckenimitate). Ryan kaufte ein Ruten/Rollenkombo gleich schon mit Schnur drauf, ne Koederfischbelueftungspumpe und vielleicht 50 kleine lebende Fischchen (lebender Koederfisch ist dort noch ganz normal). Meine -40 Grad zertifizierte Helly Hansen Jacke die ich mir in Angst vor dem Minnesota Winter gekauft hatte, war ganz unten im Gepaeck als wir bei vielleicht 3 Grad und Nieselregen losfuhren. Essen fuer 4 Personen und fast 5 Tage war auch bereit, ein paar Bierchen mussten auch mit. Beim Anbruch der Dunkelheit kamen wir am ufergelegenen West Wind Resort an. Der angegliederte Pub fuer die Resortgaeste aber auch die vielen Privatangler war rappelvoll – schien wohl nichts zu beissen!


    11.11. 2023; Sooke


    Kein Karnevalsbeginn hier in BC am 11.11. sondern langes Wochenende wegen Veteranen-Feiertag im Gedenken an das Ende des 1. Weltkrieges. Aber was gibt es Besinnlicheres und Friedlicheres als angeln zu gehen und ein paar leckeren Fischen auf dem Kopf zu bonken!?


    Ricardo hatte Zeit und Lust und so machten wir uns zu zweit nach Sooke zum Winterlachsangeln auf. Der Bootsmotor freute sich auch auf Auslauf, das Wetter/Wind sollte erst ok aber dann besser werden. Ist immer ein bisschen unberechenbar in dieser Jahreszeit. Die reifen Laichlachse sind nun schon alle durch und sorgen fuer Nachwuchs in den Fluessen. So gab es jetzt nur 2-3 jaehrige Chinooks, auch Winter Springs genannt, die jetzt hungrig herumziehen um sich Gewicht fuer ihre Laichwanderung im naechsten Jahr anzufressen.


    Wir liessen das Boot in Sunny Shores rein und legten auch gleich die Krabbenfalle vor der Marina aus. Dann duesten wir vor den Sooke Fjord. Ein bisschen wackelig, aber machbar. 2 andere Boote waren schon unterwegs. Noch war es sonnig und etwas windig, aber es sollte sich zuziehen und der Wind sich legen. Wir liessen 2 Blinker am Grund in 40m Tiefe herumtrudeln. Und nach 10 Minuten sprang Ricardo mitten in einer Unterhaltung ploetzlich auf, schnappte sich eine Rute und hieb an. Die blieb krumm. Das sah ganz gut aus, der Rutenkruemmung nach, und als ich dannoch die Rolle kurz aufkreischen hoerte, rieb ich mir freudig die Haende. Nachschub fuer die Raeuchertonne – waere echt klasse. Nun ist Ricardo nicht gerade ein effizienter Angler und hatte den Ruf einige seiner Fische im Drill wieder freizulassen. Ich ermunterte ihn sich diesmal Muehe zu geben!


    Nach ein paar Minuten hatte er den Fisch in Bootsnaehe und wir bekamen einen ersten Blick darauf. Der war gut und ich machte den Kescher klar. Noch war aber nichts gewonnen; der Fisch tobte noch eine Weile hinter den Motoren herum und zog immer wieder tief. Aber dann schlidderte Ricardo ihn hart heran und ich schnappte mit dem Kescher zu. Klasse! Ein schoener 7 Pfuender zum Anfang.


    Wir schleppten die Strecke weiter und wir sahen Fischsignale in 20m Tiefe. Ich brachte den einen Blinker hoch und bald merkten wir was sich da herumtrieb. Ein Kleiner Shaker nach dem anderen. Bald ging der zweite Blinker wieder zum Grund hinab. Dann war erstmal fuer eine Weile Ruhe bis Ricardo dann ploetzlich wieder wir von Blitz getroffen aufsprang und sich diesmal die andere Rute schnappte. Diesmal hing wieder was Besseres dran. Nach einem wirklich sportlichen Drill war ich dann fast enttaeuscht mit dem was ich im Kescher vorfand: der war wirklich nicht mehr als 50cm. Hing aber mit dem Haken fast im Auge. So nahmen wir ihn auch mit. Normalerweise ziehe ich meine eigene Grenze bei 50cm plus obwohl das Mindestmass 45cm fuer Chinook ist.


    Dann wurde es zaehe und ausser noch ein paar kleinen Shakern in oberen Tiefen schien kein Fisch mehr da zu sein. Ob das mit den dutzenden Delfinen um uns herum zu tun hatte? Man sieht ja haeufiger mal einen oder zwei hier und da aber heute trieben sich Gruppen von 3-6 Porpoises in allen Himmelsrichtungen um uns herum. Da musste doch ne Menge Futter da sein, um die anzulocken. Und dieses Futter musste doch auch fuer Lachse attraktiv sein? Aber manchmal passt die Theorie wenig zur Praxis. Wir wechselten die Stelle und wir schleppten jetzt ein paar Runden oestlich vor dem Otter Point herum; auch eine Strecke mit kiesigem Grund in 30-50m Tiefe. Ploetzlich loeste die Backbordrute sofort aus und es zog die Rutenspitze hart zurueck. Aber kein Wackeln oder Kopfschuetteln – irgendwo haengengeblieben vielleicht? Ich begann einzukurbeln – es fuehlte sich schwer an, aber kam heran. Komisch. Ich dachte gerade an Butt als es ploetzlich in der Rute haemmerte und der Gegner vielleicht 20m Schnur von der Rolle riss. Aha! Auf jeden Fall was Lebendiges! Ich tippte nun laut auf Heilbutt. Oder es koennte ein quergehakter Lachs sein. Ricardo wartete gespannt.


    Bald hatte ich das Etwas oben und nun war es klar: ein kleiner Heilbutt. Da ich dieses Jahr so wenig Erfolg bei den Platten gehabt hatte, freute ich mich sehr ueber diesen Beifang. Das Gaff durch den Kopf machte diesem Butt schnell ein Ende. Wir schleppten noch eine halbe Stunde hier weiter und hakten noch 2 oder 3 untermassige Chinooks. Dann machten wir uns auf den Rueckweg – mittlerweile bei zugezogenem Himmel und den ersten Regentropfen. Die Krabbenfalle hatte zwar ordentlich Besuch aber alle waren untermassig. Schade, das waere das i-Tuepfelchen auf diesen feinen Angeltag gewesen!


    23.9. 2023; Port Renfrew


    Am Samstag den 23.6. hatte ich eine Einladung zum Meeresangeln in Port Renfrew von meinem Freund Carl. Carl liebte die raue Westkueste Vancouver Islands und sein Magen konnte auch die duenigen Bedingungen auf dem offenen Pazifik vertragen; im Gegensatz zu mir. Daher hatte er sich vor paar Jahren einen Traum erfuellt und ein ziemlich grosses Wildnisgrundstueck in Port Renfrew gekauft, was er so nach und nach erschliesst. Inzwischen nutzte er das Grundstueck mit einem Campinganhaenger mit seiner Familie als Wochenendspielplatz und als Ausgangspunkt fuer seine Angeltrips vor die offene Kueste. An diesem Samstag hatte er sich mit einem alten Schulfreund, den er ueber Social Media in Alberta wiedergefunden hatte, zum Cohofischen verabredet. Und damit es noch lustiger wuerde, sollte ich noch dazustossen. Na klar, fuer sowas bin ich immer zu haben – solange das Meer mitspielt. Es sollte morgens windstill aber sehr regnerisch werden. Nun gut, gegen Wasser von oben kann man sich entsprechend anziehen – dachte ich. War auch eine gute Gelegenheit mein relativ neues Elektroauto mal auf einer Langstrecke zu erproben. Fuer hin- und zurueck wuerde eine Ladung nicht reichen, und so war ich wohl gezwungen mal das Ladenetzwerk am Ende der Zivilisation zu erproben; es sollte zwei Ladesaeulen an der Postoffice geben. Dazu kam es aber gar nicht weil Carl mittlerweile sogar Stromanschluss an seiner Huette hatte und ich mich dort ueber Nacht ans Netz haengen konnte. Viel zu einfach! Und 240 km insgesamt fuer $5 zurueckgelegt ist schon toll.


    Die beiden waren schon einige Biere tief als ich gegen 19:00 Uhr am Freitag Abend ankam. Wir zauberten noch ein zuenftiges Abendbrot auf dem Grill und legten noch ein paar Bierchen und Geschichten dazu. Brad war auch ein lustiger Vogel und besonders die Geschichten ueber seine kaufwuetige Frau brachten uns regelmaessig die Lachtraenen in die Augen. Aber wir zauberten nicht zu lange denn wir wollten frueh raus. Die Cohos sollten vor der Flussmuendung bei Port Renfrew stehen und auf Regen und hoehere Pegelstaende warten. Um 7:00 Uhr waren wir an der nahen Marina wo Carl seine Jalopy liegen hatte. Ich hatte meine eigene Rute und paar Lieblingskoeder dabei, ansonsten hatte Carl alles an Bord. Wir legten ab und duesten die Renfrew Bucht raus Richtung offener Pazifik. Wir kamen an ein paar kleinen offenen Booten vorbei die direkt vor der Muendung des San Juan Rivers schleppten. Wir sahen aber keine Action. Carl wollte weiter raus – hoffte einen Schwarm Cohos vor der Bucht zu finden. Gott sei Dank war heute nur eine schwache und langgestreckte Duenung und kein Wind. Aber es fing schon an zu troepfeln. Wir hatten alle wasserfeste Regenjacken, und ich hatte sogar eine alte Ueberziehhose und meine wasserfesten Bootsschuhe. Das sollte doch wohl reichen. Carl liess den Propanheizer in der Kajuete laufen und so kam immer etwas Waerme in das Cockpit.


    Wir sahen 2 oder 3 andere Boote so einen Kilometer vor der Kueste Schleifen ziehen und wir gesellten uns in die generelle Gegend dazu. Und eine ganze Gruppe Buckelwale bearbeitete ebenfalls die Gegend – immer wieder kam ein riesiger Ruecken und bald die Schwanzflosse in der nahen Umgebung heraus. Die frassen hier an irgendwas und wir hofften das es auch etwas Leckeres fuer die Cohos war. Dann ging es los: ich montierte eine UV silberne Flashfly und Brad einen Blinker und wir liessen 2 Ruten am Downrigger raus. Man konnte pro Person 4 Cohos behalten, davon aber nur 1 unmarkierten (Fettflosse noch dran). Es war manchmal schwierig ein paar markierte Cohos zu finden und manchmal musste man sich durch etliche unmarkierte durchfischen. Nicht heute: nach paar Minuten rappelte meine Rute los und ich hatte einen sportlichen Fisch am Band. Cohos sind so akrobatisch und springen oft im Drill aus dem Wasser und toben an der Oberflaeche wie wild. Normalerweise hat man beim Cohofischen eine hohe Verlustrate. Dieser hier kam aber ans Boot und siehe da: markiert! Kein Riese aber 5 Pfund hatte er. Er ging in die Box. Jetzt ging es Schlag auf Schlag – Brad und ich fingen in der naechsten halben Stunde bestimmt 5 weitere und verloren einige mehr. Dann durfte auch Carl mal drillen und ich uebernahm das Steuer. Bald hatten wir unsere 3 unmarkierten und einige Markierte in der Kiste. Ich hatte bisher NUR markierte gelandet. Gibt’s eigentlich nicht.


    Dann oeffnete sich ploetzlich die Himmelsschleuse und es kam eine unfassbare Wasserwand herunter. Wir verkrochen uns alle 3 im Cockpit aber unsere Ruten rappelten fleissig weiter und wir mussten regelmaessig raus um zu drillen und um Fische zu versorgen. Schoene Cohos bis 8 oder 9 Pfund kamen an Bord oder wurden freigelassen weil wir keine weiteren unmarkierten behalten durften. Aber auch nur 30 Sekunden in diesem Wasserfall war unertraeglich – ich hatte manchmal das Gefuehl es waere keine Luft mehr zwischen den vielen Regentropfen und trotz aller Regenkleidung waren wir im Nu klitschnass. Brad hatte nur eine Jeanshose und die stand vor Wasser. Aber selbst meine Hose unter der Ueberhose war arg vollgesogen. Die Bilgenpumpe der Jalopy arbeitete fast non-stop. Unfassbar solche Wassermengen.


    Aber den Fischen gefiel es wohl. Das Beissen ging fleissig weiter. Jetzt gesellte sich sogar eine unerwartete Fischart dazu: Pazifik Jack Mackerels. Diese 50-70cm langen Riesenmakrelen oder Kleinthune sprangen gierig auf alles was wir anboten in allen Tiefen bis etwa 30m tief. Die ersten 2 warfen wir noch zurueck weil wir nicht so richtig wussten was wir damit anfangen sollten aber dann beschloss ich 6 mitzunehmen und beim Raeuchern zu probieren. Gluecklicherweise, was fuer ein Genuss! Und ich fing auch weiterhin fast nur markierte Cohos und so hatten wir bald unser Limit an 12 Cohos. Carl verlor noch einen richtigen Brocken – wir sahen wie sich der Monstercoho bestimmt anderthalb Meter aus dem Wasser schraubte und dann kraeftig Schnur nahm. Der haette vielleicht 15 Pfund haben koennen aber er schuettelte irgendwann den Haken bevor wir einen besseren Blick darauf bekamen.


    Total abgesoffen aber guter Laune fuhren wir gegen Mittag zurueck und versorgten fuer die naechste Stunde den reichlichen Fang. Brad nahm einen Grossteil mit nach Alberta wo es ja keine Lachse gab. Ich nahm die meisten Jacks mit und 2 der Cohos. Dann musste ich mir von Carl eine Hose leihen damit wir halbwegs zivilisiert zum Pub Mittagessen gehen konnten. Ein toller und verrueckter Angeltag der die lange Anfahrt total wertgewesen war!


    16.-17.9. 2023; Port Alberni / Stamp River Cont.



    Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Lachse im Fjord und den Zufluessen und man kann immer noch eine verhaeltnismaessig gute Fischerei erleben. An dem Sonntag liessen wir also mein Boot in Port Alberni zu Wasser und fuhren den unteren Somass River runter zum Fjord. Dabei konnten wir mehrere Schwarzbaeren am Ufer beobachten; regelrecht gegenueber der Port Alberni Downtown-Uferpromenade. Im Fjord angekommen, erwarteten uns etwas kabbelige Bedingungen. Das war so nicht angesagt gewesen. Gut das Alex nicht mit war, der war aus Angst vor Seekrankheit zurueckgeblieben. Wir fuhren bis vor den China Creek wie unser Resortgastgeber uns empfohlen hatte. Aber nach einer Stunde ohne jegliche Action brachen wir ab. Ich rechnete kurz die Entfernung zum Barkley Sound mit meiner Benzinkapazitaet durch und schlug vor die einstuendige Fahrt dorthin zu machen. Wind sollte ok sein. Die 3 Jungs waren einverstanden. Und so donnerten wir den gesamten Fjord entlang. Das Wasser war die meiste Zeit glatt und ruhig. Als wir den Sound erreichten, merkte man schon wie eine Duenung hereindrueckte. Aber die vielen Inseln brachen die Wellen und wir hatten viele Stellen im Schutz zur Auswahl. Wir sahen Seeloewen und einen Buckelwal. Dann kamen wir am Pill Point an. Dort sollte was gehen, wenigstens ein paar Cohos erwartete ich. Wir zogen einige Runden und sahen einige vielversprechende Sicheln am Echolot aber bekamen keinen Biss.


    Sollte die ganze Tour umsonst gewesen sein? Peter maulte schon, das waere ja typisch fuer’s Trolling – super langweilig! So beschloss ich alles zu wagen und fuhr uns nochmal 20 Minuten weiter westlich bis vor Bamfield. Hier waren durch Duenung und Wind und Regen vollsportliche Bedingungen. Hoffentlich wurde das auch mit Fisch belohnt. Wir sahen ein paar andere Boote beim Schleppen oder Pilken unterwegs. Ploetzlich loeste die eine Schlepprute aus. Die Jungs wollten sich alle den Vortritt lassen und bis dann endlich einer die Rute in der Hand hatte, war der Fisch weg. Sch…! Ich drehte noch ein paar Schleifen am Whittlestone – kurz vor der offenen Kueste aber ausser ein paar Mini-Cohos blieb nichts haengen. Als wir dann noch einen ordentlichen Biss hatten und Markus trotzdem keinen Fisch haken konnte, packten wir durchnaesst und ein bisschen enttaeuscht ein und fuhren den langen Weg zurueck. Das war die laengste Tagestour die ich je mit meinem Boot gemacht hatte: 110 km hin und zurueck. Schoen das der Motor keine Mucken gemacht hat.


    Dann verabschiedeten wir uns und die Jungs fuhren zurueck zum Resort und ich machte mich auf den Weg zurueck nach Victoria. Trotz der enttaeuschenden Meeresangelei waren es zwei herrliche Tage, mit richtigen Anglern zusammen, die mir ein paar neue Tricks gezeigt haben und ihr kleines Paradies am Stamp River mit mir geteilt haben. Markus ist auch ein Forumsmitglied und ich bedanke mich hier nochmal dafuer und hoffentlich bis naechstes Jahr!


    16.-17.9. 2023; Port Alberni / Stamp River


    Mitte September ist immer die Zeit wenn eine Anglerdelegation aus Norddeutschland in Port Alberni am Stamp River aufschlaegt. Dieses Mal waren Markus, Uwe, Alex und Peter dabei. Peter macht diesen Trip schon seit 30 Jahren und ist ein absoluter Experte wenn es um’s Lachsangeln am Stamp aber auch am Campbell River geht. Ich hatte einige der Jungs schon mal vor 2 Jahren kennengelernt und hatte sie mal einen Tag bei mir auf dem Boot zum Trolling. Seitdem wir waren in Kontakt geblieben. Da es in Victoria/Sooke an dem Wochenende windig werden sollte, fuhr ich dieses Mal zu ihnen nach Port Alberni um mir mal deren magische Angelkunst am Fluss anzuschauen. Ich brachte auch gleich mein Boot mit was uns die Moeglichkeit gab am Sonntag vielleicht mal auf dem Port Alberni Fjord vor der Stampmuendung zu fischen. Und so fuhr ich Freitag nach der Arbeit direkt vom Buero aus mit dem Boot im Schlepptau die 3h nach Port Alberni. Die Jungs empfingen mich schon mit Abendbrot und Fluessigbrot und hatten schon alles fuer mich vorbereitet in ihrem Resort. Das von einem hollaendischen Ehepaar gefuehrte Resort (Stamp Falls B&B | Comfortable, Natural and Friendly) war bestens gelegen und ausgeruestet fuer die Anforderungen der Anglerschaft. Jeglichen Fang kann man dort versorgen lassen; ob geraeuchert oder filetiert und tiefgefroren. Toller Service.


    Am naechsten Morgen ging es zum nahen Stamp River. Die Jungs hatten sich schon vor Jahren mit einem Grundstuecksnachbarn angefreundet der es ihnen fuer eine kleine Gebuehr erlaubte am Flussufer auf seinem Grundstueck zu fischen. Die angepeilte Stelle war wirklich eine erstklassige Angelstelle die die Jungs so fuer sich alleine hatten waehrend sich am anderen Flussufer die Angler draengten um an schlechtere Stellen heranzukommen. Und ich staunte auch ueber die ausgefeilte Methode die hier angewandt wurde; da wurde ueber Bleigroessen in Grammabstufungen nachgedacht, die Monoschnur wurde alle paar Tage ausgetauscht, die Ruten waren praezise auf die Multirollen abgestimmt, hunderte Vorfaecher vorgebunden und sauber verstaut. Und auch eine Kuehltruhe mit Bier auf Eis war dabei. Es dauerte nicht lange und alle 4 waren in Drills verwickelt. Grosse dunkle Fische schossen regelmaessig meterhoch aus dem Wasser. Einige Fische hakten sich selber wieder ab aber einige dicke Chinooks konnten bald gelandet werden. Da die Jungs schon ordentlich vor meiner Ankunft gefangen hatten, wollten wir hoechstens den einen oder anderen noch silbernen Coho behalten.


    Ich schaute mir das Schauspiel erstmal an. Dann drueckte mir Alex eine Rute in die Hand und erklaerte mir genau die Strategie. Dabei war super wichtig genau zu wissen wo die Lachse im Pool standen und wie der Stroemungsverlauf war. Warf man ein paar Fuss zu weit oder zu kurz oder zu weit seitlich, kam der Koeder nicht in den Aktionsradius der Fische. Peter war ein absoluter Experte dieser Angelei und fast jeder seiner Wuerfe brachte einen Fisch. Ich fuehlte wie mein Blei ueber den steinigen Grund holperte und ploetzlich zog es an und ich zurueck und ich war am Fisch. Na also! Der Fisch zog erst tief Richtung im Wasser liegenden Baumstaemmen und so musste ich fest dagegen halten. Dann sprang er und ueberschlug sich in der Luft und raste dann flussab um die Felsnase auf der wir alle standen herum, in eine ruhig Bucht unterhalb. Hier konnte man die Fische gut ausdrillen und dann auch landen. Alex und Markus kamen mit mir und feuerten mich an. Der Lachs gab nicht so schnell auf aber es war auch eine Freude einen schoenen Lachs an dem tollen Geraet zu drillen. Irgendwann schnappte Alex dann mit dem Kescher zu und ich hatte meinen ersten Stamp River Chinook; vielleicht 15 Pfund. Er war schon braun und sicher schon eine Weile im Fluss. Die anhaltende Trockenheit und niedrige Wasserstaende liess die Chinooks nicht weit den Fluss hoch und so hielten sie sich in den tiefen, sauerstoffreichen Pools im unteren Flussgebiet auf, bis die grossen Regenfaelle kamen.


    Die Jungs fingen noch etliche Chinooks – die meisten davon schon sehr dunkel. Aber ich war erstaunt wieviel Energie die trotzdem noch hatten im Drill. Hin und wieder kam mal ein etwas frischerer Chinook zu Tage. Dann kamen ploetzlich ein paar silberne Cohos in den Pool. Wahrscheinlich war es jetzt Flut und die brachte frische Lachse in den Fluss. Diese Cohos waren zwar etwas kleiner als die fetten Chinooks aber die Drills trotzdem spektakulaer. Ich hatte nach einer laengeren Durststrecke (anglerisch, kulinarisch brauchten wir keinesfalls dursten!) auch einen richtig schoenen Coho am Band – und landete bald einen bestimmt 8-9 Pfuender, pures Silber. Ich liess ihn aber auch wieder frei – es schien, dass die Jungs genug Fisch hatten. Andere Angler auf der anderen Flussseite fingen auch aber nicht so regelmaessig wie wir. Besonders Peter war unglaublich effizient and hatte kaum einen Wurf der nicht mindestens mit Fischkontakt endete. Ich konnte hier eine einmalige Fischerei erleben; man konnte sich wirklich mal so richtig ausdrillen, bis die Arme wehtaten. Und das Wetter war auch fantastisch an dem Tag; frueh hing noch ein zauberhafter Nebel ueber dem Fluss aber dann brannte sich bald die Herbstsonne durch und es wurde warm – fast noch heiss. Zwei Schwarzbaeren besuchten uns am anderen Ufer als sich gegen Mittag die Anglerschar dort aufloeste. Ein Mink schlich um unsere Ruecksaecke herum um vielleicht eine Leckerei zu stehlen. Und eine Art Blindschleiche erwischte und vertilgte vor unseren Augen einen Frosch; tolle Tierbeobachtungen am Lachsfluss beim Angeln, was will man mehr?


    Am spaeten Nachmittag machten wir Schluss und fuhren zurueck. Die gefangenen Fische wurden vom Resortbesitzer sofort bearbeitet waehrend wir uns auf der Terasse von dem Stress erholten!


    Fuer den naechsten Tag hatten wir was anderes vor; wir wollten mein Boot in Port Alberni reinlassen und mal im Fjord auf Lachse schleppen. Ich selber bin zwar schon einige Male mit meinem Boot ueber den Fjord gefahren um nach Bamfield am Barkley Sound zu kommen, habe aber im Fjord noch nie gefischt. Bis vor 30 Jahren war der Port Alberni Canal jedes Jahr eine Stelle fuer Monsterlachse. Einige Fjordnebenfluesse und Baeche hatten Chinookbestaende die immer wieder mal 50-60 Pfund Riesen hervorbrachten. Steelhead Forellen von 20+ Pfund waren noch in den 60ger Jahren keine Seltenheit. Und die Robertson Creek Hatchery am oberen Stamp River sah zu, dass auch die Lachsmengen stimmten. Aber die Lachsbestaende nahmen staendig ab und die Lachsriesen verschwanden wie auch die Steelheads. Auch wenn heute noch eine Menge Lachse in den Somass und Stamp River zogen, die Quantitaet und die Qualitaet sind in keinem Vergleich zu frueher. Man muss sich nur die Ergebnisse des jaehrlichen Angelderbies von Port Alberni ueber die Jahre ansehen: noch in den 80gern und 90gern musste man bei ueber 50 Pfund liegen um als Gewinner hervorzugehen (Chinooks natuerlich). Selbst 60 und paar 70 Pfuender wurden erlegt. In den 2000ern waren es noch ein paar 40 Pfuender oder hohe 30 Pfuender. 2022 gewann ein 27 Pfuender und dieses Jahr ein 23 Pfuender.


    Was sind die Gruende? Nicht einfach zu erklaeren, die volle Antwort hat keiner. Aber den Trend zu kleineren Lachsen sehen wir an der gesamten Pazifikkueste – Wissenschaftler vermuten, dass durch den Klimawandel Futterengpaesse im Nordpazifik entstehen, die das Wachsum der Lachse hemmen. Das so wichtige Krill weicht den immer oefter auftretenden warmen Stroemungen aus. Natuerlich spielt auch eine jahrzehnte, fast schon jahrhundertelange Ueberfischung eine Rolle. Die Brutstationen sollten das ausgleichen, sollten angeblich sogar besser als die Natur selber sein, was sie letztendlich aber nicht schafften und durch schlechte Zuchtpraktiken sogar noch zu einer Verarmung des Genpools beitrugen. Gewaesserverschmutzung und immer mehr menschlicher Einfluss in den Flussgebieten sind sicher auch erhebliche Faktoren.



    31.8. 2023; Sooke


    Die naechste Angeltour stand dann eine knappe Woche spaeter mit der Familie meines alten Schulfreundes Tilmann an. Es was das erste Mal das uns dessen gesamte Familie besuchte; Tilmann alleine hatte uns schon mal vor ueber 15 Jahren besucht, als meine Jungs noch ganz klein waren. In Deutschland bin ich Tilmann dann nochmal mal kurz auf einem Klassentreffen begegnet. Jetzt hatte ich mal die Gelegenheit seine Frau Anja und seine beiden Toechter Priska und Eva kennenzulernen. Sie kamen am Ende einer laengeren Nordamerikareise fuer eine knappe Woche zu uns. Tilmann waere gerne mal nach Tofino an die Westkueste gefahren um die weiten Sandstraende und den Regenwald zu sehen. Im Anbetracht der kurzen Zeit und der Tatsache das der Port Alberni Highway nach Waldbrandschaden immer noch teilweise gesperrt war, riet ich davon ab und schlug lieber lokale Tagesausfluege vor. Im Nachhinein eine gute Entscheidung. Ich nahm die 4 mal einen Tag mit auf den Cowichan Lake zum Tubing/Wasserskifahren. Wir hatten dort fast den ganzen See fuer uns alleine – alle hatten viel Spass dabei. Wir schauten uns die Raptor-Raubvogelshow in Duncan an, wir machten eine Tageswanderung im East Sooke Park, einen Tag Victoria Stadtrundgang und schliesslich wollte ich den 4 noch die Lachsangelei vor Sooke zeigen. Keiner der 4 hatte wirklich Angelerfahrung; schon gar nicht mit Trolling auf Lachs.


    Ich hoffte auf ein paar spaete Pinks, vielleicht noch einen Chinook, hoffentlich Wale und andere Meerestiere und vorallem ruhiges Wasser. Am letzten Augusttag versuchten wir es. Wir liessen MaxWaldi an der Cheanuh Marina ins Wasser und fuhren auf der Wasserseite des East Sooke Park Wanderpfades, den sie ein paar Tage zuvor kennengelernt hatten, entlang. Wir versuchten es erst am Beechey Head aber ausser einem Shaker ging dort nichts. Ich schlug vor weiter westlich bis vor Sooke zu fahren. Dort war das Meer auch viel ruhiger. Eva, die 10 Jaehrige, nie verlegen und vorneweg, war zuerst dran als der erste Biss kam. Ich schlug an, es fuehlte sich nach Pink an, und dann reichte ich ihr die Rute. Sie gab sich grosse Muehe aber es fiel Ihr nicht leicht die 3m Rute und die Moochingrolle in den Griff zu bekommen. Aber sie brachte den ersten Pink ans Boot. Der blutete schon also ging er mit. Alle bewunderten den kleinen 4 pfuendigen Pink. Ich hoffte da wuerde noch Groesseres kommen.


    Es war nicht das grosse Beissen aber alle 20 Minuten passierte mal was an den Ruten. Eva war es bald muede und ueberliess lieber ihrer 15 jaehrigen Schwester Priska das Feld. Die fuchste sich schnell rein in die Technik und entpuppte sich bald als ein Naturtalent. Bald bediente sie die Downrigger und Ruten kompetent und fing einige Pinks oder auch mal einen Coho. Wir liessen alle wieder frei – es hatte sich herausgestellt, dass Tilmann und Priska Fischkostveraechter waren und das das eine Fischgericht am ersten Abend mehr als genug fuer beide gewesen war. Sehr zum Leidwesen von Anja und Eva, die gerne Fisch assen. Wenn wir einen Chinook erwischen wuerden, wollte ich ihn fuer meinen invaliden Freund Gary mitnehmen. Wir alberten eine Menge auf dem Boot herum und Priska sorgte fuer den einen oder anderen weiteren Biss oder Fisch am Boot. Ich benutzte die letzten eingelegten Koederfische die noch von der Sommersaison uebrig waren und fischte eine Rute etwas tiefer um vielleicht einen Chinook unter den kleineren Lachsen zu erwischen. Tilmann versuchte sich auch mal an den Ruten wenn er eine Chance gegen seine eifrige Tochter bekam.


    Da zog ploetzlich die Koederfischrute ab und ich wusste, dass das ein besserer Fisch war. Ich sprang hin, schnappte mir die Rute, setzte den Haken und drueckte sie dann Tilmann in die Hand. Dann coachte ich ihn etwas – von wegen Schnur geben und nehmen – er machte das klasse. Dann hatten wir den vielleicht 10 Pfuender am Boot aber er kam hinter den Motoren hoch. Dort kam ich mit dem Kescher nicht hin und ich wartete darauf das Tilmann den Lachs zur Seite des Bootes gezogen bekam. Passierte aber nicht. Fuer Anfaenger ist es immer wieder ueberraschend wieviel Kraeft so ein kleineres Tier aufbringen kann. Er zog den Lachs eher zur Oberflaeche und dort begann er nun zu toben als er Luft witterte. Die Maedels hinter uns feuerten uns an und waren ganz aufgeregt. Ich wollte den Fisch nicht in den Motoren verlieren und versuchte ihn mit dem Kescher halb auf die Motoren kletternd herauszuschaufeln. Aber der Lachs fluechtete in einem Sprung und sprang ueber meinen Kescher drueber und landete zwischen Haupt- und Schleppmotor hinter der externen Lenkstange die Haupt- und Schleppmotor verband. Dort tauchte er sofort wieder ab in die Tiefe und Tilmann musste viel Schnur lassen.


    Was jetzt? Jetzt lief die Schnur hinter der Lenkstange entlang. Den Fisch durch dieses kleine Wasserloch wieder rueckwaerts durchzufaedeln und dabei zu keschern war unmoeglich. Ich versuchte die Rute unter der Lenkstange durchzufaedeln und kletterte dabei halb auf die Motoren auf. Fast waere ich reingefallen und fast haette ich die gute Rute dabei verloren. Nee, auch keine machbare Idee. Tilmann fragte ob ich die Lenkstange demontieren koennte? Hm… War der Fisch ueberhaupt noch dran? Jupp, fast schon unglaublich. Gott sei Dank hatten wir keine anderen Boote um uns herum und das Meer war ruhig. Ich machte den Schleppmotor aus, kippte ihn hoch und kraxelte wieder weit raus um die Lenkstangenkupplung zu erreichen. Geschafft! Die Stange kam ab und die Schnur war frei. Tilmann war wieder direkt am Fisch. Der war inzwischen auch muede und 5 Minuten spaeter kescherte ich ihn sicher. Das war ein Siegesgejohle auf unserem Boot! Also sowas Verruecktes hatte ich auch noch nicht erlebt! Immer wieder was Neues!


    Wir liessen uns mit der Flutstroemung zurueck zum Beechey Head treiben. Auf der Strecke hatten wir nur noch vereinzelt paar Bisse von Shakern. Am Beechey Head war es durch die Stroemung etwas wackeliger und ploetzlich tauchten die Rueckenflossen einer Gruppe Orcas auf. Na das war doch nochmal ein toller Abschluss eines feinen Angeltages. Tilmann fuhr uns zurueck zur Marina wo ich die beiden behaltenen Lachse filetierte und die beiden Maedchen hatten ihren Spass die Kadaver an die wartenden Robben zu verfuettern. Schoen! Wieder ein paar Kindern und Eltern eine tolle Angelei gezeigt und ihnen viel von der Biologie und Oekologie des Meeres erzaehlt. Spaetestens wenn ich alle mal hiergehabt habe, sollte es den Meeren und den Fischen dann bald besser gehen! 😊


    26.8. Sooke


    Jetzt muss ich ruckzuck mal einen Monat Berichte einstellen nachholen; es war eine ereignisreiche Zeit mit viel Besuch und auch einigen Abenteuern auf und am Wasser. Bin einfach bis jetzt nicht dazu gekommen. Aber jetzt….


    Also, Ende August war noch volle Bucklachszeit – ein fantastischer Zug dieser kleineren Lachse, hier Pinks genannt, nicht nur zum Fraser River sondern in fast allen Fluessen von Sued-BC bis nach Alaska. Fuer den Fraser River wurden die Schaetzungen auf ueber 20 Millionen alleine beziffert; der beste Buckellachszug seit ueber 20 Jahren! Anfang August kontaktierte mich aus Campbell River noch ein Forumsmitglied und fragte enttaeuscht warum keine Pinks im Campbell River waeren. Das war erstaunlich denn eigentlich ziehen die Pinks schon Ende Juli in diesen produktiven Fluss. Ich erkundigte mich mal bei den Lokalen und die meinten die Pinks waeren spaet, aber sie saessen vor der Flussmuendung und die Meeresangler wuerden viele fangen. Das half unserem deutschen Angelfreund aber auch nicht; er fuhr nun schon weiter nach Victoria im Sueden der Insel. Leider war ich dann schon auf dem Weg nach Malcolm Island und konnte ihn so nicht mehr mit auf’s Boot mitnehmen. Aber ich gab ihm noch den Tipp es mal von den Klippen am Beechey Head im East Sooke Park zu probieren. Und tatsaechlich fing er dort vom Ufer aus 2 Buckellachse! Ausdauer und lokales Wissen bringen Resultate! Uebrigens, auf dem Weg nach Malcolm Island fuhren wir durch Campbell River und 4 Tage spaeter auf dem Rueckweg war der Fluss rappelvoll mit Pinks. Die Lachsangelei im Fluss ist oft ein zeitliches Gluecksspiel fuer Touristen.


    Am 26.8., frisch zurueck von Malcolm Island, nahm ich meine Kollegin Jessica mit ihrem Mann James und dem 10 Jahre alten Sohn Anderson mit auf’s Boot in Sooke. James, der Papa, war selber Angler; hatte aber kein eigenes Boot. Er hatte Anderson schon paar Mal an das Angeln herangefuehrt; vom Ufer im Meer oder an Fluessen und Seen. Anderson war definitiv interessiert; aber als 10 jaehriger natuerlich nicht sehr geduldig. Aber dafuer war das Pinklachsangeln perfekt; non-stop Action. Es wurde ein wunderschoener Sommertag mit ruhiger See. Wir liessen zuerst die Krabbenfalle vor der Sunny Shores Marina ein und duesten dann raus vor den Fjord. Gleich an der ersten Stelle rappelte es bald los an den Ruten. Anderson hatte alle Haende voll zu tun einen Pink nach dem anderen ans Boot zu drillen. James musste manchmal ein bisschen mit der Rute halten helfen aber sonst machte er das ganz gut. Hin und wieder schnappte auch mal ein Coho zu – aber alle unmarkiert. Wir behielten 4 Pinks und wollten dann noch vielleicht einen Chinook erwischen. Dazu setzten wir zum Muir Creek um. Dort waren seltsamerweise kaum Pinks vor Ort – ich glaube wir fingen nur 2 in 2 Stunden.


    Anderson hatte mittlerweile etwas das Interesse verloren und schaute sich lieber nach Walen um, schaute ein paar Seeloewen zu und sichtete auch eine Gruppe Delfine. James uebernahm jetzt die Angelei. Ich schleppte uns langsam zum Otter Point zurueck und wir reihten uns in die kleine Trollingflotte die hier unterwegs war ein. James fischte jetzt mit Koederfischsystem um einen groesseren Lachs zu ueberlisten. Am beruehmten 3rd Rock hinter Otter Point bekam er auch einen guten Biss am Koederfisch; die Schnur riss sofort aus dem Downriggerclip heraus und die Rute wippte kraeftig als James sie sich schnappte. “Das ist ein Guter….” meinte er und gerade begann die Rolle zu singen, aber da gab es wohl einen Ruck in der Rute und der Fisch war weg. Anderson hatte schon aufgeregt den Kescher herausholen wollen aber lernte jetzt, dass ein gehakter Lachs noch lange nicht ein gelandeter war. Wir drehten noch 2 oder 3 Runden um die Stelle aber ausser einem Pink und einem Baby-Chinook biss dort nichts mehr. Schliesslich zog ich uns bis zur Spitze des Otter Points und wir drehten dort noch ein paar Runden. James und Jessica fingen hier noch ein paar Pinks die wir alle wieder freiliessen. Als James es mal wieder mit einem Pink zu tun hatte, riss es an der anderen Rute hart. Jessica winkte ab, Anderson wollte auch nicht mehr an die Rute – so schnappte ich sie mir und genoss einen feisten Cohodrill. Der Coho verbrachte mehr Zeit in der Luft als im Wasser!


    Als ich ihn dann endlich am Boot hatte, suchte ich die Fettflosse. Ich konnte nichts erkennen und so kescherte James den Fisch. Im Netz untersuchte ich nochmal genau – ah, da war sowas wie eine Fettflosse – oder nicht? James hielt den Fisch fest und wir schauten nochmal ganz genau hin: es war nur ein winziger Restfetzen der Fettflosse vorhanden; vielleicht 20% der urspruenglichen Flossengroesse. Das war eindeutig ein markierter Coho – nur war die Fettflosse nicht komplett entfernt worden. Ich habe dutzende Male an der Brutstation mitgeholfen Babylachse zu markierten – da wird ein Eimer voll Junglachse, etwa 3-4 cm lang, mit einem Betaeubungsmittel ruhig gestellt und dann stehen da 20-30 Freiwillge mit Fingernagelscheren und schnippeln den kleinen Kerlen die Fettflosse ab. Wenn die Mitarbeiter das Betaeubungsmittel mal etwas duenn angeruehrt hatten, dann hatte man quirrlige, glitschige Minilachse in der Hand und versuchte mit der Schere eine Flosse von weniger als 1x1mm zu erwischen. Da kam es schon mal vor, dass eine Flosse unvollstaendig beschnitten wurde oder auch schon mal ein Babylachs halbiert wurde. Kein perfektes System. Vor diesem Hintergrund, entschloss ich den Coho als markiert mitzunehmen.


    Kurz danach hatte James am Koederfisch nochmal einen kraeftigen Biss und diesmal hing der Bursche. Ein spannender Drill began und der Chinook wollte einfach nicht aufgeben. Anderson sprang aufgeregt von einer Bootsseite zur anderen und feuerte seinen Papa an. Einmal rief er “Sealions!” und zeigte auf eine braune Masse ca. 50 m neben dem Boot. Ich war sofort alarmiert und machte Wurfgeschosse bereit sollten die Seelowen Anstalten machen unseren Lachs zu attackieren. Gluecklicherweise waren die 3 Seeloewen nicht interessiert oder hatten den kaempfenden Fisch nicht bemerkt und sie zogen weiter. 4 oder 5 Mal hatte James den Fisch dicht am Boot und ich wollte mit dem Kescher zulangen aber jedes Mal buechste er nochmal aus oder er stand zu tief fuer den Kescher. Dabei war er gar nicht so gross – vielleicht 13 oder 14 Pfund. Aber dann endlich sackte ich ihn ein und wir klatschten alle James ab. Das war ein sportlicher Drill gewesen! Kurz danach packten wir ein und fuhren Richtung Krabbenfalle im Fjord zurueck.


    Als wir gerade den Fjordeingang passiert hatten, kam ein Fischereiaufseherboot auf uns zu und legte an uns an. Die waren super freundlich und fragten nach den Lizenzen und fragten Anderson ob er Spass gehabt haette und auch was gefangen hatte. Ich oeffnete die Fischkiste und sie wollten den Chinook kurz sehen; alles gut. Ich wiess sie noch ganz unschuldig auf den Coho hin der halb unter den Pinks begraben lag und zeigte ihnen die 80% entfernte Fettflosse freiwillig. Da wurde die eine Dame ernst und meinte die Fettflosse muesste komplett entfernt sein um als markierter Lachs zu gelten. Das hier waere ein illegaler Fisch. Mit wurde etwas mulmig und ich erklaerte meine Erfahrung mit dem Markieren an der Brutstation etc. Jessica hatte inzwischen den Orginaltext des Regelwerkes gegoogelt und dort stand woertlich “…eine verheilte Narbe an der Fettflossenstelle…” Ich zeigte den Aufsehern das das eine fein verheilte Narbe war – nicht frisch abgeschnitten, nur eben nicht 100% entfernt. Die Dame liess nicht locker bis ein aelterer Officer einschritt, mir erstmal fuer meine Freiwilligenleistung an der Brutstation dankte, er verstuende mein Argument aber man wolle eben auch keine Gesetzesunterwanderungen einreissen lassen. Er empfiel der Dame mir eine Verwarnung zu geben und den Fisch zu konfiszieren und es dabei zubelassen. Er schien der Vorgesetzte der Dame zu sein denn sie war sofort damit einverstanden, ich nickte auch um die Sache nicht eskalieren zu lassen, besonders im Beisein des Kindes. Ich sah in Jessica’s Gesicht die Unzufriedenheit aber auch sie behielt ihre Meinung fuer sich. Ich reichte den Coho rueber und der Aeltere versicherte mir schmunzelnd, dass der Fisch an die Food Bank gespendet wuerde und nicht auf dem naechsten Ministeriumsgrillabend verspeist wuerde. Damit war die Sache erledigt und wir fuhren weiter.


    Ein bisschen wurmte die Sache mich und besonders Jessica aber doch. Haette ich den Coho nicht so voreilig herausgekramt, die haetten ihn wahrscheinlich gar nicht gesehen. Sie hatten keine Anstalten gemacht auf mein Boot zu kommen und die Fischkiste richtig zu untersuchen. So sicher war ich meiner Sache gewesen. Und deren Regelauslegung haette man sicher einfach vor Gericht anfechten koennen. Aber was soll’s, fuer ne Verwarnung war die Aufregung nicht wert. Wir fanden noch 3 fette Krabben in der Falle und bekamen so vom Meer noch was zurueck. Alles in allem ein schoener Tag mit einer Lehre: nimm’ keinen unvollstaendig markierten Lachs mit und zeige nur die Fische die gefordert werden!


    17.8. – 21.8. 2023; Malcolm Island – Tag 5, Cont....


    Wir hatten noch 45 Minuten bis wir Dave treffen wuerden. Bei dieser glatten See dauerte die Ueberfahrt nur 20 Minuten. Wir koennten noch eine Runde machen. Alex? Ok! Ich koederte nochmal einen Koederfisch an – diesmal nur am Drilling ohne Angsthaken. Der Blinker ging auch nochmal rein und dann machten wir noch einen Pass am Krautfeld vorbei. Wir waren schon vorbei und fuhren ins Tiefere und ich schaute nach vorn – da hoerte ich Alex aufspringen und die Blinkerrute greifen. Ich sah gerade noch wie hart die schon gespannt war. Wow! Wieder ein guter Fisch! Der schoss wie von einer Tarantel gestochen davon – gluecklicherweise waren wir schon ein Stueck weg vom Krautfeld. Das andere Boot sah was bei uns los war und drehte rechtzeitig ab. Wir hatten also keine unmittelbaren Hindernisse im Wege. Ich raeumte wieder das Deck und machte den Kescher klar – der musste gelandet werden.


    Der Fisch hatte nun die Taktik geaendert und kam nun flach und schoss tatsaechlich voll aus dem Wasser! Whoooaaa! Und was fuer ein Brocken! Wir yahooten auf und ich konnte nicht anders als Alex zu sagen das das auf jeden Fall der Fisch des Trips waere. Weit ueber 20 Pfund meinte ich. Ein strafender Blick schoss zur mir rueber. Wenn bloss der Haken gut sass. Alex machte Druck um den Drill nicht zu lange herauszuzoegern. Aber so ein grosser Fisch hat eben andere Plaene und sobald er ihn in Bootsnaehe hatte, zog er wieder stur ab. Dann stand er mal ein paar Sekunden still ca. 2 m tief neben dem Boot. Was fuer einen Nacken der hatte! Dann zog er unter dem Boot durch und Alex steckte die Rutenspitze hinter den Motoren ins Wasser und brachte die Schnur sicher auf die andere Seite. Nochmal gut gegangen. Dann kam er hoch und ich fasste mit dem Kescher zu – er war drin…… oder doch nicht – fast kippte mir das Gewicht des Fisches den Kescher nochmal um aber ich fasste nochmal nach und sackte ihn endgueltig ein. Gewonnen! Wir jaulten auf, klatschten uns ab und strahlten uns an. Ein Buzzer-Beater, letzte Sekundenfisch. Und was fuer einer! Ich liess den Fisch noch im Wasser im Kescher.


    Der Blinkerhaken war schon raus und hing im Netz – das war knapp gewesen! Alex machte das Handy und die Kamera fertig, dann uebergab ich ihm den Kescher und ging an die Kamera. Dann holte Alex den Goldbrocken aus dem Netz und ich schoss ein paar Bilder. Alex war gluecklich! Dann setzte er ihn behutsam ins Wasser, schubbste ihn noch ein paar Mal hin und her und schon schoss er ihm aus der Hand. Was fuer ein Abschluss des Trips. Und jetzt mussten wir aufhoeren? Immer wenn es am Schoensten ist! Ich schaetzte den Fisch auf 22 Pfund. Vielleicht sogar ein bisschen mehr – wenn ich mir die Bilder anschaue und beruecksichtige das Alex 2m gross ist, koennte er auch schwerer gewesen sein. Wie dem auch sei, es war mit Abstand der groesste unseres Malcolm Trips und sogar der groesste auf meinem Boot dieses Jahr – bisher. Wenn unser Freund Alec hier gewesen waere, haette er wie schon so oft, die Trophaee in letzter Sekunde wieder an Alexander abtreten muessen. So ist er eben unser Alexander, er weiss eben wenn man beim Angeln schlafen kann und wann man hellwach und auf Posten sein muss!


    17.8. – 21.8. 2023; Malcolm Island – Tag 5


    Und schwupps war der letzte Morgen und Abreisetage schon wieder da. Wie um uns zu aergern sah nun die Windvorhersage fuer mehrere Tage in Folge hervorragend aus. Jetzt haette man ankommen muessen! Dave musste spaetestens um 11:00 Uhr an der Faehre sein. So hatten wir noch 2-3 Stunden frueh morgens zu dritt zum Angeln, dann schnell alles ins Auto und Boot packen, Dave zur Faehre und Alex und ich konnten noch 2 Stunden weiterangeln und wuerden dann ab 13:00 Uhr Dave auf treffen, auf der anderen Seite an der Bootsrampe.


    Es sollte ein windstiller Morgen werden und man haette nochmal zum Black Bluff donnern koennen aber mit der letzttaegigen Erfahrung und den Berichten von Mitchell Bay vor unserer Tuere beschlossen wir, gleich hier vorn zu angeln und so unsere beschraenkte Zeit maximal zu nutzen. Man haette nicht mal den grossen Motor anwerfen muessen und haette direkt vom Dock weg schleppen koennen.


    Alex war noch nicht richtig munter und legte sich gleich unter Deck ab. Dave und ich machten die Koederfischsysteme fertig und legten 2 Ruten aus. Wieder schnauften 2 Buckelwale in der Bucht herum und am Echo sahen wir auch warum: etliche Futterfischschwaerme trieben sich hier herum. Bald ruckelte erst Daves und dann auch meine Rute los – die Pinks waren aktiv. Wir wollten von denen nur noch die mitnehmen, die vielleicht tief oder kritisch gehakt waren. Es war ein munteres Beissen und zeigte wieder die unglaubliche Anzahl an Buckellachsen in diesem Jahr. Ich habe gerade den Update des Fischereiministeriums gelesen – die Aufstiegsmenge nur in den Fraser River alleine wird nun auf 20 Millionen geschaetzt. Das ist das beste Ergebnis seit 20 Jahren. Und die Pink-Staemme zum Knight Inlet, Campbell River und ueberhaupt bis ganz hoch nach Alaska sehen aehnlich gut aus. Fantastisch fuer die Natur!


    Dann setzte Dave einmal den Haken in etwas Groesseres. Wir waren ziemlich am Ende unserer Strecke in die Naehe eines Kelpfeldes gekommen. Hier schleppten auch schon 2 andere Boote. Das war ein besserer Fisch was die lossingende Rolle Daves bestaetigte. Na also! Dave genoss den Drill eines feisten Gegners der hin und her schoss. Aber wir waren ja nun schon eine gut geoelte Fangmaschine und so sackte ich den 13-14 Pfuender bald ein. Schoen! Mal sehen ob noch mehr ging. Ich zog nun Schleifen um die selbe Stelle und 10 Minuten spaeter haemmerte es in Dave’s Rute und ich befuerchtete fast der Rutenhalter wuerde abbrechen. Ich raeumte das Deck zur Landung und nach einem ordentlichen Kampf ergab sich bald ein etwa 15-16 Pfuender. Dave war gluecklich. Noch hatten wir mindestens eine Stunde. Dann war ich endlich mal dran. Der Biss sah noch nach nichts groesserem aus – nur ein paar Tap Tap Rucke was meistens Shaker oder andere Kleinfische andeutete. Als ich aber halbherzig anhieb, kam mir ploetzlich ein staerkeres Kopfschuetteln entgegen. Aha, das war deutlich mehr als gedacht. Und tatsaechlich sausste auch bald Schnur von meiner Rolle. Ah, man hatte fast vergessen wie sich das anfuehlt!


    Als der Fisch dann auf einmal auf das Boot zugeschossen kam, dachte ich fuer einen Moment er waere weg aber dann spannte sich die Rute wieder ploetzlich und der Fisch donnerte in die entgegengesetzte Richtung und die losfliegenden Rollengriffe ratterten ziemlich hart ueber meine Finger – aua! Aber dann gewann ich bald die Oberhand und arbeitete den Fisch heran. Als er auftauchte war ich ein bisschen enttaeuscht – der war vielleicht 12 Pfund oder so. Hatte ueber seine Verhaeltnisse gekaempft. Wir beschlossen den auch noch mitzunehmen. Dave verlor noch einen guten Fisch und wir liessen noch 1 oder 2 unmarkierte Cohos frei und sowieso noch ein paar Pinks. Dann packten wir schweren Herzens ein – warum war das nicht schon die ganzen Tage so gewesen? Vielleicht war es aber wir hatten hier in Mitchell Bay nie so richtig geduldig geangelt.


    Dave machte schnell die Fische klar waehrend Alex und ich die Ferienwohnung ausraeumten. Dann fuhr Dave zur Faehre und auch wir verabschiedeten uns von unseren Vermietern und legten ab. Alex war jetzt wach und wir fuhren nochmal zur Stelle von vorhin. Beim Fische filetieren hatte Dave kleine 5-7cm Miniheringe in allen gefangenen Lachsen gefunden. Ich montierte einen schlanken Cohokillerblinker der genau in dieses Beuteschema passte. Wir drehten ein paar Runden an der erfolgreichen Stelle von heute morgen und wir fingen wie immer ein paar Pinks und auch einige ziemlich gute Cohos, die leider alle unmarkiert waren. Dann sahen wir einen Angler alleine in einem kleineren Boot ganz dicht an einem ufernahen Kelpfeld schleppen und ploetzlich einen guten Fisch haken. Wir beobachteten das eine Weile bis er einen feinen Chinook kescherte. Das wollten wir auch mal probieren.


    Ich fuhr uns dicht am Kraut vorbei und wir mussten flach angeln – es war hier nur 15m tief. Da riss es hart an der Blinkerrute und ich war gleich dabei. Jawoll, das war ein guter Fisch. Schwere Kopfstoesse und dann nahm er Fahrt auf und ich liess ihm Schnur. Allerdings waren wir dicht am Kraut und ich konnte den Fisch nicht weit laufen lassen und machte ordentlich Gegendruck. Und da passierte es – ein Ruck und der Widerstand war weg. Mist! Haken losgekommen! Schnell machten wir die Rute wieder fertig und setzten zu einer neuen Runde ein. Diesmal kam mir das andere kleine Boot in die Quere und ich konnte nicht ganz so dicht am Kraut vorbei wie ich wollte. Trotzdem zog ploetzlich wieder die Blinkerrute ab – die Koederwahl nach den natuerlichen Vorbildern hatte sich schon ausgezahlt! Diesmal war es wieder ein feiner Coho der wieder schwimmen durfte.


    Bei der naechsten Runde passte ich ab wann das andere Boot an der Stelle durch war und dann konnten wir unsere Ideallinie schleppen. Rumms! Diesmal loeste die Koederfischrute gleich aus und wurde dann hart nach hinten gezogen. Alexander parierte und war an einen gewichtigen Gegner gekettet. Ich zog uns erstmal weg vom Kraut und holte dann die zweite Rute ein und beide Downrigger. So, jetzt waren alle Hindernisse am Boot aus dem Wege. Alexander hatte viel Schnur verloren und gewann nun erst etwas zurueck. Dann schoss der Bursche an die Oberflaeche und wir sahen eine grosse Schwanzflosse – oha, das waere der groesste des Trips. Alex sah mich scheltend an – er wollte solche Kommentare nicht waehrend eines spannenden Drills hoeren – er war so schon nervoes den Fisch vielleicht noch zu verlieren. Aber er machte das klasse und liess den Fisch seine Kraefte vergeuden und brachte ihn naeher und naeher wenn er konnte. Wir sahen schon einen grossen Schatten neben dem Boot auftauchen – aber noch zu tief zum Keschern. Da schuettelte das Biest zwei – dreimal wild mit dem Kopf – es gab einen Ruck in der Rute und der Fisch war ab. Er schlenderte langsam tiefer und verschwand gemaechlich. Waaassss!? Alex fluchte leise. Was war passiert? Ich inspizierte das Geraet – der Angsthaken war abgerissen! Die spaeten Lachse hatten schon gefaehrliche Gebisse gebildet und diese scharfen Zaehne waren immer eine Gefahr fuer ein Vorfach. Das hatte uns diesen Fisch gekostet. Wir haetten ihn eh wieder freigelassen aber ein Foto haetten wir doch gerne noch gehabt.



    17.8. – 21.8. 2023; Malcolm Island – Tag 3/4


    Um unseren besten Tag voll zu nutzen, standen wir wieder noch im Daemmerlicht auf und eine halbe Stunde spaeter legten wir vom Dock ab. Diesmal ging es ueber spiegelglattes Wasser. Wir diskutierten ein bisschen ob wir eine Morgenrunde direkt in der Mitchell Bay vor einem Kelpguertel machen sollten. Einige andere Boote waren dort schon am Werke. Wir sahen aber keine krummen Ruten oder wackelnde Kescher und so duesten wir weiter auf die Rueckseite von Malcolm Island. Dort, ganz am anderen Ende, war mein Happy Place, eine Stelle die uns ueber Jahre schon Sternstunden gebracht hatte, die sich in unsere Hirne eingebrannt hatten. Diese spezielle Stelle war wohl nur heute erreichbar: das Black Bluff. An diese Stelle traeume ich mich in Meditation wenn mal richtig Stress herrscht. Da leben die Riesenlachse und die Welt ist dort noch in Ordnung. Als wir ankamen, war es wie ein nach Hause kommen. Da lag, seit Jahren unveraendert, das langgestreckte Kelpfeld vielleicht 50m vor dem wilden kiesigen Strand. Dahinter ein Steilufer mit dunklen Tannen bewachsen. Ein anderes Boot war schon da aber oft hatte man diese Stelle alleine – wegen des langen Anfahrtsweges.


    Erwartungsvoll machten wir zwei Koederfischruten fertig und setzten sie an den Downriggern ein. Die ersten Bahnen zogen wir dicht am Kelprand vorbei. Oft zogen dort die grossen Raeuber entlang und schnappten nach allem Kleinen das den Kopf aus dem schuetzenden Kraut steckte. Aber heute schien hier Ruhepause zu herrschen. Wir sahen einige gute Sicheln auf dem Echo aber konnten keine Bisse erzwingen. WIr versuchten es etwas weiter draussen und mal wechselnd tief und flach. Nichts, ausser ein paar kleinen Shakern. Auch das andere Boot signalisierte null Action. Es war volle Ebbe; vielleicht war das das Problem – das Black Bluff fischte sich besser bei Flut. Aber es war Futter vor Ort und wir sahen einige gute Fische auf dem Echo – so musste es nur eine Frage der Zeit sein, bis jemand zuschnappte. Wir schleppten noch 2 Stunden kreuz und quer herum aber ausser ein paar wenigen Pinks ging uns nichts brauchbares an den Haken. Da ich in der Vergangenheit auch schon paar Mal einen Heilbutt beim Schleppen nahe Grund erwischt hatte, versuchte ich das auch ne zeitlang. Auch nichts.


    Eine Gruppe Orcas kam vorbei und brachte etwas Abwechslung. Als der Gezeitenumschwung anstand, mussten wir uns entscheiden: weiter hier auf Lachs probieren und hoffen das die einsetzende Flut entweder die vorhandenen Fische aufweckte oder neue Lachse einschwammen. Oder die guenstige Gezeitenstellung fuer Heilbutt zu nutzen – auf einer der Untiefen weiter draussen. Da Heilbutt mein dringenstes Ziel war, beschlossen wir aufzubrechen. Wir duesten die 10 Minuten zur Georges Bank raus; mitten in der Queen Charlotte Strait. Das Wasser war wie ein Ententeich und schnell hingen wir am Anker fest und liessen 2 Grundruten mit Koederfisch ein. Alex pilkte noch zusaetzlich mit einer dritte Rute vom Bug. Erst hatte nur Alex etwas Action mit einigen Felsenbarschen und einem kleineren Dorsch. Aber dann zog wohl unser Duftsack die Dornhaie an. Und Massen davon. Es war non-stop. Erst hofften wir wir muessten uns nur durch eine kleine Zahl Haie durchangeln bis dann mal ein Butt zufasste aber nach 1,5h, gefuehlten 100 Haien und keinem Buttkontakt, wechselten wir die Stelle.


    Nach einer halben Stunde waren wir dort in der gleichen Situation. Eine Stunde spaeter wechselten wir nochmal zu einer anderen Stelle, an der wir schon vormals Butt gefangen hatten. 3h spaeter dort, hatten wir fast alle unsere Heringe und Lachsfetzen verfuettert und keiner hatte mehr Lust Haie hochzukurbeln. Die bissen jetzt sogar an den blanken Pilker – es mussten tausende da unten herumtoben. Enttaeuscht brachen wir am Nachmittag ab und fuhren zurueck zur Inselkueste. Wir setzten die Lachsruten nochmal am Lizard Point ein und schleppten dann das Suedostufer der Insel entlang. Wir fingen noch ein paar Pinks und auch ein paar ordentliche Cohos. Die letzteren haetten wir schon gerne behalten aber alle waren unmarkiert. Kurz vor Schluss hatte Dave erst noch ein paar kleinere Felsenbarsche an der Lachsrute als er dichter am Grund fischte. Ich passte schon gar nicht mehr so auf was er da so reinkurbelte und wieder abhakte. Aber ploetzlich rief er erstaunt auf und als ich mir ansah was er da neben das Boot gebracht hatte, machte ich grosse Augen: einen Baby-Heilbutt! Den kleinsten den ich je gesehen hatte; vielleicht 6 Pfund oder so. Da er den Koederfisch und die Haken gut verschluckt hatte, nahm Dave ihn auch mit. Heilbutt hat hier kein Mindestmass: es ist auch hoechst selten, dass man einen Butt von unter 5kg faengt.


    So ging unser bester Wettertag recht fischarm aber doch noch mit einer kleinen Ueberraschung zu Ende. Unsere Vermieter erzaehlten das einige Boote heute hier direkt in Mitchell Bay ganz gut Chinooks gefangen haetten. So waren wir wohl an der besten Stelle einfach vorbeigebrettert. Morgen frueh wollten wir das mal probieren – der Wind wuerde uns nur ein kurzes Fenster am Morgen erlauben. Und so versuchten wir es nach einem etwas spaeterem Fruehstueck nur so 300m von unserem Liegeplatz entfernt. Wir fingen wieder Pinks und ein paar unmarkierte Cohos. Einmal schien Alex einen besseren Fisch am Band zu haben der wohl gerade Schnur nehmen wollte aber der stieg dann auch schon wieder aus. Schade. Nach 2-3 Stunden wurde es dann zu ungemuetlich und wir machten lieber einen Landausflug zu einem Kiesstrand (Bere Point) auf der Nordseite der Insel zu dem die Orcas regelmaessig zum Baeuche reiben kommen. Leider waren die Orcas gerade nicht da aber die Schautafeln mit Bildern beschrieben das Naturereignis ganz gut, fand ich. An dieser Kuestenstelle ist ein rustikaler Campingplatz auf dem sich im Sommer eine Menge Natur-und Walfreunde versammeln um das Schauspiel vielleicht mal live zu erleben. Danach dinnierten wir noch in der einzigen Imbissbude (Restaurants gibt es auf Malcolm Island schon gar nicht) in Sointula am Hafen. Schon ein komisches Voelkchen die finnisch abstaemmigen Malcolmer Leute!