Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

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cohosalmon
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Beitragvon cohosalmon » 18.01.2013 - 1:36

paar Fischbilder

Coho in Action
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Wunderschoener Coho vor Release
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Chinooks im Fluss
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Chum nach/waehrend/vor dem Laichen
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Vielseitigkeit des Angelns

Flussangeln auf Winter Steelhead
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Uferangeln im Meer
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Bootsangeln im Meer
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cohosalmon
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Beitragvon cohosalmon » 18.01.2013 - 1:40

Eindruecke um Victoria

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weiter im Norden der Insel

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xXSTÖRFALLXx
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Beitragvon xXSTÖRFALLXx » 18.01.2013 - 20:32

Wow, tolle Bilder, besonders das dritte Bild ist echt der Hammer!

cohosalmon
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8.3.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 09.03.2013 - 8:24

So, endlich das erste Mal auf’s Wasser dieses Jahr! Und es ist schon Maerz! Unglaublich wie schnell die Zeit wieder vergeht. Ich hatte die letzten Wochen sehnsuechtig die Fangberichte von Freunden und Bekannten gehoert – die Winterlachse waren das Ziel. An einigen Tage hatte es ordentlich gerappelt, vor Victoria, aber auch in Sooke. Einige Male ging auch gar nichts – irgenwie waren nur wenige Heringsschwaerme da - solche Berichte hatten mich dann immer beruht wenn ich wieder in irgendwelchen Eishockeystadien unterwegs war oder mit unserer neugegruendeten Anglergesellschaft beschaeftigt war. Nur nichts verpassen...lol!

Heute passte alles, arbeitsfrei, herrliches sonniges und windstilles Fruehlingswetter und keine Termine! So hatte ich mich entschlossen, fuer 2-3 Stunden eines meiner Winterlieblingsreviere unsicher zu machen: Whirl Bay, zwischen Pedder und Becher Bay. Dort habe ich um diese Jahreszeit schon manchen Lachs herausgezaubert. Ausserdem mussten die neuen Bootssitze eingeweiht werden. Die Katze hatte die alten beim Krallenschaerfen regelrecht zerlegt und so habe ich nach ein paar Wochen suchen ein sehr guenstiges Gebrauchtangebot gefunden. Natuerlich musste alles wieder umgebaut werden weil die neuen Sitze nicht auf den Unterbau der alten passten. Immer das Gleiche!

Jetzt aber zum Angeln. War also gegen 10:00 Uhr an der Pedder Bay Marina angekommen – war der einzige Kunde da heute. Schoen aber auch seltsam. Es war ein Genuss durch den warmen Vormittag den kleinen Fjord hinauszuduesen. Der Motor freute sich auch ueber den laengst faelligen Auslauf! Nach 15 Minuten war ich an der Whirl Bay. Kein Boot weit und breit. Es war maessige Flut und bei Flut fische ich gerne die Kehrstroemung hinter Church Rock – einer Insel am Westende der Bucht. Dort gibt es, vom sonst eher langweiligen Sandgrund um die 40-50 m abgesehen, eine Steilkante zu einem kelpbewachsenen Riff. Der Trick ist moeglichst dicht am Knick und dicht am Grund zu fischen denn dort jagen die Lachse entlang. Dort druecken sie sich vor der Stroemung und koennen vom tiefen aus Kleinfische an der Kante ueberfallen. Dicht am Riff und Grund ist natuerlich haengergefaehrlich und ich habe ueber die Jahre dort auch schon fleissig geopfert. Aber das gehoert eben dazu.

Ich angelte mit einer Koederfischmontage etwas ueber Grund –in 40 m und mit einer Glow-Blinkermontage hart am Grund. Ich steuerte senkrecht auf das Riff zu und drehte dann dicht daran scharf parallel dazu um den Knick entlangzuschleppen. Der erste Pass war etwas konservativ um mich erst wieder einzuschiessen. Beim zweiten Pass war ich extrem dicht dran. Ich musste hellwach sein und schaute immer abwechselnd vom GPS Plotter zum Echolot und zu den Ruten. Ich war schon am Riff vorbei und die Tiefe fiel schon ab als die Blinkerrute ausloeste und wild zu rucken anfing. Juhu! Endlich wieder am Fisch! Ich schlug an und fuehlte Widerstand der auch gleich unwillig wegzog. Eine Strudelstroemung dreht das Boot und ich konnte mich nicht allein auf den Fisch konzentrieren sondern hatte eine Hand am Steuer.

Waehrend ich nun etwas Schnur gewann, sah ich wie die zweite Rute zuruecksprang und ebenfalls zu reissen anfing. Na toll! Double header beim Solofischen! Ich drehte einfach die Rollenbremse etwas weicher und konzentrierte mich ersteinmal auf den ersten Fisch. Der ruckte und kamepfte ordentlich – immer noch tief. Mit zwei Knopfdruecken holte ich beide Downrigger hoch um nicht, falls ich auf’s Riff zuruecktrieb, die Gewichte zu verlierenr. Ich sah immer noch wie die zweite Rute wild tanzte und die Rolle 2 – 3 Mal kurz kreischte. Es muss doch auch immer Chaos passieren wenn man mal allleine ist!

Jetzt hatte ich den Fisch dichter am Boot aber er mochte das wohl nicht und sausste wieder ab aber diesmal nach links und direkt in die Schnur der zweiten Rute. Es ging so schnell, dass ich nichts dagegen unternehmen konnte. Jetzt zog es noch mehr an der zweiten Rute. Ich versuchte die Ruten untereinander durchzufuehren um die Schnuere wieder zu trennen aber es war schon hoffnungslos. Ich musste mich jetzt konzentrieren wenigsten einen der beiden Fische zu landen. Bei solchen Situation, besonders bei Sommer-Grosslachsen – gehen dann oft beide verloren. Ich loeste die Bremse der zweiten Rute ganz um keinen weiteren Widerstand zu erzeugen. Dann machte ich Druck auf den Fisch der jetzt Muedigkeitserscheinungen zeigte. Noch eine kurze Fluch unter das Boot – ich drehte den Schleppmotor auf und bekam den Fisch wieder an‘s Heck. Dann zog ich den Burschen mit Schwung in den Kescher. Geschafft! Haha! Die Schnur der zweiten Rute war hoffnungslos um den Flasher und Wirbel verleiert. Ich griff die Schnur die vom Kescher ins Wasser fuehrte und nahm Fuehlung auf. Aber es war nur noch der Flasher und Koedermontagenwiderstand zu spueren. Der war weg!

Naja, ich kuemmerte mich um den feinen etwa 7 Pfund Winter Spring und entfitzte den Schnursalat. Man will ja den Koeder wieder schnell in die Beiszone bekommen. Bis ich wieder einsatzbereit war und wieder zum Riff zurueckgeschippert war, waren bestimmt 20 Minuten vergangen. Ich versuchte diese Tack noch 3-4 Mal aber es schien jetzt nichts mehr zu wollen. Bei einer sehr aggressiven Anfahr auf das Riff musste ich schnell den tiefen Koeder hochholen um ich spuerte wie das Downriggergewicht ueber Felsen holperte. Gluecklicherweise haengte es sich nicht fest. Als es in sicherer Hoehe war sah ich ein feines Zuckeln an der Rutenspitze. Ich wusste sofort was das war – ein Felsenbarsch hatte zugeschnappt. Wahrscheinlich ein Kleiner. Tatsaechlich brachte ich einen stachligen Kupfer-Felsenbarsch von vielleicht 1-2 Pfund herauf. Die Kerle sind bis 1. Juni sowieso geschont und weil die Bestaende nicht mehr so zahlreich sind, lasse ich die meisten sowieso wieder frei. Nur wenn denen wie bei Dorsch oder Leng die Schwimmblase zum Halse heraushaengt, nehme ich sie schon mal mit in der Saison. Lecker sind sie allemal. Der hier war in tip top Verfassung. Ich machte noch ein Foto fuer Euch und hakte ihn dann ab. Er schoss sofort in die Tiefe, und das war auch noetig fuer ihn wie ich gleich merkte.

Ein grosser Schatten fiel ploetzlich auf mich und ich schaute erschrocken nach oben. Keine 10 m ueber meinem Boot drehte gerade ein voll ausgewachsener Weisskopfseeadler ab der wohl schon voll im Sturzflug gewesen war. Der wollte sich den Barsch klauen! Ein toller Anblick wenn ich auch im ersten Moment richtig erschrocken war. Dann sah ich noch einen zweiten Adller etwas weiter hoeher kreisen. Mensch, da war ich wohl voll ihn ihrem Revier am Raeubern und sie machten mir das deutlich klar. Der eine flog in die hohen Baumwipfeln am Ufer und der anderen setzte sich auf die Felsklippen von Church Rock. Ich konnte nur noch den auf der Felsklippe als schwarz-weissen Punkt erkennen. Und die hatten den kleinen Barsch an meiner Angeln an der Oberflaeche zappeln sehen von dieser Entfernung. Alle Achung fuer eine solche Sehleistung.

Ich versuchte es noch eine halbe Stunde aber die Lachse waren verschwunden. Auf dem Heimweg hoerte ich ueber Funk, das auf Constance Bank der Lachs nur so tanzte und einige Guide schon nach kurzer Zeit mit Limits an Winterlachsen fuer ihre Gaeste nach Hause fuhren. Naja, will nicht meckern, hatte einen sehr schoenen, geruhsamen Tag mit einem Fisch und einer tollen Adlerbegegnung! Jetzt geht’s erstmal 2 Wochen nach Deutschland und wenn ich wieder komme ist die Heilbuttsaison im Gange! Kann’s kaum erwarten!

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Beitragvon Tidi » 11.03.2013 - 22:20

Sehr schöner Bericht mit tollen Bildern, Danke!

cohosalmon
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Lachsnachwuchs

Beitragvon cohosalmon » 26.04.2013 - 23:48

Bevor man Lachse fangen kann, muessen erst welche aufwachsen. In unberuehrten Gewaessern passiert das auf natuerliche Weise. In kompromittieren Gewaessern muss der Mensch nachhelfen wenn man Lachspopulationen erhalten moechte. Haette man das in Deutschlands Fluessen von Anfang an gemacht, als man die Gewaesser massgeblich zuveraendern anfing, dann haette man heute sicher noch einige erwaehnenswerte deutsche Lachsstaemme vorzuweisen. Ist eine Oekoniche erst einmal fuer laengere Zeit unbesetzt und der Genpool verloren, dann wird es sehr sehr schwer die Zeit wieder zurueckzudrehen.

Wenn man auch sonst nicht allzuviel von den begangenen Fehlern anderer lernen moechte hier in BC, die Erkenntnis hat sich wohl doch durchgesetzt, dass man mit zunehmender Beeintraechtigung der Lachsfluesse auch zunehmende Stuetzmassnahmen ergreifen muss. In den 40-60ger Jahren ging der Gedanke in den USA sogar so weit, dass man meinte das ganze Lachsbrutprogramm eh besser als die Natur ‘drauf zu haben und man in einer unuebertrefflichen Arroganz die Lebensadern vieler Lachsstaemme mit riessigen Daemmen versperrt hat und gedacht hat, dass man mit einer Massen-Brutstation das Ganze viel effizienter ausgleichen koennte. Das war der Anfang vom Ende des scheinbar unerschoepflichen Lachs-Steelhead-und Stoerreichtums des Columbia Rivers und des Sacramento Rivers zum Beispiel. Viele Staemme dieser Fischarten verschwanden komplett innerhalb weniger Generationen. Die Massenproduktion stellte sich nicht als der erwartete Erfolg heraus.

Heute ist man schlauer und macht Sperrwerke passierbar fuer anadrome Fische und lediglich ergaenzt den wilden Aufwuchs mit kuenstlich erbrueteten. Es gibt allerdings auch heute noch Fluesse im Nordwesten Amerikas die vollkommen auf kuenstliche Erbruetung angewiesen sind weil die Originalstaemme komplett ausgerottet wurden und einige Sperrwerke auch heute noch unueberwindlich sind. An einigen solcher Daemme faengt man die Lachse unterhalb der Staumauer in Fallen und Netzen und faehrt sie in Tanklastern zum Oberlauf!

Hier in Victoria gibt es eine Anzahl kleinerer Baeche, die jeweils vor 100 Jahren noch einigen hundert Coholachsen als Heimatgewaesser galten. Grunderschliessung, Bebauung, Einleitungen und Verrohrungen haben einige dieser Baeche als Oekosystem komplett ruiniert; andere stark beeintraechtigt. Heute gibt es viele Freiwilligeninitiativen, die versuchen zu retten was noch zu retten ist und aufzubauen was noch Potenzial hat.

Ein solche Initiative, die ich als besonders wertvoll erachte, ist das in vielen Grundschulen hier die 3. Klassen von solchen Freiwilligenverbaenden, finanziell unterstuetzt von der Regierung, Aquarien, Kuehlgeraete, Sauerstoffgeblase und Lachseier einer lokalen Brutstation bekommen. Das passiert so im November jedes Jahr. Die Schulklassen lernen dann wie man die Eier behandelt und beobachtet, sehen taeglich im Klassenzimmer nach ob alles in Ordnung ist, sehen dann die Larven ausschluepfen, fuettern die Jungfische dann bis so um diese Zeit herum und lassen die Junglachse dann in einem geeignetem Bach in Schulnaehe frei.

Ich finde das eine grossartige Idee den Kindern so die Bedeutung der Lachse fuer die hiesige Natur beizubringen und ihnen ueber den Zeitraum von mehreren Monaten auch die Fragilitaet dieses ganzen Vorgangs vor Augen zu fuehren. Ausserdem erzeugt die monatelange Fuersorge fuer die Lachse eine persoenliche Beziehung wie zu einem Haustier und sensibilisiert die Kinder so fuer die Gefahren und Bedrohungen der Lachse in unserer modernen Welt. Es sind hunderte Grundschulen, die dieses Programm jedes Jahr vollziehen und ich ziehe meinen Hut vor den Lehrern und den Verantwortlichen dieses Programmes. Es gibt nichts Besseres als den naechsten Generationen schon frueh die Bedeutung unserer Fische fuer ein gesundes Oekosystem beizubringen und ihnen ihre persoenliche Verantworlichkeit einzuimpfen. Wenn unsere vorangegangenen Generationen ein solches Bewusstsein besessen haetten, waeren wir sicher in einer ganz anderen Position heute.

Hier ein paar Bilder von der Klasse meines juengeren Sohnes als sie letzte Woche etwa 300 Junglachse im Mt. Douglas Creek in Victoria freiliessen.

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27.4.2013, Victoria

Beitragvon cohosalmon » 01.05.2013 - 1:25

Letzten Samstag bot sich mal wieder die Gelegenheit auf Silberjagd zu gehen. Leider war keiner meiner Angelfreunde in der Lage mich zu begleiten, so dass ich eine Solotour unternehmen musste. Hin und wieder gehe ich auch gerne mal alleine zum Angeln. Meistens bevorzuge ich jedoch Gesellschaft; vorallem beim betriebsamen Lachsangeln wo immer was zu tun ist und bei hektischen Beissperioden auch schnell mal (angenehmes) Chaos ausbricht.

Ich hatte in den letzten Tagen einige vielversprechende Fangberichte von den Oak Bay Flats vernommen. Dieses sandig-kiesige Plateau direkt vor der Haustuere des Victoria Ortsteils Oak Bay war frueher (60-70ger Jahre) ein fast schon beruehmtes Angelrevier. Die damaligen bekannten Angelgroessen und Autoren mannigfaltiger Angelliteratur beschworen seinerzeit Oak Bay als einen absoluten Hot Spot an der ganzen Nordpazifikkueste. Grosse Lachsschwaerme zogen dort um die vielen Riffs und Inselchen herum, welche Futterfische in Massen an stroemungsguenstigen Stellen beherbergten. Heilbutte gab und gibt es auf diesem sandigem Plateau vor den Inselgruppen auch in grossen Mengen und an einigen Stellen auch in gewaltigen Groessen. Desweiteren waren die vielen Felsriffe die Heimat unzaehliger Felsenbasche und Ling Cods, auch in beachtlichen Groessen.

Leider sind die Lachsschwaerme heute laengst nicht mehr so zahlreich wie damals. Einige Lachsstaemme gibt es fast gar nicht mehr . So gab es zum Beispiel einen fruehen Fraser River Chinook Run der Victoria im Maerz/April passierte. Diese fruehen Chinooks waren wahre Schweine – 30 – 50 Pfund, kurz und unglaublich kompakt und muessen einen Riesenspektakel an der Rute veranstaltet haben. Diese Chinooks waren unterwegs bis fast in die Rocky Mountains - an die Quellgewaesser des grossen Fraser Rivers. Um bis zum Spaetsommer da hinaufzukommen mussten die Fische sehr frueh schon in den Fluss ziehen; immerhin war ihre Reise im Fluss weit ueber 1000 km lang. Kommerzielle Ueberfischung, Beeintraechtigung der Wasserqualitaet - und quantitaet entlang ihrer Reisestrapaze haben diese fruehen Chinooks fast ganz verschwinden lassen. Wir sehen heute fast keine dieser Kraftpakete mehr im Maerz/April und wenn doch mal ein Angler zufaellig einen solchen Riesen erwischt, muss er schonend wieder freigelassen werden. Bis Mitte Juni duerfen wir hier nur aussschliesslich markierte Chinooks ueber 67 cm mitnehmen oder unmarkierte kleiner als 67 cm; also Chinooks die aus einer Brutstation entstammen oder unreife Wildlachse die offensichtlich nicht zu den selten gewordenen fruehen Fraser-Chinooks gehoeren.

Die einst schier unerschoepflichen Felsenbarsch- und Ling Cod Populationen in Oak Bay sind durch reine Ueberfischung dezimiert worden. Und in diesem Fall muessen sich auch die Angler an die eigene Nase fassen. Zwar ist es in erster Linie ein Versagen der Fischereibehoerde, die viel zu spaet eingegriffen hat, jedoch haetten die Angler den negativen Trend ohne weiteres erkennen koennen und ihren Beitrag zur Arterhaltung leisten koennen. Noch bis in die 80ger Jahre gab es 2 oder 3 Kuttertouranbieter aus der Oak Bay Marina, die aehnlich wie in Heiligenhafen o.a. eine Menge Pilkangler zu den Riffen brachten. Es gab damals kein Limit fuer Anzahl oder Groesse fuer Felsenbarsche und es war keine Ausnahme wenn jeder Angler mit einer Schubkarre voll Barsche und Lings zurueck kam. Nun muss man wissen das Felsenbarsche absolute standorttreu sind und ausserdem sehr langsamwuechsig. Es kann bei einigen Unterarten bis zu 20 Jahre dauern, bis sie geschlechtsreif sind und das dann bei vielleicht 30 cm Laenge. So ist es kein Wunder, dass es nicht ewig lange dauerte bis die Riffe leergefischt waren. Die Kutterfahrten lohnten bald nicht mehr und als die Fischereibehoerde die Reissleine zog, waren nur noch wenige kleine Barsche uebrig, die nun Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, brauchen um die Population wieder aufzubauen. Bis heute darf man hier vor Victoria und Sooke nur 1 Felsenbarsch pro Tag mitnehmen, was dafuer sorgt, dass keiner mehr wirklich gezielt auf sie fischt, aber es einem erlaubt, falls man doch mal einen aus Versehen beim Lachs-oder Heilbuttangeln faengt und er durch den Druckunterschied halb tot ins Boot kommt, den Fisch sinnvoll zu verwerten. Felsenbarsche kommen in einer Vielzahl an Unterarten vor (google mal pacific rockfish), oft sehr farbenfroh, sind dem Rotbarsch in Groesse und Aussehen sehr aehnlich nur leben die pazifischen Felsenbarsche eher an flacheren Felsenriffs und Kelpzonen. Waehrend die meisten Unterarten maximal 50 cm lang werden, gibt es eine Art, den Yelloweye Rockfish oder auch Red Snapper genannt, der schon in Groessen von fast 1 m Laenge gefangen wurde und ueber 30 Pfund schwer werden kann. Dieser Barsch, dem Rotbarsch vom Aussehen am aehnlichsten, liebt auch eher die tieferen Zonen; 100 m oder mehr. Solche riesigen Snapper koennen dann fast 100 Jahre alt sein. Kulinarisch sind alle Felsenbarsche ein Genuss.

So, jetzt aber wieder zu den Lachsen. Wenn wir also auch nicht mehr die riesigen Frueh-Chinooks haben, so tummeln sich doch besonders im Fruehjahr eine Menge Winter Chinooks – auch Winter Springs genannt auf den Oak Bay Flats. Die rangieren so in Groessen von 5 Pfund bis 15 Pfund und sind fast alle markierte Chinooks von den vielen USA Brut-und Aufzuchtstationen um Seattle und der Olympic-Halbinsel. Diese Winter Springs haben sich vornehmlich auf die vielen Sandaale im Sandplateau eingeschossen. Als Koeder sind also alle ca. 10 cm langen und schlanken Kunstkoeder direkt ueber dem Grund angeboten angesagt.

Ich liess Red Hot um ca. 8:30 Uhr am Samstag in Victoria zu Wasser und dampfte alleine los. Musste noch etwas ueber das Ungeschick eines anderen Anglers lachen an der Marina. Ein junger Kerl, auch solo und wohl noch angeschlagen von einer wilden Party am Abend vorher, liess neben mir sein Boot ins Wasser. Oder besser gesagt er schmiss es rein. Ein lauter Platsch und ein kleiner Tsunami als ich sein Boot regelrecht vom Anhaenger wegfliegen sah. Dann sein Gesicht als er bemerkte, dass er die Dockleine nicht festgehalten hatte und sein Boot nun herrenlos zwischen den Docks umherschwamm. Gluecklicherweise wehte der leichte Wind das Boot wieder auf seine Dockseite wo er es ergriff und sich alsbald an die Stirn schlug: Stoepsel im Boot vergessen reinzutun – Boot laeuft voll Wasser. Panisch sprang er nun umher um sein Boot so schnell wie moeglich wieder auf den Anhaenger zu kriegen und es an Land zu ziehen. Zwei wartende Angler sprangen hinzu und halfen. Da brachen 2 seiner Bootshalterrollen am Anhaenger und machten das Aufladen sehr kompliziert. Als ich mein Auto zum Parkplatz fuhr, kam ich an ihm vorbei und wuenschte ihm mehr Glueck auf dem Wasser. Ein Wasserstrahl wie aus einem vollaufgedrehtem Gartenschlauch schoss aus dem Ablaufloch des Bootes heraus. Mann oh Mann, keiner guter Start in den Tag fuer ihn.

Auf dem 20 minuetigen Weg nach Oak Bay liess ich underwegs noch die Krabbenfalle ein. Dann kaempfte ich mich durch die unruhige See an der Victoria downtown Seite. Als ich dann nach Osten in Oak Bay einbog wurde das Wasser schoen ruhig. Gute Entscheidung hierher zu kommen!

Drei andere Boote zogen schon ihre Runden. Zwei davon renomierte Charterboote. Ich montierte an einer der beiden Schleppruten den unfehlbaren 10 cm glow-gruen Coyote Blinker vor einem glow/Chrom Flasher. Das Ganze ging auf ca. 40 m Tiefe direkt ueber Grund. Die zweite Rute bestueckte ich erstmalig mit einem neuen Koeder den ich im Handel gefunden hatte: eine Art Kombination aus Streamer und Wobbler. Eine uebergrosse Glitterfliege mit einem Kopf inklusiver Tauchschaufel. Das Ganze auch in glow-gruener Ausfuehrung. Spielte verfuehrerisch neben dem Boot. Ich liess diesen Neuling erstmal ohne Flasher bis ca. 3 m ueber Grund hinab.

Das Echolot gab nicht viele Schluesse wo die Fische eventuell waeren. Nur zweimal machte ich Koederfischschwaerme in Grundnaehe auf dem Bildschirm aus. Ich schleppte die gaengige Strecke 2-3 Mal auf und ab. Mal auf der flacheren Seite in reichlich 30 m Tiefe und mal tiefer - dichter an der 50 m Marke. Ich hatte eine Menge markierter Stellen auf dem Echolotscreen von erfolgreichen frueheren Trips. Auch bei den Nachbarbooten tat sich nichts wie wir uns gegenseitig anzeigten.

Als ich wiedermal eine kleinere Koederwolke auf dem Schirm sah, liess ich den Blinker bis auf den Grund hinab und liess das Schleppblei durch den Sand/Kies schleifen. Das wirbelt den Grund etwas auf und zieht neugierige Raeuber an. Und tatsaechlich ruckte es ploetzlich staerker an der Blinkerrute als das es nur Bodenkontakt sein konnte. Ich nahm die Rute auf, spannte die Schnur und ruckte an. Der Downriggerclip entliess die Schnur und nun konnte ich den Fischkontakt spueren. Es konnte kein Grosser sein. Nach 5 Minuten hatte ich einen vielleicht knapp 50 cm Chinook neben dem Boot. Hm, massig ist er, dachte ich, aber viel dran war da noch nicht. Der Haken hing nur knapp im Oberkiefer. Ich langte runter und nahm den Haken heraus. Der Fisch flitzte wie der Blitz in die gruene Tiefe. Da kommt bestimmt noch Besseres, dachte ich mir.

Ich zog noch ein paar enge Kurven ueber die gleiche Stelle, leider ohne weiteren Erfolg. Bald schleppte ich wieder weiter herum und kam gerade an dem einen Charterboot relativ dicht vorbei als deren Guide aufsprang und sich eine der Ruten schnappte, anschlug und die Rute lachend an einen der 4 Gaeste gab. Der war sofort in einen rassigen Drill verwickelt wie ich an den Anfeuerrufen und am Heulen der Rolle hoerte. In sicherer Entfernung um den Nachbardrill nicht zu stoeren, wendete ich das Boot und ueberfuhr die selbe Stelle nochmal. Als ich erneut ueber die Stelle zick-zackte, riss es ploetzlich brutal an der Blinkerrute und die Rute loeste aus. Im dem Moment als sich die Schnur wieder spannte und der Fisch Schnur von der Rolle zog, hatte ich die Rute schon in der Hand und kontrollierte den Schnurabzug.

Das war kein ganz Kleiner! Er blieb tief und zog immer wieder Schnur ab wenn ich versuchte ihn zu drehen und Schnur zurueckzugewinnen. Waehrend des Drill liess ich den leeren Downrigger hochkommen um eine Bootsseite frei fuer die Landung zu haben. Der Schleppmotor tuckerte nun nur ganz langsam vorwaerts um nicht zuviel Druck auf den Fisch zu machen. Nach paar Minuten hatte ich den Fisch das erste Mal in Bootsnaehe. Er mochte mein Boot aber partout nicht leiden und zog immer wieder weg, wenn auch flach jetzt. Ich schaute mich bange nach Robben um, die in dieser Gegend von Anglern gefuerchtet sind weil ganz gerissen. Die lieben es solche Situationen auszunutzen wenn ein fast abgekaempfter Lachs in Bootsnaehe herumplatscht. So ein Robbenangriff ist fuer Soloangler, die etwas laenger brauchen einen Fisch zu landen, immer mit dem Verlust des Fisches und meist auch des Koeders verbunden. Aber ich hatte Glueck heute. Endlich konnte ich den Fisch dicht ans Boot herandirigieren und mit einer Hand im Kescher versenken. Geschafft!

Ein schoener etwa 10 pfuendiger markierter Winter Spring lag vor mir. Den Blinkereinzelhaken sauber im Mundwinkel – 75 cm makelloses Silber mit einem violettem Hauch am Ruecken! Schnell abgeschlagen und die Kiemen zum Ausbluten zerschnitten und in die Fischkiste verstaut. Mal sehen ob noch mehr ging. Zwei Chinooks pro Tag pro Lizenz war das Limit.

Den Blinker spruehte ich noch mit etwas mit Fischoel ein, lud die Glowfarbe mit einer Taschenlampe auf und ab ging’s wieder in die Tiefe. Ich kreiste jetzt wieder in weiten Schleifen ueber die gleiche Stelle. Es war ca. 10:30 Uhr. Nicht weit weg sah ich Aufregung auf dem zweiten Charterboot – die mussten was erwischt haben. An dem Streamer tat sich nichts. Ich schaltete noch einen Flasher vor den Streamer um vielleicht etwas mehr Action zu erzeugen. Da ruckte ploetzlich wieder die Blinkerrute. Aber es blieb bei einem Ruck.

Bei einer Rechtskurve schliff die Blinkerrute auf der Innenseite fuer paar Sekunden hart auf Grund. Ich meinte etwas gesehen zu haben und schlug an. Schien aber Fehlalarm gewesen zu sein. Als der Koeder hochkam hing jedoch ein Mini-Ling Cod daran, vielleicht 25 cm. Bis in 3 Jahren!

Dann hatte ich genug vom unproduktiven Streamer und wechselte gegen einen Glow-Coho Killer Blinker aus. Dieser Blinker imitiert perfekt die kleineren Sandaale. Man muss nur die Originalhaken austauschen und einen Wirbel zwischen Blinker und Haken schalten sonst verliert man groessere Fische. Diesen Koeder setzte ich auf 40 m Tiefe so dass er bald in unmittelbarer Grundnaehe fischte aber auch mal bis zu 10 m ueber Grund. Kurz nach dem Einlassen, ruckte es auch an diesem Koeder kurz einmal – wieder kam nichts hinterher. Waehrend ich gespannt auf die Coho Killerrute starrte, musste etwas an der anderen Rute passiert sein. Als ich mein Blick mal wieder die Runde machte sah ich die Rute schlaff im Rutenhalter stehen. Hm? Nur eine Sekunde spaeter zog die Rute kraeftig nach unten. Aha, Fish On!

Ich riss die Rute aus dem Halter – anschlagen war schon gar nicht mehr machbar, die Rolle heulte auf und es riss mir mindestens 20 m von der Rollen. Feiner Spass! Waehrend des Runs konnte ich nicht viel machen also steuerte ich mit einer Hand das Boot etwas von den anderen Booten weg um Raum fuer den Drill zu haben. Jetzt blieb der Fisch stehen – die Schnur wurde schlaffer, ich begann zu kurbeln, konnte aber den Wiederstand nicht mehr finden. Rannte der Fisch auf’s Boot zu? Ich kurbelte wie ein Besessener aber es war zu spaet. Der Schonhaken hatte sich wohl beim Umdrehen und beim kurzen Schnurerschlaffen befreit. Nun ja. Man kann nicht alle kriegen!

Schnell machte ich die Rute wieder einsatzbereit. Dann tat sich eine Weile nichts mehr bei mir. Ich sah aber ein anderes Kleinboot mit seiner Zweimannbesatzung in Drillmodus uebergehen und in einiger Entfernung sah ich den Kescher eintauchen. Die Lachse waren also immernoch da und auch beiswillig. Bei einer weiteren Schleife vom etwas tieferen Wasser zum Flacheren geriet ich in das Fahrwasser des einen Charterbootes. Direkt vor meinen Augen sah ich seine Mittelrute eine tiefe Verneigung machen, zurueckschnellen und dann wieder nach unten reissen. Der Guide war schnell da und setzte den Anschlag und ueberreichte die Rute einem yahooendem Gast. Die hatten wirklich Spass wie es aussah. Als ich scharf abdrehte um denen Spielraum zu geben, fiel mein Blick auf meine Coho-Killerrute und die wollte schon fast schwimmen gehen. Als ob es kein Morgen mehr gaebe, riss es an der Rute und nun schrie auch die Rolle laut auf.

Es war gar nicht einfach die Rute unter solcher Spannung aus dem Halter zu bekommen. Wieder hielt sich der Fisch anfaenglich sehr tief und kaum hatte ich mal einen Meter zurueckgewonnen, da schaffte es der Fisch sich wieder zu drehen und abzuziehen. Ganz schoene Kraftpakete diese Winter Springs! Nach und nach arbeitete ich den Fisch nach oben. In ca. 20 m Entfernung stellte er sich quer gegen den Stroemungsdruck und machte mir die letzten Meter sehr schwer. Ich sah den Haken im klaren Wasser nur ganz vorn in der Schnauze haengen. Das wird knapp!

Der Fisch nutzte auch wirklich jeden Vorteil den er ergattern konnte aus und zog jetzt auf die andere Bootseite wo die 2. Rute noch ausgelegt war. Und natuerlich schoss der Lachs einmal um die Schnur herum um sich dort zu verwickeln! Jetzt spaetestens braeuchte man einen Helfer! Der Kescher kam zwischen Downriggerkabel und zweiter Angelschnur nicht an den Fisch heran der nun in greifbarer Naehe parallel mit dem Boot mitschwamm und sicher neue Kraeft tankte mit jeder Sekunde die ich zoegerte. Ich schaffte es die Rute einmal um die andere Schnur herumzufuehren und die Schnuere damit zu entwickeln. Dann zog ich den Fisch hart aus der Gefahrenzone heraus, der dabei wild zu toben begann so dass das Wasser neben dem Boot aufschaeumte. Ich liess aber keine Schnur mehr von der Rolle, hatte die Finger fest an der Spule. Mit der anderen Hand schaufelte ich den Kescher unter das schaeumende Getobe und in dem Augenblick in dem meine Schnur schlaff wurde und der Blinker hochschoss, zog ich den Kescher zu und.....der Fisch war tatsaechlich drin! Haha!! Gewonnen!

Ich vollfuehrte einen kleinen Freudentanz und holte den Fisch herein. Ein kleines Stueck kuerzer als der vorherige aber fast das gleiche Kaliber! Wieder markiert. Ein klasse Kampf! Damit war ich fertig. Ich haette noch ein bisschen Catch und Release angeln koennen, aber es war kurz vor Mittag und ich wollte lieber in Ruhe die Fische filetieren und mein Boot entsalzen und dann noch etwas Zeit fuer die Familie haben. Zufrieden packte ich ein, funkte noch mit dem einen oder anderen – andere Boote hatten auch noch Erfolg. Eine Beiszeitt von ueber 2 Stunden passiert auch nicht jeden Tag.

Die Krabbenfalle hatte wohl neben einem Kloster gelegen – jedenfalls waren nur Weibchen darin, die ordnungsgemaess alle wieder freigelassen wurden. Aber das liess mir meine Laune nicht verderben. Ich hatte einen tollen Tag gehabt und freue mich nun auf immer groesser werdende Lachse diese Saison!

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Horst_Günther
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Beitragvon Horst_Günther » 01.05.2013 - 11:07

Klasse Bericht! Tolle Bilder!

Petri!

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4.5.2013; Sidney, BC

Beitragvon cohosalmon » 08.05.2013 - 0:39

So, Samstag war Derby-Tag in Sidney. Mit 300 Tickets verkauft war die Veranstaltung ausverkauft. Da unsere neue Angler-Interessengemeinschaft einen Stand in der Veranstaltungshalle hatte und wir nunmal sowieso schon dort waren, dachten wir es waere sinnvoll und Spass auch gleich am Wettkampf teilzunehmen und ein Team zu stellen. Chris Miller stellte sein komfortables 21 Fuss Aluboot (Silverstreak) zur Verfuegung und der Praesident der Interessengemeinschaft, noch ein Chris, gesellte sich gerne dazu.

Die beiden kamen etwas spaet zur Bootsrampe so dass wir erst kurz nach 6:00 Uhr starten konnten. Einen Vorteil hatte die Verspaetung allerdings: alle anderen Boote waren schon draussen und wir hatten die Rampe fuer uns alleine! Eine Stunde frueher waere da wohl die Hoelle losgewesen. Keiner von uns hatte schon mal richtig auf Lachs vor Sidney geangelt. Sidney liegt am Nordzipfel der Saanich Halbinsel vor Victoria und ist der Eingang zu den Gulf Islands – die Inselwelt zwischen Vancouver Island und Vancouver – Stadt auf dem Festland. Zwar kommen immer noch einige Lachszuege an Sidney vorbei, jedoch ist es nur noch ein Schatten seiner alten beruehmten Tage. Die Einheimischen wissen aber wo man noch hier und da Erfolg hat.

Wir suchten uns drei bekannte und erfolgsversprechende Stellen auf der Karte heraus und steuerten zuerst Fairfax Point an. Eine recht steile Felskueste, vor der man bis dicht unter Land schleppen kann weil es schnell tief abfaellt. An zwei Stellen entdeckten wir Koederschwaerme auf dem Echolot und konzentrierten uns auf diesen Abschnitt. Wir versuchten es mit Koederfischmontage und Plastik und Metall. Es ging nichts. Kein Biss. Wir sahen auch auf den anderen Boot ringsum keinerlei Action. Ueber Funk wurden jedoch die ersten guten Fische bei der Derbyzentrale registriert. Immerhin, es ging um $11000 fuer den Gewinner!

Nach 2-3 Stunden entschieden wir eine andere Stelle aufzusuchen. 10 Minuten Fahrt mit dem schnellen und bequemen Silverstreak und wir kamen am Saanichton Spit an. Eine sandig/kiesige Landzunge, die von starker Stroemung umspuelt wird. Wieder markierten wir Koederschwaerme – diesmal dicht am Grund in 30 m Tiefe. Hin und wieder tauchten auch einige grosse Fischsicheln direkt ueber Grund auf. Wir schleppten nun hart am Grund was auf Dauer ganz schoen anstrengend ist weil man staendig den Downrigger und die Angelschnur rein- oder auslassen muss. Ein Haufen Schwimmkraut machte das Angeln nicht gerade einfacher. Wir kamen bei 25 Grad und praller Sonne ganz schoen ins Schwitzen.

Als ich mal wieder den schwenkbaren Downriggerarm mit der Rute im Halter hochklappte um die Schnur und Kabel vor vorbeischwimmendem Kraut zu schuetzen, ruettelte es ploetzlich stark am Downrigger als ich ihn noch in der Hand hielt. Ich sah auch die Angelrute kraeftig pumpen – dachte aber im erstem Moment, dass das Blei und Koeder hart ueber Grund rumpelten. Als dann die Rute jedoch ausloeste und sich tief verneigte und die Rolle zu kreischen anfing, schrie ich Fish On! Das konnte nur ein guter Fisch sein. Waehrend ich die Rute aufnahm und mich um den rasenden Fisch kuemmerte, raeumten meine beiden Kollegen die 2. Rute und beide Downrigger schnell ein. Mein Fisch riss immernoch rasend Schnur von der Rolle. Da ich noch gar keine Chance hatte die Bremse zu justieren, zog der Fisch gegen eine relative hart eingestellte Bremse. Ich wollte einfach nicht riskieren meine Finger zwischen die sich rasend schnell drehenden Kurbelgriffe zu stecken und an dem Bremsknopf zu drehen. Erstens tut es ausserordentlich weh wenn die fliegenden Kurbelgriffe bei einer derartigen Geschwindigkeit auf die Finger knallen und zweitens koennte ein ploetzliches Blockieren des Schnurabzug das Geschirr zum Bersten zu bringen. Also liess ich ihn hart ziehen.

Als der Fisch endlich stehen blieb, lockerte ich die Bremse etwas und machte Druck. Ich gewann einige Meter zurueck und spuerte starke Kopfschlaege. Ploetzlich liess der Widerstand nach. Er rast auf’s Boot zu dachte ich, und begann so schnell zu kurbeln wie ich konnte. Gleichzeitig drehte Chris den Motor auf um es mir zu erleichtern wieder Spannung zu bekommen. Nichts mehr, der Fisch war weg! So ein Mist! Wir philosophierten aufgeregt, dass das die Risiken der Schonhaken waren. Als ich eingezogen hatte, staunten wir nicht schlecht: Der Einzelhaken an dem kleinen Coho Killer Blinker war am Schaft glatt abgebrochen! Gibt’s doch gar nicht dachten wir uns.

Wir fischten konzentriert weiter – nun mit 2 Coho Killer Blinkern (aber mit neuen Haken an beiden) an beiden Ruten. Es sollte sich aber nichts mehr tun. Wir wechselten noch einmal die Stelle und fischten die letzten 2 Stunden des Derbies dort. Chris hatte dort auch noch einen guten Biss auf Koederfisch am System aber auch der hing nicht. Es sollte einfach nicht sein an diesem sonst herrlichen Tag.

Beim Dinner und der Preiszeremonie stellte sich heraus, dass ein 22,5 Pfund Chinook den Toppreis gewonnen hatte. Wir schauten uns vielsagend an und waren uns einig, dass mein Fisch wahrscheinlich groesser gewesen war. Ob ich den chinesischen Hersteller verklagen kann....:roll: ? Auf jeden Fall geh ich demnaechst mal ganz genau durch meine Blinkerkisten durch und tausche grosszuegig einige Originalhaken aus.

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31.5.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 07.06.2013 - 20:56

Letzten Freitag bin ich mal ganz frueh solo zur Lachsjagd aufgebrochen. Ich wollte mal sehen ob sich schon paar Gross-Chinooks vor der East Sooke Kueste herumtreiben. Einige Geruechte liessen das vermuten.

Es war ein traumhafter Sonnenaufgang mit herrlich ruhigem Wasser und lauen Temperaturen. Nur leider liess sich kein Silber ueberreden. Ein Nachbarboot ganz frueh zeitig konnte in Sichtweite von mir einen ordentlichen vielleicht 15 Pfuender landen (Boot im Bild unten). Etwas spaeter an der Trap Shack sah ich ein aelteres Paerchen im Kleinboot im Doppeldrill mit Grosslachs. Konnte nicht erkennen ob die auch beide landen konnten. Fuer mich tat sich leider nichts.

Am Beechey Head traf ich dicht an der felsigen Kueste auf grosse Kleinfischschwaerme und das Echolot zeigte auch groessere Fischsicheln herum an. Ich nahm meine Pilkrute und versuchte es eine zeitlang auf diese Weise einen Lachs zum Anbiss zu ueberreden. Wenn ich auch sonst die ganze Fischpalette fing, mit Lachs sollte es an diesem Tag fuer nicht einfach nichts werden. Ich habe Euch aber mal paar Fotos von den ueblichen Fisch-Spezien hier gemacht. Waren keine Riesen aber viele der Fische hier sind super-schoen gezeichnet. Von den schwarzen Felsenbarschen muss ich wohl an die 20 nach oben gebracht haben. Einer davon hatte sich heftig verhakt und wurde dann eine leckere Mahlzeit spaeter. Alles andere schwimmt wieder gesund und munter.

Viel Spass!

Fotos 1-3: USA Seite der JDF Strait
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Fotos 4,5: Beechey Head, East Sooke
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6: Gluecklicher Lachsfaenger
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7: Black Rockfish
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8: Copper Rockfish
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9: Baby Ling Cod
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10, 11: Maennliche Greenlings
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11.6.2013; Sooke

Beitragvon cohosalmon » 13.06.2013 - 1:27

Jetzt rappelt es vor Sooke. Die dicken Kerle sind da. Leider muss ich noch bis zum Wochenende warten - dann findet das Banana Challenge Derby statt. Ein Kumpel von mir erwischte gestern 2 Chinooks von ueber 35 Pfund (geschaetzt weil wieder freigelassen) - und hat immer noch eine beachtliche Strecke gelegt - siehe Fotos unten. Es kribbelt in den Fingern.....hoffentlich lassen die noch was fuer mich!!!

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Beitragvon xXSTÖRFALLXx » 13.06.2013 - 18:26

Tolle Fische, Petri!

Johnny79
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Beitragvon Johnny79 » 13.06.2013 - 18:31

Hallo,
Wie immer tolle Bilder und toller Bericht!!! Wohne in Pennsylvania, und Texas. Wäre mal schön nach Canada zu kommen, wenn ich so tolle Bilder sehe. Viele Grüße. John

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15.6.2013; Victoria 1-2

Beitragvon cohosalmon » 19.06.2013 - 19:00

Letztes Wochenende stand ein lokales zweitaegiges Angeltournier an; Lachs und Heilbutt waren die Zielobjekte dieser Spendenaktion um der South Vancouver Island Anglers Coalition auszuhelfen. Das ist, eine Freiwilligen-Gesellschaft zur Interessenvertretung von Fisch und Angler – praktisch eine lokale Version von DAV oder VDSF; fuer hier ein ziemlich neues Modell um das bestimmende Fischereiministerium zur Rechenschaft zu ziehen (www.anglerscoalition.com). Ich bin in dieser Gesellschaft stark engagiert und musste natuerlich an diesem Event auch teilnehmen und offizielle Pflichten uebernehmen.

Da es ausserdem hier Vatertagswochenende war, hatte ich zwei schoene Angeltage mit meinen aelteren Sohn Ricardo und meinem guten Freund Dave geplant. Das Tournier hatte einen ganz relaxten Stil, jeder eingewogene Fisch, unabhaengig von Groesse, liess einem an der Preislotterie teilnehmen. Also keinen Druck um einen moeglichst grossen Fisch zu fangen! Der Faenger des groessten Lachses und des groessten Heilbuttes (bis zum Maximalmass von 126 cm) erhielten jeweils einen begehrten Wanderpokal. Die ganze Veranstaltung war desweiteren von der hiesigen sehr beliebten Angelwebseite Sportfishing BC inklusive des dortigen Online-Angelforums gesponsort.

Es gab auch eine Juniorpreiskategorie – ein tolles Mountainbike war zu gewinnen und Ricardo hatte sich schon in die Idee es zu gewinnen, verliebt.

Dave, Ricardo und ich hatten uns in den Tagen zuvor einen Angelplan zurechtgelegt. Das Wetter sah fuer Sa fantastisch aus und die Gezeiten/Stroemungen bestens fuer Sa und So. Sonntag sollte der Wind zunehmen. Wir entschlossen uns, auf frischen Forum-Onlineberichten basierend, Sa bei Sonnenaufgang Constance Bank unsicher zu machen um ein paar schoene Lachse zu ueberlisten. Es wurde da in den Tagen vor dem Tournier sehr gut gefangen, wenn auch keine Riesen, so doch Fische bis 15 und sogar 20 Pfund. Leider hatten sich aber auch eine Menge trainierte Robben dort eingefunden und stahlen den Anglern regelmaessig die Lachse von dem Haken. Ich liess Ricardo ein Dutzend gut werfbare Steine sammeln um Munition im Falle eines Robbenueberfalls zu haben. Ausserdem hatte ich meine Zwille mit Glasmurmeln als Munition parat.

Weiter westwaerts las man Berichte von grossen Chinooks bis weit ueber 30 Pfund. Allerdings bestand immer noch die Laengenbeschraenkung von unter 85 cm fuer unmarkierte Wildlachse – was die meisten der grossen Klopper nun mal sind. Auf der Constance Bank findet man um diese Jahreszeit vornehmlich markierte Fresslachse aus US Brutstationen. Daher unsere Wahl fuer diesen Platz.

Wir campten mit mehreren Familien auf dem RV-Campingplatz der Pedder Bay Marina. Schicke Anlage. Wir hatten uns wieder den Campinganhaenger unserer Freunde ausgeliehen und so war meine ganze Familie dabei. Die vielen Kinder konnten die Gegend gemeinsam unsicher machen, die Frauen, sofern sie nicht mitangelten, hatten sich als Gesellschaft und die Kinder spielten stundenlang untereinander – perfekt fuer alle. Abends sassen wir dann am Feuer und Grill zusammen und Geschichten und Bierchen machten die Runde.

Sa legten wir 4:30 Uhr vom Dock ab und duesten als eines der ersten Boote durch den herrlichen Morgen. Es war selbst so frueh schon recht warm und es regte sich kein Lueftchen. Eine traumhafte Fahrt bei Vollgas ueber die spiegelglatte See. Nach knapp 20 Minuten kamen wir an der Bank an. Etwa 3-4 andere Boote waren schon da. Ich setzte uns auf das Westende der Untiefe wo die Gewaessertiefe nur um die 20-30 m war. Ich montierte einen Glow-Flasher mit einem Glow-Cohokiller Blinker und liess diese Montage direkt auf den kiesigen Grund ab und holte etwa 1 m hoch um die gelegentlich vorkommenden Hindernisse auf dem Grund gerade zu verpassen.

Dave montierte einen Plastik-Strip Koeder mit Glow Flasher. Kaum waren beide Ruten im Einsatz und der herrliche Sonnenaufgang bestaunt, sprang Dave zu seiner Rute – ich sah gerade noch seine Rutenspitze im Wasser verschwinden. Na das ging ja flott. Gleich war Dave’s Rute krumm wie ein Flitzebogen und die Rolle sang. Ich drehte den Schleppmotor etwas herunter und nun gewann Dave wieder Schnur zurueck. Da schnappte ploetzlich Dave’s Rute zurueck und der Fisch war weg!

Ich hatte gar nicht Zeit noch zu begutachten das Dave’s Vorfach gerissen war denn ploetzlich riss es kraeftig an meiner Rute. Ich riss die Rute aus dem Halter und schlug an. Guter Widerstand! Ricardo stand sofort neben mir und verlangte die Rute – er war entschlossen das Mountainbike zu gewinnen, wie ich merkte! Der Fisch verlangte auch all sein Feingefuehl denn er zog mehrmals kraeftig davon um dann alsbald wieder Ruhepausen einzulegen in denen Ricardo kurbeln musste. Er machte das grossartig. Nur auf eines hatte der Junge leider keinen Einfluss – und das war die Gerissenheit der Robben.

Nach ca. 5 Minuten Drillzeit popten ploetzlich 2 Robbenkoepfe ca. 30 m neben dem Boot aus dem Wasser. Dave und ich fingen sofort an sie mit Steinen zu bombardieren um sie davonzujagen. Aber eine davon hatte wohl schon Fruehstueck gerochen. Beide Robben tauchten unter und Sekunden spaeter gab es einen Schlag in Ricardo’s Rute und die Schnur lief aus wie als wenn er einen Gueterzug gehakt haette. Mist!

Ich uebernahm die Rute und Dave nahm das Steuer. In so einer Situation, in der ich gluecklicherweise schon seit paar Jahren nicht mehr gewesen war, gibt es nur eine kleine Chance den Fisch wiederzurueckzubekommen: der Robbe mit dem Boot hart auf den Fersen folgen und wenn sie dann mit dem Fisch im Maul an die Oberflaeche kommt – irgendwann muss sie ja mal atmen – dann Krach machen, Steine schmeissen, Ruten/Kescher auf’s Wasser schlagen, kurz sie so erschrecken, dass die vor Schreck den Fisch erst einmal loslaesst um in Sicherheit zu kommen. Dann hat man ein Fenster von paar Sekunden um den oft schon fast toten Fisch heranzukurbeln und zu keschern bevor die Robbe es sich ueberlegt und zuerueckkommt, was garantiert passiert wenn man auch nur ein bisschen zoegert.

Also wir hinterher und immer die Schnur direkt unter dem Boot. Ich machte ordentlich Druck um der Robbe moeglichst keine Gelegenheit zu geben den Lachs in Ruhe unter Wasser zu verspeisen. Nach ca. 15 Minuten ruckte es ploetzlich an der Schnur und ich konnte einholen. Ich zog so schnell ich konnte ein – aber was noch am Haken uebrigblieb war eine halbe Gesichtshaelfte eines vormals schoenen vielleicht 15 pfuendigen Chinooks. Ricardo standen die Traenen in den Augen. Ich troestete ihn so gut wie es geht. “Du kriegst sicher noch einen oder gar mehr!”

Dave meinte sich zu erinnern, dass es sogar einen Spasspreis fuer die beste Anglergeschichte gab in dem Derby und machte ein Foto von den Uebrigbleibseln am Haken. Gott sei Dank hatten wir alles Geraet wieder zurueckbekommen – oft reisst einfach die Schnur irgendwann und alles ist futsch. Es ist schon nicht einfach eine ca. 300 Pfund Robbe zu drillen....lol

Bald waren wir wieder am Fischen. Ich steuerte das Boot etwas weiter noerdlich in etwas tiefere Gefilde. Da ruckte es wieder an meiner Rute. Ich liess das Steuer gleiten und nahm die Rute auf und ruckte an. Fish On! Ein banger Blick umher – noch war keine Robbe in Sicht. Ich fuehlte, dass es kein Riesenfisch sein konnte, schraubte die Bremse ziemlich fest und kurbelte kompromisslos. Ein paar Mal riss es ordentlich dagegen aber ich war entschlossen das durchzuziehen. Lieber verlor ich den Fisch im Drill als das ich wieder eine Robbe fuetterte! Nach paar Minuten hatte ich den halbstarken Chinook am Boot und Dave langte mit dem Kescher zu – bloss raus aus dem Wasser! Gewonnen! Als ich den Fisch abgehakt und abgeschlagen hatte, schenkte ich ihn Ricardo. Etwa 5 Pfund – aber Groesse spielte ja keine Rolle im Tournier solange es natuerlich ueber dem Mindestmass war. Er trug ihn strahlend zur Eisbox.

Etwa 20 Minuten spaeter sah ich Dave’s Rutenspitze auf Tauchfahrt gehen und er war sofort auch am Fisch. Dieser schien etwas besser zu sein weil Dave trotz aller Entschlossenheit ein paar Mal Schnur hergeben musste. Ricardo stand mit Steinen in der Hand wurfbereit. Aber wir hatten auch diesmal Glueck und der etwa 10 pfuendige Chinook kam ruck-zuck ins Boot. Ha, jetzt brauchte nur noch ich einen fuer die Wertung, und dann ein paar mehr fuer die Familienversorgung natuerlich!

Leider hatten wir dann ein kleines Missgeschick. Als Dave nach einer routinemaessigen Koederkontrolle sein Geschirr am Downrigger wieder zum Grund hinabliess hing er augenblicklich fest. Und es wollte nicht mehr loskommen. Ich holte mein Zeug ein und wir zirkelten mehrmals um die Stelle um von allen Seiten am Stahlseil zu ziehen. Auf dem Echolot war nichts von einem Felsriff oder so zu sehen. Vielleicht altes Ankerzeug eines Schiffes oder verlorenes Berufsfischergeraet. Ich hatte die ganze Montage schon abgeschrieben (ca. $100) als es doch ploetzlich loskam! Ha, aufatmen. Nur die Release-Klammer war weg. Naja, das war ertraeglich. Aber das ganze Spiel hatte uns vielleicht 30 Minuten der Beiszeit gekostet.

Mittlerweile hatten sich noch 20 – 30 andere Boote auf der grossflaechigen Stelle eingefunden. Auch unser gemeinsamer Freund Carl in seiner Jalopy zog jetzt neben uns seine Bahnen. Ich konnte noch einen Biss verbuchen der sich aber als Baby-Ling Cod entpuppte. Wir sahen noch 2 andere Boote um uns herum Fische landen. Dann war es als legte jemand einen Schalter um – und zwar auf AUS. Wir schleppten bis in Tiefen um die 50 m und zwischen einigen Riffs – nichts mehr. Sahen auch keine Kescher mehr in Aktion auf anderen Booten. Aber ueberall lauerten hungrige Robben. Die Chance jetzt noch einen Lachs zu landen schien aeusserst gering.

Carl funkte uns um ca. 7:30 Uhr an und sagte, dass er nun in der Naehe der Bank auf Heilbutt umstellte. Wir versuchten noch ca. eine Stunde weiter – ohne Erfolg. Dann entschieden auch wir uns zum Mudhole vor Pedder Bay auf Heilbutt vor Anker zu legen.

Da dass hier ein Lachsangelthema ist, verweise ich fuer den Restbericht des Tages auf mein Heilbuttangelthema.

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Das war alles was von Ricardos Lachs noch uebrig war

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Constance Bank

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Jalopy auf Lachsjagd

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23.6.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 24.06.2013 - 22:16

Es gibt manchmal Momente beim Angeln da passt einfach alles zusammen und man erlebt unvergessliche Sternstunden am Wasser. Sonntag Morgen war so ein Moment. Dabei war ich gar nicht gross vorbereitet und war mir wegen einer spaeten Party Samstag Abend unsicher ob ich ueberhaupt fueh aus dem Bett kommen wuerde. Und frueh musste es sein um in dieser Jahreszeit die Morgenbeisszeit zu erwischen. Ich hatte nichtmal nachgesehen, was die Gezeiten machten an diesem Morgen. Somit hatte ich nicht gesehen, dass ein Gezeitenwechsel genau mit dem ersten Tageslicht zusammenviel – schon mal ein gutes Anzeichen fuer einen fantastischen Morgen. Desweiteren zogen ueber Nacht Wolken auf und eine dunkle, mondlose Nacht liess die Lachse nachts nicht fressen und sie mussten hungrig sein am Morgen. Das alles war mir nicht bewusst als ich mich 3:30 Uhr frueh aus dem Bett hangelte und mich muede auf die Solotour begab. Meine regulaeren Angelfreunde koennte ich niemals so frueh morgens zum angeln ueberreden.

Es war gerade hell genug um rauszufahren als ich 4:15 Uhr an der Cheanuh Marina in East Sooke ankam. Hatte die Bootsrampe fuer mich alleine, aber ich hoerte schon ein oder zwei Bootsmotoren aufheulen, dort wo die Dauerliegeplaetze waren. Es war bedeckt und nieselte ganz leicht, aber kein Wind. Es war eine erfrischende Fahrt und ich hielt erst an als ich 15 Minuten spaeter an der Trap Shack ankam. Ein anderes Boot zog schon seine Runden. Im ersten Morgenlicht montierte ich beide Ruten mit Koederfischsystem. Als ich die erste Rute auf 13 m eingelassen hatte und die zweite Rute zum Einbringen fertig machte, riss es ploetzlich kraeftig an der ersten Rute. Wow, das ging ja schnell! Ein feister aber doch recht kleiner Chinook kam an’s Boot. Er hatte den Koederfisch voll genommen. Gluecklicherweise kamen die Schonhaken einfach heraus und ich liess den vielleicht 4 Pfuender wieder frei.

Sofort neubekoedern und wieder auf 13 m hinunter! Diesmal schaffte ich es sogar die zweite Rute mit einem Koederfisch im Purple Haze –System auf ca. 20 m Tiefe einzubringen. Ich hatte mir noch nicht die Haende abgetrocknet da riss es einmal hart an der ersten Rute und der Downriggerclip loeste aus. Als ich die Rute in der Hand hatte, surrte schon Schnur von der Rolle. Das war ein besserer Fisch, keine Frage! Ich genoss das Gefuehlt mal wieder einen wild kaempfenden und auch starken Chinook an der Leine zu haben. Nach einigen beherzten Fluchten konnte ich ihn langsam Richtung Boot dirigieren. Die eine Bootseite war klar zur Landung; auf der anderen Seite war aber die zweite Rute noch drin. Der Fisch zog mehrmals unter das Boot und ich musste mit dem Schleppmotor den Fisch wieder ins Heckwasser manoevrieren. Dann war er einen Augenblick zu lang in Kescherreichweite und ich schnappte mir die Beute. Ein kurzer aber unheimlich kompakter Chinook, 15 vielleicht 16 Pfund schwer. Abschlagen, abstechen, wegpacken – und als ich wieder aufschaute zog es schon sehr ungeduldig an der zweiten Rute! Unglaublich!

Ich liess alles fallen und sprang hinzu. Das war kein Chinook, oder zumindest kein grosser. Der Fisch zog schnell flach und veranstaltete ein Luftspektakel erster Guete. Ich dachte erst Coho aber als ich den 6-7 pfuendigen Fisch neben dem Boot hatte, bemerkte ich den gruenlich-blaeulichen Schimmer auf dem Ruecken und beim Hakenloesen erkannte ich dann deutlich, dass es sich hier um einen Sockeye (Rotlachs) handelte. Einer der besten Speisefische – dieses Jahr leider im Fraser River- Einzugsgebiet geschont da die diesjaehrigen Aufstiegszahlen zu wuenschen uebrig liessen. Naja...

Inzwischen war ich von meiner Zielangelstelle schon einen halben Kilometer abgetrieben und ich wollte versuchen wieder in die Bucht direkt vor der Trap Shack zu kommen. Aber es kam anders. Es war so ein Moment in dem es wohl egal war wo man und mit was man angelte. Die Lachse schienen ueberall zu sein und auf alles zu beisen. Es war wie ein Rausch und ich schaffte es oftmals gar nicht die zweite Rute einzubringen bis schon wieder was am Haken zuppelte. Ich kann es im Einzelnen gar nicht mehr alles beschreiben und nachvollziehen weil alles viel zu schnell ging! Ich erinnere mich nur noch an einzelne Episoden die aus dem ganzem Mayhem noch herausstanden. Trotz der morgendlichen Frische und des leichten Nieselregens musste ich Pullover und sogar die Jacke ausziehen weil ich anfing zu schwitzen. Es biss ein guter Mix aus Chinooks, Coho und Sockeye. Man wusste nie was kam.

Einmal hatte ich den Koederfisch wieder montiert und ausgelassen und wollte gerade die Schnur in den Downriggerclip stecken um den Koeder auf Tiefe zu bringen. Ich hatte die Schnur noch in der Hand und der Koeder zog ca. 10 m hinter dem Boot an der Oberflaeche - als es mir ploetzlich die Schnur aus der Hand riss und ein explosiver Coho zum Tanz einlud. Ein wunderschoener, blitzsilberner unmarkierter Coho von vielleicht 8 Pfund, den ich kurze Zeit spaeter wieder abhakte. Markierte Cohos konnte man 2 pro Tag behalten. Ausserdem 2 Chinooks. Minuten spaeter hakte ich wieder einen halbstarken aber kampfstarken Chinook von vielleicht knapp 10 Pfund und noch waehrend ich diesen Fisch drillte, sah ich wie die andere Rute anfing zu tanzen. Wow, double header – Doppelbiss! Ich oeffnete nur etwas die Bremse der zweiten Rute und ueberliess den Fisch dem Schicksal. Nachdem ich den Chinook wieder freigelassen hatte (ich wollte heute nichts unter 10 Pfund mitnehmen) war der andere Lachs tatsaechlich noch dran und ich brachte hier einen stattlichen Sockeye neben das Boot.

Und so ging das weiter und weiter. Ich weiss nicht wieviele Fische ich in der ersten Stunde so fing. Ich hatte etwa 30 Koederfische mitgebracht und hatte nach einer halben Stunde Angeln vielleicht noch 10 uebrig. Etliche Fehlbisse oder verpasste Bisse taten das ihrige dazu. Dann hatte ich mal wieder einen feisten Coho auf der rechten Bootseite und ich hielt das Vorfach in einer Hand und die Loesezange in der anderen und wartete darauf, dass der Fisch sich einen Moment beruhigte damit ich erkennen konnte, ob es sich vielleicht um einen markierten Coho handelte. Der wollte einfach nicht stillhalten und schlug Salto auf Salto! Ploetzlich sah ich die andere Rute zwei tiefe Verneigungen machen, ausloesen und sofort Schnur von der Rolle reissen. Die Rolle heulte auf. Das war kein Kleinfisch. Ich musste den Ringkampf mit dem Coho abbrechen und schnappte mir den Haken mit der Zange und erloeste ihn. Befreit schwamm der schoene 6 pfuendige Coho langsam und majestaetisch ab und jetzt erkannte ich, dass es ein markierter war! Ausgetrickst!

Aber nun schnappte ich mir die andere Rute und sah mich an einen Gegner geseilt, der nun schon mindestens 100 m Vorsprung hatte. Ich drehte das Boot und fuhr langsam hinterher um die Distanz zu verkuerzen. Dabei musste ich aufpassen, dass die Schnur stramm blieb. Es ging alles sehr gut und nach 5 Minuten hatte ich die Distanz halbiert. Dann wollte der Fisch wieder reissaus nehmen. Ich spuerte die gewaltigen Kopfstoesse als er sich mit Gewalt umdrehte und entgegengesetzt wegwollte. Gerade als die Rolle wieder anfing zu singen – peng und die Schnur wurde schlaff. Arrg...Mist!

Direkt oberhalb des Koedersystems war die Schnur durchgesaegt. Wahrscheinlich hatte der Chinook in der Zeit als ich noch mit dem Coho beschaeftigt gewesen war, den Koederfisch komplett inhaliert und damit war das 15 kg Monovorfach zwischen seine scharfen Zaehne gekommen und ein paar Male Kopfschuetteln hatten gereicht das Vorfach zu zerschleissen. Nun ja, was soll’s. Es ist halt immer der Groesste der verlorengeht! Lol

Die Fische duempelten mittlerweile an der Oberflaeche, einige sprangen sogar. Sockeyes machen das oft. Aber auch Cohos. Um 5:30 Uhr hatte ich noch einen kraeftigen Biss in 20 m Tiefe und ich konnte schnell bemerken, dass das wieder ein Chinook war. Zwei laengere Fluchten und dann stand der Fisch eine Weile tief. Letztendlich bekam ich ihn aber hochgearbeitet und ich erkannte einen feisten vielleicht 12 Pfuender neben dem Boot. Aber der wollte partout noch nicht aufgeben und schwamm unablaessig auf die andere Bootsseite wo natuerlich noch die andere Rute fischte. Ich drehte das Boot mindestens zweimal um sich selbst um den Fisch auf die freie Seite zu bekommen. Dann langte ich zu mit dem Kescher und der Fisch war mir sicher. Wieder ein kurzer und wohlgenaehrter Chinook.

Als wenn dieser Fisch die Schlusssirene dieses unglaublichen Fressrausches gewesen war, so liessen die Bisse urploetzlich nach. Eine Stunde Wahnsinn und dann als wenn nie etwas gewesen waere. Jetzt, gegen 5:45 Uhr, kam erst die uebliche Angler-Flut aus verschiedenen Marinas zur Stelle, setzten ihre Ruten ein und begannen ihr Geduldsspiel. Wenn die nur wuessten was hier nur Minuten zuvor losgewesen war!

Ich hatte noch 5 oder 6 Koederfische uebrig und wollte die noch verangeln um vielleicht doch noch meinen geopferten markierten Coho zurueckzukriegen. Sporadisch kamen auch noch ein paar Bisse – jetzt etwas tiefer zwischen 20 und 35 m. Ich fing in den naechsten 2 Stunden noch 2 unnmarkierte Cohos und einen schoenen Sockeye. Hier und da sah ich auch andere Boote im Drill aber das sah jetzt wieder wie ein normaler Tag aus.

Ich wollte mal sehen ob sich die grossen Coho-Schulen vielleicht weiter draussen herumtrieben und schleppte weit raus bis ueber 200 m tiefes Wasser. Ich erwischte noch einen halbstarken Chinook um die 4-5 Pfund da draussen aber keine Cohos. So packte ich dann um 10:00 Uhr ein. Muede, erschoepft und gluecklich so einen Morgen erlebt zu haben. Aber auch noch heiss den naechsten Tanz mit dem Gross-Chinook fuer mich zu entscheiden!

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