Aal - der perfekte Zielfisch für Kochtopfangler?

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Onkel Tom
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Beitragvon Onkel Tom » 10.11.2010 - 20:24

Sicher wird daran geforscht, aber mal Hand auf Herz, glaubst du wirklich, ein gezüchteter Aal ist in der Natur überlebensfähig? Da habe ich doch erhebliche Bedenken. Mal ganz davon ab, wenn irgend wo auf der Welt tatsächlich schon heute jemand überlebensfähige europäische Aale nachzüchten könnte, hätten man sicher schon mal etwas in der Fachpresse darüber gelesen. 3 bis 4 Sekunden überlebensfähige Larven sind dann doch noch ein ganzes Stück davon entfernt, "ausgewilderte" adulte Aale zu werden.

niels1984 hat geschrieben:Blos prozentual würde ich die Ausmaße des Anglers im Bezug des Aalfanges nicht als entscheidend oder gravierend sehen.


Das mag schon so sein und dass will ich ja auch gar nicht bestreiten. Mir geht es nur darum aufzuzeigen, dass auch wir Angler eine Mitverantwortung haben. Als Gewässerwart zum Beispiel, weiß ich ziemlich genau darüber bescheid, wie viele Tonnen Satzaal, nur hier in meiner Ecke, jedes Jahr in geschlossene Gewässer gekippt werden. Jeder einzelne Fisch ist dem natürlichen Kreislauf entnommen, ohne je die Chance gehabt zu haben, daran Teil zu haben. Da helfen auch keine, in meinen Augen blödsinnigen, Schonzeiten und Mindestmaße für den Aal.
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Beitragvon niels1984 » 10.11.2010 - 20:43

Vieleicht sind sie nicht überlebensfähig, nur wäre es ja endlich mal an der Zeit vieleicht die Nahrungsmittelindustrie mit Nachzuchten zu versorgen. Das würde sich wiederum bestimmt sehr positiv auswirken auf den Bestand.
Mitverantwortung haben wir als Anglergemeinde bestimmt.
Ne das stimmt, da sind Schonzeiten sehr überflüssig,weil einfach kein Sinn dahinter ist. Bei uns hat er auch keine.

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Beitragvon rhinefisher » 11.11.2010 - 7:07

Zum ersten beteiligen sich die Angler, wie Tom ja schon schrieb, ganz heftig am Glasaalfang und zum zweiten fangen die Angler auch in den offenen Gewässern ganz schön was weg; in NRW werden für 200km Strom ca. 20000 Erlaubnißscheine ausgegeben.
Und fast alle fischen mit Wurm und Made... .

Wer einmal gesehen hat, wie viele Aale ein einziger Kormoran so runterwürgt, wird diesen Vogel mit anderen Augen sehen.. .

Ganz besonders übel finde ich das "Argument" noch mal schnell "aus dem Vollen zu schöpfen".
Petri
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Beitragvon niels1984 » 11.11.2010 - 7:40

Also wenn ich für meinen Teil spreche, dann kann ich sagen das ich während der gesammten Angelsaison 2010 2 Aale entnommen habe.
Cormorane habe ich in 20 Jahren vieleicht 4 stück gesehen bei uns,also kann ich nicht viel zu sagen.
Japaner und die Asiaten sind im allgemeinen die größten Aufkäufer von Glasaalen aus Europa sind ist unbestritten. Dies sind sie jedoch nicht wegen des Verzehrs der Glasaale, sondern wegen der extrem hohen Anzahl an Aalmastanlagen und des Hohen Bedarfs an Aal. Der japanische Aal (A. japonica) ist durch die Japaner quasi fast aufgegessen worden, weshalb man sich zunächst dem amerikanischen Aal (A. rostrata) zugewendet hat und nach der Handelsbeschränkung durch Amerika nun seit einigen Jahren schon am europäischen Aal satt futtert. Die Japaner sind aber nicht diejenigen die sich auf die Aalbabys stürzen. Es sind die Westeuropäer in Spanien und Portugal die die Glasaale millionenfach an die Japaner verkaufen und die beim Fang getöteten Tiere in Dosen mit reichlich Knoblauch und Öl packen.
Ich finde dagegen sollte man was machen, jedenfals wird es höchste Zeit.

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Beitragvon rhinefisher » 11.11.2010 - 7:54

Leider stehen die Franzosen und Holländer denen in nichts nach.. .
Klar muß der Glasaalfang verboten werden - aber auch wir Angler könnten zum Schutz einiges beitragen.
Wenn jemand aus einem geschlossenen Gewässer einige Aale entnimmt, will ich das bestimmt nicht verteufeln, aber in offenen Systemen sehe ich das anders.. .
Petri
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Beitragvon niels1984 » 11.11.2010 - 8:19

Einen Beitrag kann natürlich jeder leisten. Nur ist es im Moment noch ein Kampf gegen Windmühlen, weil vielen leider ein vernünfitger Bezug zum Artenschutz fehlt.

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Beitragvon Taxler » 11.11.2010 - 8:59

Schon immer wieder lustig (eigentlich traurig) zu lesen, wie sich die Leute
gegenseitig den schwarzen Peter versuchen zuzuschieben ...

JEDER der von einer derart bedrohten Tierart auch nur 1 Exemplar vernichtet,
hat Schuld an deren letztendlichen "Genozid"

Sei es
- der maßlose Glasaalfänger,
- der Konzern der die Brut nach Asien verhökert,
- der Angler der seinen Räucherschrank befüllt,
- die Wasserkraftwerkbetreiber die nicht auf gefahrlose Durchgängigkeit der Wasserwege achten,
- die vielen Mini-Wasserkraftwerke die 0,00000001% des Ökostroms produzieren und dafür zahllose Aale häkseln,
- die Gewässerwarte der Angelvereine die Aale in geschlossene Gewässer setzen um ihre zahlenden Mitglieder zu befriedigen,
- und ... und .... und ...!

Der einzige legitime Entnehmer, der bisher genannt wurde, ist der Kormoran.
Er weiß es nicht besser und kann sich das Wissen dazu nicht aneignen ...

Jedoch der Mensch könnte es wohl - aber ... :~[


Nachtrag:
Auch ich kann mich nicht ausnehmen - ich habe dieses Jahr 2 Aale entnommen
... und das, obwohl ich es eigentlich besser wissen sollte
Also, wenn ich Du wäre ..... dann wäre ich, ehrlich gesagt, doch lieber ich

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Beitragvon niels1984 » 11.11.2010 - 9:37

Ich weiß ja nicht wie es bei euch so von statten geht, bei uns beispielsweise werden im Frühjar Aale, Hechte und Zander direkt in die Elbe entlassen und Mindestmaße verhängt.

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Beitragvon rhinefisher » 11.11.2010 - 12:15

Und wo kommen die Aale für den Besatz her...?
Was der eine mästet oder gleich frisst, setzt der Angler aus um es dann zu fangen - ist im Grunde der gleiche Raubbau unter anderen Vorzeichen.. .
Petri
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Beitragvon niels1984 » 11.11.2010 - 12:21

Das würde ich nicht sagen, weil das Aussetzen und der Aalfang nicht annähernd im Verhältniss stehen.Es werden im Schnitt nur 25-30 % der Aale gefangen die eingesetzt werden.

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Beitragvon Taxler » 11.11.2010 - 17:09

Hab grad mal ein Bild von so einem (eines von tausenden) "umweltfreundlichen" und "sauberen" Erzeuger der vielgelobten erneuerbarer Energien
mit einem häuslichen 700-KW-Wasserkraftwerk und den CO2-neutralen abwanderwilligen Kollateralschäden ergoogled:

Bild


Glasaale .... davon werden jährlich ca. 100 TONNEN (!) gefangen (Mitte der 90er Jahre waren es noch ca. 900 To):
(Bild zum Vergleich, um sich 100 Tonnen von diesen Kleinlebewesen vorstellen zu können)
Bild


Dann der einzelne Angler, der sich ja auch seinen Anteil an der gewaltigen Beute sichern möchte:
Bild


... und natürlich auch unser "schwarzer Freund"
Bild


Wenn mir nun ein Angler sagt, dass er eben gerne auf Aal angelt und es ja eh nicht ins Gewicht fällt
bei der Menge die jährlich vernichtet wird, dann habe ich genauso wenig Verständnis dafür
wie für den Großwildjäger der eben gerne 1 seltenes Nashorn schiesst, weil die ja eh irgendwann aussterben werden
und es wohl auf das eine nicht ankommen wird
Also, wenn ich Du wäre ..... dann wäre ich, ehrlich gesagt, doch lieber ich

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Beitragvon niels1984 » 11.11.2010 - 17:14

Was ich sagen wollte war ja was anderes, von der Verhältnissmäßigkeit verglichen. Sicher haben alle ihr Päckchen Mitschuld zu tragen.
Die Bilder sind Schön Heftig, aber da sieht man mal das,was man sonst in keinem Energie-Werbespot oder Kochbuch sehen würde.

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Beitragvon Christian K. » 11.11.2010 - 19:31

Ohne Skrupel und sogar gerne gehe ich an den Chiemsee Aalangeln!

-Erstens weil es mir Spaß macht
-Zweitens schmecken sie super(einer de wenigen Fische die ich wirklich zum verspeisen fange)
-Drittens weil dieser Fisch nicht hieher gehört sondern von den Berufsfischern Besetzt wird um den Profít zu erhöhen
-Viertens wandert er von hier aus zwar ab aber nicht zum ablaichen, da wir hier im Donaueinzugsgebiet wohnen und die Aale anscheinend den weg über das schwarze Meer nicht findet.

Ergo kann ich getrost Aalangeln da ich selbst absolut nichts daran ändern kann das er hier besetzt wird und er selbst nach dem Abwandern sich sowieso nicht vermehren kann.
Ich hätte absolut nichts dagegen wenn er nicht mehr besetzt würde, auch wenn ich es Schade finden würde nicht mehr auf Aal angekn zu können, dass wäre mir aber in dem Fall egal da es einfach um eine bedrohte Tierart geht!!!

Dort wo er abwandern kann und es auch tut, würde ich mich anderen Fischarten zuwenden um dem Aal die Chance zu geben sich zu vermehren um evtl. seine Art zu retten!
Ich mache keinen Unterschied zwischen Jung und Alt,
ob du arm oder reich bist, lässt mich kalt,
ich heiß euch alle, willkommen, ich liebe jeden,
alles was ich will, ist euer Leben...

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Beitragvon rhinefisher » 12.11.2010 - 7:55

Und diese Haltung, in dieser Situation, ist auch aktzeptabel und völlig nachvollziehbar - da würde ich mich nicht anders verhalten.
Doch wenn ich im Rhein zufällig einen Aal hake und der danach blutet, könnte ich heulen.
Es sind schließlich die letzten ihrer Art.. .
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Beitragvon Christian K. » 12.11.2010 - 22:56

Das kann ich Dir absolut nachvollziehen.
Wenn die Aale hier mit Chance auf vermehrung abwandern würden, wäre ich einer der ersten der das angeln auf sie einstellt!

Es kann doch nicht sein das der Mensch alle Arten ausrotten muss aus Profitgier!!!
Ich mache keinen Unterschied zwischen Jung und Alt,

ob du arm oder reich bist, lässt mich kalt,

ich heiß euch alle, willkommen, ich liebe jeden,

alles was ich will, ist euer Leben...