Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

  • Ist schon unglaublich, nicht? Keine Frage wer hier der wirkliche Fischer ist, der Fischadler oder wir! Am meisten beeindruckt mich der Schollenfang. Wer schon mal Schollen/Flundern beim Schnorcheln gejagt hat, weiss wie schwer diese auch nur aus 1 -2 m Entfernung zu entdecken sind. Jetzt ueberlege mal aus welcher Entfernung der Fischadler die Scholle erspaeht hat. Wahnsinn! Hut ab vor so einer Leistung.

  • So, endlich war's mal wieder soweit! Gestern passte alles zusammen, arbeitsfrei, kein Wind und ein paar Stunden keine anderen Verpflichtungen. Mein Freund und Arbeitskollege Larry sah das genauso und so verabredeten wir uns 9:30 morgens beim ihm. Er wollte seine lange nicht gestarteten Bootsmotoren mal wieder durchpusten, also war sein Boot 'dran. Nur ein kleines 16 Fuss Glasfiber Runabout aber gut gepflegt und vorallem faengig!


    Um 10 Uhr waren wir auf dem Wasser praktisch vor downtown Victoria. Wir wollten eigentlich zur Constance Bank vor Victoria weil da die letzten Fangberichte von Erfolgen sprachen. Viel Kleinlachs mit einigen sogar untermassig (50 cm) - aber ein Bekannter hatte ueber die Feiertage einen 20.2 Pfund Winter Spring auf die Schuppen gelegt! Was fuer ein Fisch fuer diese Jahreszeit! Also man weiss nie!


    Larrys Hauptmotor lief leider nicht sehr gut und nach 1-2 km beschlossen wir lieber dicht vor Land zu bleiben falls der Motor ganz ausfiel. Es ist nie gut einen Aussenborder - und besonders einen betagten - laenger als 4 Wochen ungestartet zu lassen. Jedenfalls der kleine Schleppmotor lief klasse und so liessen wir die Downrigger direkt vor der Victoria Mole ab. Ich hatte keine Fangerfolge von da gelesen aber normalerweise sind immer paar Winter Springs vor downtown.


    Wir schleppten in ca. 40 m Tiefe direkt ueber dem Grund. Larry montierte einen kleinen schwarz/weissen Coyote Blinker vor einem glow-Flasher. Ich wollte mal etwas Neues probieren, dh. einen neuen Trick. Ich hatte neulich bei Angelzeug sortieren eine handvoll alter kleiner Knicklichter gefunden. Gibt's hier gar nicht - stammen noch von Aalansitzen aus meinen Deutschlandzeiten! Erstaunlicherweise stellte ich fest, dass die nach ueber 10 Jahren noch einwandfrei funktionieren. So beschloss ich ein glow Squirt mit einem Knicklicht auszustopfen um die Leuchtwirkung zu erhoehen. Das bot ich nur 60 cm hinter einem glow Flasher an, direkt am Grund.


    Nach nicht mal 15 Minute riss es ploetzlich kraeftig an meiner Rute und der Downriggerclip loeste aus! Na das ging ja schnell! Ich sprang hinzu und setzte einen kraeftigen Anschlag und spuerte ordentlichen Widerstand. Larry war verbluefft ueber diesen Blitzstart. Ich gewann erstmal problemlos 20 - 30 m Leine. Auch wenn sich der Fisch schwer anfuehlte, kaempfte er nicht viel (noch).


    Larry wusste nicht ob er seine Rute einziehen sollte oder nicht. Nachdem der Kampf so harmlos schien, liess er seine Rute 'drin da er einen kleineren Fisch vermutete. Nun kam der Fisch ca. 15 m hinter dem Boot zur Oberflaeche und ich konnte einen silbrigen Schatten hinter dem Flasher erkennen. Da, auf einmal bemerkte der Lachs die Gefahr und schuettelte mit kraeftigen Schlaegen den Kopf. Da wusste ich das das ein besserer Fisch war. Im selben Moment zog der Lachs ab und meine Rolle liess kreischend Schnur los!


    Larry sah erstaunt auf mich und den Schnureintritt. Jetzt holte er doch seine Rute ein und hielt nach Robben Ausschau. Er befuerchtete das sich bei einem laengeren Drill eine Robbe einmischen wuerde. Gott sein Dank war weit und breit keine zu sehen.


    Ich gewann wieder etwas Schnur zurueck aber sobald ich den Fisch wieder in 10 - 20 m Entfernung zum Boot hatte, spielte er verrueckt und riss wieder aus. Aber nach 3-4 Mal merkte ich, dass die Fluchten kuerzer wurden. Da entschloss sich der Fisch an der Oberflaeche zu waelzen. Das ist gefaehrlich weil sich die Schnur hinter Flossen oder hinter dem Kiemendeckel verfangen kann und dann dem Fisch zum Vorteil gereichen kann. Ich versuchte das Waelzen zu unterbinden im dem ich kompromislos zog und den Fischkopf zum Boot hin zwang.


    Es gab einen kurzen Ruck auf den hin ich hart kurbelte um ja kein Slack zu erlauben. Kontakt war immer noch da. Glueck gehabt. Der Haken (2 Einzelhaken) musste gut sitzen! Doch jetzt wollte der Fisch wieder in die Tiefe und ich konnte ihn nicht aufhalten. Larry wurde ungeduldig. Mittlerweile spielte sich das Tauziehen schon recht dicht hinter dem Boot ab und wir konnten den Fisch gut erkennen. Ein praechtiger Fisch! Aber irgendwie kaempfte er haerter als ein 10 - 15 Pfuender wuerde vermuten lassen.


    Da sah ich was los war: der Haken hing nicht mehr im Maul sondern unterhalb des Kiemendeckels. Bei dem Ruck den ich vorher verspuert hatte, musste wohl der eine Haken losgerissen sein, woraufhin sich aber der zweite in der Haut verfing. Da hatte sich das Hakenschaerfen wiedermal ausgezahlt!
    Von diesem Winkel liess sich der Lachs natuerlich schwer kontrollieren. Wer weiss wie lange der Haken dort halten wuerde! Als ich den Lachs mal wieder an der Oberflaeche hatte, machte ich Druck und zog hart Richtung Kescher. Dem ersten Kescherversuch konnte der Bursche nochmal ausweichen aber dann war er sicher!


    Wir beide strahlten und klatschten uns ab! Ein klasse Fisch. Larrys Waage wackelte kurz ueber 13 Pfund herum. Mein Winter Spring Rekord liegt etwas ueber 15 Pfund. Da kann sich dieser Bursche durchaus sehen lassen.


    Larry sah das Knicklicht ueber dem Haken da das Plastik-Squirt bis zum Flasher hochgerutscht war. Was ist denn das fuer ein komisches Ding, fragte er? Top secret, meinte ich nur schmunzelnd.


    Paar Minuten spaeter fischten wir wieder. Etwa 20 Minuten spaeter sah ich Larrys Rute tanzen. Larry spielte gerade mit seinem GPS Geraet im Cockpit herum. Es dauerte ein paar Sekunden bis er die Rute aufgenommen und einen Anschlag gesetzt hatte. Der Fisch war noch da. Ein paar Kurbelumdrehungen und ploetzlich zog der Fisch ab und im selben Moment wurde die Rute schlaff. Weg.


    Wir schleppten weiter die 40 m Kontour entlang aber es ging nichts mehr. Ein paar Boote kamen uns entgegen und zogen auf unsere vorherige Erfolgsstelle zu. Nach 45 Minuten ohne Erfolg drehten wir um und steuerten wieder unsere erste Stelle an, ueber der jetzt 3 andere Boote kreisten. Aber es war uns nichts mehr gegoennt.


    Um 13:00 brachen wir ab und da Larry inzwischen am Motor erfolgreich herumgebastelt hatte, ging es mit Vollgas zur Rampe. Ein Fischereibeamter protokollierte meinen Fisch, nahm DNS und Schuppenproben und beglueckwuenschte uns zum groessten Lachs des Tages bis jetzt. Als ich noch filetierte, quatschte Larry mit einem anderen Angler, der von einem der 3 Boote kam, die an der Molenstellen nach uns kreisten. Er hatte eine halbe Stunde nach uns dort zwei 8 - 9 Pfuender erwischt. Es war also kein Zufallsfang an dieser Stelle heute!


    War klasse mal wieder auf dem Wasser gewesen zu sein und dann noch einen tollen Lachsdrill zu bestehen. Und wer haette gedacht vofuer Knicklichter so alles gut sein koennen! Beim naechsten Deutschlandurlaub werde ich mir mal ein paar mehr davon zulegen!


    Gerade jetzt gart ein halbes Filet des Lachses auf einer Zedernholzplanke auf dem Grill 'draussen. Hmm!




  • Ein Bericht von meinem ersten Lachstrip in 2012. Ostermontag hatte ich die Gelegenheit mal wieder das Lachsgeschirr zu befeuchten. Wetter: erstklassig und fruehlingshaft bei knapp 20 Grad und null Wind. Gezeiten, nicht so toll; starke Ebbstroemung bis fruehen Nachmittag.
    Musste leider solo fischen weil keiner meiner regulaeren Crew Members Zeit hatte. Bin zur nagelneuen Bootsrampe der Stadt Sooke; einwandfreie Anlage und umsonst. Werde dort wohl haeufiger einlassen dieses Jahr. Normalerweise fische ich im Winter/Fruehling meist Victoria aber ich wollte die neue Slipanlage mal ausprobieren. Ausserdem spukten einige ordentlich Fangberichte herum in den letzten Tagen vor Ostern. So, ein paar fette Winterlachse sollten also da sein.
    Auf dem Parkplatz sah’ ich schon den Anhaenger und Truck meines Kumpels Jerrod stehen. Er war also schon ‘draussen. Ich funkte Jerrod an sobald ich aus dem Hafen kam und er meldete einen 10 Pfund Lachs von frueh morgens nahe Otter Point. Wir verabredeten uns in der Gegend in 20 Minuten. Ich liess 2 Leinen gegen 10 Uhr ein und schleppte zwischen den Sooke Bluffs und Otter Point in ca. 40 m Wassertiefe. Ich liess die Koeder (ein Blinker und ein Squid) ueber den sandig/kiesigen Boden gleiten. Bodenkontakt mit dem Downriggergewicht ist im Winter immer vielversprechend.
    Ich traf nach einer Weile auf Jerrod und wir schleppten eine Weile parallel und quatschten. Jerrod vermeldete, dass nach einem kurzem Morgenbiss jetzt Totenstille herrschte. Und wirklich tat sich nichts in 2 Stunden.
    Als die Stroemung nachliess und auf Flut drehte, sah ich einen anderen Bekannten in der Ferne nach dem Kescher langen. Ich zog ein und fuhr hinueber. Roland hatte gerade einen schoenen 14 Pfund Chinook gelandet und setzte eilig die Ruten wieder aus. Er fischte mit Koederfisch. Hmm, vielleicht wollten die Kerle heute nur echtes Fleisch? Ich hatte ein paar kleine Heringe dabei, eigentlich mehr fuer die Krabbenfalle aber mit etwas Fummeln gingen die auch in die Koederfischsysteme ‘rein.
    So zog ich meine Kreise weiter in der Gegend und nach einer Weile zuckelte die Koederfischrute etwas. Ich zog an und es gab Widerstand, jedoch keinen richtigen Kampf. Einfach nur schwer. Wahrscheinlich ein Felsenbarsch oder kleiner Ling. Zu meinem Erstaunen kam eine ordentliche Scholle herauf. 43 cm, so eine faengt man nicht alle Tage!
    Jerrod wollte aufgeben und heimfahren. Ueber Funk diskutierten wir ein bisschen ueber Strategien und schulterzuckend meinte ich vielleicht weiter ‘draussen an der Scharkante wo der Boden schnell von 60 auf 100 m abfiel. Jerrod meinte er wuerde das auf dem Heimweg mal probieren.
    Nach einer halben Stunde gab Jerrod einen kleinen Erfolg durch’s Funkgeraet. Er hatte noch einen kleinen 6 Pfuender in 65 m Tiefe gehakt und gelandet und packte jetzt ein. Roland blieb noch bei der alten Taktik, aber ich fuhr nun raus zur Kante. Nach 20 Minuten fing dann endlich die Blinkerrute an zu zucken und ich setzte den Haken. Ein beherzter Widerstand machte klar dass das ein halbstarker Lachs sein musste. In ca. 70 m Tiefe gehakt, das war ein langer Weg hoch zum Boot. Dummerweise hielt der Fisch sich nicht an die Anstandsregeln und flitzte in die noch ausliegende zweite Leine. Schnursalat. Irgendwie kam das ganze Durcheinander dann doch nach oben und mein Kescherstiel was gerade lang genug, dass ich den ganzen Salat mit Fisch kurz hinter dem Boot herausholen konnte.
    Der Schneidertag war vermieden. Es was 15:00 Uhr und ich fuhr zurueck nach Sooke. Die Krabbenfalle im Hafen war voll aber seltsamerweise alles nur Weibchen, die alle wieder zurueckgingen. Beim Bootrausholen fragte ich noch zwei andere Crews nach ihren Resultaten und beide Boote kamen leer heim. Wirklich kein berauschender Fangtag, aber das traumhafte Wetter und die schoene Aussicht machten vieles wett.
    Roland, der in Sooke wohnt, schickte mir dann abends eine email und bedauerte mich, dass ich nicht laenger geblieben war. Um 16:30 Uhr, als die Flut im vollen Gange war kam die Beisszeit und er hatte noch 4 weitere Lachsdrills innerhalb einer halben Stunde und konnte noch 2 schoene Exemplare davon landen.
    Tja, manchmal muss man VIIIEEEEEL Geduld und Zeit haben. Aber ich will mich nicht beschweren...


    Red Hot in Action


    Neuer Motor laeuft klasse; die Ruten sind ausgebracht


    Leider viel Zeit fuer Umgebungsfotos: Olympic Mountains, USA


    Bikinizeit im April in BC


    Doch noch ein paar Fische


    Rolands Fang

  • Ein klasse Angeltag heute! Es war langes Wochenende und ein Tag sollte auf jeden Fall zum Angeln herhalten. Leider hatte das bestaendige schoene Wetter der letzten Wochen einen leichten Knacks gekriegt und es war wieder etwas kuehler und unbestaendiger geworden. Jedoch sah das Wetter fuer So angelmaessig nicht schlecht aus: wenig Wind und ein paar Tropfen abwechselnd mit sonnigen Perioden.


    Ich verabredete mich mit meinem Arbeitskollegen und Angelkumpel Larry fuer 7:30 morgens bei mir. Wir hatten beide keine Lust auf einen super fruehen Start. Wir waren dann aber bei Abfahrt noch unentschlossen wo wir es versuchen sollten. Weder ich noch Larry sind in den letzten Wochen mal intensiver auf Lachs gegangen. Alle waren mit Heilbuttjagd beschaeftigt. So gab es wenig Berichte um sich zu orientieren.


    Sooke Bluffs waren eine Option, eine schicke neue Slipanlage – umsonst und die Chance auf sowohl ein oder zwei Gross-Chinooks (catch & release bis 15.6. voraussichtlich) und auch Revier fuer Winter Springs bit 15 Pfund.


    Wirl Bay in East Sooke ist immer eine gute Wahl um diese Jahreszeit fuer Winter Springs bis manchmal 20 Pfund. Kann aber auch total tot sein.


    Oak Bay direkt vor der Stadt Victoria faengt um diese Jahreszeit an interessant zu sein fuer ordentliche Schwaerme an Winter Springs, die dort hauptsaechlich den Needlefish (Sandaal aehnlich) nachstellen. Da schwimmen auch immer mal paar kapitale Gross-Chinooks zwischen den kleineren Winter Chinooks. Ausserdem ein vielversprechendes Revier fuer Heibutte mit denen man immer mal beim Trolling nahe Grund rechnen kann. Und nah an zu Hause.

    Constance Bank vor Victoria, einn Garant fuer Winter Springs, aber etwas weiter draussen und daher wetterabhaengig.


    Larry war’s egal so entschied ich einfach mal vom Bauchgefuehl her Oak Bay. Es war ein Genuss bei spiegelglatter See mit dem Boot dahinzufliegen. Als wir nach 15 Minuten auf den Oak Bay Flats ankamen, schleppten da schon 9 andere Boote. Nanu? Das war ungewoehlich. Wussten denn die alle was was wir nicht wussten?


    Wir setzten unser Geraet auf der flacheren Seite der Bootsmenge ein – so bei 35 m Wassertiefe. Larry griff zum Koederfischsystem waehrend ich dem guten Glow- Gruen Coyote Blinker vertraute. Beide Ruten waren gerade auf Tiefe direkt ueber Grund und ich erfreute mich gerade an meinem perfekt reparierten Schleppmotor als Larry’s Rute abzog und aus dem Clip ausloeste.


    Routeniert griff er zur Rute und schlug an und ein betraechtlicher Widerstand bog die Rute zum Halbkreis. Die Rolle sang auf und wir beide hollerten vor Freude. Na so ein Anfang! So kann’s auch gerne weitergehen! Ich machte klar Schiff auf Larry’s Seite und machte den Kescher startklar. Larry gewann jetzt Schnur und ich hielt schon nach dem Fisch Ausschau. Da drehte sich der Fisch nochmal und zog wieder ab. Im selben Moment schnellte die Rute zurueck und der Spuk war vorbei. Mist!


    Es stellte sich heraus, dass die Schnur direkt ueber dem Drilling gerissen war. War da eine uebersehene Schwachstelle gewesen oder hatte der Lachs mit seinen scharfen Zaehnen das 15 Kg Fluorocarbon Vorfach durchgesaegt? Wer weiss. Die Stelle wurde schnell ins GPS eingespeichert.


    Waehrend Larry ein neues Vorfach aussuchte zog ich eine Kurve um die Bisstelle. Ich liess das Downriggergewicht bis zum Grund hinab und liess es auftitschen. Da! Es zuckte ein zwei Mal unmissverstaendlich zwischen den Rucken die der Bodenkontakt verursachte. Das musste Fisch sein. Ich riss die Rute raus und schlug an. Yup, Widerstand! Und kein schlechter. Der Fisch riss sofort erst einmal 20 – 30 m Schnur ab bevor ich ihn stoppen konnte. In dem Moment hoerte ich Larry „oh oh“ seufzen. Zwei Robben tauchten direkt vor unserem Boot auf. Die waren eindeutig auf Lachsdiebstahl aus. Ich hiess Larry ein paar faustgrosse Steine Richtung Robben zu werfen um sie zu verscheuchen – oder es wenigstens zu versuchen. Schien gewirkt zu haben denn ich konnte den Fisch ungestoert drillen – auch wenn ich ihn etwas haerter rannahm als normalerweise.

    Larry kescherte ihn gekonnt und so kam ein schoener 11 Pfund Winter Spring an Bord. Fettflosse fehlte – also ein markierter Lachs und damit legal zum Behalten. Schnell abschlagen, ausbluten auf Eis legen und nichts wie diei Ruten wieder runter.


    Ich markierte auch diese Stelle im GPS. Ich zog jetzt weite Kreise um die 2 Markierungen. Etwa 15 Minuten spaeter ruckte es hart an Larrys Rute. Larry war gleich da und war im Nu in einen rasanten Lachsdrill verwickelt. Der schien sogar noch groesser zu sein als meiner – nach dem Kampf zu urteilen. Nach 5- 10 Minuten sahen wir den ersten Schwall an der Oberflaeche vielleicht 10 m hinter dem Boot. Ich war mit dem Kescher bereit und hielt nach Robben Ausschau. Da flog uns ploetzlich Larrys Koedergeschirr entgegen. Ausgeschlitzt! Tssss. Larry fluchte leise waehrend er neu bekoederte.


    Ich wechselte jetzt den Blinker auf Koederfisch um. Wir kaempften uns gegen die einsetzende Flut zu unseren Hot Spot Markierungen zurueck. Mittlerweile zaehlte Larry 25 Boote um uns herum. Da hatten wohl welche ueber Funk geplaudert? Einige Guideboote waren auch dabei. Da ich einigen entgegenkommenden Booten ausweichen musste, wurde ich in etwas tieferes Wasser abgedraengt. Hier war es schon fast 50 m tief. Ich liess wieder mehr Downriggerleine aus um Bodennaehe zu bewahren. Gerade griff ich zu einem Snack da rief Larry „Fish on!“ und zeigte zu meiner zappelden Rute.


    Haha, da hat der Koederwechsel sich ja gleich gelohnt! Wieder genoss ich den Drill eines kampfstarken Lachses. Kein Riese aber ein ordentlicher Kerl. Diesmal waren nicht die Robben unsere Sorge sondern 10 Boote um uns herum die kreuz und quer schleppten. Ausserdem 2 Schlauchboote die drifteten und pilkten. Larry musste schwer chauffieren waehrend ich den Fisch drillte. Als er neben dem Boot schwamm zeigte sich, dass es wieder ein markierter war. Klasse. Durfte mit. Auch der wurde schnell versorgt und kalt gelegt. Ich hatte jetzt mein Limit und Larry musste und wollte auch nachlegen.


    Es dauerte auch nicht lange, da schlug Larrys Rute wieder an und diesmal sollte alles klappen. So landete auch er noch einen schoenen markierten Winter Spring. Damit fehlte uns nur noch einer zum Limit. Wir schlaengelten uns durch die Bootsmenge durch und begruessten einige Bekannte. Einige hatte schon ein paar Fische, ein Kumpel von mir hielt einen 18 Pfund Winter Spring hoch. Das ist ein stattliches Kaliber fuer einen Lachs der erst im naechsten Jahr aufsteigt! Der waere dann sicher um die 40 Pfund plus geworden.


    Uns zog es etwas weg von den Bootsmassen. Da sah ich wieder das verdaechtige Zuck Zuck an der Rutenspitze. Schnell die Rute zur Hand und angeschlagen. Tatsaechlich, es hing wieder einer. Nun schon routeniert drillte ich den Fisch und nachdem er in ein paar Fluchten genug Kraft gelassen hatte, holte ich in neben das Boot. Glueckspilz, sagte Larry; wieder ein markierter. Als Larry mit dem Kescher hinlangte, zog der Fisch nochmal ab. Als ich ihn dann entgueltig Richtung Kescher schliddern wollte, flups kam nun mir der Haken entgegengeflogen. Das haette buchstaeblich ins Auge gehen koennen!


    Ok, auch ich bin nicht perfekt heute! Weiter ging’s. Aber nun war wohl erstmal Sendepause angesagt. Es tat sich eine Stunde nichts mehr und wir sahen auch niemand anders was drillen oder fangen. Und dann als wir es schon nicht mehr glaubten, riss es ploetzlich wieder ein meiner Rute. Und dann ging die Post ab! Der war sicher der groesste heute! Ein paar rasante Fluchten und heftiges Kopfschuetteln. Das war mehr als ein typischer Winter Spring. Ich genoss den herrlichen Drill und als Larry dann tief ueber die Reling gebeugt verkuendete, dass es ein unmarkierter waere, war’s mir auch recht. Er hing nur am Nachlaeufer Einzelhaken und konnte damit sehr leicht und ohne Beschaedigung geloest werden. Langsam zog der sicher 16 – 17 Pfuender in die Tiefe.
    J
    etzt beschlossen wir es doch noch mal auf Constance Bank zu versuchen um Larrys zweiten Lachs zu kriegen. Wir duesten die 10 Minuten von Oak Bay raus und kamen in einer ungemuetlichen Gegend an. Etwas auffrischender Wind kollodierte hier mit der harten Flutstroemung und diese Kombinations warf Wellen in alle Richtungen. Wir versuchten es dennoch an der 40 m Kontour. Ich fing innerhalb einer halben Stunde 2 Felsenbarsche von denen einer zu klein war und einer ok. Und zur Kroenung meines Tages hatten ich noch einen Monsterdrill!


    Durch einen Aufruf Larrys hingewiesen, sah ich meine Rute ausloesen. Ich schlug an und fuehlte schweren Widerstand. Sofort zog es unerbittlich wenn auch nicht schnell Schnur von der Rolle. Was war denn das? So kaempft kein Lachs! Heilbutt? Muss wohl! Nach einer Weile konnte ich den Schnurverlust endlich stoppen. Larry warf den Motor in Leerlauf um mir zu helfen.
    Ich konnte nun mit erheblicher Kraftanstrengung Schnur gewinnen. Waren wir gespannt zu sehen was das war! Ploetzlich wurde die Schnur ganz schnell sehr flach und im naechsten Augenblick durchbrach etwas in etwa 80 m Entfernung die Oberflaeche und waelzte sich herum. ??? Wir schauten uns nur fragend an. Dann meinte Larry er sehen schwarz weisse Farben.


    Es wurde uns klar, dass ich eine Taucherente gehakt hatte! In 40 m Tiefe! Was es nicht alles gibt. Und die tobte wie wild an der Oberflaeche und ich konnte den fast Gans grossen Vogel einfach nicht herankriegen. Larry wollte schon hin fahren als ploetzlich der Haken freikam. Gott sein Dank!


    Dann packten wir ein. Auf dem Rueckweg holten wir noch die Krabbenfalle ein und von den 2 Krabben darin ging eine grosse mit!
    7 Lachse gedrillt, 4 am Boot, 3 im Boot – 9, 10, 11 Pfund, ein Felsenbarsch, eine Krabbe, eine fast Ente und viel Spass! Viel besser geht’s wirklich nicht!







  • Sa hatte ein Bekannter, Glen, meinen Freund Carl und mich auf sein neues Boot zum Angeln eingeladen. Ich wusste, dass Glen sich ein fantastisches Boot zugelegt hatte und hatte es aus der Ferne schon paar Mal im Wasser bewundert. Als Carl und ich dann aber Sa morgen um 6:00 davor standen, waren wir baff. Ein Traumboat fuer jeden Meeresangler! 30 Fuss Proliner,2x 225 PS Yamahas plus einen 25 PS Yamaha Kicker. Unglaublich viel Platz, eine geraeumige Kajuette und sogar fuer 1.95 m Kerle noch viel Kopfraum. Wenn Geld keine Rolle spielen wuerde, koennte ich mir kein besseres Angelboot ausdenken!
    Wir wollten eine Heilbutt/Salmon Combotour machen um alles mal auszuprobieren – Glen hat aber schon eine halbe Saison auf seinem Luxusliner geangelt. Aus dem Sooke Hafen wurden wir von einer steifen Brise erwartet. Da Tide und Wind kolidierten, bauten sich 1.5 m Wellen auf. Das 10 m Boot schnitt relativ unaufgeregt durch die Wellen. Ein Genuss.
    Glen wollte weit nach Westen wo seine Heilbuttlieblingsstelle lag. Ausserdem ergab sich dort die Moeglichkeit spaeter auf Grosslachs zu angeln und dabei die momentanen Catch and Release Regeln vor Sooke und Victoria zu umgehen. In meinem Boot waere ich niemals soweit bei solchem Wellengang gekommen.
    Nach 20 Minuten warfen wir den Anker. Die Stroemung zog anfangs noch hart und es war schwer mit dem 1 kg Blei Boden zu halten. Nach und nach liess die Stroemung nach und Glen montierte noch 2 Heilbuttruten zu meiner und Carls. Zwei Sooke Guideboote gesellten sichzu und in der Naehe. Ich hatte zuerst einen guten Biss und es zog ruckartig Schnur von der Rolle. Als ich die Rute zum Anschlag hochriss, war nichts mehr dran. Ich liess den Koeder sofort wieder auf den Boden aber leider kam der Fisch nicht zurueck. Als ich kontrollierte war der Lachsbauchlappen recht zerfleddert und ich bekoederte neu.
    Dann hatte Glen einen Fehlbiss. Komisch! Glen schnappte sich dann eine seiner Ruten und pilkte etwas. Ploetzlich riss er die Rute hoch – nichts! Da wieder und diesmal sass der Haken. Schien nicht gross zu sein denn Glen kurbelte das Wasauchimmer einfach hoch. Ein Babyheilbutt von vielleicht 10 Pfund. Ich haette ihn ja wieder schwimmen gelassen aber Carl wollte ihn mitnehmen. Und recht hatte er denn auch 2 weitere Stunden brachten nichts mehr ein.
    Wir hoerten ueber Funk, dass der eine Guide nicht weit von uns einen 90 und einen 50 Pfund Butt gebordet hatten und noch einen im Drill verloren. Hm, er hatte wohl zweifelsohne die stinkigeren Koeder!
    Als die Stroemung stark zunahm, ruesteten wir auf Lachs um. Drei Ruten wurden mit Koederfischmontagen bestueckt, 2 Ruten an einem Downrigger gestackt und ich hatte eine Seite fuer mich alleine. So zogen wir etliche Schleifen um das Riff vor Sheringham Point mit dem Leuchtturm. Da jetzt Flut herrscht, die mit dem Wind aus der selben Richtung kam, legte sich die See und wurde ganz ruhig.
    Ich suchte gerade meine Trinkflasche als Glen rief“ Fish on! Fish on! Starboard side!“ Das war meine Rute und als ich hinsah pumpte meine Rute schwer nach unten und Schnur zog auch gleich ab. Im Nu war ich da, riss die Rute aus dem Halter und schlug noch paar Mal in den schweren Widerstand der immer noch unaufhaltsam davonschwamm. Carl witzelte was von hoechstens 13 Pfund. Ich schuettelte den Kopf und hiess beide ihre Ruten einziehen.
    Noch immer hatte ich keinen Meter Schnur zurueckgewonnen; bestenfalls bekam ich den Fisch mal zum Anhalten. Dann endlich konnte ich den Fisch drehen und sogleich schoss er Richtung Boot zurueck. Jetzt hiess es kurbeln bis der Arzt kommt um bloss keine schaffe Schnur zu erlauben – die Schonhaken waeren sofort frei. So gegen 20 m hinter dem Boot stoppte der Fisch und ich fuehlte schwere Kopfschlaege. Das muss ein ordentlicher Chinook sein! Vielleicht mein Tyee?
    Jetzt wurde der Schnurwinkel ploetzlich flacher und ich fuerchtete was nun kam. Chinooks sind nicht sehr gekonnte Springer wir Sockeyes oder Cohos. Aber dieser hier schoss in voller Pracht zweimal hintereinander einen halben Meter aus dem Wasser. Waehrend Carl und Glen begeistert yahooten standen mir die Schweissperlen auf der Stirn, wollte ich den Fisch doch nicht verlieren. Alles hielt aber!
    Nach zwei drei weiteren nun aber kuerzeren Fluchten, konnte ich den Fisch ans Boot manoevrieren und Glen erwischte ihn mit dem Kescher beim ersten Versuch. Ein klasse Fisch! Mein erster Grosser dieser Saison. Die Waage blieb kurz vor 24 Pfund stehen.
    Leider blieben alle weiteren Anstrengungen nachzulegen vergebens und wir packten dann nach einer weiteren Stunde ein. Nicht gerade red hot fishing aber wir waren es zufrieden – besonders ich mit meinem Lachs. Ausserdem waren wir ueberwaeltigt von dem Prachtboot.










  • Haben gerade Familienbesuch aus Deutschland hier. Bin heute mal mit meiner Schwaegerin auf Lachstour nach East Sooke. Dort kann man im Moment zwar keine Grosslachse behalten aber uns war ein Catch & Release Tag auch recht. Ausserdem koennten sich ja immer noch ein paar Winter Springs herumtreiben. Kein Wind, aber kuehl und bedeckt mit ein paar Troepfchen hier und dann.
    So sind wir 6:00 frueh zu einer meiner Sommer-Lieblingsstellen geflogen: Trap Shack. Schnell waren zwei Ruten mit Koederfischsystem montiert und ich zeigte meiner Schwaegerin das Ankoedern und die Handhabung des ganzen Geraetes. Erstaunlich schnell hatte sie alles begriffen und drauf. Musste mich danach nie mehr um ihr Geraet kuemmern.
    Ich riet ihr noch bei 90 Fuss Tiefe anzufangen. Noch 3-4 anderen Boote schleppten in der Bucht und um das Riff. Nach 20 Minuten sah ich auf einem Nachbarboot Aufregung und ein Drill begann. Aha, mal sehen ob man den Kumpel dieses Lachses erwischen kann. So drehten wir in sicherer Entfernung Richtung des Bootes. Auf dem Echolot erschien ein riesiger Kleinfischschwarm und einige Fischsicheln wurden ringsherum deutlich.
    Gerade als die Fischwolke den Bildschirm verliess, zog meiner Schwaegerin’s Rute ab. Reflexartig sprang ich hinzu und riss die Rute heraus und als ich Widerstand spuerte reichte ich sie sofort weiter. Sie hatte noch nie einen Lachs gefangen und hatte auch sonst kaum Anglererfahrung. Ich coachte ein bisschen aber sie hatte es perfekt drauf. Sie liess den Fisch laufen wenn er wollte und war sonst auf eine straffe Schnur bedacht.
    Ein paar bange Momente als sich der Lachs an der Oberflaeche waelzte und fast sprang. Dann zog er am Boot vorbei und ich rief „Zieh‘ hoch!“ Der Lachs kam neben dem Boot in Keschertiefe und ich zoegerte keinen Augenblick und der Fisch war gefangen. Ein Freudenschrei ihrerseits und viele Beglueckwuenschungen meinerseits. Das war ein perfekter Drill! Kein Riese aber ein schoener Fisch um die 12 Pfund. Und um die Freude noch zuvervollstaendigen stellte ich fest, dass es ein markierter Chinook war – also legal zum Behalten.
    Es dauerte eine ganze Weile bis wir ihn geschlachtet, ausgeblutet, bestaunt und ein paar Fotos geschossen hatten. Als sie dann ihre Rute endlich wieder neubestueck zu Wasser liess und den Downrigger auf 90 Fuss lassen wollte, war sie kurz verduzt als die Rute anfing zu ziehen als sie gerade 90 Fuss erreicht hatte. Was war denn das? Natuerlich Fisch! Ich rief „Fish on!“ Noch etwas erstaunt und zoegerlich nahm sie die Rute wieder in die Hand und sie wurde ihr fast aus der Hand gerissen.
    Leider war der Spuk kurz danach vorbei als der Fisch den Haken loswurde. Schade! Schnell wieder bekoedert und herabgelassen. Aber das sollte es dann gewesen sein. Wir sahen noch ein anderes Boot einen Lachs landen danach und dann war es wie tot. Allerdings bemerkten wir eine Mengel an Futterfischschwaermen in der ganzen Bucht verteilt. Vielleicht waren die Lachse einfach satt.
    Nach einer Weile merkte ich leichte Rucke meiner Rutenspitze und ich setzte einen Anschlag auf Verdacht. Irgendwas war dran – auf jeden Fall kein Lachs weil es nicht richtig kaempfte. Ich tippte auf einen Felsenbarsch weil mein Koeder recht dicht ueber das Riff getrieben war. Recht sollte ich behalten und meine Schwaegerin war gespannt auf dieses urige Tier. Etwa 10 m hinter dem Boot flog der Haken jedoch heraus und der Fisch war frei. Da Felsenbarschen wie Dorschen durch schnellen Druckunterschied die Schwimmblase zum Halse herauskommt, konnte der Barsch nicht mehr abtauchen. Ich wollte gerade herumkurven um ihn aus dem Wasser zu keschern, kam von hinter uns ein Weisskopfseeadler heraubgestuerzt und schnappte sich den Barsch direkt hinter unserem Boot. Wir waren so verbluefft, dass der Adler schon wieder auf den fernen Baumwipfeln landete als wir uns nach der Kamera umsahen.
    Um meiner Schwaegerin ein bisschen die Fischvielfalt der Westkueste zu zeigen, brachen wir das Schleppen ab und pilkten etwas vor den Kraut und Kelpbetten. Ruckzuck fingen wir eine Vielzahl unterschiedlicher Felsenbarsche, einen Baby Ling Cod, ein paar Greenlings und zwei Seegurken. Leider waren alle etwas zu klein zum Behalten. Aber eine interessante Biologiestunde!
    Das zogen wir noch mal am Beachy Head eine Runde mit den Schleppruten aber es sollte bei dem einen Lachs bleiben. Meine Schwaegering war gluecklich und wir hatten viel Spass gehabt.

  • Hallo...


    mal ehrlich unter uns Gesangsschwestern... :D


    ich kenne Neid überhaupt nicht! Und ich gönne jedem alles!


    Aber wenn ich deine Bilder und Berichte lese werde ich dann doch ein wenig neidisch... 8)


    Tolle Berichte, tolle Bilder und ich hoffe noch mehr davon zu sehen und zu lesen!


    Danke dafür


    Gregor

  • Hatte heute einen klasse Angeltag mit meinem Freund Hamish. Leider wird das fuer eine Weile die letzte gemeinsame Tour mit Hamish gewesen ein da er mit seiner Familie wieder in sein Heimatland Neuseeland zurueckzieht. Daher wollten wir unbedingt noch mal mit ein paar Lachsen spielen und vielleicht einen Grosslachs erlegen.
    Waehrend der letzten 2 Wochen sind einige Schulen grosser Chinooks hier durchgezogen und einige tolle Fische wurden von den Anglern gelandet. Der erste knapp ueber 40 Pfund wurde gemeldet. Mein Angelkumpel Larry zog mit Rick zusammen am Dienstag 4 Chinooks bis 17 Pfund ins Boot. Daher waren Hamish und ich richtig erwartungsfreudig!
    Ich bestand auf Hakeneinlassen bei Sonnenaufgang – was um diese Jahreszeit vor 5:00 Uhr bedeutet. Nur fuer Angeln kann ich solche Opfer bringen. Tatsaechlich liessen wir unsere Koeder punkt 5:00 Uhr bei der Trap Shack ins Wasser. Glattes Wasser, wenig Stroemung aber eine Menge Boote unterwegs.
    Wir setzten direkt 3 Koederfischruten an den Downriggern ein um nichts dem Zufall zu ueberlassen. Wir waren beide auch geuebt genug um uns einen Doppel-oder –sogar Dreifachschlag zuzutrauen. Das ermoeglichte uns fast die ganze Tiefenpalette abzudecken. Wir zogen so 45 Minuten unsere Runden zwischen den anderen Booten hindurch. Ich sah ein Nachbarboot einen kleinen Lachs landen als sich ploetzlich die tiefe Rute an dem gestackten Downrigger tief verneigte und sofort ausloeste. Fish on! Hamish griff sich die Rute und schlug an. Der sass!
    Waehrend Hamish die ersten Fluchten parierte und dann Schnur gewann, raeumte ich die Mittelrute und den backbord Downrigger aus dem Weg fuer die Landung. Nach einem beherzten Drill zeigte sich der Widersacher das erste Mal am Boot. Kein Riese aber eine fetter Rugbyball-Chinook. Er tanzte noch ein paar Mal um das Boot herum bis ich ihn dann schliesslich in den Kescher schaufeln konnte. Es war ein markierter Halbstarker und da Hamish fuer einen finalen Grillabend noch ein paar mittelmaessige Filets gebrauchen konnte, beschlossen wir diesen mitgehen zu lassen. Alles weitere darf dann wieder schwimmen.
    So, der Anfang war gemacht aber wir hofften auf Groesseres. Wir kreisten noch paar Mal durch die Bucht und am Riff entlang. Ich beobachtete das Echolot ob Futterfisch oder Fischsicheln auftauchten. Hin und wieder mal was hier und da aber nichts was uns uebermaessig ermutigte. Ueber Funk hoerte ich von einigen Faengen weiter oestlich bei Beachy Head. Wir entschlossen uns dahin zu schleppen. Die Flut trug uns auch im Nu dahin. Direkt hinter dem Trap Shack Riff kam uns ein Boot entgegen, dass direkt neben uns einen hammerharten Biss bekam. Ich konnte das Kreischen der Rolle gut hoeren. Das muss ein ordentlicher sein!
    Wir drehten mit gehoerigem Abstand ein paar Kreise ueber der Stelle und verfolgten den spannenden Drill. Nach gut 15 Minuten sahen wir den Kescher ins Wasser gleiten und darauf einen grosser silbriger Fisch ueber die Bordwand verschwinden. Dann jaulten und schrien die beiden Angler auf. Petri Heil dachten wir! Spaeter erfuhren wir, dass diese beiden ihren Glueckstage hatten. Den Fisch den wir beobachtet hatten zeigte spaeter 29 Pfund an der Waage in der Marina und ein zweiter Fang der beiden schoss den Vogel mit 44 Pfund ab! Das ist der neue 2012 Bordleader in der lokalen Szene! Toller Tag fuer die beiden!
    Zurueck zu uns. Nach einer Weile gaben wir auf auf den Bruder des gefangenen Lachses zu hoffen und wir zogen unsere Kreise durch eine kleine Bucht am Beachy Head. Ich kannte viele der anderen Angelboote dort und erkundigte mich was die anderen so hatten. Einige noch nichts und einige hatten ein paar halbstarke wie wir den einen hatten. Es ist nicht ganz typisch um diese Jahreszeit 10 – 14 Pfund Chinooks zu fangen. Normalerweise sind die Winterlachse langsam durch oder man muss dicht am Boden schleppen ueber sandigem Grund. Hier in den Felsengebieten faengt man normalerweise Mitte/Ende Juni in 10 – 30 m Tiefe ueber 50 m plus Grund grosse Laich-Chinooks 15 Pfund und mehr – Durchschnitt 20 Pfund. Ich kann mir jetzt noch nicht richtig erklaeren ob diese 10 – 14 Pfund Fische reife 2012 Laich-Chinooks oder noch 2013 Chinooks sind (praktisch Winter Springs). Naja....
    Ploetzlich, bei einer Kurvenfahrt, zog die Mittelrute ab und zappelte ungeduldig. Hamish war wieder schnell dran und erfreute sich wiederum an einem schoenen Drill. Es war uns schnell klar, dass auch das kein kapitaler Fisch war aber er machte ordentlich Dampf und ich musste einige andere Boote abwinken um Schnurverhedderungen mit anderen Booten zu verhindern. Hartnaeckig weigerte sich der Fisch nahe genug ans Boot zu kommen als das ich den Haken noch neben dem Boot mit der Zange loesen konnte. Hamish hatte einen Heidenspass als der Fisch mich paar mal nass spritzte als ich gerade zugreifen wollte. Schliesslich hielt ich ihn am Vorfach und ohne den Fisch auch nur zu beruehren, hebelte ich den vorn sitzenden Schondrilling heraus. Wie ein geoelter Blitz verschwand der etwa 12 Pfuender in der gruenen Tiefe. Ein Klon unseres ersten Fisches!
    Da musste doch noch was Groesseres gehen! Als wir wieder eingesetzt hatten, sah ich wie ein Nachbarboot zuschlug. Und der sah nicht schlecht aus! Als ich nach einer Weile den Koederfisch der Mittelrute kontrollieren wollte und die Rute einzog, rappelte es ploetzlich an meiner Rute. Erst dachte ich ich haette vielleicht bei Einkurbeln eine unserer anderen Schnuere erwischt, aber bald wurde klar dass da was eingestiegen war. Ein 4-5 pfuendiger Silberbarren schlug gleich darauf Saltos hinter dem Boot. Hamish stand schon mit der Loesezange bereit als der Fisch neben dem Boot den Haken von selbst loswurde. Ich haette gerne mal gesehen was fuer eine Art das war – einen so kleinen Chinook jetzt im Juni –sehr unwahrscheinlich. Am Filetiertisch der Marina sah ich spaeter wie ein Angler einen Rotlachs (Sockeye) saeuberte – das koennte gepasst haben. Diese akrobatischen und aeussert leckeren Lachse sind jetzt um diese Zeit eigentlich etwas zu frueh zum Fraser River unterwegs – aber dieses Jahr scheint eben nicht nur das Wetter verrueckt zu spielen.
    Eine halbe Stunde spaeter, in eine Unterhaltung mit Hamish vertieft, uebersah ich einen Augenblick, dass meine flache Rute zu tanzen anfing. Leider koennen beim Downriggerfischen 3-4 Sekunden entscheidend sein ob man einen Fisch kriegt oder nicht. Hier war es leider zu spaet denn bis ich die Rute in der Hand hielt und Kontakt aufgenommen hatte, war der Spuk schon vorbei. Damn! War das unsere Grosslachschance gewesen?
    Geduldig schleppten wir noch 1,5 Stunden um Beachy Head herum bis wir dann endlich aufgaben. Wir stoppten noch an einem Riff und Hamish pilkte noch ein bisschen. Doch ausser einigen farbenfreudigen Baby-Felsenbarschen und halbstarken Greenlingen gab’s auch da nichts zu holen heute.
    Naja, zwei gelandet, einen Kleinen verloren und einen Biss verprasselt – nicht das tollste Resultat an Fischen aber ein paar wertvolle Stunden mit einem nun bald seltenen Freund bei herrlichem Wetter und toller Kulisse verbracht. Wird trotz der fehlenden Grossfische unter Erfolg abgebucht. Und sogar noch rechtzeitig zum letzten Viertelfinalspiel und Mittagessen zu Hause gewesen! Italien soll’s also sein! Deutschlaaaaaand, Deutschlaaaaaand....!









  • Was man nicht alles erleben kann beim Angeln! Hier mal kurz eine brandaktuelle Story einen Bekannten eines Kumpels. Passiert in Nanoose Bay, Vancouver Island - etwa eine Stunde noerdlich von hier.


    Mein Bekannter fuhr mit seinem Boot raus zum Lachsangeln und traf auf dem Wasser einen seiner Kumpels. Sie trollten einen Weile auf Lachssuche als in der Naehe ein Orca (Killerwale) Pod auftauchte. Das ist nun nichts aussergewoehnliches, aber was sich dann abspielte ist schon nicht alltaeglich!


    Es gibt 2 Typen der Orcas hier, die Resident Orcas (einheimischen), die nur Fisch fressen; und die Transient Orcas (durchreisenden) die sich auf Meeressaeuger spezialisiert haben. Die Resident Orcas ziehen in grossen Gruppen (20-30) umher waehrend die Transients in kleineren Formationen leben und jagen (5-. Aeusserlich kann man keinen Unterschied erkennen.


    So, die zwei Boote schauen den Orcas zu und sehen ploetzlich, dass die Gruppe eine Robbe angreifen. Die Robbe, ueberrascht im offenen Wasser, fluechtet in Todesangst Richtung der zwei Angelboote - daher kam die Show immer naeher! Die Wale wollten wohl ihrem Nachwuchs eine Jagdlektion erteilen; daher machten sie nicht kurzen Prozess mit der Robbe sondern rammten sie, umzingelten sie und warfen sie mit Schwanzschlaegen oder Kopfstoessen meterhoch aus dem Wasser.


    Die Angler schauten fasziniert diesem Schauspiel zu, ohne zu ahnen was noch kommen sollte. Sie machten ihre Motoren aus und schauten gebannt zu. Die angeschlagene Robbe nahm eine kurze Angriffspause wahr und durchbrach den Belagerungsring und schwamm direkt auf das eine Boot zu - die Wale direkt dahinter. Jetzt spielte sich das Schauspiel direkt hinter dem Bootsmotor ab und die Insassen wurden unruhig als die Wale die 150 kg Robbe ein paar Male wuchtig gegen die Bootswand draengten und selber sich sprungartig auf das Opfer warfen.


    Die Robbe sah nur noch eine Rettung und kletterte auf die Motorplattform am Heck des Bootes und lag dort etwa 5 cm ueber dem Wasser zwischen Heckwand und Motor! Die Wale suchten ihr Opfer verzweifelt um und unter dem Boot waehrend die Robbe mucksmaeuschenstill dalag. Die beiden Angler fuerchteten um ihre Sicherheit und suchten die Robbe von der Plattform herunterzustossen. Aber 150 kg bewegt man nicht mit einer Bootsstange oder mit einer Hand.


    Sie hielten es fuer das Beste sich zu entfernen bevor die Wale die Robbe entdeckten und vom Boot herunterzuholen versuchten. So warfen sie den Motor an und motorten vorsichtig weg von den immernoch suchenden Walen und im flachen Wasser nahe einer Insel schafften sie es nun endlich den blinden Passagier loszuwerden.


    Unglaublich, nicht? Bilder anbei.

















  • Letzter Freitag war erster Ferientag fuer die Jungs und ich hatte ihnen versprochen sie zum Angeln mitzunehmen. Mein juengster flog dann am So zu den Grosseltern nach Deutschland – so sollte das ein ordentliches Verabschiedungsangeln werden.


    Da der vielversprechende Gezeitenwechsel um die Mittagszeit war, mussten wir auch nicht so frueh ‘raus. So gegen 10:30 Uhr trafen wir an der Bootrampe am Sooke Hafen ein und stiessen von dort in See Richtung Otter Point. Ueber Funk hatte ich auch schnell Kontakt mit meinem Freund Carl aufgenommen, der mit einem anderen Kumpel schon unterwegs war – ebenfalls bei Otter Point. Die beiden hatten wohl schon einen 14 und einen 18 Pfund Chinook an Bord. Klang ja nicht zu schlecht!


    Die Jungs freuten sich auf die schnelle Fahrt mit einigen Abhebern ueber die Wellen anderer Boote. Nach 15 Minuten waren wir da und liessen 3 Ruten hinab. Mein Grosser (9) wusste schon wie man ankoedert und das Schleppgeschirr bedient. Das ist sehr hilfreich bei 3 Ruten in Betrieb. Schluessel zum Fangerfolg war wie immer beim Lachsangeln die richtige Schlepptiefe zu finden. Das Lachse da waren wussten wir ja von Carl. Wir verteilten die Koeder auf 30 m, 20 m und 15 m.

    Keine 10 Minuten vergangen zog die Mittelrute nach unten und ruckelte ungeduldig. Ich riss die Rute heraus und schlug an und reichte sie dann meinem Kleinen (7). Gott sei Dank war es kein grosser Fisch denn er kurbelte den Fisch kompromisslos heran. Bei einem Grosslachs waere er bei einer Flucht entweder in’s Wasser hinterhergeflogen oder die Schnur waere gerissen! Ich musste ihm beim Halten der 3,5 m Rute noch etwas helfen aber sonst machte er das schon klasse.


    Bald sahen wir einen halbwuechsigen Coho neben dem Boot hin und hersaussen. Mein Kleiner haette ihn gerne mal gehalten aber ich sagte ihm das das Beste fuer den Fisch waere wir wuerden ihn ohne anzufassen vom Haken loesen um seine Schleimhaut und Schuppen nicht zu beschaedigen. Ich schlug vor das er den Fisch kurz aus dem Wasser heben koennte so das sein Bruder ein Foto machen konnte. Gesagt, getan und gleich nach dem Foto fiel der Fisch auch schon von selbst vom Haken ab. Perfekt.


    Kaum war die Rute wieder im Wasser in der gleichen Tiefe, riss es schon wieder daran. Jetzt war mein Grosser ‘dran. Er konnte schon perfekt drillen und gab auch Schnur wenn noetig. Der schien etwas groesser zu sein. Nach paar Minuten wurde die Schnur ganz flach und ploetzlich durchbrach ein Silberbarren die Oberflaeche. Mehrere Male sprang der Fisch 10 m hinter dem Boot und ueberschlug sich mehrfach dabei. Nanu, was war denn das? Untypisch fuer Chinooks, zu viel Akrobatik auch fuer ein Coho. Sollte das etwa ein Rotlachs (Sockeye) sein? So frueh? Und tatsaechlich, als mein Grosser den Fisch neben das Boot gedrillt hatte, konnte ich den typisch gruenlich/blaeulich-silberne Schimmer eines etwa 6 Pfund Rotlachses erkennen.

    Eine Ueberraschung aber leider kein Keeper. Ich musste meinem Kleinen verklickern, dass wieder nicht gekeschert wird da Rotlachse im Moment noch geschont sind. Erst wenn das Fischereiministerium feststellt wieviele Rotlachse dieses Jahr zum Fraser River zurueckkehren und wieviele davon abkoemmlich sind, wird die Schonzeit eventuell aufgehoben.
    So hakte ich den wunderschoen anzusehenden Fisch mit der Zange neben dem Boot ab und liess ihn wieder in die Tiefe saussen.


    Dann war eine halbe Stunde Sendepause bis dann auf einmal die 20 m tiefe Rute schwer wippte. Mein Grosser sprang hinzu – hatte aber etwas Probleme die unter starker Spannung stehende Rute aus dem Rutenhalter zu kriegen. Bis er es endlich schaffte war der Fischkontakt leider weg. Schade. Dann tat sich erstmal nichts mehr.


    Ich beobachtete ob andere Boote was landeten. Ich sah wie ein Nachbarboot Fischkontakt bekam und nach kurzer Zeit den Fisch noch im Wasser abhakte. Aha, wohl wieder ein Rotlachs. Auch sah ich mehrere springende Lachse. Es musste sich also eine groessere Schule direkt hier am Strand bei Otter Point herumtreiben. Aber beissen wollten nun keine mehr.


    Ich tauschte ein Koederfischsystem gegen ein kleines pinkes Squidimitat aus, welches hervorragend die Lieblingsspeise der Rotlachse imitiert (Shrimps und Garnelen). Aber auch das brachte nichts mehr.


    Als wir wieder einmal mit Carl und seinem Kumpel Wege kreuzten, sah ich die beiden ploetzlich aufspringen und Carl zu seiner Rute springen. Er ist schon lange beruehmt fuer seine Biss-Sprints! Manchmal glaube ich er setzt schon den Haken bevor der Fisch sich ueberhaupt entschlossen hat zuzugreifen! Jedenfalls entwickelte sich das Ganze zu einem klasse Schauspiel fuer uns. Es ging hin und her und der Fisch muss teils gewaltige Fluchten unternommen haben denn wir sahen Carl manchmal fuer 30 Sekunden nichts weiter machen als seiner singenden Rolle zu zuschauen. Ich schoss ein paar Fotos zur Erinnerung.


    Nach vielleicht 20 Minuten spielte sich der Kampf direkt am Boot ab. Leider musste ich auf andere Boote aufpassen und ausweichen und konnte im entscheidenden Moment keine guten Fotos machen. Kurz darauf hoerten wir lautes Johlen und sahen die beiden sich abklatschen und Freudentaenze veranstalten. Ueber Funk hoerte ich bald: “Big Fish!”. Die beiden packten ein und fuhren zur Marina. Das wollten sich die Kinder auch nicht entgehen lassen und wir jagten bald hinterher.


    An der Waage der Marina stand da stolz Carl mit seinem ersten Tyee des Jahres (Chinook ueber 30 Pfund). 31 Pfund! Herzlichen Glueckwunsch – nicht ganz neidlos!











  • Montag war Feiertag und weil meine Frau und ich den Wecker auf 3:30 Uhr morgens gestellt hatten um mit Deutschland zu telefonieren um zu sehen ob unser Juengster heil angekommen ist, lag es nahe die Gunst der Stunde zu einer Frueh-Angeltour zu nutzen. Seltsamerweise kam jedoch der Vorschlag dazu von meiner sonst Nichtanglerfrau. Sagt man nicht NEIN! Mein Grosser war auch sofort bereit.


    Also ging’s ab nach Sooke wo wir kurz vor 5:00 Uhr bei Sonnenaufgang das Boot ins Wasser liessen. Leider war das Wetter miserabel – zwar kaum Wind aber Nieselregen und regelrecht kalt. Ausserdem war es eine starke Ebbe, was die Fische nicht so gerne moegen. Aber man weiss ja nie und wenn die Frau einmal im Leben von selbst angeln will – kein Einspruch!


    Wir flogen zum Otter Point und hatten die Stelle fuer eine Stunde komplett fuer uns. Leider war mit Fangen auch Ebbe fuer die ersten 3 Stunden. Waehrend der Rest der Familie in Schlafsaecken eingemummelt auf den Ausziehbetten lagen, stand ich in der Naesse und musste mich durch einige Schwimmkrautfelder durcharbeiten. Gegen 8:00 Uhr waren nun schon 20 andere Boote um uns herum am trollen aber niemand fing etwas. Ich erkannte viele Bekannte und unterhielt mich mit ihnen ueber Funk.


    Da, aus dem Nichts riss die tiefere der drei Ruten nach unten. Ich nahm die Rute auf und ruckte an – nichts. Bah! Schnell wieder zurueck. Aber keinerlei Action mehr. Um den Krautfeldern auszuweichen liess ich mich mit der Ebbe weiter westwaerts treiben und geriet so etwas in flacheres Wasser. Als ich gerade die tiefste Rute etwas nach oben zog, ruckte es kraeftig an der anderen Rute die wohl mittlerweile dicht ueber Grund schleppen musste. Ich liess alles fallen und sprang hinzu – Anschlag...wieder nichts! Verdammt!


    Meine Familie schaute interessiert und mitfuehlend meinem Missgeschick zu. Ok, ruhig bleiben...mal kurz zusammenfassen, zwei Fehlbisse, jedes Mal die tiefste kurz ueber Grund. Hm. Ich schaute mir den Kartenplotter an und stellte fest, dass diese Stelle einfach eine leichte Sandbank in 25 m Tiefe war. Ok, Ruten wieder fertig und eine ueber Grund schleifen lassen, eine 5 m darueber und eine in 15 m im Mittelwasser.


    Keine Viertelstunde spaeter loeste ploetzlich die grundnahe Rute aus und pumpte schwer. Ich war gleich da, setzte den Haken zweimal und der Tanz ging los! Das war ein brauchbarer Fisch, soviel stand schon mal fest. Er setzte zu zwei mittellangen Fluchten an und ich liess ihn laufen. Inzwischen brachte mein Grosser schon die rechte Rute ein um Platz zur Landung zu machen und feuerte mich begeistert an. Nun gewann ich Schnur, dann stand der Fisch stur und ich hielt nur dagegen. Da ploetzlich wurde die Schnur schlapp und der Spuk war vorbei. Mist! Es soll wohl heute nicht sein!?


    Ich sagte zu meiner Crew, dass einer der beiden den naechsten Fisch versuchen sollte – ich kann’s heute einfach nicht! Ich zog jetzt enge Kreise ueber die letzte Bissstelle, was nicht ganz einfach war da eine Menge anderer Boote linear an dieser Stelle vorbeitrollten.


    Nur Minuten spaeter rappelte as an der flachen Rute, die im Mittelwasser fischte. Mein Sohn war gleich da und schnappte sich die Rute. Er begann einen konzentrierten Drill eines offensichtlich kleineren Fisches.
    Nichtsdestotrotz machte der Bursche ganz schoen Radau und es sah ein paar Mal so aus als ob er Schnur nehmen wollte. Ich stand schon mit der Loesezange bereit als ich die fehlende Fettflosse sah und keine Punkte auf dem Schwanz. Ein markierter Coho – 4- 5 Pfund. Der war freigegeben zum Abschuss.
    Mein Sohn wollte ihn behalten. Ich schwang ihn gleich am Vorfach ins Boot. Ha, Glueck gehabt! Um diese Jahreszeit sieht man nicht sehr viele markierte Cohos und die unmarkierten sind noch geschont. Wir freuten uns alle mit dem erfolgreichen Faenger. Er montierte dann auch einen neuen Koederfisch und setzte die Rute wieder in den Downrigger ein. Gleiche Tiefe – 15 m.


    Ploetzlich zog wieder die Mittelrute – die flache – ab! Ich liebe diesen Augenblick wenn aus dem Nichts die Rute ploetzlich abgeht! Rute ‘raus, Anschlag, noch einen und ich schaute mich um wem ich die Rute diesmal reichen koennte. Waehrenddessen kreischte meine Rolle los. Beide winkten ablehnend ab – keiner wollte die Verantwortung! Ok, dann muss der Capt’n eben nochmal ran! Schwere Kopfschlaege deuteten auf einen guten Fisch. Dann kam er auf einmal Richtung Boot. Ich kurbelte wie ein Verrueckter – war er noch ‘dran? Jap, immer noch Widerstand. War mir ploetzlich nicht mehr so sicher dass es ein Grosser war – ging so leicht auf einmal.


    Meine Frau musste uns mittlerweile aus der Fahrbahn herausbringen weil ein paar Boote bedrohlich dicht an meinem vermuteten Fisch vorbeischleppten. Ich rief einigen zu “Fish on – Stay away!”. Dann kam der Fisch an die Oberflaeche und ein unglaublicher Tanz begann. Wie vom Hafer gestochen durchpfluegte der Fisch die Oberflaeche und raste mit einem Hoellentempo davon. Meine Rolle ueberschlug sich fast und ich bekam ein paar Mal die Kurbelgriffe hart zu spueren. Einen regelrechten Taildance veranstaltete dieser Fisch. Definitiv ueber 20 Pfund urteilte mein Sohn fachmaennisch. Vielleicht ein Tyee. Jetzt wurde ich nervoes. Sollte das mein langersehnter Tyee sein? Der erste in 4-5 Jahren?


    Diese Oberflaechenakrobatik hatte dem Widersacher viel Energie gekostet. Ich brachte ihn nun schneller ans Boot heran. Aber jetzt zog er tief unter das Boot. Ich hielt schwer dagegen und spaetestens jetzt wuerde man merken wofuer man etwas Rutenrueckgrat braucht beim Lachsangeln. Ich hievte den Lachs an die Bootsseite und mein Grosser langte mit dem Kescher danach. Ich schloss die Augen und konnte gar nicht hinsehen.
    Das Keschern eines Grosslachses ist selbst fuer Profis immer wieder heikel und viele Fische gehen dabei noch verloren. Ein Lachs nur halb im Kescher ist durchaus in der Lage sich blitzschnell rueckwaerts wieder herauszuwinden – oftmals mit dem Effekt das freihaengende Hakenspitzen sich im Netz verfangen und den Haken aus dem Fisch herausreissen wonach der Fisch freikommt und man verdutzt bemerkt das alles was man noch am Haken hat der eigene Kescher ist.


    Aber mein Grosser machte das perfekt und mit Mamas Hilfe kam ein schoener Chinook ins Boot. Wir yahooten und klatschten uns ab – das war Teamarbeit! Nur zum Tyee wollte es nicht reichen.
    25 Pfund – ein schoener Kerl, zweifellos! Kurz danach packten wir ein und fuhren zureck. Spaeter erfuhr ich von meinen Kollegen die auch angeln waren an diesem Tag, dass noch einige gute Lachse gelandet wurden nachdem ich abfuhr. Das passierte alles um den Gezeitenwechsel herum.




  • Tag 1 & 2:


    Alright, wo soll ich denn mit dem Erzaehlen anfangen? Wir haben so viele tolle Eindruecke erlebt in der letzten Woche, dass es mir schwer faellt einen richtigen Einstieg zu finden. Vielleicht fange ich einfach der Reihe nach von vorne an und wenn es mal rollt dann laeuft es vielleicht von alleine richtig ab.


    Vom 7.7. bis zum 11.7. sind Dave, mein Sohn Ricardo und ich zu einem Angelurlaub auf Malcolm Island unterwegs gewesen. Die fleissigen Leser meiner Berichte haben schon zweimal von diesem Ort gehoert – ich bin dieses Jahr schon das dritte Jahr in Folge dahin unterwegs – und nicht das letzte Mal! 2010 bin ich auf der Sund’s Lodge auf Malcolm Island gelanded und die gefuehrten Angeltouren der Lodge haben mich sicherlich nachhaltig beindruckt. Letztes Jahr habe ich es mit Dave und Carl auf eigene Faust versucht; mit anstaendigem Ergebnis. Dieses Jahr wollte ich meinem Sohn dieses kleine Paradies zeigen.


    Malcolm Island ist die letzte und etwas groessere Insel zwischen Vancouver Island und dem Festland im Nordosten von Vancouver Island. Die letzte Barriere vor der offenen See und das Eingangstor zum Broughton Archipel mit seinen Millionen kleinen Inseln und Inselchen zwischen Vancouver Island und dem fjordreichen Festland. Das Ende der Zivilisation.
    Es leben ein paar hundert Menschen auf Malcolm Island, dass von BC Ferries bedient wird. Ein besonderer Menschenschlag mit Sicherheit, alles tickt dort etwas langsamer und gemuetlicher. Sehr naturverbunden. Urspruenglich von einer finnischen Gruppe besiedelt vor ueber 100 Jahren.


    Die Nordhaelfte von Vanouver Island ist viel rauher und launischer als die Suedhaelfte. Das Klima merklich kuehler und feuchter und von Hochgebirgen auf Vancouver Island und dem Festland umgeben. Es gibt nicht viel Sonnentage; dafuer um so haeufiger Regen, Nebel und Kuehle. Aber wenn sich im July/August normaler stabile Hochs einrichten, dann zeigt sich die Idylle von seiner brillianten Seite.


    Wale, Baeren, Adler, Otter, Delphine und natuerlich viele Fische – wohin man schaut! Das Schoene an Malcolm Island ist das es noch genug geschuetzt in der Deckung von Vancouver Island liegt, als dass die grosse Pazifikduenung es treffen koennte. Das macht das Angeln viel angenehmer als an der Westkueste. Aber Malcolm Island liegt schon so weit am offenen Meer, dass das Fischangebot fast – ich betone fast – so gut ist wie an der Westkuesten-Bonanza. Also Fischreichtum mit gemuetlichen Bedingungen – klingt perfekt fuer mich!


    Am Freitag den 6.7. sind wir drei gleich nach der Arbeit von Victoria aufgebrochen zu der etwa 6 stuendigen Reise. Wir planten jedoch nach 3 Stunden bei Dave’s Freund Eric einen Uebernachtstop in Comox einzulegen um die Reise stressfrei zu gestalten. Der Van hatte ordentlich zu ziehen mit Boot, 3 Leuten und ausreichend Gepaeck und Futter und Benzin fuer die Tage. Ich war mir nicht sicher ob es eine Tankstelle auf Malcolm Island gab, so hatte ich etwa 120 Liter extra in Kanistern dabei. Unbegruendet wie sich herausstellte.


    Alles lief glatt und am Sa Vormittag kamen wir in Telegraph Cove an wo ich Red Hot zu Wasser liess und mit Ricardo zur Zielinsel uebersetzen wollte, waehrend Dave den Van mit der Faehre uebersetzte. Den Boothaenger liessen wir an der Marina stehen. Das sparte uns eine Menge Geld.


    Die Ueberfahrt durch diese Inselwelt war traumhaft. Wir mussten nur aufpassen auf die vielen Untiefen und bis zur Oberflaeche ragenden Felsenriffs. Und die teils reissenden Stroemungen durch die Meeresengen.


    Wir hatten zwei Pilkruten dabei und stoppten an einem der vielen Kelpbetten (Schlingpflanzenwald) vor einer Klippe und liessen die 100g Pilker hinab in etwa 15 – 20 m Tiefe. Das Wasser ist dort so klar, dass wir den Pilker deutlich sehen konnten. Und den Fischen beim Anbeissen zusehen konnten. Ricardo wechselte seinen Pilker gegen einen Gummifisch aus und fing Schlag auf Schlag Fische. Felsenbarsche (Rockfish), Gruenlinge (Greenling), Lengfische (Ling Cod), Cabezon und Seeskorpione – die Artenvielfalt war beeindruckend und Ricardo hatte einen Heidenspass mit den Fischen zu spielen. Wir behielten nur einen etwa 3 pfuendigen Gruenling bis dahin – alles andere wanderte wieder schonend zurueck.


    Ploetzlich riss es Ricardo’s Rute tief hinunter und der Fisch riss sogar anfangs ein paar Meter Schnur ab. Ha, da musste wohl was groesseres eingestiegen sein! Ricardo hielt fest dagegen um den Fisch nicht in den Wasserpflanzendschungel zu lassen und pumpte ihn dann gekonnt nach oben. Ein schoener Ling Cod ueber dem Mindestmass von 60 cm. Geschaetzte 6-7 Pfund – Ricardo war sehr stolz. Der Gummifisch sah danach nicht mehr so frisch aus – die Lings haben moerderische Reisszahnleisten. Der ging auch mit! Fuer’s Abendessen war somit schon mal gesorgt.


    Da Dave mittlerweile schon bei unserer Unterkunft angekommen sein mussten, packten wir ein und flitzten die 15 Minuten zur Warf in Mitchell Bay auf Malcolm Island. Dave wartete schon und berichtete, dass unsere Unterkunft im Bed & Breakfast Midden Lane bezogen und eingerichtet war. Da der Abend windig zu werden versprach, beschlossen wir den Abend nicht noch ‘rauszufahren. Ich machte das Boot vollkommen startklar fuer morgens – montierte die Downrigger, tankte auf, und ueberpruefte die Elektronik und das Sicherheitsgeraet. So brauchten wir nur noch einzusteigen am Morgen.


    Unsere Unterkunft war 5 Minuten mit dem Auto weg. Sicherlich waere es wuenschenswerter etwas direkt am Bootsteg zu haben, aber das gibt’s hier leider nicht. Die ganze Insel ist nicht auf Tourismus eingerichtet und so muss man sich selbst behelfen. Dafuer hatten wir zwei geraeumige Schlafzimmer und eine voll eingerichtete Wohnkueche mit Ausblick direkt auf’s Meer.


    4:20 Uhr morgens ging es ‘raus aus den Federn. Ein kurzes Fruehstueck und 4:45 Uhr duesten wir bei nun schon Helle los. 15 Minuten frueher hatten wir schon die ersten Sund’s Lodge Guideboote an unserem Kuechenfenster vorbeiduesen sehen. Wir waren spaet ‘dran!


    Ich konnte nur noch eines denken: meine Traumangelstelle – Black Bluffs! Das Wasser was spiegelglatt aber als wir auf die Nordseite der Insel einbogen war ueberall Schwemmkraut und Schwemmholz verstreut. Da wagte ich mich nicht volle Pulle durchzubrettern und einen Bootsschaden zu riskieren.


    So kamen wir erst 5:20 Uhr bei dem Black Bluff an. Zwei andere Boote gesellten sich gerade dazu. Ricardo zog sich auf dem Ausziehbett den Schlafsack ueber die Ohren und nickte nochmal ein. So begannen Dave und ich alleine das Angeln. Wir schleppten unsere Koederfischsysteme in 10 – 20 m Tiefe kurz ueber Grund direkt vor dem Kelpbett mit der Scharkante davor. Es roch foermlich nach Fisch. Ich hatte einen Glow In the Dark Koederfischsystem mit Gruen-Glow Flasher montiert. Dave etwas weisses mit rotem Fleck am Kopf.


    Zack, da zappelte es an meiner Rute zuerst! Anschlag – Widerstand aber schnell wurde klar dass das Kleinfisch war. Ein kleiner Coho wurde schnell abgehakt ohne ihn zu beruehren. Eine Viertelstunde spaeter zog ich eine Bahn aggressiv dicht vor dem Kelpwald mit unseren Koeder nur 10-15 m tief. Da zuckte meine Rutenspitze zweimal und ich riss die Rute ‘raus und schlug an. Aha, diesmal ein kraeftiges Kopfschuetteln die Antwort.
    Sofort riss der Fisch aus – gluecklicherweise parallel zum Kelpbett und nicht hinein. Dave zog seine Rute ein und maneuvrierte das Boot weg vom Pflanzendschungel. Der Kampf zwischen mir und dem Fisch ging paar Mal hin und zurueck, zweimal glaubte ich den Fisch schon in Keschernaehe zu haben, da zog er wieder ab. Dann nach 10 Minuten gab er auf und ich dirigierte ihn in Dave’s Netz. Na also! Ein schoener 18 Pfund Chinook lag vor uns.


    Schnell die Ruten wieder ‘rein! Dave hatte den naechsten Biss den er allerdings verschlief und als er hinkam war es zu spaet – Koederfisch weg und Fisch weg! Jetzt stand Dave zum Sprung bereit und tatsaechlich keine 5 Minuten spaeter riss es beaengstigend an seiner Rute. Muehelos hatte der Fisch die Schnur aus dem Downriggerclip herausgezogen und zog die Rutenspitze gleich ins Wasser. Dave bekam kaum die Rute aus dem Halter – so gespannt war die Schnur.


    Der Fisch zog ab als gaebe es kein Morgen! Unaufhaltsam riss er vielleicht 100 m Schnur ab und Dave konnte nur mit der bis zum aeussersten gebogenen Rute dastehen und abwarten. Als ich meine Rute aus dem Weg geraeumt hatte, wollte ich das Steuer herumreissen und den Fisch verfolgen. Da schien der Fisch aber umgekehrt zu sein und er flog jetzt wieder auf’s Boot zu.


    Dave kurbelte wie ein Besessener um die Schnur ja nicht schlapp werden zu lassen. Ich sah’ die Rutenaktion bedenklich nachlassen und gab Vollgas am Kicker-Motor. Das half und die Rute lud sich wieder auf. Dave’s Handgelenk brannte vom Kurbeln. Aber der Fisch war noch da. Jetzt kam er an die Oberflaeche. Ich drehte den Motor wieder auf Standgas zurueck.


    Der Fisch durchbrach mit seinem Ruecken und Schwanzflosse 15 m hinter dem Boot die Oberflaeche – Dave verpasste den Moment aber ich sah IHN. Es war ein Monsterlachs! Ich glaube das Einzige was ich hervorbrachte war: “Wow...!!!” Er zog gleich wieder los und surfte diesmal mit Ueberschallgeschwindigkeit ganz dicht unter der Oberflaeche. Dave’s Rolle sang ein erbaermliches Lied und die Bugwelle des rasenden Fisches war vergleichbar mit der eines Mini-U-Bootes!


    Ploetzlich schlug der Fisch einen 90 Grad Haken und raste auf das Kelpbett zu! Oh nein, dachten oder vielleicht schrien wir beide und Dave drueckte seinen Handballen fest an die saussende Rollenspule um den Fisch abzubremsen. Es schien zu wirken den das Rollenlied wurde sanfter und dann passierte es.... Die Rute sprang zurueck und der Widerstand war weg! Weg, alles vorbei!


    Dave stand mit zitternden Knien und schaute minutenlang unglaeubig auf Rute, Wasser und mich. Als er einholte fehlte das Koederfischsystem. Das Vorfach war kurz vor dem Koeder gerissen. Wahrscheinlich war die 40 Pfund Schnur zu oft ueber die messerscharfen Zaehne gescheuert und dann bei der enormen Spannung gebrochen.


    Ich versuchte Dave aus seiner Laehmung zu loesen und anzuspornen einen neuen Versuch zu starten. Aber ich wusste aus eigener Erfahrung, dass das schwer wog und Dave diesen Fisch lange nicht vergessen wuerde. So eine Chance bekommt man nicht oft im Leben. Wenn ich schaetzen muesste – auch wenn ich nur Bruchteile an Sekunden an verwertbarem Sichtkontakt hatte, wuerde ich mindestens auf hohe 30ger wenn nicht sogar Mitte 40ger Pfund tippen. Vielleicht sogar noch groesser. Und das Dave, der es hasst Fische zu verlieren!


    Waehrend Dave schicksalshadernd neues Geraet montierte, war meine Rute schon wieder im Einsatz. Noch bevor Dave seine Schnur in den Downrigger einhaengen konnte, gerade als ich eine Wende am Ende unserer Strecke machte, verneigte sich meine Rute wieder kraeftig. Anschlag sass und ein erneuter Kampf mit Grosslachs begann.


    Dave packte sein Zeug gleich wieder weg und wartete mit dem Kescher. Der Lachs sprang sogar zweimal und lieferte einen klasse Drill ab. Nach paar Minuten gewann ich die Oberhand und zog ihn ueber den Kescher. Geschafft! Na also – geht doch! 19 Pfund feines Silber!


    Konnte mir einen Kommentar zu Dave nicht verkneifen: “So wird’s gemacht! Deutsche Effizienz!” Weiter sollte ich es allerdings nicht treiben wie mich Dave’s strafender Blick belehrte.


    Ich hatte damit mein Chinook-Tageslimit. Mehr wollte ich auch gar nicht mitnehmen. Dave hatte nun eine erstaunliche Pechphase. Ich glaube innerhalb der naechsten Stunde vermasselte er 5 oder 6 Bisse und verlor ein oder 2 kleinere Fische. Er war richtig von der Rolle. Ich konnte noch einen kleineren etwa 12 pfuendigen Chinook zum Boot geleiten und wieder loslassen. Die Beisphase war unglaublich – alle 5, spaetestens 10 Minuten ein Biss.


    Um 7:30 Uhr wachte Ricardo auf und bestaunte die 2 Lachse in der Truhe. Wir ueberliessen ihm einen der Downrigger und eine eigene Rute und er konnte so angeln wie er wollte. Dave und ich stackten unseren Ruten an dem anderen Rigger.


    Nun trat eine Beispause ein. Wir entschlossen uns etwas weiterzuschleppen – dem Ufer nach Norden entlang. Auch die naechste Bucht sah sehr verdaechtig aus. Dave und ich fischten noch immer in 10 – 25 Tiefe. Grund war nun mittlerweise um die 30-40 m. Ich sah Ricardo mit der Tiefe am Downrigger spielen und ermahnte ihn immer erst am Echolot zu checken wie tief es ist.


    Ploetzlich loest Ricardo’s Rute aus und der Fisch riss an der nun freien Rute. Ricardo muehte sich die Rute aus dem Halter zu kriegen. Als er sie hatte, meinte er “Kleinfisch” und kurbelte munter drauflos. Ploetzlich zeigte sich sein Widersacher von einer anderen Seite und mit einem Schwung zog die Rute ploetzlich ab und es riss Ricardo die Rollenkurbel aus der Hand. Und die Rolle kreischte los.


    Wir yahooten und feuerten Ricardo lauthals an da er offensichtlich an einen ordentlichen Lachs gekettet war. Er machte das wirklich klasse. Liess die Rolle los und laufen wenn der Fisch abzog und kurbelte sofort wenn der Fisch stehenblieb - um Spannung zu halten. Dave musste nur ein bisschen helfen die Rute in kritischen Momenten hochzuhalten. Leicht gab sich der Fisch nicht geschlagen und noch dicht am Boot sausste er unter dem Boot durch und gefaehrlich um die Motoren herum. Aber alles lief glatt.


    Nach etwa 10 Minuten konnte ich Ricardo’s Fisch keschern und ein kleiner Junge strahlte ueber das ganze Gesicht! Ein schoener 21 pfuendiger Chinook lag im Boot – der groesste des Tages bis jetzt! Als Ricardo neu bekoederte schaute ich auf die Downriggeranzeige die noch dastand wo der Fisch gebissen hatte: 101 Fuss. Den Fisch hatte sich mein Sohn wirklich selber verdient – so tief haetten Dave und ich die Lachse nicht gesucht.


    Keine Viertelstunde spaeter reisst es wieder an Ricardo’s Rute – natuerlich in 101 Fuss Tiefe! Nun ganz routiniert drillte er wieder einen schoenen Fisch. Dave und ich beschlossen den auf jeden Fall wieder freizulassen. Wir wollten hoechstens noch 1 oder 2 Lachse auf unserer Tour mitnehmen und vielleicht den einen oder anderen Heilbutt oder Ling oder Gross-Felsenbarsch wenn wir welche davon erwischten.


    Ricardo hatten einen Riesenspass am Drill des Fisches und nach einer kurzen Bewunderung neben dem Boot liess ich den etwa 16 pfuendigen Chinook unversehrt wieder frei. Eine kurze Zeit spaeter war nochmal Dave mit einem etwas kleinerem Chinook – vielleicht 12 Pfund – ‘dran. Und meine Rute fand Interesse eines halbwuechsigen Cohos. Dann setzte wieder eine kleine Beisspause ein und gab uns Gelegenheit zum Mittagssnack.


    Da kam auf einmal eine Gruppe Porpoises (delphinartige Kleinwale) und sausste und spielte um das Boot herum. Eine tolle Showeinlage!


    Wir besprachen ob wir es gleich mal auf Grundfische wie Heilbutt & Co versuchen sollten. Das Ankergeraet hatte ich ja vorsorglich alles eingepackt. Seltsamerweise kam die Anwort direkt mit dem naechsten Biss auf Ricardo’s Rute. Ein seltsames Zucken der Rutenspitze liess mich genauer hinsehen und nach ein paar Sekunden gab es an der Rutenspitze eine tiefe Verbeugung.


    Ich nahm die Rute heraus und schlug an – Widerstand. Aber der Fisch nahm keine Schnur und machte auch sonst keinerlei Radau. Es war einfach nur schwer. Ich dachte sofort an Felsenbarsch da Ricardo wieder recht tief eingesetzt hatte. So kurbelte ich das Schwere heran und erst neben dem Boot sahen wir dass wir es mit einem kleinen Heilbutt zu tun hatten. Hoechstens 15 Pfund schwer. Der Haken sass tief und ich musste mein Vorfach aushaengen nachdem ich ihn abschlug.


    Wir beschlossen da das Lachstrolling einzustellen und uns eine geeignete Ankerstelle zum Grundangeln zu suchen. Schnell war das Lachsgeraet eingepackt und wir duesten 10 Minuten Richtung Mitte der Queen Charlotte Strait auf eine Untiefe zu die ich mir vor 2 Jahren markiert hatte. Leider stellte sich heraus, dass diese Untiefe zu kleinflaechig war, dass es praktisch unmoeglich war darauf zu ankern und dann noch darauf zu angeln. Die Koeder haetten in mindestens 120 m Tiefe gelegen weil die lange Ankerschnur uns ueber den Berg hinwegdriften liess.


    Wir suchten uns eine groessere Bank in ca. 80 m Tiefe mit 100 m + herum heraus und warfen den Anker. Als beide Heilbuttruten mit Hering bestueckt auslagen, liess ich auch den Duftsack am Downrigger hinab um die Lockwirkung zu verstaerken. Es dauerte nicht lange, das zappelte was an meiner Rute. Es kam ein mittlerer Felsenbarsch nach oben der mitgehen musste wegen dem Druckunterschied. Also musste es teils felsig sein da unten.


    Nach einer halben Stunde verneigte sich Dave’s Rute ploetzlich und er war sich sicher, dass es ein kleiner Heilbutt war. Tatsaechlich kam wieder ein kleiner 10 – 15 Pfund Butt herauf. Ich sagte Dave, dass wir bestimmt noch etwas Besseres kriegen wuerden aber er bestand darauf diesen mitzunehmen. Ok denn.


    Ich fing an unsere getoeteten Fische auszunehmen um die Zeit sinnvoll zu verbringen. Da sah ich ploetzlich zwei deutliche Reisser an meiner Rute. Als ich Fuehlung aufnahm, war nichts mehr zu fuehlen. Naja, dachte ich, vielleicht kommt er ja noch mal zurueck.


    Nach 10 Minuten hatte Dave genug und meinte er muesste den Koeder an meiner Rute kontrollieren. Er fing an einzukurbeln und es war schwer! Komisch – aber kaempfen tat es auch nicht!? Ricardo und ich sahen gespannt in die Tiefe. Als das Etwas in ca. 20 m Tiefe auftauchte, sahen wir etwas Unergruendliches. Was war denn das? Etwas rot, etwas braun, etwas silver....und total unfoermig?! Ein Rochen meinte Ricardo vielleicht? Nein!


    Kurz vor der Oberflaeche stoppte Dave und wir sahen uns unglaeubig an! Ich hatte 2 Einzelhaken an dem Stahlvorfach – an einem der Haken hing ein halber Meter langer Ratfish (Meerkatze(?) – silbrig), an dem zweiten Haken hing in kleiner Heilbutt (braun), um den Heilbutt gewickelt hing in kraeftiger Oktopus (rot), der nicht am Haken hing sondern ernsthaft versuchte sich den Heilbutt vom Haken zu klauen oder sich direkt ueber ihn herzumachen.


    Wir waren verbluefft, verzueckt, entsetzt – was weiss ich. Sowas hatte noch keiner von uns gesehen! 3 Fische an 2 Haken und auch noch 3 komplett verschiedene Arten!
    Ich schoss ein paar Fotos waehrend sich das Klaeuel an der Oberflaeche betat. Dann hakte ich zuerst den Ratfish ab. An den Heilbutt war kein Rankommen - an dem Oktopus vorbei. Ich versuchte einen der Fangarme vom Heilbutt zu loesen und nach einiger Kraftanstrengung bekam ich ihn los aber sofort versuchte der Fangarm sich an meinem Arm festzusaugen. Ich konnte das gerade noch verhindern.


    Die Fangarme waren vielleicht 70-90 cm lang, der Koerper/Kopf vielleicht 20 – 30 cm Durchmesser mit dem scharfen Schnabel den ich unbedingt nicht kennenlernen wollte. Der Oktopus pumpte Wasser wie verrueckt und versucht immer noch mit dem Heilbutt wegzukommen. Zu zweit befreiten wir den Heilbutt Arm fuer Arm – es war nicht leicht die 6 Fangarme wegzubekommen.


    Zwischendurch haftete der Oktopus sich auch mal am Boot fest... Ploetzlich liess er ab und trieb ein wenig weg vom Boot und dann mit zwei drei kraeftigen Stoessen verschwand er Richtung Tiefe. Bis ca. 20 m Tiefe konnten wir ihn noch beobachten – dann war er weg. Jetzt hob ich den Heilbutt ins Boot und der zuckte nicht mehr. Der Oktopusueberfall war wohl etwas zu viel gewesen.


    Interessanterweise, als ich den letzten Heilbutt ausnahm, fand ich zwei halb verdaute Oktopusarmstuecke in seinem Magen. Ricardo hatte sofort ein paar Abenteuergeschichten parat wie der Heilbuttclan die Oktopusburg ueberfiel und sich dann der Oktopusclan raechte und das Heilbuttlager angriff...


    Wir packten danach ein da wir mit 3 Heilbutten fuer 3 Angler unser Tageslimit hatten. Leider steckte der Anker so fest am Grund, dass die Ankerschnur riss und ich diesen Verlust verbuchen musste. Damit waren weitere Heilbuttchancen auf unserem mehrtaegigem Trip arg reduziert. Aber fuer dieses Erlebnis gebe ich das gerne her. Es muessen da wohl einige Felsburgen am Grund gelegen haben da Oktopusse Hoehlen und andere Verstecke brauchen. Nicht der beste Platz zum Sportankern!


    Hochzufrieden mit diesem Tag fuhren wir zurueck und versorgten unser Fang. Dave trauerte noch lange seinem Monsterfisch nach – und wird wohl noch Jahre davon sprechen... Ricardo hatte den groessten Fisch des Tages!

















  • Tag 3:


    Tag 3:
    Ein frueher Start um 4:30 Uhr am Boot. Diesmal waren wir noch vor den Lodge Booten raus. Vorsichtig mit der Nase an die Windschutzscheibe gedrueckt skipperte ich Red Hot durch das viele Schwemmgut wieder Richtung Black Bluffs. Nach einer halben Stunde kamen wir an und liessen schnell 2 Ruten aus.


    Ricardo verkroch sich wieder unter dem Schlafsack. Gleich die erste Passage am Kelpbett vorbei brachte mir den ersten Biss kurz ueber Grund in 20 m Tiefe. Anschlag, Widerstand und ein mittelmaessiges Ziehen am anderen Ende. Kein Riese das war sicher. Langsam brachte ich den Fisch heran waehrend Dave sein Geschirr ‘drin liess und auf einen Doppelbiss wartete. Ein vielleicht 6 pfuendiger Silberbarren platschte kurz darauf neben dem Boot und ich sag, dass es sich um einen Coho handelte.

    Dave wurde interessiert – ein unmarkierter Coho durfte hier behalten werden pro Tag pro Angler. Ich fragte Dave ob er ihn haben wollte und er bejahte. Damit war sein Schicksal besiegelt und der Coho kam vom Kescher in die Fischtruhe.


    Wir zogen mehrere Runden mal flacher mal tiefer an unserer Stelle vorbei. Nach einer halben Stunde schlug ploetzlich Dave’s Rute aus und diesmal sollte alles klappen fuer ihn. Der Fisch kaempfte ordentlich und riss paar Mal etliche Meter Schnur ab. Aber wir merkten schnell, dass es nicht wieder ein Monsterfisch war. Paar Minuten spaeter glitt ein schoener 16 Pfund Chinook in’s Netz und gesellte sich zu dem Coho unter Deck.


    Danach war Ruhe. Nichts ging mehr. Ich wechselte auf Kunstkoeder um, versuchte alle moeglichen Tiefe. Tote Hose! Zwei andere Boote zeigten gleichfalls Fehlanzeige an. Selbst Ricardo hatte keinen hilfreichen Trick parat als er aufwachte und wieder die dritte Rute uebernahm. Selbst die Lodge Guides waren ratlos heute wie wir ueber Funk verfolgen konnten. Vielleicht 5 oder 6 Chinooks fuer die 8 oder so Boote. Lediglich zwei kleine 2-3 pfuendige Pink Lachse schnappten kurz vor Mittag bei uns noch zu – die gingen beide wieder zurueck.

    Dann entschieden wir uns ein bisschen an der Scharkante zu pilkern. Vielleicht waren da ja ein paar interessante Grundjaeger und auch Lachse koennen mit Pilker gefangen werden. Lediglich ein paar kleinere Greenlinge und Seeskorpione bissen nahe dem Kraut.
    Im etwas tieferen Bereich zuppelte es ploetzlich an meiner Rute ganz ordentlich und ich dachte an einen mittleren Ling Cod. Jedoch stellte sich der Raeuber als ein Pracht – Kupfer –Felsenbarsch heraus. Bestimmt 5-6 Pfund und bei dieser Groesse vielleicht 50 Jahre alt oder soagr noch mehr. Diese Groesse faengt man in Victoria nur noch selten!

    Weil ich ihn langsam hochgeholt hatte, konnten wir ihn unversehrt wieder entlassen.
    Dann wollten wir es noch auf Heilbutt & Co ueber den tieferen Baenken weiter draussen probieren. Das Wasser war wie ein Ententeich und auch die Stroemung war minimal. Jedoch konnten wir keinen Butt oder Grossling da draussen ueberzeugen.


    So fuhren wir gegen 2-3:00 Uhr wieder zurueck. Boot saeubern und auftanken standen an und Ricardo fing paar Krabben und Seeskorpione vom Bootsdock.









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