Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon #Allround#Nachhaltig » 16.09.2016 - 14:08

Petri! is mir noch nie passiert mit 2 haken einen fisch zu fangen. mit einem 2 allerdigs schon.
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23.4.2017; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 27.04.2017 - 1:25

Letztes Wochenende war grosses Victoria Heilbuttderby. Da das Wetter angenehm und windstill werden sollte und die Gezeiten gut fuer Heilbuttangeln waren, konnte man sich schon ausrechnen, dass jede bekannte Heilbuttstelle von Horden von Anglern belegt sein wuerde. Mein Freund Carl wollte sich davon aber nicht abschrecken lassen und ueberredete mich zu einer Heilbutttour am Sonntag – allerdings ohne Derbytickets. Wir beschlossen ein paar neue Stellen zu probieren die abseits der Massen und vielleicht auch tiefer als unser uebliches 100 m Limit lagen.

Wir trafen uns 6:30 Uhr bei Carl und fuhren mit der Jalopy im Schlepp nach Pedder Bay, East Sooke. Der Anhaengerparkplatz zeugte schon von vielen Booten die schon auf dem Wasser waren. Wir slippten und fuhren erst einmal zur Whirl Bay um eine Runde auf Lachs zu schleppen, bis die Ebbe soweit nachgelassen hatte, dass wir ein paar tiefe Driften westlich der Race Rocks Inselkette probieren konnten. Die Lachsruten brachten keinen Erfolg. Als wir dann eine Stunde spaeter zu den ausgewaehlten Untiefen fuhren, trafen wir auch dort schon 3 andere Boote an, die verankert auf Heilbutt angelten. Wir machten unsere Heilbuttgeschirre klar, bekoederten mit Hering und Lachsstuecken und tasteten dann den Boden ab.

Es dauerte nicht lange da hatten wir beide schon je ein Bleigewicht den Riffgoettern geopfert. Das ist halt der Nachteil des Driftangelns. Ploetzlich riss es an meiner Rute aber bis ich einen Anschlag setzen konnte, war schon nichts mehr. Es stellte sich heraus, dass mein Koeder schon etliche Meter ueber Grund hing – ob das wohl ein Butt gewesen sein mag? Nicht sehr haeufig faengt man die Butte hier weit weg vom Grund. Dann hatte Carl einen Biss und irgendetwas hing dran. Bei 100 m Tiefe dauerte es eine Weile bis wir das Opfer sahen: ein praechtiger Kupfer-Felsenbarsch hatte zugeschnappt. Der hatte bestimmt 5 Pfund, war aber leider noch geschont bis 1.5. Wir setzten noch zweimal zu derselben Drift an, aber ohne weiteren Erfolg.

Wir durchforsteten die Tiefenkarte der Juan de Fuca Strasse – Carl hatte ein tolles App auf seinem Tablet, das eine viel hoehere Tiefenaufloesung hatte als die typische Chipkarte fuer’s GPS Geraet. Wir waehlten eine Sandnase in einem weitraeumigen Plateau in 120 m Tiefe aus, kurz vor der US Grenze. Dort duerften wir mit dem Meer alleine sein – ausser vielleicht der US Kuestenwache! Ob’s dort auch Butte gab war eine andere Frage. Wir duesten 20 Minuten ueber das fast spiegelglatte Meer. Die Stelle hatten wir tatsaechlich grossflaechig alleine, allerdings war ich erstaunt, dass 3 oder 4 Boote doch noch in der naeheren Umgebung verankert lagen. Wie voll mussten dann die bekannten Stellen sein?

Als der Anker sass, brachten wir den Duftsack aus und liessen dann unsere beiden Ruten zum Grund. Es war totaler Stroemungsstillstand, was nicht gerade von Vorteil ist, wenn man eine Durftspur ausbringen will. “Da muessen wir uns wohl ein bisschen gedulden, falls wir nicht zufaellig gerade ueber dem Buttwohnzimmer geankert haben”, meinte ich zu Carl. Wir machten es uns bequehm und Carl warf den Grill an und wir grillten uns ein paar Wuerstchen. Nach einer halben Stunde ruckte es das erste Mal an meiner Rute. Das sah sehr nach Dornhai aus – nicht gerade was wir uns erhofft hatten – alle paar Minuten einen kleinen Hai von 120 m Tiefe hochzukurbeln! Aber ein Positives hatte die Dornhaiwelle, die nun ueber uns hereinbrach, doch, zeigte sie doch an, dass die Duftspur funktionierte. Ich brachte wohl um die 6-7 Haie bis zu 90 cm Laenge herauf und war es schon fast leid. Carl schien einen Koeder gefunden zu haben den die Haie nicht so mochten – er hatte eine grell-farbige Koedermarinade benutzt, die wirklich erbaermlich roch. Wuerden die Butte daran gehen wenn nicht einmal die Haie davon etwas wissen wollten? Waehrend ich einen Hai nach dem anderen fing, hatte er kaum mal einen Ruck verbucht. Nach anderthalb Stunden hatte Carl genug und bekoederte auch mal konservativ und prompt ging seine Rute in die Knie. Aha, das sollte doch wohl ein echter Fisch sein und Carl philosophierte waehrend des Drills schon wie er die Heilbuttfilets verwerten wollte. Der Fisch nahm zwar keine Schnur aber die Rutespitze verriet schwere Kopfstoesse – das konnte doch nur ein Butt sein, meinten wir beide.

Was dann nach mehreren Minuten Kraftanstrengung nach oben kam, war allerdings ein rekordverdaechtiger Dornhai. Der musste ueber 1,2 m Laenge haben – nur einmal vor Jahren hatte ich so einen grossen Dornhai gesehen. Enttaeuscht entfernte Carl den Haken und liess ihn wieder frei. Gab es denn gar nichts anderes hier an dieser Stelle? Die Stroemung nahm nun kraeftig zu und die Schnuere liefen in einem flachen Winkel ins Wasser. Noch konnten wir aber Grund halten. Die Stroemung schien aber die Haie zumindest von unseren Koedern vertrieben haben denn es wurde nun ruhiger an den Ruten. Da ruckte es ploetzlich wieder heftig an meiner Rute und ich kurbelte hart hinein. Etwas Schweres blieb haengen.

Hm, koennte das etwas anderes sein? Schwer genug fuehlte sich mein Gegner an aber ich vermisste das typischen Buttklopfen, das sich wir Hammerschlaege in der Rute anfuehlte. Auch Schnur wollte der Fisch nicht nehmen – hing einfach dran wie eine Sperrholzplatte in der Stroemung. Ich tippte schon auf Rochen oder eben wieder einen Rekord-Dornhai. Nach einiger Zeit tauchte ein breiter weisser Schatten im Wasser auf. “Da soll’s doch!”, das ist wirklich ein Butt! Carl machte schnell das Gaff klar und ich hievte den Burschen die letzten Meter bis zum Boot. Ohne irgendwelche Einwaende liess der Butt sich gaffen. Erst als er auf dem Bootsboden landete, donnerte er herum. “Zu spaet, mein Freund!”. Wir freuten uns ueber diesen 25 pfuendigen Erfolg – das machte die vorherige Haiarbeit wieder wett. Aber so einen lahmen Butt hatte ich auch noch nicht an der Angel gehabt!

Natuerlich hofften wir jetzt auf eine Buttbeisszeit aber leider musste dieser wohl ein Einzelgaenger gewesen sein. Es liess sich nichts mehr ueberlisten. Kurz vor Schluss holte ich noch eine kleine Seltenheit hoch – einen jungen Sablefish – zu deutsch Kohlenfisch. Er war mit seinen vielleicht 40 cm ein Jungtier, koennen diese Fische doch weit ueber einen Meter und ueber 100 Pfund schwer werden. Allerdings werden solche Brocken nur im offenen Pazifik in grossen Tiefen gefangen. Sehr selten faengt man hier mal ein Jungtier dieser Art. Vor etwa 12 Jahren war mir das schon mal gelungen. Geraeuchert eine wahre Delikatesse! Gluecklicherweise war der kleine Kerl unverletzt und flitzte schnell wieder in die Tiefe. Dann packten wir zusammen, auch weil der Wind mittlerweile ungemuetlich wurde.

Zurueck an der Marina erfuhren wir, dass die Derbyteilnehmer nicht gerade berauschenden Erfolg gehabt hatten dieses Jahr. Zwar wurden einige schoene Butte bis zum Max-Limit von 133 cm eingewogen, aber eine ganze Reihe von Anglern war wohl auch leer ausgegangen. Hoffentlich kein Zeichen fuer eine magere Buttsaison – jetzt wo ich gerade erst wieder auf Touren komme!

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 27.04.2017 - 6:32

Petri zur Riesenscholle. Kohlenfisch/Sablefish hab ich ja noch nie gehört, muss ich mich doch gleich mal im Internet weiterbilden.
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon #Allround#Nachhaltig » 27.04.2017 - 22:09

Petri! Wenn da so viele angeln, bricht da nicht der bestand zusammen?
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon cohosalmon » 28.04.2017 - 2:55

Von den Anglern ist da sicher keine Bestandsgefahr zu erwarten. Auch wenn sich die Angler an den Stosstagen manchmal an den beliebten Stellen draengeln so ist das doch ein grosses Meer und die tatsaechliche Entnahme durch die Angler verschwindend gering im Vergleich zum Bestand. Dafuer sorgen ja auch schon den recht strikten Entnahmebestimmungen (ein Butt pro Angler pro Tag, 6 pro Jahr max). Ein Longliner Berufsfischer nimmt in einer Sitzung mehr raus als die ganze Anglerflotte mehrere Wochen am Stueck. Vertrauen wir mal den Regulatoren und Wissenschaftlern, die behaupten die Buttbestaende in Kanada sind stabil und sogar steigend. Ich habe jedenfalls in den letzten 15 Jahren keinen Abfall der Buttbestaende gesehen - was meine Beobachtungen angeht. So weit so gut wuerde ich da sagen.

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 28.04.2017 - 6:45

cohosalmon hat geschrieben: Dafuer sorgen ja auch schon den recht strikten Entnahmebestimmungen (ein Butt pro Angler pro Tag, 6 pro Jahr max).



Wird das denn überwacht, wenn ja - wie ? Müsst Ihr fürs Meeresangeln eine Lizenz lösen ? Gerade eine Beschränkung des Jahresfanges finde ich gut, aber wie kann man das kontrollieren ?
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon rhinefisher » 28.04.2017 - 7:08

Hi!
Normalerweise kauft man "Tags", Marken die man sofort nach dem fang des Fisches an die Schwanzflosse heftet.
Zumindest in den USA sind die Strafen dermaßen brutal - wer da schummelt ist blöde... .
Petri
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 28.04.2017 - 9:21

So denke ich es mir. Das dient für den Tagesfang. Wie aber kann man das jährlich überwachen ? Geht doch eigentlich nur über eine Lizenz.
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon #Allround#Nachhaltig » 28.04.2017 - 15:31

Ha! Fisch markieren. Ab nach hause. Schwanzflosse abschneiden. Nächster fisch :top:
Oder wie läuft das?
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon cohosalmon » 28.04.2017 - 18:28

Das laeuft tatsaechlich ueber die Lizenz, ist aber trotzdem immer wieder ein heiss diskutiertes Thema. Nach den Regeln must Du jeden gefangenen Butt sofort in eine vorbereitete Tabelle auf Deiner Lizenzkarte eintragen. Wirst Du auf dem Wasser kontrolliert und hast einen Butt im Boot aber keinen Eintrag in der Lizenz - Strafe. Sechs Butte pro Jahr max. pro Lizenz - mehr kannst Du auch nicht eintragen. Das funktioniert uebrigens auch fuer die anderen regulierten Arten die eingetragen werden muessen: Lingcod, Chinook, Steelhead.

Natuerlich wird man nicht sehr haeufig auf dem Wasser oder an jeder Marina kontrolliert und die Chance, dass man bei Nichteintrag erwischt wird, ist relativ gering. Ich muss gestehen, dass ich hin und wieder auch mal den sofortigen Eintrag vergessen habe - nicht um betruegen zu wollen aber einfach weil im Stress einer Beisszeit dafuer manchmal einfach keine Zeit war und ich es dann einfach vergessen habe. Habe das vergessene dann schon manchmal zu Hause oder im Auto nachgetragen - einfach um ehrlich zu sein. Ich habe noch selten 6 Butte pro Jahr auf meiner Lizenz alleine entnommen. Meine Soehne haben auch Lizenzen und 3*6=18 Butte im Jahr sind viel zu viel um das fuer uns persoenlich verwerten zu koennen. Und genau das ist ja das Ziel der Sportlizenzregeln - genug fuer den Eigenbedarf aber nicht fuer etwaigen Verkauf. Wenn ich das mal so in meinem Freundeskreis der regelmaessigen Buttangler betrachte, wenn wir pro Lizenz im Jahr im Schnitt jeder 3-4 Butte mitnehmen und wir durch unsere Lage sicherlich die mit am beguenstigsten in BC sind fuer den Buttfang, dann ist der Schnitt pro Angler in BC inkl. Touristen sicherlich weit darunter - wenn ueberhaupt 1 Butt pro Jahr pro Angler - auch wenn vielleicht ein paar schwarze Schafe hier und da ein paar mehr mitnehmen als erlaubt. Das ergibt fuer mich keine Masse, die mir fuer die Bestaende bedenklich erscheint - aber wie gesagt, ich bin ja kein Fischereibiologe mit Detaileinblick in die Bestaende - das sind nur meine persoenlichen Einschaetzungen und Beobachtungen. Eine weitere Fangbeschraenkung beim Heilbuttfang ist das Maximalmass. Eigentlich gehasst bei den Anglern, vorallem den Touristen und Lodges, wegen dem Wegfall des Trophaeenfangs, und rein politisch eingesetzt um den Sportfang per Tonne zu verringern um den Berufsfischern mehr Tonnage zu geben. Die Entscheidung hatte keinerlei Bezug auf Bestandsschonung - reine Gewichtsmathematik. Der Nebeneffekt ist aber doch, dass einige der grossen Laichweibchen eine weitere Chance zum Ablaichen kriegen wenn sie mal an einen Sporthaken gehen. Berufsfischer haben leider keine solche Laengenbeschraenkung und daher ist der Effekt natuerlich sehr begrenzt wenn man von der Quotenteilung Sport/Berufsfischerei = 15/85 ausgeht.

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 28.04.2017 - 21:52

Danke für die Erläuterung. Also braucht ihr auf dem Meer Lizenzen - das wundert mich.
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Tidi » 28.04.2017 - 22:17

Petri.
Die beschriebene Entnahmebestimmung finde ich gut, so werden kleinere Fische bestimmt auch eher wieder zurückgesetzt.

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Beitragvon cohosalmon » 25.05.2017 - 1:49

So, die deutsche Reisesaison hat wieder angefangen und ich konnte am letzten Samstag den ersten deutschen Angler in 2017 bei mir begruessen. Philipp, als regelmaessiger Rheinangler und Norwegenfahrer, war bisher bei seinen Angelkumpels als Heilbuttschreck verschrieen, war es ihm doch noch nie geglueckt einen Butt im gelobten Land zu landen. Nun war er heiss das im Pazifik zu aendern!

Den Morgen ueber sollte eine leichte Ebbe herrschen, die das Buttangeln vom verankerten Boot ermoeglichte. Wie ich schon oefter erlaeutert habe, ist das die wichtigste Voraussetzung fuer eine erfolgreiche Buttangelei hier vor Victoria. Ausserdem packten wir zwei Pilkruten und 2 Lachsruten ein – falls wir frueher als erwartet fertig wuerden mit dem Buttangeln. Die grossen Lachse lassen dieses Jahr auf sich warten. Die meisten Lachsangler stellten immernoch den kleineren Fresslachsen nach; einmal weil erst ein paar wenige der Grossen da waren und ausserdem weil die grossen Wildlachse noch von einem Maximalmass geschuetzt sind und daher wieder freigelassen werden muessen. Ich hatte aber schon am vorherigen Wochenende die erste Beruehrung mit einem diesjaehrigen Gross-Chinook. Auf einer Solotour am 13.5. packte sich bei Sonnenaufgang ein Frachtzug meinen Nootka-Blinker dicht vor den Felsen in der Trap Shack Bucht und zog unaufhaltsam ab. Ich hatte Muehe das Boot aus der Bucht herauszusteuern waehrend ich die Rute mit der ewig kreischenden Rolle hielt. Gott sei Dank waren nur etwa 2-3 andere Boote in der Gegend unterwegs so dass ich schon mal diese Sorge weg hatte. Die Rolle wurde schon bedenklich leer als ich endlich wieder Schnur zurueck gewinnen konnte. Der Lachs war locker 200 m ausgebuechst. Schwere Kopfstoesse liessen einen dicken Brocken erwarten. Nach etwa 15 minuetigem Hin und Her hatte ich den Kerl endlich neben dem Boot. Was fuer ein herrliches Tier, der Ruecken fast 30 cm breit, und tief war er auch. Sicher in den oberen 20gern. Aber ein unmarkierter (wilder) und damit hatte ich ihn wieder schwimmen zu lassen. Ich wollte wenigstens noch ein Foto schiessen und zog mir den Fisch, die Schnur am Flasher haltend, in Pose und hatte die Kamera in der anderen Hand als der Lachs einen kurzen Kopfruck machte, das Vorfach zerriss und mit meinem Blinker im Mundwinkel abtauchte. Damn! Aber na gut, ich hatte meinen Spass gehabt, konnte ihn eh nicht behalten und der Blinker war ersetzbar. Danach schleppte ich noch 5 weitere Stunden ohne einen einzigen weiteren Biss.

An der Lachssituation hatte sich auch in der einen Woche bis Philipps Ankunft wenig geaendert. Daher wollten wir uns erstmal auf Heilbutt konzentrieren. Nach dem Kennenlernen beim gemeinsamen Abendbrot und ein paar Bieren, legten wir den Jagdplan fuer den Sa zurecht. Sein Bruder wollte lieber die hiesigen Mountainbiketrails erkunden und die Eltern die Stadt besuchen. Mein Sohn Ricardo wollte mit auf Buttjagd. Wir trafen bei sommerlichen Bedingungen um 7:30 Uhr an der Pedder Bay Marina ein und mussten uns in den Bootsrampenverkehr einordnen – ganz schoen was los heute! Ging aber doch ruck zuck und bald waren wir unterwegs. Es stellte sich heraus, dass das Wasser ausserhalb des Pedder Bay Fjordes doch ganz schoen aufgewuehlt war. Viele Boote ankerten dadurch an den naheliegenden und etwas geschuetzt liegenden Stellen. So kam es, dass auch meine Zielstelle nahe Race Rocks schon gutbesucht und beankert war. Sollten wir uns noch dazwischenquetschen oder lieber eine neue Stelle ausprobieren? Es gab in der Mitte der Juan de Fuca Strasse noch eine Stelle, die ich schon immermal ausprobieren wollte. Dort kam der Grund von 150 m auf unter 100 m herauf. Allerdings lag diese Stelle nur kurz ausserhalb der Schifffahrtsstrasse. Als wir dort ankamen, war es nicht nur haesslich wellig sondern wir sahen uns auch von einem grossen Containerschiff angepeilt. Wer weiss wie genau die sich an die Schifffahrtsstrassengrenzen hielten! Wir drei schauten uns kurz an und schuettelten die Koepfe. Gut, weiter. Da war die Stelle kurz vor der US Grenze, an der ich mit Carl vor 3 Wochen einen Butt erwischt hatte und an der Carl gestern, am Freitag, erfolgreich zwei 25 Pfund Butte erlegt hatte. Das war aber noch eine ganze Strecke – besonders bei diesem Wellengang. Aber da mussten wir jetzt durch. Nach weiteren 20 Minuten kamen wir dann endlich an der Stelle an. Ich suchte auf der GPS Karte noch etwas herum und fand in der Naehe einen kleinen Huegel der so auf 73 m hochkam. Das roch doch nach Fisch. Und auch hier war schon ein anderes Boot – auf dem naechsten Huegel verankert.

Kurz darauf hingen wir am Seil und machten unsere 2 Ruten klar. Auch der Duftsack ging am Downrigger bis zum Grund hinab. Stroemung war fast keine und unsere Koeder hingen fast senkrecht unter dem Boot. Nach einer kleinen Weile zuppelte die linke Rute, an der Philipp stand, los. Dornhai! Bloss gut, dass es hier nicht so tief war, dachte ich und Philipp gab mir nach seinem dritten Dornhai wohl auch recht. Seltsamerweise, gingen diese Plagegeister nur an die linke Rute – die rechte, von Ricardo bewacht, lag einsam und still. Philipp hatte gerade seine Rute zum Koederkontrollieren oben, als es ploetzlich ziemlich hart an der rechten Rute ruckte es. Ricardo wollte herbeispringen aber da war auch schon nichts mehr. Ich meinte noch, dass das nicht nach Dornhai ausgesehen hatte, als die Rute wieder hart ruckte und diesmal kam die Rutenspitze nicht mehr hoch sondern zeigte weiter und weiter gen Wasser. Der zog schon ab! Buttalarm!

Ricardo war gleich dabei und kurbelte in den Fisch hinein. Der hing! Ich schnallte Philipp schnell den Gimbalgurt um und Ricardo ueberliess ihm das Feld. Kurz zog der Fisch noch etwas Schnur ab und dann stellte Philipp die Rollenbremse ein und begann sein Tauziehen. Die harten Schlaege in der Rute wiesen eindeutig auf Butt hin. Wir freuten uns mit Philipp, der nun endlich seinen schlechten Heilbuttruf loswerden konnten. Ich freute mich, dass sich die lange, holprige Anfahrt gelohnt haben koennte. Langsam aber sicher pumpte Philipp seinen Gegner hoch. Ich machte die Harpune klar und als Philipp den Fisch bis neben das Boot gebracht hatte, stach ich zu. Dann wurde der Butt aussen am Boot vertaeut und ausgeblutet und erst dann klatschten wir uns freudig ab. Na also! Und vielleicht ging ja noch mehr!

Der naechste Dornhai an Philipps Rute schwamm auch gleich in die rechte Rute hinein und noetigte uns eine komplette Montagenerneuerung ab. Dann wurde es ruhiger. Die Stroemung nahm nun etwas zu so dass die Schnuere nun nicht mehr ganz senkrecht hingen. Gut, dann zog die Duftspur etwas weiter! Da! An der rechten Rute war ein entschlossener Ruck zu sehen – Ricardo war schon auf dem Sprung und noch bevor er an der Rute ankam, ging diese in die Knie und etwas zog brachial nach unten. Ricardo versuchte noch zu kurbeln aber die Bremse liess schon Schnur raus. Der hing! Ricardo mannte die Rute bis Philipp den Gurt umgeschnallt hatte und fuer seinen zweiten Heilbuttdrill fertig war. Dann nahm er die Rute aus dem Halter und legte sich ins Zeug. Doch der Gegner hatte andere Absichten und riss mehrfach eine gute Strecke Schnur von der Rolle. Die Rute war teilweise zum Halbkreis gebogen! Der duerfte groesser sein als der etwa 20 pfuendige Erste. Kaum hatte Philipp etwas Schnur zurueck und begann den Fisch vom Grunde wegzuheben, da sausste der wieder zum Grund zurueck.

Philipp kam ins Schwitzen. Ich konnte den Fisch auf dem Echolot sehen und gab ihm hin und wieder ein Update wie weit er noch entfernt war. Muehsam, Stueck fuer Stueck kaempfte er den Fisch nach oben. Dann kam der Butt endlich in Sicht – oh ja, der war ein besseres Kaliber! Nur ein Haken hing knapp im Maul! Ich hatte die Harpune fertig und wartete auf meine Gelegenheit zuzustossen. Der Butt hing aber Maul nach oben und wollte sich partout nicht flachlegen lassen. Dann endlich konnte ich die Harpune versenken und im selben Moment flog der Haken aus dem Maul. Huh, das war knapp!

Der Butt tobte noch ein bisschen an der Harpunenleine bis wir auch diesen Butt vertaeuten und abstachen. Philipp strahlte ueber das ganze Gesicht und musste erst einmal eine rauchen! Ich fragte, ob wir noch fuer einen dritten versuchen wollten oder lieber gleich noch was anderes versuchen sollten. Es war ja erst 10:30 Uhr. Wir beschlossen noch eine halbe Stunde vor Ort zu bleiben und dann mal zu pilkern und zu schleppen. Der Wind liess nun sehr nach und die See wurde richtig ruhig. Perfekt, so mussten wir nicht die lange Strecke zurueck gegen hohe Wellen ankaempfen. Heute scheint ja alles zu passen! Ein dritter Butt war uns aber nicht mehr gegoennt. Auch verlor ich noch meinen Duftsack am Downrigger – vielleicht hatten die Haie die Halteschnur durchgenagt.

Dann duesten wir ueber die nun ruhige See zurueck unter Land mit 2 schoenen Heilies unter Deck. Bei den Race Rocks wollten wir die Seeloewen besuchen aber die waren wohl gerade auf Jagd unterwegs – es lagen nur 1 oder 2 und ein paar Robben auf den Klippen. Zwei Weisskopfseeadler liessen uns dicht an ihren Standort heran, allerdings liessen sie das hingeworfene Lachsstueck aus unserer Koederkiste unberuehrt. Hinter den Inseln hielt ich das Boot an einem Riff an. Philipp und Ricardo liessen ihre Koeder raus – Ricardo einen Pilker und Philipp einen Gummifisch. Ruck zuck hatten beide 2 oder 3 kleinere Felsenbarsche heraufgezogen. Wir wollten nichts davon behalten sondern nur Philipp mal ein paar andere Fischarten zeigen. Er brachte auch einen Greenling herauf. Ricardo bald einen kleinen Seeskorpion. Das liess sich auch ganz gut an auch wenn die Groesse der Fische noch zu wuenschen uebrig liess. Das naechste Riff war wie tot und Ricardo musste sogar einen Pilker opfern.

Ich fuhr uns dann zur Church Rock Insel und die beiden pilkten vor dem Krautsaum direkt vor der Felseninsel. Hier erwischte Philipp 2 kleine Lingcods. Auch Ricardo konnte eine Super-Miniversion von dieser Art haken. Leider blieb uns ein ordentliches Exemplar verwehrt. Der Wind nahm nun wieder zu und ich draengte nun ein paar Runden durch die Whirl Bay auf Lachs zu versuchen, bevor der Wind uns zurueck in die Marina zwang. Wir schleppten ca. 2 Stunden kreuz und quehr und bis vor den Pedder Bay Fjord zurueck aber hatten keinen einzigen Anfasser bis ganz zum Schluss als Ricardo ploetzlich zu seiner Rute hinsprang und anschlug aber nichts daran haengenblieb. Nun ja, es kann halt nicht alles funktionieren. Wir waren sehr zufrieden mit den beiden Butten. Philipp wog beide am Schlachttisch: 20 und 48.5 Pfund. Das war eine Menge Filets! Und keiner kann mehr sagen, Philipp waere ein Heilbuttschreck!

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Valestris » 25.05.2017 - 3:46

Sehr schön, dickes Petri und danke fürs teilen. Die Berichte lesen sich immer klasse {ß*#
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Tidi » 25.05.2017 - 23:09

Ja genau, alles super :)
Petri Heil.