Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

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cohosalmon
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East Sooke; 8.6.2012

Beitragvon cohosalmon » 10.06.2012 - 0:09

Gestern bin ich mit Matthias, ein Mitglied eines anderen deutschen Angelforums, mal zu einer Fruehschicht raus. Es war Matthias‘ vorletzter Tag auf seiner 3 woechigen BC Tour und wir hatten uns vorher ueber Email fuer einen Angeltag verabredet. Da er nur einen ¾ Tag zur Verfuegung hatte, mussten wir nehmen was gerade da war. Gluecklicherweise spielte der Wind mit und die Gezeiten waren sehr frueh morgens auch fuer Heilbutt passend. Nur die Lachse wuerden ein Problem sein, das wusste ich schon vorher.
Die Winter Springs wandern so langsam weiterund der anstehende Schwung an Gross-Chinooks auf dem Weg zum Fraser River und Puget Sound waren etwas verspaetet wie ich von den Berichten der Vancouver Island Westkueste hoerte. So sind im Moment nicht allzuviel Lachse hier vor Victoria und Sooke und man muss viel Geduld mitbringen.

So holte ich Matthias 5:00 mit dem Boot am Hotel in der Stadt ab und wir fuhren die 40 Minuten zur Pedder Bay Marina in East Sooke. Unterwegs machten wir uns erstmal ein wenig bekannt und wir kamen sofort prima klar miteinander. Matthias hatte vor paar Tagen schon an der Westkueste der Insel bei einer Kutterausfahrt 3 Lachse gefangen; so beschloss ich die stroemungsarme Zeit mit einem Versuch auf Heilbutt zu nutzen. Ich hatte alles dabei.

Red Hot ins Wasser gelassen und ab gings in den kuehlen aber ruhigen Morgen. Wir warfen den Anker zwischen 2 Guidebooten in der 100 m Rinne in der ich vor paar Wochen schon einen 25 kg Heilbutt erwischte. Als erfahrener Norwegenfahrer kannte sich Matthias mit Angel und Geschirr gut aus. Wir setzten einen Hering und eine halbe Makrele als Koeder der beiden Ruten ein. Zur zusaetzlichen Verschoenerung des Koeders waren noch jeweils ein Glow Gummioktopus aufgezogen. Ausserdem liess ich noch den Duftbeutel mit Lachsresten am Downrigger zum Boden. Dann hiess es warten und hoffen, dass die Dornhaie uns nicht zuerst fanden.

Nach einer knappen Stunde war es dann soweit und ich sah wie die Rute neben Matthias ein paar Mal stark wippte. Seltsamerweise zog der Fisch aber nicht richtig ab wie das sehr oft passiert. Matthias nahm die Rute in die Hand und nahm Fuehlung auf und bestaetigte, dass etwas dran war. Er zog die Bremse etwas zu und ruckte an. Sofort war die Rute krum und ich war mir nun sicher, dass das nur ein Butt oder vielleicht ein Rochen sein konnte.

Ich wuenschte ihm lachend viel Glueck bei der nun anstehenden Schwerstarbeit von 100 m Tiefenunterschied. Schwer atmend kurbelte und hievte Matthias den Fisch Stueck fuer Stueck. Er fuehlte die typischen Heilbutt-Kopfschlaege und damit war klar was es war. Da der Fisch keinen richtigen Run hinlegte und Matthias stetig Schnur gewann, dachte ich an einen kleineren Butt. Als er ihn dann endlich an das Boot brachte, war ich selber erstaunt, dass es ein ganz ordentlicher Kerl war. Ein Butt von dieser Groesse zieht normalerweise 2 – 3 Mal wieder zum Grund zurueck und laesste einen jede Muskelfaser im Koerper spueren. Ich glaube Matthias war es ganz recht so.

Offensichtlich hatte der Butt noch gar nicht richtig realisiert, um was es hier ging. Jetzt nur keinen Ausrutscher bei der Landung sonst spielt er verrueckt und geht wieder zum Grund hinab. Es dauerte eine kleine Weile bis der Fisch in guter Harpunierposition lag und dann sank die Spitze auch schon durch den Koerper. Jetzt expoldierte der Butt und regnete einige Schauer Salzwasser ueber uns und ich musste die Hapunenschnur energisch festhalten und mich regelrecht einstemmen um die Wucht des Herumtobens abzufangen. Als er sich endlich beruhigte, bekam er er paar mit dem Knueppel ueber den Kopf und ich vertaeute ihn dann aussen am Boot und liess ihn dort ausbluten.

Ein toller Fisch und Matthias war sich sicher, dass es sein neuer Rekordfisch war! Bei 23,5 kg blieb die Waage stehen. Da die Stroemung immer noch sehr langsam war, entschlossen wir noch ein bisschen weiterzuangeln. Matthias konnte ja keinen Fisch im Hotel gebrauchen und bis zum Abflug kuehlen, und ich hatte mit dieser Fischmenge mehr als genug um meine Familie monatelang zu versorgen. So wuerden wir jeden weiteren Fisch wieder freilassen falls die Hakenlage es erlaubte.

Als die Koeder wieder im Wasser waren, fingen die Ruten nun regelmaessig an zu wackeln. Jetzt waren die Dornhaie da. Matthias brachte es sogar fertig zwei Haie gleichzeitig zu fangen. Nach einer Weile hatten wir genug und wollten es lieber nochmal auf Silber versuchen. Ich hatte ueberlegt ob wir lieber noch den einen oder anderen Winter Spring Schwarm aufzutreiben versuchen sollten oder es auf die spaeten und erst vereinzelt durchkommenden Sommer Gross-Chinooks versuchen sollten. Die Winter Springs versprachen etwas mehr Action aber waren eben hoechstens 15 Pfund schwer.
Ich entschied eher Richtung Westen den Grosslachsen entgegen zu fahren. Vielleicht war uns ja das Glueck weiterhin hold.

Nachdem wir den Anker eingeholt hatten fuhren wir ca. 20 Minuten Richtung East Sooke Park. AM Beachy Head, einer ins das mehr ragenden Felsnase, sah ich einen bekannten Guide beim Trolling. Ich erkundigte mich und erfuhr, dass es einen kurzen Morgenbiss gegeben hatte und es seit dem sehr ruhig war. Ich entschied es gleich da mal paar Runden zu probieren.

Ich erklaerte Matthias das Downriggergeschirr und zeigte wie man die Koederfische in das System einsetzt und liess ihn dann eine der beiden Ruten betreuen. So schleppten wir dann ohne irgendwelche Vorkommnisse um die Felsnase herum. Bei einer Wendung muss wohl eine Unterstroemung die Angelschnuere beider Ruten durcheinandergwirbelt haben; ein Schnursalat allererster Guete war das Resultat. Bis wir das entknotet hatten, waren wir bis vor die Trap Shack westlich abgetriftet.

Wir drehten mehrere Schleifen vor und ueber dem Trap Shack Riff und durch die Bucht und als wir schon gar nicht mehr daran glauben wollten, ploetzlich ein Biss! Hinter meinem Rueck als ich gerade mit was anderem beschaeftigt war – als ich mal wieder zu meiner Rute hinschielte riss es daran schon sehr ungeduldig. Kann sein, das der eigentliche Biss schon mehrere Sekunden her war. Ich riss sofort die Rute heraus und merkte, dass der Fisch schon aus dem Clip heraus war und direkt an der Schnur zog. Ich schlug noch kurz an und reichte die Rute zu Matthias.

Es schien kein Grosser zu sein denn der Fisch nahm keine Schnur. Matthias brachte den Fisch immer naeher und ich machte schon den Kescher klar . Kurz bevor wir sehen konnten mit was wir es hier zu tun hatten, war der Kontakt dann auf einmal weg. Wahrscheinlich lag es an der langen Verzoegerung bis der Anschlag kam. Kann man nichts machen!

Aber auch nach dieser kurzen Aufregung tat sich danach nichts mehr. Bevor wir dann zurueckfuhren, pilkte Matthias noch an 2-3 Stellen. Ein paar kleinere Felsenbarsche und Greenlinge vergriffen sich am Pilker und zeigten uns das es doch noch Leben gab da unten. Gingen aber alle wieder zurueck. Dann war unsere Zeit um.

So kam ich mit 15 kg Heilbuttfilets und Matthias mit einem Urlaubserlebnis mehr nach Hause. Und Steigerungsmoeglichkeiten gibt’s auch noch fuer das naechste Mal Kanada, Matthias! Hat Spass gemacht, bis bald!

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Beitragvon cohosalmon » 14.06.2012 - 7:14

Hier mal ein klasse Video eines Bekannten vom April in Port Renfrew (2 h von hier). Hoffe das laeuft?!

http://www.youtube.com/watch?v=JVE8X...ature=youtu.be

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7.9.2012; Victoria

Beitragvon cohosalmon » 10.09.2012 - 23:13

Am letzten Freitag kam mein Freund Glenn aus Vancouver zu Besuch und zu einem Fishing Derby Committee Meeting am Abend und wir wollten den Vormittag zu einer Angeltour nutzen. Ich machte den Tag frei. Ich hatte eigentlich an eine Coho-Angeltour gedacht aber Glenn fragte nach Heilbuttchancen da am 9.9. die Heilbuttsaison endete. Eigentlich waren die Gezeiten/Stroemungen nicht gerade ideal fuer Butt nach meinen Buechern aber ich beschloss es Glenn zuliebe doch mal zu probieren. Im schlimmsten Fall schleppten wir halt das ganze Anker-und Heilbuttgeschirr umsonst mit beim Lachsangeln.

Ich will noch mal kurz auf die endende Saison eingehen. Es ist nicht so, dass man nach dem 9.9. keine Heilbutte mehr fangen koennte – im Gegenteil; bis vor 3 Jahren ging die Saison von 1.2. bis 31.12. und im September/Oktober waren fantastische Faenge moeglich. Auch weil dann die Grosslachssaison im Meer zu Ende ging und es nicht mehr so voll war auf dem Wasser.
Leider hat die konservative kanadische Regierung der Lobby der Berufsfischer nachgegeben und 88% der kanadischen Heilbuttfangquote an diese erteilt. 12% blieben fuer die Sportfischerei uebrig was nicht genug ist um die uebliche Saison zu belassen. Man muss dazusagen, dass das direkt nichts mit Schonbestimmungen zu tun hat. Das ist ein reines Verteilungsproblem. Die Heilbuttbestaende im Ost-Pazifik werden seit fast 100 Jahren von der IPHC gemanaged (Kanada und USA am Tisch) und die Bestaende gelten als hervorragend und stabil.
Kanada und USA bekommen jaehrlich jeweils eine Fangquote zugeteilt, die schon alle Schonmassnahmen beruecksichtigt – also die ungeschadet entnommen werden koennen. Diese zugeteilte Quote verteilte das kanadische Fischereiministerium dann 88/12% unter den Nutzern. Als klar wurde, dass die Sportfischerei durch diesen Akt von Willkuer einen substanziellen Teil der Heilbuttsaison verlieren wird, sind die Verbaende etc. Sturm gelaufen und haben letzten Winter einen winzigen Erfolg errungen; die Formel wurde auf 85/15% veraendert. Da aber gleichzeitig die IPHC die kanadische Quote fuer 2012 etwas verringert hatte, werden wir diese Jahr wieder um ein Stueck der besten Saison betrogen. Wir hoffen ueber den Winter weitere Fortschritte im Sinne eines fairen Zugangs der Oeffentlichkeit zu einer oeffentlichen Resource zu erzielen.

So, Glenn, als erfahrener Stoerangler am Fraser River, kennt sich bestens aus mit Grossfischjagd und schwerem Geraet. Aber mit Heilbutt hat er noch nicht allzu viel Erfahrung – wollte aber sehr gerne ein paar Filets mit zur Familie nach Hause nehmen.
So packte ich sowohl das Lachs als auch das Buttgeschirr ins Boot und wir trafen 8:30 Uhr morgens bei der Pedder Bay Marina ein. Von da aus war es ein kurzer Weg zu meiner Heilbuttstelle und die Lachsstellen vor East Sooke waren in Reichweite. Von downtown Victoria aus waere es zu weit bis zu den Sooke-Lachsstellen gewesen.

Das Wasser war spiegelglatt und es war ein Genuss in der warmen Morgensonne dahinzubrettern. Nach 10 Minuten waren wir an der Stelle. Es waren schon 4 andere Boote im Umkreis verankert und ich suchte einen Ankerplatz der genuegend Platz in alle Richtungen zu den anderen Booten liess um beim Stroemungsumschwung mit einem Schwingradius von 150 m keinem Anderen in das Gehege zu kommen.

Dann liessen wir den Chumbeutel am Downrigger mit allerlei Fischresten zum Grund in 103 m Tiefe ab. Dann montierten wir eine Rute mit Makrele und eine mit Hering und Lachshautstuecken. Beide Koeder wurden noch ordentlich mit etwas Stinkoel betraeufelt und dann mal sehen was kommen wuerde. Ich war vorsichtig optimistisch.

Die Stroemung war noch recht stark aber mit den 1 kg Bleien kamen wir doch mit einem ca. 60 Grad Winkel an der Schnur am Boden an. Der Vorteil einer guten Stroemung ist, dass der Koederduft sich schnell und weit verbreitet.
Wir machten es uns bequem und ich erzaehlte Fischgeschichten von meinen diesjaehrigen Angeltouren nach Malcolm Island und Nootka Sound und Glenn hatte paar Stoergeschichten parat. Daneben hoffte ich immer wieder laut, dass bloss keine grossen Dornhaischwaerme unsere Koeder finden moegen und uns staendig das Geschirr 100 m nach oben kurbeln lassen wuerden.

Nach ca. 20 Minuten zuckte es 2 mal heftig an Glenn’s Rute. Noch bevor ich was sagen konnte, riss er die Rute aus dem Halter und schlug an. Kurzer Widerstand und Glenn kurbelte weiter – dann nichts mehr! Mist. Ich rief er solle es sofort wieder zum Grund ablassen, da hungrige Butts auch zwei- oder gar dreimal beissen wenn man sie noch nicht zu arg verschreckt hatte. Glenn liess den Koeder wieder ab und nahm Fuehlung auf und nach 10 Sekunden bestaetigte er, dass wieder etwas am Koeder herumfrass. Diesmal wartete er geduldig bis der Fisch abzog und schlug dann an.

Der hing! Er fuehlte die typischen Heilbuttkopfstoesse und begann mit seinem morgendlichen Fitnessprogramm! Ich machte die Harpune fertig und legte das Gaff bereit. Nach vielem Gestoehne hatte Glenn den Fisch endlich oben. Ein kleiner Butt von ca. 17 Pfund tauchte auf. Ich gaffte ihn schnell und warf ihn in die Fischtruhe.

Glenn setzte sich erschoepft hin und laechelte seelig ueber seine Beute und dachte wohl an einige leckere Fischessen mit der Familie. Ich sagte nur, dass ich ihm das naechste Mal einen 100 Pfuender wuensche – er schaute mich erschrocken an und wehrte ab: bitte nicht!! So eine Sissy!

Schnell bekoederte ich Glenns Rute neu und er liess wieder ein. Runter geht’s schoen und schnell! Lol Glenn erzaehlte mir gerade was und hatte seine Rute nicht im Blick als ich wieder 2 kraeftige Rucke an seiner Rute sah. Ich hiess ihn warten und bei Wiederholung erstmal 4-5 schnelle Kurbelumdrehungen machen mit der Rute noch im Halter um den Haken schnell zu versenken. Als nach kurzer Wartezeit die Rute wieder heruntergerissen wurde, kurbelte Glenn los und nahm dann die Rute auf. Fish On! Diesmal zog der Fisch kurz Schnur von der Rolle bevor Glenn mit dem Pumpen anfangen konnte. Nach 1-2 Minuten stieg der Fisch ploetzlich aus!

Na so was! Die Burschen sind doch sonst nicht so zimperlich! Glenn liess wieder hinab aber konnte diesmal keinen Nachbeisser erzwingen. Nach 10 MInuten brachte er das Geschirr nach oben ich wir mussten den gestohlenen Hering ersetzen. Als ich gerade mit Bekoedern fertig war und mir die Haende wusch, rief Glenn mir zu und zeigte auf meine Rute die sich bis zur Wasseroeberflaeche verneigte und den Rutenhalter beaengstigend knirschen liess.

Ich bekam die Rute mit Ach und Krach aus dem Halter und es lief schon Schnur von der Rolle. Ich zog kurz entgegen aber der Fisch hing wohl und tobte da unten herum. Ich fragte Glenn ob er den Fisch drillen wollte und wollte die Rute gerade an ihn abgeben – er zoegerte aber einen Moment in Gedanken an die Schwerstarbeit – als er dann endlich bereit war und ich die Rute uebergeben wollte, fuehlte ich wie die Schnur schlapp wurde. Arrrgggg! Haette ich bloss selber...! Ich liess wieder ab aber der hatte wohl Lunte gerochen!

Die Makrele war direkt am hinteren Haken abgebissen und halbiert. Der hintere Haken musste wohl knapp gefasst haben aber dann herausgeschlitzt sein. So eine vorsichtige Bande heute, dachte ich. Sonst inhalieren sie den Koeder bis tief in den Schlund...!?

Ich liess die halbe Makrele ‘dran und steckte noch eine halbe an den hinteren Haken. Wieder schoen einstaenkern – brrr, das Zeug stank wie Pumapisse – wer’s halt mag! Und ab ging das Geschirr wieder auf Tauchstation.

Nach vielleicht 40 Minuten sah ich einen ganz vorsichtigen Zupfer an Glenns Rute und beim 2. etwas staerkeren Zupfer machte ich ihn darauf aufmerksam. Glenn stand bereit mit den Haenden an der Rolle, das Zucken verstaerkte sich und ploetzlich riss die Rutenspitze nach unten und Glenn kurbelte gleichzeitig los. Der sass! Glenn hievte die Rute aus dem Halter und jaulte halb vor Freude halb vor Schmerz auf und begann den Fisch zu bearbeiten. Als er ihn vielleicht 20 m vom Grund weg hatte, hielt er kurz inne um die Rutenhand momentan zu entlasten. Diesen Moment nutzte der Fisch und sausste wieder zum Grund zurueck. Haha, ich lachte laut waehrend Glenn stoehnte und von vorn begann.

Ich schnallte Glenn den Gimbal um, um ihn die Arbeit zu erleichtern. Da sah ich wie es an meiner Rute riss! Zweimal verneigte sich die Rute kraeftig nach unten. Als ich da war konnte ich nichts mehr spueren. Ich hob den Koeder kurz an – nichts!
Ich liess ihn zurueck auf den Grund plumpsen – da, eindeutig Biss. 2-3 mal ruckelte es bevor ich einen stetigen Zug bemerkte. Ich liess den Fisch noch 3 Sekunden ziehen, presste dann den Daumen auf die Multirollenspule und schlug an. Nicht dass ich die Rute besonders weit nach hinten gerissen bekommen haette beim Anschlag – die Rute bog sich nur bis zum Handteil durch.

Tja, Doubleheader! Jetzt waren wir beide an einen Butt gefesselt und jeder musste sich bei der Landung selber helfen. Gluecklicherweise waren es keine Monsterbutte.

Glenn’s Fisch schien zwar enorm gewachsen zu sein seit er kurz wieder zum Grund gebrettert war; als der Fisch oben ankam erklaerte sich das Phenomen sehr schnell: der obere Haken hing im Maul und der untere Haken hing in der Haut kurz ueber der Schwanzflosse. Ein Heilbuttrollmops! Bei seinem kurzen Sprint musste der Fisch wohl den freien Haken bei einem Schwanzschlag eingefangen haben. Kein Wunder dass das in der Stroemung sich wie eine Sperrholzplatte angefuehlt hatte!

Glenn gaffte den etwa 15 Pfuender selber und reichte mir das Gaff als ich meinen Fisch neben dem Boot hatte. Der war etwas groesser wenn auch kein Riese. Die Waage zeigt spaeter 22 Pfund. Das war genug Butt! Die Truhe war halb voll und wir wollten es lieber noch auf Silber probieren.

So lichteten wir den Anker und duesten die 20 Minuten bis zum Beechey Head in East Sooke. Seltsamerweise wurde das Wasser immer rauher je weiter wir nach Westen kamen. Der Wind nahm stetig zu. Es war zwar fischbar aber nicht sehr gemuetlich. Wir versuchten es eine Dreivieltelstunde dicht unter Land auf Gross-Chinook mit Koederfisch, konnten aber keinen Biss verbuchen. Ich beschloss daher lieber noch etwas auf Cohojagd etwas weiter draussen zu gehen.

Waehrend wir ins etwa 150 m tiefe Wasser tuckerten, bekoederte ich drei Ruten mit 2 Blinkern und einem Plastiksquid und verteilte die Koeder auf Tiefen zwischen 20 und fast 40 m. Es dauerte nicht lange da fanden wir einige Schulen hungriger Cohos. Die Bisse kamen an allen Ruten verteilt und teils recht heftig. Durch das schaukelige Boot und teilweise Doubleheader-Chaos verloren wir viele Fische im Drill – ich glaube ich landete nur einen von 5 oder 6 Cohos die ich ‘dran hatte. Das muss doch irgendwie ein Negativrekord sein! Glenn brachte ein paar mehr an das Boot, die sich aber leider alle als unmarkierte herausstellten und wieder schwimmen durften.

Aber wir hatten einen Riesenspass und wenn die Cohos auch nur 5-8 Pfund waren, so lieferten manche einen spektakulaeren Drill ab mit mehreren Spruengen und einigen rasanten Fluchten. Paar Male dachten wir wir haetten einen groesseren erwischt, was sich dann aber auf Sicht wieder relativierte.

So konnten wir dann doch kein Silber neben Braun in die Kiste legen aber mit den vielleicht 12, 13 Cohodrills innerhalb 1,5 Stunden waren wir sehr zufrieden. Als wir am fruehen Nachmittag einpackten und gen Osten fuhren wurde das Wasser wieder spiegelglatt. So einen drastischen Windunterschied innerhalb weniger km Kueste hatte ich auch noch nicht erlebt!

Ein toller Tag zum Ende der Heilbuttsaison 2012!

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Beitragvon cohosalmon » 05.11.2012 - 4:57

Hier mal eine Angelshow die die Heilbuttangelei hier im Pazifik beschreibt (erster Teil). Praktisch die selbe Taktik wie hier in BC, Kanada.

http://www.youtube.com/watch?feature...v=m_9xdbnXJ_M#!

Hoffe das laeuft!?

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25.3.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 29.03.2013 - 7:39

Here we go.... nach langer Abstinenz, endlich mal wieder was zu berichten! Die Eishockeysaison is abgewickelt – herzlichen Glueckwunsch an meinen Grossen – Vizemeister von Vancouver Island! – und den zweiwoechigen Deutschlandurlaub bei sibirischer Kaelte gut ueberstanden. Ich hatte es natuerlich nicht ganz ohne jegliches Angeln in Deutschland ausgehalten. Der Rhein, mein altes Revier, rief nach mir. An einem ertraeglich kalten Abend marschierten Ricardo und ich runter zum Fluss und warfen ein paar am Tage zuvor ausgesuchte Gummifische aus. Trotz der Unkenrufe meines Vaters, es gaebe keine brauchbaren Fische mehr im Rhein, konnte ich bald einen schoenen 72 cm Zander ueberlisten. So ganz habe ich es also noch nicht verlernt, das Angeln der deutschen Art!

Apropos Angeln in Deutschland, ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass fast alle kleinen Angellaeden in den Staedten verschwunden sind. Auch Moritz in Duesseldorf war weg. Dafuer habe ich einen neuen Grossladen entdeckt: Fisherman’s Partner. Eine ordentliche Auswahl muss ich sagen. Hat Spass gemacht da herumzustoebern! Aber was ist denn mit den anderen Geschaeften passiert? Kauft Ihr alle keine Angelgeraete mehr ueber die Theke?

Nachdem wir all wieder heil auf der Insel gelandet waren, war es dann am Montag und Dienstag soweit mal wieder den platten Grossraeubern nachzustellen. Ich hatte nach der langen Rueckreise noch diese beiden Tage freigemacht um den Jetlag beim Angeln besser zu ueberstehen. Claude, unser Heilbuttfluesterer hier, der sein eigenes Boot immernoch nicht startklar hat, war Feuer und Flamme mit mir rauszufahren an beiden Tagen. Die Heilbuttsaison war seit dem 15.4. wieder offen und die Gezeiten waren top ueber diese Tage. So liessen wir Red Hot um ca. 9:00 Uhr Montagmorgen zu Wasser an der Pedder Bay Marina und duesten hinaus zu den Buttgruenden. Um 11:00 sollten Gezeiten-bzw. Stroemungswechsel sein. Die Zeit kurz davor und danach ist immer die vielversprechendste.

Ich hatte mir das 100 m tiefe Plateau ca. 2 km vor Pedder Bay ausgesucht. Nach meinen jahrelangen Aufzeichnungen war diese Gegend bei den vorherrschenden Gezeiten und dieser Jahreszeit die richtige Wahl. Es ist nichts als ein tiefes Plateau mit weichen Grund, dass von einigen felsigen Untiefen und Riffs durchwirkt ist. Bei moderater oder geringer Stroemung zogen dort die Banden hungriger Heilbutte umher. Und da ist es auch nicht so wichtig wo genau auf diesem grossen Plateau man ankert, solange man ordentlich feinen Dinnergeruch unter Wasser verbreitet.

Das neue Ankergeschirr funktionierte perfekt; um 9:30 Uhr hingen wir fest und liessen zwei Ruten ein. Claude, ein Type der besonderen Art: ein freundlicher, ueberaus hilfsbereiter, geselliger aber ultra-sparsamer Francocanadier, kauft sich nie neues Angelgeraet. Alles ist selbstgebastelt oder auf Garagesales oder Flohmaerkten erhandelt. Selber sehr geschickt und mit allen Werkzeugen versehen, kann er auch alles reparieren oder herstellen. So benutzte er auch an diesem Tag einen unansehlichen Pruegel als Rute und eine antike Holzrolle. Die zwei Drillingshaken, die er seinem Koederhering verpasste, sahen fuer mich rostig aus – auf eine Bemerkung von mir hin zaehlte er mir auf wieviele Butte er damit schon gelandet hatte – waehrend er sie haarscharf anfeilte. Ich meinte nur laechelnd, dass es dann wohl vielleicht an der Zeit waere, diesen Haken ihre verdiente Rente zu goennen. Entschlossen mir zu zeigen, was noch alles in diesen alten rostigen Haken drinsteckte, liess er seinen Koeder zum Grunde ab und steckte den Pruegel in den Rutenhalter.

Ich montierte den Duftsack am Downrigger an meiner Seite und liess die Leckerlies auch zum Grund. Meine Rute war wie immer mit ganzem Hering und einem Glow-Plastik-Oktopus bestueckt. Dann begann das Warten. Wir waren beide heiss auf Drills und tolle Fische. Gott sei Dank hatten wir beide viel zu erzaehlen weil wir uns in den letzten Wochen und Monaten nicht viel gesehen hatten- denn es tat sich erstmal nichts.

Als Claude noch sein eigenes Boot (10 Yacht) in Betrieb hatte, bin ich eigentlich nie mit meinem Boot zur Heilbuttjagd raus gefahren. Musste ich auch nicht. Claude war schon seit Jahren ein Heilbuttexperte und fuhr eigentlich fast jeden Tag zum Angeln. So sprang ich lieber mit auf sein Boot als mich selber zu bemuehen. Ich lernte von ihm fast alle meiner Tricks und Kniffe der Heilbuttjagd – bis auf den Geraetegeiz, da entwickelte ich meinen eigenen Geschmack. Claude hatte schon mehrfach hervorragend bei Derbies und Tournieren abgeschnitten. Auch in meinem eigenen Fishing Derby war er schon bester Skipper gewesen.

Nach der deutschen Kaelte, genoss ich das traumhafte Fruehlingswetter auf dem Boot. 15 Grad und Sonne pur. Nur die Fische wollten nicht. Was war nur los? Drei andere Boote waren in ca. 200 – 400 m Entfernung um uns verankert. Da tat sich offensichtlich auch nicht viel. Der Funk blieb still. Komisch. Wir checkten unsere Koeder ein paar Mal. Alles ok. Dann ruckelte es etwas an Claude’s Rute. Das war kein Butt. Nach ein paar Minuten hatte Claude genug davon und ruckte an und zog ein. Nach langem Kurbeln tauchte ein Ratfish auf. Meerkatze in Deutsch. Claude meinte, das waere ein gutes Zeichen weil oft ein Heilbutt biss wenn man vorher Ratfish fing. Woodoo? Jedenfalls ein Lebenszeichen vom Meeresgrund.

10 Minuten spaeter holte Claude schon wieder einen Ratfish hoch. Auch dieser durfte natuerlich wieder schwimmen. Wir hatten uns gerade wieder in ein Gespraech bei einem Bier vertieft, als ich Claude’s Rute hinter seinem Ruecken eine tiefe Verneigung machen sah. Gleichzeitig jaulte seine Rolle auf! Biss!

Fast aufreizend langsam holte Claude seine Rute aus dem Halter und nahm Fuehlung auf. Einen Moment schien nichts mehr da zu sein aber dann riss es ihm fast die Rute aus der Hand und der Kampf ging los. Der Fisch machte ordentlich Dampf und liess keinen Zweifel an der Gattung. Aber Claude hielt dagegen und hievte den Fisch Meter um Meter herauf. Es konnte kein Riese sein denn er musste keine Schnur geben – nur sich einstemmen wenn der Fisch nach kurzen Pausen wieder tobte. Ich konnte Claude lachend sagen wie viel Meter noch zu kurbeln waren denn ich sah seine Schnur und Fisch auf meinem Echolot hochkommen. Endlich war er oben und da lag der halbstarke Butt neben dem Boot. Vielleicht knapp 20 Pfund schaetzten wir. Nach so langer Durststrecke entschieden wir ihn mitzunehmen. Wer weiss ob noch viel passierte heute. Und das Gaff besorgte den Rest.

Und es war eine gute Entscheidung denn ausser einem kleinen Dornhai, diesmal an meiner Angel, konnte sich kein Flossentraeger mehr fuer unsere Koeder begeistern. Um 15:00 Uhr packten wir ein und fuhren zurueck zur Marina. Da wir am naechsten Tag wieder raus wollten und ich noch an meinem Anhaenger ein paar Reparaturen vornehmen wollte, parken wir Red Hot an der Marina. Beim Filettieren musste ich mir dann mehrfach anhoeren wieviel besser doch die rostigen Haken heute abgeschnitten haetten und wie dumm wir wohl aus der Waesche schauen wuerden, haette Claude auf meinen Rat gehoert und die alten Dinger entsorgt.... Hmm...

Foto1: Rheinzander
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2 & 3: Mt. Baker
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4: Blick auf Victoria
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5 & 6: Claude am Kaempfen
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7: In der Kiste!
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26.3.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 29.03.2013 - 7:46

Etwa um die gleiche Zeit wie gestern trafen wir in Pedder Bay ein und brauchten diesmal nur an Bord zu gehen. Auf dem Weg aus der Marina besprachen Claude und ich den Game-Plan. Claude meinte wir sollten es an einer der felsigen Untiefen vor Pedder Bay versuchen. Ist erstmal naeher und zweitens hatte er so ein Gefuehl nachdem wir im Tiefen nicht so berauschenden Erfolg hatten gestern, vielleicht zogen die Butte ja im Flacheren um die Riffs umher. Ich stimmte zu.

Keine 7 oder 8 Minuten spaeter waren wir vor Ort. Ein weiteres Boot ankerte etwa 200 m ueber den Auslaeufern des Unterwassergebirges. Wir warfen den Anker direkt ueber der Bergspitze in etwa 53 m Tiefe. Bis die ganze Ankerleine raus war (ca. 160 m) sassen wir in ca. 70 – 80 m Tiefe. Das Gute am Ankern direkt auf der Bergspitze ist, dass die Stroemung einen immer auf der stromabwaertigen Seite fischen laesst – wo sich auch die Fische vorzugsweise aufhalten wenn sie im tieferen lauern auf alles was ueber den Berg gespuelt kommt.

Ich setzte diesmal auf eine Makrele als Koeder und traeufelte noch kraeftig Lockstoff auf den Duftsack bevor ich alles hinabliess. Claude vertraute wieder seinem mit rostigen Haken bestueckten Hering. Wir merkten bald, dass hier der Untergrund anders geartet war. Als wir langsam von der wechselnden Stroemung um den Ankerpunkt herumschwangen, hing Claude’s Geschirr zweimal fest am Grund. Gluecklicherweise konnte er es beidemale wieder losbekommen. Wir wollten ja nur nicht die rostigen Haken verlieren!

Ich passte scharf auf, dass sich nicht etwa das Dowriggerblei mit Duftsack festhing. Nach etwa einer Stunde knabberte bei mir was am Koeder. Ich zog ein paar Mal an und merkte schliesslich, dass etwas am Haken haengen musste. Ich kurbelte schnell hoch und wieder kam ein Ratfish zu Tage. Sehr gut meinte Claude nur. Es war nun die Zeit des Stroemungsstillstandes bevor sich die Richtung dann drehte und die Stroemung wieder zunahm. Und als ob der Ratfish tatsaechlich ein Warnzeichen waere, verneigte sich ploetzlich Claude’s Rute und die Rolle schnurrte los. Das ist doch....! Gelassen und leicht grinsend ging Claude wieder ans Werk. Die regelmaessigen Kopfstoessen liessen keinen Zweifel – das war ein Hali! Ich liess noch schnell meinen neubestueckten Haken wieder hinunter um vielleicht den groesseren Bruder dieses Fisches zu fangen.

Der Koeder konnte noch nicht am Grund gewesen sein – ich schaetze so 20 m ueber Grund – als die Schnur ploetzlich stoppte. Ich stutzte einen Augenblick, schloss die Rolle und kurbelte ein paar Umdrehungen bis ich Widerstand fuehlte. Ich spuerte 2 – 3 kraeftige Rucke am anderen Ende und ruckte zurueck. Irgendetwas hing und zog zurueck. Ich begann zu pumpen und gewann ein paar Meter. Dann wurde es ploetzlich richtig schwer und nichts ging mehr. Ich spuerte auch keine Rucke mehr. Sehr seltsam.

Claude schaute auch schon misstrauisch herueber ob ich nicht bald mit Gaff oder Harpune kommen wollte – er waere gleich oben.
Als ich paar Mal kraeftig an der Schnur riss merkte ich was los war: ich hing am Downriggerkabel fest. Mist! Ein Knopfdruck brachte alles nach oben. Tatsaechlich hing der Spreizdraht am Kabel fest, meine Makrele war arg zerfleddert. Wir vermuteten, dass sich ein Fisch den hinunter flatternden Koeder kurz geschnappt hatte, dann beim Wegschwimmen aber am Kabel verfangen hatte und dann den Haken wieder losgeworden war. Koennte ein Lachs oder ein Lingcod, vielleicht auch ein Butt gewesen sein.

Naja, Claude machte da nicht so viel Aufsehen und ich durfte gleich wieder einen Butt fuer ihn gaffen. Selbes Kaliber wie gestern. Claude konnte es nicht lassen, wieder aufreizend seine rostigen Haken vor meinen Augen nachzuschaerfen. Alles nur Glueck!

Nachdem Claude noch einem Ratfish kurz das Tageslicht gezeigt hatte, war wieder Ruhe. Die Stroemung nahm jetzt merklich zu. Ich musste auf 1 kg Bebleiung erhoehen. Claude fischt sowieso nie mit weniger. Nach 2 Stunden liess die harte Stroemung ploetzlich nach ich war gerade dabei meinen Koeder zu kontrollieren als ich hinter meinem Ruecken das bekannte Holzrollenschnurren hoerte. Das gibt’s doch nicht! Claude schnappte sich seine Rute und schlug an. Haha, die Rute war wieder krumm. Claude drehte sich schweigend zu mir um und drueckte mir mit einem triumphierendem Laecheln seine Rute in die Hand. Er haette genug getan heute, meinte er dann. Nun gut, so durfte ich also mit dem Pruegel und den rostigen Haken endlich mal wieder einen Butt drillen.

Der Fisch machte ganz schoen Radau und liess mich 2 mal die Rolle kurz sausen lassen. Nach und nach gewann ich die Oberhand und der Fisch tauchte auf. Ein Stueck groesser als der davor – wenn auch kein Riese aber 30 Pfund duerfte er gut haben. Claude jagte ihm die Harpunenspitze durch die Eingeweide und zu zweit erledigten wir ihn noch ausserhalb des Bootes. Ein kleine Dusche war fuer uns beide noch mit einbegriffen. Zufrieden packten wir ihn zu dem anderen in die Kiste. Damit waren wir fertig – diese Saison darf man nur einen Butt pro Tag pro Lizenz behalten.

Beim Einpacken wiess Claude nochmal ausdruecklich auf die rostigen Haken hin. Vielleicht sollte ich ja ab jetzt auch mal mein Geschirr in Salzwasser einlegen bis es faengig ist!

Zurueck an der Marina filetierten wir die 2 schoenen Fische. Der Heilbuttfluesterer hatte mal wieder alles richtig gemacht. Nach einer kurzen Zeit kam ein anderer Angler mit einem 94 Pfuender zum Schlachttisch. Moechte mal wissen wie rostig seine Haken gewesen sein mussten!! Vielleicht beim naechsten Mal!

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7.4.2013; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 16.04.2013 - 23:58

Dieser Bericht kommt etwas spaeter als geplant aber besser als gar nicht, denke ich. Vorheriges Wochenende sah erst nicht so aus als ob eine Bootstour vor Victoria moeglich waere. Das heisst, irgendwo findet man um Victoria herum immer windgeschuetzte Meeresarme, Fjorde oder Buchten – egal woher und wie stark der Wind weht. Aber ich hatte es auf Heilbutte abgesehen und meine Topstellen liegen nun mal in der offenen Juan de Fuca Wasserstrasse. Und dort stuermte es Freitag und Samstag und auch Sonntag war unguenstiger Wind angesagt. Aber wie es manchmal so kommt...

Mein Freund Larry rief mich So frueh an und fragte ob wir nicht ‘rausfahren wollten. Er muesste mal wieder raus um salzige Luft zu schnuppern. Er hatte monatelang Probleme mit einem Schultergelenk und konnte selber keinesfalls ein Boot betaetigen. Selbst ein Fischdrill war zu heikel, aber er waere gerne mit an Bord um wenigstens dabei zu sein. Er meinte der Windbericht haette sich total geaendert ueber Nacht und saehe gut aus fuer den Rest des Tages.

Das liess ich mir nicht zweimal sagen. Im Nu hatte ich das Boot fertiggemacht und Koeder aus der Tiefkuehltruhe geholt. Eine Stunde spaeter stand ich vor Larry’s Tuer und 30 Minuten spaeter an der Bootsrampe in Pedder Bay Marina. Mit zwei Lizenzen an Bord konnten wir 2 Butte behalten; leider nichts ueber 60 Pund (126 cm). Die diesjaehrigen Bestimmungen (seit 1.4.) beschraenkten den Sportfang auf 1 Butt pro Tag pro Lizenz, 2 im Gepaeck, wovon aber nur einer ueber 83 cm und keiner ueber 126 cm sein darf.

Um darauf mal einzugehen; falls jemand von Euch dieses Jahr einen BC Urlaub geplant hat um seinen Butt des Lebens zu fangen, plant besser um – entweder nach Alaska dieses Jahr oder verschieben auf 2014. Das Ganze hat leider nichts mit Artenschutz oder aehnlichem zu tun. Die Regierung hat wiedermal auf die starke Berufsfischerlobby gehoert und denen den Loewenanteil der jaehrlichen BC Heilbuttquote ueberlassen. Und die Berufsfischerflotte setzt keine grossen Butts zurueck! Die kanadischen Buttbestaende sind gut und stabil – habe ich selber auf der vor kurzem stattfindenden International Pacific Halibut Commission Conference von den Wissenschaftlern erfahren.
Wir Angler waren wieder mal zu leise und unorganisiert um im Elefantenkonzert mithalten zu koennen und mussten also mal wieder den Kuerzeren ziehen. Mit der zugeteilten Fangquote war rechnerisch keine volle Heilbuttsaison zu ermoeglichen – entweder wir haetten jede Groesse behalten duerfen –dafuer waere die Buttsaison aber mitten im Sommer vorbei gewesen (Alptraum fuer die Lodges) oder aber eben nur kleinere Butte behalten und dafuer laenger angeln. Erschiessen oder Giftspritze – beides qualvolle Optionen fuer die Sportfischerei dieser Kueste. Gott sei Dank hat dieses Ereignis die Anglergemeinschaft (immerhin werden in BC jedes Jahr ueber 300000 Angellizenzen verkauft – bei 4 M Einwohnern) aufgeruettelt und es sind starke Interessenvertretergesellschaften gegruendet worden, die sich das Ziel gesetzt haben, mal Klartext mit den Entscheidungstraegern in Ottawa zu reden. Immerhin gibt es hier hunderte kleine Kuestenorte in denen die Sportfischerei und der zugehoerige Tourismus die weitaus groesste Einnahmequelle und damit die Existenzgrundlage ist. Wir hoffen, dass naechstes Jahr die Voraussetzungen fuer Angler wieder besser sind.

Zurueck zum Sonntagstrip. Bei herrlichem Sonnenschein und etwa 15 Grad fuhren wir den Pedder Bay Fjord hinaus auf die Juan de Fuca Strait. Ich steuerte zielstrebig zum Mudhole, mein bekanntes 100 m tiefes Plateau, auf dem bei den vorherrschenden Gezeiten immer paar hungrige Butts umherziehen. Larry war’s egal, er genoss einfach mal wieder auf dem Wasser zu sein und Fisch zu quatschen.

Angekommen, fand ich noch gerade genug Platz zum Ankern zwischen 3 anderen Booten. Ich halte einen Mindestsicherheitsabstand von ca. 200 m zu anderen verankerten Booten um ja nicht in deren Ankerschwingradius zu kommen. Zuerst liess ich den Duftsack am Downrigger zum Boden, oder besser 10 – 20 ueber Boden. Der Inhalt des Duftsackes waren Koederreste der letzten Tour und ein paar alte Lachsinnereien – verfeinert mit But Juice. Dann schnell 2 Ruten montiert, eine mit Hering und eine mit Makrele und ab zum Boden.

Nach keinen 10 Minuten riss es zweimal kraeftig an der Backbordrute. Larry warnte mich weil ich gerade die Harpune montierte und beschaeftigt war. Ich sprang hinzu, sah die Rutenspitze noch einmal rucken, nahm die Rute in die Hand und nahm Fuehlung auf. Nichts mehr. Ich gab etwas Schnur nach, zog wieder etwas an um den Butt zum nochmaligen Zufassen zu animieren. Aber es passierte nichts mehr. Ich steckte die Rute wieder in den Halter; es war unwahrscheinlich, dass der ganze Koeder abgefressen war und ausserdem hatte ich immer noch den Glow Gummioktopus ueber den beiden Haken. Vielleicht kam er ja doch noch wieder. Heilbutte sind oft sehr gierig.

Nach 10 weiteren Warteminuten gab ich auf und zog die Rute ein. Der Hering war halb abgebissen; der hintere grosse Einzelhaken hing lose heraus. Wie konnte er nur den halben Hering erwischen ohne an dem hinteren Haken festzuhaengen? Vielleicht war der Haken einfach zu gross und nicht feindrahtig genug. Es war ein Edelstahlhaken ca. 12 cm lang und mit einem Hakenbogen von fast 5 cm. Naja, ich liess einfach den halben Hering ‘dran und montierte ein frisches Heringshinterteil an dem hinteren Haken. Sah sehr buttlecker aus!

Dann tat sich eine Stunde gar nichts mehr. Larry und ich quatschten ueber dieses und jenes. Da meinte ich ein leichtes Ruckeln an der Steuerbordrute wahrgenommen zu haben. Es wiederholte sich allerdings nicht mehr und ich meinte schliesslich ich muesste mich getaeuscht haben. Es war aber auch Zeit diesen Koeder mal zu kontrollieren. Larry versuchte sich aber meinte, dass waere zu viel Arbeit fuer seine kaputte Schulter. Ich uebernahm und meinte auch, dass das ungewoehnlich schwer war. Aha, aus der Tiefe kam ein Ratfish um mein Vorfach gewickelt hoch. Claude’s Heilbuttansager! Na dann. Koeder erneuert und ab ging’s wieder auf Tauchstation.

Kurz darauf bemerkte ich Bewegung auf dem Echolot. Ein Strich loeste sich vom Boden und kam etwas hoeher – vielleicht um den Duftsack zu untersuchen und hoffentlich dabei gleich unsere Koeder zu kosten. Wie auf Ansage zog es ploetzlich wieder die Backbordrutenspitze ganz leicht um ein paar Zentimeter runter, noch ein bisschen mehr – wie beim Schleienangeln! - ich hatte meine Hand an der Rute und wollte gerade die Rute vorsichtig aus dem Halter nehmen als die Rute augenblicklich ‘runterriss und sich voll unter Spannung setzte. Muehsam gab die Rolle etwas Schnur her aber ich hatte Muehe die vollgekruemmte Rute aus dem Rutenhalter zu hebeln. Der machte ordentlich Betrieb!

Endlich war ich in Kampfposition und rammte das Rutenende in den Kampfgurt. Der Fisch haemmerte wild drauflos und riss ein paar Meter Schnur von der Rolle. Muehsam konnte ich ein paar Meter gewinnen, die der Fisch sich gleich wieder zurueckholte. Der war munter, klasse! Als ich ihn dann endlich 10 – 20 Meter vom Grund weg hatte, ging der Fisch in den Traegheitsmodus ueber. Nur alle 10 m Tiefenunterschied ruettelte er mal wieder kraeftig seinen Kopf und versuchte sich stur nach unten zu orientieren. Nach einer guten Weile tauchte die braune Silhouette im Wasser auf. Als er das erste Mal die Oberflaeche durchbrach, tobte er nochmal wie von Besinnung los, schlug dabei kraeftig gegen meinen Schleppmotor und spruehte uns beide ordentlich nass. Al s er dann endlich fertig war mit seinem Tanz, sank Larry die Harpunenspitze durch den Fisch und er war uns sicher. Na wie klasse war denn das? Praktisch den Biss am Echolot vorausgesagt!

Als ich ihn aussen am Boot vertaeute und abstach, fiel mir auf, dass der Fisch nur am oberen Haken hing und der grosse Edelstahlhaken wieder nicht gefasst hatte. Ich wollte jetzt zur Beiszeit nicht am Geraet herumdoktoren, wollte mir den Haken aber beim naechsten Geraetecheck zu Hause mal genauer ansehen. So bekoederte ich neu und liess das Geschirr wieder hinab zu hoffentlich noch weiterhin ertragreichen Buttgruenden.

Weil der Biss so vorsichtig begann, starrte ich nun wie gebannt von Rutenspitze zu Rutenspitze und ab und an mal zum Echolot. Eine halbe Stunde spaeter verteilte Larry gerade Knabbereien als ohne irgendeine Vorwarnung sich die Steuerbordrute tief verneigte und mit der Rutenspitze im Wasser stehen blieb. Die Rollenbremse kreischte kurz auf. Ich zog den Bremshebel etwas zurueck um mir das Entnehmen der Rute vom Halter etwas leichter zu machen. Als ich die Rute in der Hand hielt, schien es kurz als ob der Fisch losgelassen hatte. Ich zog vorsichtig etwas entgegen und sofort wurde dies mit energischem Kopfschuetteln beantwortet. Jetzt zog ich die Bremse fest und schlug an. Der sass!

Wieder wurde es ein Hin und Her bis ich den Butt etwas vom Boden weggearbeitet hatte. Dann war es nur noch Gewichtheben mit gelegentlichen Tobsuchtanfaellen des Fisches. Sah klasse aus wie der Butt im klaren Wasser langsam auftauchte. Er war jetzt seinem Schicksal ergeben und schwamm bald ganz friedlich neben dem Boot. Ich hatte fast mitleidige Gefuehle fuer dieses schoene Tier als Larry die Harpune in ihm versenkte. Er musste wohl glatt durch die Wirbelsaeule hindurch gestochen haben denn bis auf ein momentanes kurzes Aufbaeumen war der Fisch ganz schnell erledigt und ganz ruhig. Wir vertaeuten beide zusammen am Heck. Fast die gleiche Groesse. Spaeter wogen wir beide: 22 und 24 Pfund. Eine schoene Kuechengroesse.

Waehrend der Fisch im Wasser ausblutete, berieten wir, was wir nun machen wollten. Catch & Release auf Heilbutt weiterangeln – da muessten wir das Geraet umstellen um keine Butts aus Versehen zu verangeln. Ausserdem war 100 m Tiefe keine verlockende Aussicht die Butts nur zum Spass hochzudrillen. Zumal Larry sowieso ausser Gefecht war. Wir wollten uns das fuer ein anderes Mal im Flacheren aufheben. Wir beschlossen mal kurz nach Whirl Bay hinueberzuduesen, um zu sehen ob dort irgendwas auf Lachs ging. Ich aergerte mich, dass ich keine Pilkruten mithatte. Es waere ein perfekter Tag gewesen, mal an ein oder zwei Stellen zu versuchen Lachse mit der Spinn/Pilkrute zu erwischen.

Den Anker einholen war gar nicht so einfach. Waehrend der 2-3 Stunden, die wir hier waren, hatten sich noch paar andere Boote in der naeheren Umgebung verankert. Um den Anker jedoch wie ueblich gegen die Stroemung einzuholen (fahrend auftreiben mit dem Einweg-Release), haette ich praktisch mitten durch die anderen Boote vor uns durchfahren muessen, was natuerlich ein No No ist. So musste ich, sobald ich merkte der Anker hat den Boden verlassen, scharf nach rechts abdrehen. Klappte aber sehr gut und wir kamen niemanden in’s Gehege.

In Whirl Bay war es ueberraschenderweise etwas windiger und sogar eine seltene Duenung herrscht hier vor. Wir sahen ein anderes Boot beim Schleppen und erkundigten uns kurz wie es lief. Bis auf einen untermassigen Winter Spring war es tote Hose, meinten die beiden.

Nun ja, wir beschlossen dann gemuetlich wieder zurueck zu schippern. Man muss es ja nicht erzwingen. Es war ein schoener Tag und Larry war gluecklich mal wieder Seeluft geschnuppert zu haben. In Pedder Bay schnitten wir dann die herrlichen Filets von den Graeten – 16 volle Fischmalzeiten fuer eine Familie von 4. Hat sich doch voll gelohnt. Bis hoffentlich bald wieder!


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22.4.2013; Victoria

Beitragvon cohosalmon » 25.04.2013 - 1:18

Ha, da habe ich doch mal die Schlechtwettergoetter ausgetrickst. Nachdem es das ganze letzte Wochenende, ein Wochenende an dem nicht nur das beliebte lokale Heilbuttfestival stattfand sondern auch nahezu perfekte Gezeiten zur Heilbuttjagd vorherrschten, gnadenlos gestuermt hatte und ich keine Chance sah weder am Festival fischend teilzuhaben noch auf eigene Faust eine erfolgreiche Tour zu unternehmen, war bei mir schlechte Laune am Montagmorgen angesagt. Um dem ganzen Reinfall noch die Krone aufzusetzen, begruesste mich Montagmorgen mit strahlender Sonne und kein Lueftchen....!

Ein paar wackere oder besser verrueckte Angler hatten trotzdem Sa und So am Heilbuttfestival teilgenommen und gefischt. Ich hatte So einen Aufkunftstand an der Wiege-und Partystelle in Victoria bemannt und mir einige haarestraeubende Geschichten anhoeren koennen. Das keiner gesunken oder verunglueckt war, war wohl echt nur Glueck. Verankerte Boote ineinander gedriftet, fast gerammt, ein Containerschiff etwas von der Schifffahrtsstrasse abgekommen und zwischen mehreren verankerten Kleinbooten durchgefahren, Angler beim Messen und Behandeln gefangener Fische (Maximimalmass 126 cm) fast ueber Bord gegangen usw... Sa war an vielen guten Heilbuttstellen 2-3 m Seegang. Sonntag war mit knapp 1 m etwas besser. Viele gruene Gesichter von denen die Guides berichteten.

Das ist eben die Gefahr bei einer solchen Veranstaltung wo es um $7500 Preisgeld fuer den Gewinner geht und sie in einer wetterunbestaendigen Jahreszeit abhaelt. Da riskieren einige Kopf und Kragen.

Erstmalig mit dem bloeden Maximalmass von 126 cm dieses Jahr hatte die Veranstaltung sowieso schon einen merkwuerdigen Charakter bekommen. Lagen sonst die Gewinner immer um die 100 Kg Marke, wurde dieses Jahr der schwerste Fisch bis 126 cm belohnt, sowie eine Menge ausgeloste Gewichte und Lospreise vergeben. Klar war, dass es mehrere Fische dicht beisammen an der 126 cm Marke geben wuerde. Kurz und fett war angesagt!

Stellte sich heraus, dass ein guter Bekannter von mir, Justin Wilson, das Glueck gebucht hatte dieses Mal. Nachdem er Sa wegen des Wetters auf das Fischen verzichtet hatte, traute er sich am So mit einem Freund auf sein schickes Boot (26 Fuss Osprey) und in’s Getuemmel an den wenigen etwas geschuetzteren Stellen. Nachdem sie schon einen Butt um die 35-40 Pfund hatten, erwischten sie noch kurz vor Schluss einen von 124 cm und 57,5 Pfund. Da sie den Fisch falls uebermassig wieder freilassen mussten, massen sie ihn lebendig neben dem schaukelndem Boot. Jeder der schon mal einen ordentlichen Heilbutt nebem dem Boot gehabt hat, wird bestaetigen, dass es kein Selbstlaeufer ist die genaue Laenge auf den Zentimeter unter solchen Bedingungen zu bestimmen.

Beim Messen und Wiegen an der Meldestelle konnte Justin gar nicht hingucken. Kurz vorher hatten die Veranstalter noch 2 Teilnehmer abgewiesen, einer 2 cm zu lang einer 0.5 cm!!! Aber Justin hatte alles richtig gemacht: 124 cm und um 0,1 Pfund den bisherigen Ersten ueberholt. Es sollte dann bis zum Schlusspfiff reichen und Justin teilte sich mit seinem Freund die reiche Praemie. Ich goenne es ihm sehr gerne! Er ist ein sehr netter Kerl und ein erstklassiger Angler, der hier grossgeworden und bei seinem seinem Vater und Grossvater alle lokalen Tricks gelernt hat. Er ist im Sommer ein Teilzeit-Guide und ich kann sein Geschaeft nur jedem empfehlen, der hier vor Victoria/Sooke mal nach einem Guide sucht: www.tailspincharters.com

Als ich nun Montag Nachmittag so gegen 15:20 Uhr aus meinem Buerofenster auf einen strahlendblauen und windstillen Tag schaute, schlug eine wilde Entschlossenheit zu. Das Gutachten konnte noch bis morgen warten – die Fische nicht! Es waren nur noch heute und Dienstag gute Heilbuttgezeiten, dann erst in 10 Tagen wieder. Ich rannte zum Auto, dueste nach Hause, packte Ricardo, der gerade von der Schule nach Hause kam, ein, Boot angehaengt, Ruten, Koeder und Snacks eingepackt und auf ging’s zur Victoria Bootsrampe.

Um 16:30 Uhr legten wir ab und ich liess den Motor heulen um moeglichst schnell zur Constance Bank zu kommen. Bei dem ruhigem Wasser konnte ich fast voll aufdrehen und erreichte mein Ziel nach ca. 15 Minuten. Damit es schneller ging machte ich das Geraet alleine klar, bekoederte mit noch gefrorenen Heringen und liess schnell eine, dann die andere Rute hinab. Der Duftsack war schon vorher eingelassen worden. Ich musste Ricardo aber versprechen, dass der erste Fisch ihm gehoerte. Abgemacht!

Ich hatte es auf den Westhang der Bank abgesehen, weil dort die Ebbstroemung Futter von der flachen Bank ins Tiefe spuelen wuerde und die Butte sich am Fusse der Bank vor der Stroemung druecken konnten und sich das Futter nur vor die Nase spuelen lassen mussten. So war mein Plan. Nun war der Westhang nicht ganz gleichmaessig. Er war eher zerklueftet und wiess mehrere Canyons und Untiefen zwischendurch auf. Ich waehlte einen Unterwasserberg der auf 70 m von der 90 m Umgebung heraufkam, als Ankerpunkt. Die schwingende Stroemung wuerde mich dann mal flacher und mal tiefer angeln lassen.

Meine zweite Rute war gerade am Boden angekommen und ich zog ein paar Umdrehungen ein als die Schnur ploetzlich riss und knapp ausser Reichtweite neben dem Boot unterging. Nanu? Was war denn hier los? Ich aergerte mich ueber den Abriss, den ich mir gar nicht erklaeren konnte. War da eine angewetzte Stelle an der Schnur gewesen? Geflochtene Schnur ist nunmal sehr abriebanfaellig. Hm. Ich fertigte eine neue Koedermontage und liess wieder ein. Puff, wieder Schnurbruch! Was zum Teufel...!??

Nun schaute ich mir die Schnurfuehrungsringe genau an und siehe da, die Keramikeinlage des Spitzenrings hatte eine feine Bruchstelle und bildete eine scharfe Kante. So ein Mist! Zwei Montagen wegen diesem Mist geopfert – aber noch schlimmer, wertvolle Angelzeit auf einem Kurztrip vergeudet! Mit mir selbst unzufrieden und vor mich hin schimpfend kramte ich wieder neues Geschirr hervor. Ich beruhigte mich aber bald und troestete mich mit dem Gedanken, dass es Gott sei Dank nicht bei zwei Fischdrills passiert war.

Natuerlich genau in dem Moment in dem ich mehrere Angelkisten und koffer auf dem Deck offen und ausgebreitet hatte, kreischte die Rolle der anderen Rute los wie verrueckt. Erschrocken sah ich die Rute sich fast zusammenfalten und tief ins Wasser neigen waehrend der Rutenhalter beaengstigend knirschte. Die Bremse war jedoch genuegend locker eingestellt, so dass ich trotz des Druckes und des wilden Fisches die Rute herausbekam und in Kampfstellung uebergehen konnte. Da stand aber schon Ricardo neben mir und schaute verlangend herauf. Ok, ok, ich uebergab ihm die Rute, gab ihm noch paar Tips fuer seinen ersten Heilbuttdrill und kramte auch noch den Kampfgurt hervor.

Waehrend Ricardo dem Fisch Meter um Meter abrang, packte ich das ganze umherliegende Angelzeug weg um machte das Landungsgeraet fertig. Die Rute, mit der Ricardo drillte, war eine recht leichte Rute, die sich zwar nicht so sehr fuer 1 kg Bebleiung eignete, aber dafuer den Heilbuttdrill mehr sportlich machte. Ein paar Mal revoltierte der Butt und zog wieder ab und kruemmte die Rute gewaltig. Ricardo sprach von einem Monsterfisch. Ich war mir sicher, dass es nur seine Unerfahrenheit mit Heilbutten und die ungewohnt leichte Rute waren, die ihn taeuschten. Er war ziemlich erschoepft, als der Fisch dann endlich weiss unter dem Boot auftauchte.

Er hatte aber noch ein paar Tricks auf Lager bevor wir seiner habhaft werden konnten. Er sah naemlich das Downriggerstahlkabel, an dem der Duftsack hing, als eine Art Notausgang und raste hinein und wickelte glatt das Vorfach mehrfach darum. Gluecklicherweise war nur das Stahlvorfach am Kabel verwickelt und nicht die geflochtene Hauptschnur. Die wiederum haette die Reibung am Stahlkabel des Downriggers nicht lange ueberstanden und ich haette mit 3 Schnurbruechen dagestanden.

So ging alles noch mal gut. Ich konnte den Butt am Vorfach in Reichweite ziehen und versetzte ihm das Gaff in den Kopf. Dann kam der knapp 85 cm Butt an Bord und nach dem Abschlagen direkt in die Fischkiste. Ricardo jubelte ob seines Erfolges und ich freute mich mit ihm. Auch wenn er einen etwas groesseren Fisch erwartet haette; ich war froh, dass er nicht viel groesser war sonst waere noch weiss was ich passiert.

Wir beschlossen es denn auch dabei sein zu lassen und nicht nochmal zu bekoedern. Es war auch schon 18:30 Uhr und wir wollten noch Fotos machen und den Fisch an der Rampe filetieren. Wir waren zufrieden mit den 1,5 Stunden angeln heute und auch die anfaenglichen Verluste waren ueber den Erfolg vergessen. Und aus dem Frust ueber das verpasste Wochenende wurde Befriedigung ueber eine erfolgreiche Spontanaktion. Aber die Lektion war gelernt: kontrolliere regelmaessig die Schnurfuehrungsringe!

An der Schlachtbank tummelten sich zwei Robben und ein Otter und stritten sich um die Reste, die Ricardo den Tieren Stueck fuer Stueck verfuetterte. Schoener Spass fuer ein Kind!

Die ersten zwei Fotos sind Justins Gewinnerbutt.

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3.5.2013; Victoria

Beitragvon cohosalmon » 08.05.2013 - 1:11

Freitag war frei und somit Angeltag! Mein Freund Dave wollte unbedingt Heilbutte jagen und da die Gezeiten gut aussahen, sagte ich zu. Die beste Zeit zum Ankern war zwischen 9:00 Uhr und 13:00 Uhr. Um Dave auch noch eine Chance auf einen oder zwei Lachse zu geben, beschloss ich frueh morgens bis 9:00 Uhr auf den Oak Bay Flats auf Lachs zu probieren und dann auf Heilbutt umzustellen.

Wir schleppten bei idealen Bedingungen fuer 2-3 Stunden ueber die Flats, aber bis auf einen recht grossen Felsenbarsch, der wieder schwimmen durfte, und ein paar kleine Ling Cods konnten wir nichts an unsere Koeder ueberreden.

Dann duesten wir zur Constance Bank um an der Stelle zu ankern, an der ich zuletzt mit Ricardo einen Butt erwischte. Aber die ganze Westseite der Bank war schon uebersaeht mit verankerten Booten. Wow! Und das an einem Werktag! Aber das Wetter war auch nicht zu schlagen.

Wir suchten uns eine kleine Untiefe zwischen 2 tieferen Rinnen in etwas tieferen Gefilden und warfen da die Kralle aus. Dann hiess es warten. Nach 1,5 Stunden beschloss ich mal den Koeder zu kontrollieren. Es kam mir beim Hochziehen etwas schwerer vor als erwartet und ich dachte erst ich haette mich vielleicht mit Dave’s Schnur verheddert. Aber es kam ein fetter Ratfish zu Tage. Dave war nicht sehr begeistert aber ich erinnerte ihn an Claude’s Worte: Ratfish ziehen sehr oft mit Heilbutten umher.

20 Minuten spaeter bleibt meine Rutenspitze beim regelmaessigen Auf-und Ab durch die leichten Wellen ploetzlich unten stehen. Ich dachte erst noch Haenger aber Dave fuchtelte schon aufgeregt mit den Armen und als ich die Rute gerade aufnehmen wollte, riss es auch schon die Rutenspitze brutal nach unten und ich hatte ordentlich tun die Rute aus dem Halter zu bekommen. Schnell den Kampfgurt um und den Fisch weg vom Boden. Der hatte aber andere Plaene und sausste mindestens zweimal wieder direkt zum Boden. Selbst als ich ihn schon beinahe die halbe Strecke (in 85 m Tiefe) hoch hatte, bekam der Butt auf einmal wieder Sehnsucht zum Boden und riss bestimmt wieder 30 m Schnur ab. Der machte richtig Dampf und ich hatte diesmal auch eine etwas leichtere Rute als sonst.

Nach 10 Minuten hatte ich ihn dann oben und waehrend Dave die Rute hielt, erledigte ich den Rest mit der Harpune. Geschafft. Den Schneidertag vermieden. Um die 30 Pfund geschaetzt. Nun war Dave begierig auf seine Chance. Und er sollte tatsaechlich nicht lange danach seine Chance erhalten. Wie aus dem Nichts verneigte sich seine Rute ploetzlich kraeftig und wippte paar mal hoch und runter. Dave sprang hinzu und riss die Rute aus dem Halter, zog die Hebelbremse zu und ruckte an. Ging aber ins Leere. Sofort liess er den Koeder, oder was davon noch uebrig war, wieder zum Boden hinab. Oft kommen Butte bei Fehlbissen zurueck.

Aber nach 15 Minuten erfolglosem Warten vermuteten wir, dass der Koeder wohl komplett weg war. Als das Geschirr nach oben kam, staunten wir nicht schlecht: das Vorfach war komplett weg. Aber nicht weil es gerissen war, nein, Dave hatte den Karabinerverschluss nicht richtig zugemacht. Haha, und das Dave, der es hasst Fische zu verlieren. Er bekam keine zweite Chance mehr an diesem Tag. Zum Trost ueberliess ich ihm ¾ meines Fisches. Fazit: ueberpruefe gruendlich und ohne Hast nochmal Dein Geraet bevor es zum Einsatz kommt!

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19.5.2013; Port Renfrew

Beitragvon cohosalmon » 22.05.2013 - 2:00

Hier mal ein kurzer Bericht vom letzten Wochenende. Meine ganze Familie hatte sich zu einem Campingtrip nach Port Renfrew aufgemacht. PR ist der Anfang der wilden Vancouver Island Westkueste – dort hoert der Schutz der Olympic Mountains im Sueden auf und der offene Pazifik beginnt. Wildnis pur von da an. Dort faengt auch der beruehmte Westcoasttrail an; ein 5-7 taegiger Wanderpfad fuer gut trainierte und gut ausgeruestete Wanderfreaks. Da der Regenschutz der Olympic Mountains dort wegfaellt, regnet es dort sehr viel haeufiger als in Victoria oder Sooke und natuerlich herrschen dort auf dem Meer andere Wind-und Wellenverhaeltnisse als in der geschuetzten JDF Wasserstrasse.

Wir trafen uns dort mit zwei befreundete Familien und schlugen unsere Lager am Fairy Lake – einem Wilderness Campground – auf. Wir hatten uns von Freunden einen Anhaenger geliehen welcher uns bei dem angesagten wechselhaften Wetter trocken halten sollte. Carl kam mit seiner Familie und brachte auch sein 6 m Boot mit. Natuerlich stand auch Angeln auf dem Programm!

Samstag ging es nach dem Fruehstueck los. Bei leichtem Nieselregen aber null Wind stand Heilbutt auf dem Programm. Der Rest der Gruppe brach mit den kleineren Kindern auf zum Standwandern und Gezeitenpools untersuchen. Carl, mein Sohn Ricardo und ich liessen das Boot im Gordon River an der Port Renfrew Marina zu Wasser. Die Marina liegt ca. 3 km flussaufwaerts von der Muendung des Gordon’s ins Meer. Es ist eine schoene Bootstour den unverbauten Fluss hinunter bis zur Muendung. Nur muss man auf den gezeitengesteuerten Wasserstand im Fluss aufpassen weil es zwei seichte Stellen gibt die bei sehr niedriger Ebbe nichtmal mit einem Kleinboot zu passieren sind.

Einmal draussen konnten wir Gas geben weil das Wasser glatt war wie ein Spiegel. So stoerte uns auch die leichte Feuchtigkeit von oben nicht weiter. Die Krabbenfallen noch kurz in der Bucht eingelassen und dann zog es uns ostwaerts zu einer kleinen Unterwasserrinne ca. 5 km weit weg. Der Untergrund an diesem Kuestenabschnitt ist eigentlich recht langweilig weil der Grund gleichmaessig abfaellt. Da Carl ebensowenig wie ich schon einmal vor Port Renfrew ufernah auf Heilbutt geangelt hatte (bei unserer jaehrlichen Maennertour nach Renfrew charterten wir immer Guides und fuhren mit den grossen Booten dann zur 40 km offshore Swiftsure Bank zum Heilbuttangeln), hatten wir uns diese eine auffaellige Stelle zuvor auf dem Kartenplotter herausgesucht. Meist wird in Renfrew nur auf Lachs ufernah geangelt. Und die Lachsangler fuhren fast alle westlich aus der Bucht heraus. So waren wir fast allein, bis auf ein Boot mit Bekannten, die wir zufaellig an der Marina getroffen hatten. Die wollten sich auch in der Naehe halten und auf Heilbutt versuchen. Sie hatten allerdings kein Ankergeraet dabei und wollten nur Driftangeln.

Wir warfen den Anker in ca. 70 m Tiefe vor der Untiefe. 2 Ruten, beide mit Hering plus Plastikoktopus bestueckt. Ich verfeinerte den Koeder noch mit einem Speziallockstoff (Butt Juice). Nicht lange und meine Rute begann zu wackeln. Ricardo sprang begeistert hinzu und kaempfte mit etwas in der Tiefe. Ich tippte auf einen ordentlichen Felsenbarsch, die hier noch viel haeufiger vorkommen als vor Victoria. Der Fisch entpuppte sich allerdings als ein feister Dornhai. Na fein. Ich wusste was jetzt kam. Wenn die Kerle erstmal am Platz waren dann war Koederverfuettern angesagt. Und so kam es auch. Ricardo kurbelte noch 3 Haie hoch bevor wir entschieden umzusetzen. Ueber Funk erfuhren wir, dass unsere Bekannten an einer anderen Stelle beim Driften auch noch nichts erwischt hatten und auch weiter wollten.

Wir entdeckten ca. 2 km weiter oestlich einen Unterwassercanyon mit einer Tiefe von ca. 50-60 m Tiefe bei einer Umgebung um die 30 m Tiefe. Das sah fischig aus. Bald waren wir wieder im Einsatz. Es dauerte nur Minuten da zog es ploetzlich wieder meine Rutenspitze ein bisschen herunter – sie blieb dort fuer 2 Sekunden stehen um dann wild nach unten zu reissen. Das war ein richtiger Biss eines richtigen Fisches! Nachdem ich den Haken gesetzt hatte und ich die butttypischen Kopfstoesse spuerte, uebergab ich die Rute wieder Ricardo. Der drillte den Fisch gekonnt nach oben und ich gaffte den kleineren Butt. Vielleicht 7 kg. Aber die Frauen wollten Fisch essen heute abend!

Als ich die Rute neu bekoedert hatte, wollte Carl eine dritte Rute einsetzen. Ich montierte an dieser einen kleinen UV Hootchie (Squidimitat) und haengte noch einen Heringskopf an den Haken. Und natuerlich Butt Juice. Das Ganze ging mit einem leichten Gewicht weiter hinter dem Boot auf Tauchgang. Ich erklaerte Ricardo gerade etwas als Carl wie ein Besessener aufsprang und nach der gerade eingelassenen Mittelrute griff. Die war schon kreisrund und schon war Carl am drillen. Ich warnte noch, dass der kleine Koeder nur mit duennerem Monovorfach bestueckt war. Das war eigentlich fuer Felsenbarsche bestimmt gewesen. Aber Carl hatte ganz schoen zu tun mit seinem Gegner and dem feineren Geschirr. Nach einer Weile brachte auch er einen kleinen Heilbutt nach oben. Vielleicht 1-2 Pfund groesser als vorher. Ging auch mit.

Kaum war der Fisch versorgt, riss es wieder meine Rutenspitze ins Wasser. Ich war gleich da und setzte den Haken. Fish on! Jetzt war aber ich dran! Denkste! Ricardo bettelte nochmal drillen zu duerfen. Ok dann. Er musste doch schon schmerzende Arme haben! Aber bei der geringen Stroemung heute und der recht moderaten Tiefe angelte ich nur mit 500g und somit war der Drill nicht ganz so erschoepfend.

Wieder die gleiche Groesse. Wir mussten direkt ueber einem Heilbutt-Kindergarten geankert haben. Mit diesen 3 Butten waren wir fertig. Unsere Bekannten kamen vorbei und als wir 3 Fische hochhielten, konnten sie es gar nicht glauben. Vor einer Stunde waren wir noch Schneider gewesen! Wir duesten zurueck und zogen 8 fette Dungeness Krabben hoch welche dann eine erstklassige Westcoastmahlzeit fuer 3 Familien vervollstaendigten. Heilbutt-Backfisch und frische Krabben bis zum Abwinken! Hmmm.

Port Renfrew, immer wieder ein magischer Platz und das Meer noch voll von Leben.

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Beitragvon cohosalmon » 07.06.2013 - 23:08

Ich habe eine klasse Story fuer Euch, auch wenn ich nicht selber involviert war - sehr schade eigentlich! Ein Freund hat das gerade von einen Bekannten berichtet und es laeuft hier wie ein Prairiebrand durch die Anglerwelt:

Ein paar Kumpels waren noerdlich von hier zu einem gemuetlichen Heilbutttrip unterwegs. Verankert und auf Grund angeln. Der Captn wollte seine neue GoPro Kamera mal unter Wasser ausprobieren und montierte sie am Downriggerblei (Dynema Geflochtene!) und liess sie langsam hinunter. Es war knapp 50 m tief. Bei 30 m riss die Downriggerschnur und die Kamera verabschiedete sich auf nimmer Wiedersehen zum Grund. Seine Kumpels troesteten ihn und sie angelten weiter, fingen ein paar Heilbutte und hatten ansonsten einen wunderschoenen Tag. Wenn da der teure Verlust nicht gewesen waere. Einer der Kumpels, ein Anfaenger, meldete kurz vor Schluss ploetzlich einen Biss und kaempfte daraufhin mit etwas Grossem. Nach einer Weile brachte er einen Schnursalat der allerersten Guete nach oben. Der Captn erkannte seine Downriggerschnur die sich voellig um den Spreizdraht gewickelt hatte und zog sie vorsichtig nach oben. Zutage kam das Downriggerblei mit der Kamera daran (siehe 1. Video unten). Natuerlich ekstatisch gluecklich ueber diesen unglaublichen Glueckfall packten die Jungs ein und fuhren heim. Zu Hause aber stellte sich erst der wirkliche Wert dieses Gluecksfalls heraus: die Kamera hatte ueber 4 Stunden einwandfreie und tolle Aufnahmen vom Meeresgrund aufgenommen. Er konnte gar nicht glauben was da alles zu Tage kam als er die Aufnahmen herunterlud. Er hatte eine Koederschnur mit Hering an die Kamera gebunden (ohne Haken) um Fische dicht an die Kamera anzulocken. Hatte perfekt funktioniert. So sieht man wie Lachse sich dafuer interessieren, ein Ling Cod, viele Meerkatzen (Ratfish), Heilbutte, sah riesige Schwaerme an Sandaalen die von Lachse gejagt wurden. Ein Heilbutt schnappte sich den Hering und riss die Kamera glatt um. Am Ende des 3. Videos kann man die Koedermontage des Anfaengers knapp neben der Kamera auf dem Boden aufschlagen sehen - die die schliesslich die lose Downriggerschnur einfangen sollte um das alles buchstaeblich zu Tage bringen sollte. Viel Spass dabei. Ich hoffe die Videos laufen bei Euch!?

http://www.youtube.com/watch?v=1C-qA...ature=youtu.be
http://www.youtube.com/watch?v=4pMsv8iymi4
http://www.youtube.com/watch?v=w_uhy...ature=youtu.be

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Beitragvon Tidi » 07.06.2013 - 23:47

Hört sich sehr interessant an, aber die Videos laufen zumindest auf meinem Computer nicht, das zweite Video nur wenige Sekunden, dann kommt eine Fehlermeldung.


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Beitragvon cohosalmon » 19.06.2013 - 19:10

Wir packten also das Lachszeug erst einmal weg, entschlossen es aber wieder herauszukramen, sollten wir noch nach einer erfolgreichen Buttjagd Zeit fuer Lachs haben – Wiegeschluss an der Marina war 16:00 Uhr. Wir fanden schon 4 andere Boote vor Anker in der Gegend wo wir es probieren wollten. Gluecklicherweise ist das Mudhole eine mehrere Quadratkilometer umspannende Gegend in der es meines Erachtens nach keine Rolle spielt, wo genau man angelt. Bei strahlender Sonne, sommerlichen Temperaturen, Null Wind und herrlicher Bergsicht liessen wir den Anker hinab und bestueckten unsere Buttruten mit fetten Heringen als Koeder. Ausserdem liess ich natuerlich eine Duftbombe am Downrigger zum Grund.

Ich kramte mir gerade ein spaetes Fruehstueck heraus als meine Rute kraeftig ruckte. Ha, das ging ja schnell! Ich nahm Fuehlung auf und spuerte den Fisch. Ein paar Sekunden spaeter merkte ich einen stetigen Zug und schlug an. Nichts! Auch nach ein paar Kurbeldrehungen kein Widerstand. Ich liess sofort wieder zum Grund ab. Nach 10 Minuten Warten wollte ich gerade hochziehen um die Koeder zu kontrollieren als Daves Rute sich tief verneigte und die Rolle aufheulte. Dave war am Fisch! Er verlangt nach dem Gimbal und fing mit seiner Kurbelarbeit an. Ich inspizierte und erneuerte inzwischen meinen Koeder waehrend Ricardo Dave immer wieder neue TIefenmeldungen gab – er konnte naemlich am Echolot verfolgen wie der Fisch nach oben kam.

Endlich hatte Dave den Fisch an die Oberflaeche gebracht. Naja. Ein Riese war er nicht aber fuer einen Eintrag ins Tournierregister war es gut genug – vielleicht 12 Pfund. Keine 10 Minuten spaeter bemerkte ich an meiner Rutenspitze eine verdaechtige Bewegung auf welche Sekunden spaeter ein butaler Ruck folgte. Diesmal hing der Fisch und ich uebergab Ricardo die Rute. Routiniert, wenn auch mit Stoehnen unterbrochen, drillte er den Fisch nach oben. Der war etwas groesser und ging auch mit. Was dann folgte war eine Sternstunde beim Heilbuttangeln. Wir hatten Biss auf Biss, einige gingen verloren, manchmal verschliefen wir die Bisse, wir liessen mindestens 3 Butte wieder frei weil wir beim letzten den wir legal behalten durften an dem Tag auf einen etwas groesseren hofften. Die Butts waren alle um die 15 Pfund – als wenn wir direkt ueber einem Grundschulschwarm vor Anker lagen.

Inzwischen gesellte sich Carl und Mike in der Jalopy in der Naehe hinzu da sie an ihrem vorherigen Ankerplatz nichts als Dornhaie erwischten und wir natuerlich ueber Funk von unserem Erfolg berichteten. Es schien als braechten die beiden ihr Hai(un)glueck mit an unsere Stelle denn ploetzlich hatten wir auch einige Haie am Haken. Doch dann sah ich meine Rute wieder zweimal kraeftiger rucken als Haie das vermoegen. Ich nahm Fuehlung auf und waehrend ich die Rute hielt, zog der Fisch ab – und ich an. Sofort war die kraeftige Rute krumm und ich wusste nach den ersten paar Kopfstoessen das das wieder ein Heilbutt war. Der Fisch kaempfte rege um sein Dasein und riss paar Male ein paar Meter Schnur von der Rolle. Es sollte unser groesster Butt des Tages werden mit etwa 20 Pfund. So hatte ich denn zwar keinen Lachs auf meinem Konto bis jetzt aber den groessten Butt. Wir hatten kaum mehr als 2 Stunden auf Butt geangelt und jeder mindestens 2 Butts von 100 m Tiefe hochgehievt – wir waren reif fuer eine neue Lachsrunde bis zum 16:00 Uhr Schlusspfiff.

Als wir den Anker eingeholt hatten, fuhren wir an der Jalopy vorbei und erkundigten uns – wir konnten kaum glauben, dass die beiden sonst so erfolgreichen Angler noch nicht mal einen Biss gehabt hatten. Und wir fingen Fisch auf Fisch keine 200 m weg? Irgendetwas hatten wir goldrichtig gemacht!

Fuer die Lachsrunde 2 fuhren wir westwaerts nach Church Rock, eine vorgelagerte kleine Felsinseln, die die Stroemung bricht und einige interessante Kehrstroemungen verursacht. Jedes Jahr werden hier kapitale Lachse gefangen. Wir gingen jetzt auf Grosslachsjagd und montierten beide Koederfischsysteme. Kaum waren unsere Ruten im Wasser und unsere Augen starrten hoffnungsvoll auf die Rutenspitzen, kam ein Funkhilferuf meines Freundes Gary durch. Er driftete ohne funktionstuechtigen Motor auf Race Rocks zu. In windeseile packten wir unser Zeug ein und duesten an die genannte Stelle. Gary und 2 weitere Personen winkten uns schon von weitem zu. Irgendetwas funktionierte nicht mit der Benzinzufuhr und beide Motoren liefen nicht mehr. Gluecklicherweise trieb die Stroemung das Boot nicht direkt auf die vielen Klippen in dieser Gegend zu. Gary’s Boot war ein schwerer 10 m Panzer. Ich sollte den mit meinem knapp 6 m Red Hot schleppen? Und das noch durch die beruechtigte und gefaehrliche Race Passage, die wahrscheinlich gefaehrlichste Meerestelle im ganzen Umkreis hier? Wie im schlechten Film!

Wir bastelten ein Abschleppseilsystem, dass die immense Belastung auf wenigstens zwei Heckoesen verteilte und dann musste sich mein 100 PS Yammi ganz schoen ins Zeug legen. Gluecklicherweise war es so ein windstiller Tag, nur die Wellen vorbeiduesender Boote machten es zuweilen schwierig einen konstanten und stetige Zug zu erhalten und keine ruckenden Reisskraefte auf mein armes kleines Boot auszuueben. Um den Schwierigkeitsgrad noch zu erhoehen, musste natuerlich die Stroemung durch die enge Race Passage uns entgegen laufen so dass wir fuer den Kilometer da durch fast eine Stunde brauchten. Es ging aber letztendlich alles gut und ich hatte die Kuestenwache auf standby ueber Funk falls was schief ging.

Aber das war natuerlich das Ende unseres erlebnisreichen Angeltages. Mit 3 Heilbutten und 2 Lachsen lagen wir definitive in der erfolgreichen Sparte wenn auch einige andere wesentlich groessere Fische gefangen hatten. Wir sahen mehrere schoene knapp 30 Pfund Chinooks an der Waage haengen – alle von weit west wo die Laengenbeschraenkung nicht galt. Auch einige Butte knapp bis an die 126 cm kamen in die Wertung. Ricardo hatte schon 2 Wertungen am ersten der beiden Tourniertage in der Juniorkategorie mit seinem Lachs und Heilbutt.

Nach dem Filetieren (was bei einem Tournier immer ein geselliges und lustiges Event an den Filetiertischen ist!) war dann Bier-und Grillzeit! Ricardos Lachs musste direkt daran glauben – frischer geht’s nicht!

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Ricardo im Heilbuttdrill

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Dave im Heilbuttdrill

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Jalopy neben uns blieb Schneider

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Abschlepphilfe

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Endresultat unseres ersten Tourniertages

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Beitragvon Gerd » 19.06.2013 - 19:25

Wie immer - herrlich zu lesen. Petri Heil zu den Fischen.
Hätte ich einen Weinberg, ich würde ihn 'Hang zum Alkohol' nennen