Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

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Derrik Figge
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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Derrik Figge » 17.04.2018 - 9:38

:lol: :lol: :lol:
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.
Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

cohosalmon
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6.5.2018; Victoria

Beitragvon cohosalmon » 08.05.2018 - 7:30

Letzten Sonntag wollten Carl und ich es noch mal wissen. Wir zwei sind dieses Jahr unabhaengig voneinander oder zusammen fuenf mal auf Heilbutt raus und bis jetzt hatte von uns beiden noch keiner Erfolg vorzuweisen. Das ist wirklich ungewoehnlich da wir beide eigentlich als erfahrene Buttjaeger ausserhalb der Guideklasse gelten. Wenn ich in mein Fangbuch der letzten paar Jahre schaue, sind da etliche Butte im Maerz und April verzeichnet. Nur dieses Jahr war irgendwie ganz anders und nicht auf eine gute Art und Weise! Aber aufgeben gibt es nicht!

Es sollte ein absolut windstiller Tag mit maessigen Gezeiten werden. Das heist den ganzen Morgen ueber sollte eine langsame Ebbe herrschen und dann ab Mittag sollte eine zuegige Flutstroemung einsetzen. Das hiess frueh raus! Carl war einverstanden, besonders als ich vorschlug mein Boot zu nehmen. Auch er kriegt nicht mehr oft eine Mitfahrgelegenheit bei der er mal nicht fuer alles verantwortlich ist. Das wuerde dann auch eine gute Gelegenheit ergeben, Carl mal meine neusten Upgrades vorzufuehren. Er mag sowas.

Um 6:00 Uhr morgens holte ich Carl ab, er brachte die Koeder – reichlich – und seine Ruten. Den Rest hatte ich parat. Bei Ebbe ankere ich gerne auf der Westseite der Constance Bank wenn es auf Butt geht. Die Bank ist etwa 2 km2 gross und kommt auf 20m Tiefe hoch bei ca. 100 m tiefem Wasser ringsherum. Lachse und Heilbutt moegen diese Bank. Und die Ling Cod – Kinderstube. Oft treiben sich auch Heringsschwaerme um oder auf der Bank herum was sicherlich ein grosser Anziehungsaspekt fuer die Raeuber ist. Die Westseite ist bei Ebbe die stromabwaerts gelegene Seite und meine Theorie ist, dass dann Futter von der Bank ins Tiefe gespuelt wird und die Butte da auf Lauer liegen oder besser gesagt bei nicht allzu starker Stroemung dort herumjagen. Bei zu starker Stroemung verkriechen sich die Butte meiner Erfahrung nach und suchen sich Unterstand – man sieht ihnen ja an, dass sie nicht gerade die hydrodynamischste Figur machen. Die Westseite der Bank ist von einigen Rinnen und Erhebungen zerfurcht was das Terrain noch interessanter macht.

Carl war mit meiner Platzwahl einverstanden. Wir beide standen heute unter maechtigem Erfolgsdruck – unsere beiden Frauen hatten uns unabhaengig voneinander zu verstehen gegeben, dass wir uns ohne die leckeren Filets gar nicht mehr blicken lassen brauchten. Schluss mit lustig, heute musste geliefert werden! Ausserdem mussten wir unsere Anglerehre wiederherstellen nach so viel Fehlversuchen. Irgendwo und irgendwann mussten doch die Butte sein und hungrig sein!?

Bei absoluten Ententeichbedingungen duesten wir vor Victoria los. Nach 15 Minuten waren wir angekommen und es war ganz schoen was los auf der Westseite. Ca. 15 Boote lagen da schon verteilt vor Anker. Ich quetschte uns noch an der 100 m Tiefenmarke dazwischen. Hinter uns im noch tieferen Wasser war keiner mehr. Diese Stellung war aber gar nicht so verkehrt, lagen wir doch am weitesten stromab von allen und die Duftspur von allen Booten musste die Butte bei uns zuerst vorbeibringen. Theoretisch jedenfalls!

Carl hatte Hering und Lachsfetzen als Koeder dabei. Ich hatte einen vollen Duftsack mit den Lachsresten vom letztwoechigen Trip nach Nanaimo. Und so legten wir selbst eine guten Duftspur und Koederpalette aus. Es blieb eine halbe Stunde ruhig und dann rief Carl ploetzlich Alarm und zeige zu meiner Rute. Die wippte beachtlich und erwartungsvoll sprang ich hin und kurbelte in das Gewippe hinein um den Haken zu setzen. Ein anstaendiges Gewicht blieb am anderen Ende haengen. Als ich die Rute aufnahm und zu kurbeln anfing wurde aber schnell klar, dass das nur Dornhai war. Schade! Es kam ein grosses Dornhaiexemplar zur Oberflaechen. Der sah schon wie ein richtiger Hai aus, ca. 1 m lang. Hoffentlich kam da heute noch was anderes! Es blieb noch fuer eine weitere halbe Stunde ruhig aber dann hatte wohl ein Dornhaischwarm die Duftspur aufgenommen. Wenn so ein Schwarm am Platz war dann geht es ohne Ablass. Die Bisse kamen immer schneller hintereinander; nach einer Weile war es so schlimm, dass der Koeder nicht einmal mehr den Boden erreichte bevor etwas daran herumriss. Erstaunlich war die Groesse der Haie! Wir hatte mehrere von weit ueber 1 m Laenge.

Als einmal wieder meine Rute krumm zog und meine Rutenspitze beim Ankurbeln bis fast ins Wasser ging, da wurde ich auf einmal aufgeregt – das kann doch kein Dornhai mehr sein, so schwer!? Aber es kam nicht das typische Heilbuttklopfen in der Rute. Sollte das ein Rochen sein? Oder ein Oktopus? Hier an der Bank kann man schon mal solche Ueberraschungen erleben. Als ich die gefuehlte Tonne endlich am Boot hatte, entpuppte sich das Ganze als Haidoublette, beide knapp einen Meter lang. Schwer enttaeuscht und fast schon verzweifelt diskutierten wir ob es Sinn machte, die Stelle zu wechseln. Aber wo wuerde es besser sein? Wir beschlossen durchzuhalten.

Ich machte einen Riesen-Dufttwister als Koeder fertig. Angeblich gehen die Haie nicht gerne an Kunstkoeder, aber die Butte schon. Ich war gerade fertig um den neuen Koeder einzulassen als Carl in seiner typischen Manier an mir vorbeiflog und an seiner Rute riss. Ja, da hatte was sehr kraeftig gezogen aber ich war schon etwas abgestumpft nach so vielen Fehlalarmen. Aber als Carl die Rute in der Hand hatte hoerte ich ploetzlich die Rolle kurz singen! “Nimmt der Schnur?” fragte ich. Und Carl nickte und meinte das muesste ein Butt sein. Jetzt kam wieder Energie in meinen Koerper! Sollte das wirklich sein? Carl schwankte hin und her mit seiner Beurteilung jetzt wo der Fisch sich hochziehen liess. Doch nicht? Es ist ja fuer uns beide schon so lange her, dass wir einen Butt gefangen hatten, wir wussten eben nicht mehr genau wie sich das so anfuehlt!

Dann sah ich aber das typische Pumpen der Rute wenn der Butt versucht abzuziehen und mit der Schwanzflosse kraeftig pumpt. Das war ein Butt, jetzt waren wir es gewiss! Ich kramte Harpune und Seil heraus – heute gehen wir auf Nummer sicher egal wie gross oder klein der ist! Ich brachte auch vorsichtshalber den Downrigger mit dem Duftsack hoch um ja keinen Tueddel zu provozieren. Waehrend Carl die letzten Meter hochpumpte starrten wir begierig in das gruen-klare Wasser. Da! Ein Schatten tauchte auf – YEEESSSS – ein Butt! Kein Riese aber ein Saisonanfang! “Wenn jetzt nur nichts mehr schiefgeht!”, dachte ich! Der Haken sass denkbar knapp vorne im Maul. Carl trat zurueck als der Fisch an der Oberflaeche war und ich stach mit der Harpune direkt hinter dem Kiemendeckel zu und drueckte die Harpunenspitze bis sie an der Unterseite wieder heraus kam. In diesem Moment spritzte ein Blutstrahl aus der Einstichstelle und der Butt tobte los. Ein Schwall blutiges Meereswasser schoss an mir vorbei und auf Carl zu. Der stand mit geoeffneten Mund da und staunte wohl ueber diese Energieexplosion und bevor er auch nur den Mund zuklappen konnte, hatte er schon einen Schwall dieser salzig-blutigen Bruehe voll frontal genommen und inhaliert. Ich kruemmte mich vor Lachen als Carl spukte und spie und der Butt weiter wie wild tobte – ich hatte ihn wie einen wilden Hund an der Leine und musste fest zugreifen um ihn nicht zu verlieren.

Bald beruhigte sich der Fisch und ich konnte ihn sicher am Boot vertaeuen und erledigen. Carl, hinter mir, spukte immer noch und lachte jetzt auch ueber sein Missgeschick. Was man nicht alles fuer einen Butt in Kauf nimmt! Wir klatschten uns ab – jetzt war die Ehre und die Ehe gerettet! Wir waren natuerlich begierig nun noch einen zu erwischen. Mit erneutem Eifer fischten wir uns durch die Haie hindurch. Wieder kamen fast schon riesige Dornhaie hoch ans Licht – bei einigen stieg unser Puls schon wieder kurzfristig. Auch ich an meinem Monstertwister hatte noch einige Haie – soviel zu der Annahme, dass die Biester Kunstkoeder in Ruhe lassen. Ab 11:00 Uhr nahm dann die Stroemung betraechtlich zu und die meisten der Boote um uns herum packten ein. Auch wir machten dann bald Schluss und wollten auf der Bank noch eine Runde auf Lachs drehen. Da waren auch schon eine Menge Lachsjaeger unterwegs – ueber Funk hatten wir frueh morgens vernommen, dass die Silberlinge wohl ganz gut gebissen haben mussten. Ich fuehrte nun Carl mein neue Kicker-Motorfernsteuerung vor. Mit einer kabellosen Fernbedienung kann ich nun die Drehzahl meines Schleppmotors feinjustieren und von jeder Stelle auf dem Boot veraendern ohne den Motor anfassen zu muessen. Sehr praktisch und Carl war begeistert.

Leider war die Beisszeit der Lachse wohl schon vorbei, obwohl wir noch ein Boot neben uns den Kescher zuecken sahen. Naja, das waere dann wohl vielleicht auch zuviel des Guten gewesen. Wir waren heute froh mit unserem einen Butt – der Anfang war gemacht, der Fluch durchbrochen! Ein Traumtag fuer Meeresangeln, tolle Bergsicht, 25 Grad, sonnig, kein Wind und die Fischgoetter ziemlich wohlgestimmt!

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon rhinefisher » 08.05.2018 - 7:51

Hi!
Wieder mal sehr schön... :gut: .
Wie tapfer ihr seid, - nach 1-2 Stunden "Dogfish" bin ich dermaßen verzweifelt, dass ich abbreche... :badgrin:
Hat sich ja dann doch gelohnt.. :gut:
DEUS LO VULT !

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Re: 6.5.2018; Victoria

Beitragvon Argail » 08.05.2018 - 9:21

Wieder mal ein sehr schöner,sehr lesenswerter und gut geschriebener Bericht von "cohosalmon". Danke dafür und weiterhin PETRI GEIL! :clap:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D

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Re: Heilbuttangeln, Victoria, BC, Kanada

Beitragvon Derrik Figge » 08.05.2018 - 11:20

Die Berichte sind einfach klasse, man hat fast das Gefühl an Bord zu sein :gut:
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.

Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke