Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Tidi » 02.01.2019 - 22:21

Gleichfalls ein frohes und fischiges Jahr.
Petri Heil!
Sehr schöner Neujahrs-Bericht.

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Valestris » 03.01.2019 - 0:17

Frohes neues Jahr und Petri Heil zu den schönen Lachsen, das fängt ja gut an :clap:
Fish 4 Life!

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Derrik Figge
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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Derrik Figge » 14.01.2019 - 12:03

Petri!
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.
Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

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16.3., 24.3.2019; East Sooke & Sooke

Beitragvon cohosalmon » 26.03.2019 - 1:33

Auch wenn es hier bei mir momentan sehr beschaeftigt zugeht und das Angeln definitiv viel zu kurz kommt, finden sich doch hier und da mal kurze Zeitfenster, die ich dem schoensten Hobby der Welt widmen kann. Mein Flussboot hat leider noch keinen Einsatz bekommen; im January war zu viel Wasser in den Fluessen, im Februar war alles tief verschneit und nun herrscht Wassermangel in vielen Fluessen weil es seit Wochen nicht geregnet hat und der Schnee in den Bergen nur langsam schmilzt.

Dafuer bin ich am vorletzten und letzten Wochenende mal auf’s Meer ‘rausgekommen. Am 16.3. machte ich mich seit vielen Wochen zum ersten Mal wieder mit dem grossen Boot auf Tour. Die Winter Chinooks waren vor Ort und es gab wohl heisse als auch kalte Tage, den Berichten nach zu urteilen. Ich war mir nicht so schluessig wohin aber ich entschied mich fuer Whirl Bay in East Sooke. Einfach zu befischen wenn solo und immer fuer den einen oder anderen Lachs gut. Es war ein toller, sonniger Tag und ein paar andere Angler genossen diesen Fruehlingsanfang genauso wie ich. Es war ganz schoen Betrieb an der Marina; auf dem Wasser verteilten sich die Boote dann ganz schnell. In der Whirl Bay waren auch zwei Mietboote der Pedder Bay Marina unterwegs; beide Crews schienen aber keine Anfaenger zu sein und wussten was sie machten. Das eine davon sah ich nach einer halben Stunde mit einer krummen Rute und Hektik an Bord. Die schleppten auf der 45m Kontour – ich war bis jetzt tiefer unterwegs. Nach ein paar Schleifen kam auch in meine Ruten Leben; allerdings nur Kleinkram. 2 kleine Chinooks blieben an einem Blinker ziemlich weit ueber Grund haengen und ein Baby-Lingcod nach dem anderen an dem Blinker direkt am Grund. Manche waren nur 20 cm lang und ich bemerkte die Bisse gar nicht sondern fand sie erst beim Koederkontrollieren. Etwas laestig diese zaehnestarrenden Biester!

Es schienen aber keine groesseren Chinookschwaerme unterwegs zu sein und auch Futter war kaum auf dem Echolot zu sehen. Vielleicht aenderte sich das wenn die Stroemung auf Flut umschlug, dachte ich. Der Stroemungsstillstand ist sowieso immer eine interessante Beisszeit. Ich liess den Glow-Cohokillerblinker mit dem Glow Flasher direkt am Boden langziehen – auch auf die Gefahr eines Haengers hin. Aber Whirl Bay war fast nur Sand und Kiesuntergrund. Die Rutenspitze ruckelte vom staendigen Bodenkontakt. Unerfahrene Troller koennen kaum einen Biss davon unterscheiden ausser natuerlich wenn der Fisch schon haengt und der Clip ausloest. Ich bemerkte aber ploetzlich eine andere Zitterfrequenz an der Bodenrute und nahm die Rute schon aus dem Halter als sie in diesem Moment auch ausloeste. Ein harter Anschlag um auch etwas in der Tiefe mit Monoschnur durchzukriegen und ich fuehlte Widerstand. Es war kein Riese aber ich genoss das wonnige Ziehen eines widerspenstigen Fisches. Bald hatte ich ihn am Boot und sah das quirrlige Silbergeschoss. Mein persoenliches Mindestmass fuer Chinooks oder besser gesagt fuer alle Lachse ist 50 cm. Offiziell ist es 45 cm fuer Chinooks aber normalerweise kommt bei mir nichts unter 50 cm mit. Der war mit 58 cm drueber und damit freigegeben. Solo-keschern ist immer eine heikle Angelegenheit aber hier lief alles glatt und ich sackte den Burschen ein. Mager und und schlank; kein Wunder wenn kein Futter zu sehen ist!

Ich hatte noch zwei weitere untermassige Lachse und ein paar weitere Baby-Lings aber konnte nichts mehr verwertbares ueberlisten. Einen maennlichen Greenling brachte ich noch zum Vorschein. Die bewachen jetzt ihre Laichnester und sind schoen gefaerbt. Der durfte auch wieder schwimmen. Alles in allem kein Erfolg fuer einen Riesenbericht hier aber ein schoener, erholsamer Fruehlingstag auf dem Boot!

Gestern, den 24.3. war ich dann mit meinem “Kleinen”, Alex, unterwegs. Er hatte sich kuerzlich den Arm gebrochen und musste so seine Fussballsaison fruehzeitig beenden. Er meinte aber, dass Angeln trotz Gips gehen muesste. Nur nicht frueh aufstehen! Teenager! Um 9:00 Uhr machten wir uns beide Richtung Sooke auf. Normalerweise fahre ich die Extrastrecke nach Sooke erst im Sommer wenn die Grosslachse dort deutlich haeufiger auftreten als direkt vor Victoria. Aber ein befreundeter Guide hatte mir von einem erfolgreichem Mittagstrip am Freitag vor dem Sooke Hafen berichtet. Ich wollte diesen Tip nicht in den Wind schlagen.

Wieder bei herrlichem, sonnigem Fruehlingswetter fuhren wir nach 45 Minuten Highway-Fahrtzeit die kurze Wasserstrecke von der Marina zu den Fischgruenden. Dort waren schon einige Boote unterwegs. Wir setzten wieder genau die gleichen Koeder wie die Woche zuvor ein; ein Blinker ein Stueck ueber Grund und einen direkt am Boden. Es dauerte vielleicht 15 Minuten und die Bodenrute rappelte los. Alex sprang hin und brachte einen kleinen Chinook von unter 50 cm ans Boot. Der wurde nur losgehakt. Wieder waren auch kleine Baby-Lings unterwegs – die mussten einen guten Jahrgang letztes Jahr gehabt haben! Soviele habe ich davon noch nie gesehen und da Sooke einige Kilometer von Whirl Bay, East Sooke weg liegt, muss sich diese Baby-Ling Masse ueber eine ganze Strecke hinziehen. Vielleicht werden wir in ein paar Jahren eine fantastischen Lingcodangelei haben!?

Alex verzog sich nun bald zu einem Nickerchen unter Deck. Da sah ich ploetzlich die hoehere Blinkerrute zweimal hart rucken und dann gleich ausloesen. Aha, der fuehlte ich besser an! Der hatte sogar richtige Kopfstoesse parat. Diese Rute hatte nur einen Blinker und keinen Flasher und so konnte sich der Fisch richtig austoben ohne irgendwelche Geraetehindernisse. Alex kam nun wieder aus seiner Koje und stellte erschrocken fest, dass wir den Kescher vergessen hatten. “Eieieiei, da muessen wir mit dem Gaff landen”, meinte ich. Das ist bei den herumfloppeneden Lachsen nicht so ganz einfach. Aber Alex freute sich auf die Herausforderung. Mittlerweile hatte ich meinen Fisch zum Boot gebracht und wir konnten ihn das erste Mal sehen. Der war ganz ordentlich! Er zog gleich noch mal kraeftig ab. Ich wollte ihn auch richtig ausdrillen damit er wenigstens fuer eine Sekunde fuer’s Gaffen ruhig blieb. Dann hatte ich ihn soweit und zog ihn langsam und stetig zum Boot. Ich trat zurueck um Alex Platz zu machen und er griff nach dem Vorfach und schlug zu. Es platschte kraeftig und Alex hob strahlend den Lachs am Haken hoch. “Schnell ueber die Bordwand!” ermahnte ich da er den Fisch noch ueber dem Wasser baumeln liess.

Expertenmaessig hatte er ihn direkt hinter dem Kopf erwischt. Klasse! Ein schoener, typischer Winter Chinook, etwa 8 Pfund. Der Laenge nach haette er auch 10 Pfund sein koennen aber er war sehr schlank. Wir freuten uns riesig! Wie mein Kumpel berichtet hatte, kamen die Bisse bei der 40 m Linie. Ich drehte grosse Schleifen um die grobe Gegend. Ein Guideboot fuhr auch diese Strecke auf und ab und wir sahen auch die einen schoenen Fisch einsacken. Komischerweise war es noch 2 Stunden weg von der besten Zeit. Bald ruckelte die tiefe Rute wieder los und Alex schnappte sich das Geraet dieses Mal. Aber der war wieder deutlich zu klein. Nur paar Minuten spaeter, wieder die tiefe Rute – Alex musste wieder von seinem Bett hervorkriechen. Das ging ja heute wie das Bretzelbacken! Alex meinte wieder ein Kleiner aber der sprang sogar und ich fand ihn gar nicht soooo klein. Als Alex ihn muede neben dem Boot hatte, schaute ich ihn mir genau an. Der war definitiv ueber 50 cm, vielleicht so wie der letzte Woche. Nun war ich dran mit gaffen und der Fisch waelzte sich und wand sich – ich zielte auf den Kopf und hoffte, dass der Haken jetzt nicht noch herausflog. Zack, voll durch den Kopf genagelt, der zuckte ab da kein bisschen mehr! Wer haette gedacht, dass wie beide so verkappte Gaffexperten waeren!?

“Wenn das so weiterginge, haetten wir ja in 30 Minuten unser Limit”, meinte ich. Alex war ueberzeugt davon. Aber natuerlich ging es nicht so weiter. Alex kam jetzt zu seinem Nickerchen, was sich fast auf 2 Stunden ausdehnte. Es war ploetzlich wie auf Verabredung Schicht im Schacht. Auch auf anderen Booten sah ich keine Kescher mehr wackeln. Die Baby-Lings waren aber immer noch aktiv, zu meinem Leidwesen. Dann endlich, ruckte die flachere Rute wiedermal los und loeste auch gleich wieder aus. Es schien so, dass die groesseren Lachse heute weiter ueber Grund jagten. Der fuehlte sich wieder besser an was allerdings auch wieder am Fehlen des Flashers lag. Ich rief Alex aus seinem Schlaf, ich brauchte Hilfe bei der Landung. Der Lachs machte ordentlich Alarm an der Rute so dass ich etwas enttaeuscht war, als ich ihn das erste Mal sah. Er war kleiner als unser 8 Pfuender aber trotzdem noch gut 6-7 Pfund. Er war auch am Boot nicht zu baendigen und zog immer wieder ab bevor Alex zuhaken konnte. Dann packte Alex das Vorfach, hielt den Fisch fest und schlug zu. Dann nichts mehr. Alex blieb gebueckt stehen. Ich lugte nun doch mal ueber die Bordwand und dort hielt er das Vorfach mit dem leeren Blinker in der Hand und starrte in the blau-gruene Tiefe. Keine Spur vom Fisch!

Ich lachte nur und wuschelte ihm die Haare. Er aergerte sich; er war sich wohl zu sicher gewesen. Nun ja, man kann nicht alle kriegen. Das war auch die letzte Aktion fuer uns und wir packten dann bald ein. Ein schoener, spannender und durchaus erfolgreicher Tag mit meinem Kleinen!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Argail » 26.03.2019 - 7:55

Schön, mal wieder etwas von dir zu lesen. Wie immer ein sehr gut geschriebener Bericht und sehr schöne Fotos. Petri! :clap:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Gerd » 29.03.2019 - 8:37

Immer wieder tolle Bilder und klasse Berichte, danke dafür :clap:
Humor ist der Knopf der verhindert, daß einem der Kragen platzt

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Thorben » 29.03.2019 - 11:04

Klasse Bericht! Danke für die Mühe die du dir gemacht hast!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Valestris » 29.03.2019 - 11:51

Gerd hat geschrieben:Immer wieder tolle Bilder und klasse Berichte, danke dafür :clap:

Da kann ich nur zustimmen :clap:
Fish 4 Life!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Derrik Figge » 29.03.2019 - 20:00

Ich bekomme grad wieder Lust auf nen Angelurlaub :lol:
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.

Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

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19.5.2019; Victoria

Beitragvon cohosalmon » 31.05.2019 - 20:15

Es ist zwar schon fast 2 Wochen her aber ich will diesen kurzen Sonntagmorgen-Lachstrip nicht verschweigen. Da ja im Moment nur Catch&Release Lachsangeln angesagt ist in BC, bis auf einen schmalen Streifen an der Westkueste Vancouver Islands, ist die Motivation vieler Angler auf Lachs zu gehen gering. Alle Geschaefte, die mit der Sportfischerei verknuepft sind, stoehnen ueber grosse Umsatzeinbrueche, einige Guides haben ihre Boote zum Verkauf inseriert, auch Restaurants, Marinas und Hotels sind betroffen. Jetzt merkt man erstmal wieviel Einfluss die Sportfischerei hier in BC hat. Da letztes Wochenende ein langes war und schoenes, windfreies Wetter dazu, wollte ich den Regeln zum Trotz raus und auf Lachsjagd. Meine Frau beschloss mitzukommen; ein seltenes Ereignis! Wir liessen es gemuetlich angehen und waren erst kurz vor 8:00 Uhr morgens an der Bootrampe in Victoria. In jedem Jahr zuvor haetten wir um diese Tageszeit am langen Maiwochenende schon auf der Strasse parken muessen, so gepackt voll waere der Marinaparkplatz gewesen. Wir waren der EINZIGE Anhaenger an diesem Morgen. Wirklich erschreckend!

Wir duesten zu den Oak Bay Flats, wo nur ein anderes Boot seine Schleifen zog, ein Guide Boot. Es war zwar kaum Wind aber es waren heute starke Gezeiten und daher war das Wasser etwas aufgewuehlt. Meine Frau fand das gar nicht so toll und verzog sich ruckzuck in die Koje um kaum mal wieder herauszukommen. Ich machte zwei Blinkerschleppruten zurecht; eine mit Flasher und Cohokiller und eine mit Dummy-flasher am Downriggergewicht und einen schlanken Heringsblinker. Der Cohokiller ging ganz zum Grund, der andere etwa 5m ueber Grund.

Da ich den Ozean ja fast alleine hatte, konnte ich kreuz und quer ueber die fangtraechtigen Stellen dieses Gebietes ziehen. Bis auf einen Unterwasserfelsen und ein Schiffswrack war dieses Gebiet eigentlich ganz einfach zu befischen. Alles Sand und Kiesboden ueber dem oft Sandaale herumziehen –die Hauptnahrung der Lachse hier vor Victoria. Daher schlanke Blinker am Grund. Hin und wieder kann man beim Lachsschleppen am Grund auch mal Buttkontakt kriegen. Das waere heute die einzige Fischart, die ich mitnehmen koennte. Felsenbarsch und Ling sind zwar seit 1.5. auch auf, allerdings halten die sich nicht an Kiesstellen auf. Da muesste ich am Wrack oder Felsen pilken.

Nach nur 10 Minuten ruckte die Cohokillerrute los. Ich war gleich dabei und schlug an: Widerstand! Und kein schlechter! Der Fisch schuettelte da unten in 40m Tiefe kraeftig den Kopf und setzte nun zur ersten Flucht an. Ich drehte gerade die Bremse etwas lockerer da wurde die Rute ploetzlich schlaff. Mist, weg! Ich sah wie das Guideboot ganz in der Naehe enge Schleifen um eine scheinbar spezielle Stelle drehte. Ich fuhr mal auf Verdacht in diese Richtung. Da wurde es auch auf dem Echolot lebendig: da standen die Kerle dicht and dicht am Grund – aber einige auch hoeher. Es dauerte etwa 20 Minuten bis wieder Bewegung in die Rute kam; wieder der Blinker direkt am Grund. Der Anschlag sass und nun drillte ich einen wirklich sportlichen Fisch. Er riss immer mal wieder ein Stueck Schnur von der Rolle, sausste nach rechts, dann nach links, als ich ihn in Bootsnaehe hatte auch mal unter das Boot, so dass ich ganz schoen zu tun hatte das Boot und die Rute gleichzeitig zu manoevrieren.

Da ich ihn sowoeso wieder freilassen musste, wollte ich ihm den Kescherkontakt ersparen und nur kurz mit den Haenden fuer ein Foto hochhalten. Er tobte noch eine Weile neben dem Boot – der Haken sass perfekt durch die Maulspitze – dann konnte ich die Schwanzwurzel ergreifen und den schoenen knapp 10 pfuendigen Chinook herausheben. Meine Frau schoss ein Foto und hebelte den Haken heraus und ich entliess den Burschen wieder ins Meer. Aber nicht ohne zu bemerken, dass das ein markierter Chinook war, wie die allermeisten hier vor Victoria um diese Zeit. Etliche Studien hatten ergeben, dass die grosse Mehrheit der Chinooks hier im Winter bis Juni US Hatchery Lachse sind, von der Puget Sound Gegend um Seattle herum. Die werden in den dortigen Aufzuchstationen erbruetet und als Smolts ins Meer entlassen um die Fischerei zu stuetzen waehrend die selteneren Wildlachse geschont werden. Die wie immer unbelehrbare Politik versteht das aber nicht und erlaubt uns auch nicht die Entnahme dieser unproblematischen US Lachse. Lachs ist eben Lachs in deren Augen. Das vorallem in Kanada viele Hatcheries (Brut-und Aufzuchtstationen) von Freiwilligen (vorallem Anglern) betrieben werden und dass diese Freiwilligen bald die Lust daran verlieren werden wenn sie nicht einmal mehr ein paar Fruechte ihrer Arbeit ernten duerfen, das versteht scheinbar auch keiner in Ottawa. Ok, genug mit der Politik!

Die Stroemung hatten mich waehrend des Drills ein ganzes Stueck von dem Hot Spot abgetrieben. Nachdem ich die Rute wieder fertig eingesetzt hatte, steuerte ich wieder zu der Fangstelle hin. Das Guideboot war dort immer noch am Kreuzen. Mittlerweile kamen auch 2 anderen Boote hinzu. Eines davon hatte 2 Angler mit Pilkruten an Bord. Auch das kann gut funktionieren wenn der Lachs konzentriert an einer Stelle steht und frisst. Ich fuhr ueber die Stelle hinweg - ohne Biss. In der Naehe tobte auf einmal ein Schwarm Moewen los; da musste ein Heringsschwarm an die Oberflaeche drueckt worden sein! Immer ein vielversprechendes Zeichen. Dort zog es mich auch hin.

Die zweite Rute ziemlich flach laufend und den Cohokiller immer noch am Boden, fuhr ich dicht am Moewenspektakel vorbei. Ich konnte die Heringe nicht direkt im Wasser sehen, sie waren zu tief, aber das Echolot zeigte eine Wolke bis fast zum Grund. Ich schleppte an der Stelle vorbei - ohne Biss. Etwas enttaeuscht wollte ich schon eine neue Schleppstrecke erkunden, da riss es ploetzlich den Cohokiller aus dem Clip. Fish On! Oh ja, ordentliches Kopfschuetteln da unten! Und dann sausste der Fisch los. Ach, wie hatte ich das vermisst, das Singen der Rolle und das Gefuehl einen starken Lachs am Haken zu haben.

Ich nahm das Gas vom Kicker Motor zurueck und konnte jetzt, nachdem der Fisch gestoppt hatte, wieder Schnur zurueck gewinnen. Aber nur fuer ein paar Sekunden und dann wurde es meinem Gegner wohl unheimlich und er riss wieder aus. Wieder waren 20-30 m Schnur weg! So ging das noch eine kleine Weile bis ich dann endlich mal groessere Schnurmengen aufkurbeln konnte. Der Lachs kam hoch. Etwa 20 m hinter dem Boot sah ich dann das erste Mal die Schwanzspitze und die Rueckenflosse auftauchen. Der war ordentlich! Jetzt raste er quer hinter dem Boot so dass der Flasher nur so ueber die Wasseroberflaeche schlidderte. Nicht ganz ungefaehrlich da so schon mancher Haken herausgerissen wurde. Aber er hielt. Dann bekam ich ihn neben das Boot. Jetzt stand er ca. 1 m tief direkt neben dem Boot und ruhte sich aus. Zu tief um ihn zu ergreifen und ich wusste, der war auch noch nicht fertig. Keschern wollte ich ihn nicht aber ein Foto haette ich schon gerne gehabt. Der duerfte ca. 15 Pfund haben!

Jetzt sausste der Bursche unter dem Boot durch und ich drueckte die Rutenspitze hinter meinen Motoren am Heck tief ins Wasser um die Schnur auf die andere Bootsseite zu fuehren. Aber er mochte die Backbordseite wohl doch mehr denn er kam nun ueber das Heck wieder hinueber. Da sass er nun ein paar Sekunden maeuschenstill neben der Bootswand. Ich reichte runter und griff nach der Schwanzwurzel. Im Moment als ich die Finger entschlossen zudrueckte, schoss der Fisch vorwaerts und hoch, sprang mir fast ins Gesicht, entkam meinem Griff und landete wild schaeumend einen Meter weiter vorne. Der Haken flog heraus und der Lachs war im naechsten Augenblick in der Tiefe des Ozeans verschwunden. Verbluefft, geduscht aber nur halb-aergerlich schaute ich auf und meine Frau grinste mich nur an. Nun ja, dann eben kein Foto! War ein toller Drill gewesen!
Ich machte noch eine halbe Stunde weiter, fasste noch einen Baby-Lingcod ab, konnte aber keinen Lachskontakt mehr verbuchen.

Puenklich Mittag waren wir wieder an der Bootsrampe und es waren nun 6 Anhaenger auf dem Parkplatz wo normalerweise 60 und mehr haetten sein sollen. Der Schlachttisch lag verwaist und war nun Sitzplatz fuer Moewen und Kraehen. Die hungrigen Hafenrobben folgten unserem Boot in der Hoffnung wir wuerden am Schlachttisch andocken. “Nichts da, kein All-You-Can-Eat Buffet fuer Euch in den naechsten Wochen! Selber jagen ist angesagt!”

Das Lachsangeln ist immer noch Spass und ich werden wegen den Catch&Release Regeln nicht aufhoeren auf Lachs zu fischen. Und die kuestenweite Schliessung aller Berufs-und Sportlachsfaenge scheint auch einen Unterschied zu machen, denn ich hoere von ueberall von den paar Anglern die sich aufmachen, dass eine erstaunliche Menge an Chinooks die Kueste entlang zieht. Die Frage ob sie es auch auf die Laichbetten schaffen, ist jedoch unklar denn die Netze der Eingeborenen (Indianer darf man nicht mehr sagen!) im Fraser River oder auch im Skeena sind wohl immer noch voll in Betrieb und solange dieser Sektor nicht auch mitspielt (>60% der Fraser Chinookfaenge) und das Ministerium endlich mit einem Koffer Geld fuer Flussprojekte daherkommt, duerfte sich an der ganzen Lage nicht viel aendern. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Tidi » 31.05.2019 - 22:35

Wow, dickes Petri :)

Danke für den tollen Bericht!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Thorben » 31.05.2019 - 22:41

Petri heil! Klasse, dass du dir die Mühe machst so detaillierte Berichte zu verfassen! Immer wieder ein Genuss! :clap:

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Valestris » 01.06.2019 - 8:55

Absolut klasse! :clap:
Dickes Petri.
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15.6.2019; East Sooke

Beitragvon cohosalmon » 06.07.2019 - 0:50

Bevor ich noch weiter hinterherhinke mit meinen Berichten, hier ein kurzer Nachtrag von einem Lachstrip am 15.6. 2019. Kurzfristig und solo entschloss ich mich an diesem Samstag mal vor East Sooke zu fahren um zu sehen ob die wenigen aber vielversprechenden Lachsberichte stimmten. Seit der Nicht-Entnahmeentscheidung fuer Chinooks bis 1.8. sind nur sehr wenige Angler rausgefahren. Das reine Catch & Release – Angeln auf Lachs hat noch nicht viele Freunde hier gewonnen. Gerechtfertigt hin und her und aller Politiktricks inklusive, ich wuerde mich nicht komplett der Lachsangelei enthalten auch wenn es schoen waere ein oder zwei Fische mit nach Hause nehmen zu koennen.

Als ich zu ungewoehnlich spaeter Zeit, um 6:30 Uhr, an der Cheanuh Marina ankam, konnte ich mir die Slipseite heraussuchen – weit und breit kein Boot. Noch vor einem Jahr haetten um diese Zeit 40 Boote an der Rampe Schlange gestanden! Autsch!

Als ich nach 15 Minuten Fahrt an der Trap Shack Stelle ankam, waren da 6 andere Boote unterwegs. Wow, das wuerden ja entspannte Verhaeltnisse werden heute, dachte ich. Ich liess einen Koederfisch und einen Blinker in die gaengigen Chinooktiefen um 15 und 20 m hinab – und konnte mich nicht mal hinsetzen! Die erste Rute ruckelte schon los! Klein-Chinook. Noch bevor ich die Rute wieder im Wasser hatte, zuckte die naechste los. Wieder ein Kleiner!

Was soll ich sagen? Die naechsten 4 Stunden waren non-stop Action! Ich fing wohl 40 + Lachse. Viele waren kleine Chinooks und kleinere Cohos, aber es waren auch schon einige bessere Cohos dabei, um die 4-6 Pfund. Viele waren unmarkierte und mussten somit alle wieder zurueck wie auch alle Chinooks, egal ob markiert oder unmarkiert. Allerdings fand sich doch ein etwa 4 pfuendiger markierter Coho in der Masse so dass ich unerwarteterweise sogar einen kleinen Bonus mit nach Hause nehmen konnte. Mitte Juni so viele Cohos vor Sooke ist recht ungewoehnlich. Normalerweise kriegen wir erst im August/September einen guten Strom dieser Silberpakete. Manche Jahre hatten wir Krill das tief in die Juan de Fuca Strasse hineingedrueckt wurde und viele Cohos von Offshore mitbrachte. Vielleicht hatten wir wieder ein aehnliches Phenomen dieses Jahr!

Es war jedenfalls ein Heidenspass alle paar Minuten einen Lachs zu drillen. Einmal hatte ich einen schweren Brocken der zuschnappte. Der riss Leine von der Rolle, sicher ein Chinook, dachte ich. Als ich ihn ca. 5 m vom Boot hatte, schoss er ungelogen 1,5 m vertikal aus dem Wasser! Das war kein Chinook, das war ein mindestens 10 pfuendiger Coho! Wenn man bedenkt, dass diese Raeuber alle 3 Monate ihr Gewicht verdoppeln und Cohos auf keinen Fall vor Oktober laichen, so hatte ich hier einen potentiellen Weltrekordfisch an der Leine (31 Pfund). Aber ich bekam keine Chance ihn noch naeher zu inspizieren denn bei der naechsten Flucht flog mir ploetzlich der Blinker entgegen. Schade!

Am spaeteren Morgen hatte ich ploetzlich dicht hintereinander zwei anstaendige Chinooks von vielleicht 13-14 Pfund. Die rissen gut Schnur von der Rolle und machten ordentlich Dampf bevor ich sie vorsichtig noch im Wasser abhakte. Oefters hatte ich Doppelbisse von Chinooks in der 6-8 Pfundklasse. Davon musste ein ganzer Schwarm hier in der Trap Shack Bucht sein Unwesen treiben. Die waren in allen Tiefen vorhanden und gingen auch auf alle Koeder. Mein 12er Koederfischpack reichte nichtmal fuer die erste Stunde.

Etwa um 11:00 Uhr machte ich erschoepft Schluss. Schade, heute haette man ein paar Kinder oder deutsche Touristen dabeihaben sollen; so viel Lachs sollte man in Gesellschaft geniessen. Wenn es alle diese Lachse auch auf die Laichbetten schaffen koennten, waere die Zukunft der Lachsbestaende um einiges rosiger. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Re: Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

Beitragvon Argail » 10.07.2019 - 7:13

Wie immer ein sehr schöner Erlebnisbericht mit klasse Fotos! Danke fürs Teilen!:clap:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D