Stahlvorfach Thread


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Stahlvorfach Thread

Beitragvon Fehmarn98 » 05.08.2013 - 17:08

Da wir in letzter Zeit viel darüber diskuttiert haben, dass das Stahlvorfach zumindest beim angeln in deutschen Gewässern unerlässlich ist, interessiert es mich mal, welche Vorfächer ihr konkret in welchen Fällen und welchen Stärken benutzt.
Ich denke mal, dass dieses auch ein guter Thread für unsere Einstieger sein wird, da er ihnen bei der Wahl zum richtigen Vorfach hilft.

Ich für meinen Teil verwende mit voller Überzeugung 7x7 Flexonit, 0,27 zum BArschangeln und 0,36 zum gezielten Hechtangeln, da es sehr weich und Flexibel ist und auch nicht übermäßig dick, also im Vergleich zur Tragkraft.

Siggi R.
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Beitragvon Siggi R. » 05.08.2013 - 20:36

Ich nehme zu Spinnfischen auf Hecht Wolframvorfächer mit 10 kg Tragkraft und beim Angeln auf Barsch und Forelle 2,5kg.
Das wichtigste beim Angeln sind lange Arme, damit man zeigen kann, wie groß der Fisch war!

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Beitragvon LaZe » 05.08.2013 - 22:45

Ich nehme Carlstahl 1x17 in ~18kg Tragkraft.

Ich tausche regelmäßig bei Knick aus. Aus dem knickfreien restlichen Material baue ich meine Stinger.

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Raubfisch-Fan
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Beitragvon Raubfisch-Fan » 06.08.2013 - 22:24

Für's normale Spinnfischen nehme ich 7Strand von Drennan. Ich glaube die 15 Kilo Variante. Ist relativ günstig und hat mich eigentlich noch nie im Stich gelassen.
Günstig muss es auch sein denn ich verbrauche das Zeug wie Toilettenpapier ;). Sprich: Ich wechsel ziemlich häufig.

Für Stinger benutze ich ummanteltes Canelle - nylflex 40lbs. Man kann da aber ruhig noch stärkere Stahlvorfächer nehmen.

Sonst benutz ich ziemlich häufig 1x1 Titan von 45lbs bis 55lbs Stärke. Geiles Zeug!!!
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Beitragvon Heiner Hanenkamp » 07.08.2013 - 15:02

Ich verwende seit etlichen Jahren fast nur noch eindrähtiges Titan. Ausnahme: Bestimmte Kunstköder, die sehr viel Spiel brauchen wie zum Beispiel Blinker. Dafür verwende ich lieber 7x7 Flexonite. Aber in den allermeisten Fällen kommt Titan dran, je nach Ködergröße von 20lb bis 100lb Tragkraft.

Zwar hält Titan in Sachen Langlebigkeit bei weitem nicht das, was die Werbung verspricht; wer ein Titanvorfach zu lange dranlässt, riskiert durch Materialermüdung bedingten Bruch. Und bei sichtbaren Beschädigungen (geknickte Stellen) muss sofort gewechselt werden, um nichts zu riskieren. Dennoch rechnet sich Titan unterm Strich, selbst wenn man, was ratsam ist, jedes Vorfach nur ein paar Angeltage lang dranlässt, und auch dann wechselt, wenn das Vorfach vollkommen unbeschädigt ausschaut. Der saisonale Verbrauch an Vorfächern aus 1x7- oder 7x7-Stahl ist auch so um ein Vielfaches höher als mit Titan.

Allerdings ist Titan, besonders die dünneren Ausführungen, empfindlicher gegen Verarbeitungsfehler als Stahl, wenn man mit Quetschhülsen arbeitet. Am besten verwendet man lange Quetschhülsen (~1cm) wie z.B. die Slim Crimps von Drennan, die es in drei verschiedenen Stärken bis zu einer Tragkraft von 65lb gibt. Bei sehr schweren Baits um und über 300g, wo Titan von 80lb Tragkraft oder mehr zum Einsatz kommt, ist es aber sicherer, zwei Quetschhülsen auf jeder Seite vorzusehen.

Und möglichst sollte man sich eine Zange besorgen, die mehr als bloß fünf Druckpunkte aufweist. Es gibt Ausführungen mit sechs oder sieben Druckpunkten, die besser geeignet sind für Titan.

Sehr dünnes Titan unter 20lb Tragkraft, wie manche es beim Lightfischen verwenden, knotet man besser. Es geht zwar auch mit dafür geeigneten, sehr dünnen Quetschhülsen, die manche Händler anbieten. Aber das vernünftig hinzukriegen, ist nicht so ganz ohne und für Titan-Neulinge nicht ratsam.

Titan ist das zur Zeit vielleicht beste Vorfachmaterial, aber es verzeiht keine Schlampereien bei der Verarbeitung. Und die überzogenen Verheißungen der Werbung, wonach man ein Titanvorfach viele Wochen oder gar Monate dranlassen könne, schlage man sich bitte gleich aus dem Kopf. Dem ist nicht so. Wer an einem knickerigen inneren Buchhalter laboriert, sollte daher besser die Finger von Titan lassen. Überbeanspruchtes, ermüdetes Titan kann auch dann reißen, besonders an den Ösen, wenn keinerlei äußere Beschädigungen sichtbar sind. Daher ist ein regelmäßiges, frühzeitiges Auswecheln nach ein paar Tagen Gebrauch unerlässlich, wenn man keine unnötigen Risiken gehen will.

Und: Titan ist nicht gleich Titan. Es gibt signifikante Qualitätsunterschiede, und es hat Fälle gegeben, wo vollkommen unbrauchbarer Mist verkauft wurde, der nicht mal annähernd das hielt, was als angebliche Tragkraft ausgewiesen war. Man kaufe daher nicht von obskuren Billigquellen, sondern nur von vertrauenswürdigen Händlern. Sehr gut ist zum Beispiel das Material von http://www.jerkbait.com. Gut ist auch das aus den USA stammende Titan, das von ThinkBig vertrieben wird.

Bei für die Angelei geeignetem Titan handelt es sich um Titan-Nickel-Legierungen, aber die Art und Weise der Legierung ist kritisch. Zum Teil wurde einfach Material verkauft, das in der Chirurgie verwendet wird. Aber das ist gar nicht geeignet für Vorfächer. Titan ist bei gleicher Tragkraft auch nicht merklich dünner als mehrdrähtiger Stahl. Quellen, die Titan derart anpreisen, sind nicht seriös. Die tatsächlichen Vorzüge von Titanmaterial sind das geringere Gewicht gegenüber Stahl und die Tatsache, dass Titan erheblich weniger leicht knickt. Das spart Zeit und unterm Strich und auf längere Sicht auch Geld. Aber ganz und gar knickfrei ist es nicht, und ein überirdisches Wundermaterial ist es auch nicht, denn so was gibt es nicht.

Außerdem sollte klar sein, dass Quetschungen und Knoten eine geringere Tragkraft haben als die spezifizierte Tragkraft des verwendeten Materials. Im Zweifelsfalle also das stärkere Titanmaterial verwenden.

Siggi R.
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Beitragvon Siggi R. » 07.08.2013 - 22:00

Wieso ist der Verbrauch an Stahl höher als Titan?
Wie oft wechselst du ein Stahlvorfach?
Das wichtigste beim Angeln sind lange Arme, damit man zeigen kann, wie groß der Fisch war!

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Beitragvon Heiner Hanenkamp » 07.08.2013 - 22:22

Im Schnitt hatte ich, als ich noch mit Stahl fischte, zwei bis drei Vorfächer pro Angeltag verbraucht.

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Beitragvon Raubfisch-Fan » 07.08.2013 - 22:28

Siggi R. hat geschrieben:Wieso ist der Verbrauch an Stahl höher als Titan?
Wie oft wechselst du ein Stahlvorfach?


Ganz einfach. Stahl knickt und verdreht sich deutlich schneller als Titan. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass man sein Stahlvorfach fast nach jedem Fisch wechseln könnte, weil es z.B. stark geknickt wurde (es sei denn man benutzt äußerst starken ummantelten Stahl).

Titan hat einen "Memory-Effekt", der dafür sorgt, dass es eben nicht so schnell knickt.

Ich für meinen Teil wechsel Stahl spätestens am Ende das Angeltages bzw. am Anfang des Neuen oder wenn es nach einem Fisch z.B. aussieht wie ein Korkenzieher.

Titan nach ein paar Tagen. Oder bei einem Knick.
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Beitragvon Heiner Hanenkamp » 07.08.2013 - 22:35

So habe ich das auch immer gehalten. Geknickte Vorfächer, egal ob aus Stahl oder Titan, wechsle ich sofort aus. Bei Stahl kann das allerdings ziemlich nervig werden. Hänger oder Bisse oder auch nur Würfe, bei denen sich der Bait ins Vorfach hängt beim Wurf, lassen Stahlvorfächer leider sehr schnell knicken.

Mit Titan geschieht das erheblich weniger häufig. Über die Saison gerechnet, verbrauche ich an Titanvorfächern ungefähr nur ein Zehntel von dem, was ich früher an Stahlvorfächern verbraucht habe. Und das, obwohl kein Titanvorfach länger als wenige Angeltage dranbleibt. Deshalb rechnet sich Titan, sowohl zeitlich als auch von den Kosten. Außerdem sind für die allermeisten Baits, die ich fische, sowieso keine flexiblen Vorfächer angesagt. Die würden da eher stören als nützen.

Meine Titanvorfächer für die Saison mache ich im Winter an einem einzigen Nachmittag (vier verschiedene Titanstärken). Denn ich habe keine Lust, mich um solchen Kram während der Saison oder gar am Wasser zu kümmern, da gibt's Wichtigeres zu tun. Mit Stahl ist das so ganz sicher nicht machbar, das würde erheblich länger dauern. Jedenfalls hätte ich keine Lust mehr, mich noch mit Stahl herumzuärgern. Kostet nur Zeit, und die ist was wert am Wasser.

Wenn man bloß gelegentlich mit Kunstködern angelt, kann man auch mit Stahl ganz gut auskommen. Aber wenn man sehr viel oder gar ausschließlich mit Kunstködern fischt, ist Titan ganz klar vorteilhaft. Nachteile von Titan: Es ist kritischer als Stahl beim Quetschen und man sieht einem Titanvorfach nicht unbedingt an, wenn ein Ermüdungsbruch bevorsteht. Letzteres ist allerdings nur dann ein Nachteil, wenn man nicht in der Lage ist aus falsch verstandener "Sparsamkeit", frühzeitig und regelmäßig das Vorfach zu wechseln. Im Grunde also gar kein Nachteil des Materials, sondern einer bestimmten "Spar"-Mentalität geschuldet.

Leider hat eine Werbung, die ihre knickerigen Pappenheimer nur zu gut kennt, das auch noch gefüttert, indem ziemlich unverantwortlich von einer fast unbegrenzten Lebensdauer von Titan daher geschwafelt wurde. Das war dumm, denn dem Ruf von Titan hat das sehr geschadet.