Aal - der perfekte Zielfisch für Kochtopfangler?

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Aal - der perfekte Zielfisch für Kochtopfangler?

Beitragvon Korsikaphil » 05.11.2010 - 13:30

Hallo!
Beim Aal kenn ich mich nicht besonders aus: Ich hab mal bei Sidley (oder hieß er Bailey?) gelesen, dass die grossen Aale (dh in dem Text: Fische ab 60cm) unfruchtbar sind, und garantiert nie mehr in die Sargassosee wandern, um abzulaichen.
Wenn das stimmt wär der Aal ja dann im Gegensatz zu den meisten anderen Raubfischen, bei denen die Großen die Hauptverantwortung für die Reproduktion tragen, der perfekte Zielfisch für den Kochtopfangler.

Die Schnürsenkel, mit denen man eh nix anfangen kann, gehen zurück, die Großen wandern mit gutem ökologischem Gewissen in die Tonne!
Korrekt oder daneben?
Gib einem Mann einen Fisch und er ist einen Tag satt. Zeig ihm wie man angelt, und du bist ihn jedes Wochenende los.

Kai S.
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Beitragvon Kai S. » 05.11.2010 - 14:01

Daneben, und zwar sowas von.
Die kleinen wandern nicht ab, die großen wandern ab. Schau z.B. mal die aktuellen Expertenfragen im Blinker an. Wandert ein großer Aal noch ab den ich aus dem See in einen Fluß setze? Antwort: Ja die wandern ab wenn es geht und der Wandertrieb wird den schnell abwandern lassen.

ich hab mal die Frage nach dem Wachstum von Aalen dort gestellt. Die Antwort war

Allgemein gültige Wachstums/Altersrelationen sind nicht möglich. Fische und deshalb auch die Aale, wachsen in jedem Gewässer unterschiedlich schnell.
In seinem Standartwerk über den Aal hat Prof. Tesch eine Tabelle für unseren europäischen Aal Anguilla anguilla, weiblich, gültig für die untere Elbe und auch nur für das Jahr 1996 erstellt. Die gestrichelte Linie gilt für indische Aale.

Das Wachstum hängt von der Wassertemperatur und dem Nahrungsangebot ab, in geschlossenen Gewässern ohne Abwanderungsmöglichkeit werden Aale oft enorm groß, usw.

Ausreichend genaue Hinweise zu Ihrer Frage ergeben sich hoffentlich aus der Grafik.


Mit freundlichen Grüßen und Petri Heil


Dr. Wondrak



Bild

Mit ca. 10 Jahren hast Du die 60 cm bei den Aalen (weiblich, denn die männlichen werden längst nicht so groß).
Jetzt mal auf Wikipedia schauen
Weibliche Tiere werden mit 12 bis 15 Jahren Geschlechtsreif, männliche bereits in einem Alter von sechs bis neun Jahren.


Was sagt uns das?
Deine Idee sorgt dafür das genau DIE Aale entnommen werden die gerade eben Geschlechtsreif sind. Denn laut Wiki werden die männlichen Aale max. 60 cm groß, also sind das fast immer weibliche Aale.

Und große Aale ist also auch relativ, denn warum haben wir z.B. 28cm als Mindesmaß für Aal? Weil es bei uns viele männliche Aale gibt und die eher klein bleiben. Von daher sind die in der Länge also schon einige Jahre alt. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluß das der 50cm Aal den Du zurücksetzen willst weil er "jung" ist, schon ein sehr alter männlicher Aal ist (evt. auch der 45cm Aal bei schlechten Bedingungen) und der große "alte" 60cm Aal ein gerade Geschlechtsreifes Weibchen ist.

Von daher, sollte die Aussage mit dem Alter und unfruchtbar stimmen, hättest Du immer noch das Problem zu sagen ok der 45 cm Aal ist ein altes Männchen oder ein junges Weibchen, und ist der 60 cm Aal ein uraltes Männchen oder doch ein junges Weibchen? Dank der unterschiedlichen Abwachsraten (wie bei Hechten, ect.) kannst Du doch überhaupt nicht von der Länge auf das Alter schließen wenn Du das Geschlecht nicht kennst.

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Beitragvon rhinefisher » 05.11.2010 - 15:23

Bei der aktuellen Lage sollten wir die Aale generell in Ruhe lassen!!
Mir mangelt es irgendwie am Verständniß, wenn Angler noch immer Aale entnehmen und sich gleichzeitig darüber beschweren, dass es immer weniger gibt... .
Petri
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Beitragvon Kai S. » 06.11.2010 - 0:39

Mir irgendwie nicht weil die Ursache nun einmal der Glasaalfang und die Verbauung ist, dazu noch der Parasit, und eben nicht die Angler. Die kommen nicht mal Ansatzweise da ran.

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Beitragvon rhinefisher » 06.11.2010 - 6:50

Stimmt natürlich - aber wir müssen dann doch nicht noch die letzten Reste beangeln... .
Petri
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Beitragvon MatthiasB. » 06.11.2010 - 20:29

Onkel Tom hat mal was treffendes gesagt, was nicht ganz falsch zu sein scheint.
Der Aal ist das einzige Lebewesen dieses Planeten, was sich das Recht heraus nimmt, sich nur an einer Stelle dieser Erde fort zu pflanzen.

Bevor der Aal ganz von der Bildfläche verschwindet, wo ich den Großteil der Schuld der Glasaalfischerei gebe, nehme ich mir als Angler meinen Teil für den Räucherofen. Die meisten gefangenen Aale in Seen, oder Baggerlöcher, sind eh Besatz und dienen zu diesem Zweck, bzw wurden gerade zu diesem Zweck eingesetzt.
Die Zensur ist das lebendige Geständnis der Großen, dass sie nur verdummte Sklaven, aber keine freien Völker regieren können.

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Beitragvon Korsikaphil » 08.11.2010 - 13:34

@Kai S.:

Danke für die ausführliche Antwort, aber bedenke: Die These stammte nicht von mir, sondern von John Sidley. Mit Deinen Ausführungen hast du sie eindrucksvoll widerlegt, und uns obendrein noch aufgezeit, dass Aalpapst Sidley auch einmal daneben gegriffen hat. Ich bin froh dass ich gefragt habe,
anstatt blindlings den Worten eines "Aal-Experten" zu vertrauen.
Petri!

PS: Hab mir doch gleich gedacht dass die Sache einen Haken hat. Wär auch zu schön gewesen....
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Beitragvon Kai S. » 09.11.2010 - 14:03

Bitte, wobei Du bedenken solltest das die Daten nicht von mir sind.
Da vertraue ich auf die Quellen wie Wikipedia zum Alter und den Daten vom Blinker zum Wachstum (wenn auch Elbe in einem Jahr, ect.). Wobei ich die so gefunden habe, ich bin der Meinung da schon mehrfach was zu gelesen zu haben (z.B. Alter/Größe beim Erreichend er Laichreife).

Ich habe btw. auch kein Problem damit auf Aal zu angeln. Ist neben dem Wettkampffischen meine liebste Angelart.

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Beitragvon niels1984 » 09.11.2010 - 15:10

Der Bestand ist auf jeden fall nur von der Glasaalfischerei gefährdet, denn wo sonst werden solche Mengen verarbeitet.Ich habe auch schon gehört das bei uns in manchen Regionen der Aal ganzjährig geschützt sein soll.Zum Glück wird er überall besetzt und wir kommen in den Genuss ihn zu beangeln, allerdings will ich garnicht allzuweit in die Zukunft denken wie es dann in unseren Flüssen, Seen und Meere aussehen wird.

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Beitragvon rhinefisher » 09.11.2010 - 16:06

Der Bestand ist auch durch Parasiten, Verbauung, den Kormoran und Angler gefährdet... .
Petri
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Beitragvon Korsikaphil » 10.11.2010 - 14:03

Ich sags euch ehrlich: Wenn nicht schleunigst die Bundeswehr eingreift, und die Raubbau-Piratenflotten versenkt (und zwar überall!, beim "Internationalen Terrorismaus" machen wir ja auch keine Kompromisse), sehe ich schwarz für die Meere an sich, und auch für diejenigen, die auf ein minimal funktionierendes Ökosystem angewiesen sind, wie etwa die Aale (oder auch die Isländer).
Da ich nicht davon ausgehe, dass die EU sich in dieser Sache jemals zu irgendeinem Schritt in die richitge Richtung entscheiden wird, möchte ich noch einmal aus dem vollen schöpfen, bevor das Wunder Aal endgültig Geschichte ist.
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Beitragvon Gerd » 10.11.2010 - 16:03

Trotz der Brisanz des Themas möchte ich bitten, politische Stellungnahmen weitestgehend herauszuhalten. Diese führen meist zu nichts Gutem und zu unnötigem Zündstoff.

Danke
Hätte ich einen Weinberg, ich würde ihn 'Hang zum Alkohol' nennen

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Beitragvon niels1984 » 10.11.2010 - 19:24

Naja, also ich denke nicht das Aale von Anglern, Cormoranen und Verbauung gefährdet sind, es wird überall gezüchtet und besetzt, alleine bei uns reden wir von mehreren Tausend stück die jedes Jahr in die Freiheit dürfen.

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Beitragvon Onkel Tom » 10.11.2010 - 19:38

Na da wollen wir aber mal nicht die Tatsachen verdrehen. Aal lässt sich nicht züchten wie viele andere Arten. Was du vielleicht aus "Aalaufzuchtfarmen" kennst, sind nichts weiter als vor den Küsten weg gefangene Glasaale, die dort dann "hochgezüchtet" werden, um sie dann später wieder auszusetzen.

Ein nicht unerheblicher Teil solcher Aale wird dabei in geschlossene Gewässersysteme besetzt, aus denen er nicht auf natürlichem Weg abwandern kann, mit "in die Freiheit" setzten hat das wenig zu tun. Solche Fische sind nichts weiter als einen "Gabe an die Anglerschaft".

Ich weiß nicht ob es so sinnvoll ist, seine Verantwortung als Angler, für den erhalt des Aals herunter zu spielen. Ganz klar, es gibt wesentlich schlimmere Gründe (Glasaalfang, Verbauung ect.), aber eine Mitverantwortung sollte die Anglerschaft meiner Meinung nach schon haben und anerkennen.
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Beitragvon niels1984 » 10.11.2010 - 19:58

Auch nicht ganz richtig.
http://www.kochmesser.de/component/name ... 27/id,6701
http://www.firmenpresse.de/pressinfo187483.html

Blos prozentual würde ich die Ausmaße des Anglers im Bezug des Aalfanges nicht als entscheidend oder gravierend sehen.