Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

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Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Zockerherz » 09.06.2019 - 20:52

Hallo Ihr Lieben,

ich habe meinen Fischereischein nun seit Februar diesen Jahres und konnte zuletzt endlich mal öfter Angeln gehen. Zumal bin ich auch dem SAV Bartenwetzer beigetreten. In Beiseförth komme ich öfters mal beruflich vorbei und kann dann nach dem Kundenbesuch nachmittags/abends mal die Rute auswerfen.

Ich muss gerade erstaunlicherweise über mich selber Lachen mit einem weinenden Auge.
Wie der Titel schon sagt, habe ich die letzten Male vieeeeeel Lehrgeld bezahlt. Dies möchte ich euch schildern und auch vielleicht dem ein en oder anderen Anfänger Mut machen: Schwund gibts immer!

Ich habe es jetzt geschafft Haken inklusive Vorfach, Blei und Pose im Baum zu versenken. Eigentlich wäre ich ja daran vorbeigekommen, aber der Windstoß hat die leichte Montage erfasst und das wars.

Meinen neuen Mad Gryzzly Wobbler habe ich im Wasser versenkt. Ich kam auf die Wahnsinnige Idee die 0,30er Mono mit 0,25er FC mit einem verbesserten Allbright zu verbinden :clap: (der Blutknoten wäre die richtige Wahl gewesen). nach dem 7. Auswurf machte es pitsch und platsch. Weg der Fisch. Dabei lief der echt super...
Davon abgesehen war es etwas windig und ich hab ständig Perücken in die Schnurr bekommen.

Und heute...ja heute habe ich den Vogel abgeschossen sprichwörtlich). Ich hab beim Auswerfen mit der UL Rute den Köder wieder mal im Baum verhakt. Der Spoon lies sich gut lösen, aber ein kleiner Ast hatte sich in der Schnur verdrillt und mir den Spitzenring zerbröselt und die Spitze gespalten...Muss also schauen, dass ich für die Rute ein neues Spitzensegment kaufen kann...ansonsten kann die auf den Müll. Grobmotoriker lässt grüßen.

Der Hammer kam aber nachmittags. Ich hab die Rolle (Daiwa Nina 2500A) an meine 3,40 Posenrute gebastelt. Meinen neuen Wobbler per Snap verbunden und...auch diesen verloren. Kurz vor Ende bevor ich gehen wollte in meinem Kopf „Och komm, bitte wenigstens einen Biss heute“.
Ausgeworfen und direkt beim ankurbeln ruckte es. Und dann war Polen offen. Ich kurbelte, die Bremse klackerte und die Rute bog sich wie Gollum.
Da hatte sich dann soweit ich es später erkennen konnte ein riesiger Hecht im Wobbler verbissen.

Scheiße...kein Stahlvorfach...(ich wollte ja auf Barsch und wenn überhaupt Zander und dass es so viele Hechte im Vereinsteich gibt wusste ich nicht). Also mit Adrenalin im Blut gedrillt, ein paar Schritte zurück gegangen um den Kescher zu holen, die Rute auf Spannung gehalten, Kescher ins Wasser, der Bursche gibt gas und meine Bremse beginnt zu kreischen. Ich drehe im Unwissen die Bremse weiter zu, werde hektisch, schwitze und weg ist der Fisch.

Mist, hat der Fisch die 0,10er geflochtene oder das 0,25 FC durchgekaut...beim rauskurbeln war alles noch da...der Snap hatte sich aufgebogen. :oops:
Dabei war das einer von Sänger mit 11 Kilo Tragkraft.

Was lerne ich daraus? Ich hab scheiße gebaut! Es war nicht das Problem, dass die Schnur für den Hecht zu unterdimensioniert war, nein, ich war sogar sehr erstaunt wie sehr die Rute federt und im Zusammenspiel mit der Bremse die Last von der Schnur nimmt. Mein Problem war, dass ich den Drill voll, versaubeutelt habe. Bisher hatte ich nur ein paar Portionsforellen und eine größere Lachsforelle am Haken gehabt. Das kleine Rotauge, den kleinen Barsch oder den Babyhecht zähle ich da mal nicht mir, weil die sich ohne Widerstand einholen liesen.

Der Hecht war die erste Herausforderung und so ein Drill zeigt einem knallhart dass Fehler nicht verziehen werden! Der Fehler bestand hauptsächlich darin die Bremse zuzudrehen. Ich hätte hier die Bremse rattern lassen sollen und sobald das aufhört kurbeln. Auch hätte ich Pumpen sollen um den Fisch Richtung Land zu bekommen. Generell hätte ich dem ganzen mehr Zeit lassen sollen, damit sich der Bursche abkämpft und problemlos eingeholt werden kann.

Beim nächsten mal bin ich schlauer und ruhiger. Es ist Wahnsinn was so ein Fisch für eine Kraft hat. Auch meine Ausrüstung wird angepasst.
Neue Spinnrute und Rolle kommt (die Posenangel als Spinnrute war eher notdürftig bis die neue kommt). Sobald ich Gummifische, große Blinker, oder Wobbler nutze, immer Stahlvorfach mit Knotenlosverbinder an Geflochtener UND wenn möglich Crosslock Snaps oder Stay Lock Snaps.

Außerdem: mache einen großen Bogen um Bäume!

Ja, da bekommt der Name Lehrgeld eine bestimmte Bedeutung -.-

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Valestris » 09.06.2019 - 21:03

:lol:
Ich glaub sowas kennt jeder Angler und dass man nervös bei nem guten Fisch ist, finde ich ganz normal. Mir geht es bei jedem Biss noch so ;)
Du hast draus gelernt und weißt nun wie du beim nächsten mal besser handeln kannst.
Fish 4 Life!

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Thorben » 09.06.2019 - 21:51

Mir ging es vor nem Monat ganz ähnlich. Hab beim leichten Zanderangeln am Rhein einen Wels gehakt. Ich war erst mal völlig überfordert. Glücklicherweise war ich an dem Tag mit Gerd am Wasser und so konnte ich ihm zumindest eine Comedyeinlage bieten, auch wenn ich den Fisch am Ende trotzdem verloren habe. :lol:

Von den Wobblern und vor Allem Gummis die ich bei vollem Bewusstsein und Wissen über die Bodenbeschaffenheit fahrlässig in die Steinpackung gehängt habe fangen wir mal besser nicht an :D

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon ToTi » 09.06.2019 - 23:54

Tja, so erging es wohl jedem schon, mehr oder weniger heftig.
Aber dir wird das nächste mal nicht mehr passieren. Bin ich mir ganz sicher :-)
Ich hab letztes Jahr was sehr großes am Spinner dran gehabt, daß größte was ich bis dahin dran hatte.
Völlig überrascht über die schiere Kraft von meinem Gegner und das er mir mal locker 50-60m Schnur von der Rolle völlig problemlos abzog, hab ich gedacht ich muss die Bremse etwas zu drehen. Das machte ich genau 2 Klicks und dann war die Schnur lasch....Vorfach abgerissen.
Genau eine Woche später hab ich an der selben Stelle wieder einen gewaltigen Biss und ich hab aus der Vorwoche gelernt....Finger weg von der Bremse ;-)
Ich hab nur mit dem Finger auf der Spule den Bremsdruck immer wieder mal leicht erhöht. Nach 1,5 Std Drill hatte ich ihn draußen. Ein Wels mit genau 1,50m.
Fazit:
Lerne aus deinen Fehlern und du wirst tolle Fische fangen ;-)

ToTi
Leg dich nie mit Anglern an, wir kennen Orte, da findet dich niemand :D

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon rhinefisher » 10.06.2019 - 6:57

Schöner Bericht... :clap: .
Zeigt mir aber auch wieder, dass "UL" nicht für Anfänger taugt.. 8)
DEUS LO VULT !

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Zockerherz » 10.06.2019 - 9:49

@Valestris
Das Adrenalin ist ja auch richtig und wichtig, erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentration :D Nur wenn man selber nicht weiß wie man reagieren soll macht man halt murks. :dance:

@Thorben
Das war dann vermutlich auch so ein Bild für die Götter wie bei mir :D
Und seien wir mal ehrlich, die Raubfische wie Zander und Barsche hängen nun mal gerne bei den Stellen herum, die Hänger provozieren können :)
Ärgerlich wird es dann, wenn es der letzte Wobbler/GuFi war, den man dabei hatte :D

@ToTi
Jaja, die vermaledeite Bremse. Einmal einstellen und dann Pfoten weg, allerhöchstens noch zum Ende des Drills vor dem Landen etwas öffnen falls der Gegner nochmal richtig Power gibt. Zumindest habe ich das gelesen, dass es hier oft zu Abrissen kommen kann.
Und 1,5 Stunden Respekt. Was ein Hammerfisch :clap:

@rhinefischer
Die UL Rute ist kaputt gegangen bevor ich den Hecht dran hatte. Den 15 Gramm Wobbler hätte ich damit nie auswerfen können :D
Aber ich hatte bevor die kaputt ging auch etwas großes dran. Ich weiß nicht was es war, jedenfalls auch sehr kräftig. Da die Barsche dort auch auf Spoons beißen war das vielleicht einer, vielleicht war es auch eine große Forelle. Leider ist der Fisch ausgeschlitzt, daher tippe ich entweder auf Forelle oder Barsch. Erkennen konnte ich den Fisch nicht, nur kurz einen weißen Bauch. :)

Aber kannst du mir Deine Aussage, dass UL Ruten nicht für Anfänger taugt etwas genauer erklären? :) Ne, das interessiert mich wirklich. Ich hatte die damals geholt, weil sie schön kurz war und ich eigentlich „nur“ auf Forellen gehen wollte (und diese auch als Forellenrute ausgezeichnet war).

Hätte ich gewusst wieviel Spaß die Raubfische machen hätte ich mir gleich eine größere Spinnrute bestellt. :dance:

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon rhinefisher » 10.06.2019 - 12:52

Na ja - das ganze "Feingefummel" mit 6er Schnüren und 3gr Ködern ist ohnehin bloß füe Aquarienlienhaber interessant.
Wie klein muß ein Barsch wohl sein, um einen 15gr Köder zu verschmähen?
Hinzu kommt, dass beim kleinsten Fehler die Montage, oder gar die Rute bricht.. .
DEUS LO VULT !

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Zockerherz » 10.06.2019 - 13:58

Na ja, die UL Ruten haben meiner Meinung nach Ihre Relevanz an Bächen oder wo das Gestrüpp am Ufer so verwachsen ist, dass eine längere Rute nicht funktioniert. Oder an den Forellenseen.

Ich Angel mit Pose gerne mit 10g Ghost und Pose. Die Floatrute Rute hat ein WG von 10-40g. Nach dem ersten Auswurf habe ich panisch die Rute hochgerissen und sofort mit der Hand die Rolle blockiert. Köder samt Posenmontage landete nur knapp vor dem anderen Ufer im Wasser ;)
Da haben die kleinen 2-3 Gramm Spoons schon Sinn gemacht.

Davon abgesehen hab ich auf der Rolle für die UL Rute, welche ich an die Floatrute gepackt habe, eine 0,10er geflochtene drauf gehabt (Shimano Kaikiri s8) und dazu ein 0,25 Shimano FC Vorfach. Das ist zwar für Forellen etwas überdimensioniert, aber diesen Superdünnen Schnüren traue ich dann doch nicht und im Drill mit dem Hecht hat sich ja gezeigt: Schnur, Vorfach und vor allem meine Knoten sind bombenfest. :dance:

Aber ich werd die erstmal nicht reparieren lassen. Da ich ein neues Segment brauche würde ich sicher den halben Kaufpreis zahlen müssen und da ich mir kürzlich eh die Shimano Technium Spin bestellt habe mit 14-56g WG sollte ich auch damit locker auf Forellen angeln können. :)

Wobei ich eher gerade heiß auf andere Raubfische bin.

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Argail » 11.06.2019 - 10:50

Ich angle seit 1989 und habe noch nie die Rollenbremse benutzt. Ich kurbele rückwärts und das funktioniert wirklich genauso gut. Glaubt zwar keiner und alle gucken blöd beim Drill eines größeren Fisches aber ist tatsächlich so :D 8) . Und immerhin Karpfen bis 15 Kilo, Hechte bis 100 cm und und und so gefangen.
Mit 10er Geflochtener kannst du auch Babywale fangen,da mach dir man keine Sorgen :lol: , 25er Fluovorfach bei Hechtbestand ist allerdings grenzwertig.

Mein tolles "du Idiot-"Erlebnis war mein allererster Wurf mit Spinner,damals 1989. Schön über Kopf, volle Möhre raus und.....der Spinner kam nicht im Wasser an? Ein Blick nach oben und da wickelte sich grad der Spinner schwupp schwupp schwupp um den dicken Ast über mir den ich nicht beachtet hatte. Seitdem gilt: Augen auf beim Auswurf! :badgrin: :badgrin: :badgrin:
Scheißwetter ist Beißwetter!!! :D

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Re: Das Lehrgeld der Anfänger im Drill

Beitragvon Zockerherz » 11.06.2019 - 18:52

Ja, ich gebe zu ich hab die Hechte unterschätzt. Wollte ja auf Barsch und Zander Wobblen. Man lernt aus seinen Fehlern!

Das nächste Geschirr wird die Daiwa J-Braid 8 in 0,16, dazu dann ein 7Kg Stahlvorfach. Der Snap am Vorfach wird gegen einen Daiwa SW CrosslockgSnap mit 25 Kg ausgetauscht. Der sollte eigentlich stabil halten, zumal ja der Snap am Köder selber durch den kampf des Fisches noch zusätzlich belastet wird. Das sollte für Barsch Zander dicke reichen und auch nen Hecht verkraften.

Mal sehen wie die J-Braid ist. Die Kairiki von Shimano ist schon richtig gut, die zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen ist nicht einfach. Scheinbar hat sich die noch nicht so etabliert wie die J-Braid oder die Fireline.

Und Ohne Rollenbremse? Dazu hab ich keine Erfahrung, :) Zumal Shimano an der NASCI ja den Rücklauf entfernt hat.

Ja, wenn man erstmal die Montage im Baum hängen hat schaut man erstmal doof :D Und wenn man direkt nach dem Auswurf kein Platsch hört...dann hofft man eigentlich nur den Köder noch retten zu können :D