Illegal gestellte Netze - Anzeige erstatten lohnt

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Derrik Figge
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Illegal gestellte Netze - Anzeige erstatten lohnt

Beitragvon Derrik Figge » 12.05.2007 - 13:36

Moin,

der Urlaub an der Ostsee ist nun leider schon wieder vorbei und der Alltagsstress hat einen wieder fest im Griff. Das ist auch der Grund, warum meine Beiträge etwas verspätet erst eingestellt werden.

Wie jedes Jahr haben mein Kollege und ich uns wieder über Ostern getroffen und den Meerforellen nachgestellt. Wie jedes Jahr haben wir dabei wieder Berufsfischer beobachtet, die ihre Netze illegal gestellt haben und für die der Mindestabstand zum Ufer von 200 Metern völlig egal zu sein scheint.

Ich hatte über diese Schweinereien mal mit Tom Rustmeier gesprochen und wir waren beide der Meinung, dass nur Anzeigen hier auf Dauer Erfolg bringen werden. Wie es der Zufall wollte, trafen wir einen Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei Flensburg am Wasser, der selbst begeisterter Mefo Fliegenfischer ist!

Er berichtete uns, dass tatsächlich in dieser Sache etwas unternommen wird, auch wenn die angelnden Kollegen hier immer wieder Druck machen müssen, damit die Nichtangler den Sinn der Sache begreifen :roll:

Er sprach von einigen Fällen aus der Region zwischen Kiel und Flensburg, in denen Fischer verwarnt wurden und teils empfindliche Strafen auferlegt bekommen haben. Bei der ersten Verwarnung sprach er von ca. 400 Euro, danach würde es deutlich teurer und in Einzelfällen seien sogar die Netze beschlagnahmt worden.

Nach diesen Aussagen haben wir uns dann vorgenommen, die regelmäßigen Verstöße nicht mehr einfach so hinzunehmen und haben uns die Nummern der einzelnen Stellen der Wasserschutzpolizei in die Handies programmiert.

Wir musste auch nicht lange warten...2 Tage waren es glaube ich...und schon haben wir das erste schwarze Schaf beobachten können. Der Fischer legte sein Netz direkt neben unserem Boot aus und war dabei wirklich dreist:

Die erste Fahne lag ca. 200 Meter vom Ufer entfernt. Danach fuhr der Fischer auf ca. 100 Meter an die Kante ran und legte dort im 2-3 Meter tiefen Wasser sein Netz im Bogen aus.

Die zweite Fahne war dann knapp über 100 Meter vom Ufer weg und wir haben direkt die WSP angerufen. Diese bat uns, den Vorfall weiter zu beobachten.

Der Fischer fuhr wieder einen Bogen unter Land und setzte die dritte Fahne ganze 62 Meter vom Ufer!!! Wir haben daraufhin die WSP erneut angerufen und gebeten, ein Boot zu schicken, da der Fischer das Netz sicher morgens direkt wieder rausnehmen würde.

Leider war kein Boot verfügbar, woraufhin wir gebeten wurden, Beweise zu sichern. In der heutigen Zeit gar kein Problem:

1.) Fotos per Kamerahandy von den Fahnen machen
2.) Mittels Ersatzrolle den Abstand zwischen Fahne und Ufer abmessen
3.) Die Bootsinformationen des Fischers festhalten
4.) Bennenung von mind. 2 Zeugen

Gesagt getan haben wir das auch gleich getan und am nächsten Tag nach Maasholm gebracht. Der Fischer mit dem Boot Ecke 21 war dort schon aktenkundig und man hat sofort ein Bußgeld verhängt.

Nur wenige Tage später haben wir an anderer Stelle genau dasselbe beobachten können, diesmal vor der Schleimündung von Boot Schlei 2 und wieder bei der WSP angerufen. Die Kollegen waren sehr nett und wussten zu unserer großen Verwunderung direkt, wer wir sind. Es scheinen viel zu wenige Angler so zu handeln und solche Schweinereien zur Anzeige zu bringen.

Dieses Mal war ein Boot verfügbar und keine halbe Stunde später kamen sie auch schon herbeigerast. Der Fischer war noch vor Ort und musste das Netz sofort bergen! Auf unsere Frage, was nun passiere, sagte die WSP, dass der Fischer dennoch ein Bußgeld auferlegt bekommt. Die mündliche Ermahnung sei nur Teil des ganzen, da es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt.

Aufgrund dieser Erfahrungen kann ich nur jedem raten, derartige Vorkommnisse sofort zu melden und hartnäckig dran zu bleiben, dass auch etwas passiert. Die WSP hat offenbar den Ernst der Lage erkannt und hilft gerne.

Zum Schluß noch etwas, was uns bis heute zu denken gibt:

Der Kollege der WSP berichtete von einer Kontrolle eines Fischers, der in nur einer Nacht 160 Mefos gefangen hat. Die "kleinen" von 55 cm und mehr lagen in Kisten, die "großen" lagen neben den Kisten in Reih und Glied. Er sprach von vielen Fischen im zweistelligen Bereich. Bei diesen Mengen ist klar, warum Fischer die Netze im Flachwasserbereich auslegen, selbst wenn sie mit Strafen zu rechnen haben...

Euer Derrik


Foto der Netzfahne:

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Beitragvon northgermanmefofreak » 12.05.2007 - 13:55

SPITZENBEITRAG :!:


So sollte eigentlich Jeder handeln, der soetwas sieht: Bei mir hat es auch schon Erfolg gebracht :) .


{ß*#
TL....André

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Beitragvon WhiteHawk » 12.05.2007 - 14:54

Super Sache! Scheint ja echt was zu bringen, wenn man bei solchen Fällen hart bleibt.

Ne kleine Hilfe für Vorfälle dieses gleichen wäre, wenn du die Nummern der zuständigen Stellen bekanntgeben würdest ;)


mfg Tristan
Es ist ein Unterschied, ob man zu seinen Prinzipien steht, oder sich nur dahinter versteckt !

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Beitragvon johannes » 12.05.2007 - 15:01

160 Fische an einem Tag :shock:

Da soll sich noch einer Wundern, dass die Fischzahl in den Meeren täglich sinkt, wenn einige Fischer so arbeiten....
Je länger die Arme eines Anglers,

desto größer sind die von ihm gefangenen Fische!

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Beitragvon Tom Rustmeier » 12.05.2007 - 15:54

Sehr schön das du/ihr das durchgezogen habt. Und noch schöner das die Wasserschutzpolizei direkt gehandelt hat. Ich werd mir für die Zukunft die Nummern in meinem Handy abspeichern und nicht mehr zögern dort Anzurufen sobald ich Netze sehe die zu nah am Ufer gestellt sind. {ß*# {ß*# {ß*#
Chronisch unterfischt..... :-(


In diesem Sinne

Petri Heil
und Grüsse aus Kiel

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Beitragvon Derrik Figge » 12.05.2007 - 22:08

Moin,

hier mal die Nummern, die ich mir gespeichert habe:

WSP Kiel 0431-1601610
WSP Maasholm 04642-1084

Aber keine Sorge, man verbindet Euch direkt weiter, wenn die örtliche Zuständigkeit woanders liegt, oder die Geschäftsstelle nicht besetzt ist.

Ach ja, die Nummer ist auch immer gut aufgehoben im Handy:

Seenotrettung 0421-536870

Gruß Derrik

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Beitragvon WhiteHawk » 12.05.2007 - 22:38

Super, danke {ß*# ;)

Die Nummern sind gespeichert und bereit zur Anwendung.

mfg Tristan
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Beitragvon guido aydin » 13.05.2007 - 0:08

Finde es wirklich schade das es immer und überall diese schwarzen Schafe gibt.Finde auch gut das ihr so ernergisch das durchgezogen habt wo viele wegsehen. :shock:
160 Fische am Tag,dann wundern sich die Fischer nach ein paar Jahren
warum es keine Fische mehr gibt,aber Fangverbot wie immer zuerst die ANGLER. :( :( :(
Der Beitrag war wirklich Klasse
Jeder Lebe so wie er will und kann

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Beitragvon Mokki » 16.05.2007 - 0:09

TOP !!
Beide Daumen ganz weit oben für Dich! Das nenn ich mal Zivilcourage ;)

Ich war ja auch vor kurzem erst an der schlei. mir sind dort auch netze direkt in ufernähe aufgefallen, wusste aber gar nicht, das das nicht legal ist.

Einer z.b. ist nur mit nem boot rausgepaddelt, ca. 50m und hat da seine fahnen gesetzt...

Vielleicht kann einer hiermal solche Gesetze posten, dann weiss man worauf man achten kann und kann dann ggf. Massnahmen einleiten.
das sollte ja auch im interesse aller ehrlichen Fischer und Angler sein.

By the way:
Es stehen ja echt viele diese netzfahnen da im wasser... wenn man dann pro netz 160 mefo&s rechnet... ne, kann nicht, oder?

der hammer, echt nicht schön.

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Beitragvon Matze Wendt » 16.05.2007 - 17:27

{ß*# {ß*# {ß*#

Auch wenn die meisten Fischer sich an die Gesetze halten, gibt es doch einige schwarze Schafe, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Nur gut, wenn diese Herren mal einen Schuss vor den Bug bekommen.

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Beitragvon Matze Wendt » 16.05.2007 - 18:03

§ 14

Stellnetz- und Reusenfischerei

(1) In den Küstengewässern der Ostsee ist in einem Streifen, dessen seewärtige Begrenzung in 200 m Abstand von der Uferlinie verläuft, die Fischerei mit Stellnetzen einschließlich Heringsstellnetzen verboten. Das Verbot nach Satz 1 gilt in der Flensburger Innenförde (westlich des Längengrades 09° 45, 22') in einem 100 m breiten Streifen.

(2) Das Verbot nach Absatz 1 gilt nicht im Gebiet der Schlei sowie in den Gebieten mit Fischereirechten der Hansestadt Lübeck und der Stadt Neustadt.

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Beitragvon donlotis » 16.05.2007 - 19:51

WhiteHawk hat geschrieben:Super, danke {ß*# ;)

Die Nummern sind gespeichert und bereit zur Anwendung.

mfg Tristan


Na, dann viel Spaß bei der Anwendung der Nummer der Seenotrettung... :D

Gruß donlotis
nureinestunde

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Beitragvon Fariojäger » 27.05.2007 - 15:34

Super, mein Kompliment! Wenn die so weitermachen und gezielt meerforellen mit netzen fangen, sehe ich eine schwarze zukunft für diesen schönen fisch :cry:
Aber zum glück gibt es engagierte angler, die sich sowas nicht einfach gefallen lassen! Super, mein Kompliment :!: :!:

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Beitragvon Broder » 04.06.2007 - 16:04

Die Wassertiefe ist vielerorts hier in der Eckbucht-Kielerbucht auch 200 Meter vom Ufer noch so gering das sich dort die Meerforelle ( meist sogar die kapitalen Gößen ) super Fangen läßt, da sind die Fische oft garnicht in der 200 Meterzone, sondern gerne weiter draußen. Kommt auch kein Fischer wirklich auf die Idee die Netze so dicht unter Land zu stellen. da muß es schon stark auflandig Blasen und das Wasser noch nicht angetrübt zu sehr.


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Beitragvon Klimie » 11.06.2007 - 17:01

Hallo.Ich habe heute durch Zufall mit dem Fischer von der Ecke 21 zusammen gearbeitet und habe ihn auf Anzeigen angeprochen.Es liegen viele Anzeigen vor auch bei anderen Fischern,aber diese verlaufen alle im Sand.Es wurde noch niemand zur Kasse gebeten.Die Wasserschutzpolizei habe auch gar nicht die technischen Möglichkeiten um den Abstand genau abmessen zu können.

Gruß Micha