Neues vom (aus dem) Rhein

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Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 30.08.2018 - 20:23

Es gibt etwas interessantes aus dem Rhein zu erzählen: Ich habe Bekannte, die in Fürth immer besondere Loks und Züge fotografieren. Heute habe ich die Gruppe wieder getroffen, wobei mir der "Chef" mir etwas von einer historischen und sehr wertvollen Lok erzählte, die seit dem Jahr 1852 im Rhein liegt und jetzt geborgen werden soll...

Hier die Geschichte dazu: Eine Dampflok mit dem passenden Namen "Rhein" sollte am 14.02.1852 vom Hersteller, der Karlsruher Fabrik Emil Kessler, an die Düsseldorfer-Ebersfelder Eisenbahngesellschaft per Lastensegler über den Rhein ausgeliefert werden.

Das Schiff befand sich zwischen Phillipsburg u. Germersheim, als es in ein schweres Unwetter kam.
Dabei verrutschte irgendwie die 20t schwere Lok, die dann in den Rhein stürzte.
Es gab kurz nach diesem Unglück einige, aber erfolglose Bergungsversuche.
Seitdem liegt diese Lok vergessen in wenigen Metern Tiefe.

Vor einiger Zeit wurden Mitarbeiter des Museums in Darmstadt-Kranichstein durch historische Aufzeichnungen auf das Geschehene aufmerksam und recherchierten die Stelle des Untergangs. Mit Echoloten und Side-Scan-Sonaren wurde ermittelt, das die Lok auf der linken Seite liegt.

Eine Bergung ist am 21.10.2018 vorgesehen, wenn Hochwasser und Wetterbedingungen da nicht entgegensprechen.
Die ganze Aktion wird dann vom SWR übertragen. Jetzt wissen wir, woher die Kesslergrundel ihren Namen hat...
Die Lok soll dann im Eisenbahnmuseum in Darmstadt restauriert und ausgestellt werden.

Ach so: Die Lok wurde deswegen über den Rhein transportiert, weil es damals zwischen Karlsruhe und Düsseldorf noch keine Gleis-Infrastruktur gab, zudem war der Rhein noch nicht begradigt....

Ich hoffe, mein Beitrag war für euch einigermaßen interessant!
Das Angeln an diesem Lok-Wrack könnte sich durchaus lohnen...

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon #Allround#Nachhaltig » 31.08.2018 - 12:35

Dreamworker hat geschrieben:Das Angeln an diesem Lok-Wrack könnte sich durchaus lohnen...

Das habe ich mir auch gleich gedacht das ist wahrscheinlich ein h0tsp0t
da sind bestimmt in paar angler traurig wenn der geht :lol:
Angeln :D

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 06.09.2018 - 20:27

Der nächste Schritt zur Vorbereitung der Bergung dieser Lok ist getan: Rund um das Wrack wurden jetzt Spundwände eingeschlagen. Kurz vor der endgültigen Bergung wird dann das Wasser abgepumpt, so das die Lok im trockenen liegt.
Mal sehen, wieviel Kräne eingesetzt werden und ob die Lok auf ein Ponton oder ein Schiff gehoben wird...
Auf jeden Fall wars das dann mit Wrackangeln an dieser Stelle....

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Gerd » 06.09.2018 - 20:29

Hast Du zufällig Bilder oder nen Link? Würde mich mal interessieren.
Humor ist der Knopf der verhindert, daß einem der Kragen platzt

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon rhinefisher » 06.09.2018 - 22:23

DEUS LO VULT !

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 07.09.2018 - 8:46

Ein Bild habe ich gestern in der "Bild" gesehen, die einer von den Trainspottern dabei hatte, die ich gestern wieder traf. Ich weiß nicht, ob das die gestrige Ausgabe war. Im Netz müsste es eigentlich schon einige Bilder geben, auch ein Video habe ich schon gesehen (SWF)?

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 16.09.2018 - 22:16

Heute kam auf SWR eine Doku zu meinem Thema: "Die Jäger der versunkenen Lok", ist noch ansehbar auf
SWR Fernsehen. de.
War sehr interessant, was dazu alles notwendig war und ist, den Liegeplatz dieser Lok zu finden, alle erforderlichen Genehmigungen zu bekommen, die Sache zu finanzieren und auch keine Fehler bei Bergung, Konservierung und Restauration zu machen.

Die Lok muß nach der Bergung in einen Wassertank, um zu verhindern, das im Zusammenspiel mit dem Luftsauerstoff die Struktur zusammenbricht. Vor vielen Jahren wurde vor Norwegens Küste eine Fw 200 geborgen. Nachdem man die Tragflächen mit den Motoren und einem Rumpfteil aus dem Wasser gezogen hatte, brach die ganze Konstruktion bzw. Struktur zusammen.
Das soll mit der ältesten Lok Deutschlands nicht auch passieren!

Es ist bei dieser Aktion eine Verkettung von glücklichen Zufällen und viel Erfolg in der Vorarbeit, auch durch sehr großen Zeitaufwand bei der Recherche, das die "Jäger der versunkenen Lok" jetzt da stehen, wo sie hinwollten:

4 - 6 Wochen vor der Bergung. Hätte nur ein Amt, eine Behörde "Nein" gesagt, wäre die ganze Aktion gescheitert.
So darf man jetzt gespannt sein, wie es weitergeht. Wahrscheinlich wird es dann Live-Fernseberichte geben, wahrscheinlich von "Welt", N-TV und natürlich vom SWR...

Ach so, noch vergessen: Die Lok liegt übrigens 16m tief, an der Spitze einer Buhne. Die eingerammten Spundwandteile haben eine Länge von 21m und sind auf einer Breite von 30m verankert.
Der Rhein ist an dieser Stelle im Moment höchstens 1, 30m tief. Ob die Lok nicht platt ist wie ne Briefmarke?
Die ganze Aktion kostet nämlich nur 250 000 - 500000 €, kann auch mehr werden...

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Derrik Figge » 17.09.2018 - 11:54

Ob davon wohl noch viel übrig ist nach all den Jahren... :-S
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.
Ich freue mich über Angebote aller Art per PN oder Mail. Danke

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 17.09.2018 - 12:29

Vielleicht höchstens noch das Fahrwerk... Tja, man kann auch kein Rührei nicht mehr ungerührt machen....

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Gerd » 17.09.2018 - 13:56

Dreamworker hat geschrieben: Ach so, noch vergessen: Die Lok liegt übrigens 16m tief, an der Spitze einer Buhne. ....
...
Der Rhein ist an dieser Stelle im Moment höchstens 1, 30m tief.


Das erschließt sich mir nicht, wenn der Rhein an dieser Stelle höchstens 1,30 m tief ist, wie kann die Lok dann 16 m tief liegen ?
Humor ist der Knopf der verhindert, daß einem der Kragen platzt

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Derrik Figge » 17.09.2018 - 16:36

Zugeschwemmt über die Jahre.
Ich suche immer alte ABU Angelrollen, Kartons und Papiere sowie Werbematerial.

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 17.09.2018 - 17:56

Richtig! Der Rhein war vor 166 Jahren an dieser Stelle mal tiefer, aber nur 5m oder so. Als wenig später nach dem versinken ein Vater/Sohn Taucherteam aus England angefordert wurde, um die Lok, die nach dem 1. gescheiterten Bergungsversuch durch örtliche Kräfte auf der Seite lag, neu anzuschlagen, um sie mit Hilfe von Dampfwinden eines Schiffes aufzurichten, haben die das aufgeben müssen.

Warum?

Weil die Taucher die Lok nicht mehr fanden! Seitdem ist sie in Vergessenheit geraten und es hat nie wieder einen Bergungsversuch gegeben. Also war nie dort ein "Wrackangeln" möglich... Jetzt kommts drauf an, womit das Fahrzeug umgeben ist: Schlamm? Sand? Kies? Grobes Geröll? Das alles ist mit ausschlaggebend für den Erhaltungszustand der Lok... Der Kessel ist bestimmt zerquetscht...

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Gerd » 17.09.2018 - 20:22

Ach so, ich dachte, die liegt relativ frei. Wie wurde die denn entdeckt, wenn da mehrere Meter Wasauchimmer drauf liegen?
Weil mehrere Meter in den Boden dringen Echolote nicht ein.
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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon Dreamworker » 17.09.2018 - 22:32

Entdeckt wurde die Stelle nicht durch Echolote o. ä., sondern durch Rechercheglück beim Wasser-und Schiffahrtsamt in Koblenz. Dort wurden alle historischen Zeichnungen und Unterlagen seit dem frühen 19.Jahrhundert zu Rheinkartographierungen und Ausbaumaßnahmen aufbewahrt.

Durch die genaue Lage einer Kiesbank, einer Gemeindegrenze und von Landmarken konnte mithilfe von historischen Dokumenten zur letzten bekannten Lage der Lok das Suchareal auf wenige 100m eingegrenzt werden.
Die genaue Stelle wurde dann mit geophysikalischer Ortungtechnik von einem Spezialschiff eingemessen und das Ergebnis zwei- oder dreidimensional bei einer Pressekonferenz gezeigt, mit der Aussage: "Wenn das nicht die gesuchte Lok ist, dann haben wir den Nibelungenschatz entdeckt!"

Diese "Schatzsuche" hatte den Vorteil, das dieser Verlust damals, auch in der Presse, gut dokumentiert wurde.
Schließlich könnte so eine Lok als Hindernis die Schifffahrt gefährden (bei niedrigem Wasserstand).
Irgendwo muß es um 1850 ein Hydrographisches Institut gegeben haben, welches für die Rheinbegradigungen die dafür notwendigen Berechnungen angestellt hat und die Versenkungsstelle der Lok genau gekennzeichnet hat.
Es ist ein großes Glück, das diese Unterlagen im zweiten Weltkrieg nicht vernichtet worden sind und auch keine Wasserschäden aufwiesen. Ehrlich gesagt, die Schreibschrift von 1852 muß man auch erstmal lesen können, womit wir bestimmt so unsere Schwierigkeiten hätten...
Ich habe früher mal für ein Schatzsuchunternehmen aus dem 30-jährigem Krieg in einem Archiv etwas Handschriftliches aus dieser Zeit lesen müssen, hätte ich da keine Hilfe gehabt, es hätte auch chinesisch sein können, obwohl es in Deutsch war (oh, diese Rechtschreibung)...

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Re: Neues vom (aus dem) Rhein

Beitragvon rhinefisher » 03.10.2018 - 8:48

DEUS LO VULT !