Ab und zu mal einen Blick über die Schulter werfen.
Wenn die Rapfen weiter draußen jagen – das Platschen und die raubenden
Möwen zeigen den Weg – versuchen die Elbangler ihr Glück mit kleinen
Blinkern oder minimal bebleiten Gummifischchen in Gelb und Grün. Die
Köder werden schnell eingeholt und knapp unter der Oberfläche geführt.
Endet das Rauben, wird an derselben Stelle tiefer gefischt. Bei dieser
Angelei ging Sergej 2005 ein Lachs von über 12 Pfund an den Haken!
Ist der Rapfenspuk vorbei, wird mit größeren Twistern und Gummifischen
am Grund auf Zander gefischt. Oder man angelt mit Tauwurm oder
Wollhandkrabbenfleisch auf Aale. Die Krabben sammelt man bei Ebbe
zwischen den Steinpackungen. Beim Grundangeln mit Naturködern haben
sich Vorfächer aus geflochtener Schnur bewährt, weil die von den
Krabben nicht so leicht zerbissen werden.
Horst Hinrichs aus Jork angelt schon von Kindesbeinen an in der Elbe.
Er und seine Angelfreunde, so erzählt er, angeln hauptsächlich auf Aal
und Zander („die schmecken besser“), aber auch auf Rapfen. Alle drei
Räuber gibt es auf der 40 Kilometer langen Angelstrecke. Dabei stellen
die Angler fest, dass Zander und Rapfen immer häufiger werden.
Horst hat eine Menge Erfahrung. „Hier ist alles anders als im
Binnenland“, erklärt er. In den Stauwasserzeiten, also bei
Wasserhöchst- und -tiefststand, beißt so gut wie nichts; die Fische
‚ziehen um‘. Am besten beginnt man mit dem Angeln ein Stunde nach
Hochwasser. Man fischt bis Niedrigwasser, macht eine Stunde Pause und
kann wiederum bei auflaufendem, Wasser angeln. Am besten fängt man bei
sogenannten Nipptiden, die nicht so hoch auflaufen wie die Springtiden.
„Andere Witterungsfaktoren spielen eine untergeordnete Rolle",
berichtet Horst weiter. Die Elbfische kümmern sich wenig um Wind und
Regen, die Gezeiten bestimmen ihren Lebensrhythmus. Aber die
eigentliche Angelsaison beschränkt sich auf die Zeiten mit
Wassertemperaturen über 12 Grad Celsius. Erst dann „laufen“ die Fische,
kommen aus der Tiefe in Ufernähe. Elbfischer Lothar Buckow bestätigt
diese Erfahrung: „Aalreusen brauchen wir bei kaltem Wasser erst gar
nicht auszulegen; Elbangler sollten eigentlich immer ein Thermometer im
Rucksack dabei haben.“
Das Angeln in der Elbe, egal ob vom Boot oder vom Ufer, beginnt daher meist im April und endet im Oktober.
Achtung, Welle von hinten!
Container-Wellen nennen die Elbangler respektvoll die Bug- und
Heckwellen der riesigen Frachtschiffe, die am Angelplatz
vorbeirauschen. Besonders im Abschnitt Grünendeich/Lühesperrwerk, wo
die Riesenfrachter fast auf Wurfweite herankommen, kann eine Buhne vom
Sog freigelegt und anschließend meterhoch überspült werden.
Da heißt es aufpassen! Rechtzeitig die Angel in die Hand nehmen und
zurück an Land! Die Gerätschaften müssen sowieso auf dem Trockenen
gelagert werden. Das Klettern auf den glitschigen Buhnensteinen ist
gefährlich. Erfahrene Elbangler, die das Angeln bei ablaufendem Wasser
bevorzugen, tragen deshalb Turnschuhe mit Antirutschsohlen.
Die Steinschüttungen enden fast immer an der Niedrigwasserlinie, aber
auch weiter draußen liegen verstreut Steine, so dass ständig mit
Hängern gerechnet werden muss. Horst Hinrichs erzählt: „Ein Angeltag
bedeutet fast immer ein halbes Dutzend Hänger mit Abriss. Deswegen
gieße ich inzwischen meine Grundbleie selber. Dazu benutze ich leere
Teelichtschalen, stecke einen Stahldraht durch die Mitte fürs Loch im
Blei, und fertig!“
Beim Zanderangeln setzt Horst wie alle Elbangler auf Gummifische. Rote
und gelbe Muster fangen im trüben Wasser am besten. Und reißt mal einer
ab, ist er schnell durch einen neuen ‚Wackelschwanz‘ ersetzt. Wenn man
jedoch an den Sielausläufen mit der Senke Köderfische erwischen kann,
dann werden die stets bevorzugt. Schließlich lassen sich damit nicht
nur Zander, sondern auch große Aale fangen.
Entspannung zwischen Tankern
Jedes Jahr zieht es Touristen aus ganz Deutschland ins Alte Land.
Besonders zur Kirsch- und Apfelblüte, doch auch zur Erntezeit der
Kirschen, Pflaumen, Birnen und Äpfel kommen Zehntausende ins größte
zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. Grund genug, auch mal
mit der ganzen Familie anzureisen und sich zu entspannen zwischen Tide
und Tankern, Blüten und Bäumen, Aalen und Zandern.