Zielfische | Zander| 14.08.2008
Klar zur Landung
Der Drill des starken Zanders geht in die letzte Runde - der Bursche zeigt weiß! Wie man den schönen Räuber nun gebührend zum Landgang empfängt, das hängt zum einen von der Situation, zum anderen aber auch ein wenig von der Risikobereitschaft des Anglers ab. Zander-Experte Jörg Strehlow kennt alle Varianten und weiß Rat!
Autor und Zander-Experte Jörg Strehlow langt am liebsten mit der Hand zu – auch bei diesem 90er aus der sächsischen Elbe.

Nein, lieber Leser, nach der Lektüre dieses Beitrages sollen Sie nicht schon wieder den Eindruck haben, dass doch alles kinderleicht sei, was mit dem Landen eines starken Zanders zu tun hat. Wenn Sie dann nämlich am Wasser stehen und die begehrte Beute am Haken zappelt, würden Sie ohnehin das Gegenteil erfahren! Konzentration und konsequentes Handeln sind auf jeden Fall gefordert, wenn ein starker Räuber nach hartem Drill womöglich nur noch am seidenen Faden, sprich an einem kleinen Häutchen hängt. Wenn ein Zander nach hartem Anhieb sitzt, ist in der Regel die erste kritische Drillphase bereits überstanden. Nun werden die ersten Kopfstöße mit einer möglichst harten Rute pariert und der obligatorische Fluchtversuch über die hart eingestellte Rollenbremse gestoppt. Dann bockt der Bursche mit dem Kopf voran unten am Grund und richtet den Schwanz auf. Wasserwirbel an der Oberfläche verkünden das nahe Ende des Drills. Doch dem Ziel so nahe, gehen immer wieder starke Zander verloren. Dieser Moment ist nämlich nach meinen Erfahrungen eindeutig der heikelste! Besonders häufig komme ich an der Stromelbe in die Verlegenheit, stärkste Räuber für meine Kunden zu landen. Also an flachen Ufern aus Sand oder Stein, quasi Auge in Auge mit dem Fisch. Das habe ich über Jahre ausschließlich per Handlandung gemacht, bis mir die bissigen Hechte als Beifang doch zu häufig wurden und ich eines Tages nach der Landung eines stattlichen Esox mit pochendem Daumen und einem verbogenen Haken mittendrin zum Arzt kurvte. Doch keine Sorge, bei der Handlandung eines Zanders tut man sich in der Regel nichts an. Allerdings sollte der Fisch sauber ausgedrillt sein und nicht den Eindruck vermitteln, dass er noch allzu viele Reserven hat. In der Regel ist das immer dann der Fall, wenn er leicht seitlich kippt. Sorgen Sie immer dafür, dass Sie den Fisch dorthin bugsieren, wo Sie stehen! Bitte niemals wie Rumpelstilzchen auf den Zander zu stürmen. Dann könnte auch der müdeste Krieger nämlich aus Schreck doch noch einen Pfeil aus seinem Köcher ziehen.


Schonend mit der Hand
Wenn nun dieser herrlich gestreifte Fischlaib in Ihrer Reichweite ist, lassen Sie sich nicht zu lange von seiner Schönheit beeindrucken sondern langen Sie ihm beherzt mit der flachen rechten Hand (Linkshänder nehmen bitte die stärkere linke Hand) von unten ins Kiemen-Dreieck. Keine Sorge, diese weiche Stelle ist beim Zander nicht wie beim Hecht mit messerscharfen Kiemendornen gefüllt sondern vom Gefühl her eher stumpf. Den Rest erledigt das Eigengewicht des Zanders beim Anheben von selbst und Sie können den Fisch meist ohne große Gegenwehr ans Ufer heben. Ein wenig ungewohnt ist hierbei das Umlegen der Rute unter Spannung in die andere Hand, um die stärkere für die Landung frei zu haben. Übung macht hierbei jedoch den Meister. Wenn Sie einen Zander für einen Angelfreund mit der Hand landen wollen (und der es auch nach diesem Angeltag noch bleiben soll) dann packen Sie einem mittleren Zander bis etwa 70 Zentimeter am besten mit der starken Hand hinter den Kiemendeckeln ins Kreuz. Durch seine raue Haut kann der Fisch beim beherzten Griff nun nicht mehr abrutschen und Ihre Finger sind sicher vor den doch ziemlich stachligen Waffen seiner Rückenflosse. Größere Brocken, so bis zur Garde „fabelhaft“ packen Sie am sichersten mit beiden Händen an den Flanken hinter den Kiemendeckeln, drücken fest zu und wuchten das Prachtstück aus dem Wasser. Machen Sie erst gar nicht den Versuch mit dem Nackengriff! Auch als Handwerker würden Sie dann nämlich erschrecken, wie klein doch Ihre Hände sind, angesichts eines über 90 Zentimeter langen ofenrohrbreiten Stachelrückens. Die Handlandung ist mir persönlich für einen starken Zander immer noch die sympathischste Art der Landung, ist sie doch außerordentlich schonend für den Zander und ermöglicht uns auch ein späteres Zurücksetzen des Fanges.


Hier wird ein perfektes Anlegemanöver in Sachen „Stranden“ vorgeführt. Lässig gleitet der schöne Zander auf den feinen Elbsand.

Am seichten Strand
In einem Keschernetz, das eine sehr enge Maschenweite hat, verfängt sich leider allzu oft ein freier Haken am Köder. Oder schlimmer noch: Der Zander beginnt im Netz zu schlagen! Für einen stachelbewehrten Kammschupper wahrlich kein Vergnügen. Umso unverständlicher für mich, weshalb es in vielen Angelvereinen immer noch diese antiquarische Kescherpflicht gibt. Wer’s kann und über die nötige Erfahrung verfügt, der macht’s besser mit der Hand. Sehr gut funktioniert auch das Stranden! Allerdings bitte ich hier genau das Wort zu studieren und diese Landemethode auch wirklich nur an STRÄNDEN aus Sand, Kies oder sonstigem kleinkörnigem Sediment durchzuführen. An Steinpackungen oder bei Uferbewuchs hingegen ist diese Technik aus Gründen der Fischgerechtigkeit dringend abzulehnen! Ein wenig Mut erfordert allerdings auch diese Methode, denn Sie ziehen den Fisch gewissermaßen aufs Ufer. Das hört sich zwar sehr rustikal an, flutscht aber mit der richtigen Technik wie ein Eidotter auf den Kuchenteig: Erneut achten Sie bitte darauf, dass der Zander nicht mehr so recht weiß, was in ihm steckt – er sollte müde gedrillt sein. Wenn Sie nun noch etwa drei bis fünf Rutenlängen Schnur bis zum Fisch haben, begeben Sie sich nach hinten und bugsieren ihn an der langen Leine aufs Ufer. An kurzer Schnur geht das auf keinen Fall, da ein zufälliger Schlag des Zanders bereits ausreichen könnte, um den Haken unter dem starken Druck der Rute ausschlitzen zu lassen. An der langen Leine und mit dem gebührenden Abstand zum Fisch wäre hingegen sogar ein erneuter Fluchtversuch kein Problem, denn den würden wir nun gekonnt abfedern und mit der Rute parieren! Wenigstens der Kopf des Zanders sollte auf dem Trockenen liegen, dann können Sie die „Ernte“ einsammeln. Sie werden sich wundern, wie leicht auch ein schwerer Zander auf das Ufer gleitet – die Dichte des Wassers macht’s möglich. Besonders elegant ist das Stranden mit Hilfe einer Welle, die zum Beispiel von einem vorbei fahrenden Schiff verursacht werden kann. Gegen eine zurück gleitende Welle hingegen, ist es schwieriger den Fisch zu stranden. Es ist also Gefühl gefragt!

An windstillen Tagen und mit Begleitung am Wasser ist der Spundwandkescher ein gutes Mittel, um den Zander-Lift zu spielen.

Auf Nummer sicher
Nun endlich kommen auch die Freunde des guten alten Keschers auf ihre Kosten und dürfen sich über die Erkenntnis freuen, dass es an unwegsamen und steilen Ufern sowie an Hafenmauern keinerlei Alternative zur Netzlandung gibt. Das Einrammen eines Metallhakens in den Fischlaib, auch „Gaffen“ genannt möchte ich an dieser Stelle nicht als adäquate und zeitgemäße Methode anpreisen und auch von den viel beworbenen Landezangen bin ich nach längerem Lernprozess, zumindest beim Zanderfischen, wieder abgekommen. Erstens machen mir die Burschen viel zu häufig das Maul dicht, bevor sie bereit zum Landgang sind. Und dann bringen Sie mal die Zange ins Maul! Zweitens ist gerade bei einem schweren Fisch der Ansatzpunkt der Zange zu klein und das ganze Fischgewicht hängt nun an diesem winzigen Punkt. Das kann dem Zander maßgebliche innere Verletzungen zufügen, wie ich aus eigener Erfahrung sowie aus den Schilderungen anderer erfahrener Zanderangler weiß. Also bitte Keschern, wenn weder Handlandung noch Stranden möglich sind, vor allem aber dann, wenn Sie sich dabei am wohlsten fühlen! Schon beim Kescherkauf fängt eine glückliche Landung an, denn aus falscher Scham sollten Sie sich jedenfalls keinen Alibi-Kescher mit weniger als einem Meter Durchmesser kaufen. Nur mit so einem Kaventsmann haben Sie am Wasser die Gewähr, dass der erste Kescherversuch auch wirklich sitzt. Gerade auch, wenn Sie alleine am Wasser sind. Und ich kann Ihnen versichern, lieber Leser. In unseren Gewässern ziehen wahre Zander-Monster ihre Kreise! Möglichst sollte das Netz auch nicht zu fein gewebt sein, damit sich nicht jede freie Hakenspitze sofort darin verhängen kann. Viel wurde zum richtigen Umgang mit dem Kescher schon geschrieben, daher von mir nur noch einmal kurz zusammenfassend die drei Grundregeln:

  1. Halten Sie den Kescher flach ins Wasser, bevor der Fisch in Reichweite ist! Nur so kann das nasse Netz absinken und der Fisch erschreckt nicht, indem er das Eintauchen des Netzes bemerkt.
  1. Bewegen Sie sich niemals in Richtung des Fisches, weder mit dem Netz noch mit Ihrem Körper! Der Fisch muss immer bereitwillig über das Keschernetz gleiten.
  1. Den Zander schließlich nicht mit einer steilen Bewegung des Kescherstieles nach oben wuchten, sondern den Kescherrahmen nur leicht über die Wasseroberfläche heben, den Fisch „einsacken“ und zu sich heranziehen.


Im Hafen nur mit Lift
Eine besondere Situation stellt sich uns in den besonders zanderreichen Häfen unserer großen Ströme dar. Hier werden die besten Plätze häufig nur von meterhohen Spundwänden aus erreicht, was durchaus ein Problem sein kann, wenn nämlich ein 70er Fisch dort unten an der Oberfläche auf seinen Landgang wartet. Lange Jahre habe ich mich dieser Problematik mit einer langen, robusten Glasfaserstange gestellt, an deren Schraubgewinde ein klappbarer Friedfischkescher angebracht war. Durch den schrägen Neigungswinkel des Keschers konnte ich die Stange zwar einfach steil ablassen, den Fisch aber dennoch schräg über das Netz ziehen. Auf diese Idee war ich ziemlich stolz. Bis zu dem Tag, als mir der 85er Zander eines Kunden die Grenzen dieser Methode aufzeigte! Es gab einfach keinen klappbaren Kescheraufsatz, der groß genug für einen stattlichen Zander war. Wie gut, dass es heute auf dem Markt die so genannten „Spundwandkescher“ gibt! Diese haben einen guten Meter Durchmesser und werden an einem Seil beliebig weit nach unten abgelassen. Das Gestänge, das die Leine und den Kescher in Form hält, ist auf einer Hälfte komplett offen – da passen dann auch die wahren Kapitalen rein. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten und ich möchte Sie auf folgende Tücken beim Einsatz der aktuell lieferbaren Spundwandkescher hinweisen: Erstens bewegen sich die Teile bei starkem Wind ähnlich wie ein Drachen und sind auf großer Höhe nur sehr mühsam im Bereich des Fisches zu halten. Zweitens dreht sich, wiederum bei Wind, die Gestänge-Seite des Keschers in Richtung Fisch. Drittens sinkt das Netz schlecht ab, was jedoch mittels eines Steines als Beschwerung kaschiert werden kann. Allerdings sollten Sie viertens das viel zu dünne Seil aus dem Lieferumfang gegen ein deutlich stärkeres austauschen und sich dafür ein Wickelbrett besorgen. Und wundern Sie sich bitte fünftens nicht, wenn Sie alleine mit ihrem Zander an der Wasseroberfläche und dem Spundwandkescher in der Hand auf einer hohen Mauer stehen. Die bevorstehende Landung hat nämlich schon so einen Hauch von chinesischer Meisterakrobatik – auch ohne Wind. Aber sagen Sie bitte nicht, ich hätte Ihnen anfangs versprochen, dass es einfach wird…


Angeln mit Jörg

Vielleicht haben Sie ja auch mal Lust, Ihren Fisch landen zu lassen!? Womöglich sogar den Zander Ihres Lebens? Dann seien Ihnen an dieser Stelle die beliebten Guiding-Touren von Zander-Profi Jörg Strehlow wärmstens empfohlen! Infos zu seinen abenteuerreichen Touren in den Elb-Auen finden Sie auf seiner Homepage www.der-angler.de oder Sie erreichen Jörg unter j.strehlow@der-angler.de per Mail. Wer anrufen möchte, bitte unter Tel: 040 – 41 92 89 49 oder 0170 – 90 36 028.

Landetechniken im Bild
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