Forellenangler schätzen klares Wasser, um den Forellen ihre Köder zu präsentieren. Nicht so unser Autor Peter Schmidt. Er fängt seine Forellen im Bach am liebsten bei leichter bis mittlerer Wassertrübung.
Forellenangeln
ist ein Angeln auf Sicht. Besonders für Fliegenfischer und Kunstköderangler ist
trübes Wasser gleichbedeutend mit schlechten Fängen. So sagt man zumindest.
Doch einige Sternstunden an trüben Tagen und Bächen haben meine Meinung
geändert. Die Vorstellung
vom Forellenfang am Bach sind recht klar: Im glasklaren Wasser des Baches
spiegeln sich Bäume und Sträucher, und in der Abendsonne kreist ein Schwarm
Maifliegen. Die Fische werden auf Sicht gefangen.
Auch der wenig geübte Fliegenfischer findet ohne langes Suchen sofort die fängigen Stellen. Unter solchen Bedingungen fühlt man sich als Angler wohl. So traumhafte Angelurlaubverhältnisse herrschen aber nur selten. Einige Stunden Regen können aus meinem klaren Bach innerhalb kurzer Zeit einen trüben Fluss machen. Da muss man schnell umdisponieren, aber fangen kann man immer noch, oft sogar noch besser.
Erst
wandern, dann fangen
Wenn in
einem großen Fluss Hochwasser herrscht, hat man natürlich schlechte Karten,
denn in der reißenden trüben Strömung ist es fast unmöglich, effektiv auf
Forellen zu fischen. In Bächen
sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Denn die Fische halten sich jetzt an
bestimmten Stellen auf, die relativ einfach auszumachen sind. Besonders im
Sommer waren die Forellenfänge in den letzten Jahren spitze, wenn der dunkle
Himmel und die Regenfälle für diffuses Licht gesorgt haben. An einem
trüben Bach mache ich einen Beobachtungsgang. Die Fliegenrute habe ich „scharf
gemacht“, aber ich werfe nur, wenn ich etwas Verräterisches sehe, Ringe oder
einen Schwall an der Oberfläche. Nach dem Regen oder in den Regenpausen scheint
manchmal schnell wieder die Sonne, und die Insekten fangen an zu schwirren.
Dann ist es vergleichsweise einfach, die Forelle zum Anbiss zu verleiten. Denn
durch die Trübung werdem die Forellen unvorsichtig.
Wenn das Wasser trüb ist, spielt sich fast alle Aktivität an der Oberfläche ab. Daher lasse ich meine schweren Goldkopfnymphen und Streamer mit Tungstenkopf in der Kiste, denn jetzt sind zwei Typen von Fliegen gefragt. Trockenfliegen, wenn’s steigt und Streamer ohne schweres Kopfblei, die auffällig an der Oberfläche durchs Wasser furchen, in ebenso auffälligen Farben. Die großen Streamer, die ich an der Oberfläche präsentiere, reizen durch langsames Einholen die Bach- und Regenbogenforellen, die diesen auffälligen Köder an der Oberfläche auch im Trüben wahrnehmen und attackieren. Exzellente Köder an der Fliegenrute sind jetzt auch Käferimitationen und Maus-Streamer. Ich lasse diese sehr laut aufklatschen, oft kommt unmittelbar nach dem Aufklatschen der Biss. Ich biete diese Käfer und Mäuse auch sehr gerne im Unterlauf des Baches an, wo ich mit großen Döbeln rechnen kann. Gute Trockenfliegen sind alle Maifliegen-Imitationen. Sie werden von den Forellen aufgrund ihres Volumens sehr gut wahrgenommen. Das Vorfach wähle ich mit 0,18 Millimeter etwas kräftiger, da selbst mittlere Forellen bei starker Strömung eine enorme Power entwickeln.
Meine
Hotspots
Zunächst
halte ich bei meiner Bachwanderung nach Einläufen von kleinen Bächen Ausschau.
Dort kommt frisches Wasser in den Bach, und manchmal ist das Wasser dort sogar
etwas klarer. An solch einem Einlauf braucht man nicht viel zu tun, um zu
fangen: Das wichtigste ist der richtige Standplatz. Den wähle ich einige Meter oberhalb
des Einlaufs. Den Streamer werfe ich einige Meter stromab, dann beginne ich,
ein bis zwei Meter Schnur einzustrippen, lasse den Streamer wieder abtreiben
und wiederhole das Spiel so lange, bis sich die Rute biegt. Dann beginnt meist
ein heißer Tanz, denn in der starken Strömung sind die Forellen besonders
stark. Auch an
einigen unscheinbaren Uferstreifen sind manchmal gute Forellen zu fangen.
Wichtig ist, dass dort die Strömungsgeschwindigkeit langsamer ist und der
Randbereich den Forellen Schutz bietet. Dann
beachte ich große Steine immer genau. Da fing ich ebenfalls gute Forellen, denn
hinter den Steinen ist die Strömung weniger stark. Auch wenn große Steine nicht
ganz aus dem Wasser ragen, sind diese Plätze sehr gut.
Außenkurven
sind jetzt Plätze, an denen sich oft gute Forellen oft stapeln, da die Strömung
meist tiefe Kolke entstehen und Futter angetrieben wird. Es lohnt sich, dort
einige Minuten zu verharren, um zu beobachten, ob die Forellen steigen. Uferbereiche,
die von Wasserpflanzen gesäumt werden und bei erhöhtem Wasserstand überspült
werden, ziehen bei schneller Strömung und trübem Wasser Forellen an, denn hier
fällt der Wasserdruck, und kleine Elritzen suchen Schutz im Pflanzengewirr.
Halten Sie an solch einer Stelle einige Meter Abstand, da im flachen Wasser die Forellen sehr vorsichtig sind. Ich erinnere mich an einen Regentag, an dem ich 14 schöne Forellen aus dem trüben Bachwasser ziehen konnte, innerhalb weniger Stunden. Meistens hat es geregnet, dann habe ich mit Streamer geangelt. In den Regenpausen habe ich auf Trockenfliege gewechselt. Bei Regen und eingetrübtem Wasser hat man auch wesentlich bessere Chancen, die kapitalen Salmoniden zu fangen. Anders als bei glasklarem Wasser nehmen die erfahrenen Altforellen im trüben Wasser das Mono-Vorfach kaum war. Und auch der Angler ist schließlich für den Fisch kaum zu erkennen. Regen bringt halt auch beim Angeln im Bach Segen. Kommt der Regen in einzelnen Schauern mit sonnigen Phasen dazwischen, herrschen ideale Bedingungen. In den Regenpausen ist die Chance sehr hoch, dass ein Insektenschlupf die Forellen zum Steigen bringt. Ganz wichtig ist es, in den trockenen Phasen an der richtigen Stelle zu sein. Deshalb lohnt ein gelegentlicher Blick zum Himmel, damit man auf die nächste heiße Phase gut vorbereitet ist.
Kurbeln
überflüssig
Mein
Angelfreund Mats hat am Bach immer eine zweite Waffe dabei, seine Spinnrute.
Nicht, dass er nicht lieber mit der Fliegenrute fischt, aber manchmal passt es
einfach besser mit der Spinnrute. Seine Köderauswahl ist dabei denkbar einfach,
aber auch denkbar effektiv. In der braunen Brühe fischt er mit relativ großen
Flachläufern, also großen Wobblern, meist in Forellendekor. Klart das Wasser an
einer Stelle etwas auf, wechselt er auf ein kleineres Modell. Denn wie beim
Fliegenfischen kommt es dann auf eine möglichst unauffällige Präsentation an. Scheint
wieder einige Stunden die Sonnen, sucht Mats die flachen Bachpassagen auf. Mats
bewegt sich dabei sehr langsam und gebückt. Dann wirft er seinen Wobbler einige
Meter über die guten Stellen hinweg ins Wasser. Aber im Gegensatz zum
„normalen„ Spinnfischen wird der Wobbler nur ein bis zwei Meter in den Bach
geschnippt und treiben gelassen. Es wird also kaum oder gar nicht gekurbelt. Durch den
Strömungsdruck des gestiegenen Wassers hat der Wobbler ein dermaßen gutes
Eigenspiel, dass ein Einholen eigentlich überflüssig ist. Durch
Halbkreisbewegungen der Rute wird der Miniwobbler ganz leicht bewegt und unter
Wasser gezogen. So wird der ganze Bach sehr systematisch abgesucht. Die Bisse
auch von kleinen Forellen kommen sehr vehement. Und an Stellen mit hohem
Wasserdruck haben selbst die Kleinen eine erstaunliche Kraft.