Viele Karpfenangler füttern nach dem Motto: Viel Futter gleich viel Fisch. Gregor Bradler geht anders vor. Er füttert mit wenigen, aber großen Boilies. Klasse-Fänge geben ihm und seiner Strategie Recht.
Bei
meinen Spaziergängen um den See höre ich häufiger die Klagen erfolgloser Karpfenangler: „Jetzt habe ich so viel gefüttert und
trotzdem nichts gefangen!“
Grundsätzlich geht man als Friedfischangler davon aus, dass
Futter die Fische an den Platz lockt und zum Fressen verleitet. Dabei macht der
Futterneid die Fische unvorsichtig, und somit sind sie leichter zu fangen.
Ausgehend von dieser Annahme folgern viele Angler, dass sich mit viel Futter
auch viele Karpfen fangen lassen.
Aber oft widerlegt die Praxis diese Theorie. Das Einbringen
von Futter in ein Gewässer lässt sich eben nicht auf eine so simple Formel von
Ursache und Wirkung reduzieren.
Beim Füttern sollte man unbedingt die Fischdichte und die Fischarten des Gewässer bedenken. In kleinen, stark besetzten Vereinsgewässern gibt es oft viele Karpfen, aber auch viele Weißfische. Wendet man hier die oben beschriebene „Masse-Formel“ an, ergibt sich folgende Situation: Die große Futtermenge lockt viele Fische an, besonders Weißfische und kleine Karpfen. Dass ein Großkarpfen unseren Köder nimmt, bevor einer der zahlreichen kleineren Fische ihm diesen wegschnappt, ist eher unwahrscheinlich. Man wird also hauptsächlich kleine, von den meisten Karpfenanglern unerwünschte Fische fangen.
Keine Kleinen
Aber so fängt man wenigstens viele Fische in kurzer
Zeit, mag nun manch einer denken. Doch selbst das trifft nur so lange zu, wie
man alleine an diesem Gewässer füttert. Wenn weitere Angler ebenfalls große
Mengen füttern, verteilen sich die Fische auf die Futterplätze, und das eigene
Ergebnis wird deutlich schlechter ausfallen.
Futter-Menge und Aufwand stehen in keinem günstigen Verhältnis mehr zum Fangergebnis. In einem Gewässer mit vielen Kleinfischen sollte man eine andere Strategie anwenden. Man muss versuchen, selektiv zu fischen, das heißt, die unerwünschten Kleinfische müssen ausgeschaltet werden. Das gelingt am besten mit besonders großen und harten Ködern. Unser Futtermaterial muss so beschaffen sein, dass es die Weißfische nur schwer fressen können: Stippfutter, Mais oder Kichererbsen sind ungeeignet.
Man greift besser auf große Boilies zurück, die weniger attraktiv für Kleinfische, aber desto anziehender für große Karpfen sind. Unter großen Boilies verstehe ich Kugeln in Größe eines Tischtennisballs oder sogar noch größer. Diese Köder halten Weißfischen stand und ermöglichen es dem Angler, Karpfen unter 20 Pfund relativ sicher auszusortieren.