Pro & Kontra

Köder muss man verstehen

In den Angelzeitschriften werden allmonatlich die neusten Kunstköder vorgestellt. Doch um damit zu fangen, reicht es nicht, sie einfach nur zu besitzen, sondern man muss auch ihren Lauf verstehen, meint André Pawlitzki.
Viel wichtiger als eine volle Köderbox ist, dass man Laufverhalten und Köderführung der ­einzelnen Muster versteht.
©André Pawlitzki
Du, mit der kleinen Garnelenimitation für die Oberfläche, die du mir so empfohlen hast, habe ich noch nie was gefangen!“ Die Worte meines Vereinskollegen klingen mir noch in den Ohren. Dabei hatte ich dem empfohlenen Köder einige Jahre die jeweils meisten Barsche beim Topwater-Fishing zu verdanken. Kurzerhand ließ ich mir vom Vereinskollegen zeigen, wie er den Köder führte. Er kurbelte ihn nach dem Auftreffen auf die Oberfläche langsam wieder ein. Und tatsächlich schlidderte der Köder bei diesem Führungsstil reichlich unattraktiv über das Wasser. Kein Wunder, dass sich davon kein Fisch betören ließ. Ich fragte den Kollegen, ob ich ihm zeigen dürfte, wie ich mit dem Köder fische, und er bejahte. Ein, zwei Twitches – Pause, dann ein weiterer Zupfer mit der Rute. Bei dieser Köderführung beschrieb der Oberflächenköder einen ­typischen Zickzack-Lauf und brach immer mal wieder zu den Seiten aus (walking-the-dog). Und es dauerte nicht lange, bis ein erster Barsch zuschnappte und am Haken hing. Und wenig später konnte dann auch der Vereinskollege seinen ersten Barsch auf diesen Köder verhaften. „Einen Köder zu verstehen, ist Voraussetzung, um damit zu fangen“. Das hatte mir ein älterer Angelkollege schon damals eingebläut, obwohl er nur mit Effzett-Blinkern und Big S-Wobblern am Wasser unterwegs war. Aber er war es, der am Jahresende immer die größten und oft auch die meisten Räuber im Fangbuch stehen hatte.

Aus Testläufen lernen
Einen Anhaltspunkt geben schon die Tiefen­angaben auf der Köderschachtel. Mit einem Wobbler, der nur 0,5 Meter Tiefgang hat, werde ich wohl kaum den Zander fangen, der in 4 Meter Wassertiefe am Grund lauert. Am besten schickt man einen neuen Kunstköder im flachen Wasser bei Sichttiefe auf den Testlauf und beobachtet, wie er auf das Zupfen und Schlagen mit der Rutenspitze reagiert. Oder wie er sich in Einholpausen verhält. Durch Testläufe lernt man das Beste aus einem Köder herauszuholen, und beginnt ihn zu verstehen. Denn ohne Köder-Verständnis werden die Fänge wohl nur Zufallsfänge bleiben.
21.05.2013
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
Das ist sicherlich nicht ganz falsch. Wenn sie in Fresslaune sind, beißen etwa Hechte auch in einen Kaffeelöffel mit Haken und Weihnachtsglocke dran. Irgendwelche geheimnisvollen Führungskünste braucht es dann nicht.

Nur: Wenn sie nicht wollen oder wenn das betreffende Gewässer stark befischt wird, schaut die Sache ganz und gar anders aus.
21.05.2013
 
Kommentar von Riedl Stephan
Natürlich muss man die Handhabung der Köder verstehen sonst stellt sich kein Erfolg ein . Das beginnt ja bereits bei der Wahl des richtigen Jigkopfgewichts oder der Optimalen Schnur für die Weite Distanz und im Nahbereich um den Köder gut zu führen. Meiner Meinung nach fangen Unbekannte neue Formen bei Gummifischen besser als den Fischen bereits bekannte.Konnte das beim Ausprobieren von neuen Ködern heufiger feststellen
17.05.2013
 
Kommentar von Christian Schmied
Mit liegen noch Worte eines Vereinskollegen in den Ohren:
Wenn die Fische "wollen" beißen sie auf "alles"...
diese Aussage ist für mich gar nicht soooo falsch.
Zuerst einmal müssen alle UMSTÄNDE die die Fische in Beisslaube versetzen, (deren Rezeptur ich leider, wie viele viele andere auch, nicht kennen) stimmen.
als zweites kommt für dann der PLATZ an dem ich meinen Köder im Wasser päsentiere.
An dritter Stelle (aber nicht außer Acht lassend) kommt der KÖDER den ich ans Vorfach binde...
Das ist meine Formel zum Fisch.
Perti Heil
17.05.2013
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
Nur dass viele (nicht alle) modernen Baits erheblich spezieller sind, weil sie bestimmte Eigenschaften auf Kosten anderer betonen. Und das im Hinterkopfe und die aktuelle Situation vor Augen, in der man fischt, sollte man sie auch auswählen oder kaufen.

Werkzeuge eben, mehr nicht.
17.05.2013
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
PSS: Der etwas aus der Mode gekommene und vielleicht nicht mehr an jedem überfischten Gewässer unbedingt gute Blinker war deshalb ein solcher Dauerbrenner, weil er ein Musterbeispiel für einen variabel fischbaren Köder ist - sowohl hinsichtlich Lauftiefe als auch hinsichtlich Führungsmöglichkeiten - und Führungsgeschwindigkeit. Außerdem vereint er zwei weitere wesentliche Merkmale: Er macht Druck und er wirkt optisch.

In diesem "primitiven" Kunstköder ist vom Prinzip schon (fast) alles angelegt, was modernere Baits auszeichnet.
17.05.2013
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
PS: Es kommt überhaupt nicht darauf an, immer zehn prall gefüllte Kisten mit allen möglichen bunten Baits mitzuschleppen. Viel ergiebiger ist es, solche Baits mitzunehmen, die möglichst optimal auf die gegebene Situation passen.

Aber wenn man gar nicht weiß, was geeignet ist, zum Beispiel, weil es sich um ein unbekanntes Gewässer handelt, ist es ziemlich unsinnig, in ihren Möglichkeiten stark begrenzte Baits einzupacken (etwa Crankbaits, die nur eine bestimmte Lauftiefe haben). Dann ist es viel besser, solche Baits auszuwählen, die sich möglichst variabel fischen lassen. Weniger ist meistens mehr, wenn es mit ein bisschen Überlegung zusammengestellt ist.
17.05.2013
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
Dem kann man eigentlich nur zustimmen. Alle Kunstköder sind konstruiert worden, um ganz bestimmte Probleme am Wasser zu lösen. Baits sind einfach Werkzeuge, nicht: Selbstzweck. Und wie jedes Werkzeug müssen sie passen auf die jeweilige Situation.

Und analog zu Werkzeugen gibt es Baits, die nur für ganz bestimmte, eng begrenzte Zwecke brauchbar sind, während es andere gibt, die sich erheblich breitbandiger einsetzen lassen - zum Beispiel aufgrund ihrer variablen Lauftiefe und/oder Führungsgeschwindigkeit und so weiter.

Wenn man einfach in den nächsten Laden rennt, ohne einen gewissen Plan zu haben, was man sich eigentlich für welchen Zweck anzuschaffen gedenkt, sind Fehlkäufe fast schon vorprogrammiert. "Sieht schön aus" (und sonst nichts) ist jedenfalls kein besonders sinnvolles Kaufkriterium.
15.05.2013
 
Kommentar von Bernd Sassen
Petri, ich habe viele neue Köder ausprobiert und sie sind kein Garant für Fisch, man muß an seinem Köder glauben und ihm vertauen und dann klappst es auch mit dem Fisch. Ich persönlich fische mit 3 Wobbler und die fangen immer, einen Turus Uko, einen Salt, und einen Grand Ma vieleicht dewegen weil ich sie seit Jahren fische und weiß wie sie funktionieren.
15.05.2013
 
Kommentar von Daniel Ecke
Also meine Köderbox ist mehr als reichlich gefüllt. Ob für tiefes Wasser oder Oberfläche, ob es trübe ist oder äußerst klar, für alles ist der "richtige" Köder parat. Ich konnte auch schon sehr viele Hechte, Barsche, Forellen und Zander damit verhaften. Allerdings ist bis zum heutigen Tag mein bester Hechtköder ein alter Effzettblinker, den ich von meinem Opa mit den Worten "mit dem hier fängst du mehr als mit dem neumodischen Mist", bekommen hab...Tja, was soll ich sagen, damit wurde mir das Spinnangeln beigebracht und er fängt nach wie vor sehr gut.