Pro + Kontra

Gehört Angeln in den Lebenslauf?

Martin Werle findet Hobbys im Lebenslauf aufschlussreich
Die Sache hat einen Haken! Wer das Angeln bei einer Bewerbung als Hobby angibt, sollte es kurz erläutern – mit Blick auf die gefragte Qualifikation.
©M. Wehrle

Angeln, Joggen, Pilze sammeln: Diese drei Hobbys hatte der Bewerber in seinem Lebenslauf angegeben. Als Pharmavertreter wollte er in einem süddeutschen Unternehmen anfangen. Ich saß als Berater am Tisch, während zwei Personaler über die Bewerbung sprachen.

„Der ist nicht unser Mann!“, knurrte der eine.

„Warum?“, fragte der andere.

„Der soll mit Menschen sprechen, aber ist in seiner Freizeit am liebsten alleine unterwegs. Ein Angler, kein Typ für die Teamarbeit!“

Der andere nickte.

Ich schaltete mich ein: „Wissen Sie eigentlich, dass Angler in Vereinen organisiert sind? Sie halten Gemeinschaftsangeln ab, treffen sich zu Versammlungen und gehen mit Kollegen ans Wasser.“

Nur mit Mühe konnte ich den Personaler davon abbringen, die Bewerbung auf den Stapel „unbrauchbar“ zu sortieren. Also: Überlegen Sie gut, ob Sie das Angeln bei einer Bewerbung erwähnen.


Teamfähigkeit zählt

Unter drei Aspekten sind Ihre Hobbys für einen (möglichen) Arbeitgeber interessant. Erstens will er Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit ziehen. Wie umgänglich, wie gebildet sind Sie? Nennen Sie nicht nur Hobbys, die Sie alleine ausüben können – sonst werden Sie als Eigenbrödler abgestempelt. Geben Sie neben dem Angeln auch Hobbys an, die auf Ihre Teamfähigkeit hindeuten, zum Beispiel Fußball, Feuerwehr oder Musikverein.

Zweitens fragt sich ein Arbeitgeber: Hat der Bewerber vor lauter Hobby(s) überhaupt Zeit und Energie für die Arbeit? Also besser nicht erwähnen, dass Sie den neuen Session-Rekord an Ihrem Karpfengewässer aufgestellt und nach 175 Angeltagen bei den „Masters“ einen Spitzenrang belegt haben. Und der dritte Punkt: Arbeitgeber hassen es, wenn ein Hobby mit Verletzungsgefahr verbunden ist. Den Eishockey-Spieler sehen sie in Gedanken schon mit einem Gipsbein im Krankenbett liegen, den Motorradfahrer aus der Kurve fliegen. Hier ist das Angeln unverdächtig – solange Sie unerwähnt lassen, dass Sie alle vier Wochen beim Chirurgen für eine Drillings-OP vorbeischauen. Mein Vorschlag: Erläutern Sie in einer Klammer Ihre Motive, etwa so: „Angeln (Erholung, Ausdauer, Gemeinschaftserlebnisse im Angelverein)“. Besser eine Deutung liefern, die zum Profil der ausgeschriebenen Stelle passt – als falsch gedeutet zu werden.

Übrigens: Manchmal bekommen Sie einen Job nur, weil Sie Angler sind – wenn der Einstellende auch angelt. Personalentscheider ziehen nachweislich Menschen vor, die ihnen ähnlich sind. Eine Recherche über die sozialen Netzwerke lohnt!

22.06.2015
 
Kommentar von Hauksi
Aber das Angeln mit Naturverbundenheit,Ruhe,Ausgeglichenheit,da wäre wohl keiner draufgekommen.Oder das Angler mit den Vereinen Gewässer reinhalten,mit ihren Geld Gewässer mit Fischen besetzen damit andere Tiere wie Fischotter,Fischreiher,Fisch oder Seeadler sich ernähren können,daß scheint nirgends auf.Oder das Angler ein Gewässer vom verlanden retten in dem Sie Stunden verbringen das Schilf zu stutzen oder Wasserpflanzen einsetzten die das Wasser filtrieren das es rein bleibt,daß sieht kein Chef.Nur den blöden Angler der Stunden lang aufs Wasser starrt ohne was zu fangen,daß sehen die Leute.Ich war nie alleine am Wasser ganz im gegenteil wir waren immer mehr Personen am Wasser mit Zelten bauten wir ein Runde und in der Mitte ein Grill und Abends wurde nach dem Essen noch auf dem Grill um das Gras zu schonen mit Hölzern ein Lagerfeuer gemacht und dann gab jeder irgend etwas zu besten.Das sind Angler eher gesellige Typen die gerne andere aufklären um Ihr Hobby und Jugendliche weg vom PC hin zur Natur bringen wollen.Gruß an alle Nichtangler!
22.06.2015
 
Kommentar von Thomas
Hallo!

Ich habe mir die Frage schon öfter gestellt, da ich derzeit aktiv auf Jobsuche bin. Bisher habe ich es bei einem Bewerbungsgespräch nur erwähnt und es wurde mir als eher außergewöhnliches Hobby "angelastet". Wahrscheinlich kommt es ganz auf den Personaler/Chef an. Angeln hat leider das Klischee sich stundenlang in Geduld zu üben und sich von der Außenwelt etwas abzukapseln.

LG
Thomas