Pro & Kontra

Rettet den Aal

Der Aal ist in Europa in seinem Bestand bedroht. Allerdings bringen Angelverbote wenig, solange nicht die Grundübel wie Glasaalfischerei, Wasserkraftwerke und der Überbestand an Kormoranen beseitigt werden, meint André Pawlitzki.
Aalbesatz durch Angelvereine hilft dabei, den Bestand zu stützen. Die Politik muss sich allerdings mit den großen Problemen in Sachen Aal auseinandersetzen.
©M. Kuhr
Der Aal ist eine aussterbende Fischart. Deshalb forderte die Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) schon seit Jahren für Angler ein komplettes Fangverbot. In einigen Bundesländern, wie zum Beispiel Baden-Württemberg ist die Aalangelei mittlerweile ganzjährig verboten. Viele Angelgerätehändler klagen dort über Einbußen beim Absatz von Tauwürmern, die jeden Monat mehrere hundert Euro betragen. Ein ganzer Angelzweig kommt zum Erliegen. Können kleinere Händler diesen Verlust auffangen? Und trifft man mit einem generellen Fangverbot die Richtigen? Ich meine: Nein! Anstatt die Verursacher des Aalrückgangs, die Glasaalfischer Frankreich, Portugals und Englands mit harten Strafen zu belegen, müssen wir Angler unter der Sperrung leiden. Zwar besteht seit Anfang 2011 ein Exportverbot von Glas- und Babyaalen aus Europa, doch die Nachfrage aus Asien ist ungebrochen. Außerdem ist der Preis für Glasaale von 80 Euro pro Kilo um 1990 auf mittlerweile über 1000 Euro pro Kilogramm angestiegen. Ein lukrativer Geschäftszweig, bei dem sich ordentliche Gewinne erzielen lassen. In Stücke gerissen Der Aaltod durch die Turbinen der Wasserkraftwerke ist in Zeiten von sauberer Energie auch kein Thema mehr. Und so werden Jahr für Jahr immer noch viele Aale bei ihrer Laichwanderung zurück ins Meer in den Turbinen zerstückelt oder zumindest so schwer verletzt, dass die Fische an den Folgen sterben. Nach einer Studie, die die internationale Kommission zum Schutz des Rheins veröffentlichte, sterben je nach Turbinentyp bis zu 28 Prozent der abwandernden Aale allein in einem Kraftwerk. Auch beim Kormoran-Management — der Kormoran ist der Aalfeind Nummer 1 — ist man in der EU bislang nicht weitergekommen. Zwar sind regional Abschüsse oder Vergrämungsmaßnahmen von Seiten der zuständigen Behörden genehmigt worden, aber immer noch gibt es kein EU-einheitliches Vorgehen gegen die gefrässigen Fischfresser. Solange die drei genannten Probleme bei der Rettung des Aals nicht gelöst sind, wird es wohl kaum nützen, die Angler mit Fangverboten zu belegen, um die Bestandsdichte des Aals wieder nennenswert zu steigern. BU: Junge Satzaale, die viele Angelvereine alljährlich aussetzen, helfen den Aalbestand zu stützen. Allerdings ist die Politik gefragt, Lösungen zu schaffen, wenn es um die großen Fragen beim Aalproblem geht.
27.10.2014
 
Kommentar von Chris
Hallo Christian,

wenn es Aale schaffen würden abzuwandern, könnten sie natürlich auch laichen. Sie schaffen es aber nicht, weil wir sie in Flüsse oder Regionen einsetzen, in denen sie zu 100% zum Tode verurteilt sind. Im Donaueinzugsgebiet stehen alle eingesetzten Aale nicht mehr für die Fortpflanzung zur Verfügung. Auch wenn im Rheineinzugsgebiet z.B. in die Jagst oder Kocher welche eingesetzt werden, schafft es ein einstelliger Promillebetrag ins Meer, dann ist er aber noch keine 4-5000 km durch´s Meer geschwommen. Einige fordern hier ein Glasaalfangverbot, wollen aber trotzdem einen Besatz. Und wo soll der dann bitte herkommen? Ich bin beruflich bedingt, mit Renaturierung und Auf- oder Abstiegshilfen vertraut und kann daher sagen, dass dies alles reine Alibiaktionen sind und für keine Fischart in Deutschland zur alleinigen Arterhaltung reichen wird. Es kommen an jeder einzelnen WKA in Deutschland wesentlich mehr Fische um als durch Aufstiegshilfen aufsteigen.
mfg
25.10.2014
 
Kommentar von Christian
Hallo Chris !
An deine Meinung würde ich mich zu allerletzt anschließen! Schließlich ist es ja so dass jeder einzelne Aal der es schafft aus unseren Gewässern Richtung Sargasso See zum Laichen zu wandern den Bestand sichert ! Obwohl ich kein Freund von Fischstrassen bzw Kraftwersumgehungen bin, wird dies wohl vorerst die beste Lösung zum "Schutz" aller Wanderfische sein. Von einer Abschaffung aller Wegbehinderungen für diese Fische können wir in Deutschland in Zeiten der Energiewende meiner Meinung nach wohl nur träumen !? Gruß aus Franken
22.10.2014
 
Kommentar von Chris
Hallo,
leider denken viele Angler die Sache nicht zu Ende. Auch wir Angler sollten einem Fangverbot offen gegenüberstehen. Sind wir nicht auch mit Schuld, wenn tausende Aale in den Wasserkraftwerken zerhäckselt werden oder vom Kormoran gefressen werden. Warum dürfen im Donaugebiet egal ob Fließ- oder Stillgewässer Aale eingesetzt werden? Diese Tiere sind für die Fortpflanzung verloren, nur damit wir sie Angeln können. Und auch der Kormoran könnte keinen Aal fressen wenn es in der Donau keine Aale gäbe. Ich fordere solange die Flüsse nicht sicher für Aale umgebaut wurden ein Besatzverbot für das gesamte Donaugebiet, Besatz nur in Wasserkraftfreien Flüssen, Besatzverbot für alle Stillgewässer, Kormorandezimierung.
21.10.2014
 
Kommentar von Ulrich Tewes
André Pawlitzki hat eigentlich alles gesagt, was gesagt werden muß ! Warum begreifen die Politiker nicht, dass es ein generelles Fangverbot für Glasaale und deren Vermarktung (egal, wohin) geben muß ?! Damit wäre wohl schon viel erreicht. Ebenso müssen die Wasserkraftwerkbetreiber gefordert werden. Zerstückelte Aale können sich nur schwer fortsetzen. Wie André schon betonte: die Politik ist gefordert und darf sich nicht von den Profitgeiern gängeln lassen. Die Aalangler unter uns können wir ja wohl als "Artdezimierer" ausschließen. Deshalb: kein Angelverbot auf Aal !!!
18.10.2014
 
Kommentar von Peter Nagy
Ein Fang- und Entnahmeverbot für Aale, das sowohl Angler wie Fischer betreffen soll und VOR einem Rückbau aller Barrieren flussauf- und flussabwärts (wie z.B. Kraftwerke, Wehre, usw.) in Kraft tritt, würde das endgültige AUS der Aale in unseren Gewässern bedeuten, denn kein Verein würde dann noch Aale in seinem Gewässer besetzen.

Dass es heutzutage überhaupt noch Aale in den oberen Gewässerabschnitten gibt, ist allein das Verdienst aller aktiven Angelvereine, die unermüdlich und Jahr für Jahr immer wieder neu Aale besetzen und NICHT das Verdienst der Politiker und vieler anderer Menschen, die nur ihren Blick auf Dinge richten, die oberhalb der Wasseroberfläche existieren.

Auch beteiligt sich die kommerzielle Fischerei NICHT an den Besatzmaßnahmen, die zur Erhaltung der Spezies Aal beitragen könnten, wobei mir wieder einmal der Spruch durch den Kopf geht: "Sie säten nicht - und ernteten doch!"

Hier nochmals der Link zu einem sehr lesenswerten Artikel vom "Verband Hessischer Fischer e.V.":
http://hessenfischer.net/Gewaesserschutz/gw_wk_1.htm
17.10.2014
 
Kommentar von Gonzo
Natürlich hat der Autor absolut Recht, wenn er all die Probleme aufzählt, ich finde aber, dass wir Angler mit gutem Beispiel vorangehen sollten.
Wenn nicht schnellstens gehandelt wird, dann befürchte ich, dass der Aal ausstierbt.
Wenn wir einem Fangverbot nicht nur zustimmen, sondern es sogar vorantreiben, dann kann die EU nicht länger wegschauen und muss auch Maßnahmen gegen die deutlich höheren Bedrohungen (Wasserkraft, Glasaalfischerei usw.) einleiten.
Meiner Meinung nach ist es einen Versuch wert um diese einzigartige Tierart zu erhalten.
17.10.2014
 
Kommentar von Tom
Wenn ich den Beitrag über den Komoran lese und die Kommentare über diesen Vogel komme ich mir hier vor wie im finstersten Mittelalter.

Als Naturfreunde- und Naturschutzfreunde sollte man das doch bitte sportlich nehmen. Denn der größte Feind des Aals ist ja wohl nicht der Komoran, der frißt ja nicht nur Aale, sondern wir die Menschen!!!
16.10.2014
 
Kommentar von Wilfried Krütten
Liebe Freunde,
sein wir ehrlich, Wasserkraftwerke, Staudämme, Begradigungen Schadstoffeinträge, überfischung - alles menschengemacht! Wasserkraftwerke liefern nun mal einen ansehnlichen Anteil am Strom den wir verbrauchen, also schon mal Strom sparen. Viele Flüsse haben wir begradigt um die Schiffahrt zu ermöglichen oder zur Hochwasserregulierung aufgestaut, wollen / können wir darauf verzichten? Wir haben unsere Gewässer zu Abflusskanälen für unsere Abwässer degradiert, und da wo wir es geschafft haben zumindest die Nährstofffracht auf ein annähernd natürliches Niveau zu senken, da jammern wir rum, dass die Fischbestände sinken (siehe Bodensee). Berufsfischer und Angler haben Fischbestände bis an den Rand der Ausrottung befischt, fremde Arten eingführt und wollen der Natur vorschreiben welche Arten in ein Gewässer gehören (als wenn die Natur das nicht besser wüsste!). Wir wollen die Fressfeinde der Fische regulieren, nicht weil diese eine Gefahr für den Fischbestand darstellen, sondern weil sie uns die Fische wegfressen. Der Kormoran ist nur einer von vielen, also schießen wir uns schon mal ein auf Fisch- und Seeadler, auf Reiher und Storch, Haubentaucher und Eisvogel....
Dem Aal kann nur ein absolutes Fangverbot, sowohl für Angler als auch für Berufsfischer helfen. Ein Mindestmaß ist wirkungslos, da die Fische bei erreichen der Geschlechtsreife ins Meer abwandern. Jeder in unseren Flüssen gefangene Aal ist also für die Reproduktion der Art verloren! Parallel dazu müssen unsere Fließgewässer durchgängiger gestaltet werden, naturnahe Strukturen geschaffen und der Schadstoffeintrag, vor allem Schwermetalle, Pestizide, Organochlorverbindungen und Endokrine Disruptoren verringert werden. Würde allen helfen, nicht nur Aalen.

Wilfried Krütten
14.10.2014
 
Kommentar von Peter Nagy
Hallo nochmal,
hier noch ein informativer Link über Sinn und Unsinn von Wasserkraftwerken.

http://hessenfischer.net/Gewaesserschutz/gw_wk_1.htm

Sehr lesenswert !!!
13.10.2014
 
Kommentar von Michel
Hahahaha....die paar Aale wo von den Anglern zum essen gefangen werden sollen in bedrohen!?!?!
Was ist mit den tausenden Aalen wo in den Turbinen der Wasserkraftwerken landen oder am ab und aufsteigen durch Wasserkraftwerke behindert werden da keine oder falsch gebaute Fischtreppen vorhanden sind??
Wie schon geschrieben ist da noch der schwarze Vogel wo tausend Mal so viele Aale frisst wie Angle je fangen…..habe schon Bilder gesehen wo EIN Kormoran 5 Aale in seinem Bauch hatte!! Welche Angle fängt 5 Aale an einem Tag???? Ich kenne keinen!
Auch wer es sinnvoller win die Glasaale in unseren Gewässern als Besatz landen würden als in den Supermärkten im Regal, doch das Interessiert weder die Politiker in unserem Land noch in der EU .....

13.10.2014
 
Kommentar von Peter Nagy
Hallo und Petri Heil,
Gründe für den starken Rückgang der Aalbestände in unseren Flüssen müssen differenziert betrachtet werden.
Aus meiner Sicht ist der Kormoran der Feind Nr. 1 für den Aalbesatz. Für die abwandernden Aale ist dies jedoch die Turbinenanlage und nicht wir Angler.
Geht mal an Eure Gewässer und zählt die Turbinen. Abwandernde Aale, die nicht von einer Turbine geschreddert werden, bleiben an deren Schutzgittern wegen der starken Strömung hängen und verenden dort.
Wie es schon André Pawlitzki sagt, betrifft dies ca. 28% der abwanderungswilligen Aale. Man muss also kein großer Mathematiker sein, um hier festzuhalten, dass nach 7 aufeinander folgenden Turbinen von 100 Aalen nur noch ca. 10 Aale übrig bleiben.
Wenn die Angelvereine Deutschlands nicht jedes Jahr Aale besetzen würden, wär der Aal schon lange nicht mehr in unseren Gewässern zu finden.

Diese Tatsachen sollte man endlich in Brüssel zur Kenntnis nehmen und adäquate Gegenmaßnahmen einleiten und nicht immer wieder die Falschen an der Misere zu bestrafen.

Wir Angler können gar nicht soviel Aale rausholen, wie alleine von einer Turbine vernichtet werden.
13.10.2014
 
Kommentar von Bauer
diese Meinung teile ich voll und ganz was bringt uns Angler das Verbot, es ist nicht nur bei uns in Baden-Würrtemberg verboten Aale im Rhein zu fangen sondern auch im Benachbarten Frankreich ist es Verboten.
12.10.2014
 
Kommentar von Martin Schuch
Andre Pawlitzki hat Recht. Was nutzen Angelverbote, wenn man nicht gegen die Ursachen vorgeht?
12.10.2014
 
Kommentar von Bernd Gehle
Es kann doch nicht angehen, dass ein nicht heimische Flugfresser der im Schnitt 10mal mehr Fisch im Jahr frisst und verletzt als ein Angler unter Schutz steht mehr Rechte hat als die Angler. Eben so wenig ist es nachvollziehbar, dass diejenigen, die mit Wasserkraft Geld verdienen nicht gesetzlich zu einen entsprechenden Aalschutz verpflichtet werden. Da fließen auch die Steuern von uns Anglern in die Mitfinanzierungen solcher Anlagen, also tut bitte auch mal was für uns. Die Glasaalfischerei gehört verboten. Angler sind in auch und vor allem Naturfreunde und -schützer. Also packt das über an den Wurzeln und nicht an der Spitze.