Pro + Kontra

Die Angelkarten-Abzocke

Martin Wehrle ärgert sich über teure Tageskarten.
Der Anhieb sitzt, die Rute ist krumm. Schon ist der Ärger über die teure Tageskarte wie verflogen.
©Martin Wehrle

„Wie bitte?“, rief ich verblüfft ins Telefon und fragte noch mal nach: „Die Tageskarte soll 65 Euro kosten?“ – „Genau“, sagte die Dame vom Tourismusverband und schob zur Rechtfertigung nach: „Aber es ist auch ein guter Forellenfluss!“ Immer öfter erlebe ich, dass Angelkarten überteuert sind, nicht nur an Salmonidenstrecken. Für einen einzigen Angeltag muss man schon mal 30, 40 oder 50 Euro auf den Tisch legen – Preise, für die man früher eine Wochenerlaubnis bekam. Und gut kann ich mich erinnern, als der Gesetzgeber vor einigen Jahren das Schleppfischen in Mecklenburg wieder erlaubte. Voller Freude trat ich die neue Saison an, in der festen Erwartung, das Schleppen zum alten Kartenpreis betreiben zu können. Doch etliche Berufsfischer waren auf die Idee gekommen, neben der Angelkarte zusätzlich eine teure „Schlepperlaubnis“ zu verkaufen. 


Jede Möglichkeit für Zusatzkosten wird ausgeschöpft

Früher nahm man am Wasser die Fische aus; heute werden die Angler ausgenommen: An einigen Gewässern muss man fürs Angeln nach Sonnenuntergang eine „Nachterlaubnis“ erwerben. Andere Inhaber kassieren für eine „Raubfischerlaubnis“ zusätzliches Geld.

Angeln ist kein Golfen. Wann wird es so weit sein, dass man die Angelkarte und das Uferbetretungsrecht gesondert bezahlt? Wann kommt der erste Gewässerinhaber auf die Idee, jeden Wurf einzeln abzurechnen? Wann wird man schon am Revier, das einer beangelt, seinen Kontostand erkennen: Wer Kohle hat, befischt ein fängiges Gewässer; und wer keine hat, steht mit langem Gesicht vor fischleerem Wasser? So weit darf es nicht kommen! Das unterscheidet Angeln doch vom Golfen: Jeder kann es betreiben, ob arm oder reich, alt oder jung.

Angeln hat eine soziale Funktion: Jugendliche kommen, wenn sie ans Wasser gehen, nicht auf schlechte Ideen. Arbeitslose können, statt Trübsal zu blasen, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Und auch der, der kein Millionengehalt kassiert, kann am Abend auf dieselbe Weise wie sein Chef entspannen (sofern der auch Angler ist).

Sicher darf die Angelerlaubnis an einem guten Gewässer mehr kosten als an einem schlechten. Aber Angeln darf nicht zur Geldfrage werden! Mein Appell an alle, die sich hochpreisige Angelkarten leisten können (und dazu gehöre ich selbst): Boykottiert überteuerte Gewässer! Kauft keine Angelkarten zu Wucherpreisen! Wie mein Gespräch mit der Dame vom Tourismusverband endete? Ich habe „Nein, danke!“ gesagt – und bin an einen Forellenfluss gefahren, wo ich die Karte zu einem fairen Preis bekam.

03.03.2015
 
Kommentar von Roland Reis
Ich finde das einen guten Ansatz.
Hier am Rhein (Hessen)bekommt man Jahreskarten! für 50€ (vor drei Jahren noch 30€ und jetzt ist schon das Geschrei groß).
Ich wäre bereit 500 zu zahlen und so etwas mehr Ruhe am Wasser zu bekommen.
19.02.2015
 
Kommentar von Thomas J
Viele Forellengewässer sind mittlerweile in der Hand von Hotelbetreibern. An diesen Strecken will man weder die Fleischmacher noch die Tütenkormorane fernhalten. Hier geht es einzig und alleine darum die Buchungen der Hotelzimmer hoch zu halten. Wenn ich als Anwohner der über Jahre in diesem Gewässer geangelt hat nach einem Pächterwechsel dann praktisch ausgesperrt werde hat das nichts mit dem Schutz von Gewässern zu tun. Elitetum sollte unter Anglerkreisen nicht zur Regel werden. Leider gibt es immer noch Vereine die es gerade auf solche gut betuchten Leute abgesehen haben. Wie lassen Sich sonst Aufnahmegebühren von 1500,00€ und Tageskartenpreise von 50€ und mehr erklären? Zum Glück gibt es noch sehr schöne Strecken die vernünftig und mit einer offenen Haltung allen Anglern gegenüber bewirtschaftet werden. Schade das diese Denkweise immer mehr in den Hintergrund rückt und so die Anglerschaft spaltet.
19.02.2015
 
Kommentar von Holger
Das Problem ist leider etwas vielschichtiger. Teilweise sind die Preise bewusst so hoch gesetzt, damit das Gewässer niemand als Tagesgast aufsucht. Dies ist z.B. der Fall, wenn kleine Vereine mit einer schönen und gepflegten Strecke und gutem Besatz durch Landesrecht gezwungen sind, Tageskarten zu verkaufen, obwohl es ein reines Vereinsgewässer sein sollte. Auf der anderen Seite sind es selbstverständlich auch elitäre Haltungen die zu extrem hohen Preisen, insbesondere für Salmoniden- oder Fliegenfischerstrecken, führen. Allerdings muss man bei diesen "elitären" Strecken leider auch sagen, dass sie in der Regel sehr gut gepflegt sind und auch die Ufer nicht völlig vermüllt sind. Und das an solchen Strecken keine Tütenkormorane erwünscht sind, die lediglich den Gegenwert des Filets gegen den Tagesschein aufrechnen und nicht das Landschafts- oder Naturerlebnis wollen, ist mehr als nachvollziehbar. Ob diese "elitären" Strecken jedoch überhaupt mit einem sozialen Anspruch messbar sind, ist fraglich. Jedoch ist es schade, dass verantwortungsvollen Anglern mit wenig Geld der Zugang erschwert oder unmöglich gemacht wird, nur um Tütenkormorane fern zu halten. Ob man gewillt ist sich daran zu beteiligen und solche Strecken aufzusuchen, bleibt jedem selbst überlassen, schöne Erlebnisse kann man nicht nur dort haben.
18.02.2015
 
Kommentar von rheinfischer70
Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, warum die Preise so hoch sind?

Kann mir vorstellen, dass ein Top Forellenrevier durch einige "Raub"angler in der Vergangenheit erheblichen Schaden erlitten hat. Dann kann man diese Fleischfischer am einfachsten über den Preis aus dem Verein halten.
Vielleicht sind deswegen auch an einigen Spitzengewässern Guides vorgeschrieben.
13.02.2015
 
Kommentar von Thomas J
Die Handhabe wie manche Gewässer bewirtschaftet werden ist in vielen Fällen ganz gut geregelt. Gastangler werden an vielen Gewässer fair behandelt und können meiner Meinung nach auch zufrieden sein. Doch gerade im Bereich der Fliegenfischerei wird oft unnötig der Kartenpreis hoch gehalten. Oft ist der Erhalt einer Tageskarte nur mit einer Übernachtung oder einem Guide möglich. Solche Forderungen an Gastangler zu stellen ist unverschämt und zielt nur darauf ab, noch mehr Euros aus dem Gewässer zu ziehen. Anglerisch sind diese Gewässer sicher sehr interessant doch oft nur einem Klientel vorbehalten die sich diese Tageskartenpreise auch leisten möchten. In gewisser Weise wird dem Ottornormalangler die Tür vor der Nase zugeschmissen. Von den Junganlern ganz zu schweigen. Ich habe für mich mit dem Fliegenfischen abgeschlossen. Weniger weil es keinen Erfolg brachte sondern weil ich dies Machenschaften der Gewässerpächter nicht mehr mitmachen will.

13.02.2015
 
Kommentar von freezer
Das mit den preisen wird doch jahr für jahr immer mehr.Aber der fisch wird dadurch nicht mehr.Wenn ich zurück denke wo ich als kind mit mein vater zur weser gefahren sind und das ganze wochenende dort geblieben sind.Da konnte man noch die fische sehen und die glassaale an den ketten sind hoch gekrochen und jetzt muss man schon froh sein das man überhaupt was sieht.In der heutigen zeit muss man foh sein das man überhaupt was fängt.Ich finde auch man sollte was gegen die Schokker machen was da alles im netz hängt ist auch nicht gerade toll.viele fische wie die aale können nicht wandern weil sie meist ins netz gehen.Dann hat wieder angler schuld der ja angeblich die meisten fische raus holt.Aber zurück zu den preisen.Selbst wenn der bereich sehr fischreich ist heisst es nicht das man auch immer fisch fängt.Angeln ist eher eine glückssache.Von daher sollten die preise angemessener sein.Ich hol mir auch kaum noch karten weil es zu teuer ist und die wege für ein günstigen bereich sind meist zu weit mit fahrrad.Angeln ist für mich ein hobby wo ich mich entspannen kann und mir die natur anschauen kann.Wenn ich am wasser lang gehen dann kribbelt es immer in meine finger.Ich will angeln aber nicht für ein Betrag wo ich fast nichts fange.1 mal im jahr bin ich mal an der ost see und da findet man mich fast nur am wasser weil es mir sehr fehlt.Ich freu mich dann als hätte ich zum erstenmal eine angel in der hand,so wie in meiner Kindheit.Und sowas wie Fischfinder oder so sollte man auch verbieten.Auf ein Boot im Meer ok aber an einem See,Teich,kanal,Fluss muss sowas nicht sein.Das ist für mich kein Angeln mehr.
12.02.2015
 
Kommentar von T.P.
Allein im Nord/ Südgefälle unserer Republik gibt es einen massiven Preisunterschied. Im Norden ist alles etwas günstiger als im Süden. Das ist auch im Angelbereich so. Und warum? Weil das Länderrecht ist. Ich beneide die Norddeutschen um die Preise im Verhältnis zu den Angelrevieren. Hier im Süden ist man Vereingebunden, um einigermaßen günstig angeln zu dürfen, die Gewässer sind aber begrenzt. SCHADE.
11.02.2015
 
Kommentar von Ralf
Das kommt immer auf den Verein an. Ich wollte vor Jahren mal in einen Verein eintreten und hab wegen der Beitrittsgebühr nachgefragt. Die wollten 2500 €. Also bitte,ich will den Verein ja nicht kaufen. Genau so verhält es sich mit Tageskarten.Ich will ein paar schöne Stunden am Wasser verbringen,vielleicht den einen oder anderen Fisch fangen und nicht das Gewässer kaufen.Ich habe die Wahl,was ich bereit bin zu zahlen und an so teuren Strecken wird man mich ganz sicher nicht antreffen.
11.02.2015
 
Kommentar von A.Seubert
Ich finde das nicht Gut. Überteuerte Karten haben auch meist ein niedriges Fanglimit und beides passt nicht.Ich komme aus Unterfranken und da sind die Angelkarten für unsere Verhältnisse recht günstig, Zwischen 8,00€ - 15,00€ aber da stimmt auch das Fanglimit, meistens.Bis auf ein paar Ausnahmen, da kann schon mal passieren, dass nur mit einer Rute geangelt werden darf und auch nur ein Raubfisch und dafür Weißfische ohne Ende, oder das die Fische wieder zurück gesetzt werden müssen. Wir an unserem See, zahlen 11€, Fanglimit drei Forellen und 2 Fische , Weißfische zählen nicht dazu müssen, aber im Fangbericht aufgeführt werden.Finde ich OK
11.02.2015
 
Kommentar von Philipp Endter
Es gibt sicherlich einige Rechtfertigungen für höhere Kartenpreise, die ich persönlich für akzeptabel halte. Wie zum Beispiel kleine Vereine, die Schwierigkeiten haben, ihre Kosten anderweitig zu decken. Was ich hingegen nicht ganz in Ordnung finde, ist eine teure "Prestige-Erlaubnis". Abschnitte, ganze Gewässer oder Teilbereiche, die bewusst nur einer Pseudo-Elite zugänglich gemacht werden sollen, oder ähnliches. Das nimmt unserem Hobby den Gemeinschaftsgedanken, wie ich finde.
Angelkarten/Fischereierlaubnisscheine sollten dennoch nicht zum Discountpreis über den Tresen gehen. Ich persönlich bin gern bereit, 10-25 € für einen Angeltag fernab meiner Hausgewässer zu zahlen, wenn die Bedingungen toll und die ortsansässigen Sportsfreunde freundlich und hilfsbereit sind.
11.02.2015
 
Kommentar von Stephan
HalliHallo liebe Leute,
das ist ganz meine Rede. Ich finde es echt übertrieben Extragebühren bezahlen zu müssen wenn man Nachtangeln etc. machen möchte.
Mit 7 ging ich einfach an unseren Dorfteich oder eine Baggersee und niemanden juckte es.
11.02.2015
 
Kommentar von Mike73
Jeder kann selbst entscheiden,was ist Fair und was ist Abzocke ! Obwohl beim Modesport Angeln eh fast überall mit vollen Händen genommen wird ...
11.02.2015
 
Kommentar von Kai
Olli das ist nicht ganz richtig.
Die Tageskarte kostet zwar 6 Euro (zwei Tage 10 Euro, Woche 20 Euro und Monat 35 Euro), aber nicht für 2 Ruten, sondern 2 Friedfisch und 2 Raubfischruten. Die 2 Ruten sind nur für Jugendliche (die zahlen dann aber auch nur die Hälfte)oder eben wenn wegen der Schonzeit die Raubfischruten wegfallen.

Und als Mitglied kannst Du dann für 50 Euro im Jahr (Frauen 35 Euro und Kids 20 Euro) alle 155 Gewässer mit 4 Friedfisch +4 Raubfisch +1 Wurfrute +Senke befischen. Wenn Du regelmäßig da hin fährst lohnt es sich dann doch mal die 50 Euro Aufnahmegebühr zu zahlen, um dann eben auch in den ca, 10 Gewässern zu fischen die für Gastangler gesperrt sind da sie in Naturschutzgebieten liegen.
11.02.2015
 
Kommentar von pike87
Wenn angeln eine soziale Funktion erfüllen soll und Jugendliche oder auch Arbeitslose zu einer sinnvollen Beschäftigung bewegen soll, dann muss es für diese Zielgruppe auch zu finanzieren sein. Was jedoch leider im Kontrast zu dem steht, was manche für ihre Erlaubniskarten verlangen. Warum soviel bezahlen? Naja gehen wir davon aus die Leute zahlen quasi nichts für einen Tagesschein, räumen den See leer (was bei einer bundesweiten Einführung von catch and release, wie in vielen unserer Nachbarstaaten bereits praktiziert, im übrigen nicht passieren würde). Was wäre das Resultat? Es spricht sich rum, binnen weniger Tage wäre der See leer. Folge -> neuer Besatz sonst kein Kartenverkauf mehr...glauben die Leute den Besatz bekommen die Pächter geschenkt? Es wird also darauf hinauslaufen, dass die Tageskarten wohl oder übel den Besatzmaßnahmen und deren Kosten angepasst werden. Natürlich sollten dabei keine 65 Euro fällig sein...andererseits, an einem Forellensee zahlen die Leute auch gut und gerne 40 Euro und erwerben damit auch keine Fanggarantie. Wer soviel Geld ausgeben möchte, dem sei es gegönnt. Wenn der Pächter aber keine Tageskarten mehr los wird, wird sich der Preis schon korrigieren...das ist das System von Angebot und Nachfrage :)
11.02.2015
 
Kommentar von Carsten
Das nennt man dann wohl "freie Marktwirtschaft" solange es sich lohnt mit Angelgarten Kohle zu machen wird es solche Strecken geben.Das schöne aber das auch dort die Fische nicht in den Kescher springen und Schneidertage vorprogrammiert sind.Ich für meinen Teil würde solch teure Strecken nicht befischen wollen.
s_jenke@web.de  11.02.2015
 
Kommentar von Sven Jenke
Jeder Angler darf ja zum Glück selbst entscheiden wo er eine Angelkarte erwirbt. Jahreskarte Müritzfischer mit Schlepperlaubnis ist schon teuer, aber auch super Gewässer. Hab mir aber auch gerade eine Jahreskarte für einen Flussabschnitt mit gutem Wels & Hechtbestand gekauft, 20,- Euro mit Nachtangeln für ca. 35 Km. Jeder hat die Wahl !!!
11.02.2015
 
Kommentar von Juri
Wie bitte? 65€ Tageskarte? NEIN, DANKE!

Besetzen die die Abschnitte mit 100g Störkaviar-Dosen oder gibt es zu jeder Karte auch gleich nen geräucherten Lachs?

NIE im Leben würde ich solchen Betrag für eine Tageskarte ausgeben, sogar wenn da Lochness-Moster's besetzt werden!
11.02.2015
 
Kommentar von olli
Gastkarten in Ostfriesland 6,- Euro pro Tag für ca. 150!!! Gewässer. Zwei Ruten erlaubt. weitere Info`s www.bvo-emden.de ich geh da regelmäßig hin weil das einfach unschlagbar ist
11.02.2015
 
Kommentar von Ralf
Servus,
ich finde es völlig legitim, dass die Karten auch mal mehr kosten. Die Pachten sind gestiegen, der Besatz ist teuer und gute Gewässer sind leider selten geworden. In Deutschland müssen wir froh sein, dass wir nicht so viel zahlen müssen wie in Österreich. Auch in Deutschland gibt es genug Alternativen und es kann sich jeder nach Lust und Laune günstige oder teure Tageskartengewässer aussuchen. Insofern finde ich diese Diskussion eher lustig. Als ob es nur ein einziges teures Gewässer gibt. Die meisten Angler haben sowieso eine Menge Gewässer zu Auswahl. Und besonders in Vereinen lässt es sich doch sehr günstig fischen.
Beste Grüße, Ralf
11.02.2015
 
Kommentar von Rick
Hallo, ich denke das 40 oder 50 Euro sehr viel sind. Das muss jeder für sich selbst dan abwägen. Ich finde es nur schade, dass viel von diesem Geld für die Verwaltung drauf geht und viel zu wenig in den Erhalt von Teiche, Flüsse und Seen gesteckt wird! Ich meine Angler sind ja auch für den Erhalt der Natur zuständig, also ist 40 Euro oder auch 50 Euro gerechtfertigt, wenn es der Natur und seinen Lebewesen zugute kommt!