Pro & Kontra

Die Supermänner des Angelns klauen mir den Spaß!

Bert Schröder fordert mehr Begeisterung auch für kleine Fische.
Kleiner Fisch, großer Spaß! Wer sich den Fang hart erarbeitet hat, freut sich auch über XXS-Hechte.
©A. Pawlitzki
Viele Angelartikel klingen so: „Als wir den Hecht von 24 Pfund gefangen hatten, sattelten wir auf Zander um und wurden prompt mit einem 13-Pfünder belohnt. Als Beifang ging noch ein 3-Pfund-Barsch an den Haken.“
Hallo?! Da fängt jemand Kapitale in Serie, von denen der normale Angler nur träumen kann – und tut so, als wäre das ganz normal. Für ihn! In mir als Leser löste das keine Bewunderung, sondern Ärger aus! Erstens frage ich mich, ob der Artikel auf Deutsch oder in Anglerlatein verfasst ist. Und zweitens werde ich schmerzlich daran erinnert, wie hart ich kämpfen muss, um in meinem Vereinssee einen Hecht von 80 Zentimetern oder einen Barsch von einem Pfund zu fangen. 
Doch die Supermänner des Angelns lassen sich nur mit Fischen abbilden, die so groß sind, dass man sie dahinter kaum noch sieht. Wie die Gewichtheber stemmen sie Karpfen in die Kamera. Ihre Aale sind dick wie Feuerwehrschläuche. Und ihre Hechte passen kaum ins Bild, ohne dass auf der einen Seite der Kopf und auf der anderen der Schwanz aus dem Querformat ragt.
Der geraubte Stolz
Auf einmal erscheint mir mein 86-Zentimeter-­Hecht, auf den ich stolz wie Oskar war, nur noch als Köderfisch. Und die Freude über meinen 35-Zentimeter-Barsch schmilzt dahin neben einem 50-Zentimeter-Riesen.
Doch einen Moment! Wer bei den Kapitalen-­Fotos der Angelprofis genauer hinschaut, kommt ins Grübeln: Die Hände sind meist sorgsam hinterm Fisch versteckt. Warum? Weil mit Weitwinkel fotografiert wurde? Weil der Fisch weit nach vorne gestreckt ist? Und weil seine eigentliche Größe, die zum Prahlen gereicht hätte, weiter aufgeblasen wurde?
Und wo werden diese Fischmonster eigentlich gefangen? Stammen nicht die meisten aus Gewässern, die voll mit Kapitalen sind, aus dem ­holländischen Rhein, dem exklusiven Privatsee (wo derselbe Rekordkarpfen schon über ein ­halbes Dutzend Mal gefangen wurde) oder aus den Bodden? Wie wäre es, wenn die Autoren-­Supermänner öfter in ihren Vereinsgewässern angelten, dort, wo auch ihre Leser um Fische kämpfen? Ich wette: Die Fänge und die Fangfotos fielen mit einem Schlag realistischer aus!
Verstehen Sie mich richtig: Ich möchte durchaus erfahren, welche Großfische die Profiangler überlisten. Aber ich möchte mir nicht einreden lassen, solche Fische seien die Regel. Ehrliche Angelautoren wünsche ich mir, die auch mal einen durchschnittlichen Hecht fotografieren und zu ihren Schneidertagen stehen.
Denn wahr ist doch: An den meisten Tagen ist auch der Angelautor froh, wenn er einen Hecht von 75 Zentimetern oder einen Zander von fünf Pfund fängt. Und an einigen Tagen freut er sich sogar, wenn ihn abends ein 18-Zentimeter-Barsch doch noch vom Schneidertag erlöst.
vanhalen1970@t-online.de  17.12.2014
 
Kommentar von Stephan S.
Nun ja, dass einige Experten wissen, wie sie ihre Kapitalen ins rechte Fotolicht setzen, ist ja bekannt.Das es auch Leute gibt, die wesentlich mehr und größere Fische fangen, als andere, ist auch kein Geheimnis.
Ich erfreue mich an jedem schönen Foto, ob es ein Kapitaler ist oder ein "Normalgroßer Fisch".Fotos sind auch für mich eine schöne Erinnerung an einen gefangenen Fisch. Und ein makelloser Fisch, schöne gezeichnet in seiner Pracht ist einfach wunderbar...egal wie groß er ist. Ich freue mich an jedem Fisch, insbesondere beim Kunstköderangeln, denn ich habe es geschafft ihn zu überlisten...und das zählt.
PS.:Ich habe sehr kurze Arme :-)
15.12.2014
 
Kommentar von Klausi
Mich verwundern solche Giganten auch immer. Sowas ging mir noch niemals an den Haken. Mein größter Karpfen war 68 cm und meine größte Forelle 47 cm....Ich bin zufrieden.
15.12.2014
 
Kommentar von Martin
Ich habe mich das auch schon gefragt, weshalb die Fische bei denen so gross aussehen. Sind die Angler vielleicht alle so klein? Gut finde ich da einige Kurzfilme, wo auch die Profis mal Schneider bleiben. Nicht aus Missgunst, sondern, weil es normal ist. Das wirkt irgendwie beruhigend. Wenn ich mir manchmal anschaue, was Karpfenangler so alles anfüttern, nur um einen Karpfen zu fangen, da frage ich mich doch, ob die nicht einfach die Fische mästen? Bei uns sind Anfüttern und Echolote verboten, was erfolgreiches Angeln doch um einiges erschwert. Trotz dieser ganzen Riesenfische in den Medien, freue ich mich über jeden 60+ Hecht, den ich landen kann. Jedes Mal wieder ein Erlebnis.

In diesem Sinne:
Petri Heil
12.12.2014
 
Kommentar von Jörn
Toller Artikel dem ich gerne zustimme. Als professioneller Angelguide aus Stralsund erlebe ich oft genau diese falsche Erwartungshaltung bei vielen Angelbegeisterten Gästen. Auch bei uns im Sund und Bodden muss jeder Fisch gerangelt werden, keiner springt von selber in das Boot hinein. Die Größe der Fische entscheidet doch nicht über "Gewinner oder Verlierer"! Vielmehr die Freude über den Drill und die Schönheit der Tiere. Jeder Angler, ob Profi oder nicht, kennt magere und auch Schneidertage. Meine Devise: Genießt die tolle Zeit am bzw. auf dem Wasser, der Fang ist dabei die Zugabe.
Mehr Informationen zu mir auf www.anglertraum.info

Liebe Grüße,

Jörn