Pro + Kontra

Von Wölfen und Kormoranen

Roland Schminke, Landespolitiker in Niedersachsen mit dem Spezialgebiet Naturschutz, redet Klartext.
Er fühlt sich bei uns sichtlich wohl: es gibt reichlich Fisch und keine Feinde.
©O. Portrat
Der Kormoran ist mit seiner überaus flexiblen Jagdstrategie und seiner hohen Mobilität Anglern und Berufsfischern schon lange ein Dorn im Auge. Die Population des gefräßigen schwarzen Vogels ist groß. Der Kormoran frisst ausschließlich Fisch und die Tagesration beträgt ca. 500 g täglich. Eine Gruppe Kormorane plündert einen Fischteich nicht selten in wenigen Minuten.
Wirtschaftliche Schäden der Fischbestände in öffentlichen Gewässern, Kiesbaggerteichen und Fischproduktionsanlagen gehen nach Schätzungen der Experten bereits in die Millionen. Deutschlandweit zeigen unsere Landesfischereiverbände inzwischen Gefährdungen seltener Fischarten auf. Fischereigenossenschaften können die enormen Fraßschäden durch teure Besatzmaßnahmen nicht mehr ausgleichen und viele Fischzüchter geben inzwischen entnervt auf, weil es selbst bei nachweisbaren Totalverlusten keine angemessene Entschädigungszahlung gibt. Zudem sterben viele Fische qualvoll an schweren Verletzungen, weil sie vom Kormoran „nur“ angeschlagen wurden.

Es besteht Handlungsbedarf
Als fischereipolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen sehe ich dringenden Handlungsbedarf. Es geht bei der Diskussion nicht allein um Fischverluste, sondern insbesondere auch um den Schutz bereits gefährdeter Fischarten. Wir vermissen immer mehr den Aal in unseren Gewässern, aber gerade der Aal steht ganz oben auf der Speisekarte des Kormorans. Wir erweitern die Schonzeiten von gefährdeten Fischen, aber der Kormoran wird sich daraus gar nichts machen. Es geht deshalb auch darum, endlich den Artenschutz für alle Tiere in den Fokus zu nehmen. Fische und Vögel sind in gleichem Maße schutzwürdig, das ist nicht nur meine Überzeugung.
Für mich ist die Niedersächsische Kormoranverordnung, die zur Abwehr erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden den Abschuss des Vogels an Teichanlagen erlaubt, nur eine unverzichtbare Hilfskrücke. Die Verordnung läuft Ende 2016 aus und muss unbedingt verlängert werden.
Weitere Maßnahmen zur Konsolidierung der Kormoranpopulation müssen folgen. Bisher beklagen alle Länder die Zustände und fordern nachhaltige Lösungen aus Brüssel. Ein europäisches Kormoranmanagement ist seit vielen Jahren im Gespräch. Das EU-Parlament hat es 2008 selbst gefordert, aber es wurde von der Kommission bisher nichts umgesetzt. Europa fordert umgekehrt Maßnahmen zur Bestandsreduktion in den Brutgebieten von den Mitgliedsstaaten. Hier schiebt einer dem anderen den schwarzen Peter (Vogel) zu! Was ist das für eine unmögliche Trickserei? Diese Hin- und Her widert mich an, weil die Probleme so natürlich nie gelöst werden!
Die EG-Vogelschutz-Richtlinie und das Bundes­naturschutzgesetz lassen ausdrücklich Abweichungen von Verboten zur Abwehr erheblicher Schäden und zum Schutz von Pflanzen und Tieren zu. Das ist der Ansatz für eine nationale Lösung, die wir mit vereinten Kräften umsetzen müssen. Es geht um praktikable Lösungen, darum bin ich dafür, Verbände, Vereine, Genossenschaften und die Fischereiwirtschaft bei der Erarbeitung praxisnaher und möglichst bundesweit gültiger Lösungen einzubeziehen. So wie es ist, kann es nicht bleiben!
Wir müssen also selbst handeln, weil es Europa nicht tut. Und die Parteien sollten dabei auch ehrlich miteinander umgehen. Ein CDU-Antrag in NRW kann nämlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konservativen in Brüssel über eine sehr breite eigene Mehrheit verfügen und dort schon längst alles regeln konnten, wenn sie es denn ernsthaft gewollt hätten. Darum lasst uns gemeinsam und ohne politische Tricksereien die Probleme ehrlich angehen. Am besten so, wie bei der Papstwahl: Alle Verantwortlichen parteiübergreifend in einen Verhandlungsraum einschließen. Stillschweigen nach außen solange, bis eine praktikable Lösung gefunden ist. Dann darf weißer Rauch in den Vogel- und Fischhimmel aufsteigen.

Und der Wolf ist auch schon da
Mit dem Kormoran haben wir bereits große Probleme, mit dem Wolf werden wir die richtig großen Probleme noch bekommen, da bin ich ziemlich sicher. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Deutschland für den Wolf kein geeignetes Verbreitungsgebiet ist, weil unser Land viel zu kleinteilig und zu dicht besiedelt ist.
Ferner gibt es bereits heute enormen Ärger, weil die Wölfe natürlich Beute machen und Nutztierrisse rasant zunehmen. Was nutzt die Entschädigungszahlung, wenn die besten Zuchttiere gerissen wurden und der Rest der Herde durch die Begegnung mit dem Wolf einen Schock fürs Leben bekommen hat?
In Deutschland haben sich die Wölfe inzwischen stark vermehrt und immer häufiger hören wir auch Berichte über Begegnungen der Tiere mit dem Menschen. Wer bisher glaubte, der Wolf meide die Menschen, kann fast täglich andere Berichte in den Medien wahrnehmen.
Nun gibt es kluge Verhaltensratschläge, in welcher Weise man Wölfe bei einer Begegnung abschrecken kann. Lautes Rufen oder in die Hände klatschen soll helfen, sagen uns die Wolfsexperten. Aber wie soll das ein spielendes Kleinkind im ländlichen Raum umsetzen, wenn das Grundstück in direkter Nähe zum Wald liegt und nicht einmal umzäunt ist? Diese Verhältnisse gibt es millionenfach in Niedersachsen und anderen Bundesländern. Und wie soll sich ein Kleinkind gegen ein Wolfsrudel zur Wehr setzen?
 Die Politik beruft sich auf den höchstmöglichen Schutz, den der Wolf genießt. Rechtlich ist das absolut korrekt, denn Wölfe werden international in verschiedenen Naturschutzabkommen gelistet. In Deutschland gehört der Wolf gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders und streng geschützten Arten.
Ich bin heute absolut sicher und prognostiziere die offensive Bejagung der Wölfe in Deutschland in wenigen Jahren, weil die Problemlagen zunehmen werden und dadurch ein Handlungsdruck entstehen wird.
17.05.2015
 
Kommentar von Bert Albrecht
Ich finde es schade das man immer so lange wartet diskutiert und diskutiert bis etwas passiert und dann erst handelt. Kormorane richten schon seit etlichen Jahren Schäden in Millionenhöhe an und es passiert nicht viel im Gegenteil man wählt in zum Vogel des Jahres. Genau wie mit dem Wolf,er wird geschützt und es werden Ausgleichszahlung gegenüber Landwirten getätigt die auch schon in utopische Beträge geht. Ich garantiere sobald ein Mensch ferlezt oder getötet wird ,erst dann wird gehandelt. Ich finde unser Regierung muss wach gerüttelt werden und wieder im Sinne der Bevölkerung zu agieren.