Pro & Kontra

Alle fünf Sinne

Karl Koch ist nicht nur der Vater des BLINKER, er ist der Vordenker einer ­ganzen Generation von Angeljournalisten. Heute wünscht er sich mehr Emotio­nen und weniger Technik beim Angeln — und nicht zuletzt im ­BLINKER.
Karl Koch, Gründer des BLINKER, angelt mit Leib und Seele.
©K. Koch
Ich bin ein ganz gewöhnlicher Leser dieser Zeitschrift, ein Leser, so wie Sie, und ich teile mit, was ich mir wünsche. Ich will Spannung und Spaß erleben. Eines will ich bestimmt auf keinen Fall, ich will kein Angel-Ingenieur werden. Aber das mutet man mir zu, denke ich oft, wenn ich die heutige Angel-Literatur anschaue. Die Texte lesen sich wie Geräte-Prospekte. Da wimmelt es von Ausdrücken wie Freelining, Brolly, Anti-Tangle-Rig-Tube, Surfcasting, Shock-Absorber und so weiter und so fort. Und natürlich muss es immer das schicke Englisch der Werbung sein.
Ich denke dann oft an meinen Vater und seine Hungerpeitsche, mit der er seine Würmer badete. Aber verstehen wir uns nicht falsch, ich habe nichts gegen gutes Gerät. Die weiße Bambus-Rute meines Vaters möchte ich nicht gegen meine moderne Kohlefaser-Rute tauschen. Ich wollte nur sagen: Die Seele des Angelns steckt nicht im Gerät.
Es gibt Angler auf der Ostsee, die schleppen mit 10 Ruten gleichzeitig. Das scheint mir, gelinde gesagt, ein Exzess. Vielleicht hängen sie dem Aberglauben an, damit würde sich das Angelerlebnis verzehnfachen. Aber wer mit 10 Ruten schleppt, multipliziert nicht sein Erleben, er schmälert es. Die Technik eröffnet zweifellos viele Möglichkeiten, aber sie verwässert auch das anglerische Erlebnis, sie stellt sich zwischen den Angler und die Natur.
Nehmen wir die Rute, sie ist eine künstliche Verlängerung des Armes, tatsächlich also eine Prothese. Ich rate dringend zu folgendem Selbstversuch. Fassen Sie beim nächtlichen Aal-Angeln nicht die Rute an, sondern nehmen Sie die Schnur zwischen die Finger. Wenn der Aal (oder ein anderer Fisch) zupackt und zupft - größere sinnliche Durchschlagskraft findet sich nicht so leicht. Wer das nicht kennt, hat das Angeln verpennt. Der direkte Draht zum Fisch: so ähnlich muss es sich anfühlen, wenn man den Finger in die Steckdose steckt.

Lust am Angeln
Der Mensch ist ein Augentier, sagt man so leichthin. Vergessen wir nicht, dass er insgesamt 5 Sinne hat. Angeln wendet sich an alle diese 5 Sinne, das letztlich macht seinen tiefsten Zauber aus.
Wenn ich über Angeln lese, dann soll mich die Lust packen. Ich will im Geiste das Murmeln der Wellen hören; ich will den Duft des Hechtes nach frischem Gras schnuppern; ich will die Schuppen der Lauben blitzen sehen; ich will die Stacheln des Barsches fühlen; ich will das Salz im Ostsee-Wasser schmecken. Das erwarte ich von einer Angler-Zeitschrift, ich will, dass sie mir Lust auf´s Angeln macht. Bitte, BLINKER, erfüll mir diesen Wunsch!
25.08.2014
 
Kommentar von MB
Sehr geehrter Herr Koch,
ich bin zwar erst in der Mitte meiner 30er, aber ich kann ihnen nur zustimmen.

Immer wieder lese ich gerne in älterer Angelliteratur, u.a. auch in den alten Sonderheften des Blinker, weil es dort zwar schon um Technik und Fachwissen, aber eben nicht um den "neuesten Schrei" der Branche ging. Angler bekamen dort nüchtern und verständlich erklärt, auf was es wirklich ankommt. So habe ich mit der Zeit auch viele gute Artikel von ihnen gelesen und verinnerlicht.

Anglizismen begleiten das Angeln schon Jahrhunderte, das ist nichts Neues. Bezüglich der heutigen Marketingsprache gebe ich ihnen diesbezüglich aber auch Recht, es wird maßlos übertrieben.

Bleibt in meinen Augen noch immer die Erkenntnis, dass der Angler mit Verstand und Erfahrung den Fisch fängt und nicht das modernste und übertriebendste Gerät.

Petri Heil!
22.08.2014
 
Kommentar von OHKW
Dass hier wieder das Gejammer über Anglizismen heraufbeschworen wird hätte der Autor eigentlich wissen müssen, obwohl das Thema ein ganz anderes ist. Dabei sollte es doch egal sein wie der Hase heißt, solange man weiß was gemeint ist...
Offenbar spricht das Thema den Inhalt von Artikeln und Beiträgen in Angelmedien an, beziehungsweise wurde die Technisierung der Angelei kritisiert. Allerdings möchte ich hier zu bedenken geben, dass diese Artikel und Beiträge ja auch einen fachlichen Hintergrund haben sollen. Das krasse Gegenteil von quasi-Fachbeiträgen sind stark romantisierte und über-sentimentale Artikel die sich neuerdings besonders in neuen Online-Magazinen finden lassen. Wunderschöne Hochglanz Aufnahmen mit Lobgesängen auf die Schönheit der Natur nur leider fachlich völlig inhalts- und informationslos. Mal davon abgesehen, dass es etwas seltsam anmutet 50 Liter Benzin zu verfahren um dann von unberührter Natur zu schwelgen, die nach dem Ansturm der Naturliebhaber gar nicht mehr so unberührt aussieht.
Im Großen und Ganzen gibt es aber in einer Zeit in der einem so viele Medien zur Verfügung stehen keinen Grund sich zu beklagen, denn man wird je nachdem ob man einen trockenen Technikbericht bevorzugt oder lieber Material ansieht um in Gefühlen und erinnerunge zu schwelgen auch das richtige Medium dafür finden. Ein einzelnes Angelmedium wird es nie allen recht machen können, also wieso sollte man das dann auch nur versuchen?
20.08.2014
 
Kommentar von Heiner Hanenkamp
Sicher gibt es Übertreibungen und jede Menge Werbe-Blabla. Aber es macht einen praktisch sinnvollen Unterschied, ob man zum Beispiel den Begriff "Wobbler" für alle möglichen aus Hartplastik gefertigten Kunstköder verwendet oder speziellere Begriffe.

Die unterschiedlichen Begriffe sind nicht in der Welt, um die Leute zu verwirren, sondern weil sie u.a. Auskunft darüber geben, wie die verschiedenen Ködertypen geführt werden.

Dass diese Begriffe aus dem Englischen kommen, liegt einfach daran, dass die meisten Kunstköder nicht in Deutschland entwickelt wurden, sondern anderswo. Nebenbei: Auch der Begriff "Wobbler" stammt aus dem Englischen.

Sicher ist das für ältere Semester nervend, aber für jüngere Jahrgänge überhaupt kein Problem, da sie Englisch eh frühzeitig lernen müssen.
19.08.2014
 
Kommentar von Stefan Wagner
Hallo Herr Koch, ich wurde von einem Schweizer vor ca 28 Jahren zum "langweiligsten" Teil meines Lebens verführt. Als Informatiker und Betriebsmanager ist mir die englischen Sprache einigermassen bekannt.

Aber um "meinem" Fisch an den Haken zu bringen nützt uns allen keine modische Sprache sondern die Lust an der Natur. Ich persönlich fande Angeln mehr als doof. Bis,, ja bis der Schweizer Kollege mich einfach mal mitnahm. Seit dem geniesse ich die Natur und das ab und zu fangens eines Fisches. Am Haken hängt am schluß ein Köder und nicht ein Anti tangel...... oder sonst was. Neue techniken mag ich aber ich habe festgestellt die Fische können zumindestens bei uns kein Englisch, die nehmen auch einen deutschen Wurm??????



Liebe Grüße und Petri



Stefan Wagner
18.08.2014
 
Kommentar von Tobias Amon
Einer der besten Beiträge im Blinker seit langem!

Was man vielleicht noch deutlicher hätte sagen können:
Die Kommerzialisierung bedroht das Naturerleben!

Natürlich wollte auch schon zu Uropas Zeiten der Hersteller der Bambusrute Geld verdienen und hat diese vielleicht sogar beworben, aber mittlerweile ist die Werbung so allgegenwärtig in jedem Angelbericht, dass der Aspekt des Geräts absolut uberbetont ist.

Z.B. muss man natürlich froh sein, dass man heute Wobbler für jede Lauftiefe problemlos kaufen kann, aber dass man sich in der nächsten Saison unbedingt die neuesten, viel besseren Köder zulegen muss dient natürlich nur der Industrie.

Nebenbei bemerkt gibt es von Herstellern, die keine großen Werbeorgien veranstalten, gleichwertiges Gerät als von den Top-Namen, natürlich viel billiger.
16.08.2014
 
Kommentar von Hans-Rainer Fetz
Auf den Punkt gebracht!
sseebaer@t-online.de  14.08.2014
 
Kommentar von S. Seeberger
Heutzutage muß man erstmal einen Englisch-Fachkurs belegen so das man das Fachchinesich versteht. Es wäre besser hinter all den Fremdwörtern die Übersetzung in Klammern mitzuteilen. Im laufe der Zeit kann man sich das Fachchinesich dann peu A Peu aneignen. Dann Kriegt man das Angeln dann auch noch hin.Machts doch einfach so wie macher Andelspezi aus dem Norden und redet mal klar SCHIFF. Petri. SSEEBAER
14.08.2014
 
Kommentar von Jonas
Genau das und mehr nicht!!
Er hat einfach alles geschrieben b.z.w gesag! Perfekt! :) Es soll in mir die lust aufs angeln Wecken! Ich denke man sollte mit allem angeln was man will.
14.08.2014
 
Kommentar von Stefan P
Lieber Herr Koch,

ich danke Ihnen für diese Aussage. Als langjähriger Angler und einem 9 jährigen Jungen im Haushalt, der mir den ganzen Tag Angel-Anglizismen und mir unbekannte Fachausdrücke, entnommen aus einschlägigen Fachmagazinen, um die Ohren haut und dem Verkäufer unseres Angelladens sagt, was richtig und falsch ist, weil "Matze Koch das in seinem Youtube Blog so gesagt hat" (Nichts gegen Herr Koch, ich gucke ihn selbst sehr gerne!), verzweifel ich bei dem Versuch den Kindern die Natur näher zu bringen und ihnen das eigentliche Gefühl des Angelns zu vermitteln.
Wer auch ohne Angelrute ein paar Stunden am Gewässer aushält, der sollte erkennen das er sich schnell in eine andere Welt begibt, in der viele Menschen noch sehr viel lernen können.
Leider sind Anglizismen und Superlativen verkaufsfördernd, so mutiert dann der gemeine Wobbler schnell zum „Mega Multi Twitch Jerkbait“. Schade nur das die Fische die Verpackung vorweg nicht lesen können, dann wüssten sie vielleicht auch, das sie darauf besser anspringen müssen.

In diesem Sinne, Petri Heil!