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Pro & Contra

Nur mit Gummi

Wobbler, Blinker, Spinner, Jerkbaits - wer braucht alle diese Köder?, fragt sich Hans-Günter Böttner. Er setzt nur auf Gummiköder und sicht sich damit klar im Vorteil - beim Tragen und beim Fangen.
Gummifische bieten viele Einsatz- und Fangmöglichkeiten - und nicht nur auf Zander.
©Hans -Günter Böttner
Als ich mich mit meinem Angelkollegen Peter Samstagmorgen zum Spinnfischen an unserem Vereinssee treffe, bin ich erstaunt über die große schwere Ködertasche, die Peter über dem Rück hängen hat. „Was hast Du denn da drinne?“, frage ich erstaunt. „Na, unterschiedliche Köder natürlich. Ich will schließlich für alle Eventualitäten gerüstet sein“, gibt Peter zurück. Dann öffnet er die Tasche, kramt eine Box nach der anderen hervor und präsentiert mir stolz sein Köderarsenal: Blinker, Spinner, Wobbler, Jerkbaits und Gummiköder in unterschiedlichen Dekors, Größen und Formen liegen einsatzbereit in ihren Fächern. „Und was hast Du dabei?“, fragt er mich nach seiner ausgiebigen Köderpräsentation. Ich hole aus meinem kleinen Rucksack zwei Boxen hervor und öffne sie. „Du hast ja nur Gummiköder, Bleiköpfe und ein paar Bleie dabei“, lautet Peters Kommentar. „Ja klar, damit bin ich doch für alle Situationen bestens gerüstet – und ich muss nicht so viele Köder durch die Gegend schleppen wie du“, gebe ich zurück. „Das werden wir ja noch sehen, ich kann jedenfalls viel variabler angeln als du“, meint Peter im Brustton der Überzeugung. Zu Beginn versuchen wir unser Glück an einem bekannten Hotspot für Zander. Wir ließen beide unsere Shads am Bleikopf über den Grund hüpfen, und jeder von uns konnte einen Räuber verhaften. „Okay, das zählt nicht. Hier angelt man ja sowieso nur mit Gummi. Gehen wir mal an die Stelle da hinten, wo die Bäume übers Wasser hängen. Dort kitzele ich mit meinen Wobblern einen Hecht raus, und du siehst mit deinen Gummiködern ziemlich alt aus“, kündigt Peter großspurig an. Am neuen Platz wirft Peter voller Vorfreude aus – aber leider ein bisschen zu weit, und der Köder landet im Geäst. „Mein schöner Japanwobbler, der hat über 15 Euro gekostet.“ Nach einigem Gezerre reißt der Wobbler aus Fernost schließlich ab, und Peter ist frustriert. „Lass uns weitergehen. Hier kann man nicht vernünftig fischen“, meint er geknickt. „Nein, lass mich mal ein paar Würfe machen. Das Risiko gehe ich ein. Schließlich kosten meine Gummifische nicht die Welt“, erkläre ich. Und wirklich, nach dem zweiten Wurf unter das Geäst, schlägt es ein, und ich kann einen 75er Hecht landen. „Na gut, aber am Schilffeld hast du mit deinen Shads keine Chance“, meint Peter. Am Schilf montiert Peter einen Blinker und bekommt damit relativ zügig einen Hecht ans Band. „Siehst Du, die Fische stehen flach, was machst Du nun mit deinen Gummis?“, fragt er herausfordernd. Kein Problem, ich montiere einfach einen leichten Bleikopf und führe den Köder ebenfalls nahe der Oberfläche durchs Wasser – mit durchschlagendem Erfolg. An einer anderen Stelle bekomme ich plötzlich einen Biss im Mittelwasser. Daraufhin kramt Peter hektisch in seiner Box, um einen Wobbler zu finden, der in der richtigen Tiefe läuft. Bei manchen Ködern weiß er aber gar nicht genau, wie tief sie laufen. Bis er sich schließlich für einen Wobbler entschieden hat, habe ich den Barsch schon gefangen. Denn ich kann den Gummifisch am Bleikopf problemlos in die richtige Tiefe absinken lassen. Am Ende des Angeltages provoziere ich mit einem kleinen Shad an der Dropshotmontage noch einen weiteren Barsch zum Biss. Als wir wieder am Parkplatz sind, hat Peter Rückenschmerzen vom Tragen seiner vielen Köderboxen. Besser gefangen hat er nicht. Mir hat dieser Angeltag wieder einmal gezeigt: Wer auf Gummi setzt, fängt mindestens genauso gut wie Angler, die das volle Programm mit ans Wasser nehmen und hat weniger zu tragen. Das gilt auf jeden Fall für die ­Köder, aber seltener für die Fänge.
12.04.2012
Kommentar von hpike
Klar kann man gut mit Gummi fangen. Aber man kann auch gut mit Wobblern oder mir noch lieber, mit Jerks angeln. Ich finde es ziemlich engstirnig sich nur auf eine Methode zu beschränken, zumal man sich damit viele Möglichkeiten selbst verbaut. Ich bin der Meinung, man sollte sich der jeweiligen Situation anpassen, den es gibt immer Tage an denen das Eine oder eben das Andere besser läuft. Flexibilität ist da das Stichwort und nicht Einseitigkeit. Es gibt nicht den perfekten Köder für alle Situationen, es gibt nur den perfekten Köder für die momentane Situation. Es gibt ja auch keine wirkliche Alleskönnerrute. Es gibt nur entweder so perfekt wie möglich abgestimmte Ruten oder Ruten die von allem ein bißchen können, aber nichts richtig. Der ein oder andere mag sich damit abfinden, ich täte das nicht. Sich nur auf eine Köderart zu beschränken, hieße sich angeltechnisch zu kastrieren.
10.04.2012
Kommentar von Georg Mrkvicka
Ich kann die Meinung von Herrn Böttner nicht teilen. Ich kann z. B. mit einem Gummifisch nie die Aktion eines japanischen Spitzenwobblers erreichen, selbst wenn ich mich noch so anstrenge. Auch lässt er vollkommen außer Acht, dass z. B. an vielen Forellenbächen überhaupr nur Spinner und Blinker erlaubt sind. Auch zum Meerforellenangeln sind Wobbler und Blinker klar erste Wahl, ebenso Pilker zum Dorschfischen. In vielen Fällen, z. B. Zanderangeln und auch Drop Shot ist Gummi natürlich ideal, doch man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Insgesamt finde ich allerdings: Wer fängt, hat Recht, also soll jeder so fischen wie er am erfolgreichsten ist.
30.03.2012
Kommentar von Markus Wolfram
ich kann Herr Böttners Meinung nur eingeschränkt teilen.
Auch ich fange zwar meine besten Fische auf Gummi (außer bei der Forellenangelei)aber dass Gummiköder soviel kostengünstiger sind möchte ich mal stark bestreiten.

so werden mir sicherlich die meisten angler recht geben, dass der einzelne gummifisch in der anschaffung zwar günstiger ist, man aber mit einem halbwegs vernünftigen bleikopf auch schon recht schnell bei 3 bis 5 euro pro stück ist. und wenn man bedenkt wie viel öfters man einen gummifisch am grund abreißt im gegensatz zu einen hardbait der durchs mittwelwasser gezogen wird (und demzufolge weniger hänger produziert) ist der preisvorteil schon bei 3 oder 4 abgerissenen gummifischen schnell dahin.
29.03.2012
Kommentar von Heiner Hanenkamp
Ganz falsch ist's sicher nicht, was H.G. Böttner schreibt, wenn auch ein bisschen übertrieben. Für das Hechtfischen mit großen Kunstködern verwende ich zwar vorrangig Gummi, aber duchaus auch Hardbaits. So sind zum Beispiel Bucktailspinner und große Spinnerbaits in gewissen Situationen, wo es auf viel Druck ankommt, nicht zu ersetzen durch Gummi.

Aber im Allgemeinen hat es schon seine Berechtigung, Gummiködern eine größere Bandbreite an Möglichkeiten zuzuschreiben. Ganz und gar überflüssig machen sie Hardbaits dennoch nicht.
26.03.2012
Kommentar von Sascha Lerner
Hallo Zusammen,

Noch vor einiger Zeit gab es bei den Weichplastikködern nur eine eingeschränkte Auswahl was vor allem die Aktion und somit die Einsatzgebiete angeht. Heute ist die Fischerei z.B. mit der Dropshotmethode u.v.m vielseitiger geworden, d.h. ich kann auf verschiedene Situationen mit verschiedenen Weichplastikködern reagieren.
Mit einem Gummifisch und unterschiedlichen Köpfen kann ich Taktiken wählen, die mich z.B. einem Wobbler gegenüber, der in einer bestimmten Tiefe läuft, unabhängiger und flexibler macht.
Durch die weiche Konsistenz und z.B. einer naturgetreuen Färbung sind die Raubfische weniger scheu, durch die Vorteile wie z.B. die Beweglichkeit, die Färbung usw. haben die Weichplastikködern anderen Spinnködern den Rang abgelaufen. Durch die Neuerungen, die Vielfalt und nicht zuletzt durch die Werbung sind Weichplastikköder in Mode gekommen.
Wichtig ist das die anderen Köder wie Wobbler, Spinner oder Blinker nicht schlechter. Mit Gummiköder fängt man nicht unbedingt mehr oder größere Fische, die Entscheidung welchen Köder man wählt bleibt jedem selbst überlassen, wichtig ist nur das man seinem Köder vertraut.

Petri Heil,

Sascha Lerner, Rosengarten - Uttenhofen