Angeln Aktuell| 21.12.2012
Expertentipps für Winterzander
Mit spektakulären Großzanderfängen beim Spinnfischen sorgte BLINKER-Redakteur Veit Wilde in den letzten Wochen für viel Aufsehen. Wir verraten Ihnen die Tipps des Spezialisten, damit auch Sie trotz Kälte einen kapitalen Stachelritter überlisten können.
Veit Wilde mit einem dicken 94er Winterzander. Mit der richtigen Taktik stehen die Chancen auf solche Riesen jetzt sehr gut.
Zweifellos ist es in keiner anderen Jahreszeit so schwierig, regelmäßig Zander zu fangen, wie im Winter. Die Fische haben ihren Stoffwechsel deutlich reduziert und nehmen dementsprechend weniger Nahrung auf, als in der warmen Jahreszeit. Diese Tatsache hat allerdings auch Ihre gute Seite. Kleine Zander fressen jetzt fast gar nicht mehr. Somit muss man auf diese Bisse von Zandern unter 50 Zentimeter Länge zwar weitgehend verzichten, kann dafür aber damit rechnen, dass relativ selektiv gute oder gar kapitale Zander an den Haken gehen. Gerade Großzander rauben jetzt noch am intensivsten, weil sie durch ihr enormes Körpervolumen auch einen entsprechen hohen Nahrungsbedarf haben. BLINKER-Zanderexperte Veit Wilde geht aus diesem Grund im Winter besonders gerne ans Wasser, denn kapitale Stachelritter sind seine Lieblingsbeute. Die Fangresultate geben ihm recht. Nahezu alle Zander, die er in den letzten Wochen fing, waren größer als 60 Zentimeter. Auch zwei Ausnahmefische von 92 und 94 Zentimeter konnte der Spezialist landen. Veit fängt seine Zander hauptsächlich mit der Spinnrute in der Elbe, doch auch an allen anderen größeren Flüssen in Deutschland stehen die Chancen auf einen Zandergigant jetzt bestens.
Im Winter muss man oft stundenlang unter unangenehmen Bedingungen für einen Biss fischen, die Belohnungen sind aber meistens groß.
Entscheidend ist die richtige Taktik. Veit Wilde: „Das Wichtigste beim Zanderangeln im Winter ist Ausdauer in Kombinationen mit Kenntnis der Standplätze. Natürlich spielen auch Gerät, Köder- und Köderführung eine wichtige Rolle. Wer aber meint, dass er mit teurem Tackle und einer prall gefüllten Köderbox mehr Fische fängt, der täuscht sich gewaltig.“ Die Standplätze der Winterzander zu finden, ist gar nicht so schwer. Die Fische ziehen jetzt aus der Hauptströmung heraus an beruhigte Zonen, wie tiefe Buhnen oder Hafenausfahrten. Die Hot Spots sind meistens mit bloßem Auge zu erkennen. Das Problem besteht aber darin, dass meistens nicht sofort einen Biss bekommt, selbst wenn man seinen Köder genau dort anbietet, wo sich die Zander aufhalten. Hier kommt nun die Geduld ins Spiel, denn durch den niedrigen Stoffwechsel sind die Fressphasen der Fische kurz. Sie hämmern nicht, so wie es nach der Schonzeit oft der Fall, schon nach wenigen Würfen gierig auf den Köder. Veit Wilde angelt die Stellen regelrecht aus: „Während ich im Sommer den Platz wechsle, wenn nicht binnen weniger Minuten ein Zander beißt, fische ich jetzt mehrere Stunden lang an einer Stelle, sofern ich überzeugt bin, dass sich die Räuber dort aufhalten. Irgendwann kommt dann fast immer der entscheidende Biss.“ Bleiben Sie also hartnäckig und konzentriert!

Oft liest und hört man, dass Zander sehr wetterfühlig seien. Wie er dazu steht, wollen wir von Veit wissen: „Sonnenschein mögen Winterzander eher nicht, was aber nur daran liegt, dass die Fische sehr lichtempfindlich sind und viele Flüsse im Winter vergleichsweise klares Wasser haben. An sonnigen Tagen verlagere ich meine Angelzeit dann einfach auf Dämmerung und Nacht. Der Rest ist nicht so bedeutend. Ob der Wind aus Osten oder Westen kommt, ob das Thermometer bei Plus oder Minus 5 Grad liegt, ob es neblig ist oder sogar schneit – mir ist das alles egal. Wenn ich Zeit habe, gehe ich ans Wasser und mit der besagten Ausdauer kommt dann auch fast jedes Mal ein Fisch. Für mich steht fest, dass der Luftdruck überhaupt keinen Einfluss auf die Beißwilligkeit der Zander hat. Auch Temperaturänderungen spielen höchstens eine geringfügige Rolle, wobei ich tendenziell an den letzten zwei bis drei Tagen vor Beginn einer Dauerfrostperiode die besonders großen Fische ans Band bekomme. Die Chance zu fangen, ist aber immer vorhanden, wenn der Köder im Wasser ist. Wer zu Hause bleibt, geht garantiert leer aus.“
Veit setzt aktuell hauptsächlich auf große Gummifische. Bei Tageslicht sollten diese wenig und in der Nacht viel Aktion zeigen. Am wichtigsten ist eine sehr langsame Führung.
Aus den Worten von Veit Wilde hört man ganz klar heraus, dass regelmäßiges und intensives Angeln seiner Meinung nach der Schlüssel zum Fangerfolg ist, aber spielt denn das Gerät überhaupt keine Rolle für ihn? „Ich fische jetzt mit kräftigen und harten Spinnruten, stabilen Rollen und geflochtener Schnur. Bei Temperaturen unter Null Grad, ist es wichtig auf sehr eng geflochtene Schnüre zu setzen, die möglichst kein Wasser ziehen Auch Thermofusionsschnüre sind dann eine gute Wahl. Bloß keine monofile Schnur, denn damit ist es kaum möglich Bisse auf Distanz erfolgreich zu erkennen und zu verwerten. Um vor Hechtbissen und Abrieb an Steinpackungen gewappnet zu sein, fische ich nie ohne ein Vorfach, welches aus minimal 0,50 Millimeter dickem Fluorocarbon besteht. Das Tackle hat für mich aber nur den Zweck meinen Köder dem Fisch zu präsentieren, ihn zu haken und zu landen. Den Zander interessiert es nicht, ob eine Rolle von Hersteller X oder Y im Einsatz ist.“
Bei der Köderwahl setzt der Experte jetzt voll und ganz auf den Gummifisch. Hat er einen Geheimköder, mit dem er die Riesenzander fängt? „Nein, habe ich nicht. Ich benutze jetzt meistens große Shads zwischen 15 und 20 Zentimeter Länge. Darauf gibt es mehr Bisse als auf kleine Köder, denn für die Zander ist es einfach einmal eine große Beute zu schlagen, als mehrere kleine Fischchen zu jagen.“ Für das kalte Wasser werden oft Köder mit wenig Aktion empfohlen, aber stimmt das auch? „Bei Tageslicht schon, dann setze ich gerne auf schlanke Shads mit V-Tail oder kleinem Schwanzteller. Diese Köder kommen der natürlichen Beute der Zander in Form und Bewegung sehr nahe. In der Dunkelheit ist allerdings auch die Köderaktion von Bedeutung. Aktionsstarke Köder, die einen großen haben, werden dann von den Zandern besser wahrgenommen.“ Viele Stachelritter, darunter auch einen 92er erbeutete Veit Wilde in letzter Zeit nachts mit dem 16 Zentimeter langen Shaker von Lunker City. Am Tag waren relativ viele verschiedene Shads erfolgreich. „Bisse hatte ich im Hellen unter anderem auf den Fork Tail von Fox, den Stint-Shad von MB-Fishing und der größte Zander der letzten Wochen von 94 Zentimeter Länge ging auf einen großen Sea-Shad von Camo-Tackle. Ich verwende die Shads jetzt ganz gerne in natürlichen Farben, wie Braun und Perlmutt. Nur in sehr trübem Wasser kommen Schocker wie Pink oder Gelb zum Einsatz. Mit Naturfarben macht man aber grundsätzlich nie etwas falsch.“ Der Zanderprofi verrät, dass er der Köderführung im kalten Wasser eine höhere Priorität zumisst, als der Wahl des Verführers: „Sowohl die Jäger als auch die Gejagten sind sehr träge. Darum ist eine langsame, passive Führung jetzt ideal. Ich führe den Köder momentan nur über die Rolle, wende also die sogenannte Faulenzermethode an. Mittels einer oder maximal zwei Kurbelumdrehungen wird der Köder in Mini-Sprüngen über den Boden geführt. Um dennoch eine kurze Absinkphase zu gewährleisten, benutze ich leichtere Bleiköpfe als im Sommer.“ Außerdem rät Veit dazu, immer einen Zusatzdrilling in Verbindung mit einem relativ kurzen Jighaken zu verwenden: „Bei den relativ großen Wintergummis ist der Angstdrilling Pflicht. Etwa die Hälfte der Zander, die ich in den letzten Wochen fing, hing nur am Drilling. Der kurze Jighaken sorgt außerdem dafür, dass die Köderaktion nicht negativ beeinflusst wird und kommt dem Fressverhalten der Zander entgegen. Die Fische saugen den Gummifisch nämlich ein, was natürlich leichter geht, wenn dieser durch einen kurzen Jighaken fast auf ganzer Länge weich und flexibel bleibt.“

Wir sind gespannt, was uns Veit in den kommenden Wochen noch an großen Zander präsentiert. Noch gespannter sind wir aber, ob auch Ihnen ein Großzanderfang glückt. Möglicherweise verhelfen die Tipps von Veit Ihnen ja nun auch zum kapitalen Stachelritter trotz Kälte. Sollte dies der Fall sein, senden Sie uns Ihr Fangfoto bitte an redaktion@blinker.de. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!
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